Gebauer: Mathe-Abi «angemessen und lehrplankonform» – keine Notenanhebungen

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DÜSSELDORF. Klagen über zu schwierige Mathe-Aufgaben in den diesjährigen Abiturprüfungen in NRW sind von Schulministerin Yvonne Gebauer zurückgewiesen worden. Die Aufgaben seien «angemessen und lehrplankonform» gewesen, «lösbar» und nicht fehlerhaft, sagte die FDP-Politikerin am Mittwoch im Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags. Ob die Prüfungen schlechter ausgefallen sind als in den Vorjahren, weiß die Ministerin allerdings nicht. In Mecklenburg-Vorpommern hatte dieser Befund zu einer Anhebung der Noten geführt.

Bleibt hart: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Foto: Martin Kraft / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

«Das zentrale Abitur in NRW umfasst 39 Fächer», sagte Gebauer, nur in Mathematik habe es kritische Rückmeldungen gegeben – und auch das nur in einem «sehr überschaubaren Rahmen». Sie sehe keinen Handlungsbedarf, habe prüfungsrechtlich auch keine Handlungsmöglichkeit. Die von einer Kommission aus Fachlehrern gestellten Mathe-Aufgaben seien von der Bezirksregierungen und von Uniprofessoren geprüft worden, Lehrer der Gymnasien und Gesamtschulen hätten sie einem Praxistest unter realen Prüfungsbedingungen unterzogen.

In zwei Internet-Petitionen gegen die Abi-Klausuren in Mathe hatten Schüler moniert, die Aufgaben seien «unverschämt schwer» gewesen. Sie hatten eine angepasste Bewertung oder neue Klausuren gefordert. Nach Angaben der Grünen kommen die Petitionen auf rund 15.000 Unterschriften.

Anders als NRW hat Mecklenburg-Vorpommern die Noten fürs Mathematik-Abitur um zwei Punkte angehoben

Gebauer zufolge ist aber davon auszugehen, dass es sich nicht bei allen Unterzeichnern um aktuelle Abiturienten handelt. Das Ministerium habe auch mehrfach mit Blick auf die Erschwernisse der Pandemie darauf hingewiesen, dass bei der Benotung einen Beurteilungsspielraum bestehe. Sie sei sicher, dass Lehrer diesen auch genutzt hätten.

Anders als Nordrhein-Westfalen hat Mecklenburg-Vorpommern – weil das Mathematik-Abitur in diesem Jahr dort viel zu schlecht ausgefallen ist – alle Noten in diesem Fach um zwei Notenpunkte angehoben. Dies gelte für die Grund- und die Leistungskurse, wie das Bildungsministerium in Schwerin mitteilte. Im Durchschnitt lagen die Notenpunkte in diesem Jahr im Schnitt bei 4,1 im Grundkurs und bei 5,6 im Leistungskurs, im vergangenen Jahr bei 5,7 beziehungsweise 8,4.

Für dieses außergewöhnlich niedrige Niveau hätten mehrere Rahmenbedingungen zusammengewirkt, erklärte das Bildungsministerium in Schwerin. So habe in diesem Jahr der erste Jahrgang der neuen Oberstufe das Abitur nach neuen Vorgaben abgelegt. Die Aufgaben seien erstmals in Grund- und Leistungskurs-Klausuren aufgeteilt worden. Gleichzeitig sei ein qualitativ neuer Aufgabentypus Grundlage für das Abitur gewesen, der stärker auf Kompetenzen als auf Anwendung von erlerntem Formelwissen beruhe. Die Schüler sollten durch das Zusammenwirken dieser Umstände keine Nachteile erfahren, hieß es. Mit der Anhebung um zwei Punkte solle der Punktedurchschnitt rechnerisch an die Ergebnisse der vergangenen Jahre angeglichen werden.

Wie die „Rheinische Post“ berichtet, erhebt die Kultusministerkonfernz keine Einwände gegen das Vorgehen Mecklenburg-Vorpommerns. Die Bundesländer hätten „bei der Benotung Spielraum“, so hieß es.

Warum ausgerechnet im Corona-Jahr an den Aufgabenformaten herumgedoktert werden musste, erklärte das Mininsterium nicht

Das NRW-Schulministerium hatte „Veränderungen“ bei den Abiturprüfungen gegenüber den Vorjahren eingeräumt – die Klausuren seien länger geworden. „Durch die Veränderung der Klausurzeiten und der damit einhergegangenen Veränderung der Aufgabenformate in Form von Textlängen oder Veränderungen in der Struktur der Aufgaben kann bei Abiturientinnen und Abiturienten das Gefühl entstanden sein, dass die Aufgaben im Vergleich zu den Abituraufgaben der vorangegangenen Jahre einen höheren Schwierigkeitsgrad aufweisen.“ Tatsächlich schwerer seien die Aufgaben aber nicht gewesen. Warum ausgerechnet im Corona-Jahr 2021 an den Aufgabenformaten herumgedoktert werden musste, erklärte das Mininsterium allerdings nicht.

Zur Dringlichen Frage der SPD zu möglichen Abweichungen bei den Abiturnoten im Vergleich zu den Vornoten sagte Gebauer nun, es deute nichts darauf hin, dass die Durchschnittsnote in Mathematik – rund 45.000 Abiturienten hatten Mathe im Grund- oder Leistungskurs – diesmal deutlich unter dem Notenschnitt der letzten Jahre liegen wird (wie eben in Mecklenburg-Vorpommern). Die Ergebnisse in Nordrhein-Westfalen seien aber auch noch gar nicht bekannt. News4teachers / mit Material der dpa

Aus dem Leserforum

Im Leserforum von News4teachers hat sich zu den Prüfungsaufgaben eine rege Diskussion entfaltet, die das Problem anschaulich macht. Ein Schüler schreibt:

„Ich als betroffender Schüler kann ihnen so viel sagen, dass ich bis zum jetzigen Zeitpunkt jede Klausur ohne Probleme im 1er Bereich bearbeitet habe und zur Übung die vorherigen Klausuren in rund 2h vollkommen Fehlerfrei schaffen konnte. Die Abiturprüfung in diesem Jahr hatte allerdings ein vollkommen anderes Niveau und man kann uns dabei nicht vorwerfen, dass wir mehr Zeit hatten, wenn die anderen Klausuren aufgrund deutlich geringer Komplexität und Quantität in rund zwei Stunden und die jetzigen in knapp 4 Stunden bearbeitet werden konnten. Zudem war der Sachzusammenhang, besonders in der Analytischen Geometrie komplett verwirrend und hatte keinerlei Berührungspunkte zum Unterrichtsgeschehen.“

Eine Lehrkraft erklärt dazu:

„Als betroffene Lehrkraft eines Grundkurses in NRW kann ich folgendes mitteilen:
– Die Aufgabentexte waren in diesem Jahr wie immer umfangreich, aber deutlich anspruchsvoller formuliert als in den letzten Jahren. Die erste Hürde war also die Lesekompetenz.
– Es wurde im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr stark in die Breite geprüft. So wurde deutlich detaillierter in Bezug auf alle vorgegeben Kompetenzen geprüft und dabei der Bereich der Qualifikations- und der Einführungsphase betrachtet. Besonders der Umgang mit Gleichungen und Variablen in komplexen Situationen war gefordert – deutlich mehr als in den letzten Jahren.
– Die einzelnen Aufgabenteile waren sehr komprimiert und verlangten diverse Zwischenschritte (ohne Kontrollösungen).
– Die Bepunktung war diesbezüglich sehr gering. Nicht selten waren für 6 bis 8 Zwischenschritte nur 3 bis 5 Punkte zu vergeben – halbe Punkte gibt es nicht.
– Die teilweise fehlenden Zwischenergebnisse machten es nicht möglich bei kleinen Fehlern einen Aufgabenteil oder den darauffolgenden Aufgabenteil zu lösen.
– Die Kontextualisierung der Aufgaben war besonders im Bereich der linearen Algebra unverständlich, nicht anschaulich und und wirkte stümperhaft übergestülpt.
– Die sonst immer empfohlene Vorbereitung über die Aufgaben der letzten Jahre und der Beispielaufgaben des Ministeriums war sinnlos, da die diesjährige Prüfung fast grundlegend anders aufgebaut war – auch im Hinblick auf die Aufteilung nach den Anforderungsbereichen.
-> Während ich also in den vergangenen Jahren die Petitionen gegen die Aufgabenschwierigkeit belächelt habe, stimme ich in diesem Jahr der Kritik zu.“

Abitur-Klausuren: Schülervertretung spricht von einem „Desaster“ – und fordert Abschlüsse auf Wunsch auch ohne Prüfungen

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24 KOMMENTARE

  1. Eine Unverschämtheit!
    Wird der Notendurchschnitt eigentlich statistisch erhoben?
    In den mir bekannten Fällen kam es an allen Schulen zu einer sehr deutlichen Verschlechterung im Vergleich zu den Vornoten um im Schnitt ca 5 Notenpunkte

    Es ist ja so leicht, zu behaupten, es sei alles richtig gelaufen. Frau Gebauer hat doch keinen Ahnung und ist mal wieder nicht bereit, für Fehler geradezustehen.
    Sie hat selbst in ihrer Schulzeit noch nie eine Matheklausur gesehen.
    Es ist zum K…..!

    • Natürlich wird der Notenschnitt erhoben. Die angebliche Verschlechterung um 5 Notenpunkte halte ich für eine Märchenbucherzählung.

      • Wir sind SchülerInnen von mehreren Gymnasien des Großraums Köln-Bonn. Wir haben uns an das Schulministerium und die Bezirksregierung Köln gewandt und haben keine Reaktion bekommen.

        Die Mathe-Prüfung fand vor 5 Wochen statt. Die Noten wurden an allen Schulen bereits bekanntgegeben. Daher sollten die Übermittlung der Noten und deren Berechnung einer Mittelstufe-Mathe entsprechen. Die Noten im Mathe-GK wurden in zahlreichen Schulen tatsächlich um 5-6 NP verschlechtert. Das ist die Realität. Das kann man nicht als Märchenerzählung belächeln. Betroffen sind vor allem die zahlreichen GK mit Auswahl der umstrittenen Geometrie-Aufgabe, weshalb die Ermittlung des Notenschnittes differenziert erfolgen muss. Die SchülerInnen hatten keine Auswahlmöglichkeit. Viele LehrerInnen haben die analytische Geometrie genommen, weil das Themenfelnd Stochastik im Unterricht pandemiebedingt nicht hinreichend geschafft wurde. Warum müssen wir dafür büßen? Rückwirkend betrachtet, hätte das Ministerium keine Erweiterung der Aufgaben in Aussicht gestellt, weil dies alles nur durcheinander gemacht hat. Und es war keine wirkliche Aufgabenerweiterung.

        Da die Verschlechterung sehr groß ausfällt, können bzw. wollen der Großteil der SchülerInnen nicht in die niedrig gewichtete Nachprüfung, weil sich dadurch notentechnisch nichts ändern wird. Einzige Möglichkeit besteht in einer fairen Anhebung der Notenpunkte um 2 NP. Die KMK hält es für machbar.

        • Ich wundere mich, dass ihr nicht in die freiwillige mündliche Nachprüfung geht, weil ihr damit ggfs. die von euch gewünschte Anhebung um 2 Notenpunkte gut erreichen könnt. Ihr schreibt, dass viele Klausuren 5-6 Notenpunkte schlechter ausgefallen sind als normal. Wenn ihr nun in der mündlichen Prüfung 6 Punkte besser seid als in der Klausur (was offenbar dann euren „normalen“ Vornoten entsprechen würde), dann habt ihr quasi die zwei Notenpunkte mehr erhalten.
          Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: Angenommen ihr seid mit 11 Punkten vorbenotet, schreibt im Abi 5 Punkte und macht in der mündlichen Prüfung euer „normales“ 11-Punkte-Ergebnis, dann gewinnt ihr insgesamt wegen der 2:1-Gewichtung schriftlich-mündlich exakt so viele Punkte dazu, wie wenn ihr im schriftlichen Abitur 7 Punkte geschrieben hättet. Die Anhebung um 2 Notenpunkte könnt ihr also relativ leicht durch eine mündliche Prüfung erwirken, wenn ihr 6 Punkte mehr erzielt als in eurer Klausur. Ich wundere mich daher, wie ihr zu der Schlussfolgerung kommt, eine mündliche Prüfung würde nichts bringen. Ihr müsst „nur“ antreten und euer „normales“ Leistungsniveau (6 Punkte mehr als in der Abiklausur) erreichen und ihr gewinnt exakt so viele Punkte wie bei einer Anhebung eurer Klausur um 2 Notenpunkte.
          Über eine Antwort zu meinem Vorschlag würde ich mich sehr freuen.

          • @Matthias:
            Vielen Dank für Ihre Erläuterung. Hier kurzgefasst in 2 Teilen.
            Teil I
            Wie der gewichtete Durchschnitt aus den beiden Prüfungen ermittelt wird, wissen wir. Wir wundern uns, dass Sie die Nachprüfung so beschreiben, ob es eine gewöhnliche Prüfung wäre. Wie stellen sich das organisatorisch vor, wenn über 80 % der Mathe-Prüflinge in die Nachprüfung gehen würden? Das ist gar kein Regelfall. Früher (vor 2020) war die Nachprüfung eine Pflichtprüfung bei Abweichungen (nach unten und oben) um mehr als 4 NP sowie eine freiwillige Prüfung für die Übrigen. Der Anteil der Nachprüflinge an jeweiligen Gymnasien lag i.d.R. bei ca. 7%. Heute, nach der Abschaffung der Pflichtprüfung, ist dieser Anteil auf ca. 5% zurückgegangen, obwohl die Abweichung nach unten sehr stark gestiegen ist und mehr als 5-6 NP beträgt. Aussagekräftig ist, wie die leistungsstarken SchülerInnen abgeschnitten haben. In der GK-Matheprüfung mit der Auswahl der analytischen Geometrie sind die Noten von Einser-SchülerInnen von 14-15 NP auf 7-8 NP verschlechtert worden (unsere tatsächliche Erhebung von mehreren Schulen). Daraus kann man ableiten, wie es bei übrigen SchülerIinnen aussieht, die Notenverteilung haben wir auch.

            Es stellt sich folglich die Frage, woran es liegt, dass die Prüflinge 2021 nicht in die Nachprüfung gehen.

            Die Antwort ist eindeutig: Die Nachprüfung lohnt sich nicht, wenn eine sehr große Gesamtnotenverschlechterung vorliegt. Das ist der Fall heute. Da die Mathe-Prüfungen (LK/GK) vom Großteil der SchülerInnen absolviert werden und weil gerade die Mathe-Prüfungen 2021 mit größten Problemen behaftet sind, reden wir heute überwiegend über die Mathe-Prüfungen. Die Realität ist, dass durch die neuen Abiturvorgaben 2021, worauf die LehrerInnen und SchülerInnen nicht hinreichend informiert und vorbereitet waren – und dies noch im Corona-Jahr, die Prüfungsergebnisse in mehreren Fächern beim Großteil der Prüflinge viel schlechter ausgefallen sind. Ausnahmen bestehen bei 3-6 Fächern, die umgekehrt viel leichter waren als in vorigen Jahren, und bei manchen Prüflingen, die Mathe dezentral mündlich absolvierten oder keine Mathe als Abiturfach haben.

            Entsprechend wäre es richtig gewesen, wenn entweder die Mathe-Prüfungen freiwillig nachgeschrieben oder die freiwilligen mündlichen Nachprüfungen 1:1 gewichtet wären. Das ist jetzt nicht mehr machbar. Es bleibt nur die Anhebung der Mathe-Noten um 2 NP im Einklang mit anderen Bundesländern, die bisher so praktiziert haben, wenn alle andere Maßnahmen mit großem Aufwand verbunden sind und dafür auch zu spät ist.

          • Teil II
            Wir haben das Schulministerium gefordert, die Prüfungsergebnisse differenziert nach LK und GK sowie nach Aufgabenauswahl zu erheben. Wir selbst tun es anhand einer statistisch repräsentativen Stichprobe. Das ist aber die Arbeit des Ministeriums. Wenn man uns nicht glaubt, dann sollten doch die Aussagen der LehrerInnen ernst genommen werden, die ausnahmslos berichten, dass die GK-Mathe-Prüfung 2021 die Abituranforderungen in vieler Hinsicht mehrfach übersteigen. Wie z.B. eine Lehrkraft im oben ausgeführten Artikel mitteilt, waren die Aufgabenstellungen auch mit Fehler behaftet, deren Prüfung ist noch ein weiteres Anliegen ist.

            Durch die Abiturprüfung wollte Frau Gebauer die Gleichwertigkeit der Abschlüsse erzielen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Heute feiert Hamburg, wo auf die Aufgaben aus dem zentralen Pool verzichtet wurde, dass dort das Mathe-Abi viel besser abgeschnitten worden ist als im letzten Jahr. Wir, die NRW-SchülerInnen, erreichen trotz unserer Bemühungen und vielerorts sehr guten Vorbereitungen, umgekehrt die schlechtesten Abi-Noten, die wir während unserer Qualifikationsphase unter doch schwierigen, ungewöhnlichen und einmaligen Coronabedingungen noch vermeiden konnten. Die Gleichwertigkeit der Abschlüsse kann auch nicht erzielt werden, wenn die LehrerInnen ihre Bewertungsspielräume sehr unterschiedlich nutzen, was zu erwarten ist. Die Nutzung der Bewertungsspielräume hängen auch von jeweiligen Schulleitungen und zuständigen Fachaufsichten ab. Nicht zuletzt legen die LehrerInnen unterschiedliche Überlegungen zugrunde: Einige wollen dem Ministerium die erheblichen Notenabweichungen zeigen wie es ist, mit der Erwartung, dass sich das Ministerium doch eingreift. Die anderen LehrerInnen hoffen nicht auf eine Änderung, weshalb korrigieren die Prüfungsarbeiten vergleichsweise großzügiger.

            Das ist die Realität, die wir haben. Sie ist nicht zu verharmlosen und nicht zu verschönern. Wir hoffen, dass die Notenerhebungen der Tatsache entsprechend, mathematisch und inhaltlich richtig erfolgen wird, worauf basierend eine faire Lösung für die Mathematik-Prüflinge in NRW gefunden wird.
            Wir wissen auch, dass die Eltern von einigen SchülerInnen juristische Klage vorbereiten. Was ist mit allen anderen Abiturienten, die sich es nicht leisten können?

          • @Matthias
            Das ist schon eine Frechheit, wenn man zu jemandem mit 11 NP (Note 2) sagt, dass er/sie zweimal eine Prüfung ablegen soll, um auf 8 NP (Note 3) kommen zu können. Das ist ein Klatsch ins Gesicht: „Du kannst dich verschlechtern von der Note 2 lediglich auf 3, aber dafür musst du zweimal die Prüfung machen“. Für wie dumm halten Sie die SuS?

            Wenn Sie ein Lehrer sind, dann lieber setzen Sie sich doch für die SuS ein. Beschweren Sie sich doch bei Ihrem Dienstvorgesetzten. Als Beamte sind die Lehrer dazu verpflichtet, die Missstände zu remonstrieren.

    • Da gebe ich lehrer002 Recht. LK an meiner Schule 24 von 26 Klausurergebnisse im Notenbereich 1-3, darunter 10 mal 1. Eine Verschlechterung um 5 Notenpunkte wird niemals der Schnitt sein. Sollte das an einzelnen Schulen der Fall sein, müsste man da auch mal die Abiturvorbereitung und die erteilten Vornoten hinterfragen, die dann offenbar viel zu gut gesetzt wurden.

      • Die Mathe-Ergebnisse lagen gar nicht „im Rahmen“, vielleicht bei Schulen, die den Bewertungspielraum sehr großzügig genutzt haben.
        Der LK hat generell deutlich besser abgeschnitten als GK. Bei uns hatte ein LK neben Analysis auch Geometrie und Stochastik. Durch Stochastik konnten sie die fehlenden Punkte in Geometrie retten. 2x13Pkt, 7x(8-12)Pkt, 8x(4-7)Pkt, 2x(2-3)Pkt.
        Ein GK hatte zwei Analysis und Geometrie. 1x11Pkt, 7x(5-9)Pkt, 12x(0-4)Pkt, keine 12-15Pkt.
        Die Leute, die auf 12-14Pkt standen, sind auf 6-8Pkt abgerutscht. Die meisten wollen und können nicht in die Nachprüfung, weil dadurch fast nichts ändern wird.
        Das zeigt sich auch an Nachbargymnasien.
        Eindeutiger Fazit: Die GK mit Geometrie-Auswahl waren deutlich im Nachteil! Da ist etwas im Busch in den Aufgaben der Geometrie.

        • Die Geometrieaufgabe war vom Kontext total blöd. Ich gehe davon aus, dass sich ihre Grundkurskollegen extrem geärgert hatten, dass sie die Möglichkeit zum Weglassen eines Teilgebietes genutzt und sich gegen die Stochastik entschieden hätten. Die Aufgabe war recht einfach und dankbar.

  2. Von den Vorjahren ist das hier nachzulesen:
    https://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/cms/upload/abitur-gost/berichte/Zentralabitur-Gymnasiale-Oberstufe-2020.xlsx

    Grundkurs Mathematik:
    M = Mittelwert, SD = Standardabweichung, Pkt = Punkte

    M_2020 7,4
    SD_2020 3,8
    Pkt_0_bis_4_in_%_2020 24,1
    Pkt_13_bis_15_in_%_2020 9,6

    M_2019 7,6
    SD_2019 3,5
    Pkt_0_bis_4_in_%_2019 20,2
    Pkt_13_bis_15_in_%_2019 7,9

    M_2018 6,4
    SD_2018 3,7
    Pkt_0_bis_4_in_%_2018 34,0
    Pkt_13_bis_15_in_%_2018 5,7

    Im Vergleich zu 2021 ist also schon eine deutliche Verschlechterung zu sehen. Ich weiß nicht, ob es in anderen Fächern auch ausgegangen ist. Generell ist der Schnitt vergleichsweise schlecht, was aber auch daran liegen könnte, dass Mathematik häufig als „Notlösung“ gewählt wird, um die Abiturverpflichtungen abzudecken. Deutsch GK ist ebenfalls im unteren Drittel der Durchschnittstabelle. Wir raten mittlerweile allen Schülern davon ab, Mathematik 3. Abiturfach zu wählen, wenn wir ihnen nicht auch den Mathematik LK zutrauen würden.

    • In welcher Schulform arbeiten Sie? Ich empfinde die GK-Aufgaben dieses Jahr als schwieriger als in den letzten Jahren, während ich die LK-Aufgaben völlig in Ordnung finde. An unserer Schule (Gymnasium, Ruhrgebiet) wird Mathematik von etlichen Schülern als drittes Fach angewählt mit in der Regel völlig normalen Ergebnissen, da man – zumindest in meiner Wahrnehmung – SEHR gezielt auf die Abiprüfung hinarbeiten kann und durch „Schema F“-Aufgaben bereits in den Dreierbereich kommt. Defizite haben wir natürlich auch, aber immer nur in begrenztem Ausmaß.

      • Das ist wohl wahr, der GK wurde absolut auseinandergenommen.

        Zitat aus https://www.abiunity.de/thread.php?threadid=56463&post=434890#post434890:
        „Die Mathe-Ergebnisse lagen gar nicht „im Rahmen“, vielleicht bei Schulen, die den Bewertungspielraum sehr großzügig genutzt haben.
        Der LK hat generell deutlich besser abgeschnitten als GK. Bei uns hatte ein LK neben Analysis auch Geometrie und Stochastik. Durch Stochastik konnten sie die fehlenden Punkte in Geometrie retten. 2x13Pkt, 7×8-12Pkt, 8×4-7Pkt, 2×2-3Pkt.
        Ein GK hatte zwei Analysis und Geometrie. 1x11Pkt, 7×6-9Pkt, 12×0-5Pkt, keine 12-15Pkt.
        Die Leute, die auf 12-14Pkt standen, sind auf 6-8Pkt abgerutscht. Die meisten haben keinen Bock mehr auf Nachprüfung, weil dadurch fast nichts ändern wird.
        Fazit: Die GK mit Geometrie-Auswahl waren deutlich im Nachteil! Da ist etwas im Busch in den Aufgaben der Geometrie.“

  3. Gebauer ist eine bildungspolitische Vollkatastrophe. Noch nie habe ich mir im Interesse unserer Kinder eine Wahl so sehr herbeigewünscht.

    • Dann haben Sie wohl keine Erinnerungen an Ihre Vorgängerin mehr! Schlimmer geht immer. Und in der Sache mit den Abiklausuren handelt Sie richtig.

      • Ach, lehrer002, Sie sind aus Niedersachsen und schreiben ja hier über NRW immer so schlecht. Für Niedersachsen wollten Sie eine Notenanhebung haben und für NRW nicht. Hatten Sie oder ihre Kinder keinen Glück an NRW-Schulen, dass Sie so missgünstig sind?

  4. Ich stelle mir gerade vor, wie die ReNo-Fachangestellte Gebauer die Mathe-Abiklausur schreibt. Nur so zum Spaß.

    • Auf welche Daten beziehen Sie sich? Nach meinem Kenntnisstand sind keine Ergebnisse veröffentlicht worden bisher.

  5. Wir hatten diese Woche ein Vorstellungsgespräch zur Elektronikerausbildung im Energiesektor für Herbst 2022. Da hatte ein Bewerber ein vom Lehrer ausgestelltes „CoronaZertifikat“ mit dem Inhalt:Du hast diese schwierige Corona-Zeit gemeistert und dabei ganz besondere Fähigkeiten gelernt, die für deine Zukunft wertvoll sind. Du hast das Lernen am Computer geübt. Du hast Krisenkompetenz gezeigt, indem du dich auf eine außergewöhnlich schwierige Situation eingestellt hast.
    Ihm wurde eingetrichtert, dass er damit der Grösste ist und alle Vorteile auf seiner Seite, so etwas wäre wichtiger als Noten. Leider hat er es mit flüssigem Lesen und dem Verständnis dazu gar nicht so. Sich das Lachen über so einen Zettel zu verheben ist sehr schwer. Den Ausbilderkollegen aus anderen Firmen geht es ähnlich, es kommen jetzt sehr viele Bewerber mit solchen „Sinnloszetteln“.
    Bitte hört auf solche Zertifikate auszuteilen, die Schüler machen sich nur lächerlich damit, geholfen ist damit niemandem.

    • Ich hab zwar keine Ahnung, aber dafür null Plan von der Sache … aber so ganz freiwillig vom Lehrer ausgestellt klingt das nicht, oder?

      • Die Unterschrift der Klassenlehrerin war jedenfalls drauf. Interessanterweise steht bei allen Schülern das Gleiche drauf. Daraus schliesse ich, dass niemand abgehängt wurde. Bei den namhaften Ausbildungsbetrieben sind alle Alarmglocken an, aus Angst, dass die Zeugnisse nicht stimmen und ihnen schlechter Nachwuchs von den Schulen abgedreht wird. Aufnahmetests werden jetzt natürlich anziehen. Die Leidtragenden sind jetzt die kleinen Firmen, welche nicht so eine grosse Auswahl an Bewerbern haben. Dass fehlende Kompetenzen der Schüler nachgeholt werden, glaube ich nicht, aber ich lasse mich sehr gerne über raschen. Es ist ja noch Zeit bis September.

    • „Du hast dich stets“ bemüht … in solche Richtung gehen solche Zettel. Damit tut man den SuS keinen Gefallen. Das sind nicht einmal soft skills. Einstellen auf Corona mussten sich alle. Üben an sich ist nicht viel wert, wenn das Ergebnis nicht stimmt oder überprüft wurde.

  6. Die Ministerin wurde gebeten die Situation der Mathe-Prüfung am NRW-Landtag darzulegen. Sie konnte keine Zahlen nennen, wie die Prüfung notentechnisch ausfiel, und konnte nicht erklären, warum die neuen (hoch umstrittenen) Vorgaben gerade im Corona-Abschlussjahr gelten sollten. Dabei fand die Mathe-Prüfung vor mehr als 5 Wochen statt, am 04.05.2021, und die Schulbehörden hatten genug Zeit, der Sache nachzugehen.

    Nach lauten Kritiken der LuL und SuS wurden die LuL lediglich darum gefragt, nur die „großen Notenabweichungen“ an die Bezirksregierungen zu übermitteln. Das ist sicherlich keine verlässliche Statistik, zumal die LuL ihre Bewertungsspielräume sehr unterschiedlich genutzt haben. Zudem liegt es im Interesse der Bezirksregierungen bzw. der Fachaufsichten, die Situation zu verschönern und zu verharmlosen, da die Fachaufsichten selbst in der Prüfungserstellung involviert waren.

    Lächerlich ist, dass sich die oberste Schulbehörde mit der dazugehörigen juristischen Abteilung für ihre Entscheidungsfindung an die Zahl und die Teilnehmer der Petitionen orientiert, die wiederum gar nicht ausschlaggebend sind. Allein die aussagekräftigen Meldungen der LuL und SuS sollten Grund genug sein, dass das Ministerium von Amts wegen tätig wird.

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