Was die neue GEW-Chefin fordert, um Kitas und Schulen besser auszustatten

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LEIPZIG. „Bildung muss krisenfest gemacht werden“, dafür hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) während ihres 29. Gewerkschaftstages stark gemacht. „Die Corona-Pandemie hat wie unter einem Brennglas die Schwächen des gesamten Bildungssystems in Deutschland gezeigt. Die mangelnde Chancengleichheit ist und bleibt die Achillesferse des Bildungswesens. Es ist absolut inakzeptabel, wenn die Postleitzahl über die Bildungschancen der Menschen entscheidet“, sagte die neue GEW-Vorsitzende Maike Finnern während der virtuellen Abschlusspressekonferenz zum Gewerkschaftstag am Freitag in Leipzig. Sie stellte ein Sechs-Punkte-Programm zur Stärkung der Bildung vor.

„Das Bildungssystem braucht dringend mehr Fachkräfte“: Die neue GEW-Vorsitzende Maike Finnern. Foto: GEW NRW

„Die Unterfinanzierung des Bildungswesens muss endlich beendet werden. Dafür muss die Einnahmebasis der öffentlichen Hand verbessert werden und das Kooperationsverbot endlich komplett fallen“, betonte Finnern. Sie schlug eine Reform der Steuerpolitik vor, die einkommensschwache Schichten entlaste und einkommensstarke mehr in ihre gesellschaftliche Pflicht nehme. Dazu gehörten die Wiedereinführung der Vermögensteuer und eine Corona-Abgabe für Superreiche. Zudem müsse die Schuldenbremse ausgesetzt und die Rückzahlung der Corona-Kredite zeitlich erheblich gestreckt werden.

„Das Bildungssystem braucht dringend mehr Fachkräfte, damit den Lernenden qualitativ gute Bildung angeboten werden kann“, unterstrich die GEW-Vorsitzende. „Die Bildungsberufe müssen attraktiver werden.“ Dafür seien die Arbeitsbedingungen der Pädagoginnen und Pädagogen, aber auch die Bezahlung, beispielsweise für Erzieherinnen und Erzieher, deutlich zu verbessern. Gleichzeitig seien die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen.

„Drittens muss der Investitionsstau endlich aufgelöst werden“, sagte Finnern. Allein gut 50 Milliarden Euro beträgt der Sanierungsbedarf an den Hochschulen, rund 43 Milliarden Euro an den Schulen. „Wir brauchen ein auf zehn Jahre ausgelegtes Bundesprogramm zur Sanierung von Bildungsgebäuden“, hob die Gewerkschafterin hervor.

Gleichzeitig müsse der Ausbau der digitalen Infrastruktur in der Bildung vorangetrieben werden. Der Digitalpakt Schule sei finanziell deutlich aufzustocken, zu verstetigen und auf andere Bildungsbereiche auszuweiten. „Das darf aber nicht mit einer blinden Technikgläubigkeit geschehen. Es gilt das Primat der Pädagogik! Der Einsatz digitaler Medien hat nur dann einen Mehrwert für die Lernenden, wenn er in ein gutes pädagogisches Konzept eingebunden ist“, stellte Finnern fest.

Sie setzte sich für einen Ausbau des Ganztags ein. „Die schrittweise Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen kann nur gelingen, wenn der Bund Länder und Kommunen verlässlich finanziell unterstützt. Zeitgleich brauchen wir eine Qualitätsoffensive für die Ganztagsangebote“, sagte Finnern. Der Ganztag sei ein wichtiges Instrument, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

„Demokratie braucht mehr politische Bildung. Gerade die Corona-Pandemie, in der rechtsextreme Parteien und Ideologen sowie Verschwörungstheorien Zulauf erhalten, zeigt die Versäumnisse der Vergangenheit. Wenn man sich anschaut, wie das Thema Demokratiebildung von der Schule bis zur Weiterbildung in den vergangenen Jahren von der Politik vernachlässigt worden ist, so sind deren Krokodilstränen wenig glaubhaft. Es ist höchste Zeit, das Ruder jetzt schnell umzulegen. Eine demokratische, antifaschistische Gesellschaft zu festigen, ist Aufgabe der Bildung und gehört zum Selbstverständnis der GEW“, betonte die Vorsitzende. Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat in dieser Woche eine Studie vorgelegt, die Lehrkräfte in der Auseinandersetzung mit der AfD wappnen soll, wie News4teachers aktuell berichtet. 

„Die GEW Sachsen ist sehr froh, dass es bundesweit Einigkeit gibt, die Einnahmen des Staates zu erhöhen und die Schuldenbremse abzuschaffen“, betonte die Landesvorsitzende Uschi Kruse während der Pressekonferenz. „In Sachsen müsste die Rückzahlung der Kredite, die in der Pandemie aufgenommenen worden sind, von 2023 bis Ende 2028 erfolgen. Die dringend notwendigen Verbesserungen in der Bildung sind unter dieser Vorgabe nicht zu finanzieren. Viel schlimmer noch: Gravierende Einbrüche im Bildungsbereich wären nicht zu verhindern. Sie träfen insbesondere die Kinder und Jugendlichen, deren Benachteiligung im vergangenen Jahr immer wieder beklagt worden ist.“ Der sächsische Landtag habe für die Entscheidung über eine Verfassungsänderung und die Abschaffung der Schuldenbremse nicht viel Zeit. Die Vorbereitungen für den Doppelhaushalt, mit dem die Rückzahlung beginnen müsste, starteten bereits in diesem Jahr. News4teachers

Neugewählte GEW-Chefin: Luftfilter für Klassenräume, um das nächste Schuljahr zu sichern

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8 KOMMENTARE

  1. Na gut, weil mich alle ständig fragen, ich sag euch, was wir tun.

    Ab Klasse XY (je nach Schulart) kommen die SuS i.d.R. nur noch jeden zweiten Schultag in Präsenz, also Unterricht fast ausschließlich in halber Klassenstärke … in halber, ja, halber Klassenstärke, ohja, Brüder und Schwestern, in halber!

    An den Zuhause-Tagen werden Nach- und Vorbereitungs-Aufgaben gemacht – selbstständig, unbetreut! … unbetreut, genau! … unbetreut und selbst und ständig, so wahr ich hier schreibe!

    Sämtliche Curricula werden auf rund 3/4 der bestehenden eingedampft … 3 Viertel nur, nicht 2, nicht 4, oh nein, ich sag euch – die 3 herbei!

    Damit’s modern und digital aussieht, darf auf Tablet und Notebook rumgetoucht werden. „Touch-a, touch-a, touch-a, touch me – I wanna be nerdy!“

    Win-win-win auf allen Ebenen, überiridsch fürwahr. Fragen, Klagen? – Nein?

    Fertig. – Applaus …

    PS: Kritik wird grundsätzlich nicht akzeptiert – wer bin ich denn, der Kasper der Nation?

    • @Dil Uhlenspiegel

      Ohja, Bruder!
      Amen!!!

      So könnte es gehen, viel „Neues“ und zeitgleich sollte man auf viel Bewährtes setzen.
      Das wäre ein Spagat? Na und?! Spagat: Macht auch nur richtig Spaß, wenn’s wehtut.
      🙂 🙂

      Seid ihr bereit für ein Wunder?

      https://www.youtube.com/watch?v=L3Q-1l4ZXHw
      In dem Trailer finden sich eine Menge Vorschläge für potentiell „merkwürdige“ (Doppelbedeutung, jaja!) KM-Slogans … und andere werden auf diesen Zug aufspringen:

      „Ich verkaufe keinen Unsinn – ich verschenke ihn.“ (0:25)
      „Ich biete meinem Publikum ’ne gute Show.“ (0:52)
      „Ich fühle heilende Kräfte.“ (1:05)
      „Manipulationen finden heimlich statt. Ich mach’s ganz offen!“ (1:27)

      Aber auch:
      „Ich fürchte, heute ist keine heilende Kraft mehr in mir.“ (1:45)
      und:
      „Seid ihr bereit für die Wahrheit?“ (1:20)

      Die Ideen sind nicht neu, der Film stammt immerhin aus dem Jahre 1992!

  2. !Spoiler Alarm!
    Lest den Text nochmal und zu jedem Punkt wird genau das Gegenteil eintreffen. Sie werden das Bildungssystem noch weiter kaputt sparen.
    Die Kampagnen des Kapitals laufen ja bereits um König Armin zu Aachen im Herbst auf den Thron zu schwurbeln. Das Volk wird mehrheitlich aus Ängsten, die sie bis dahin eingeredet bekommen haben, die korrupten und kapitalhörigen Lobbyisten von CDU und FDP wählen. Und die werden sich das Geld, das sie ihren zukünftigen Arbeitsgebern im letzten Jahr hinterhergeworfen oder ihren Parteifreunden in die Tasche geschaufelt haben ganz bestimmt nicht von den Wohlhabenden und den Firmen zurück holen. Es wird da gekürzt und gespart werden, wo sie keine Gegenwehr erwarten. Bei den Schwachen und Armen. Im Bildungswesen und im Gesundheitswesen. Und an der Zapfsäule und beim Gaspreis. Die Grünen sind nur ehrlich vor der Wahl und sagen, was nach der Wahl passieren wird. Diesen Fehler machen sie jedes Mal. Alle anderen tun dann immer so, als ob sie das niemals machen würden und machen es nach der Wahl dann noch viel schlimmer. Nur eben nicht so laut und durch die Springerpresse verstärkt. Ging dann halt leider nicht anders.

    Die GEW kann da noch so viele Pressekonferenzen halten, auf denen sie ihre Wünsche mitteilt. Am Ende ist sie ein zahnloser Tiger. Lehrer dürfen und werden nicht streiken, Eltern werden nix machen, da sie zu sehr damit beschäftigt sind ihren Job nicht zu verlieren, Schüler werden sowieso nicht ernst genommen.

    Am Ende bleibt nur die Erkenntnis: Jedes Volk bekommt was es verdient. Wer Lobbyisten wählt und sich danach wundert, dass die Politik keine soziale Politik macht, dem ist einfach nicht mehr zu helfen.

    • Und wen soll ich wählen wenn ich endlich meinen gerechten A13 Lohn für 7 Jahre Ausbildung möchte in NRW? Wen kann man da wählen? Setzt doch keine Sau um. Werder Grün, rot hat es gemacht noch schwarz gelb

      • Dafür ist die Bundestagswahl sowieso nicht entscheidend lieber Marc.
        Die Blaubraunen werden das auch nicht umsetzen. Und in der Öffentlichkeit werden Lehrer doch sowieso viel zu gut bezahlt, die haben doch immer frei oder Ferien blablabla. Diese Vorurteile werden medial hochgehalten, also traut sich niemand an dieses Thema dran. Und da gibt es so viele Themen die dringend angegangen werden müssen. Dabei würde eine höhere Entlohnung bestimmt dazu beitragen, den Lehrermangel ein Stück weit zu beheben.
        Noch ein Beispiel: Alkohol, im Schnitt trinkt jeder Deutsche 10 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Die Folgen sind gravierend für die Gesellschaft und für den Einzelnen. Werbung für jeglichen Alkohol müsste dringend verboten werden. Da der Staat als Dealer (Steuereinnahmen) aber so heftig verdient, geht da keiner ran. Sag als Politiker, dass Alkohol viel teurer werden muss, dann kannste dir nen anderen Job suchen.
        Oder forder ein Tempolimit, da wirst du medial und am Stammtisch direkt mit der Mistgabel durchs Land gejagt. Das lässt sich der Deutsche nicht bieten.

        Aus meiner eigenen subjektiven Wahrnehmung gibt es sehr viele vernünftige Menschen, die nicht wissen was sie wählen sollen, weil sie keiner der aktuellen Parteien die Lösung all dieser Probleme zutrauen. Meine Hoffnung ist, dass sich die jungen Menschen das alles nicht mehr bieten lassen werden.

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