Maue Bereitschaft: Nur sechs Prozent der Schüler ab 16 wollen Impfung

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SCHWERIN. Nach dem Schulstart wächst in Mecklenburg-Vorpommern angesichts wieder steigender Corona-Infektionszahlen die Sorge, dass erneut Schulen dicht machen müssen. Das soll verhindert werden. Auch mit Impfungen. Doch die Bereitschaft unter Jugendlichen ist verhalten.

Impfen? Nein, danke. Foto: Shutterstock

Das Angebot zu Corona-Schutzimpfungen an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern trifft offenbar auf ein nur verhaltenes Interesse. In der ersten Woche nach Schulbeginn hätten in einer landesweiten Befragung rund 1800 Schülerinnen und Schüler im Alter ab 16 Jahren ihre Bereitschaft erklärt, sich impfen zu lassen. Das seien 6 Prozent dieser Altersgruppe, teilte das Bildungsministerium auf Anfrage mit. Für die Impfung minderjähriger Schüler an den Schulen, die in Kürze starten soll, sei aber in jedem Falle eine Bescheinigung der Eltern erforderlich.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) hatte zu Schuljahresbeginn Impfaktionen an den Schulen angekündigt, offenbar aber mit einer größeren Resonanz gerechnet. Nach ihren Angaben sollten landesweit bis zu 50 mobile Teams zum Einsatz kommen. Nach Einschätzung des Ministeriums deutet das Ergebnis der Abfrage vor allem darauf hin, dass bei vielen Jugendlichen und deren Eltern derzeit noch Verunsicherung vorherrsche.

Trotz Drängens aus der Politik hat die Ständige Impfkommission (Stiko) bislang noch keine ausdrückliche Empfehlung für das Impfen von Minderjährigen gegeben. Diese gilt nur für Kinder und Jugendliche mit Gesundheitsrisiken. Doch können sich auch andere 12- bis 17-Jährige nach ärztlicher Beratung und mit Zustimmung der Eltern in Impfzentren oder Arztpraxen impfen lassen, da etwa für den Impfstoff von Biontech/Pfizer eine EU-weite Zulassung für Menschen ab 12 Jahren besteht.

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) haben bislang knapp 14 Prozent der 12- bis 17-Jährigen im Nordosten mindestens eine Impfung erhalten, 7,5 Prozent auch die für den vollständigen Schutz erforderliche zweite.

Das Bildungsministerium erwartet nach eigenen Angaben eine deutlich höhere Impfbereitschaft in dieser Altersgruppe für den Fall, dass die Stiko eine allgemeine Impfempfehlung auch für sie ausspricht. Dann sollen die Impfangebote an Schulen auch auf 12- bis 15-Jährige ausgedehnt werden, hatte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag nach der Kabinettssitzung in Schwerin angekündigt. Für die Landesregierung blieben die Empfehlungen der Stiko maßgebend.

Schwesig und Martin appellierten an noch nicht geimpfte Eltern, sich immunisieren zu lassen und damit das Risiko von Ansteckungen innerhalb der Familie zu verringern. «Jeder Geimpfte hilft uns, Schulschließungen zu verhindern und damit den Präsenzunterricht zu sichern», hatte Martin betont. Im vorigen Schuljahr hatten wegen der hohen Infektionszahlen Schulen monatelang geschlossen und der Lehrstoff konnte nur via Internet vermittelt werden. Aktuell steigen auch in Mecklenburg-Vorpommern die Infektionszahlen wieder deutlich an. dpa

Gesundheitsminister beschließen: Impfangebot für alle Schüler ab zwölf – Lauterbach: Stiko hat sich verrannt

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9 KOMMENTARE

  1. Also jetzt bin ich doch ein wenig rausgefallen aus dem Verlauf der Dinge. Ich bekam noch mit, dass:

    Einmal hieß es die Schulen seien sicher. Dann hieß es, Kiddies und Teenies werden eh nicht wirlich krank, treiben nichts voran usw.; Long Covid bei SuS muss man erst mal genau hingucken, ob es das sowieso überhaupt gebe in der BRD. Dann hatte man doch die bewährten Hygienemaßnahmen und das Lüftungskonzept, auch Masken mal so, mal so. Danach auch noch Schnelltests. Luftfilter waren erst unnötig, dann kontraproduktiv, dann gefährlich, dann niemals in Abrede gestellt, dann durchaus eine sinnvolle Ergänzung und jetzt besser schon gestern in die Klassenzimmer gestellt worden. Dann sollten Inzidenzen ja keine Rolle mehr spielen, weil jetzt alles anders und überhaupt nicht mehr vergleichbar sei. Dann war es auch eine gänzlich andere Lage als vor einem Jahr und es kam Entwarnung, weil ja die hinein- und umhertragenden LuL weitestgehend geimpft seien. Dann war die Lage auch noch ganz anders, weil ja so viele in der Bevölkerung geimpft bzw. immunisiert seien. Dann gab es aber doch Impfaktionen für Minderjährige in Schulen. Da machen scheinbar wenige mit, was wohl schlecht ist, denn „Jeder Geimpfte hilft uns, Schulschließungen zu verhindern.“ Also braucht man für Präsenzsicherheit jetzt doch die Impfung der SuS oder nur die der Erwachsenen oder nur die bekannten Hygienemaßnahmen oder ist alles schon vorüber und hat höchste Priorität vor allem übrigen Vorrang? Habe ich ein Meeting verpasst?

    • Schön zusammengefasst… genau das ist der Schlingerkurs der KMK. Sie reagieren erst, wenn es gar keine Alternative mehr gibt, denn die Konsequenzen müssen ja andere tragen.

    • @Dil Uhlenspiegel

      Nee nee, gut aufgepasst – so war’s und so isses.

      Bei einem derart schlechten Film
      – schaltet man um
      – schaltet man ganz aus
      – verlässt man das Kino.

      Höppala?!
      Dieser strubbelige Mist passiert „in echt“???
      Na ja, ist ja irgendwie auch gut.
      Ja, man muss immer das gute sehen: Für TV und Kino hätte man mit Geld bezahlen müssen und hier bezahlt man …

    • Bei den KMs ist ein Meeting wie das andere, an verpasst nichts:
      1. Die Schulen sind sicher
      2. Die Hygienekonzepte sind / haben sich bewährt

      So is die Zusammenfassung nach jeder Konferenz, wenn man verschwurbelte Irrläuferthemen (Luftfilter, Abstand in zu kleinen Klassenräumen, Impfung von Lehrpersonal, etc.) rauskürzt, was ja nicht schlimm ist, da diese keine Rollen spielen, denn Punkt 1 und 2 sind unumstößliche Fakten, die anderes gar nicht zulassen.

      Warum die weiterhin Konferenzen abhalten ist fast ein Mysterium. Aber vielleicht brauchen die ma alle mal eine Kaffeekränzchen-Auszeit vom schweren Job.

  2. Dil Uhlenspiegel: herzlichen Dank für die Zusammenstellung, genau so wurde/wird agiert.

    Btw: in meinem engeren Umfeld gibt es inzwischen drei alleinerziehende Mütter, die ihre Kinder impfen möchten (Kinder alle zwischen 12 und 15, möchten die Impfung), die Zustimmung vom Vater aber nicht bekommen (gemeinsames Sorgerecht).

    Eine Mutter war schon beim Anwalt, der macht keine große Hoffnung, dass sie die Unterschrift vom Vater gerichtlich einholen kann. Solange die STIKO keine Empfehlung ausspricht, sieht es schlecht aus. Und selbst wenn es so kommt, stünde ihr wahrscheinlich ein längerer gerichtlicher Weg ins Haus, da der Vater immer sein Vetorecht nutzt…

    • Müssen das Beratungsformular auch bei Paaren beide Elternteile unterschreiben?

      Weshalb legen die Väter ihr Veto ein? Weil sie Impfkritiker sind oder weil sie der Mutter das Leben so schwer wie möglich machen wollen, wenn sie schon ohne Ende Unterhalt zahlen müssen, weil sich die Mutter auf die faule Haut legt? (Ja, das sind die mir spontan eingefallenen Extremfälle mit vielen Zwischenstufen)

      • Das mit den Paaren weiß ich nicht. Ich bin allein sorgeberechtigt, deshalb kann ich dazu nichts sagen.

        Der Vater ist kein Impfskeptiker, es geht tatsächlich darum, die Machtstellung zu beweisen.
        Vor zwei Jahren wollte dasselbe Kind freiwillig das Schuljahr wiederholen, Mutter befürwortete es, Vater nicht. Das gerichtliche Verfahren dauerte und dauerte, das neue Schuljahr war schon weit hinter den Herbstferien…
        (Unterhalt zahlt er natürlich nicht. Immer, wenn der neue Arbeitgeber bekannt und die Pfändung eingeleitet wird, ‚verliert‘ er seinen Job)

        Ich wollte damit auch nur sagen, dass wir einmal die SuS haben, die noch zu jung zum Impfen sind.
        Dann die, die nicht wollen.
        Und von denen, die wollen, gibt es einen Teil, der entweder medizinisch nicht darf oder dem andere Steine in den Weg gelegt werden.
        Und das alles gepaart mit unseren KM kann uns nur ins Chaos stürzen…

    • Mutti-NRW- bei der Impfung im Impfzentrum, soweit diese eine Impfung von 12-17 Jährigen ( Nds.) durchführen, muss/soll nur mindestens eine sorgeberechtige Person anwesend sein. Da genügt eine Unterschrift (-en) und die Unterschrift (-en) der zu impfenden Personen. In der Regel wird ja auch nur eine Begleitperson zu gelassen. Wäre vielleicht ein Versuch in NRW wert.

  3. Zum Wohle der Kinder und Jugendlichen bleibt zu hoffen, dass die Stiko bei ihrer aktuellen Haltung bleibt und sich ebenso wenig von den durch Drittinteressen getrieben Politikern beeinflussen lässt, wie viele Eltern und die Jugendlichen selbst. Die scheinen aktuell deutlich mehr Rationalismus und Verstand an den Tag zu legen, als die vielen, durch mediale Panikmache a la Lauterbach völlig verängstigten Erwachsenen.

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