Nichts gelernt? Maskenpflicht in Schleswig-Holsteins Schulen entfällt weitgehend

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KIEL. Trotz aktuell wieder zunehmender Corona-Infektionen insbesondere unter Kindern lockert Schleswig-Holstein die Auflagen weiter – ausgerechnet bei der Maskenpflicht in Schulen. Die Begründung ist bemerkenswert: Weil sich Schüler privat ja mit Freunden auch ohne Maske treffen… Die Erfahrungen von Bayern und Thüringen zählen nicht.

Macht aus dem Bildungsministerium in Kiel wieder ein klassisches Kultusministerium: der wohl künftige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther. Foto: CDU / Laurence Chaperon
„Wir bitten herzlich darum, dass alle verantwortungsbewusst mit dem Schritt umgehen“: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Foto: CDU / Laurence Chaperon

Erleichterung in Corona-Zeiten für Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein: Von November an müssen sie keinen Mund-Nasen-Schutz mehr tragen, wenn sie in den Schulen an ihren Plätzen sitzen. Für nicht geimpfte und nicht genesene Schüler bleibe die Testpflicht bestehen, kündigte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Dienstag in Kiel an. «Damit gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung Normalität. Wir bitten herzlich darum, dass alle verantwortungsbewusst mit dem Schritt umgehen», sagte der Regierungschef – was immer das bedeuten soll.

Sollte es in einer Lerngruppe zu einer Infektion kommen, gelte dort für fünf Tage eine tägliche Testpflicht und eine Maskenpflicht. Günther wies auf die im Bundesvergleich hohe Impfquote in Schleswig-Holstein hin, die gemessen an der Gesamtbevölkerung bei 71,1 Prozent liege. In der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen liege sie mit 53,9 Prozent auf dem Spitzenplatz der Bundesländer.

Ein wichtiger Grund für die Entscheidung sei, dass Kinder sich außerhalb der Schule – zum Beispiel beim Sport oder im Freundeskreis – ohne Maske treffen könnten. Oftmals sei der Kreis identisch mit der Schulklasse.

Inzidenz in Schleswig-Holstein ist um fast 100 Prozent gestiegen – in nur einer Woche

Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Montag in Schleswig-Holstein auf 58,0. Eine Woche zuvor hatte die Zahl neuer Ansteckungen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen noch 32,6 betragen, am Sonntag 57,6. Die Hospitalisierungsinzidenz – also die Zahl der Corona-Kranken, die je 100.000 Menschen binnen sieben Tagen in Kliniken aufgenommen wurden – stieg von zuletzt 1,68 auf 1,75. Günther betonte, die Inzidenzentwicklung sei nicht mehr der entscheidende Faktor zur Lagebewertung. Auch Krankenhaus- und Intensivbelegung müssten stärker einbezogen werden. Hier sei die Situation im Land weiterhin stabil.

Bei den Kindern und Jugendlichen liegen die Inzidenzen aber deutlich höher. Die Stadt Neumünster verzeichnet unter Fünf- bis 14-Jährigen einen Wert von 207, die Stadt Kiel von 211 und der Landkreis Pinneberg von 216.

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) nahm die Erwachsenen in die Pflicht: «Kinder- und Jugendliche unter zwölf Jahren können wir derzeit am besten schützen, indem wir Erwachsenen uns impfen lassen.» Auch Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) appellierte an die Erwachsenen: «Je disziplinierter wir als Erwachsene sind, je mehr von uns sich impfen lassen, desto mehr Entlastung kann es für unsere Kinder geben.» Das Spannungsfeld, Vorsicht zu wahren und zurück ins alte Leben zu starten, wird ihrer Überzeugung nach angesichts der aktuellen Entwicklung auch in den nächsten Wochen noch bestehen bleiben.

Heinold berichtete, das Land habe bisher für die Schulen 20 Millionen Selbsttests angeschafft. Die Kosten dafür hätten 73 Millionen Euro betragen. Es werde nach Bedarf nachbestellt. Der aktuelle Bestand reiche bis Mitte November.

Natürlich freuten sich (manche) Schüler, Lehrer und Eltern, wenn im Unterricht keine Masken mehr getragen werden müssen, teilte die SPD-Fraktionsvorsitzende Serpil Midyatli mit. «Aber wir können alle nur hoffen, dass auf die Freude nicht die Ernüchterung folgt.» Man könne nicht ignorieren, dass die Inzidenzzahlen in ganz Deutschland wieder steigen.

«Die allermeisten unserer Kolleginnen und Kollegen werden die heutige Entscheidung mit gemischten Gefühlen aufnehmen»

Für die Gewerkschaft GEW teilte die Landesvorsitzende Astrid Henke mit, man halte die Entscheidung vor dem Hintergrund des Infektionsgeschehens in Schleswig-Holstein für vertretbar. «Die allermeisten unserer Kolleginnen und Kollegen werden die heutige Entscheidung aber durchaus mit gemischten Gefühlen aufnehmen.» Unterricht ohne Maske mache auf der einen Seite das Unterrichten leichter. Auf der anderen Seite stehe die Sorge um die Gesundheit. «Uns erscheint es daher wichtig, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen.» Wenn es notwendig sei, müsse man schnell zu strengeren Maßnahmen zurückkehren.

Welche Konsequenzen das Aus für die Maskenpflicht im Unterricht bedeuten kann, lässt sich gerade in Thüringen und Bayern beobachten. In den beiden „Freistaaten“ verzeichnen mittlerweile, mehrere Wochen nach der Lockerung, drei Dutzend Städte und Landkreise Inzidenzen unter Fünf- bis 14-Jährigen über 500 – in vier davon, in Thüringen der Kyffhäuserkreis sowie der Landkreis Sonnenberg, in Bayern die Landkreise Straubing-Bogen und Berchtesgadener Land, weisen in der Altersgruppe sogar Werte jenseits der 1.000 auf. Das Robert-Koch-Institut registriert immer mehr Schul-Ausbrüche – und zwar so viele wie nie. In Thüringen soll die Maskenpflicht nun inzidenzabhängig in einigen Regionen zurückkommen; das bayerische Landeskabinett wollte heute zu einer Krisensitzung zusammen, auf der über eine Rücknahme der Lockerung beraten wird. News4teachers / mit Material der dpa

„Dann ist der Stöpsel draußen“ – böser Verdacht: Ist es Kalkül, Corona ungebremst durch die Schulen rauschen zu lassen?

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25 KOMMENTARE

  1. „Damit gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung Normalität. Wir bitten herzlich darum, dass alle verantwortungsbewusst mit dem Schritt umgehen», sagte der Regierungschef – was immer das bedeuten soll.

    OK!!!

    Ich entnehme diesem Hinweis, dass die SuS, deren Eltern keine Durchseuchung wünschen, ihre Kinder zuhause lassen können.

  2. „Ein wichtiger Grund für die Entscheidung sei, dass Kinder sich außerhalb der Schule – zum Beispiel beim Sport oder im Freundeskreis – ohne Maske treffen könnten.“

    Preisfrage für KM und solche, die es werden wollen: Was ist der Unterschied zwischen Schule und Sport/Freizeit?

    *trommelwirbel*

    Na? Keiner…? Auch nicht der Herr KM da hinten aus SH?

    Telefonjoker: Schulpflicht!

    • Sollen sie sich doch ausserhalb der Schule treffen. Das sind bestimmt nicht 25 Schüler in einem Wohnzimmer.
      Die haben kleine feste Cliquen, in denen sie sich meist bewegen.
      Schule ist eine Massenveranstaltung.

      Diese Argumentationsketten der Normalitätswoller sind an Absurdität nicht zu überbieten.

  3. Eine gute Entscheidung jetzt die Maskenpflicht am Platz abzuschaffen. In Schleswig Holstein ist das auch gut verantwortbar mit dem Konzept, was heute vorgestellt wurde:

    https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Daniel-Guenther-Maskenpflicht-am-Platz-entfaellt-in-Schulen,maskenpflicht658.html

    In Schleswig Holstein sind aktuell 54% der impffähigen Schüler bereits geimpft. Da wird es auch ganze Klassen geben, die weit über 90% bis 100% erreichen. Dem muss auch Rechnung getragen werden.

    • In der Altersklasse U12 sind 0% geimpft. So einen Mist kann man frühestens machen wenn alle Kinder die Möglichkeit hatten einen vollständigenImpfschutz zu haben!

      • @Yvonne : Was Sie als Mist bezeichnen ist wohl überlegt. Kommen Sie mal bitte aus Ihrem Panikmodus wieder raus. Im Übrigen sind Massnahmen nur dann zumutbar wenn diese wirklich erforerlich sind. Und die Lage ist aktuell so daß eine Maskenpflicht nicht immer zielführend ist. Wenn nach fast zwei Jahren sich bei uns ergeben hat daß die Auswirkungen auf die jüngeren nicht gravierend sind dann muss man einfach diesen Schritt gehen. Die Landesregierung hat sich diesen Schritt sehr besonnen überlegt. Von der Infektionslage hätte man in SH die Masken schon vor Wochen abschaffen können.
        Im Übrigen können die Masken wohl keinen so ausreichenden Schutz bieten, daß ein wirklich sicherer Unterricht auf Dauer gewährleistet ist. Viele Infektionen in der Schule sind trotz Masken aufgetreten.

        • Die Gurtpflicht hat uns nicht unsterblich gemacht – also weg damit.

          Was einem von Landesregierungen und ihren Pressesprechern so alles aufgetischt wird, mannmannmann.

  4. Natüüürlich, Kinder treffen sich nachmittags reihum stundenlang in Klassenstärke bei den anderen zu Hause. Oh man, auf DIE Begründung muss man erst mal kommen. Ich fürchte nur, dass unsere Yvonne jetzt nachzieht. Kann ja nicht hinter den anderen netten KuMi zurück stehen!

  5. Wird denn wenigstens die Schulpräsenzpflicht damit wieder abgeschafft?

    Oder wie soll man legal Herrn Günthers Forderung nachkommen verantwortungsvoll mit dieser Situation umzugehen?

    Da kann man einfach nur wütend sein. Die Grundrechte werden mitFüßen getreten… oder wie war das mit demRecht auf körperliche Unversehrtheit?… .

    Falls einer auf die Idee kommt zu kommentieren, das die Kinder ja die Masken weiter tragen dürfen:

    Grundschulkinder sind auch schon so gefestigt in ihrer Persönlichkeit und haben schon die Weitsicht die möglichen Long covid-Risiken für sich bewerten und einschätzen zu können, sodass sie weiterhin die Maske von sich aus tragen, auch wenn ihre Klassenkameraden sie nicht mehr tragen und mit Ausgrenzungen und blöden Sprüchen anfangen. IRONIE OFF…

    • Warum sollten wir Eltern wütend sein? Ganz im Gegenteil! Ich freue mich gemeinsam mit meinen Kindern darüber, dass diese nun endlich ohne diese fürchterliche Maske am Unterricht teilnehmen können!

      • Nur hat Hamburg, im Gegensatz zu anderen BL, auch Luftfilter in den Klässenräumen stehen! Da wäre ich auch deutlich entspannter!

        • Es geht hier nicht um Hamburg, sondern Schleswig-Holstein! Aber wie auch immer. Meine Kinder haben in den letzten Monaten unter dem Tragen der Maske gelitten und freuen sich nun, dass die Maskenpflicht endlich fällt!

  6. Wir gehen verantwortungsvoll daheim mit dem Coronavirus um, treffen uns im Freien , halten Abstand…ABER was bringt uns das noch???
    Wenn andere das nicht tun und alle dann OHNE Maske im Klassenzimmer zusammen hocken??? Ich könnte schreien wegen solch blödsinniger Aussagen und so viel Dummheit.

  7. Alle mal herunterfahren! Die Maskenpflicht gilt nur dann nicht, wenn das Kind am Platz sitzt. Steht es auf, muss es seine Maske herauskramen und aufsetzen!

    Ist ja auch ganz logisch! Wenn das Kind neben seinen Klassenkameraden sitzt, besonders in der Grundschule, befindet sich sein Kopf auf einer tieferen Position als wenn es steht! Das erkennt das Virus und verhält sich still. Steht das Kind aber auf, schlägt es mit voller Härte zu! Oder so ähnlich!

    Die Aerosole befinden sich erst auf einer Höhe ab 1,20m, sicherlich gibt dazu Studien! Und in Klassen mit größeren Kindern steigen sie noch etwas höher, denn so ein Virus ist ja nicht blöd!
    Dieser Logik folgend tragen die Lehrer weiterhin Masken. Oder eben aus pädagogischen Gründen doch nicht, denn pädagogische Gründe erkennt das Virus und steckt dann nicht an….

    Und überhaupt, Kinder erkranken nicht längerfristig und Impfdurchbrüche bei Lehrern gibt es, aus den oben erwähnten pädagogischen Gründen, auch nicht. Wer sollte sonst die Kinder beaufsichtigen?

    Manchmal hilft nur Sarkasmus!

    • Ich hoffe daß das Ganze dann auch klappt und belegt werden kann daß eine Maskenpflicht im Unterricht nicht mehr zielführend ist. Vielleicht kommen dann auch die meisten Forumsteilnehmer, die die Lockerung strikt ablehnen zur Erkenntnis, daß der Schritt doch notwendig und richtig war.
      Und selbst wenn man doch noch mal wieder kurzfristig verschärfen muss haben die Schüler wenigstens Entspannungsphasen gehabt.
      Damit man langfristig auch weiterhin auf Maskenpflicht verzichten kann ist die Covid-Impung für alle Impffähigen schon Pflicht. Und da haben viele Schüler und auch Eltern seit der STIKO-Freigabe für Ü12 Personen viel Zeit verstreichen lassen. Im Übrigen hilft diese Impfung auch massiv besser als den ganzen Tag eine FFP2 Maske zu tragen.

  8. Wenn die Zahlen auf den Intensivstationen weiterhin so steigen, wird man Schulschließungen und Homeoffice für Erwachsene brauchen, um wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen.
    Also her mit der Abschaffung der Maskenpflicht. Am Gymnasium mischt sich dank Religion, Werte und Normen, Fremdsprachen und Arbeitsgemeinschaften der ganze Jahrgang durch.
    Das sind bei uns z. B. 122 Kinder in Jahrgang 6.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich nachmittags zum Playstationspielen 122 Kinder im Wohnzimmer treffen.Aber wer weiß, vielleicht sind andere Wohnzimmer größer.
    Das Rki rät dringend, die Maskenpflicht beizubehalten. Und ich frage mich schon, warum man eine Gesundheitsbehörde hat,wenn deren Empfehlungen nicht beachtet werden.
    Und niemand möchte auf Dauer Maske tragen. Alternativ Filter und regelmäßige Testung und schon wären wir alle dabei und setzen die Maske mit Freude ab.
    Mit „Panikmache“zu argumentieren, ist natürlich schlicht.Es gäbe Alternativen, die den Gesundheitsschutz deutlichverbessern könnten. Die Länder haben sich dagegen entschieden. Sich über den Wegfall der letzten wenigen Schutzmaßnahmen zu sorgen, ist nicht panisch, sondern reflektiert.Daher ist Polemik hier nicht angebracht.

  9. Und weiterhin gilt in SH: Luftfilter nur für Klassenräume, die gar nicht oder nur eingeschränkt belüftet werden können.
    Ein Klassenraum, der gar nicht belüftet werden kann, ist schon wegen des CO2 Anstiegs für Unterricht ungeeignet, oder sehe ich da etwas falsch?
    Als eingeschränkt zu belüften gilt ein Klassenraum dann, wenn er nur durch 1 oder 2 Klappen oberhalb der Fenster mit Frischluft versorgt werden kann.
    Sobald auch nur ein Fenster zu öffnen ist, gilt der Raum als gut zu belüften, egal was die CO2 Ampel anzeigt.

  10. Unglaublich, dass das angezweifelt wird. Sollen lieber alle Erwachsenen, die sich hier melden 8 std Maske am Tag tragen und sowohl Freizeit Aktivitäten und Sport nur mit Maske ausführen. Wenn ihr das tut, dann könnt ihr laut werden.
    Jeder Lehrer hat die Chance für eine Impfung, wer das nicht tut ist selber Schuld.
    Maskenpflicht und testpflicht für jeden am Arbeitsplatz und Schließung von Diskotheken und Verbote für Grossveranstaltungen sowie Einschränkung privater Kontakte für Erwachsene oder Menschen über 60 wären doch mal eine Idee, anstatt immer die Kinder zu unterdrücken!!
    So traurig welchen Stellenwert Kinder in dieser Gesellschaft haben und das es hier Lehrer gibt die diese Meinnung verbreiten.

    Die Erwachsenen dieser Gesellschaft haben nun die Pflicht sich solidarisch mit den Kindern zu zeigen und sich mehr einzuschränken. Skandinavische Länder zeigen hier viel mehr Blick und Weitsicht.

    Kinder jeden Alters haben sich genug eingeschränkt über die letzten Jahre der Pandemie und das haben Sie getan ohne zu jammern, wie nun mancher Erwachsener jammert über die Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen.

    Wir eltern müssen laut werden, es ist nicht mehr hinzunehmen, dass in Köln ein Massenauflauf an Menschen zum 11.11. stattfindet und Familien an Schulen und Kindergärten nicht mal DRAUSSEN an Laternenumzügen teilnehmen dürfen!!

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