Trotz (oder wegen?) Inklusion: Immer mehr Schüler mit besonderem Förderbedarf

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Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat in Nordrhein-Westfalen zugenommen. Mit 140.950 Kindern waren es im Schuljahr 2020/21 rund 2,5 Prozent mehr als im Schuljahr zuvor, wie das Statistische Landesamt IT.NRW am Donnerstag mitteilte. Rund 78.150 Kinder wurden an Förderschulen unterrichtet – ein Zuwachs von 1,3 Prozent. Der Trend ist seit Jahren in Deutschland zu beobachten. Der Inklusionsforscher Prof. Hans Wocken spricht von einer „Etikettierungsschwemme“.

Immer mehr Schülerinnen und Schüler bekommen einen besonderen Förderbedarf attestiert – eine Mogelpackung? (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Insgesamt 62.805 Jungen und Mädchen mit besonderem Förderbedarf – etwa mit starken Beeinträchtigungen beim Lernen oder körperlichem Handicap – lernten an allgemeinen Schulen in Nordrhein-Westfalen zusammen mit Kindern ohne Behinderung. Das entspricht einem Anstieg von 4,0 Prozent.

Damit wurden im Schuljahr 2020/21 insgesamt 44,6 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen – und nicht an Förderschulen – unterrichtet. Diese sogenannte Inklusionsquote stieg um 0,7 Prozentpunkte. Inklusion bedeutet, dass Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen – Kinder mit besonderem Förderbedarf haben darauf einen Rechtsanspruch.

„Woher kommen dann all die vielen, vielen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die nun zu den aufgeblasenen Inklusionsquoten führen?“, fragte der emeritierte Professor für Lernbehinderten- und Inklusionspädagogik Hans Wocken, bereits 2019 in einem Beitrag für „bildungsklick“. „Ganz einfach: Die ‚neuen‘ Förderschüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind nicht ehemalige Sonderschüler, sondern sie kommen fast ausschließlich aus den Regelschulen selbst.“

„Das Geheimnis der Inklusionsquote ist in Wahrheit eine unkontrollierte und ausufernde Etikettierungsschwemme“

Diese Problem- und Risikoschüler würden „per großherziger sonderpädagogischer Diagnostik“ als Schülerinnen und Schüler „mit sonderpädagogischem Förderbedarf“ identifiziert und etikettiert. Weil die neuen, etikettierten Förderschüler aber in den Regelschulen verblieben, würden sie als „inkludiert“ gelten – und für politisch gewollt hohe Inklusionsquoten sorgen. „Das Geheimnis der Inklusionsquote ist in Wahrheit eine unkontrollierte und ausufernde Etikettierungsschwemme“, schreibt Wocken – und spricht von einer „Pseudo-Inklusion“.

Warum machen die Schulen bei diesem Spiel mit? Wocken erklärt: „Der wichtigste Grund für leichtfertige und freizügige Etikettierungen dürfte das Bemühen um zusätzliche personelle Ressourcen sein, insbesondere um zusätzliche Sonderpädagogen-Stunden. Für diagnostisch nachgewiesene Förderbedarfe können bekanntermaßen zusätzliche Fördererressourcen reklamiert und akquiriert werden. News4teachers / mit Material der dpa

„Etikettierungsschwemme“ bei der Inklusion: Warum es in Deutschland immer mehr Schüler mit der Diagnose „Förderbedarf“ gibt

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28 KOMMENTARE

  1. Mich würde die Verteilung der Schüler mit Förderbedarf interessieren. Ist es gleich verteilt? Oder eher doch nach Sozialindex? Ich arbeite an einer Brennpunktschule und wir haben im Schnitt eine höhere Zahl an AOSFs im Vergleich zum Rest der Schulen.
    Wir haben auch dank Corona einfach eine Vielzahl benachteiligter Schüler, die schon im dritten Schulbesuchsjahr in der zweiten Klasse definitiv nicht bereit für die dritte Klasse sind.

  2. Leichtfertige und freizügige Etikettierungen sollen der Grund für die zunehmende Zahl von Inklusionskindern sein? Das ist absolut lächerlich! Und zumindest in meinem Bundesland (Niedersachsen) auch völlig unnötig, denn es gibt maximal (!) 2 Förderlehrerstunden pro Klasse an der Grundschule, unabhängig davon ob es keinen Inklusionsschüler gibt oder vielleicht sogar 10. Warum trotzdem immer mehr Kinder gemeldet werden? Wir haben randvoll besetzte Klasse mit unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen und Bedürfnissen, keinerlei Zweitbesetzung, keine multiprofessionellen Teams, oft wenig Unterstützung seitens der Elternhäuser usw. Sicherlich könnten viele dieser gemeldeten Kinder sehr wohl einen Hauptschulabschluss erreichen – aber nur mit intensiver Unterstützung und Zuwendung. Aber dafür sind keinerlei Ressourcen da. Und wenn dann nach der ersten „Ehrenrunde“, Schulkindergarten usw. immer noch keine Aussicht darauf besteht, den Anschluss an die Klasse zu bekommen und weder Elternhaus noch außerschulische Institutionen helfen können, dann bleibt quasi nur noch einen Antrag auf erhöhten Förderbedarf zu stellen!

    • Doch, ich denke, dass es auch in Niedersachsen so ist. An der Förderschule, an der ich bin, haben sich die Meldungen seit Inklusion deutlich erhöht. Unsere Vermutung ist, dass es um die statistische Doppelzählung der Kinder geht. Das ist für viele Schulen gefühlt „das einzige“, was sie an Unterstützung haben. Denn die allgemeinen Bedingungen sind leider genauso, wie geschildert. Und die angesprochenen zwei Stunden pro Woche und Klasse werden gar nicht erteilt, da es einen massiven Mängel an Sonderpädagogen gibt, zumindest bei uns und in vielen anderen Landkreisen.

      • Die Doppelzählung hilft ja nur, wenn man nahe der Teilungsgrenze ist UND noch einen Klassenraum zur Verfügung hat UND noch eine Lehrkraft zur Verfügung hat. Hat man aber oft nicht.
        In bestehenden Klassen hat man dann gerade einmal gar nichts, aber mehrere Kinder mit unterschiedlichen Bedarfen und Beeinträchtigungen mit in der Klasse.

        „ Für diagnostisch nachgewiesene Förderbedarfe können bekanntermaßen zusätzliche Fördererressourcen reklamiert und akquiriert werden.“
        Das ist schlicht falsch und die Äußerung mehrfach fatal:
        – Sie suggeriert, dass die Inklusion gut ausgestattet wäre, ist sie aber gar nicht. In NDS gibt es nur die Grundversorgung und selbst die kann nicht gewährt werden, weil Lehrkräfte fehlen. Fehlende Stunden werden durch nichts ersetzt oder ergänzt, sie sind einfach nicht vorhanden. Stunden, in denen die Sonderpädagogen beraten oder überprüfen, werden auch nicht ersetzt. In einer Schule, in der knapp die Pflichtstunden besetzt werden können und auch andere Zusatzstunden zur Förderung (LRS, DAZ, Begabung) über Jahre immer wieder gestrichen werden, ist der Mangel Alltag Undine Kinder werden entsprechend „mangelhaft“ versorgt.
        – Die Behauptung suggeriert, dass es zusätzliche Ressourcen gäbe. Gibt es aber nicht, auch wenn solche Behauptungen Erwartungen schüren, die Eltern für ihr Kind wünschen und einfordern. Diese kann die Schule gar nicht erfüllen, da sie keine Ressourcen hat, was dazu führt, dass Eltern den Schulen unterstellen, sie wollten die – gar nicht vorhandenen – Stunden nicht für das Kind einsetzen oder seien gegen Inklusion. Außenstehenden ist noch weit weniger zu vermitteln, wie man die Schüler ebenso wie andere inkludiert und die Inklusion umsetzt.
        – Sie schiebt die Aufgabe den Lehrkräften der Regelschule zu, da diese ohne Sonderpädagogen allein vor der Aufgabe stehen.
        – Sie signalisiert Außenstehenden, dass in den Schulen alles in Ordnung sei, nur die Schulen nicht in der Lage wären, mit den -nicht vorhandenen- Ressourcen zu Haushalten.
        – Sie suggeriert zudem, dass Lehrkräfte leichtfertig Schülern eine Lernbeeinträchtigung unterstellen würden. Dass es ein umfangreiches Verfahren braucht, mit im Durchschnitt über 40h zusätzlicher unbezahlter Mehrarbeit (Landesrechnungshof NDS), die Begutachtung von mehreren Personen erfolgt, die Entscheidung gar nicht in der Schule selbst getroffen wird, das wird verschwiegen. Keine Lehrkraft wird selbst leichtfertig ein Gutachten anstreben in dem nachgewiesen werden muss, dass man – ohne Ressourcen – eine intensive Förderung übernommen hat und dem nachfolgt, dass man eine möglicherweise zieldifferente Beschulung in der Klasse -auch ohne Ressourcen – bewerkstelligen muss.

        Damit werden zum einen Erwartungen an die Inklusion gestellt, zum anderen wird das absolut unterversorgte System beschönigt und eine Aussicht auf Verbesserung gar nicht erst zugelassen.

        Mit der Realität hat es noch weniger zu tun:
        Neben der schlechten Versorgung werden die bürokratischen Hürden seit Jahren erhöht, in einigen BL darf man in den ersten Schuljahren gar keine Überprüfung durchführen – Niedersachsen hat sich dem gerade angeschlossen. Die Kinder sind dann also keine Inklusionskinder, weil man kein Verfahren durchführen darf. DAS hat mit einer Beeinträchtigung, einer Einschätzung und einer guten Förderung gar nichts zu tun.

        Verteidigt wird also, dass man Inklusion zum Zweck des Sparens in den Schulen umsetzt.
        Was ist das Ziel solcher Äußerungen?

  3. „Für diagnostisch nachgewiesene Förderbedarfe können bekanntermaßen zusätzliche Fördererressourcen reklamiert und akquiriert werden.“ Jo, wieder ein Kommentar aus dem Wolkenkuckucksheim. Wir können leider keinen zusätzlichen SoPä „reklamieren und aquirieren“, egal, wie viele Förderkinder unsere Schule hat. Wir kriegen noch nicht mal einen Integrationshelfer für unser autistisches Kind. Die Förderkinder sitzen übrigens ca. 22 Stunden pro Woche in meiner „Regelklasse“. Die SoPä hat, wenn sie nicht gerade zur Vertretung eingeteilt ist, für meine Kinder täglich 1 Stunde Zeit, also insgesamt 5. In den restlichen 17 stehe ich dort komplett allein.

  4. Fahren wir doch die emotional aufgeladene Situation mal an Beispielen der Zahlen herunter:
    Von 2005 bis 2018 habe ich als Schulleiter 20 Anträge auf ein Überprüfungsverfahren unterschrieben.
    Davon wurde 2 (zwei!!!) vom Schulamt überhaupt bearbeitet.

    Schaut man sich die zahlen in Hessen an, kann man folgendes feststellen:
    Die Zahl der Kinder mit Förderbedarf ESE sind seit 2012 in Hessen an den Regelschulen konstant.
    Die Zahl der anderen Förderbereiche sind fast konstant, der Förderbereich Hören ist deutlich rückläufig.
    Einzig der Bereich Lernen hat sich an den Regelschulen von knapp 600 auf knapp 3700 (Zahlen bis Ende 2019) dramatisch erhöht, vor allem ab 2013/2014, die entsprechende VO, die den inklusiven Unterricht strukturiert, ist erst im Vorjahr wirksam geworden. Dem hingegen ist die Zahl der Kinder mit diesem Schwerpunkt an Förderschulen im Zeitraum 2008/2009 bis März 2021 von 12200 auf 7087 gesunken. In der Summe ist die Zahl gleichgeblieben, allerdings ist die Gesamtschülerzahl gesunken.

    Die Zahl der Kinder mit festgestellten Förderbedarf ESE an Grundschulen ist heute in Hessen ähnlich hoch wie 2008/2009 (540 bis Ende März 2021, 504 im Jahr 2008/2009). Dabei muss man aber sagen, dass während der GU-Phase nur „genehmigt“ wurde, der auch mit Personal bedient werden konnte. Wechsel waren im städtischen Bereich von Regelschulen an Förderschulen üblich, im ländlichen Bereich hingegen nicht.
    Das Inklusion im städtischen Bereich in Hessen ganz anders abläuft als im ländlichen Bereich kann man bei Weisshaupt nachlesen, auch Herr Wocken. Anstatt aber Antworten zu den Problemen zu geben, dass Kinder mit Hilfebedarfen ohne Hilfen über die Jahre dramatisch überfordert werden und die Schulen keine Hilfen erhalten, ignoriert er fröhlich weiter.
    Wo also ist hier die Schwemme an Falschbeurteilungen?
    Horst Weisshaupt stellt demgegenüber fest, dass weiterhin in Hessen überhaupt kein Konzept der Inklusiven Schule von Klasse 1 beginnend erkennbar ist und natürlich, dass nicht diagnostizierte Kinder aufgrund des nicht vorhandenen Fördersystems weiterhin als Regelschüler gelten.
    Kinder mit Förderbedarf waren also an der Regelschule, Anträge auf Überprüfungen wurden ignoriert, damit waren die Zahlen 2008/2009 also nur solche, die kaum repräsentativ die wirkliche Situation abbilden konnten.
    Herr Wocken selbst schrieb, dass 6-8% der Kinder im GS Bereich irgendwann einmal den Bedarf an sonderpäd. Förderung zumindest für eine bestimmt Zeit vermutlich haben würden, heute gehen Kinderärzte und Jugendpsychiater davon aus, dass es ca. 10% sind.

    Faktisch suggeriert Wocken, dass Regelschulen nach Ressourcen Jagd machen würden.
    Zwar wurde in Hessen, hier ist Wocken zuzustimmen, eine irre BFZ-Konstruktion gewählt, die Diagnose und Ressource natürlich nicht voneinander trennt. Aber: Die Sonderpädagogik entscheidet darüber, ob ein Kind einen Förderbedarf erhält oder nicht. Und leider auch: Obwohl die BFZs das nicht dürfen, werden Anträge auch heute dann eben nicht bearbeitet, wenn zwar die Schule, nicht aber das BFZ von einem Förderbedarf überzeugt ist – was i.d.R. im Förderbereich ESE mittlerweile üblich ist.
    Die Regelschulen können gar nicht Einfluss auf diesen Prozess nehmen.
    Andererseits ist auffallend, wie schnell Kinder mit der Vermutung eines FB Geistige Entwicklung plötzlich an Förderschulen wechseln.
    Erstaunlich ist das deshalb, weil diese Kinder eine schülerbezogene Zuweisung erhalten, die natürlich mitwandert.

    Insofern darf Herr Wocken von seiner ewigen Dilemmata – Diskussion von hier und da mal Abstand nehmen, die Probleme der Regelschulen heute (und eben nicht zu der Zeit, in der er noch selbst Schule erlebt hat) statistisch wahrnehmen: Die aktuelle Studienlage ist dramatisch besser als die Wiederholung des Mythos der Etikettierungsschwemme: Die Situation ist anders, die Regelschulen, z.B. in Hessen und RLP stehen vor allem in den Hauptschulbildungsgängen quasi an der Wand.

    Ehrlich: Da nerven diese Palaver nur noch und hilft keinen weiter.
    Ehrlich: Wocken und die Realität ist wie Nord- und Südpol – ganz weit auseinander

  5. Als Sonderpädagogin an einer Brennpunktschule im Sek1 Bereich bin ich ehrlich gesagt entsetzt über solche Aussagen. Allein die Annahme, Kinder würden absichtlich als Förderschüler klassifiziert, um noch mehr Stellen zu generieren zeigt, dass Herr Wocken nicht viel von der Realität an solchen Schulen weiß. Es gibt sowieso viel zu wenig Sonderpädagogen, alleine an unserer Schule müssen wir mit 3,5 Stellen 11 Stellen abdecken. Und da sollen wir noch absichtlich zusätzliche Schüler generieren? Lächerlich…

    • An meiner Grundschule ebenso! Meine Frage zum Thema: Ist die Zahl der SuS wirklich so gestiegen, oder nur bei den Inklusionsschülern. Die Zahl an Sonderschulen ist ja dank Inklusion rückläufig. Man müsste also die Gesamtzahl betrachten, dann hätte man eine annähernd aussagekräftige Zahl.

  6. Ich würde mir wünschen , dass Förderschulen auch Wohnort nah entstehen. Und nicht in 20 km Entfernung
    Überall Kindergarten am bauen die spriezen wie Pilze.
    Aber Förderschule mit maximal 10 km Entfernung zu bauen oder eben Teilstand Orte ..hier nimmt man auch den Kindern ohne Behinderungen das lernen zur Schule zu gehen mit Straßenverkehr etc.

  7. Die Kommentare hier befassen sich mit Zahlen einzelner Schulen, Wocken aber analysiert die offiziellen statistischen Zahlen landesweit. Und diese geben ihm absolut Recht. In Bayern werden heute nicht weniger, sondern im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl mehr Schüler an Sonderschulen geschickt. Um endlich die nötigen Ressourcen an den allgemeine Schulen zu bekommen, müssen daher vor allem die Sonderschulen für Lernen und Sprache, die es in kaum einem anderen Land der Welt gibt, sukzessive aufgelöst bzw in allgemeine Schulen umgewandelt werden. Aber auch bei allen anderen Behinderungsarten ist nachgewiesen, dass die Kinder bei einem Besuch der allgemeinen Schule mindestens genauso gut gefördert werden können wie in der Förderschule. Zwei konkurrierende Systeme nebeneinander, wie wir sie in Deutschland haben, führen aber dazu, dass der allgemeinen Schule noch immer Ressourcen fehlen. Solange Lehrer weiter inklusive Schulen verhindern wollen, sind sie daher als Berufsstand dafür mitverantwortlich, dass die begrenzten Ressourcen in Deutschland ineffizient eingesetzt werden. Kanada hat nahezu 100 Prozent Inklusion, aber dafür weniger Sonderpädagogen als wir, jedoch etwa zehnmal so viele Assistenzkräfte in den inklusiven Klassen.

    • @Primus
      Die Grundschullehrer:innen in Deutschland wurden und werden nicht auf die Bedürfnisse von Schüler:innen mit Behinderungen hin ausgebildet und schon gar nicht dafür bezahlt zu diagnostizieren und den Mehraufwand für Förderpläne und zusätzliche Wochenpläne zu leisten bzw. erhalten keinen Ausgleich bei hrer Wochenarbeitszeit. Schulbegleiter (wie beschrieben) mindern nur den Mehraufwand an Aufmerksamkeit, den die meisten mit während der Stunde bedürfen: „Sonder“-pädagogische Förderung eben.

    • Wocken zieht seit Jahren mit den immer gleiche Dilemmata-Dramen durch die gut bezahlten Veranstaltungen.
      Er soll mal wa für die Praxis tun, nicht für sein Ego.
      Da hätten alle mehr von.
      Zudem: Wo genau geht er denn dann mal auf Daten ein? Ob aus Buxtehude oder Hamburg oder Deutschland???????

    • @ChristnePrimbs
      Woher wissen Sie, dass alle! Schüler mit Förderbedarf an allgemeinbildenden Schulen z. Z. unter den jetzigen Bedingungen besser gefördert werden als an Förderzentren? Ich sehe das für viele Kinder anders (30 Jahre Berufserfahrung als Sonderschullehrerin Lernen und Sprache- an einem Förderzentrum, weitere 10 Jahre als Sonderschullehrerin an einer Brennpunktschule – Lernen, Sprache und em/soz). Die Förderung am Förderzentrum war für die meisten um vieles besser!

  8. Es gibt und gab sehr wenige Studien zum Erfolg von Förderschulen. Ich habe mich im Studium mit Herrn Wockens Untersuchungen beschäftigt und sie haben zu viel Diskussionen angeregt.
    Um zum Nachdenken anzuregen, ist auch dieser Artikel geeignet. Darüber hinaus finde ich ihn aber hochproblematisch.
    Ich arbeite seit mehr als 10 Jahren an einer Schwerpunktschule in RLP. Ich liebe meine Arbeit mit den Kindern. Wir, d.h. FöL, Pädagogische Kräfte und Grundschullehrer tun alles, um die Kinder bestmöglich zu fördern. Bei vielen Kindern klappt das prima. In der Grundschule geht vieles aber auch noch einfacher als an der weiterführenden Schule. Aber auch bei uns gibt es schon Kinder, die an einer Förderschule besser gefördert werden können. Ich könnte jetzt noch Seiten schreiben. Kurzgesagt: BEIDE Schultypen sind WICHTIG!!!
    Meine Erfahrung mit Schulämtern: Die Zahlen müssen stimmen. Solange das nicht der Fall ist, wird kritisiert auf Teufel komm raus. Und Herr Wocken bedient genau diese Sichtweise, ohne mal genauer hinzusehen.
    Ich würde mir von so einem renommierten Pädagogen eine differenzierter Sichtweise mit der Realität wünschen!

  9. Ich würde mir ganz einfach mal wünschen, dass all diese Theoretiker im Bildungsbereich, die Schulräte, die KuMis und diese ganze Mischpoke verpflichtet werden würden, mindestens für 3 Monate im Jahr an verschiedenen Schulen hospitieren und unterrichten müssen, damit sie mal von ihrem Elfenbeintürmchen herabstürzen und die Realität hautnah und praktisch erleben müssen. Das wohlfeil-hohle Geschwätz wäre da mal ganz schnell vorbei.
    Und wer die 3 Monate nicht ableistet, ist sein Pöstchen los.

    • Die Schule wird im Losverfahren vergeben und beim Thema Inklusion die Lose aus dem Topf gezogen, in denen Schulen MIT i-Kindern und OHNE erlasskonforme Stundenzuweisung sind – da werden eine Menge Lose zusammenkommen und die Schule freut sich über das zusätzliche Personal.

    • @Konfutse
      Diese Idee finde ich super! Aber vor allem nicht nur hospitieren und dann demn KuK erzählen, wie es ihrer Meinung nach besser geht, sondern selbst unterrichten. Dann können wir von diesen Theoretikern vielleicht noch was lernen! Ich persönlich lerne gern etwas dazu. Ich glaube aber nicht, dass irgendeiner von denen den Mumm hat. (Bei den Schauspielern war es wenigstens einer- J.J. Liefers- der sich an der „Front“ sehen ließ) Die GEW und VBE könnten doch auch mal an die KUMIs u. a. solch eine Aufforderung initiieren #allemalinklusivunterrichten

  10. Nein, nicht nur hospitieren, das kann jeder und jede!!!! Einfach mal eine Woche in einer 1.Klasse mit bis zu 28 Kindern unterrichten, in der für bestimmte SuS von der Schulleitung vor der Einschulung nicht schon ein AOSF eingeleitet wurde, und welche die Klasse „aufmischen“ bzw. die Aufmerksamkeit einer Lehrkraft ständig auf sich ziehen oder in einer höheren Klassenstufe, in der bereits begutachtete SuS ohne Schulbegleiter in einer Regelklasse sitzen und die vielleicht an 2-3 Std. pro Woche von Sonderpädagog:innen ihrem Förderschwerpunkt entsprechend gefördert werden und in den übrigen Stunden eine „Extra- Förderung“ im Regelunterricht einfordern oder sich anderweitig beschäftigen, mit allen möglichen Dingen. Also einfach mal den ganzen Unterrichtsalltag mit Inklusion- aber ohne zusätzliche Hilfe- allein als Lehrkraft bewältigen.

  11. Wären „Inklusion“ und „inklusiver Unterricht“ Begriffe am Etikett eines Lebensmittels – und gesetzt den Fall, folgendes müsste in der Zutatenliste aufgeführt sein:
    – die Möglichkeiten zur Durchführung echten Inklusionsunterrichts,
    – die bereitstehenden Mittel,
    – die vielen fehlenden sonderpäd. Lehrer*innen,
    – die vielen Lehrer*innen, die sich für „ihren“ Inklusions-Unterricht persönlich aufreiben,
    – die viel zu kleinen Klassenzimmer, um wirklich inklusiv arbeiten zu können
    – mangelnde Räumlichkeiten (ich musste einmal meinen Inkl.-Unterricht mit einem 8 jährigen Down-Mädchen an einem Tisch in einem frequentierten Schulgang „abhalten“)
    – aufgeblasene Versprechungen der „Inklusionsfans“ in der Politik.

    Nehmen wir also an, all das wären Inhalte der Zutatenliste eines „Lebensmittels Inklusion“:
    Schon längst hätten, um nur eine zu nennen, Foodwatch oder die Verbraucherverbände gegen irreführende Werbung und eine verlogene, falsche Zutatenliste geklagt. Selbst Petitionen wären auf diese Art zu erwarten, wie für „weniger Zucker“, „weniger Fett“ und was weiß der Kuckuck alles. Tausende wären an diesen Skandalen interessiert.

    Für das schulische Über-Lebensmittel für Kinder mit Förderbedarf gibt es leider kaum eine Interessengemeinschaft, die sich derart plakativ äußert und Ziele durchzusetzen weiß – und dabei auch noch Erfolge verzeichnen kann.

  12. „Inklusion bedeutet, dass Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen – Kinder mit besonderem Förderbedarf haben darauf einen Rechtsanspruch“, steht da zu lesen. Danke für den Rechtsanspruch! In einem strukturell selektiven Schulsystem soll das Menschenrecht auf Inklusion einklagbar sein? Wie soll das gehen? Eltern klagen, bekommen Recht, und schwups besteht eine inklusive Schulstruktur bzw. -kultur? Mir ist nicht bekannt, dass Deutschland ein inklusives Schulsystem anstrebt, geschweige denn bereits irgendwo hätte. Unser Schulsystem ist hochgradig selektiv und aussondernd. Das ist Fakt. Diese Struktur wird nur sehr selten überhaupt in Frage gestellt. Wenn einzelne Kinder mit Behinderung trotz allem ausnahmsweise eine sogenannte „normale“ Schule besuchen (die ja gar nicht „normal“ ist, im Sinne von menschlich normal bzw. inklusiv, sondern „entmischt“, weil sie ja in Wirklichkeit eine „aussondernde“ ist), und wenn der Großteil der Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf weiterhin in Sonderschulen separiert wird, ist das noch weit weg von Inklusion. Vor 2009 nannte man diese Einzelfälle „Einzelintegration“ – und das ist es heute immer noch (oder auch „Außen-„, „Koop-Klasse“ und was es da alles für Experimente gab und immer noch gibt, nur um ja im Kern nichts zu ändern.)
    Inklusion stellt sich von vorn herein auf die Verschiedenheit der Kinder ein, da müsste nicht erst geklagt werden. Inklusion ist nämlich nicht von den Behinderten zu erbringen. Inklusion fordert von den Lehrkräften, Schulämtern, Ministerien die radikale Abkehr vom aussondernden System. Und diese Abkehr können niemals Betroffenen einzeln einklagen. „Recht“ bekommen klagende Eltern allenfalls insofern, als manifestiert wird, dass die Aussonderung ihres Kindes nicht rechtens ist bzw. gegen die UN-BRK verstößt. Inklusion bekommen sie deshalb noch lange nicht. Einzelintegration bleibt Einzelintegration – mit allen bekannten Problemen und Schwierigkeiten. Oft werden dann die Kinder mit besonderem Förderbedarf für die Schwierigkeiten verantwortlich gemacht, die es ja scheinbar verursacht, denn ginge es in die Sonderschule, hätte die andere Schule das Problem gar nicht. Das ist echt perfide. Denn ursächlich für die Schwierigkeiten ist der Mangel an Inklusionstauglichkeit selektiver Schulen allgemein. Einzelintegration ist ja im Grunde IMMER Systemwidrig und daher immer schwierig! Sonderschulen, auch wenn sie noch so wohnsitznah sind oder auch wenn sie „Förderzentren“ heißen, bleiben Sonderschulen: Schulen, die maximal negativ entmischt sind. Das Narrativ, dass es zum Zwecke der besseren Förderung ein separates Schulterrain und -gemäuer bedürfe, ist ein Märchen. Denn, wenn die besondere Förderung im Gemäuer von Sonderschulen stattfinden kann, kann sie das genauso in den Gemäuern der sogenannt „normalen“ Schulen. Schließlich sind es nicht die Mauern, die lehren und fördern, sondern die Lehrkräfte und Therapeuten. Nicht zu vergessen der Einfluss der Kidner untereinander als wichtigen Faktor der allgemeinen Sozialbildung. Es gibt viele Länder, die uns da hervorragende Vorbilder sein sollten!

    • Genau, es sind die Lehrkräfte und Therapeuten. „Normale“ Lehrer sind aber nicht für SoPä ausgebildet, und Therapeuten finden Sie im Regelfall auch nur an Förderschulen. Ist alles eine Frage des Geldes: lass die Kinder in der Regelschule mit bis zu 29 anderen sitzen, die GS-Kollegen werden mit A12 bezahlt. Spart man sich SoPä mit A13, Therapeutenkosten, Kosten für Schulgebäude, Transport etc. Das wir als GS-Lehrer das nicht leisten können, interessiert die KuMi mal so gar nicht.

      • Genau, Marie!
        Das ist genau so, als würde man die Physioterapeuten am Reha-Zentrum auch mal eben nebenbei (während der Massage) die Psychotherapie machen lassen. Denn: Therapeut ist Therapeut!
        Können sich doch mal fortbilden, die Physiotherapeuten, möglichst auf eigene Kosten am Wochenende!

        Außerdem sind die Physiotherapeuten billiger und die speziellen Psychotherapieräume kann man sich auch sparen, da man beides gleichzeitig in den Physio-Räumen erledigen kann!

        • Und das stellen wir uns dann mal in einer Regel-Kita vor. Erzieher und Kinderpfleger,die mit Kindern mit sichtlich Förderbedarf allein gelassen werden. Hauptsache Inklusion und sparen. Personalmangel, nicht entsprechend ausgebildete und überlastete Mitarbeiter und Gruppenüberbelegungen mit offenen Konzept…Das ist alles so unheimlich fördernd für Kinder,die schonmal gar kein solches Chaos aushalten können.

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