Ex-Schulleiterin wird Bildungsministerin – und bekommt schon Druck von Lehrerverbänden

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SCHWERIN. Die Linken-Politikerin Simone Oldenburg – selbst ehemalige Lehrerin und Schulleiterin – wird Bildungsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Noch nicht im Amt, bekommt sie bereits Gegenwind zu spüren: Der VBE und die GEW zeigen sich von den Plänen der rot-roten Koalition enttäuscht.

Übernimmt das Bildungsressort: die Linken-Politikerin und Pädagogin Simone Oldenburg. Foto: Jonas Rogowski / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Für Oldenburg wird das Ressort eigens umgebaut: Die gymnasiale Deutsch- und Geschichtslehrerin wird für die Bildung von der Kita bis zum Abitur und Berufsausbildung zuständig sein. Bisher waren die Kindertagesstätten beim Sozialministerium angesiedelt. Doch weil es sich um Stätten frühkindlicher Bildung handele, seien sie in ihrem künftigen Ressort gut aufgehoben, erklärte Oldenburg.

Unterdessen wurde schon Kritik an den Bildungsplänen der künftigen rot-roten Landesregierung laut. Sie bleiben weit hinter der Erwartungen des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) zurück. «Nach dem Vorstellen des Koalitionsvertrages ist Enttäuschung in den Lehrerzimmern eingekehrt», sagte der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft, Michael Blanck.

Die Linke hatte 1000 zusätzliche Lehrer angekündigt – wirklich neu sind davon aber nur 200 Stellen. Die anderen gibt es bereits, sie sind nur aktuell nicht besetzt; ein Teil war bislang befristet. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte, dass die Pläne für neue Lehrerstellen hinter den Erwartungen zurück blieben.

«Wir benötigen gut ausgebildete Lehrkräfte in den Schulen. Dazu gehört aber auch ein gutes Referendariat»

Simone Oldenburg habe in der Vergangenheit viele Forderungen formuliert, die nicht weit von den Vorstellungen des VBE entfernt seien, erinnerte Blanck. «Nur leider findet sich davon sehr wenig im Koalitionsvertrag.» So habe die neue rot-rote Landesregierung jetzt die Chance gehabt, die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung aus Geldmangel im Jahr 2004 zu korrigieren. «Das hatte Frau Oldenburg immer signalisiert.»

Im Koalitionsvertrag steht nun allerdings: «Die Koalitionspartner werden prüfen, ob ab 2026 bei zurückgehenden Zahlen der Schülerinnen und Schüler eine Absenkung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung oder mehr Altersanrechnungsstunden ermöglicht werden können.» Blanck mahnte, die Belastungsgrenze der Lehrkräfte sei schon seit Jahren kontinuierlich überschritten.

Susann Meyer, Sprecherin des Jungen VBE, begrüßte, dass die Lehrerausbildung gründlich reformiert und praxisnäher gestaltet werden soll. Eine mögliche Verkürzung des Referendariats sieht sie jedoch kritisch. «Wir benötigen gut ausgebildete Lehrkräfte in den Schulen. Dazu gehört aber auch ein gutes Referendariat, dass von Mentoren unterrichtsbegleitend unterstützt wird.» News4teachers / mit Material der dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Sehr löblich, dass es endlich mal im Bildungsbereich Verantwortungsträger gibt, die mal fachliche Nähe zu der Materie, über die sie bestimmen, aufweisen.

  2. „Die Linke hatte 1000 zusätzliche Lehrer angekündigt – wirklich neu sind davon aber nur 200 Stellen. Die anderen gibt es bereits, sie sind nur aktuell nicht besetzt; ein Teil war bislang befristet.“

    Solche Mogelpackungen sind „linkentypisch“. Die Schönfärberei aus DDR-Zeiten beherrschen sie immer noch.

  3. Hierzu möchte ich sagen, dass das nicht „linkentypisch“ ist,, sondern auch seit Jahrzehnten in unserem CDU geführten Hessen Praxis ist. Kultusministerien leben in ihren eigenen Welten, wenn es um Berechnungen von Stellen, Anrechnungen von Referandarsstunden (Lehrer in Ausbildung!) im Rahmen der den Schulen zustehenden genehmigten Lehrerstunden geht! Das hat auch mit DDR-Zeiten wirklich nichts zu tun.

  4. Die Verkürzung des Referendariats (und der universitären Phase) um jeweils 1 Jahr, wie man hier auch schon lesen konnte, unterstütze ich ausdrücklich. Damit könnten neue Lehrer nach 5 Jahren zur Verfügung stehen.

    Am besten auch die sogenannten Stufenlehrer für Grundschule oder weiterführende Schulen.

  5. Ich plädiere dafür, das Referendariat von den Seminaren zu befreien. Hier habe ich vor allem gelernt, wie man Unterrichtsstunden mit endlos viel Aufwand an Zeit und Material für gute Zensuren plant. Mit der normalen Praxis hatte das wenig zu tun, sondern nur mit der Kunst „Türken bauen“ für eine gute 2. Prüfung.
    Durchweg üblich war dabei, dass die Seminarleiter und -leiterinnen sich davor drückten, uns Anfängern mal selbst vorzuführen, wie vorbildlicher Unterricht aussah. Sie belehrten lieber theoretisch.
    Unterrichtsbesuche (Hospitationen) bei und von älteren Kollegen (Mentoren) und Gespräche darüber haben mir dagegen sehr geholfen. Ohne sie wäre der Einstieg ins Praxisleben viel schwerer gewesen.

    Wenn es mehr Lehrer und damit Lehrerstunden gäbe, wäre ich unbedingt dafür, dass Mentoren und Hospitationen eine größere Rolle spielen. Sie bringen was. Seminare kann man von mir aus abschaffen.

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