Schwesig erwägt, das Referendariat zu verkürzen, um Lehrerberuf attraktiver zu machen

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SCHWERIN. Das Thema Bildung war ein zentraler Teil im Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. Die Schwachstellen wurden aufgezeigt. Die künftige Koalition aus SPD und den Linken will in ihrem Programm die Weichen für Verbesserungen stellen. Ein Punkt dürfte dabei umstritten sein: Eine Verkürzung des Referendariats, die schon im vergangenen Jahr für angehende Grundschullehrkräfte aufgeworfen wurde, ist plötzlich wieder im Gespräch – für alle Lehrämter. Lehrerausbilder und ein Lehrerverband stellen sich bereits dagegen.

Hat die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gewonnen: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).. Foto: SPD Mecklenburg-Vorpommern

Die zukünftige rot-rote Koalition in Mecklenburg-Vorpommern wird ihren Schwerpunkt auf die Zukunft der Kinder setzen. «Dafür steht der gebührenfreie Bildungsweg von Anfang an, von Krippe über Kindergarten und Schule bis hin zur Ausbildung und Studium», sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in Schwerin nach dem Ende der sechsten Verhandlungsrunde zwischen SPD und den Linken.

Simone Oldenburg von den Linken bekräftigte bei der Vorstellung der umfangreichen Bildungsinitiative, dass im Rahmen des Programms «Aufbruch 2030» 1000 Lehrerstellen besetzt werden sollen. Damit sollen die Arbeits- und Unterrichtsbedingungen für Lehrer und für Kinder und Jugendliche verbessert werden. Die 1000 neuen Lehrer kämen zusätzlich zu den 3000 Lehrern, die in den kommenden fünf Jahren in den Ruhestand gehen werden, betonte Oldenburg.

Das Problem: Es gibt nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber. Im Bildungssystem gebe es augenblicklich 250 unbesetzte Stellen, die wiederbesetzt werden sollen. Die Verkürzung des derzeit noch 18-monatigen Referendariats werde geprüft, das Lehramtsstudium soll reformiert werden. Zusammen mit einer Verkürzung der bislang sechs bis acht Wochen dauernden Einstellungszeiten versprechen sich SPD und Linke davon, mehr Lehrer für die Schulen im Land begeistern zu können.

„Wir intensivieren die Praxiszeit für angehende Grundschullehrkräfte schon während des Studiums“

Insbesondere eine Verkürzung des Referendariats dürfte zu Diskussionen führen. Schon im vergangenen Jahr hatte es einen entsprechenden Vorstoß des SPD-geführten Bildungsministeriums in Schwerin für angehende Grundschullehrkräfte gegeben. „Wir bilden die erhöhten Anforderungen bereits stärker im Studium ab und wollen Grundschullehrkräfte noch besser auf ihre Tätigkeit vorbereiten“, so begründete Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) seinerzeit die Pläne. „Wir intensivieren die Praxiszeit für angehende Grundschullehrkräfte schon während des Studiums.“ Dies sei ein wichtiger Schritt, um die Lehrerbildung im Grundschulbereich insgesamt zu verbessern.

Ist es das? Widerspruch kam vom Bundesverband (bak) Lehrerbildung, in dem bundesweit Lehrerausbilderinnen und -ausbilder organisiert sind. „Für uns steckt darin eine deutliche Qualitätsminderung“, sagte Bundesvorsitzender Helmut Klaßen gegenüber News4teachers. Er sah in der Maßnahme eine „versteckte Sparmaßnahme“.

Klaßen brach eine Lanze für das Referendariat: „Eine qualitativ hochwertige Lehrerausbildung wird vor allem durch die Zweite Phase gesichert. Es geht darum, eine starke kohärente Verschränkung zwischen Theorie und Praxis herzustellen. Dabei ist eine kontinuierliche personelle Begleitung und auch eine individuelle Beratung wichtig, auch um die Persönlichkeit der angehenden Lehrerinnen und Lehrer zu stärken. Das kann von den Universitäten nicht geleistet werden“, sagte er.

„Die hohen praktischen Ansprüche, die an den Beruf gestellt werden, sind nicht mal eben zu vermitteln“

Ursprünglich habe das Referendariat bundesweit zwei Jahre gedauert – das ist lange vorbei. Klaßen: „Bayern ist heute das einzige Bundesland, das jetzt noch ein 24-monatiges Referendariat hat, allerdings mit einer anderen Ausbildungsstruktur als in den anderen Bundesländern. In den meisten Bundesländern liegt das Referendariat bei 18 Monaten.“ Und auch das sei schon zu kurz. Die hohen praktischen Ansprüche, die an den Beruf gestellt würden, seien nicht „mal eben“ zu vermitteln, „dafür sind 18 Monate schon das Minimum“. Und jetzt komme noch das große Feld „Bildung in der digitalen Welt“ mit hinein.

Auch der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) hat sich zu Wort gemeldet. „Eine Verkürzung des Referendariats, wie sie Manuela Schwesig anstrebt, ist eine verkappte Sparmaßnahme und wird dem Lehrermangel in keiner Weise entgegenwirken“, kommentiert Bundesvorsitzender Jürgen Böhm den Vorstoß.

„Das macht den Lehrerberuf sicher nicht attraktiver, sondern verschlechterte die Situation auf lange Sicht!“

Das Referendariat sei die zweite wichtige Phase der Lehrerausbildung und bereite die angehenden Lehrkräfte intensiv auf die spätere Tätigkeit vor. Praxis, Didaktik und Methodik könnten sich hier vereinen und bildeten die Grundlage für einen qualitativ hochwertigen Unterricht, so Böhm. „Diese Phase zu kürzen, raubt den jungen Menschen wertvolle Zeit ihrer Ausbildung und hätte vermutlich nur den Effekt von Einsparmaßnahmen in der späteren Besoldung. Das macht den Lehrerberuf sicher nicht attraktiver, sondern verschlechterte die Situation auf lange Sicht!“, stellt Böhm klar. „Dem Lehrermangel kann man nur durch Qualität und eine möglichst differenzierte Ausbildung entgegenwirken, damit die Lehrkräfte bestens vorbereitet sind“, wertet Böhm die geplante Maßnahme.

Für die designierte Koalition ist eine Reform der Lehrerausbildung indes nur ein Baustein. Ein weiteres Detail der Vereinbarung für Mecklenburg-Vorpommern sei, dass 280 Lehrerstellen, die bis 2024 befristet sind, nicht auslaufen werden. «150 Stellen werden für die Berufsschul-Offensive kommen.» Dort gebe es einen Bedarf für eine bessere Lehrer-Schüler-Quote. Für Lehrer sollen zudem Arbeitszeitkonten für zusätzlich geleistete Stunden eingeführt werden, damit sie früher in die Rente gehen könnten oder am Ende der Lebensarbeitszeit weniger belastet werden. Es werde «sehr, sehr viel Geld» in die Schulen investiert, fasste Oldenburg zusammen. News4teachers / mit Material der dpa

Mit nur zwölf Monaten Referendariat zum Lehrer – Verband schlägt Alarm

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31 KOMMENTARE

  1. 12 Monate sind immer noch zu viel Zeit für diese Pseudo-Seminare. Ganz weg mit den kleinen Sonnenkönigen. Theorie-Praxis-Bezug kann und auch an Unis hergestellt werden. Dazu gerne Lehrer qua Lehrauftrag an die Uni holen, im Gegenzug Stundendeputat ordentlich senken.
    Dann stimmt nämlich auch die Qualität.
    Außer den Seminarkaspern selbst glaubt eh keiner daran, dass das Ref in der heutigen Form notwendig ist. Oder sinnvoll. Oder erhaltenswert.

    In diesem Sinne: Viel Spaß mit der folgenden Autosuggestion.

    • Ich war auch einmal ein „Seminarkasper“, und musste feststellen, dass die Vorbereitung an den Unis völlig weltfremd und oft extrem praxisfern lief. Das stellten die anderen „Seminarkasper“ um mich herum ähnlich…
      Mann, nur wenn Sie schlechte Erfahrungen gemacht haben, müssen Sie nicht so unqualifiziert über die engagierten SeminarleiterInnen herziehen…

      • Seminarleitung ist kein Beförderungsamt. Es gibt also nicht mehr Geld.
        Warum geht also jemand raus aus dem Unterricht rein ins Seminar???
        Die Erfahrung zeigt – Es ist die Flucht aus dem Unterricht! Erwachsene, die unter Notendruck stehen sind leichter zu handhaben als Kinder und Jugendliche.

        Und diese Unterrichts flüchtigen erzählen dann, wie Unterricht funktioniert?
        Finde den Fehler!!!

        • Finde den Fehler… Ist super einfach: „ Seminarleitung ist kein Beförderungsamt. Es gibt also nicht mehr Geld.“
          Es ging mir nicht ums Geld!!! Sondern um mein Fach und die Hoffnung, hier mehr Positives bewirken zu können, so dass Unterricht ALLEN Beteiligten mehr Freude macht und mehr substanzielle Erkenntnis bringt…
          Jede Sache, die von den handelnden Personen schlecht gemacht wird, ist am Ende auch schlecht. Das spricht noch nicht gegen die Struktur.
          Meine Referendare haben jedenfalls im Feedback NACH der Prüfung fast ausnahmslos zurückgespiegelt, dass ihnen diese Zeit echt geholfen hat.

          • Klar! Haben wir nach der Prüfung auch fast ausnahmslos zurückgespiegelt!
            Schließlich war damals die Zeit des Lehrerüberschusses, uns war nach zwei Jahren Seminar klar, dass die meisten von uns ohnehin nichtswürdige Ausbünde an Unfähigkeit sind und wir waren das Jasagen gewohnt.
            Die ganz wenigen, die das Seminar supertoll und hilfreich fanden, haben das leichten Herzens und in voller Überzeugung rückgemeldet – die hatten aber auch selber nach wenigen Dienst- und Praxisjahren eine eigene Seminarleitung, während der Großteil noch auf Wartelisten verharrte, sich mit stundenweisen Zeitverträgen über Wasser zu halten versuchte oder schlicht etwas ganz anderes begonnen hatte.

            Schade nur, dass der ach so tolle und immer wieder hoch gelobte Untererricht dieser Wenigen den Schülern nun fortan vorenthalten bleiben musste.

            Dem Rest kam es auf einmal Schleimen mehr oder weniger nun wirklich nicht an und man konnte ja nie wissen, nachdem die Seminarrektoren immer wieder ihre bombigen Beziehungen zu Schulamt und Regierung unterstrichen hatten…

            Was das Bewirken von Positivem betrifft: Einer aus diesem erlesenen Kreis stieg nach etwa zehn Jahren „Stillstand“ aus der Seminarleitung aus und bewarb sich als Schulleitung an einer großen Schule, „weil man da mehr bewirken könne“.
            (Oder, wie eine Kolllegin zynisch bemerkte: „Weil man da öfter in der Zeitung stehen und gesehen werden kann!“)
            Nach zwei bis drei Jahren Hardcore-Pressearbeit gings dann auch wirklich mit der Karriere wieder voran.

        • Der typische Kommentar eines sich selbst überschätzenden Lehrers (ist bei Schülern auch so), dessen Selbstbild mit der Realität kaum übereinstimmt.
          Meiner Erfahrung nach ist es in meinem Bundesland so, dass die Studienleiter ihrer Fächer ordentliche bis exzellente Arbeit leisten. Abstiche muss man nur bei den Pädagogikfachleitern machen.
          Und nein, ist bin kein externer Fachleiter, ich bilde allerdings an meiner Schule regelmäßig Referendare aus.

      • Das ganze Format ist strukturell entwürdigend. Es geht mitnichten um meine persönliche Erfahrung oder Einzelfälle.
        Bezüglich der Weltfremdheit stehen die Seminare den Unis in nichts, aber auch gar nichts nach. Aber an der Uni gibt es immerhin noch einen wissenschaftlichen Anspruch dabei.
        Junge Lehrer, die das Land dringend braucht, systematisch der Willkür und Borniertheit von minderqualifizierten Praxisflüchtlingen auszusetzen, ist eine Idiotie, die wir uns nicht mehr leisten können.
        Ich kenne auch keinen einzigen Kollegen, der nicht hinter vorgehaltener Hand die Absurdität dieser sogenannten Seminare betont.
        Leider leben die Sonnenkönige in einer extremen Filterblase, die sicherstellt, das ihr Selbstbild als mega-kompetente Ausbilder keine Kratzer bekommt.
        In Wahrheit werdet ihr einfach nur vollgeschleimt von Menschen, über die ihr genüsslich den Daumen senkt, sobald sich auch nur im Ansatz die Chance ergibt, wohlfeile und komplett unnütze Ratschläge zu erteilen – weil ihr leider und aus mir völlig unverständlichen Gründen ein kleines bisschen Macht über Menschen habt. Damit kann halt nicht jeder umgehen und bestimmte Persönlichkeiten sollten einfach keine Macht über Menschen bekommen. Leider trifft man genau diese Persönlichkeiten überproportional oft in den Seminaren. Sie konnten sich gegenüber den Schülern nicht behaupten und kompensieren jetzt ihren latenten Minderwertigkeitskomplex, indem sie andere, die noch nicht aufgegeben haben, blöd dastehen lassen.

        So, und zu Ihrem erwartbaren Einwand, dass es immer solche und solche gibt (blabla), sei Ihnen gesagt: Ja, es gibt auch solche, aber die sind definitiv nicht repräsentativ und man muss sie schon mit der Lupe suchen.

        • Antwort auf Lera, Sehe ich genauso. Habe durch einen dummen Zufall in meiner 2. Studienzeit an der Uni 1994 meine korrigierte Hausarbeit in die Hand bekommen. Entwürdigende Kommentare und Randbemerkungen.
          Habe vorher kurz vor der Wende ein gutes Fachschulstudium in der DDR absolviert, wo bereits nach 2 Monaten erste Unterrichtsbesuche und-versuche stattfanden, wo Theorie und Praxis von Anfang an verbunden wurden. Musste dann aber das gesamte Lehramt-Studium wiederholen! Nichts wurde anerkannt.
          Es war nur ein stures Auswendiglernen, ein viel zu später Praxisbezug, arrogante Professoren und Seminarleiter. Jede „Vorführstunde“ sollte ein Event sein, absolut weit weg vom tatsächlichen Unterrichtsgeschehen. Hätte ich die vorherige gute didaktische Ausbildung nicht gehabt, wäre ich untergegangen.

  2. So ein Quatsch.
    Die Verkürzung auf 18 Monate war damals schon eine Sparmaßnahme. Dafür durften die Studies dann ein Semester auf eigene Kosten an die Schulen.

    Jetzt 12 Monate? Der Wahnsinn. Dann kann man auch gleich auf Null verkürzen… Lernt man dann halt direkt mit dem Berufseinstieg.

    Attraktiver wird ein Beruf doch nicht dadurch, dass ich die Ausbildung dafür verkürze.

    In der Logik wäre das Problem in der Altenpflege ganz leicht zu lösen: Ausbildung streichen, Berufseinstieg ohne Ausbildung.

    • Wenn die „Ausbildung“ regelmäßig mit der Entwürdigung und Brechung der Persönlichkeit einher geht und gleichzeitig fachlich unter dem Niveau einer Volkshochschule operiert, ist es sicherlich attraktivitätssteigernd, sie ersatzlos zu streichen.

    • Die Schulzeit auf 12 Jahre verkürzen, das Studium auf 4 Jahre und dann das Referendariat auf 6 Monate, das wird es bringen. Dann fehlen plötzlich weniger Lehrer, und unsere Politiker sind zufrieden.
      Wieso eigentlich dauert das Referendariat bei den Juristen volle 2 Jahre ??? Weil es schwieriger ist, mit Paragraphen umzugehen als mit Kindern ???

    • @Besorgter Bürger
      Eine Ausbildung von 6,5 auf 6 Jahre zu verkürzen ist also für Sie gleichzusetzen mit „keiner Ausbildung“?
      Aber ehrlich, der praktische Teil müsste schon im Studium stärker berücksichtigt werden! Schulpädagogik Professoren, die noch irgend einen Bezug zur Realität haben, wären schon mal ein guter Anfang!

      @Lera
      Das Problem mit den „kleinen SonnenkönigInnen“ haben wir leider auch! Besonders schlimm, wenn diese ein Buch geschrieben haben, das nun für ihre Referendare „absolut“ verpflichtend ist!
      Selbst als SL oder Mentor kommt man gegen diese Studienleitungen mit Vernunftgründen nicht an! Augen zu und durch, bleibt da oft nur! Denn leider benoten diese ja, obwohl wir uns inzwischen mehr auf die Note der SL verlassen!

  3. Richtig(er) wäre es, die universitäre Phase z.B. auf 4 statt 5 Jahre zu kürzen. Das Referendariat ist der wichtigere Teil. Gut strukturiert und inhaltlich gut aufgestellt könnte man den aber vielleicht auch auf 1 Jahr verkürzen.

    Dann würde die Lehrerausbildung insgesamt 5 Jahre dauern. Andere Länder zeigen, dass das ohne Qualitätsverlust geht.

    Es kommt ja nicht auf die Quantität an, sondern auf die Qualität.

  4. 18 Monate sind schon zu wenig, und nun noch mal verkürzen!? Ich verstehe nicht, was daran attraktiver sein soll, wenn man seinen Beruf nicht richtig erlernen darf. Attraktiver wäre, wenn das Referendariat weniger Druck und Stress, weniger sinnlose Ausbildungselemente, aber mehr Geld und in der Anfangszeit mehr Unterstützung durch ältere Lehrer (mehr betreuter, weniger eigenverantwortlicher Unterricht) hätte.

  5. Diese Maßnahmen sind doch schon wieder nur aus der Not geboren und machen für die Ausbildung der Lehrer überhaupt keinen Sinn. Ich denke noch mit Grauen an meine Referendarzeit zurück, die Seminarlehrer hatten damals die Order, aufgrund des Lehrerüberschusses gnadenlos auszusortieren und die Noten zu drücken, also auch hier nur politische, nicht pädagogische Entscheidungen. Von über 20 Referendaren hat somit nur einer eine Planstelle bekommen, die anderen mussten schauen, wo sie bleiben. Gute Pädagogen hat man damals auf die Straße gesetzt, um 6-10 Jahre später wieder jeden zuzulassen. Das ist keine sinnvolle Planung. In der Referendarzeit hat mir nur der Zweigschuleinsatz mit guten Betreuungslehrern etwas für den Beruf gebracht, hier konnte man die fehlende Praxiserfahrung relativ schnell aufholen, das darf auf keinen Fall verkürzt, eher verlängert werden. Die Seminarzeit war größtenteils überflüssig mit meist unzulänglichen Seminarlehrern, die die Referendare nicht auf Augenhöhe behandelten (ist heute sicher anders) und ihre Macht direkt ausspielten. Meine Betreuungslehrer haben manchmal bei den Lehrproben nur mit dem Kopf geschüttelt. aber wie gesagt: es gab Befehle von oben, es gab zu viele Lehrer, also musste man den Referendaren die Ausbildung madig machen, und wenn das nichts half, dann eben die Noten unverschämt niedrig ansetzen (ich warte noch heute auf eine plausible Begründung meiner Note in der Hausarbeit). Über die Inhalte lässt sich streiten, sicher war Einiges an Theorie wichtig, aber z.T. wurden Methoden vermittelt, die wir dann umsetzen mussten, obwohl wir damit nicht einverstanden waren. Hier wäre ein Austausch sinnvoller anstatt dieser autoritären Ausbildung. Von den Unterlagen aus dieser Zeit kann ich nur einen kleinen Bruchteil wieder verwenden in meiner dann aktiven Zeit. Sinnvoll wäre, diese Theoriestunden gegen mehr Praxis (learning by doing) zu ersetzen, aber auf keinen Fall die Referendarzeit verkürzen. Lieber mehr betreuten Einsatz und dann aber auch entsprechend die Bezahlung anpassen, die bei den Referendaren momentan ja unterirdisch ist, obwohl sie für fehlende Lehrer eingesetzt werden (Ausbeutung). Bildungspolitik wird mir immer ein Rätsel bleiben, die Betroffenen mussten schon so manche Kröte schlucken.

  6. Es wäre wesentlich effektiver den fertigen Lehrern direkt nach dem Referendariat eine Planstelle anzubieten, als sie jahrelang mit Vertretungsverträgen hinzuhalten. Ich arbeite in der mittleren Schulbehörde und kämpfe täglich damit, dass es keine Lehrkräfte mehr gibt, die man irgendwo einsetzen kann. Die verschiedenen Bundesländer werben sich die Absolventen gegenseitig ab, indem sie unterschiedlich schnell agieren und unterschiedlich bezahlen. Einheitliche Bedingungen würden es den Absolventen und uns einfacher machen. Ich finde es schrecklich, dass Junglehrer oft keinen gesicherten Arbeitsplatz bekommen und auch in den Schulen ist die Fluktuation der Lehrkräfte nicht unbedingt förderlich für ein verlässliches Konzept und Planungssicherheit der Schulleitungen. Ich finde, der Lehrerberuf ist anspruchsvoll und man müsste gute Bedingungen schaffen, damit man diese Aufgabe stressfreier meistern kann. Dazu gehört Sicherheit und eine gute und einheitliche Bezahlung in allen Schularten.

    • Dieser Ruf verhallt schon seit Jahrzehnten im undurchdringlichen Wald der Bildungspolitik. Die einheitliche Linie wird schon durch den föderalen Ansatz der 16 Kultusministerien unmöglich gemacht, da jeder Kultusminister mit seinen Heerscharen von Beratern sein eigenes Süppchen kocht und sich schulterklopfend als unfehlbar empfindet. Es kann auch kein planvolles Konzept entstehen, da die Kultusminister beliebig austauschbar sind und auch oft ausgetauscht werden, Politiker, die sich der Sache nicht mit Herzblut annehmen, sondern nur den Posten inne haben wollen. Solange keine richtigen pädagogischen Experten mit mehrjähriger Berufserfahrung an die Sache herangelassen werden, wird sich da auch wenig ändern. Kritik prallt da ab wie Fett von Teflon. Ja, das muss man auch erst mal können, tolle Leistung, aber leider zu Lasten der Schüler und Lehrer.

    • Also in NRW wird (fast) jeder sofort eingestellt, zumindest in GS. Unsere LAA hatten teilweise schon Verträge, bevor sie die Prüfung auch tatsächlich bestanden hatten. Die Abschlussnote spielte keine Rolle mehr.

  7. Ich bin gespannt, wie das bei den anderen Beamten im öffentlichen Dienst ankommt, wenn für die Lehrer wieder eine Extrawurst gebraten wird und sie weiter ihren 18 bis 24-monatigen Vorbereitungsdienst ableisten müssen.

    Man kann das ja gerne befürworten, aber dann sollte man auch so fair sein und sagen, dass es dann bei Lehrern in MV eben nicht mehr für A13 reicht.

    • Die Verbindung

      Ausbildungsdauer Gehalt

      ist ein Anachronismus, nicht in Stein gemeißelt und sollte so langsam mal auch aus den formal verquastesten Köpfen weichen.

      Entscheidend für die Bezahlung sollte die Schwere und Bedeutung der Aufgabe sein.

      Und wenn man regelmäßig feststellt, dass man in einem Bereich mehr Leute braucht, als sich bewerben (=alle Schulformen außer GY), dann sollte man diese Bereiche ATTRAKTIVER machen.

      Zum Beispiel, indem man sie besser bezahlt, das Deputat senkt, die entwürdigende und weitestgehend überflüssige zweite Ausbildungsphase reformiert und verkürzt und nicht zuletzt: die Arbeitsbedingungen verbessert, sprich kleine Klassen, schöne Räume, gute Ausstattung.

      • @Lera
        „Die Verbindung

        Ausbildungsdauer Gehalt

        ist ein Anachronismus, nicht in Stein gemeißelt und sollte so langsam mal auch aus den formal verquastesten Köpfen weichen.

        „Entscheidend für die Bezahlung sollte die Schwere und Bedeutung der Aufgabe sein.“

        a) Demnach gibt es viele Berufe, die besser bezahlt werden müssten als die des Lehrers (z.B. Handwerker) bzw. (es bleibt dabei) Lehrer müssten schlechter eingruppiert werden.

        b) Machen sie den Fehler indirekt zu behaupten, dass die Ausbildungsdauer bei Lehrern inhaltslose Eierschaukelzeit ist. Tut mir leid, wenn ihre (Ausbildungs-)Zeit so inkompetent genutzt wurde, aber ich hatte eine hochqualitative Ausbildung an einer Ausbildungsschule, wo ich wirklich das Unterrichten erlernte.

        c) Wenn sie behaupten, dass die Zeit des Vorbereitungsdienstes sinnlos sei, dann haben Sie leider nicht verstanden, dass die Ausbildung nicht lange dauert, um einfach nur so lange zu dauern, sondern weil man erwartet, dass diese Zeit für notwendige Ausbildungsinhalte genutzt wird. Das betrifft ja nicht nur Lehrer, sondern auch alle anderen Beamten und Juristen.

        Es zeugt schon von einer gewissen vermessenen Arroganz sich solche Extrawürste gegenüber den anderen Berufsgruppen im Beamtentum braten zu wollen und merkt dabei überhaupt nicht, dass man sich so nur den (immer berechtigteren) Klischee des Schmalspurakademikers entspricht.

        „Und wenn man regelmäßig feststellt, dass man in einem Bereich mehr Leute braucht, als sich bewerben (=alle Schulformen außer GY), dann sollte man diese Bereiche ATTRAKTIVER machen.“

        Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man die Ausbildungszeit verkürzen sollte. Wären Sie sie im medizinischen Bereich auch damit einverstanden? Einen Ärztemangel haben wir nämlich auch.

        „Zum Beispiel, indem man sie besser bezahlt, das Deputat senkt, die entwürdigende und weitestgehend überflüssige zweite Ausbildungsphase reformiert und verkürzt und nicht zuletzt: die Arbeitsbedingungen verbessert, sprich kleine Klassen, schöne Räume, gute Ausstattung.“

        Hier gebe ich Ihnen durchaus recht, (wenn das nicht sogar die entscheideneden Punkte sind) bis auf den einen Punkt (sie werden sich denken können, welchen ich meine).

        An der Ausbildung darf es jedenfalls definitiv keine qualitativen Einsparungen geben – von mir aus fordern Sie, dass die Ausbildungsmittel und Rahmenbedingungen im Referendariat verbessert werden, aber nicht, dass Ausbildung ausfällt.

        • „a) Demnach gibt es viele Berufe, die besser bezahlt werden müssten als die des Lehrers (z.B. Handwerker) bzw. (es bleibt dabei) Lehrer müssten schlechter eingruppiert werden.“

          Demnach schätzen Sie die Schwere und Bedeutung des Lehrerberufs geringer ein als die eines Handwerkers. Sehe ich nicht so.

          „b) Machen sie den Fehler indirekt zu behaupten, dass die Ausbildungsdauer bei Lehrern inhaltslose Eierschaukelzeit ist. Tut mir leid, wenn ihre (Ausbildungs-)Zeit so inkompetent genutzt wurde, aber ich hatte eine hochqualitative Ausbildung an einer Ausbildungsschule, wo ich wirklich das Unterrichten erlernte.“

          Das freut mich wirklich für Sie, allderdings sind wir damit wieder einmal an dem müßigen Punkt angelangt, an dem jeder seine persönlichen Erfahrungen für repräsentativer als andere hält und keiner dies belegen kann (wie auch).
          Ich meine jedenfalls deutlich häufiger von Kollegen gehört zu haben, dass das meiste aus Uni und insbesondere Ref komplett nutzlos war, als dass sie richtig viel für die Praxis mitnehmen konnten. Wäre ja mal eine interessante Umfrage hier bei N4T…

          „c) Wenn sie behaupten, dass die Zeit des Vorbereitungsdienstes sinnlos sei, dann haben Sie leider nicht verstanden, dass die Ausbildung nicht lange dauert, um einfach nur so lange zu dauern, sondern weil man erwartet, dass diese Zeit für notwendige Ausbildungsinhalte genutzt wird. Das betrifft ja nicht nur Lehrer, sondern auch alle anderen Beamten und Juristen.“

          Ja, bestimmt erwartet man das, leider passiert es -ganz überwiegend, Behauptung- eben nicht, s.o. Und das ist nicht zufällig oder im Einzelfall so, sondern strukturell bedingt. Dazu könnte ich jetzt viel schreiben, ich möchte nur exemplarisch zwei Aspekte herausgreifen:
          1. Der traurige Zustand von Erziehungswissenschaft und Pädagogik (Kern? eigene Begriffe/Methoden? Verständnis von Lehren/Lernen? – Je länger man studiert desto besser kann man mit vielen Worten umschreiben, warum alles sehr komplex ist).
          2. Die Art der Rekrutierung der Seminarleitungen führt dazu, dass zu viele ungeeignete Persönlichkeiten Macht über Menschen bekommen.

          „Es zeugt schon von einer gewissen vermessenen Arroganz sich solche Extrawürste gegenüber den anderen Berufsgruppen im Beamtentum braten zu wollen und merkt dabei überhaupt nicht, dass man sich so nur den (immer berechtigteren) Klischee des Schmalspurakademikers entspricht.“

          Ja, die Lehrer sind wirklich privilegiert im Vergleich zu anderen Beamten. Komisch, dass nicht alle Lehrer werden wollen… hmm …
          Im Ernst: Mir geht es ja nicht primär um die Dauer, sondern wie Ihnen um die Qualität. Allerdings teile ich nicht Ihren Optimismus, dass diese Qualität im bestehenden System, mit den heutigen Akteuren insgesamt erreichbar ist oder werden könnte. Strukturelle Fehlanreize wohin man schaut!

          „„Und wenn man regelmäßig feststellt, dass man in einem Bereich mehr Leute braucht, als sich bewerben (=alle Schulformen außer GY), dann sollte man diese Bereiche ATTRAKTIVER machen.“

          Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man die Ausbildungszeit verkürzen sollte. Wären Sie sie im medizinischen Bereich auch damit einverstanden? Einen Ärztemangel haben wir nämlich auch.“

          S.o.

          „„Zum Beispiel, indem man sie besser bezahlt, das Deputat senkt, die entwürdigende und weitestgehend überflüssige zweite Ausbildungsphase reformiert und verkürzt und nicht zuletzt: die Arbeitsbedingungen verbessert, sprich kleine Klassen, schöne Räume, gute Ausstattung.“

          Hier gebe ich Ihnen durchaus recht, (wenn das nicht sogar die entscheideneden Punkte sind) bis auf den einen Punkt (sie werden sich denken können, welchen ich meine).

          An der Ausbildung darf es jedenfalls definitiv keine qualitativen Einsparungen geben – von mir aus fordern Sie, dass die Ausbildungsmittel und Rahmenbedingungen im Referendariat verbessert werden, aber nicht, dass Ausbildung ausfällt.“

          Ja, das schenint mir wirklich der Unterschied zwischen uns zu sein: Ich halte die Hoffnung auf Verbesserungen im bestehend Sytem für naiv, Sie nicht… beides legitim und am Ende sind wir trotzdem beide dafür, dass Lehrer gut ausgebildet werden. Peace out 🙂

  8. Das ist die Lösung. Warum ist da bislang niemand darauf gekommen?

    Es ist doch völlig logisch, dass junge Menschen wichtige Zukunftsentscheidungen einzig und alleine von der Dauer des Referendariats abhängig machen.

    Solche lächerlichen Kleinigkeiten wie die geringere Besoldungsstufe für Grundschullehrer, permanente öffentliche Herabsetzung durch Politik und Medien, geringe Wertschätzung von Schülern und Eltern und die Überbelastung durch immer mehr Projekte und Reformen haben damit ganz sicher nichts zu tun!

  9. Wer ernsthaft glaubt, man könne einen Referendar vollwertig in 12 Monaten ausbilden, hat absolut keine Ahnung von der Materie. Jede noch so gute Referendarin lernt noch erheblich dazu, selbst wenn sie schon viel aus der Uni mitbringt.
    Konzeption von Unterrichtsstunden und deren Umsetzung, Claasroommanagement, Konzeption von Leistungsnachweisen, Elternkontakte, Schulrecht, Klassenfahrten usw. usw.
    Kein einziger Absolvent der Uni ist darin schon so gut, dass er als guter fertiger Lehrer arbeiten könnte. Alle lernen durch Fehler und die muss man auch machen dürfen. Bei einem Referendariat von 12 Monaten ist man aber schon mitten im Examen, wenn man gerade an der Schule angekommen ist. Schon die 18 Monate sind eigentlich zu wenig!

  10. OK, dann haben Ihrer Meinung nach sehr viele Kollegen keine Ahnung „von der Materie“.

    Meiner Meinung nach sollten Sie daher mal mit den real existierenden Referendaren sprechen – und zwar „unter drei“.

    So wie das Ref aktuell ist, wären NULL Monate am besten, weil dann am Ende keine beschädigten Menschen an den Start gehen.

    Und wenn Sie mit „Ref“ eine Trainingszeit mit altem Hasen und geringem Deputat meinen: Dazu braucht man die Seminare nicht.

  11. Hier kann man auch lesen, was die neue rot-rote Koalition in MV plant.

    Im Bildungsbereich wollen sie 1000 neue Stellen schaffen. Als sie schon einmal gemeinsam regierten haben sie, ich meine, rund 1000 Stellen an Schulen gestrichen. Das mutet an wie in Berlin. Erst verkaufte Rot-Rot Berliner Wohnungen für Millionen und nun kauft Rot-Rot-Grün Berliner Wohnungen für Milliarden zurück.

    https://www.vorwaerts.de/artikel/koalitionsverhandlungen-rot-rot-mecklenburg-vorpommern-plant

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