Neue PISA-Studie: Es geht wieder abwärts – Karliczek: „Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein“

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BERLIN. Man kann die neueste PISA-Studie so oder so lesen. Immerhin, die Leistungen der Schüler in Deutschland sind weiterhin überdurchschnittlich – das klingt erst mal gut. Der Maßstab ist allerdings die Gesamtheit der OECD-Staaten, zu denen auch Entwicklungsländer wie die Dominikanische Republik oder die Philippinen gehören. Der Abstand zur internationalen Spitzengruppe ist groß. Und: Die Schüler in Deutschland haben sich in allen drei Kategorien verschlechtert.

Die Leistungskurve weist nach unten. Foto: Shutterstock

Nach mehrjährigem Aufwärtstrend bis 2013 erlebt Deutschland nun den zweiten PISA-Knick in Folge. Die deutschen Schüler haben sich in allen drei Bereichen der internationalen Vergleichsstudie – Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – leicht verschlechtert. Sie erzielten jeweils etwas weniger Punkte als bei der vorherigen Untersuchung, die 2016 veröffentlicht wurde. Auch damals waren die Werte in zwei Bereichen schon gesunken.

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Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wies bei der Vorlage der Zahlen am Dienstag in Berlin aber auch darauf hin, dass die deutschen Schüler leistungsmäßig weiterhin über dem OECD-Durchschnitt und damit auf einem guten Niveau lägen. In Mathematik und Naturwissenschaften sei Deutschland sogar deutlich besser als der Durchschnitt der OECD-Länder. Der Abstand zur Spitzengruppe in Europa und Asien mit Singapur, Hongkong, Japan, Estland, Kanada oder Finnland bleibt dennoch groß.

Bundesbildungsministerin: “Andere Staaten ziehen an uns vorbei”

Nach Ansicht von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek kann Deutschland mit den Ergebnissen nicht zufrieden sein. «Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein», sagte die CDU-Politikerin laut einer gemeinsamen Mitteilung ihres Ministeriums und der Kultusministerkonferenz vom Dienstag. Karliczek hob hervor, dass Deutschland ein gutes Schulsystem habe und auch in dieser PISA-Studie leicht über dem OECD-Durchschnitt liege. «Damit können wir aber nicht zufrieden sein. Andere Staaten ziehen an uns vorbei.»

«Einer der Faktoren hinter dem Leistungsrückgang können die seit der Flüchtlingskrise gestiegenen Ansprüche an das Bildungssystem sein», hieß es von der OECD. Der Anteil von Schülern «mit eigener Migrationserfahrung» sei seit der letzten PISA-Erhebung deutlich gestiegen, und deren Integration in das Bildungssystem sei eine große Herausforderung.

Die Integration der Flüchtlingskinder erklärt den Rückgang nur zum Teil

Allerdings, so heißt es im begleitenden Bericht, reicht diese Begründung nicht aus, um den Leistungsrückgang im vollen Umfang zu erklären. Von insgesamt 11 Punkten Differenz zu 2015 bei der Lesekompetenz schreiben die Bildungsforscher nur 5 den „Veränderungen des  demografischen Profils der Schüler  in diesem Zeitraum“ zu. Darüber hinaus heißt es: „Die demografischen Veränderungen können jedoch nur einen geringen Teil der umfassenderen negativen Trends erklären, die seit 2012 in Mathematik und Naturwissenschaften zu beobachten sind.“ Anders ausgedrückt: Auch ohne die Flüchtlingskinder hätten sich die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland verschlechtert.

Quelle: OECD, PISA-2018-Datenban

 

Die Pisa-Studie ist die größte internationale Schulleistungsvergleichsstudie. Dieses Mal nahmen rund 600.000 Schülerinnen und Schüler aus 79 Ländern teil, in Deutschland knapp 5500. Es war die mittlerweile siebte Runde. Seit dem Jahr 2000 werden für den Vergleichstest alle drei Jahre weltweit Hunderttausende Schüler im Alter von 15 Jahren in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften getestet.

Schwerpunktmäßig wird jeweils ein Bereich stärker abgefragt. Diesmal ging es vor allem um die Lesekompetenz. Die Tests finden inzwischen vor allem am Computer statt. Die Schüler müssen sich durch verschiedene Aufgaben klicken.

Jeder fünfte 15-jährige Schüler liest nur auf Grundschulniveau

Die Zahlen im Einzelnen: Im Bereich Lesen erreichten die deutschen Schüler einen Punktwert von 498 (2016: 509), in Mathematik 500 (2016: 506) und in Naturwissenschaften 503 (2016: 509). Zum Vergleich: Die Spitzenländer kamen auf Werte zwischen 550 und 590, Länder am Ende der Skala wie die Dominikanische Republik oder die Philippinen auf Werte zwischen 325 und 340.

Vergleicht man die Ergebnisse der aktuellen Studie mit dem Schwerpunkt Lesen mit der letzten Schwerpunktstudie Lesen, die 2010 veröffentlicht wurde, erreichen die 15-Jährigen in Deutschland heute ähnliche Ergebnisse.

In Deutschland – so wie auch in allen anderen OECD-Staaten – schnitten die Mädchen bei der Lesekompetenz deutlich besser ab als die Jungen. In Mathe sind die Jungen vorne. Bei den Naturwissenschaften sehen die Autoren in Deutschland keine Unterschiede. Als bedenklich eingestuft wird, dass jeder fünfte 15-Jährige beim Lesen nur ein sehr geringes Leistungsniveau erreicht. Das heißt, er oder sie kann mit ganz einfachen Leseanforderungen nicht umgehen. Auch in Mathe und Naturwissenschaften liegt der Anteil der leistungsschwachen Schüler bei rund 20 Prozent.

Dass jeder fünfte 15-Jährige nicht einmal auf Grundschulniveau lesen könne, sei „besonders bedenklich“, sagte Bundesbildungsministerin Karliczek. Bund und Länder seien gemeinsam gefordert, das Bildungssystem weiter zu verbessern, «jeder in seinem Verantwortungsbereich». So werde der Bund Programme zur frühkindlichen Leseförderung «noch konsequenter weiterverfolgen».

Schulerfolg hängt in Deutschland stark von der sozialen Herkunft ab – noch immer

Die Autoren kritisierten bei der Vorlage der Ergebnisse ein altbekanntes Problem in Deutschland: Der Schulerfolg hänge in der Bundesrepublik weiterhin stärker von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler ab als im Durchschnitt der OECD-Länder. Privilegierte Schüler hätten einen deutlichen Leistungsvorsprung zu denen, die «sozioökonomisch benachteiligt» seien. Der Befund ist so alt wie die PISA-Studie selbst. Schon bei der allerersten, 2001 veröffentlicht, präsentierte sich Deutschland als “Weltmeister” in Sachen Bildungsungerechtigkeit.

Neben den Tests, die die Schüler absolvieren mussten, wurde auch das Thema «Lesefreude» abgefragt. Im Zehnjahresvergleich wird dabei sichtbar, dass das Interesse der Jugendlichen am Lesen abnimmt. Jeder zweite befragte 15-Jährige in Deutschland sagte: Ich «lese nur, wenn ich lesen muss» oder «um Informationen zu bekommen, die ich brauche». Lesen als liebstes Hobby gab nur jeder Vierte an. Mehr Schüler (34 Prozent) sagten dagegen, für sie sei Lesen Zeitverschwendung. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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19 KOMMENTARE

  1. In einem ZEIT-Interview
    https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2019-12/pisa-studie-schulleistungen-oecd-risikoschueler-schulsystem/komplettansicht
    schlägt Prof. Köller etwas vor, was in USA praktiziert wird: “Mit vier Jahren werden alle Kinder getestet und die Kinder, die Sprachdefizite aufweisen, müssen verpflichtend mit viereinhalb Jahren auf eine Vorschule. Dort werden sie dann systematisch fit für die Grundschule gemacht.” Überraschenderweise liegen lt. PISA 2018 die USA beim Lesen jetzt vor Deutschland (bei Mathematik sind sie aber schwach).
    Herr Möller: Also kann man sehr wohl VOR der Einschulung schon was für die Entkoppelung von Herkunft und Bildung tun. Sie hatten behauptet, NUR die Schule könne das. Das dürfte besser wirken als eine Änderung bei der Sekundarstufe (also ab 10 Jahren).

    • Tatsächlich wird diese Testung seit Jahren gemacht, wenn Kinder im Alter von 4 oder 5 Jahren zu Delfin4 (NRW), Fit in Deutsch (Nds) oder anderen Tests verbindlich eingeladen werden.
      In manchen Ländern wird zudem in einigen KiTa mit den 4jährigen ein Screening (DESK) vorgenommen.
      Die Konsequenz ist die verbindliche Teilnahme an Sprachförderungskursen, in Nds. bestand darüber sogar Schulpflicht.
      Allerdings hat Niedersachsen diese vorletztes Jahr eingestellt. Die Verantwortlichkeit wurde aus den Schulen genommen, weil die Lehrkräfte in den Grundschulen benötigt wurden. Die Landkreise waren überrascht und mussten über Nacht ein Sprachförderprogramm in den KiTa erdenken und umsetzen, das nun, nach ca. 1 1/2 Jahren, gerade anläuft. Also hatten 2 Jahrgänge keine Sprachförderung.

    • @Carsten60: Natürlich “kann man sehr wohl VOR der Einschulung schon was für die Entkoppelung von Herkunft und Bildung tun”. Das geschieht ja auch in vielen KITAS, sollte aber gezielter und systematischer erfolgen.
      Den Vorschlag von Köller unterstütze ich daher voll.

      Damit ist das Problem aber nach dem Schuleintritt nicht erledigt (wenn es so einfach wäre). Dann kann nur und muss die Schule weiter Kompensationsarbeit leisten. Sie stehen aber auf dem Standpunkt, dass es dann schon zu spät ist, was wohl so viel heißen soll: Es ist keine Aufgabe der Schule mehr.
      Gezielte Sprachförderung muss bis zum Ende der Pflichtschulzeit stattfinden.

    • Herr Möller: Hier noch ein paar Zitate von Köller und Reiss aus dem obigen Link in der ZEIT:
      “Das ist aber kein rein deutsches Problem, auch unsere Nachbarn, die Schweiz, die Benelux-Staaten und sogar das ehemalige Vorzeigeland Finnland sind unter Druck geraten.”
      “Die größte Gruppe [der Risikoschüler] sind die Kinder von Migranten, die ihre Schullaufbahn in Deutschland absolviert haben, die sogenannte zweite Generation. Zuwandererfamilien haben mehr Kinder als deutschstämmige Familien. Deshalb wächst der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund. Sie sind nicht schlechter geworden, aber sie sind einfach mehr geworden.”
      “Hinzu kommt, dass der Anteil der Zuwandererfamilien, die zu Hause Deutsch sprechen, kleiner geworden ist. Auch das wirkt sich negativ auf die Leistungen aus.”
      “Und noch etwas ist zu bedenken: Deutschland hat im europäischen Vergleich eher sozioökonomisch schwache Zuwanderer. Auch das drückt auf die Schülerleistungen.”

      Dahinter stecken empirisch festgestellte Tatsachen (z.B. die Familiensprache, der sozioökonomische Status, Zahl derer mit Migrationshintergrund: 36 %), verkündet von den PISA-Oberen, die man durch keine Schulreform der Welt ändern könnte. Man kann nur versuchen, deren Auswirkungen zu begrenzen. So postuliert auch Köller bessere Deutschkenntnisse, aber das wird schon seit Jahrzehnten postuliert (und dafür bräuchten wir keinen hochrangigen Bildungsforscher, das wäre wohl jedem eingefallen).
      Weil wir aber jetzt wissen, dass in unserem geschmähten Schulsystem die Nicht-Migranten (einschließlich Unterschichten, Hartz-IV-Empfänger, Alleinerziehende) mit 524 Punkten in Europa zur Spitze zählen, wäre eine nachhaltige schulische Verbesserung auf breiter Ebene wohl sehr erstaunlich. In Frankreich gelingt das jedenfalls nicht, und das ist der Nachbar, mit dem wir uns am ehesten vergleichen sollten (auch wegen der deutsch-französischen Freundschaft). Und in Österreich sieht es auch nicht besser aus. Man müsste vielleicht ein paar gut gemeinte Illusionen über das Machbare aufgeben. Nicht alles ist machbar, nur weil es wünschenswert wäre.

      • Dann schauen Sie sich doch mal eine real existierende Schule an und stellen sich dann die Frage: Wäre hier nicht mehr machbar – wenn das Gebäude nicht marode wäre, wenn es ein starkes multiprofessionelles Team gäbe, das sich um einzelne Kinder kümmern kann, wenn die Lehrerinnen und Lehrer genügend zeitliche Ressourcen hätten, um sprachliche Mängel mit einzelnen Schülerinnen und Schülern individuell aufzuarbeiten, wenn der Ganztag nicht nur eine billige Betreuungslösung für berufstätige Eltern wäre, wenn wir das Geld, das wir jährlich dafür ausgeben, die Folgen gescheiterter Bildungskarrieren sozial aufzufangen, mal im Vorhinein in erfolgreiche Bildungskarrieren investieren würden?

      • Und warum soll das nicht machbar sein?
        Wir haben es bisher ja gar nicht ernsthaft genug versucht. Das Resultat des Nichttuns in Deutschland: 20% erreichen nur das Grundschulniveau, davon stammen die meisten aus sozial schwachen Schichten (sowohl Migranten als auch Nicht-Migranten).
        Ich wiederhole mich gerne: Das Problem des deutschen Schulsystems sind nicht die Migranten, sondern die mangelnde Förderung von Kindern aus unteren Sozialschichten, die zum großen Teil wenig Unterstützung aus ihren Elternhäusern bekommen (können).
        Mit der Übertonung von Problemen bei Kindern mit Zuwanderungshintergrund ist auf der Faktenebene kein Blumentopf zu gewinnen. Da helfen auch nicht die Zitate von Köller.

        • “… kein Blumentopf zu gewinnen. Da helfen auch nicht die Zitate von Köller.”
          Empirische Untersuchungen haben aber nicht das Ziel, Blumentöpfe zu gewinnen. Sie wollen und sollen nur ganz nüchtern die Realität beschreiben. Die obigen Zitate von Köller gehören dahin: sie wollen nur die Realität benennen, und die ist gelegentlich unbequem für die Politik.

          Herr Möller offenbart hier (vermutlich ungewollt) etwas, das einen wachsenden MIssstand in der Bildungspolitik (natürlich nicht den einzigen) bildet: Das Verhältnis zur empirischen Bildungswissenschaft. Einerseits will man PISA, IGLU, VerA und die anderen Tests haben, man füttert die Bildungswissenschaft mit vielen BMBF-Millionen und auch aus den Ländern, Köller wird MItglied von immer mehr Kommissionen, die Empfehlungen abgeben sollen (etwa so, wie früher ein Hofnarr). Andererseits aber richtet man sich nicht nach diesen Empfehlungen, wenn sie nicht ins politische Konzept passen. Das letzte Wort haben eben leider (!) nicht die Wissenschaftler, sondern Parteipolitiker, und die fühlen sich mehr ihren Parteitagsbeschlüssen, ihrem Parteiprogramm und ggfs. Koalitionsverträgen verpflichtet. Und da pickt man sich dann gezielt Einzeldaten von PISA heraus. So wurde nach PISA 2000 das relativ gute Abschneiden von Bayern in der Politik regelrecht niedergebrüllt, man starrte auf andere Daten.
          Man sagt schon, die Bildungswissenschaft diene inzwischen der “Akzeptanzbeschaffung” für politische Maßnahmen, etwa G8, der Einführung von Ganztagsschulen usw. Es erscheint mittlerweile undenkbar, dass ein Bundesland mit G8 eine Studie in Auftrag gibt, in der am Ende steht, G8 ist Mist. Nein, so etwas wird sorgfältig vermieden, denn die Politik könnte jederzeit die Bildungswissenschaft finanziell austrocknen. Und niemals fragen die Parteipolitiker die Bildungsexperten VORHER, wie das wohl werden würde, sondern immer erst hinterher.
          Mit dem Herunterbeten nach Art von “die mangelnde Förderung von Kindern aus unteren Sozialschichten ist das Hauptproblem” wird ja auch nichts besser. Die 20 % funktionalen Analphabeten gab’s vor Jahren bei einer Untersuchung mal in ganz Westeuropa. In der Liste der Lesekompetenz nach Kompetenzstufe I ist auch bei PISA 2018 Deutschland im Vergleich nicht sooo besonders schlecht (siehe Abbildung 3.2 im Langbericht): B, NL, L, F, A. CH, I haben am unteren Ende schwächere Werte, d.h. noch schlechtere Leser. Australien und Neuseeland (mit gänzlich anderer Bevölkerungsstruktur!) sind nur geringfügig besser, sogar Kanada hat 13,8 % statt 20,7 % in D. Das ganze Dramatisieren bringt auch nichts. Aber man könnte dennoch mal das machen, was die Bildungexperten vorschlagen, statt das, was die Parteipolitiker aus politischen Gründen wollen. Der Parteien-Föderalismus hat uns nur ein Chaos gebracht und einen Stillstand dazu.

          • @ Carsten60:
            Sie interpretieren mich (bewusst?) falsch. Ich bestreite die Befunde überhaupt nicht und nehme sie natürlich ernst, weil sie die Realität beschreiben. Das ist doch der alleinige Sinn von empirischer Forschung.
            Meine Aussage ist, dass die schwachen Werte der Migranten nicht isoliert aus dem Blickwinkel des Migrationsstatus sondern aus dem der hohen Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu sehen sind. Das sagen doch die differenzierten Analysen, die ich oben angeführt habe und die Sie anscheinend nicht zur Kenntnis nehmen wollen.
            Die Kernaussage ist doch: Bei diesen leistungsschwachen Schülern (egal ob mit oder ohne Zuwanderungshintergrund) versagt das Schulsystem in Deutschland (20% der 15-jährigen) total, ja wie auch in anderen Ländern.
            Noch deutlicher: es ist nicht der Migrationsstatus sondern die soziale Herkunft, die für den Bildungserfolg bzw. Mißerfolg entscheidend ist. Kein Problem der ethnischen Herkunft!!!

          • Herr Möller: Ich hatte Sie schon richtig verstanden: für Sie zählt hauptsächlich diese berüchtigte “Kopplung”. Die 524 Punkte der Nicht-Migranten (einschließlich Hauptschüler, Unterschichten usw.), die in keinem europäischen Land signifikant übertroffen werden, zählen für Sie nicht.

            Ich hatte aber was ganz anderes geschrieben, nämlich zur Rosinenpickerei von Parteien und Verbänden (von Ihnen auch?), die ihr Süppchen jeweils auf dem PISA-Feuer (und anderem aus der Bildungswissenschaft) kochen und ihre schon vorher beschlossenen Ziele anpreisen. Ein schönes Beispiel ist dieses hier:
            https://www.gew-hamburg.de/themen/schule/pisa-ergebnisse
            Da meint man unter der PISA-Überschrift allen Ernstes, Deutschland müsse ein inklusives Schulsystem einführen, denn “Länder wie Kanada, die ein Gesamtschulsystem haben, zeigten, …: Diesen Staaten gelinge es besser als Deutschland, Benachteiligungen abzubauen und junge Menschen mit Migrationshintergrund zu integrieren (sic!).”
            Erstens hat Kanada laut PISA 2018 auch 13,8 % Risikoschüler beim Lesen (warum eigentlich, wo man doch ein Gesamtschulsystem hat?), und dann lässt man ja nur Ausländer mit einer gewissen (Sprach-)Bildung ins Land (Asyl ausgenommen), die sich natürlich besser integrieren. DARAN liegt es, dass deren Kinder in der Schule besser sind. In D wäre das wohl auch so. Aber deutsche Politiker (welche waren das?) haben es vorgezogen, ohne Not 50 Jahre lang millionenfach bildungsferne Unterschichten ohne Deutschkenntnisse aus dem Ausland zu holen, sogar echte Analphabeten mit mittelalterlichen Vorstellungen zu diesem und jenem. Deren Kinder und Enkel haben nun Schulprobleme. Dass das an den Ethnien per se liegt, hat hier niemand behauptet. Es liegt einfach daran, dass so viele Leute in Unterschichten gleichzeitig einen Migrationshintergrund haben. Und Köller sagt, die haben auch noch mehr Kinder als die Einheimischen, also verschärfen sich in der Statistik die Probleme.
            Er sagte an anderer Stelle, dass PISA KEINEN Hinweis auf eine anstehende Änderung des SchulSYSTEMS gebe. Die GEW betet das aber weiter herunter, und zwar mit dem sehr fragwürdigen Kanada-Argument. Ich halte das für einen MISSBRAUCH von PISA. Wie schon gesgt: Die Bildungswissenschaft wird zur “Akzeptanzbeschaffung” politischer Ziele und Maßnahmen benutzt und ausgenutzt.

  2. Spätestens jetzt sollte man mal all die Bildungsreformen der letzten Jahre kritisch hinterfragen. Haben sie das gebracht, was beabsichtigt war?
    Pisa sagt nein.

    • @ GriasDi:
      Oder haben wir notwendige Reformen vielleicht nicht gemacht?
      Finde Ihre Frage berechtigt. Klärung kann nur eine vorurteilsfreie Analyse bringen.
      Hierbei darf aber nicht ausgespart werden, wie die Reformen mit den beabsichtigten Zielen, tatsächlich in der Realität stattgefunden haben (“Anspruch und Wirklichkeit”).
      Zahlreiche Rezeptionsstudien bezüglich der Schul- und Unterrichtsentwicklung hinterlassen da viele Fragezeichen.

      • Es kann sein, dass wir notwendige Reformen nicht gemacht haben. Allerdings wurde in den letzten 15 Jahren sehr viel reformiert. Scheinbar in die falsche Richtung.

      • Wenn sich die Schüler verschlechtert haben, muss es ja vorher besser gewesen sein. Also waren die bisherigen Reformen falsch.

      • Hilfreich bei der Analyse wäre wieder einmal eine Aufschlüsselung nach Bundesländern. Diese wird aber mittlerweile leider verweigert.

      • In dem Fall haben die Reformer ihre Hausaufgaben nicht gemacht, weil sie die potentielle Wirkung der Ansätze eher in blühenden Paradiesen als in der harten Realität einer Brennpunktschule getestet haben. Wahrscheinlich hätte das zu viel Arbeit gemacht oder die Forschungsgelder hätte es sonst nicht gegeben.

  3. PISA-Test 2018 – China liegt ganz weit vorn!
    Neben Estland (525 Durchschnittspunkte), Finnland (516 Punkt) liegt China mit 579 Punkte im Durchschnitt beim PISA-Vergleich 2018 der OECD von 600.000 Neuntklässler aus 79 Ländern weit vorn in der Lese- und Rechtschreibkompetenz, in Mathe und in den Naturwissenschaftlichen Fächern! China überholt die Welt nicht nur ökonomisch, sondern nunmehr auch in Bildungsfragen beeindruckend! Die deutschen 14- bis 15-jährigen Mädchen und Jungen liegen leicht über dem Durchschnitt in den drei Kategorien Lese-Rechtschreib-Kompetenz (498 Punkte- Mittelwert 487 für Deutschland, 500 Punkte OECD-Mittel), Mathe (500 Punkte – Mittelwert 489 Punkte) und Naturwissenschaften (503 Punkte- Mittelwert 489) – sie haben sich aber im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren von der kognitiven Leistungsfähigkeit her insgesamt vergleichsweise leicht verschlechtert (die Differenz beträgt immerhin 11 bzw. 14 Punkte). Bemerkenswert und gleichzeitig sehr traurig ist die Tatsache, dass ca. 20 Prozent der Neuntklässler nicht korrekt Lesen und das Gelesene nicht verstehen können (und wohl auch nicht richtig Schreiben können). Dies hat eindeutig etwas mit dem Deutschen Bildungssystem (in den Grundschulen) zu tun (methodisch-didaktische Defizite, Schreiben nach dem Gehör, synthetische Methode des Lesen-Lernens, Übungsdefizite,…) und kann nicht mit dem funktionellen Analphabetismus erklärt werden, wie die Bildungsministerin Karliczek am 03.12.2019 in den Nachrichten von welt.de sinngemäß erklärte, weil die Quote hier bei ungefähr 7,5 Prozent liegt (Rest 12,5 Prozent)! Das Bildungsniveau einzelner Schüler hängt eindeutig mit sozioökonomischen Faktoren zusammen – hier liegen die Differenzen bei bis zu 113 Punkten (fördernde sozioökonomische Bedingungen vs. beeinträchtigende sozioökonomische Verhältnisse). Und dies ist einfach erschreckend und hängt absolut nicht mit der Intelligenz der Jugendlichen zusammen, sondern mit den fördernden, positiven Angeboten und Anreizen im Elternhaus zusammen! (Angebote an Büchern, Lernmaterial, Computer, psychosozialen Bedingungen,…). Nach wie vor bildet das Fach Mathematik einen starken Problemschwerpunkt. Es ist absolut unverständlich, dass die Deutschen Politiker nichts aus empirischen Erfahrungen und aus der Vergangenheit lernten: Finnland liegt in Serie beim OCED-Pisa-Verbleich seit Jahren ganz weit vorne. Und Finnland hat sich das Bildungssystem der DDR zu Eigen gemacht. Übrigens: Ende der Siebziger/ Anfang der Achtziger Jahre wurde durch ein internationales Team von Psychologen Kinder und Jugendliche u.a. auch aus der Bundesrepublik und der DDR einer Untersuchung zur Intelligenzentwicklung unterzogen (Anwendung des Leistungsprüfsystem von Horn, Progressive Matrizen,) . Dabei zeigte sich, dass die Kinder und Jugendlichen der DDR 10-IQ- Punkte besser abschnitten. Dies hing natürlich nicht mit einer besseren Entwicklung der Intelligenz zusammen, sondern mit dem Polytechnischen Bildungssystem der DDR! (das übrigens ursprünglich aus der Schweiz bzw. aus Frankreich stammte).
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

  4. Carsten60 (6. Dezember 2019 At 17:46)
    Mir geht es in der Tat um die nicht akzeptable hohe Kopplung zwischen sozialer Herkunft und dem Bildungserfolg in Deutschland und dem hohen Anteil an „Risikoschülern“.

    In meinen letzten beiden Beiträgen ging es mir aber darum anhand von PISA 2018 Analysen aufzuzeigen, dass die schwachen Lernerfolge der Schüler mit Zuwanderungshintergrund fast vollständig auf deren soziale Herkunft zurückzuführen sind und nicht auf ihren Status „Migrationshintergrund”.

    Nun habe ich aus Ihrer letzten Reaktion aber verstanden, worum es Ihnen wohl vorrangig geht:
    Sie führen die deutschen PISA-Ergebnisse darauf zurück, dass unfähige „deutsche Politiker (welche waren das?) es vorgezogen haben, ohne Not (sic!) 50 Jahre lang millionenfach bildungsferne Unterschichten ohne Deutschkenntnisse aus dem Ausland zu holen, sogar echte Analphabeten mit mittelalterlichen Vorstellungen zu diesem und jenem. Deren Kinder und Enkel haben nun Schulprobleme.“

    Deutlicher kann man seine Geringschätzung gegenüber Zuwanderern (u.a. „angeworbene Gastarbeiter“), die auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wurden und zur Entwicklung unseres Wohlstands in Deutschland einen erheblichen Beitrag geleistet haben, ausdrücken.

    Und für Sie scheint es ein Naturgesetz zu sein, dass deren Kinder und Enkelkinder nicht bildungsfähig sind. Kein Wort von Ihnen dazu, dass unsere Gesellschaft und unser Schulsystem bezüglich Integration und Förderung hier versagt haben.

    Das nenne ich rassistische und fremdenfeindliche Denke.

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