Holter setzt wegen Corona das Sitzenbleiben bis einschließlich Klasse 8 aus

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ERFURT. Zum dritten Mal werden die Abschlussprüfungen im Zeichen der Corona-Pandemie stehen. An den Thüringer Schulen soll es für die Abschlusskandidaten wieder Erleichterungen geben – etwa längere Vorbereitungszeit und mehr Wahlfreiheiten bei Prüfungsaufgaben. Darüber hinaus wird bis einschließlich Klasse acht das Sitzenbleiben ausgesetzt. Das sorgt für Diskussionen.

Sitzenbleiben – sinnvolle pädagogische Maßnahme oder teurer Unfug? Foto: Shutterstock

Thüringens Schüler, die in diesem Jahr einen Abschluss machen wollen, können wegen der Corona-Pandemie auf Erleichterungen hoffen. Erste Pläne des Bildungsministeriums sehen je nach Schulart unter anderem eine Reduzierung von Prüfungen, mehr Auswahl bei den Aufgaben oder längere Vorbereitungszeiten vor, wie das Ministerium am Freitag mitteilte. Eine Abmilderungsverordnung, die es bereits in den zurückliegenden Corona-Jahren gab, soll voraussichtlich im März im Bildungsausschuss abschließend beraten werden, wie der Ausschussvorsitzende Torsten Wolf (Linke) am Freitag sagte.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) begründete die Pläne seines Ministeriums mit den Folgen der Corona-Pandemie auf den Schulbetrieb. Die Kultusministerinnen und Kultusminister von Bund und Ländern seien sich einig, dass die Schüler keine pandemiebedingten Nachteile haben sollten. «Abschlüsse und Abschlussprüfungen werden selbstverständlich als gleichwertig gegenseitig unter den Ländern anerkannt, ohne das Anspruchsniveau abzusenken», sagte Holter.

Die Pläne sehen vor, dass für qualifizierenden Hauptschulabschluss, Realschulabschluss und Besondere Leistungsfeststellung am Gymnasium nur drei statt vier Prüfungen von den Schülern verlangt werden. Außerdem soll es beim Abitur eine längere Vorbereitungszeit geben, indem die Prüfungstermine nach hinten verschoben werden. Diese geänderten Termine stehen demnach bereits seit Beginn des Schuljahres fest. Auch sollen in vielen Prüfungsfächern wieder mehr Auswahlmöglichkeiten bei den Aufgaben möglich sein.

«Im Zweifel ist es besser, eine Klasse zu wiederholen, als am Ende ganz ohne Abschluss dazustehen»

Geplant ist zudem, dass bis einschließlich nach der achten Klasse keinerlei Versetzungsentscheidung – also ob ein Schüler die Klassenstufen wiederholen muss – getroffen wird. Zugleich können aber bis zum 15. Juni Anträge gestellt werden, eine Klasse freiwillig zu wiederholen.

Die Thüringer CDU-Fraktion nannte die automatische Versetzung in die nächste Klassenstufe «fatal». «Den Schulen wird schon wieder die Möglichkeit genommen, Konsequenzen daraus zu ziehen, wenn der Lernerfolg eines Schülers nicht ausreicht, um in der nächsthöheren Klassenstufe zu bestehen», erklärte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner. Keinem sei geholfen, wenn Lernrückstände von Jahr zu Jahr weitergeschleppt würden. «Im Zweifel ist es besser, eine Klasse zu wiederholen, als am Ende ganz ohne Abschluss dazustehen.»

Wolf sagte, der Bildungsausschuss müsse klären, ob die angepeilten Maßnahmen im inzwischen dritten Jahr der Pandemie ausreichen. «Das werden wir als Parlamentarier mit dem Bildungsministerium auszudiskutieren haben», sagte Wolf. So stelle sich die Frage, ob zum Beispiel bei den Prüfungen für den Realschulabschluss und dem qualifizierten Hauptschulabschluss «zentrale Vorgaben die beste Lösung sind oder schulinterne Regelungen sinnvoller sind – in Abstimmung mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien», wie Wolf sagte. News4teachers / mit Material der dpa

Nur noch gute Noten und kein Sitzenbleiben in diesem Schuljahr? Philologen wollen das Leistungsdenken nicht aufgeben

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Georg
3 Monate zuvor

Damit verschieben sie die Probleme nur noch weiter nach hinten…

Rüdiger Vehrenkamp
3 Monate zuvor

Das ist reine Symbolpolitik, um aufgebrachte Eltern zu besänftigen. Wesentlich sinnvoller wäre eine Entschlackung der Lehrpläne. Offensichtlich will man aber keine Themen herauskürzen, stattdessen gelobt man jeden Dauerschwänzer und Langschläfer in die nächste Klassenstufe, während sich alle anderen Schüler zurecht fragen, weshalb sie sich überhaupt angestrengt haben. Der Fleißige ist mal wieder der Dumme. Absolute Fehlentscheidung.

mittelthüringen
3 Monate zuvor

Für was, bitte, brauchen wir noch Noten machen, wenn sowieso jeder weiterkommt! Das dritte Jahr ohne nennenswerte Lerneinschränkungen mit voller Bude – außer dem allgegenwärtigen Personalmangel – und wieder: Ob die SuS was machen oder nicht, fortlauftend fehlen oder nicht, egal. Kommt eh jeder weiter!

Wir machen uns doch als Lehrer unglaubwürdig und immer mehr lächerlich!

Na prima, sind wir wieder die Doofen!!!

Lehrer mit Seele
3 Monate zuvor

Also ich finde das eine hübsche Regelung. Während bisher Tausende von unbequemen Schülern und / oder Eltern „aus pädagogischen Gründen“ immer weiter versetzt werden, bis man sie nach Klasse 9 ohne.Abschluss abstoßen kann, ist einmal offiziell und für Laien nachvollziehbar das KM Schuld.

Wahrheit in der Schulpolitik.. Neu aber dafür bin ich offen

I aus N in T
3 Monate zuvor

Reine Sparmaßnahme. Jedes Kind, das wiederholt, kostet zusätzlich Geld. Es geht also nicht um das Wohl der Kinder, sonder um das der Thüringer Staatskasse. Ziemlich durchsichtiges Manöver. Zumal der Herr Minister neulich erst von Aufbewahrung und Betreuung sprach. Eindeutig geht es nicht um Bildung, der Wanst soll gefälligst von der Straße und die Eltern schleunigst auf Arbeit, aber Dalli!