„Infektionsbürokratie“ in Kitas? Träger: Wir sollen die Arbeit der Gesundheitsämter übernehmen

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Bürokratie statt Zeit für die Kinder? Die Diakonie in München und Oberbayern hat die neuen Test-Regeln in den bayerischen Kitas kritisiert. «Unser Auftrag ist, uns um die Kinder zu kümmern und den Eltern Partner in der Erziehung zu sein. Pädagogik braucht Zeit», sagte Andrea Betz, sozialpolitische Vorständin des Verbandes in einer Mitteilung vom Mittwoch. Doch nun müssten die Einrichtungen noch mehr Bürokratie bewältigen. Dabei hätten Kitas und Familien schon zwei Jahre voller Corona-Stress hinter sich.

Kita-Träger wehren sich gegen zu viel Bürokratie. Foto: Shutterstock

Am Vortag hatte das Kabinett die Test-Regeln an den Kitas verschärft: Bei einer Corona-Infektion in einer Gruppe müssen die anderen Kinder an den fünf folgenden Tagen täglich einen Testnachweis mitbringen. Dafür bekommen die Eltern zusätzliche Berechtigungsscheine für Selbsttests aus der Apotheke. Die Diakonie sprach von einer «Infektionsbürokratie». Im Kita-Betrieb ohne aktuelle Infektion müssen Eltern dreimal die Woche glaubhaft versichern, die Kinder negativ getestet zu haben – entweder per Unterschrift oder durch das Mitbringen der Test-Kassette.

Familienministerin Carolina Trautner äußerte Verständnis für das Kita-Personal. «Mir ist bewusst, dass von dem pädagogischen Personal, das Herausragendes leistet, während der Pandemie viel abverlangt wurde und wird», sagte sie am Mittwoch, verteidigte aber die neue Maßnahme: Die täglichen Tests im Falle eines Infektionsfalls erhöhten die Sicherheit in den Kitas.

Bereits vor dem neuesten Kabinettsbeschluss hatte der Caritas-Verband für das Erzbistum München-Freising heftige Kritik am Corona-Management der Staatsregierung für die Kitas geübt. «Es kann ja wohl nicht wahr sein, dass der Staat wegen seiner Personalprobleme in den Gesundheitsämtern seine Aufgaben auf die Träger und Einrichtungsleitungen der Kitas abwälzt», sagte Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier.

Nahezu die gesamte Verantwortung für den Gesundheitsschutz im Hinblick auf Corona werde auf die Träger der Kindertageseinrichtungen umgelegt. «Damit werden insbesondere die Einrichtungsleitungen mit immer mehr Zuständigkeiten im Corona-Management überhäuft und überlastet.» Kitas würden in den Kollaps getrieben. Die tägliche Bildungs- und Betreuungsarbeit gerate in den Hintergrund. dpa

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Rosa
3 Monate zuvor

Erzieher/in sind am Limit! akuter Pesonalmangel ist in den Einrichtungen und verkürzte Betreuungszeiten an der Tagesordnung.https://www.mannheimer-morgen.de/videos_video,-kita-schliessungen-dekan-ralph-hartmann-ueber-fachkraeftemangel-und-die-kriterien-der-platzvergabe-_videoid,9774.html In manchen Einrichtungen können die Kinder nur tageweise die Betreuungseinrichtung besuchen. In Manchen Einrichtungen wird nur Aufbewahrung angeboten und von liebevoller Betrueung ist man weit entfernt. Auch viele Quereinsteiger werden mit einbezogen und die keine fachliche Asubildung mit bringen. Qualität ist nicht im Angebot. Kleine Einrichtungen werden geschlossen, neue Einrichtungen können nicht eröfnnen weil Personal fehlt. Burnout ist die Folge der Überlastung die durch die Pandemie noch verstärkt wurde. Man schließt keine Einrichtungen und legt Sie mit großen Einrichtungen zusammen. Familien haben einen größeren Anfahrtsweg und können in ihrem Stadteil demnächst ihren Kindergarten nicht mehr besuchen.

Dagmar
3 Monate zuvor

Auch wir haben Formulare über Formulare, ständig geänderte Hygienekonzepte, Testungen im Team, Tests der Kinder dokumentieren, sind beschäftigt damit Berechtigungsscheine auszudrucken und zu verwalten, damit die Eltern ihre Tests in der Apotheke bekommen und sollen jetzt auch noch die Nachverfolgung und Dokumentation im Falle einer Infektion übernehmen. Ein dicker Corona Ordner ist schon prall gefüllt und das alles neben der eh schon riesigen Dokumentationspflicht im Alltag. Irgendwann ist es auch der geduldigsten Leitung zu viel!

zimme4
3 Monate zuvor

Wenn ich mal viel Zeit habe, werde ich die armen Erzieher bemitleiden, aber auch für die hat eine Stunde 60 Minuten und nicht nur 55 Minuten oder weniger. Also hört doch endlich mal auf mit dem gejammere

Darfdaswahrsein
3 Monate zuvor
Antwortet  zimme4

@zimme4
Wenn ich mal viel Zeit habe… nein, Sie sind es nicht wert, weder meine Gedanken, noch meine Empörung.
Zu jemandem der so einen Kommentar abgibt, fällt mir nichts mehr ein.
Ich sag nur : Karma

Klugscheisser
3 Monate zuvor
Antwortet  zimme4

Nö, warum sollten sie? Wer Grund hat Zustände zu kritisieren, soll das auch machen. Nennt sich Meinungsfreiheit.
Schönen Tach noch.

Tigrib
3 Monate zuvor
Antwortet  zimme4

Lass dich gerne zur Erzieherin umschulen, wenn der Job dir so easy erscheint. Hab gehört, fie duchen Personal. Warum nur…

Milli
3 Monate zuvor
Antwortet  zimme4

Herzliche Einladung nach neuer Bekanntgabe von Verordnungen mal einen Tag an meiner Seite zu sein- wenn esauchdarum geht den Frust der Eltern abzufedern

Yvonne
3 Monate zuvor

In den Kitas jammert Niemand!!!
Wir weißen allenfalls auf Missstände hin. Wie immer geht der enorme Bürokratieaufwand, der auch ohne Pandemie eh schon hoch genug ist, von der Zeit am Kind ab.
Bevor man planlos rumwettert sollte man sich erstmal mit dem Thema und den Fakten beschäftigen.

Katjuscha
3 Monate zuvor

Zu zimme4 kann ich nur sagen, Du bist herzlich eingeladen einen Tag mit uns im Kindergarten unter den jetzigen Bedingungen zu arbeiten und dann reden wir nochmal!