Kultusministerium zu langsam! Philologen suchen jetzt in Eigenregie nach ukrainischen Lehrkräften

6

MÜNCHEN. Der Bayerische Philologenverband (bpv) sucht über seine Verbandshomepage geflüchtete ukrainische Lehrkräfte, die bayerische Schulen bei der Umsetzung der vom Kultusministerium geplanten pädagogischen Willkommensgruppen unterstützen können. Über ein Online-Kontaktformular können sich interessierte Lehrkräfte eintra­gen. Die Daten werden dann an die staatlichen Koordinationsstellen weitergeleitet, die die Lehrkräfte an Schulen in der entsprechenden Region einsetzen. 

Der Krieg in der Ukraine wird absehbar Millionen von Menschen in die Flucht gen Westen treiben – darunter viele Kinder und wohl auch etliche Lehrkräfte. Foto: Shutterstock

bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl verspricht sich von ukrainischen Lehrkräften eine große Unterstützung der Kollegien und eine wichtige Stütze für die zahlreichen geflüch­teten Kinder und Jugendlichen. Die Suche geht seiner Meinung nach zu langsam voran.

„Noch gibt es von offizieller Seite kein vergleichbares Portal. Deshalb wollen wir unser Netzwerk nutzen und hoffen, dass wir dadurch in dieser schwierigen Situation einen Beitrag leisten können. Denn eines steht fest: Je mehr ukrainische Lehrkräfte sich melden, desto besser können die Willkommensgruppen und damit das Ankommen an bayerischen Schulen gelingen“, erklärt Schwägerl.

Hier können sich interessierte Lehrkräfte melden.

Schulen fordern unbürokratische Einbindung von Lehrern aus der Ukraine

Anzeige


Abonnieren
Benachrichtige mich bei
6 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Pälzer
2 Monate zuvor

Wenn alle aus der Ukraine Einreisenden zuverlässig erfasst würden, so wie es den Zeitungsberichten nach in Polen geschieht (übrigens mit dem Vorwurf verbunden, man müsse lange warten), dann wäre es leicht, auch die Anzahl der arbeitswilligen Lehrer festzustellen.

Gabriele
2 Monate zuvor

Lieber Pälzer,

aus der Ukraine „Einreisende“, ha,ha,ha, Euphemismus! Diesen Terminus hier, in diesem Kontext, zu verwenden, empfinde ich fast schon als blanken Zynismus.

1) Es sind doch „Geflüchtete“!!!
Aus einem Krieg in Europa, aus einem Land, das vom Nachbarn brutal überfallen wurde.

Mütter mit (oft zahlreichen) Kindern, Omas, Opas etc. aus einem Land, in dem an manchen Orten nur noch barbarisches Kriegsgeschehen, reines Abschlachten, Gemetzel, Massaker (u.a. nun auch mit Phosphorbomben, die man mit Wasser nicht löschen kann – vgl. Napalmbomben im Vietnamkrieg)!
Also aus ihrem Heimatland, wo purer Überlebenskampf (ohne Dach überm Kopf, ohne Heizung, ohne Strom, ohne Wasser, geschweige denn ausreichend Nahrungsmittel oder gar Medikamente) herrscht.

2) Zu Ihrer Aussage „… , wäre es leicht, auch die Anzahl der arbeitswilligen Lehrer festzustellen“:

Es sind doch fast nur Frauen geflüchtet – also Lehrerinnen, wenn, denn, ggf. .

Bei Registrierung von „Geflüchteten aus unmittelbarem Kriegsgeschehen, nach tagelangem Ausharren in der Warteschlange an der Grenze in der Kälte, auch Schneefall, mit oft kleinen Kindern, Babys empfände ich bei einer Registrierung – welche ich im Übrigen (aus mehreren Gründen) auch für sehr wichtig halte! – eine Erfragung von „Arbeitswilligkeit“ nicht nur als absolut, völlig daneben, sondern sogar zynisch!

Die Frauen und Kinder sind in allererster Linie in massiver, tiefer Sorge um ihre Lieben daheim, die Zurückgebliebenen und ihre kämpfenden Männer, FreundInnen, Brüder und Väter. Auch kämpfenden Großväter im Verteidigungskampf.
In Sorge um ihre Kinder, die z.T. wohl auch schwer traumatisiert. Sie sind in großer Angst um ihre Familie und haben entsetzliche Angst vor der Zukunft.

Ob eine Frau mit kleinen Kindern – in dieser Ausnahmesituation!- dann auch noch, überhaupt fähig wäre, in der Lage wäre, zu arbeiten, steht auf einem anderen Blatt.

Im Übrigen:
Wie geht Kinderbetreuung von traumatisierten Kindern, nach Flucht, ohne Vater, ohne ihr gewohntes Zuhause, in fremden Land mit fremder Sprache, unbekannten Menschen – falls Mama dann auch noch weg – „zum Arbeiten“ -?

In welcher Welt leben Sie denn?
Realitätsfremder Bürokratismus!
Bürokratie kann überaus hilfreich sein, doch auch kalt und menschenverachtend.

Außerdem, viele UkrainerInnen, auch ältere, sind digitaler unterwegs als manche(r) Deutsche(r), viele sind sehr Handy-affin.
Ist nun einzige Kontaktmöglichkeit mit ihren Lieben daheim. Auch Beschulung per Handy z.T..

Es wird also unschwer möglich sein, über digitale Plattformen, APPs, von Deutschen eingerichteten Infobörsen, über die schon bestehende Vernetzung der ukrainischen Community hier „in der Diaspora“, die fehlenden Daten, den gewünschten Überblick zu gewinnen.

Die UkrainerInnen in Deutschland kümmern sich schon auch hier um ihre gestrandeten Landsleute, helfen mit Rat und Tat ggf. bei Vermittlung, Beschaffung von Jobs, Beschulung der geflüchteten Kinder.

Außerdem: nur wer registriert, bekommt Transferleistungen vom Staat, somit Geld.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Gabriele

Bei der Registrierung könnte man in der Tat feststellen, wer von den Einreisewilligen aus welchen Gründen unbedingt das unmittelbare Nachbarland verlassen möchte. Bei den Männern im wehrpflichtigen Alter und wehrfähigen Gesundheitszustand müsste man auch fragen, wie sie überhaupt ausreisen konnten. Die Innenministerin hat aber kein Interesse daran.

Stefan
2 Monate zuvor

Hallo,
ich bin wirklich fassungslos und mittlerweile etwas verärgert, wenn ich sowas lese.
Ich habe eine ukrainische Mutter und ihre 12 -jährige Tochter bei mir aufgenommen. Die Mutter ist seit 25 Jahren Erzieherin. Sie hat (Gott sei Dank) alle Dokumente dabei.
Ich habe sie an vielen Stellen beworben.
Immer mit der Antwort:
Wir brauchen eine deutsche Kopie der Zeugnisse, amtlich beglaubigte.
Von wegen ihrem letzten Arbeitgeber ein beglaubigten Arbeitszeugnis.
Und zuletzt: Ein ukrainisches polizeiliches Führungszeugnis.
Woher glauben diese Menschen denn, dass man ein polizeiliches Führungszeugnis aus einem Land bekommt, dass gerade im Kriegszustand ist.
Es kommen täglich tausende Kinder und Jugendliche in deutschen Kommunen und Städten an. Wie gut wäre da dich eine ukrainische Erzieherin? Ich laufe von Tag 1 täglich gegen Wände! Dabei mache ich als Privatperson doch eigendlich das, was eigentlich die Aufgabe unseres Staates wäre.
Es wird wieder so sein wie 2015: Wow, da sind Kinder! Damit haben wir nicht gerechnet.

Ich bin frustriert!

Walter
2 Monate zuvor
Antwortet  Stefan

Es ist schön und anzuerkennen, dass Sie die Möglichkeit haben die beiden bei sich aufzunehmen und dies auch umgesetzt haben.
Alles andere erinnert mich an die Aufgabe, den „Passierschein A 38“ im „Haus, das Verrückte macht“ zu besorgen (Asterix erobert Rom).

Gabriele
2 Monate zuvor

Lieber Hallo:

das ist einfach unsäglich, schändlich in diesem Kontext, deutscher Bürokratismus in Reinform – wieder einmal! Aber bitte nicht entmutigen lassen!

Weitermachen, weiterkämpfen – steter Tropfen höhlt (oft) den Stein, angesichts der noch sehr viel höheren Zahl an Geflüchteten, die sich kriegsbedingt wahrscheinlich zu uns flüchten werden müssen, werden auch bürokratische Hemmnisse, viele Hürden in Deutschland sicher fallen müssen!

Bin selbst ehrenamtlich seit Jahren für Geflüchtete in einem Helferkreis tätig, zur Zeit in erster Linie für die Geflüchteten aus der Ukraine.
Als Multiplikatorin von Infos durch Verteiler, durch bürokratische Hilfeleistungen bei der Organisation von Behördengängen usw.

Eine Familie in unmittelbarer Nachbarschaft hat Mutter mit vier jüngeren Kindern (+ Vater, der wohl wegen der hohen (Klein)kinderzahl – und gleich zu Anfang der Fluchtbewegung – gerade auch noch ausreisen durfte) bei sich aufgenommen.
Ich unterstütze nur ein bisschen, mit Infos, u.a. mit Organisation von Kontakt zu vhs wegen Deutschkursen oder vhs- Infoabend (evtl. auch online über Zoom als Hybridveranstaltung) zum Thema Umgang „Umgang mit Traumatisierten – und Selbstfürsorge für HelferInnen“ mit einer Expertin, Fachärztin für Psychosomatik und Traumabehandlung, … .

Habe Kleinigkeiten gekauft und an die Kinder verschenkt:
dickere Papp-Bilderbücher (Wimmelbilderbücher von Ali Mitgutsch mit Vielem zum Anschauen, oft typischen, auch lustigen, Alltagsszenen, ganz ohne Text!), Wachsmalkreiden, (Aus)malblöcke für die Kleinen, dickere Buntstifte und dicken Blei, Radierer, Spitzerdose für normale und dicke Stifte.

Jeder kann mithelfen. Vernetzung ist angesagt:

es gibt neue App: „Integreat“.
Ein Infoportal „Germany4Ukraine.de“.
Die UkrainerInnen sind sehr Smartphone-affin, auch digitale Beschulung funktioniert in der Ukraine schon länger, anscheinend problemloser als in Deutschland.

Und es gibt inzwischen auch ein Jobportal, speziell für ukrainische Bedürfnisse, wo man keinerlei (!!!) Zeugnisse, Referenzen, Papiere wie Lebenslauf, Qualifikationsnachweise etc. vorlegen muss, wenn sich bewirbt.