Der Generation Z ist die „Work-Life-Balance“ wichtig (doch die Bedeutung differenziert)

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ROSTOCK. Ob Schlagworte wie Generation X, Y, Z oder jetzt alpha, sinnvoll sind oder nicht, ist nach wie vor umstritten. Dennoch haben wohl die meisten Menschen zu jeder dieser Generationen ein Label zur Hand, nicht zuletzt im Hinblick auf die Arbeitswelten der Zukunft. Studierende haben nun die Einstellungen junger Menschen – der sogenannten Generation Z – in Mecklenburg-Vorpommern untersucht.

Blick auf zwei Füße in Socken um eine grüne Tasse
Life-Work-Balance heißt für viele: Nur nicht zu viel arbeiten. Foto: Congerdesign / Pixabay (P.L.)

Berühmt berüchtigt scheint die Generation Z, wenn man Arbeitgeber fragt. Faul, verwöhnt, viel zu anspruchsvoll und immer auf dem Sprung zum nächsten Job. Aber stimmt das? Worauf müssen sich die Arbeitgeber einstellen bei der Generation Z? Und was wollen junge Menschen in eigentlich in ihrem späteren oder aktuellen Arbeitsleben erreichen? Für Mecklenburg-Vorpommern gibt es zu diesen Fragen nun neue Antworten.

Im Auftrag einer Werbeagentur und des mecklenburg-vorpommerischen Finanzministeriums haben Marketing-Management-Studierende der Rostocker Fachhochschule des Mittelstands (FHM) die Einstellung der zwischen 1997 bis 2012 geborenen erforscht. Ein Trimester lang befragten sieben Studentinnen und Studenten unter der Leitung von Professor Dr. Vera Seidemann Schülerinnen und Schüler, Expertinnen und Experten, Lehrerinnen und Lehrer sowie Berufsberaterinnen und Berufsberater in Einzelinterviews, Schulklassen in Gruppendiskussionen und weit mehr als 250 junge Menschen aus der Generation Z aus ganz Mecklenburg-Vorpommern mit einem Online-Fragebogen.

„Wenn es darum ging, dieses Schlagwort näher zu spezifizieren, gehen die Meinungen auseinander“

Ergebnisse: Das Wichtigste ist und bleibt laut der Erhebung der jungen Generation die Work-Life-Balance. Ein Begriff, der auch gerne als „Life-Work-Balance“ bezeichnet wird. Allerdings: „Wenn es darum ging, dieses Schlagwort näher zu spezifizieren, gehen die Meinungen auseinander“, so Vera Seidemann. „Einige sehen die Balance darin, dass Arbeitszeiten wie im Vertrag vereinbart auch streng eingehalten werden sollen. Andere sehen es eher so, dass sie ihre persönliche Erfüllung auch im Job finden möchten. Sie wollen den Sinn ihrer Tätigkeit erkennen und ihn gleichermaßen auch stiften, so dass es eben kein „nine to five“-Job ist, sondern die Balance eher darin liegt, dass sie die Arbeit selbst als lebenswert empfinden.“

Bei anderen Themen sind sich viele der Befragten einig. Denn mindestens genauso wichtig wie die Work-Life-Balance sind laut der Studie die Bezahlung und auch das Einstiegsgehalt. „Das ist nicht weiter verwunderlich, denn diese Generation hat die Sorgen und Ängste der Eltern während der Pandemie miterlebt, lebt in einer Zeit, in der ein Krieg in Europa tobt und die Preise rasant ansteigen“, sagt die Professorin.

Einig sei sich die Generation Z auch darin, was sie nicht möchte. Die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, scheint demnach kein Benefit zu sein, mit dem Arbeitgeber bei der neuen Generation punkten können. Seidemann: „Allzu verständlich, denn zu Hause war diese junge Generation wirklich nun lange genug.“ (PM)

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23 Kommentare
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Georg
6 Monate zuvor

So wie ich meine Schüler erlebe, halte ich „Work-Life-Balance“ im Sinne von wenig Arbeit, viel Freizeit und hohes Einkommen für wahrscheinlicher als das, was die Studie so interpretiert …

Trollbuster
6 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Wer so eine hohe Meinung von seinen Schülern hat, kann einem wirklich nur leid tun.

Riesenzwerg
6 Monate zuvor
Antwortet  Trollbuster

Das – lieber Trollbuster – nennt man und fra im Lehrkraftdasein „Realität“!

Fakten sind Hate
6 Monate zuvor
Antwortet  Trollbuster

Welche Meinung ist Ihres Erachtens nach richtig und wichtig?
Schüler, die gerne wenig Einkommen bei geringem Einkommen und wenig Freizeit haben?

Noch 5 Jahre
6 Monate zuvor
Antwortet  Trollbuster

Wieso denn das? Keine Verkäufer muss seine Kunden nett finden, kein Handwerker die seinigen. Keine Ärztin muss eine hohe Meinung von Patienten haben und eine Lehrkraft muss ihre Schüler nicht unrealistisch sehen. Dennoch können alle ihre Jobs gut machen.

Friedrich der Kleine
6 Monate zuvor
Antwortet  Noch 5 Jahre

Doch, von uns wird stets erwartet, dass wir alle SuS gleich „lieb haben“.

Georg
5 Monate zuvor

Ich habe sie gleich lieb. Nicht gleich lieb habe ich aber deren Arbeitseinstellung. Insbesondere, wenn sie schlecht ist.

Noch 5 Jahre
5 Monate zuvor

Und Sie müssen jeder Erwartung an Sie entsprechen?!

Georg
5 Monate zuvor
Antwortet  Noch 5 Jahre

Meine Erwartung ist, dass sie das bestmögliche geben, was sie können und nicht nur das zeigen, wozu sie willens sind.

Georg
6 Monate zuvor
Antwortet  Trollbuster

Wie kommen Sie zu der Einschätzung? Nennen Sie zum Anfang Ihr bestes Argument.

undheitergehtsweiter
6 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Eine Studie von vielen, die u.a. Arbeitgebern Hilfen anbieten, wie sie mit Vertretern der jeweiligen Generation kommunizieren und was sie ihnen anbieten sollten, wenn sie diese als Arbeitnehmer für sich gewinnen wollen.
Auch eine strikte Trennung von Work und Life wird der Generation Z nachgesagt.
LuL ist da wohl kein optimaler Job, es sei denn die Landesregierungen machen mit dem Arbeitsplatz in der Schule endlich Mal ernst, aber das würde weitere Kosten nach sich ziehen. Auf Smartphones, Tablets und Ipads lassen sich Zeugnisse kaum schreiben, das wird selbst von jüngeren KuK abgelehnt. „Ego-Taktiker“ findet man übrigens nicht nur bei der jungen Generation Z.

Semmi
6 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Vielleicht ist die Sorgen um den Lehrkräftenachwuchs ja gar nicht berechtigt?

Realist
6 Monate zuvor
Antwortet  Semmi

Klar. Die heutige Schülergeneration weiß die Vorteile beim Lehramt zu schätzen:

  • Präsenzpflicht in der Schule höchstens zwei Tage die Woche, die restlichen Tage können auch bei einer Vollzeitstelle vollständig im Home-Office verbracht werden
  • Vorbildlicher Arbeitsschutz in den Schulen: Luftfiltergeräte und Klimaanlagen in jedem Klassenraum
  • Arbeitsplätze in der Schule, nach denen sich andere Akademiker die Finger lecken: PCs und Büros für alle Lehrkräfte
  • Vollständig digitalisierte Arbeitsumgebung mit eigener IT-Fachabteilung, die innerhalb von Minuten Probleme löst. Glasfaseranschluss und flächendeckendes WLAN sind selbstverständlich. Ebenso das Dienstnotebook und das Diensthandy für alle Beschäftigten.
  • Vorgesetzte Behörden, die im Dialog Probleme lösen. Nicht so wie in der freien Wirtschaft, wo der Chef einfach anordnet und die Mitarbeiter haben zu springen
  • Großzügige Incentives: Das fängt beim Dienstwagen an und hört beim Wellnessbereich sowie jeden Tag frisches Obst und Kaffee auf Arbeitgeberkosten noch lange nicht auf. Vom Arbeitgeber subventionierte Kantine ist selbstverständlich
  • Ausgezeichnete Karriereperspektive, wo es nur auf die eigene Leistung ankommt und nicht darauf, dass man die gerade von den Vorgesetzen propagierten Initiativen unkritisch bejubelt
  • Eine „Kundschaft“, die sich jeden Tag darauf freut, mit einem zusammenarbeiten zu dürfen.
  • Hohes Ansehen in Gesellschaft, Politik und Medien.
  • Dazu eine faire Entlohung, die auch in Zeiten der Hochinflation für Reallohnzuwächse sorgt und die Leistung der Beschäftigten würdigt, statt sie als „Sparschwein“ zu missbrauchen

All das weiß die heutige Schülergeneration und sagt sich deshalb, wenn es um die Berufsentscheidung geht:

„Lehramt? Ich bin doch nicht blöd!“

Clipperstorch
5 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Sehr schön zusammengefasst!

Andre Hog
6 Monate zuvor

Im Bezug auf den Lehramtsnachwuchs:

Arbeitszufriedenheit hat v.a. auch mit einem deutlichen Gefühl von Selbstwirksamkeit zu tun…eigenes Tun als sinnvoll erleben, in guten Teilen selbstbestimmt und eigenverantwortlich organisiert und durchgeführt und einer realen Chance auf Erfolg(serleben) … so hat meine berufliche Karriere an der Schule begonnen … und das wurde bewusst von meinem damaligen Schulleiter unterstützt. Man hat uns was zugetraut und uns auch mal machen lassen.

Das erlebe ich heute – nach mittlerweile 28 Dienstjahren nicht mehr. Die Gängelung durch die Schulpolitik, die Missachtung von Lebensarbeitsleistung aber v.a. auch der aktuell täglich geleisteten Arbeit ist deutlich und in nahezu beleidigenden Ausmaß zu spüren.

Damals habe ich viel Energie und Elan in die Gestaltung meiner Arbeit gesteckt und wurde dafür mit ehrlicher Anerkennung und einem großzügigen Maß an Handlungsfreiheit belohnt – was dazu führte, dass ich gerne und engagiert weiter geschafft habe….heute kann man sich quasi den Arsch aufreißen und man bekommt eher Ignoranz, Reglementation, Misstrauen und weitere Kontrollvarianten zu spüren.

Das hat zu einer massiv um sich greifenden inneren Rückzugshaltung nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen KuK geführt…mit dem Ergebnis, dass sehr viele nach Unterrichtsende so schnell wie möglich die Lehranstalt verlassen, keine Lust mehr haben, sich zusätzliche Aufgaben oder Belastungen umhängen zu lassen oder diese sogar freiwillig einzugehen.

Auch an anderen Schulen scheint sich ein solcher Geist zu verbreiten – so berichten mir viele Kontakte zu anderen KuK an anderen Schulen kreuz und quer durchs Land.

Dass die jungen KuK hier bei dieser -auch für sie wahrnehmbaren – „Unart“ von hierarchisch höher stehenden Stellen – bei der eigenen SL beginnend bis zu den KuMis hinauf – von vorne herein auf ihre eigene Arbeitsgesundheit und daran gekoppelt Arbeitszufriedenheit achten und dieses auch unverblümt formulieren, wundert mich gar nicht.

„DER FISCH STUNKT VOM KOPF“ …und solange sich diesbezüglich nicht grundlegend was ändert, wird das Maß der „Selbstausbeutungsbereitschaft“, wie wir es zu Beginn unserer eigenen Laufbahnen noch im positiven Sinn hatten, nicht mehr zu haben sein.

Last edited 6 Monate zuvor by Andre Hog
Walter Hasenbrot
6 Monate zuvor
Antwortet  Andre Hog

Es klingt so, als wären wir an derselben Schule tätig.

Pit2020
6 Monate zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

@Walter Hasenbrot

DAS dachte ich auch schon während des Lesens … 🙁

Pit2020
6 Monate zuvor
Antwortet  Andre Hog

@Andre Hog

Leider sind deine Schilderungen treffend.
Und auch ich kenne das, dass das an vielen Schulen so ist – zumindest wird so etwas seit geraumer Zeit auch immer öfter kommuniziert und ist IMMER ein Thema auch bei Pausengesprächen von Fortbildungen o.Ä., wenn KuK verschiedener Schulen und auch aus verschiedenen Regierungsbezirken oder gar (Bundes-)länderübergreifend zusammenkommen und sich ehrlich (!) äußern. Im übrigen wird dann auch eingeräumt, dass das schon seit vielen Jahren so läuft und nur noch eine Richtung kennt: Es wird immer übler.
Es passiert vielleicht nicht allen in gleichem Ausmaß (Schmerzgrenzen sind unterschiedlich, und es braucht ja auch seine Zeit, um gewisse Muster erkennen zu können – so ist es eben wirklich fundierte Beobachtung und folgerichtige Kritik).
Dass es von so vielen KuK so wahrgenommen wird, ist kein Trost – das ist bestürzend!

undheitergehtsweiter
6 Monate zuvor
Antwortet  Andre Hog

„Selbstausbeutungsbereitschaft, wie wir es zu Beginn unserer eigenen Laufbahnen noch im positiven Sinn hatten, wird nicht mehr zu haben sein.“
Richtig und auch die „Boomer“ lernen mehr und mehr von jüngeren KuK und achten verstärkt auf ihre Arbeits-/Gesundheit, denn sie dürfen schließlich auch noch einige Jahre länger im Schulbetrieb arbeiten als die Vorgänger*innen.

Pit2020
6 Monate zuvor

@undheitergehtsweiter

„Boomer“ und „lifelong learning“ gehen eben doch zusammen!
Wer hätte das gedacht?! 🙂

Carsten60
6 Monate zuvor

Wenn erstmal das bedingungslose Grundeinkommen i. H. von ca. 1200 € pro Monat kommt, wird das alles neu kalkuliert. Zwei junge Paare hätten dann zusammen 4800 € und könnten in einer gemeinsamen Wohnung mit dem Geld schon einigermaßen zurechtkommen. Falls Kinder auftauchen, bekommen die ja auch etwas. Ein bisschen Schwarzarbeit könnte die Kasse aufbessern. Die Altersversorgung ist ja erstmal weit weg.
Könnte das vielleicht für arme Leute in Brennpunktvierteln oder in — sagen wir — dem baldigen EU-Mitglied Albanien eine gangbare Perspektive sein?

Georg
6 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Geld kommt ja auf das Konto und Strom aus der Steckdose. Die Mülleimer leeren sich automatisch und die Supermarktregale füllen sich automatisch.

Was passiert eigentlich, wenn Deutschland nicht mehr Zahlmeister der EU ist, weil es sich selbst nicht mehr finanzieren kann?

Last edited 6 Monate zuvor by Georg
Riesenzwerg
16 Tage zuvor

„Experten und Expertinnen“ für WAS wurden befragt? Für Einhornko..e?

Das ist doch keine Berufsbezeichnung!