Ohne Noten kein „bulimisches Lernen“ mehr? Streit um Modellprojekt kocht hoch

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STUTTGART. Schule ohne Noten? Geht das? Das geht, sagt die GEW und unterstützt die Wiederauflage eines Modellprojekts. Weniger überzeugt äußern sich andere.

Sind Schulnoten objektiv? Foto: Shutterstock

Vier Jahre Grundschule ohne Noten, das ist in Baden-Württemberg zwar nichts Neues. Als neues Reformprojekt wird das wieder aufgelegte Modellprojekt des Landes allerdings durchaus gesehen. Andere sparen nach der Ankündigung von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) nicht mit Kritik.

Nach den Plänen des Kultusministeriums sollen Jungen und Mädchen an 39 Schulen von der ersten bis zur vierten Klasse vom kommenden Schuljahr an keine Zensuren mehr bekommen. «Am Ende wollen wir vergleichen, wie es um die Unterrichtsqualität und die Leistungen der Schüler bestellt ist», sagte die Ministerin.

Ein solcher Testlauf war bereits im Koalitionsvertrag von Grün-Schwarz vereinbart worden. Neu ist die Idee aber nicht: Schon vor fast zehn Jahren hatte es im Südwesten einen solchen Schulversuch gegeben. Im Schuljahr 2013/2014 hatten zehn Grundschulen am Projekt «Grundschulen ohne Noten» teilgenommen. Im Jahr 2017 dann hatte Schoppers Vorgängerin Susanne Eisenmann (CDU) das Aus für das Projekt verkündet.

«Weniger Kinder werden verloren gehen, weil sie durch schlechte Noten in ihrem Lerneifer ausgebremst werden»

Schopper begründet den neuen Anlauf mit dem Phänomen des «bulimischen Lernens». Es werde für den Test gepaukt, danach werde alles wieder vergessen. «Damit ist kein Bildungsziel erreicht, und das verstehe ich auch nicht unter Qualität», sagte die Ministerin den beiden Zeitungen. Wesentliches Ziel des Projektes sei es, mehr soziale Gerechtigkeit zu ermöglichen.

Bis zum Stopp durch Eisenmann hätten Schulen erfolgreich «alternative Formen der Leistungsmessung und -rückmeldung umgesetzt», sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Monika Stein, am Montag. Eltern und Lehrkräfte seien überzeugt gewesen, Kinder hätten profitiert. Der neue Schulversuch zeige, dass es andere Wege gebe, Leistung zu messen und den Schülern und ihren Eltern Rückmeldungen ohne Noten zu geben. Die «Grundschule ohne Noten» werde dafür sorgen, dass weniger Kinder verloren gingen, «weil sie durch schlechte Noten in ihrem Lerneifer ausgebremst werden», sagte Stein.

«Wer glaubt, dass man Kindern etwas Gutes tut, wenn man Hürden aus den Schulen herausnimmt, der irrt»

Die FDP ist da nicht so überzeugt: «Wer glaubt, dass man Kindern etwas Gutes tut, wenn man Hürden aus den Schulen herausnimmt, der irrt», sagte FDP-Bildungsexperte Timm Kern. An den Grundschulen gehe es darum, sich grundlegende Fertigkeiten anzueignen und eben nicht auswendig zu lernen. Für das «Experiment» müssten Kinder mit ihren Bildungsbiografien herhalten.

Die SPD kritisierte, Schoppers Projekt sei keineswegs eine Innovation. «Die Erkenntnis, dass der schon bei der erstmaligen Durchführung positiv bewertete Modellversuch Potenzial hat, kommt reichlich spät», sagte Katrin Steinhülb-Joos, die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Sie ist sich sicher, dass «alternative Lernentwicklungsgespräche» Schülerinnen und Schüler stärken können.

Für die Grünen erinnerte Bildungssprecher Thomas Poreski daran, dass sich an der Art der Benotung über Jahrzehnte an Schulen relativ wenig geändert habe. «Wie Lehrerinnen und Lehrer die Leistungen von Schülerinnen und Schülerb bewerten, ist daher oft aus der Zeit gefallen», sagte er. «Deshalb ist es notwendig, die Leistungsrückmeldungen an das 21. Jahrhundert anzupassen.» Noten reduzierten den Beitrag von Kindern und Jugendlichen auf lediglich sechs Ziffern. Durch andere Methoden könnten Lehrer die Leistungen ihrer Schüler viel differenzierter erfassen. News4teachers / mit Material der dpa

Schopper: Modellprojekt zur Grundschule ohne Noten startet bald

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45 Kommentare
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Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

Es ist eine Wohltat die weisen Worte all der Fachleute zu lesen und darin zu erkennen, wie wenig man wohl selbst eine Ahnung hat von dem, was man seit Jahrzehnten täglich tut. An dieser Stelle halte ich es für angebracht, dass alle, die dies ebenso sehen, einfach einmal Danke sagen. Ich fange an:
„Einmal Danke.“

Sandrina
1 Monat zuvor

Ja, bitte! Dies ist besonders in Grundschulen schon lange überfällig!

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Meine Kinder wollten seit Beginn ihrer Schulzeit unbedingt Noten haben. Natürlich sind da auch mal schlechte darunter, aber mit allzulangen Bewertungstexten können sie halt nichts anfangen und nicht selten musste ich die Texte der Lehrkräfte in Zeugnissen schon Eltern „übersetzen“, die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind.

Keine Note sagt etwas über den Menschen an sich aus und ja, man sollte sich eventuell nicht nur an irgendwelchen Ziffern messen. Andererseits wird man ein Leben lang in allem bewertet, was man tut. Eine „2“ sagt, dass ich gut in Mathematik bin, eine „5“ sagt, dass hier nachgearbeitet werden muss. Das versteht jeder. Natürlich könnte man dies auch in mehreren Sätzen zum Ausdruck bringen. Dahinter sehe ich nur einen Mehraufwand für die Lehrkräfte.

Lakon
1 Monat zuvor

entspannend und vertraut … die selben Überzeugungen und Diskussionen wie schon vor 20 Jahren … reformiert nur weiter!

Stromdoktor
1 Monat zuvor

Unsere Tochter bekommt in der Grundschule in freier Trägerschaft keine Noten. Lediglich im ersten HJ vierte Klasse, zwecks „Bewerbung“ für die weiterführende Schule.

Die Kinder sind in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen mit 15 – 20 Schüler*Innen organisiert.

Viel eigenständiges Lernen im eigenen Tempo. Viele Pause. Viele Arbeitsgemeinschaften. Keine Hausaufgaben. Schulzeit: 8 – 15 Uhr inkl. Mittagessen gemeinsam mit den LK.

Im direkten Vergleich zu unserer ältesten Tochter („normale“ Grundschule / 8-13 Uhr), hat sie eine entspannte Schulzeit ohne Leistungsdruck.

In vielen Dingen ist sie weiter bzw. mindestens gleichauf. „Sorgen“ bereitet uns lediglich die Handschrift. Hier fehlt die Disziplin einer „normalen“ Grundschule.

Mein Zwischenfazit:
Das System funktioniert gut für alle „Randgruppen“. Sowohl die motivierten und leistungsbereiten Schüler*Innen als auch diejenigen, mit besonderem Förderbedarf profitieren vom eigenen Tempo. Die Schulzeit „darf“ hier auch von vorneherein 5 Jahre betragen.

Insgesamt hätte ich unserer ältesten Tochter im Nachhinein auch so einen Einstieg in die Schullaufbahn gewünscht.

In Vorwärtsrichtung gehe ich nicht davon aus, dass sie perspektivisch auf der weiterführenden Schule Probleme bekommen wird…

Last edited 1 Monat zuvor by Stromdoktor
Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Wenn sie von 8-15 Uhr das gleiche oder aufgrund der Handschrift sogar weniger schafft als die andere Tochter von 8-13 Uhr, dann ist die Leistung natürlich geringer.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Ja und Nein.

Die Kinder bekommen einen Wochenplan für die Hauptfächer und arbeiten diesen dann täglich im ersten Block in 90 Minuten ab. Inhaltlich orientiert dieser sich am normalen „Lehrplan“. Einige schaffen in diesem Slot dauerhaft mehr und sind dann Inhaltlich auch mal ein halbes Jahr voraus. Bei anderen geht es in die andere Richtung, ganz klar.

Der „Rest“ des Tages besteht dann aus vielen Pausen, AGS und Sonderprojekten. Zwischendurch wird dann auch mal regulärer Unterricht für die einzelnen Jahrgänge (1+2 sowie 3+4 zusammengefasst) eingebaut.

„Leistung“ ist also 90 Minuten pro Tag gefordert. Einige visieren dann frühzeitig 5 Jahre an. So bleibt es entspannter für alle Seiten.

Probleme gibt es eher bei durchschnittlichen Schülern. Hier fehlt manchmal der Druck…wenn man das so ausdrücken darf.

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Wenn ein Grundschulkind mehr Zeit braucht als andere Kinder, um alle Mathematikaufgaben richtig zu lösen, dann sollte es diese Zeit aber bekommen, und nicht nur die zeitliche Leistung gesehen werden. Anders ist es natürlich, wenn bei mehr Zeitvorgabe keine richtigen Ergebnisse herauskommen.

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Interessant Ihr Vergleich der Grundschulzeit der beiden Kinder.
Nachdenkenswert der Satz: “ Im direkten Vergleich zu unserer älteren Tochter……..hat sie eine entspannte Schulzeit ohne Leistungsdruck „.
Ja, ich hätte unseren Kindern auch eine entspanntere Grundschulzeit gewünscht und vielen anderen Kindern auch, die ich kenne. Stattdessen: schlechte Noten, Klassenwiederholungen, Sonderschulandrohungen…, alles bei den Jüngsten. Wenn die anstrengenden ersten Kinderjahre vorbei sind und es so entspannt sein könnte, bevor die Kinder wieder schwieriger werden.
Und von mir aus : downvoting. Das ist mir jetzt auch egal. Das musste mal gesagt sein.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia

Ich kann ja mal unsere kurze Geschichte dahinter erzählen…und dann ergänzen:

Wir wohnen seit 2010 in einem klassischen Neubaugebiet. Viele Industrieunternehmen in der der Gegend. Entsprechendes Einkommensniveau. Unser Wohnort ist allerdings heterogen. Zwei Grundschulen. Eine davon eine „Brennpunktschule“ in Ganztag (4 km entfernt) und eine Grundschule wie beschrieben (8-13 Uhr) ca. 1,5 km entfernt im „besseren“ Einzugsgebiet.

Wir sind beide in Vollzeit berufstätig. Vergleichbare Abschlüsse, vergleichbares Einkommen, Elternzeit geteilt und Kinderbetreuung in Anspruch genommen. Wir gehören zu den „Verwahrern“. Weniger aus finanziellen Aspekten, sondern eher im Sinne der Gleichberechtigung und aus Überzeugung zu verstehen.

Nach Krippe und KiTa gab es die erste Betreuungslücke mit Beginn der Grundschulzeit. Die verlässliche Grundschule bis 13 Uhr „gefährdete“ unser Lebensmodell. Wir konnten aber einen von 12 (!) Hortplätzen in einer nahegelegenen KiTa ergattern. Unsere Tochter hat dort zu Mittag gegessen, Hausaufgaben erledigt, ein bisschen gespielt und wurde gegen 15 Uhr abgeholt. Mit unseren zeitlich flexiblen Jobs war das machbar.

Unsere jüngste Tochter (3 Jahre Altersunterschied) wechselte dann in die selbe Einrichtung in den KiTa-Bereich. Leider (im Nachhinein vielleicht auch gut) kamen wir dann bei der Hortplatz-Vergabe nicht zum Zuge. Einige Eltern hatten sich noch 1 Jahr früher eingetragen…

Wir haben dann in Gesprächen mit dem Träger (der wollte erweitern) und der Stadt versucht, die Kapazitäten auszubauen. Am Ende scheiterte es an den Räumlichkeiten (Personal stand bereit) und der Bereitschaft vieler Beteiligten (insbesondere Kommunen).

Mit Einschulung unserer jüngsten Tochter war dann das „Lebensmodell“ wieder „in Gefahr“. So landeten wir bei der oben beschrieben Schule. Liegt auf dem Weg ins Büro und wird von der Stadt mit Räumlichkeiten unterstützt.

Wir kommen jetzt ins 4. Lernjahr und können mittlerweile gut vergleichen.

Die ersten zwei Jahre auf der „normalen“ Grundschule waren noch entspannt. Ab Klasse 3 und auf Hinweis der LK, wir müssten in Mathe etwas tun, haben wir dann gemeinsam „gelernt“. So haben wir uns dann von Leistungsnachweis zu Leistungsnachweis gearbeitet und uns über freie Zeiträume gefreut. Auch wir wussten ganz genau, wann die Konferenzen begannen und der Leistungsdruck auch bei den LK abgefallen ist. Wir haben dann das jeweilige HJ entspannt austrudeln lassen und die Ferien zur Erholung der Doppelbelastung genutzt (nebenbei ein bisschen gearbeitet).

Jetzt komme ich in den Downvoting-Bereich…

Für mich hängt eine Grundschule auch immer fest mit dem „Publikum“ und der sozio-ökonomischen Lage zusammen.

Hier (Neubaugebiet) ist und war man sich einig. Die Kinder kommen um 13 Uhr nach Hause und dort wartet in der Regel jemand, der sich dann um das Mittagessen, die Hausaufgaben und die Vorbereitung auf Leistungsnachweise kümmert.

Geschätzt 50 % der Kinder werden morgens zur Schule begleitet. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto. Alles dabei. Die anderen 50 % gehen in größeren (durch Eltern zuvor koordinierte) Gruppen zur Schule. Ein „behütetes“ und komfortables Leben für alle Beteiligten. Die Sicherheit und Bildungschancen der Kinder stehen hier im Vordergrund.

Meine These:
Die Kinder mit diesem Hintergrund haben alles und keine ernsthaften Probleme. Allerdings müssen sie sich beim Thema Leistungsnachweise mit anderen Kindern UND den Eltern im Hintergrund messen. Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass sämtliche Eltern (mit häufig auch akademischen Hintergrund) jede Vorbereitung methodentechnisch optimierten und sicherstellten, dass rechtzeitig zur Arbeit keine Wissenslücken mehr vorhanden waren.

So war das Niveau aus meiner Sicht hoch. Viele Kinder konnten sich schon Tage vor der nächsten Mathearbeit nicht mehr verabreden und haben gemeinsam mit den Eltern (zumeist der Mutter) gelernt.

Wir haben uns diesem Wettbewerb gestellt und mitgemacht. Der Übergang zum Gymnasium verlief zumindest reibungslos. Mittlerweile (6. Klasse) wendet unsere Tochter einige Methoden auch schon eigenständig an und wir haben das Gefühl, dass wir keinen 24/7-Support mehr vorhalten müssen.

Welche Auswirkungen hat das auf die Schule?

Man bekommt seinen Lehrplan einvernehmlich und mit freundlicher Unterstützung durch die „Nachhilfe“ der Eltern gut durch. Gibt es schulische Probleme, reicht ein Hinweis und die Eltern starten durch. Zur Not auch mit externer Unterstützung.

Der hiesige Förderverein hat ausreichend Mittel. Die LK bekommen regelmäßig zu Weihnachten und Geburtstagen Geschenke durch Elternvertreter überreicht. Es gibt vom ersten Schultag an eine WhatsApp-Gruppe und Informationen können direkt via Elternvertreter durchgeroutet werden.

Soziale Sonderfälle (sofern überhaupt vorhanden) werden gemeinsam über Klassenkonferenzen entsorgt (einmal vorgekommen).

Für die vielen Ämter stehen ausreichend Eltern zur Verfügung. Insbesondere die Teilnahme an den Zeugniskonferenzen ist beliebt.

Kehrseite:
Akademiker-Eltern wissen vieles besser und haben gerne auch „eigene“ Ideen. Nicht selten kommt es dann zu Diskussionen untereinander. Am Ende ist das Verhältnis zwischen LK und Eltern also ebenso belastet wie in anderen Schulformen. Auch das Verhältnis der Eltern untereinander wird meist von einem Scheinfrieden überdeckt. Jeder will das schlauste, sozialste und hübscheste Kind haben. Niemand gönnt dem anderen irgendetwas.

In Summe ist also auch hier keine Seite wirklich zufrieden…“Luxusprobleme“ würde ich das nennen. Ich sehe zumindest kein Auto mehr auf dem Parkplatz der Schule um 13:30 Uhr…

Wir sind also in beide Schulformen nur aufgrund unseres „Lebensmodelles“ und des Wohnortes hinein geraten. Unsere grundsätzliche Einstellung hat sich in den letzten Jahren dabei nur verfestigt:

Wir werden das Bildungssystem „überstehen“ und das Maximale herausholen. Je nach Leistungsfähigkeit der Kinder. Hierbei kommt im Zweifel auch der zweite Bildungsweg in Frage oder das Hochschulstudium statt der Universität.

Noten sind uns insofern egal, dass wir nicht in ernsthafte Schwierigkeiten geraten wollen. In Hauptfächern möchten wir gerne die 4 auf dem Zeugnis vermeiden, um keine „Ängste“ bei unseren Töchtern auszulösen. Wir bewegen uns aktuell im soliden 2er und 3er-Bereich. Was unsere Kinder daraus später machen, überlassen wir Ihnen.

Als Ingenieure wissen wir, was noch alles so an Leistungsdruck kommen kann und wird.

Für uns reicht es aber aus, wenn man (aus eigenem Antrieb heraus) auch erst mit 20 Jahren in den zweiten Gang schaltet.

Insofern besteht der wesentliche Teil meiner Aufgabe in den kommenden Jahren daraus, Druck von meinen Kindern zu nehmen und für einen ordentlichen Ausgleich zu sorgen.

Alle anderen können „gerne“ das System weiter (zu ernst) nehmen, Druck ausüben (Eltern) und aktive Auslese (Schule) betreiben.

Schade nur um die vielen Schüler*Innen, die dabei auf der Strecke bleiben.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Lieber Herr Stromdoktor, ich respektiere Ihre Darlegungen, bin aber nicht mit allem einverstanden.
In erster Linie ist es natürlich Ihre Entscheidung zu sagen, Sie haben ein festgelegtes Lebensmodell, in dem beide Partner gleichberechtigt ihrem Beruf nachgehen können. Nur: wo bleibt dann das Recht des Kindes? Haben Sie Ihre Kinder gefragt, ob sie den ganzen Tag „verwahrt“ werden wollen, so wie Sie den ganzen Tag Ihrer Arbeit nachgehen wollen?
Widersprechen muss ich Ihnen auch, dass man die Kinder so extrem, wie Sie es beschreiben, unterstützen muss. Sie malen da ein recht düsteres Bild von Schule, zumal es erst die Grundschule ist, und behaupten, dass die Eltern dadurch in ein Förderkorsett gepresst werden. Für ein Kind gibt es nichts Schlimmeres als Helikopter Eltern, die jeden Schrit überwachen und, wie Sie es sagen, der Meinung sind, dass ihr Kind das schlaueste und schönste sein muss. So wird das Kind nie selbständiges Arbeiten lernen und nur auf elterlichen Druck oder Impulse sich motivieren können. Ein Kind muss auch mal „auf die Nase fallen“ um daraus zu lernen, Niederlagen, aus denen man sich selbst wieder aufbaut, stärken das Selbstbewusstsein. Ich sage zu den besorgten Eltern immer Ihr Kind macht schon seinen Weg, es kann das, setzen Sie es nicht zu sehr unter Druck, Niederlagen gehören zum Leben“.
„Soziale Sonderfälle werden in der Klassenkonferenz ‚entsorgt'“, das halte ich in dieser Form für ein Gerücht. Offiziell darf ein Lehrer keine Geschenke bekommen (die mehr als 5 Euro wert sind), das geht oft freiwillig über die Schüler, die sammeln, da sie eine LK lieben. Die Lehrer über WhatsApp zu kontaktieren ist meines Wissens gar nicht erlaubt.
Ich habe noch nie davon gehört, dass Eltern an Klassenkonferenzen teilnehmen dürfen! Das wäre doch gänzlich gegen den Datenschutz! Vielleicht geht das in Privatschulen, aber die Idee finde ich nun ganz und gar nicht gut.
Sie sprechen einerseits davon, dass Ihnen die Noten egal sind, aber eine $ wollen Sie vermeiden, um Ihren Töchtern die Ängste zu nehmen. Warum haben die so viel Angst vor Noten?
Bei meinen Kindern habe ich nicht annähernd die Erfahrungen gemacht, die Sie beschreiben, obwohl es sicher immer mal wieder Probleme gab, die wurden dann halt in Zusammenarbeit mit den Lehrern gelöst. Und ich bin der Meinung, dass Grundschule mit einer gesunden Einstellung auch ohne Nachhilfe zu bewältigen ist. Das dürfen Sie gerne anders sehen.
Sie „werden das Bildungssystem überstehen“, das klingt wahrhaftg sehr negativ und fast schon wie Folter. Bleibt zu hoffen, dass Sie Ihren Kindern nicht ein derart negatives Bild über Schule suggerieren. Genau das schürt nämlich Ängste und Unsicherheit und lässt die Zusammenarbeit mit den Lehrern nur schwer zu.
Es hat keiner etwas dagegen, dass Sie Ihr Lebensmodell verteidigen, aber es gibt auch Eltern, die das anders sehen und längere Zeit ihren Beruf aufgeben, weil sie eben in diese Gleichberechtigung vor allem das Kind mit einbeziehen. aber das muss jeder für sich entscheiden.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!

Ich würde versuchen, Ihre Punkte etwas zu sortieren.

In unser „Lebensmodell“ sind wir so hineingerutscht. Abitur, Berufsausbildung, Studium bis Ende 20.

Im Anschluss dann jeweils das Angebot zur Promotion. Ein aus meiner Sicht prekäres Beschäftigungsverhältnis zum Berufseinstieg (jeweils aber eine volle Stelle) und die Frage nach einer Familiengründung (Anfang 30).

An dieser Stelle hätten wir uns entscheiden können. Wir haben uns für den „gleichberechtigten“ Weg entschieden und unsere Ausbildung weiterverfolgt.

Die erste Tochter kam zur Welt und ist in die universitätseigene Krippe „gegangen“ (besser getragen worden). Mit 6 Monaten. Die Elternzeit bis dahin haben wir geteilt.

Trotz aller Abhängigkeiten im Rahmen einer Promotion konnten wir den Job einigermaßen flexibel gestalten, haben uns aber den Tag insgesamt aufgeteilt. Es gab ein paar „rote Linien“ wie beispielsweise „krank ist krank“. Auch habe ich häufiger mal in verdutze Gesichter schauen dürfen, wenn ich um 15 Uhr eine Besprechung verlassen habe, um mich um meine Tochter zu kümmern.

Ich mache es kurz:

  • Für unsere Tochter / später Töchter war es sicherlich herausfordernd.
  • Meine Frau kämpfte mit Vorurteilen, zog die Linie aber aus Überzeugung durch.
  • Ich bin / war der große Gewinner. Meine Töchter sehen mich als völlig gleichberechtigten Elternteil der für viele Dinge des Alltages in unserer Familie verantwortlich ist. Lassen sich von mir trösten und kommen mit ihren Sorgen auch zu mir.

Nach vielen Jahren bin ich der Meinung, dass unsere Töchter damit ein präsentes Elternteil dazugewonnen haben. Ich war nie nur der Vater, der abends noch in Arbeitsklamotte es gerade so zum Abendbrot geschafft hat und danach die Kinder ins Bett bringen „durfte“ / musste.

Ich verbringe schon seit Jahren jede freie Minute mit meinen Kindern und bin viel auch alleine mit den Mädels unterwegs. Ich brauche dazu keine „Mutti“, die mir vorher die Sachen zurecht legt.

Ich habe das Gefühl, dass unsere Töchter eine schöne Kindheit haben…

Als Gegenargumentation könnte ich noch episch ausführen, wie ich die konventionellen Rollenbilder in meiner Umgebung wahrnehme. Ich habe zumindest nicht das Gefühl, dass der Alltag dort viel ausgeglichener abläuft und die Kinder mehr von ihren Eltern hätten -eher im Gegenteil.

Soll aber jeder so entscheiden, wie er möchte…

Nächster Punkt:
Soziale Sonderfälle => habe eine Antwort nach bestem Wissen an Cornelia verfasst.

Zur Schulsituation unserer Kinder:
Grundsätzlich bin ich bei Ihnen. Auch wir leben mit den Noten. Die 4 ist eher als Orientierung zu sehen. Bei uns gibt es keine Konsequenzen, Panik oder Euphorie in Bezug auf Noten. Aktuell (6. Klasse) kann meine Tochter die einzelnen Noten und „Erfolgsfaktoren“ noch nicht einordnen. Da helfen wir ein wenig.

Generell habe ich aber noch keine Lust auf riesigen Leistungsdruck.

Und zur „Folter“:
Damit ist weniger die Schule von Innen gemeint als der Weg dahin. Es kommt doch sehr stark darauf an, wo man wohnt. Mir ist es wichtig, dass meine Töchter heile zur Schule und wieder nach Hause kommen und keine Gewalt / Mobbing erfahren müssen. Im Zweifel suchen wir uns die Schule aus uns nehmen nicht an jedem Sozialexperiment teil (Brennpunktschule in unserem Stadtteil mit Ganztagsangebot vs. Privatschule aus meinem obigen Beitrag).

Natürlich verbreite ich bei meinen Töchtern keine Ängste. Ganz im Gegenteil. Die beiden sollen eine tolle Schulzeit haben und wir unterstützen auch alle Aktivitäten in diesem Zusammenhang. Die beiden gehen auch gerne in die Schule, was uns freut.

Ihren letzten Absatz würde ich 1:1 unterschreiben. Wir können die verschiedenen Lebensmodelle absolut akzeptieren. Ich sehe nur nicht diese „mega“ Vorteile für die Kinder, wenn ein Elternteil klassisch lange arbeitet und das andere Elternteil den Alltag managet.

Wie gesagt…wir sind über den Berg. In diesem Jahr war ich mit meinen Töchtern schon dreimal auf kleiner Radreise mit dem Zelt und ein paar (Kurz)Urlaube mit der Familie im Wohnwagen waren auch schon drin…das nächste WE bleiben wir zu Hause – Freizeitstress.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Danke für Ihren Versuch, meine Punkte etwas zu „sortieren“. Ich denke nicht, dass es da etwas zu sortieren gab, ich habe einfach nur Ihre Ausführungen abgearbeitet. Auf die elementaren Punkte meiner Antwort sind Sie gar nicht eingegangen. Auch wir sind eine Akademikerfamilie, aber das muss ich nicht immer betonen, es ist kein Aushängeschild. Familie und soziales Engagement gibt mir mehr als berufliche Karriere. Wie gesagt, das muss jeder für sich entscheiden. Schön, wenn Sie trotz beruflicher Anstrengung noch so viel Zeit für Ihre Töchter haben, das bewundere ich. Ich hätte das nicht geschafft, wahrscheinlich auch deshalb, weil es zu meiner Zeit noch keine Kitas/Mittagsbetreuung gab. Freizeitstress hatten wir nie, sondern haben die gemeinsame Zeit mit den Kindern genossen, und alle reden heute noch davon. Und es waren die kleinen Dinge, die im Gedächtnis bleiben. Schule gehört auch dazu, aber Schule ist nicht der Feind der „armen“ Kinder, sondern oft eine große Stütze, und oft auch der einzige Bereich, wo sie sich verwirklichen können. Ich spreche jetzt von Familien, in denen kein Miteinander möglich ist.
Und gerade diese Schüler sind oft die dankbarsten, wenn man sie respektiert. Auch wenn sie nicht aus Akademikerfamilien kommen.
Schön sich auszutauschen udn verschiedene Meinungen zu erfahren.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Vielen Dank nochmals für Ihre Antwort!

Zunächst einmal möchte vorwegschieben, dass ich mich gefühlt hier für einige Punkte meiner Ausführungen rechtfertigen muss. Hierzu gibt es aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten.

Entweder habe ich mich nicht differenziert bzw. ausführlich genug ausgedrückt oder Sie gehen mit einer gewissen Voreingenommenheit an „unser“ Lebensmodell heran.

Ich vermute, beides ist richtig.

Einige Ausführungen sind gestern tatsächlich zu kurz gekommen. Mir ging ein Stück weit die Zeit zum Ende aus. Gerne hätte ich noch ein paar Punkte aufgegriffen, die ich gerne jetzt nachholen möchte.

Vielleicht finden Sie noch zu einigen Punkten in meiner Antwort an Cornelia etwas:

https://www.news4teachers.de/2022/06/ohne-noten-kein-bulimisches-lernen-mehr-streit-um-modellprojekt-kocht-hoch/#comment-455153

Zunächst einmal bilde ich mir nichts auf den Akademiker-Haushalt ein. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich halte den Verlust vieler Akademiker zur Realität und den täglichen Herausforderungen ganzer Gesellschaftsschichten für ein großes Problem.

Was Sie beschreiben, ist lediglich das Ende einer langen Reise. Meine Berufsausbildung habe ich seinerzeit begonnen, um keine weitere Kosten für meine Eltern zu verursachen. Mein Studium habe ich mit Bafög und diversen Nebenjobs finanziert. Das Angebot zur Promotion kam überraschend – eine große Chance. Bis heute hat ein Großteil der Familie keine weiteren Berührungspunkte zu „Studierten“.

Ich habe mich mit all den Auswirkungen in jede Richtung intensiv auseinandergesetzt. Es ist jetzt so, wie es ist. Meinen Kindern möchte ich zumindest die Möglichkeiten einräumen, wenn sie irgendwann einmal vor der Wahl stehen.

Meine Freizeit verbringe ich mit Nicht-Akademiker-Sachen…

Beruflich sollte und wollte ich in jedem Fall noch ergänzen, dass ich hier definitiv irgendwann an Grenzen gekommen bin und häufiger „nein“ gesagt habe. Zumeist wäre damit eine höhere zeitliche Belastung verbunden und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Geschichte gewesen.

Trotz der Ausbildung sind wir also absolut keine Karriere-Typen. Wir arbeiten unseren Stiefeln im Rahmen einer < 40 Stunden pro Woche ab und haben auf den einen oder anderen Schritt verzichtet.

Legt man die Ausführungen hier bei N4T zu Grunde, dann haben wir vergleichsweise gute Bedingungen, die den Spagat erst ermöglichen.

Mir geht schon wieder etwas die Zeit aus…

Vielleicht melden Sie mir zurück, welche Punkte ich noch weiter ausführen sollte.

Ebenfalls Danke für den Austausch!

PS.

  • PS. Das „Sortieren“ galt eher mir als Ihnen.
  • Die „Interpretation“ zum Freizeitstress kam nicht so gut an.
Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

@Stromdoktor
Ich habe ihre Kommentare aufmerksam gelesen und mir gut überlegt, ob ich das, was mir dazu einfällt, wirklich schreiben soll, wei es mit dem Thema des obigen Artikels überhaupt nichts zu tun hat. Was Noten oder keine Noten an Schulen betrifft, dazu hab ich mir noch keine Meinung gebildet. Mit dem was ich ihnen sagen möchte mache ich ein ganz anderes Faß auf.
Sie haben sehr anschaulich ihr Lebensmodell beschrieben. Es ist ein völlig „normales“ Modell, daß viele Familien, die wie sie, dem ( etwas gehobenen) Mittelstand angehören, leben. Es ist überhaupt nichts Verwerfliches daran und es ist mir wichtig, das sie verstehen, daß es mir nicht darum geht sie oder andere mit dem was ich sage, persönlich anzugreifen oder zu verurteilen.
Es geht mir darum aufzuzeigen, daß wir aber genau diese Lebensweise, die wir inzwischen als völlig selbstverständlich betrachten, hinterfragen müssen, weil sie sich angesichts der zunehmenden Krisen dieser Welt auf Dauer nicht aufrecht erhalten läßt. Durch Corona wurden einige dieser „Normalitäten“ in Frage gestellt. Plötzlich war es nicht mehr so einfach Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen. Das sog. „Freizeitangebot“ fiel fast komplett weg. Urlaubsreisen ins Ausland waren nicht oder kaum möglich. Es fanden keine Feste und Events mehr statt. Geschäfte, deren Sortiment nicht auf den täglichen Bedarf ausgerichtet war, waren geschlossen. Unser Leben wurde reduziert auf Arbeit und Familie. Das war nicht schön. Für Familien, die leben können wie sie es tun, war es aber sicher keine Tragödie. Trotzdem wurde vielfach das Hohelied auf die „armen“ Kinder angestimmt, die suf sooo viel verzichten mussten und die jetzt, wo wieder ein einigermaßen „normales“ Leben möglich ist, aufholen müssen, was sie „versäumt“ haben.
Niemand scheint sich aber ernsthaft zu fragen, ob das, was wir als unsere „Normalität“ betrachten und das von vielen so vehement eingefordert wird auch das ist, was wir uns noch leisten können.
Wir können uns den Lebensstandart, den sie schildern nämlich auf Dauer gar nicht mehr erlauben, wenn wir nicht wollen, daß unsere Natur und Umwelt völlig den Bach runter geht.
Wir können es z.B.nicht mehr als normal und als selbstverständliches Recht ansehen, wann imner wir wollen mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen. Das nicht zu tun bedeutet auch keinen unzumutbaren Eingriff in unsere Freiheitsrechte. Es ist ein Gebot der Vernunft angesichts der Schäden, die Massentourismus auf der Welt anrichtet.
Sich angesichts zunehmender Trockenheit und Wasserknappheit noch einen eigenen Swimmingpool in den Garten zu bauen, nur weil man gegen evtl. Freibadschließungen gerüstet sein will, ist eben keine Selbstverständlichkeit, sondern Egoismus und Ignoranz.
Ich weiß natürlich nicht, ob sie einen Swimmingpool im Garten haben – das ist nur ein Beispiel dafür, was für viele heute zu einem normalen Mittelstandsleben dazugehört.
Wir müssen uns aber von so einigem verabschieden, was uns lieb und teuer geworden ist. Es ist nämlich der pure Luxus und verbraucht unnötig viele Recourcen, die wir nicht mehr übrig haben. Vom SUV und Avocados und Erdbeeren im Februar will ich erst gar nicht reden.
Zum „Lebensmodell“ Doppelverdiener würde mir auch noch so einiges einfallen. Dszu nur soviel: Das für viele ein Gehalt heutzutage nicht mehr reicht, liegt auch, aber nicht nur, daran, daß alkes immer teurer wird. Es liegt auch an den oben aufgezählten „Selbstverständlichkeiten“, ohne die wir glauben nicht mehr leben zu können: Schickes Einfamilienhaus im „Speckgürtel“ von immer weiter ins Grüne wuchernden Großstädten, jährlicher Urlaub irgendwo am Meer, Swimmingpool und Riesentrampolin im Garten, ( anstatt Gemüse, für dessen Anbau ja keiner mehr Zeit hat wegen dem Job), exotische Lebensmittel aus allen Ecken dieser Welt immer und zu jeder Zeit, vom digitalen Equipment, daß selbstverständlich immer auf dem neuesten Stand sein muß, um nicht abgehängt zu werden…
Ich finde, das sind schon eine Menge großer Ansprüch, die wir ans Leben haben. Ich will auch niemanden persönlich deshalb angreifen. Aber hinterfrsgen sollten wir das alle.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Vielen Dank, dass Sie Ihre Gedanken mit mir teilen!

Wir haben eine ähnliche Einstellung. Leider haben auch wir persönlich noch einen langen Weg bis zur Nachhaltigkeit vor uns. In diesem Zusammenhang „kämpfen“ wir uns an unseren eigenen „Konsumeskapaden“ der Vergangenheit ab und suchen in vielen Punkten einen guten Kompromiss.

Wir versuchen uns in kleinen Schritten…hier vielleicht eine kleine Auswahl:

  • Unverpackte Lebensmittel beziehen (regionale „Gemüsekiste“) bzw. insgesamt Müllreduktion.
  • keine Lebensmittel wegwerfen / MHD „ignorieren“.
  • Fahrten mit dem PKW minimieren / alle Familienmitglieder haben mittlerweile Pedelecs, um auch längere Strecken zu bewerkstelligen.
  • Kleidung / Mobiliar / Gegenstände bis zum defekt nutzen. (unser letztes Auto ist 19 Jahre alt geworden).
  • Seit 10 Jahren eine PV-Anlage auf dem Dach und eine Wärmepumpe als Heizung.
  • Keine geschlossenen Pflasterflächen im Vorgarten

Leider sind das alles wirklich nur kleine Schritte und ich bin nach wie vor unzufrieden…

Den Pool + Trampolin hatten wir auch. Mit dem Flugzeug sind wir nie verreist. Allerdings haben wir einen hohen Kraftstoffverbrauch bei den Urlaubsfahrten mit PKW + Wohnwagen. Skifahren…

Insgesamt sind unsere Familienkombis zu „groß“ und verbrauchen zu viel. Sicherheit im Straßenverkehr bei immer größer werden Fahrzeugen spielt da für uns eine Rolle. „Wir können uns Sicherheit leisten“ – eine schlimme Einstellung heutzutage.

Wir haben noch einen weiten Weg vor uns…

Bei unseren Freizeitaktivitäten sind wir (abgesehen vom Wohnwagen) genügsam. In erster Linie geht es um die gemeinsame Zeit miteinander. Wir versuchen eigentlich immer aktiv zu sein und Sport zu treiben. Vor allem Fahrradfahren und Schwimmen.

Ehrlich gesagt, flüchte ich oft aus unserem Wohngebiet bzw. bin froh, das nicht täglich sehen zu müssen. Kaum einer fährt mit dem Fahrrad zum 1 km entfernten Bäcker. Fast alle nutzen das Auto. Die ganze Straße ist mit Fahrzeugen zugestellt. Mittlerweile geht der Trend zum Drittwagen. Jedes Kind hat mittlerweile alles. Viele können aber nicht einmal Schwimmen oder sicher Radfahren.

Vielleicht muss man das alles einmal erreicht haben, um zu sehen dass es auf wichtigere Dinge ankommt.

In unserer Umgebung dreht sich vieles um Führungspositionen. Das ist für viele das zentrale Ziel. Sich dabei mit der beruflichen Aufgabe voneinander abgrenzen. Schlimm wird es, wenn beim Grillen drei – vier Leute aus dem selben Laden aufeinandertreffen. Geld haben die meisten schon lange genug…

Was habe ich nun noch für Ziele?

Privat:
Die Zeit weiterhin mit meinen Kindern zu verbringen und noch ein paar große Radreisen (später auch durch Europa) zu unternehmen.

Beruflich:
Die Energiewende mitgestalten.
In ein paar Jahren ein Sabbatical einlegen und etwas Sinnvolles machen.

Abschließend noch etwas zum „Lebensmodell“ Doppelverdiener:

Wir haben leider nicht das „Mind-Set“ aus dem Elternhaus mitbekommen, dass sich das berufliche und private Schicksal schon irgendwie fügen wird. Selbst während der Promotionsphase (mehrere befristete Verträge) hatte ich lange Zeit die Befürchtung, keinen vernünftig bezahlten Job im Anschluss zu bekommen.

Die Unterschiede zwischen Ingenieursdienstleister und Industrieunternehmen sind derart riesig – in Sachen Bezahlung, Arbeitszeit und Arbeitsorte. Man kann, salopp gesagt, trotz 10-12 jähriger Hochschulkarriere auch finanziell dort landen, wo man als ausgebildeter Facharbeiter in einem Industrieunternehmen schon mit Anfang 20 gewesen wäre. Mit dem Unterschied, dass man noch das Bafög zurückzahlen muss…

Wir hatten also immer das Gefühl, dass wir uns weiter anstrengen mussten und nicht das Zutrauen, auch nach einer Familienzeit einen ordentlichen Berufseinstieg hinzulegen bzw. kürzer zu treten. Die entscheidenden Jahre haben wir durch unsere Berufsausbildung „verloren“. Dadurch lief alles parallel.

Wir haben uns also nie für das Geld + Karriere sondern für die Sicherheit entschieden. Und den Fokus auf die Familie gelegt.

Eine Sache möchte ich meinen Kindern auf jeden Fall mitgeben:
Das Gefühl, dass berufliches und privates Glück und eine Familiengründung kein Abwägungsprozess sein muss und das man in jedem Fall über die Runden kommen wird.

Gerne hätte ich diese Grundeinstellung schon aus dem Elternhaus mitbekommen. Wahrscheinlich einer der Faktoren, warum so wenige Kinder aus sozial benachteiligten Familien auf das „Risiko“ Studium verzichten.

@Teacher Andi: Vielleicht können Sie meinen Ausführungen ja auch etwas abgewinnen.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

„Durch Corona wurden einige dieser „Normalitäten“ in Frage gestellt. Plötzlich war es nicht mehr so einfach Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen. Das sog. „Freizeitangebot“ fiel fast komplett weg.“

Den Punkt habe ich mir separat herausgesucht, weil ich hier ein Kernproblem sehe und unsere Erfahrungen schildern möchte:

Die Pandemie hat uns einen riesigen Vorteil in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gebracht. Unsere Tätigkeiten können zu 100 % aus dem Home-Office heraus erledigt werden.

Vor der Pandemie waren wir dennoch im Schnitt 4 Tage im Büro. Meine Frau als Pendlerin (40 km eine Strecke) musste sogar einen Antrag für einen Tag HO pro Woche einreichen. Dazu kamen Kernarbeitszeiten 9 – 15 Uhr mit Anwesenheit im Büro bei ihr. Definitiv eine Herausforderung…

Es musste also erst eine Pandemie her, damit die Arbeitsgeber den Mut hatten, ihre Mitarbeiter (ohne Kontrollmöglichkeiten) im HO arbeiten zu lassen. Bei einigen musste sogar die gesetzliche Verpflichtung her.

Wir haben also Wege minimiert, Kosten gespart und Zeit gewonnen.

Die zusätzliche Zeit haben wir insbesondere für die Familie genutzt. Auch den geänderten Arbeitszeitrahmen, der die Erledigung von Aufgaben zu den Tagesrandzeiten ermöglichte.

Insofern gehören wir zu den Gewinnern der Pandemie und hätten solche Möglichkeiten gerne auch schon früher genutzt…

(Auch das Distanzlernen lief bei uns gut. Und unsere Fahrradtouren / Laufrunde haben wir trotzdem gemacht).

Mittlerweile sind die Straßen aber wieder genauso voll wie vor der Pandemie…die Arbeitgeber rufen ihre Mitarbeiter auch wieder aktiv zurück ins Büro. Hier könnte man in Sachen Umweltschutz am ehesten ansetzen.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Volle Zustimmung, Marion. Ich beobachte dasselbe. Das Chaos an den Flughäfen spricht Bände (ohne Urlaub geht es scheinbar nicht), die Autos in unseren Straßen werden immer fetter, eigene Pools und Brunnen gehören verboten angesichts der Entwicklung unserer Wasserversorgung, die Wellnessoasen boomen, jeder will nur noch Luxus und verliert den Blick für das Wesentliche. Dazu kommt noch die Selbstüberschätzung, Arroganz, der Egoismus und die Rücksichtslosigkeit vieler Leute. Eine schlimme Entwicklung.
Hat jetzt wirklich nichts mit Noten zu tun, aber im weiteren Sinne: Noten belasten die Kinder zu sehr, die Kids sind mittlerweile so verwöhnt, weil man ihnen jedes Problemchen abnimmt, dass jede Anstrengung schon „nicht kindgerecht“ ist. Abitur ohne Anstrengung, bloß nicht fordern! Man kann sich denken, wozu das führt.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

@Marion

„… mir gut überlegt, ob ich das, was mir dazu einfällt, wirklich schreiben soll, wei es mit dem Thema des obigen Artikels überhaupt nichts zu tun hat.“

Liebe Marion,
was Sie schreiben ist nur scheinbar „out of topic“ und Sie haben das ja auch betont allgemein formuliert – nur deshalb gehe ich mit 1 Beitrag ebenfalls allgemein darauf ein (und auch ich beziehe mich darum – fast – nicht auf das Noten-Thema im Ausgangsartikel, also „Sorry!“ dafür).

Mittlerweile ist auch im Privatleben einzelner Personen/Familien alles mit allem verflochten, so wie wir es aus der Wirtschaft mit der Globalisierung inklusive aller Vor- und Nachteile kennen.
Die Grenzen der Globalisierung ließen sich ja auch schon vor der Pandemie erkennen. Wer aber darauf hinwies, war schnell „erkannt“ als Spielverderber, Unke, …
Das ließ allerdings dann nach, als Lieferketten zusammenbrachen und optimierte „just-in-time“-Wirtschaft sichtbare Probleme (bei einzelnen Produkten in Form von leeren Regalen) schaffte, die sich nicht mit markigen Äußerungen wegwischen ließen.

Auch jenseits von reiner Warenwirtschaft, also bezogen auf „menpower“ und Personalbeschaffung (reine Beschaffung wohlgemerkt, nicht: sozialverträglicher Umgang mit dem Personal) spüren viele Leute gerade jetzt im Sommer zur Hauptreisezeit:
Hoppla! Das mit der vielbeschworenen „Freiheit“ funktioniert aber nur so halbschön …, Stichwort: Flughäfen. Personal wurde vor Monaten abgebaut, es muss sich ja alles rechnen und das ist immer der Posten, bei dem zuerst eingespart wurde.
Aus Mitarbeitern in der Gepäckabfertigung wurden z.B. Paketboten, just vorhin im ARD-Mittagsmagazin war dazu ein Bericht.
https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/mittagsmagazin/index.html
Auch Paketbote ist sicher kein leichter Job (körperlich, Arbeitszeiten, usw.) – aber offensichtlich für immerhin so viele ehemalige Mitarbeiter an den Flughäfen auch keine gravierende Verschlechterung, denn sonst würden sie jetzt alle scharenweise zurückgehen in die ehemaligen Jobs, wo händeringend Leute gesucht werden!

Der Faktor „Personal“ wird immer als Joker gezogen wenn es um Einsparpotential geht. Gerne wird auch mit „gezinkten Karten“ gepokert:
https://www.news4teachers.de/2022/06/lindner-subventionen-fuer-elektroautos-steichen-fuer-kita-qualitaetsgesetz/

Die Auswirkungen auf das soziale Miteinander werden dabei ausgeblendet.
Konsequent.
Seit Jahrzehnten.
Und solange sich das nicht ändert, treten wir gesellschaftlich auf der Stelle, der „schwarze Peter“ ist ein „Wanderpokal“ und wird immer rascher weitergegeben.
Man soll alles optimieren. Immer. Immer mehr.
Man soll immer bereit sein zu großen Taten. Immer und immer mehr.
Immer mehr Menschen „laufen auf der letzten Rille“. Pausenlos!

Politisch ist die „Lösung“ offensichtlich einfach, da kommt die „Eigenverantwortung“ derzeit wieder groß in Mode! (Weil es dann – scheinbar – nichts kostet.)
Inbegriffen ist: Wer’s nicht bringt, hat halt persönlich versagt … (Achtung! Was jetzt folgt, ist nicht meine Haltung!) Warum hat diese Person sich denn nicht rechtzeitig selbst optimiert? (Gibt’s da nicht ’ne App? Gibt’s da nicht Fortbildungen, Selbsthilfegruppen … oder wenigstens was von „xy-Pharm“?!) Das erzeugt Scham!
Schamgefühle sind starke Gefühle. Sie machen Menschen letztlich stumm. Stummes Leid kann man noch besser ausblenden. Stummes Leid isoliert auf Dauer und befeuert weitere Teufelskreise.
Diese Entwicklung geht einfach weiter in die falsche Richtung.
Und es ist – meiner Ansicht nach – genau das, was die Leute immer unsicherer und auch aggressiver werden lässt. (Vielen Menschen fällt das in einer ruhigen Minute auf. Leider haben viele Menschen aber kaum noch ruhige Minuten, weil sich das Hamsterrad immer schneller dreht.)
Es ist so ein bisschen wie in einem geschlossenen, engen Raum wie z.B. in einem Lift, in dem es plötzlich „ein wenig riecht“ …: Alle schauen betreten. Niemand hat gepupst. Alle rücken voneiander ab, sofern der enge Raum es zulässt.

Schade, dass man in einem Lift nicht nach KMK-Empfehlung lüften kann.
Gut, dass beim nächsten Halt schnell aussteigen kann.
Aber wiederum schade, dass das nur für die Lift-Metapher als einfache Lösung funktioniert. Denn die Gesellschaft funktioniert nun einmal anders, wir sind nicht nur für wenige Augenblicke in diesem System „Gesellschaft“ (bezogen auf einzelne Länder, aber soziale Probleme hören ja an den Grenzen der BRD nicht auf).

Und eigentlich ist die Notenthematik des Ausgangsartikels davon gar nicht soweit weg:
Scheinbar (!) positive Stichworte wie „Freiheit“ und „ohne Zwang“ und „Selbstoptimierung“ gibt es auf der einen Seite (und dabei muss man dann aber auch gefälligst doll intrinsisch motiviert sein und bleiben) – aber auch hier wieder die berühmte „Eigenverantwortung“ (s.o.)

Und jetzt muss ich gestehen, das hier ist leider kein Cliffhanger.
https://de.wikipedia.org/wiki/Cliffhanger
Der Karren steckt so tief im Sumpf, dass ich da keine Lösung präsentieren kann.
Es genügt nicht mehr, dass „jeder mal die Ärmel hochkrempelt und in seinem persönlichen Umfeld was verbessert“. Das tun doch schon Millionen von Menschen jeden Tag. Fast alle „rudern und paddeln“ wie verrückt – aber im „Sumpf“ kommt man so nicht von der Stelle!
Es muss tatsächlich mal eine politische Lösung her.
Lösung!!!Nicht Grundsatzdebatte (Markenzeichen: ohne Lösung für die „billigen Plätze“, sofern die Logenplätze unberührt bleiben)! 🙁

Mary-Ellen
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Danke @Marion, danke @Teacher Andi, danke @Pit2020 für die Beiträge s.o.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

„Wenn er sich die Welt heute ansehe, fühle er sich wie in einem Blockbuster, der erst seicht startet, ehe die Katastrophen kommen.“&
„Jetzt kommt die Haptik, jetzt kommt die Fühlbarkeit und jetzt kommen plötzlich die Sorgen und der Schreck.“&
„Es sind Aussagen wie diese, die Angst machen können und Angst machen sollten. Aber Plöger schafft es, nicht nur über die Bedrohung sachlich aufzuklären, sondern auch, ein Gegenszenario zu skizzieren. Dafür brauche es aber „politische Rahmenbedingungen, die wirklich ein Handeln zulassen.“ Was Plöger damit meint, ist: „Wir brauchen eigentlich ein Jahrhundertgeschäft. (…) Geschäfte sind nämlich etwas, wo alle mitmachen wollen.“
Das Schlimmste seien für ihn Menschen, die sagen, dass die Lage so dramatisch sei, dass man nichts mehr machen könne. „Wir haben es in die Richtung gedrückt, wir können es noch in die andere Richtung kehren, aber nur, wenn wir diese Dinge entschlossen tun.“

Bei Sven Plöger beziehen sich die Aussagen auf das Klima.
Mit Blick auf gesellschaftliche „Klimaprobleme“ (in unserem Falle Bildung, speziell „Noten“) sieht es doch gar nicht so anders aus …

Also hier ein kleiner Nachtrag, ebenfalls nur scheinbar „out of topic“ … eben: Alles hängt mit allem zusammen … Aber gut verständlich „rübergebracht“.Runterscrollen bis „Das „Endlich wird darüber auch in Polit-Talkshows gesprochen“-Thema“ und dann bis zum Ende lesen.https://www.gmx.net/magazine/politik/politische-talkshows/maischberger-meteorologe-angst-aussagen-klimaschutz-37061214

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Sie sprechen ein paar wichtige Dinge an. Die Unterstützung durch die Eltern und der möglichen Einfluss auf den Unterricht der Lehrer. Kenne ich aus meiner Schuldienstzeit. Mir war aber immer wichtig, das letzte Drittel der Schüler auch mitzunehmen, das keine perfekt korrigierten Hausaufgaben hatte und auch nicht optimal auf Klassenarbeiten vorbereitet war. Ich kann und darf mein Tempo nicht den besten Schülern anpassen, wird aber manchmal gemacht. Das wirft natürlich schwächere Schüler noch weiter zurück. Dieses Phänomen gibt es schon seit Mitte der Sechziger Jahre.
Besonders stört mich bei diesem Modell, dass die Übungen nach Hause verlagert werden. So kann man natürlich viele nebensächlichen Lernziele im Unterricht viel besser verfolgen, die zusätzlich in den Lehrplänen vorhanden sind, damit die Schüler auf dem Gymnasium nachher besser mitkommen. Diese Lernziele gehören aber eigentlich ins Gymnasium, denn Grundschule sollte eine eigenständige Schule sein mit Vorbereitung der Schüler für ALLE Schularten. Mit genügend Übungszeiten für alle! Sonst wird das Tempo in der Klasse zu sehr angezogen, was auch auf unserer Schule der Fall war.
Gut, dass Sie sehen, dass Kinder auch Entspannung brauchen, ein Leben außerhalb der Schule, nicht nur für die Schule. Druck herausnehmen statt noch mehr aufbauen.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia

Ich bin ehrlich gesagt auch so aufgewachsen und habe davon profitiert, dass mich meine damaligen Lehrer auch immer mitgenommen haben. Aus dem Elternhaus gab es keine explizite Unterstützung beim Lernen. Ich hatte aber immer eine Brotdose dabei und meine Mutter hatte das Mittagessen schon fertig, wenn wir Kinder nach Hause kamen.

Es gab mal einen „kritischen“ Moment in meiner Laufbahn:

Meine Mutter war immer bei den Elternsprechtagen und hat dort bei einem Fachlehrer erwähnt, dass mein Vater mich vom Gymnasium nehmen würde, wenn ich weiterhin bei Dreien und Vieren im Zeugnis stehen bliebe. Der Fach- und Mathelehrer nahm das zum Anlass, einen unangekündigten Besuch zu Hause bei uns durchzuführen. Er hat meinem Vater dann erklärt, dass ich das Zeug zum Abitur habe. Mathe war aber auch mein Lieblingsfach ;-).

Das hat einen sehr starken Eindruck hinterlassen. Der Rest ist Geschichte :-).

Ich weiß nicht, ob es in der heutigen Zeit immer noch so verlaufen würde…

Wir sind zwar mittlerweile ein Akademiker-Haushalt, können aber unsere Sympathien für weniger privilegierte Gesellschaftsschichten nicht verbergen und unsere Herkunft nicht verleugnen.

Insofern wird es schon werden…man kann auf vielen Wegen ein zufriedener Mensch sein und werden…

Danke in jedem Fall für den tollen Austausch hier!

Last edited 1 Monat zuvor by Stromdoktor
Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

„Soziale Sonderfälle (sofern überhaupt vorhanden) werden gemeinsam über Klassenkonferenzen entsorgt(einmal vorbeikommen).“. ???

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia

Ich bekomme die ganze Geschichte leider nicht zusammen…

Ausgangslage:
Eltern getrennt, Mutter suchtkrank, das Mädchen wächst bei der Oma auf. Zum Vater weiß ich nichts.

Das Kind wird „verhaltensauffällig“ – ich weiß jedoch nicht, was konkret geschehen ist.

Die LK steht da schon in (wahrscheinlich regelmäßigem) Kontakt mit den Behörden.

Eines Tages bringt das Mädchen ein Messer mit in die Schule und zeigt es den Klassenkamerad*Innen. Die erzählen davon zu Hause und einige Eltern gehen auf die Barrikaden.

Am Ende gab es Klassenkonferenz (so heißt das glaube ich) und das Mädchen war weg – wohnte im Anschluss auch nicht mehr bei der Oma

Mag alles berechtigt sein, am Ende auch vielleicht die richtige Entscheidung für das Mädchen.

Ich fand nur die Rolle der Eltern grenzwertig…

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Ja, die Rolle mancher Schülereltern, manchmal sehr grenzwertig. Natürlich ist so eine Situation schwierig. In einem mir bekannten Fall, auch in einer Grundschule, hat eine sehr geschickte Lehrerin sich um den Jungen, ein Adoptivkind, gekümmert, und konnte so erreichen, dass er ihr das Messer übergab. Auch da war natürlich ein Aufruhr, denn der Junge war häufig auffällig, im Gegensatz zu den anderen Adoptivkindern der Familie. Soviel ich weiß, konnte er in der Familie und Schule bleiben.

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia

Sorry, die Korrekturfunktion hat mich „verbessert“. Muss natürlich heißen:
.“….( einmal vorgekommen)“.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia

Den wichtigsten Punkt hatte ich leider vergessen…

Die „normalen“ Kinder, die sich größtenteils die Lerninhalte selbst erarbeiten und keine vollen Support durch die Eltern bekommen, werden dann plötzlich zu „Problemfällen“ und finden sich dann in den von Ihnen beschriebenen Situationen wieder.

Für mich ist das eine bedenkliche Entwicklung im betrachteten Teilbereich „privilegierte Schule“.

(In diesem Zusammenhang staune ich immer sehr, wie „homogen“ und gleich belastend (vgl. mit einer Brennpunktschule) der Beruf des Lehrers oft dargestellt wird. Für mich müsste es zumindest Unterschiede in den Belastungsfaktoren geben).

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Die „normalen“ Kinder……das sind die
– denen die Eltern nicht genügend helfen können, weil sie überfordert sind
– die eine Legasthenie oder Dyskalkulie haben oder vielleicht die schulgemachte
Form davon ( zu wenig Übungszeit in der Schule)
-chronisch kranke Kinder, die in der Regel mehr Zeit brauchen für alle Aufgaben
– ……

MB aus NRW
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Belastungsfaktoren:

Ich habe nur kurz Zeit und kenne beides: sehr „priviligiertes“ Gymnasium vs. Gesamtschule in einem extremen Brennpunkt:

Die Belastungen sind andere, ich könnte aber nicht sagen, was jetzt die „schlimmere“ Belastung ist.

Kurz: „originelles“ Verhalten der Schüler (bis hin zu Gefängnisstrafen zwischendrin), aber auch extreme Entlastung, völlig „entspannte“ Eltern, Kollegen und Schulleitung, wenig Vorbereitung, schnelle Korrekturen auf der einen vs. extrem anstrengende Schüler und vor allem Eltern, was Noten angeht, extrem hohe Erwartungen, zig zusätzliche, unbezahlte Überstunden durch Zusatzangebote, riesige Klassen (und hier reichen dann 2 „schwierige“ Schüler, wobei man das eigentlich so verallgemeinert nicht sagen kann), sehr zeitraubende Vor- und Nachbereitung des Unterrichts / Korrekturen etc.

Gilt aber für weiterführende Schulen.

An Grundschulen bekomme ich nur mit, dass da auch vor allem die Zusatzaufgaben, die einem einfach so nebenbei aufgebürdet werden, die Hauptbelastungsfaktoren sind.

Bei mir (priviligiertes Gymnasium) würde ich sagen, dass das, was über den eigentlichen Unterricht samt Vor- und Nachbereitung, Onlinestellen von Aufgaben und Lösungen für Coronakranke, Korrekturen hinausgeht, deutlich „belastender“ und auch zeitraubender ist als die oft so wahrgenommenen eigentlichen Aufgaben eines Lehrers; dazu gehören:

AGs samt Vor- und Nachbereitung, Gespräche mit Schülern/Eltern/Sozialpädagogen (immer in der „Freizeit“), dienstliche Mails ohne Ende (habe gerade geschaut: alleine am letzten Schulwochenende 31 (und selbst in den Ferien noch welche, z.B. mit der Nachfrage, warum denn die Teilnahme an einer AG nicht auf dem Zeugnis erscheint), es gibt Kollegen, die am Wochenende nicht in die Dienstmails schauen, das führt aber meist eher zu Mehrarbeit, da sich Eltern gegenseitig „hochstacheln“ etc., Förderpläne samt Korrekturen selbiger (gerne auch von Mami bearbeitet, sieht man ja schon an der Schrift), Corona-Papierkram, digitaler „Papierkram“ (alles muss auch digital eingetragen werden), Gutachten für Schüler, Referendare (hier auch: deren Entwürfe durchsehen, im Zweifelsfall verbessern) und und und

Klar, es gibt „schwarze Schafe“, die versuchen, so gut wie nichts zusätzlich zu machen, wenn man aber eine Klassenleitung und einen LK und noch eine zeitraubende AG zusätzlich hat, sich für seine Schüler interessiert und auch interne (Sozialpädagoge) und externe (Psychater, schulpsychologischer Dienst) Hilfen vermittelt und auch bei Gesprächen dabei ist, sich um die zig Zusatzförderungen kümmert (LRS, Begabungsfürderung) etc., ist Lehrer sein sehr zeitaufwändig.

Ich habe selbst 2 kleine Kinder und versuche, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen, werde auch nächstes Schuljahr komplett in Elternzeit sein – aber seit den Osterferien war das nur noch Stress und hieß für mich: jeden Tag vor den Kindern aufstehen und arbeiten (meist so gegen 5 Uhr), abends, wenn die schlafen, noch schnell Dienstmails beantworten und Unterricht vorbereiten (so ab halb 10 bis 11 Uhr mindestens) und kein Wochenende ohne Korrekturen, zusätzliche Termine (AG), dazu endlos Vertretungsstunden durch erkrankte Kollegen.

Und ich will da gar nicht heulen, ich brenne für meine AG, ich habe selbstverständlich 2 Klassenausflüge als Klassenlehrer mitgemacht etc., aber ohne Hilfe von Oma und Opa wäre das trotz der Ehefrau in Elternzeit nicht möglich gewesen (da die Kinder dank Kita ja auch noch ständig krank waren).

So, jetzt ist es doch lang geworden und trotzdem eigentlich in vielen Dingen zu verallgemeinernd. Vielleicht hilft es aber, so eine Idee zu bekommen, dass der Beruf stressig ist – wenn man ihn „richtig“ macht – wobei ich nach einigen traurigen Ereignissen, engagierte Kollegen betreffend, in letzter Zeit auch schon manchmal zweifle…

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  MB aus NRW

Vielen Dank für Ihren Einblick!

Sehr viele Punkte und den Vergleich der beiden Schulformen kann ich gut nachvollziehen!

Insbesondere Ihre Schilderungen zu Ihrem Familienalltag und die Nutzung der Tagesrandzeiten.

Wir waren damals auch häufiger mal um 4 Uhr nachts im Büro, wenn unsere Tochter mit 1 1/2 Jahren wach geworden ist, uns anlächelte und spielen wollte. Ich kann mich noch gut viele Situationen erinnern.

Man freut sich zumindest später darüber, wenn die Kinder ihre Zähne schon (vernünftig) alleine putzen oder eigenständig duschen können.

Dennoch freue ich mich über Ihre Entscheidung, ein komplettes Schuljahr Elternzeit zu nehmen. Bei mir waren es leider nur 3 und 7 Monate (2010 / 203) bei unseren beiden Töchtern. War allerdings eine sehr schöne Zeit und hat in jedem Fall auch die Bindung gestärkt.

Ihre Belastungsfaktoren hätte ich auch (in Teilen) so erahnt.

Meine Tochter (6. Klasse Gymnasium) hält insbesondere per Mail Kontakt zu den LK. Man kann eigentlich durch die Bank sagen, dass man fast zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Antwort bekommt. Insgesamt ist die ganze Organisation „digitaler“. Vertretungsunterricht (APP), Essensbestellung…

Man bekommt also ein Gefühl dafür, dass die LK gedanklich immer im Dienst sind und flexibel auf alles mögliche reagieren (müssen)…

Wir stellen fest, dass viel Kommunikation zwischen den Lehrern und Schülern direkt läuft. Die Eltern sind bei uns nicht gut vernetzt und „stacheln“ sich daher auch nicht hoch. Der Elternvertreter ist allerdings auch sehr zurückhaltend. Uns kommt das aber entgegen.

Abschließend:
Ich gehöre definitiv nicht zu denjenigen, die daran zweifeln, dass man als engagierte LK zu wenig zu tun hat. Im Gegenteil…ich kann mir gut vorstellen, dass Sie und Ihre KuK gedanklich kaum abschalten können und Berufs- und Privatleben immer miteinander verknüpft sind. Mir geht es tatsächlich auch so. Viele Dinge nimmt man mit ins Bett und steht morgens damit wieder auf. Das zu erkennen und zu akzeptieren, ist wohl die größte Herausforderung.

Mir persönlich hilft es wenig, dass ich zwar formal eine 40 Stunden-Woche habe, ich gedanklich aber das ganze Wochenende schon eingeschränkt bin und sortiere, weil eine stressige Woche bevorsteht und Dinge auf mich warten, die ich nicht so gerne habe…

Manchmal ist es auch die „Art der Arbeit“, die belastender ist, als der reine Zeitansatz. Ich glaube, hier gibt es so manche Parallelen…

Über Ihre Ausführungen der Korrekturen durch „Mami“ musste ich schmunzeln… 🙂

Danke nochmals!

Für heute wäre ich dann durch…

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia

Ich muss noch ergänzen, dass ich trotzdem skeptisch bin, was diesen Schulversuch betrifft. Das ganze Thema ist sehr komplex. Aber wenn Noten von Grundschule
so unterschiedlich vergeben werden, dass es Familien, die von woanders herziehen oder wegziehen auffällt, dann haben sie eben keine allgemeingültige Aussagekraft mehr.

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia

Sorry, es muss heißen:
„….wenn Noten von Grundschule zu Grundschule so unterschiedlich vergeben werden, dass…..

Aleidis, von edlem Wesen
1 Monat zuvor

Der Trugschluss besteht ja darin, dass eine Schule ohne Noten keine Schule ohne Bewertung ist. Das gibt es ja einfach gar nicht. Immer gibt es auch eine Bewertung und immer sucht man ja auch danach. Ob das nun Bienchen, Kreuzchen, Wörter sind. Man will wissen, wo man steht, ob richtig oder falsch, gut oder schlecht. Schafft man Noten ab, bilden sich andere Äquivalente heraus. Dann gibt es das lächelnde, das neutrale, das traurige Gesicht und was nicht alles. Und was ist daran dann so wesentlich anders. Kinder wollen dann die lächelnden Gesichter haben und tun alles dafür und messen sich miteinander daran, wer wie viele „Lachgesichter“ bekommen hat. Man jagt dann den Plaketten, Wimpeln, Medaillen, Orden, Abzeichen, Smileys, positiven Beurteilungen nach………..

Cornelia
1 Monat zuvor

Kinder vergleichen sich auch ohne Noten. “ Emil kann schon viel besser lesen“, „Paula ist die Beste in Rechnen“, usw. Oft können sie sich selbst auch sehr gut einschätzen. Sie beobachten sehr viel, egal, ob sie für ihre Leistungen bewertet werden oder nicht. Die Frage ist halt, wie weit man das bei Grundschulkindern schon auseinanderdröseln muss durch zu viel Bewertung von außen.

Natürlich kann “ Wettbewerb “ auch anspornen, sich mehr Mühe zu geben. Er kann aber auch entmutigen, wenn ich trotz Mühe nichts erreiche. Oder manchen Schüler veranlassen, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen.

Stiefmütterchen
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia

Dass Kinder sich untereinander vergleichen, spricht aber nicht gegen, sondern für die Noten. Was Kinder beim Vergleichen feststellen, entspricht ja dem Worturteil einer Note: jemand ist danach sehr gut in etwas oder nur gut oder … Sie sagen das dann natürlich mit anderen Worten, aber es sind eben nur andere Worte für „sehr gut“, „gut“ usw.

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Stiefmütterchen

Das habe ich auch gar nicht gesagt, dass der Vergleich gegen Noten spricht. Sondern genau das, was Sie sagen und Aleidis, unterstreiche ich. Wenn man meine Kommentare genau durchliest, glaube ich, müsste man das erkennen.
Ich schreibe ja auch weiter oben, dass ich skeptisch bin, ob so ein Modellversuch wesentlich etwas ändert. Gerade weil dann die Schüler andere Wege finden, sich zu vergleichen.
Allerdings habe ich durch meine eigenen Kinder auch die Schattenseiten der Notengebung in der Grundschule sehr deutlich erfahren, und deshalb sehe ich manches mit anderen Augen an als der eine oder andere Pädagoge. Eines meine Kinder hat eine chronische Lungenerkrankung und hatte als Kind zeitweise eine Lungenfunktion von unter 50 Prozent. Es konnte sich sehr schlechte konzentrieren und deshalb kaum was im Kurzzeitgedächtnis merken, obwohl es eigentlich ein hervorragendes Gedächtnis hat. Man kann sich die Auswirkungen vorstellen. Die schlechtesten Noten, Klassenwiederholung, die erfahrene Lehrerin in diesem Jahr lernt im Laufe des Schuljahres sehr hilfreich mit ihm umzugehen, weil sie seine Stärken erkennt, der nächste Lehrer möchte das Kind auf die Sonderschule abschieben. Nur, wie soll es dann einen Abschluss schaffen?
Letztendlich kam unser Kind auf eine Hauptschule und machte anschließend den mittleren Bildungsabschluss. Hätte es das geschafft, wenn es auf die Sonderschule gekommen wäre?
Eines unserer anderen Kinder hat eine Rechtschreibschwäche, die auch diagnostiziert wurde. Das war vergleichsweise ein geringes, sehr isoliertes Problem. Und trotzdem: auch das sensibilisiert dafür, wie es vielen Grundschulkindern und ihren Eltern geht.
Wir kannten als Lehrerehepaar Möglichkeiten, unseren Kindern gerade noch rechtzeitig zu helfen ( die Zeit rennt nämlich davon,) wie viele Eltern kennen diese Möglichkeiten nicht?
Verschärft werden übrigens solche Probleme noch, wenn an einer Schule der Stoff sehr rasch durchgearbeitet wird wie es bei uns der Fall war, was ich unter anderem vom Beratungslehrer weiß.

Tom
1 Monat zuvor

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bewertungen gänzlich verschwinden. Die Klassenarbeiten und Vokabeltests dürften dennoch geschrieben werden. Man vergleicht die Soll- mit der Ist-Punktzahl und dann hat man die Dezimalnote.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Tom

Problem daran ist die rein rechnerische Bestimmung von Noten, der pädagogische Aspekt fehlt völlig.

Marie
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Seit wann gibt es denn in schriftlichen Arbeiten einen „pädagogischen Aspekt“?

Hirschlgruber
1 Monat zuvor

Ich frage mich, weshalb nun wieder dieses Thema durchgenudelt werden muss.

Sofern ich richtig informiert bin und meine Beobachtungen richtig sind, fehlen an fast allen Schulen in Baden-Württemberg Stunden, um den Lehrplan zu erfüllen. An meiner eigenen Schule wurden Stunden gekürzt, da es zu wenige Lehrkräfte gibt, an einer Schule meiner Kinder wurden Klassen aufgrund fehlender Kollegen zusammengelegt. In der weiterführenden Schule meiner anderen Kinder ist immer wieder Notprogramm wegen fehlender Kollegen und die Kinder sind sich selbst überlassen (eine Betreuungslehrkraft für mehrere Klassenzimmer).

In einer solchen Notsituation sollte man eigentlich alle Kräfte bündeln und so weit wie möglich auf Experimente die arbeitsintensiv sind verzichten.

Deshalb mein Appell an Frau Schopper: Hören Sie auf mit dieser „Headreckrädlerei“ (Hühnerkackeschneiderei) auf und kümmern sich um die wirklich wichtigen Dinge, wie beispielsweise den Gesundheitsschutz im Herbst, damit der Unterricht gesichert ist.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

@Hirschlgruber

Von mir gibt’s den grünen Daumen.

Und ein „Dankeschön“, weil ich 2 (bzw. 3) neue Wörter lernen konnte:
1) Headreckrädlerei
2) Hühnerkackeschneiderei
3) Betreuungslehrkraft.

Betreuungslehrkraft“ hat mir am besten gefallen …
Aber jetzt frage ich mich bestimmt den Rest des Tages, ob das so ist wie bei der Zutatenliste von Lebensmitteln:
Wovon man am meisten drin findet, das muss auch zuerst aufgeführt sein!
??? 😉

Dreamghost
1 Monat zuvor

Mal wieder von vorne bis hinten nicht durchdacht. Grundschule ohne Noten, ok. Und dann an den weiterführenden Schulen? An welxhe Schule kommt das Kind, welche wird ihm gerecht? „Notenschock“ dann in Klasse 5 oder Gymnasium ohne Noten bis Klasse 9,10,11,…? Statt Abitur ein Teilnahmezertifikat? Wo kommt die extrinsische Motivation her, wenn es mit der intrinsischen nicht klappt?
Ja unser Schulsystem gehört reformiert (generalsaniert) Aber das erfordert ein GESAMTkonzept von Klasse 1 bis Abschluss. Aber das unsere Politiker nur max Zeiträume von vier Jahren (Grundschulzeit und Legislaturperiode) überblicken können wissen wir ja.

Last edited 1 Monat zuvor by Dreamghost
jagothello
1 Monat zuvor

Eltern, geschweige denn Schüler nehmen differenzierte Rückmeldungen kaum zur Kenntnis und sie überfordern sie auch. Leistungsstarke Kinder profitieren wohl noch am ehesten. Abgesehen davon sind solche Formate für viele Lehrer an vielen Stellen sowieso Standard. Bleibt bei dem klaren Rückmeldesystem!

GriasDi
1 Monat zuvor

So lange es Prokrastination gibt, wird es Bulimie-Lernen geben. Viele Menschen erledigen ihre Aufgaben halt mal auf den letzten Drücker, warum sollte es beim Lernen anders sein? Ich glaube nicht, dass es Lehrkräfte gibt, die ihren SchülerInnen verbieten kontinuierlich ihre Aufgaben zu machen.