Hohe Vakanzen: Warum sich nicht genügend Kandidaten für Schulleitungen finden lassen

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DRESDEN. Der Schulleiter-Job ist für viele Lehrer offensichtlich keine erstrebenswerte berufliche Perspektive. Vor allem bei den Grundschulen fehlt die Entlastung, obwohl die Aufgaben wachsen.

Schulleitungen, gerade an Grundschulen, sind häufig mit einer Vielzahl an Aufgaben auf sich allein gestellt. Foto: Shutterstock.

Viele Schulen in Deutschland müssen weiter ohne einen regulären Schulleiter auskommen. Beispiel Sachsen: Wie das Kultusministerium auf Anfrage mitteilte, waren Anfang Februar an den 1391 öffentlichen Schulen 72 Stellen von Schulleitern und 105 Stellvertreterposten vakant. Im August 2021 waren die Zahlen mit 71 fehlenden Schulleitern und 124 Stellvertretern ähnlich.

«Die Zahlen sind durch Nachbesetzungen, aber auch durch Ausscheiden aus dem Dienst immer im Fluss», sagte eine Ministeriumssprecherin. Trotz unbesetzter Stellen sei aber keine Schule ohne Leitung. In solchen Fällen werde der stellvertretende Schulleiter oder eine andere Lehrkraft mit den Leitungsaufgaben beauftragt. Mit 45 Leiter- und 66 Stellvertreterstellen entfällt der größte Teil auf die 752 Grundschulen.

„Die Schulleitungen sind meist der Dreh- und Angelpunkt. Die Weiterentwicklung der Schule bleibt sonst auf der Strecke“

Die sächsische Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Uschi Kruse, kann gut verstehen, weshalb nicht viele Lehrer Schulleiter werden wollen. Das sei mit Mehrbelastungen verbunden, eine Reduzierung der Stundenzahl vor den Schulklassen sei im Gegenzug kaum möglich. Dazu seien die Lehrerkollektive meist zu klein. Zudem seien viele der Lehrer an den Grundschulen Frauen, die selbst noch Kinder hätten und zu Hause eingespannt seien.

Mit der Übernahme einer Schulleitung gehe eigentlich auch ein Wechsel der Schule einher, sagte die Gewerkschafterin. «Sie müssten sonst über ihre Kollegen urteilen, mit denen sie zuvor Freud und Leid geteilt haben. Das macht niemand gern.» Kruse zufolge sollte das Ministerium darüber nachdenken, wie die Aufgaben des Schulleiters an Grundschulen geteilt werden könnten. «Dazu gibt es Konzepte.»

Von fehlenden 10 Leitern und 13 Stellvertretern sind die 289 Oberschulen des Landes betroffen. Die Aufgaben dort seien noch deutlich größer, sagte Kruse. Dort spielten verstärkt Fragen wie Armut, Migration, Integration, auch Kriminalität eine Rolle. Die Einstellung von Schulassistenten zur Entlastung der Schulleiter könne da der richtige Weg sein.

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Laut Ministerium ist in dem Haushaltsentwurf der kommenden zwei Jahre vorgesehen, 453 befristet eingestellten Schulassistenten nun dauerhaft zu übernehmen. «Damit werden dauerhaft Lehrkräfte und Schulleitungen entlastet», sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). «Sie können sich besser auf ihre Kernaufgaben konzentrieren.» Zudem sollen zusätzlich 730 Lehrer eingestellt werden und die Zahl der geplanten Lehrerstellen damit von 31.000 auf 31.420 im Jahr 2023 und 31.730 im Jahr 2024 steigen. Das Problem ist allerdings der Lehrkräftemangel – und die damit verbundene Frage, ob die Stellen auch tatsächlich besetzt werden können.

Eine Vakanz an der Spitze sei zum Nachteil der ganzen Schule, sagte die Sprecherin des Landeschülerrates, Hannah Lilly Lehmann. «Die Schulleitungen sind meist der Dreh- und Angelpunkt.» Diese sollte sich um die Weiterentwicklung der Schule kümmern wie den digitalen Unterricht oder die Beantragung zusätzlicher Ressourcen. «Das bleibt auf der Strecke, wenn die Stelle unbesetzt ist.»

„Die Schulleiter müssen aus den Schulen heraus wachsen, sie sollten zuvor Lehrer gewesen sein“

Die Linke im Landtag wollte im Parlament erreichen, dass die Schulleitung als ein eigener Beruf gelten soll. «Sonst werden sich langfristig nicht genug Lehrkräfte finden, die diese Aufgabe übernehmen», begründete die bildungspolitische Sprecherin, Luise Neuhaus-Wartenberg, den Vorstoß. Der Antrag scheiterte, fand aber auch bei den Lehrervertretern wenig Fürsprache. «Die Schulleiter müssen aus den Schulen heraus wachsen, sie sollten zuvor Lehrer gewesen sein», sagte der stellvertretende Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes, Michael Jung.

Aus Sicht des Landeselternrates muss es neben der Besetzung der vakanten Leiterstellen auch darum gehen, die Schulleitungen zu qualifizieren. «An nicht wenigen Schulen sind die Leitungen kaum teamfähig», sagte der stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrates, André Jaroslawski. Es sei nicht so selten, dass Schulleitung und Lehrer nicht gut zusammenarbeiteten und etwa die Mitwirkung der Elternvertreter nicht gewünscht sei.

Auch das dürfte potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten für die Führungsposition an Schulen abschrecken: Schulleitungen sitzen schon qua Amt zwischen allen Stühlen. News4teachers / mit Material der dpa

Schulleitung werden? Och nö! Warum so viele Lehrkräfte abwinken (und wieso jede fünfte Schulleitung aussteigen will)

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11 Kommentare
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Dil Uhlenspiegel
6 Monate zuvor

«Die Schulleitungen sind meist der Dreh- und Angelpunkt.»
Cool, na dann: tipp, tipp, tipp …

Liebes Kulturmysterium,

ich hab ja schonmal vor Paar Monaten geschriebn, das ich den Job als Schulleiter machen kann. Das giltet fei immer noch und für Mama ist es oke. Ich kann auch gut am Rad drehen (sagt Fraulau immer) und angeln wollte ich schon immermal probihren. Schreiben Sie mir gern, ich kann jeder Zeit loslegen: dil-rex-gallinarii@putput.de

Bis bald dann,
Dil

Andre Hog
6 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Antwort auf deine Bewerbung ist bereits raus!!

LG 😉

GriasDi
6 Monate zuvor

Schulleitung als eigener Beruf? Dafür wäre wohl Geld da. Aber nicht für Entlastungsstunden für die jetzigen SchulleiterInnen. Dafür wäre sicher ein „hochqualifizierter“ BWLer vorgesehen, der so viel kostet wie 3 LehrerInnen aber dafür halb soviel arbeitet wie eine/einer und zudem noch nie vor einer Klasse stand.

Last edited 6 Monate zuvor by GriasDi
Carsten60
6 Monate zuvor

Zu den Aufgaben von Schulleitungen gehören verstärkt „Armut, Migration, Integration, auch Kriminalität“.
Daran sieht man doch den ganzen Irrsinn: Zuständigkeit ohne die entsprechenden Kompetenzen. Was sollen Schulleiter denn nun hinsichtlich dieser vier genannten Punkte machen? Sie können darüber diskutieren, viel mehr nicht. Sie können bei Problemen auch systematisch beschwichtigen, das passiert vermutlich oft.
Wieder mal die Frage. Ist das bei den PISA-Siegern eigentlich auch so? Manchmal glaube ich, ich bin „im falschen Film“.

HeulLeise
6 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Dann auch dir doch nen anderen Job, wenn du mit der Realität nicht klar kommst. Und hör auf hier Rum zu heulen. Unerträglich!

Andre Hog
6 Monate zuvor
Antwortet  HeulLeise

Hallo HeulLeise…
Versuche es doch mal mit einem Basis-Kurs „Rechtschreibung, Satzbau und Zeichensetzung“ an der örtlichen VHS.

WER LESEN UND SCHREIBEN KANN IST STETS IM VORTEIL!

Dil Uhlenspiegel
6 Monate zuvor
Antwortet  HeulLeise

auchen (inf.) – ich auche, du auchst, er/sie/es aucht, wir auchen, ihr aucht, sie auchen.; Imperativ: Auch! Oder auch: Auche!

Übrigens eine famose Fähigkeit Rum zu heulen, ich hoffe sauber versteuert versteht sich.

kopfschüttler
6 Monate zuvor

und auch hier gilt das Motto staunen-und-wundern, denn auch wenn es zu wenige Bewerber für Schulleitungsstellen gibt, sind die Verfahren zur Stellenbesetzung so intransparent und langwierig, dass man es angesichts der Notsituation nicht verstehen kann. Eine Freundin von mir hat sich vor 2 Jahren auf eine Schulleitungsstelle beworben. Es war klar, dass sie die Stelle kriegen wird. Dieses Verfahren hat ein halbes Jahr gedauert, aber auch wenn das für beiden Seiten (die neue Schule, die in der Zeit schon länger ohne Schulleitung war und für meine Freundin, die an einer anderen Schule gearbeitet hat) Geduld gekostet hat, alle haben sich gefreut, sowohl meine Freundin, als auch die neue Schule. Und dann war Geduld gefragt, es hat jetzt 1,5 Jahre gedauert, bis meine Freundin jetzt nach den Sommerferien endlich ihre Stelle antreten darf! Die Stelle war in der Zeit vakant und musste vom Kollegium ausgefüllt werden – natürlich ohne mehr Geld oder Zeitreserve. In der Zeit war meine Freundin an einer anderen Schule und musste aus der Ferne mitansehen, wie die Motivation ihres neuen Kollegium im Lauf der Monate durch die zusätzliche Belastungssituation sich nicht zum Guten gewandelt hat. Wenn sie jetzt startet muss sie sehen, wie sie dieses Kollegium wieder aufbaut und muss mit einem hohen Krankenstand erst mal leben, denn der Stress der letzten Monate ist an dem Kollegium nicht folgenlos vorbei gegangen!

Dil Uhlenspiegel
6 Monate zuvor
Antwortet  kopfschüttler

Und die Dame wird über die Sommerferien nicht entlassen, bevor sie die SL-Tätigkeit aufnimmt? Ungewöhnlich …

kopfschüttler
6 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Stimmt, da hat sie ja voll Glück. Das sage ich ihr nachher gleich, dann freut sie sich doch wieder etwas mehr. Es hätte ja auch noch schlimmer sein können …

Palim
6 Monate zuvor

Vielleicht müsste man die Aufgaben der unbesetzten SL-Stellen einfach mal nach oben delegieren, statt unentgeltlich dem Kollegium aufzuhalsen.

Es gibt doch eine Menge Menschen in den Behörden, die die Aufgabe einer SL schon übernommen hatten und qualifiziert sind, sodass sie die Aufgaben zusätzlich zu den derzeitigen übernehmen können.