Zu viele: Land verabschiedet sich von der sofortigen Integration der Flüchtlingskinder

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Fast 150.000 Kinder aus der Ukraine müssen in Deutschland beschult werden – Tendenz steigend. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

An Mecklenburg-Vorpommerns Schulen werden aktuell rund 5500 Flüchtlingskinder aus der Ukraine unterrichtet. Damit stellen sie fast die Hälfte aller ausländischen Schüler, wie aus einer Mitteilung des Schweriner Bildungsministeriums vom Sonntag hervorgeht. «In Mecklenburg-Vorpommern werden derzeit über 12.000 Schülerinnen und Schüler aus knapp 130 Nationen unterrichtet», erklärte Ministerin Simone Oldenburg (Linke).

In den letzten zwei Monaten stieg die Zahl ukrainischer Schülerinnen und Schüler in MV um rund 1000. Insgesamt hat MV derzeit mehr als 160.000 Schüler.

Wer seit Beginn dieses Schuljahrs Mitte August aus dem Ausland an eine Schule in MV kommt, wird grundsätzlich in sogenannten Vorklassen unterrichtet. In diesen jahrgangsübergreifenden Klassen mit vier Stunden Unterricht pro Tag steht das Deutschlernen im Mittelpunkt. Die Kinder sollen nach früheren Angaben des Ministeriums ein bis zwei Jahre dort bleiben.

Als Grund für das neue Vorgehen gilt eine Überforderung der Lehrer, eine größere Zahl von Kindern ohne Deutschkenntnisse von Anfang an gemeinsam mit deutschsprachigen Kindern zu unterrichten. Als Reaktion auf die Fluchtbewegung aus der Ukraine seien in diesem Schuljahr an 66 Schulen 95 Vorklassen mit derzeit 1200 Kindern und Jugendlichen eingerichtet worden, erklärte Oldenburg.

Der Landesflüchtlingsrat hatte die Einrichtung der Vorklassen kritisiert. MV verlasse damit den vorbildlichen Weg, Kinder von Anfang an nach und nach in den allgemeinen Unterricht zu integrieren.

Jedes geflüchtete Kind werde unterrichtet, auch künftig, versicherte Ministerin Oldenburg. An Schulen mit Kapazitäten im gemeinsamen Unterricht erfolge auch gemeinsamer Unterricht. Aktuell gebe es landesweit 63 externe Vertretungskräfte zur Unterstützung der Flüchtlingskinder. In Kitas, Horten und bei Tagesmüttern werden den Angaben zufolge derzeit mehr als 600 geflüchtete Kinder betreut. News4teachers / mit Material der dpa

Flüchtlingskinder: Besuch einer „Willkommensklasse“ führt zu deutlich schlechteren Leistungen als die sofortige Integration

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16 Kommentare
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Ron
12 Tage zuvor

Welcher Lehrer kann auch im Regelunterricht fünf ukrainische Flüchtlingskinder mal eben so mitbetreuen? Dies insbesondere, weil manche traumatisiert sind, um Angehörige fürchten oder diese bereits verloren haben, nicht mal westeuropäische Buchstaben kennen und auch das Englisch nur in Ausnahmefällen beherrschen.

KaGe
12 Tage zuvor
Antwortet  Ron

Das kann keiner.

Es wird leider keine Rücksicht drauf genommen. Neben den ukr. Kinder kommen ja auch noch die geflüchtete Kinder von überall dazu, die. Erst unsere Schrift lernen müssen. Bei uns in der Schule gibt es ein weiteres Problem. Es fehlen schlichtweg Tische und Stühle. In die Klassen passen die zusätzlichen Möbel kaum mehr rein. Ein Lehrerpult ist zu einem Luxusgut geworden, das ist als erstes zum Opfer gefallen.

mama51
11 Tage zuvor
Antwortet  Ron

Oooooch,

„da stellen wir einfach Mal 5 Stühle dazu!“ (Ironie, vorsicht!)…
Ach, das funktioniert nicht? Na, sowas aber auch! ÜBERRASCHUNG!

Mir tun die KuK vor Ort herzlich Leid!

auchdasnoch
12 Tage zuvor

Endlich mal ein Bundesland, das den Mut hat, auf die Realität zu reagieren! So wie es sonst so läuft, geht der Unterrichtsbetrieb zu Lasten der integrierten Kinder, der Schüler allgemein und der Kollegen!

AlexB
11 Tage zuvor

Ich bin ein Freund der Integration – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Aber schon ein einzelnes „Nullsprachler“-Kind in der Klasse kann das ganze System sprengen, das habe ich selbst schon mehrfach erlebt. Denn wie nimmt das (eventuell traumatisierte) Kind im Grundschulalter Kontakt zu den anderen auf? Oftmals auf erst einmal unangemessene Weise, laut und wild, unruhig – oder gar nicht.Wie nimmt die Lehrkraft Kontakt auf?

Sinnvoll wäre ein Hybridsystem, aber dafür fehlt das Personal. Insofern kann ich es absolut nachvollziehen, wenn im geschilderten Fall anders verfahren wird.

Eine Mutter
11 Tage zuvor
Antwortet  AlexB

Hybridsystem wird bei uns gemacht.
Kind 1 und Kind 2 haben zusätzlich alleinigen Deutschunterricht, wenn die Klasse regulären Deutschunterricht hat. Während des weiteren Unterricht zusammen mit der Klasse, ist folgendes zu sehen:
Kind 1 liegt über dem Tisch und schaut Videos aus der Heimat.
Kind 2 sitzt ordentlich am Tisch und ist übermüdet. Denn beide Kinder haben am Nachmittag noch Online-Unterricht aus der Heimat. Spricht man Kind 1 an, das Handy dient nur zur Notübersetzung, fängt es an zu weinen. Kind 2 fehlt sehr oft, da es physisch und körperlich am Ende zu sein scheint.
Beide Kinder sind, trotz intensiven Bemühungen, wenig integriert.
Kind 1 schiebt alle Schuld der Schule und Mitschüler zu.
Kind 2 sagt überhaupt nichts.

Eine Mutter
11 Tage zuvor
Antwortet  AlexB

PSYCHISCH und PHYSISCH, am Ende, sollte es heißen.

Lisa
11 Tage zuvor

Die ukrainischen Kinder an meiner Schule verfolgen zusätzlich zum Unterricht in Deutschland den Onlineunterricht in der Ukraine und sitzen deshalb oft bis spät in die Nacht an den Hausaufgaben. Angesichts der belastenden Lebensumstände, mit denen sie sich konfrontiert sehen, muss dies unweigerlich zu einer Überlastung führen. Mal ganz abgesehen davon, dass es eine Integration in Deutschland erschwert (die Nerven liegen blank, es bleibt keine Zeit für Hobbys und Freunde). Ich fände es wichtig, auch diesen Aspekt zu beleuchten.

Doris
11 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Ich unterrichte seit Ostern an einem niedersächsischen Gymnasium ukrainische Kinder in Deutsch als Fremdsprache. Ich unterrichte dort als freiberufliche Mitarbeiterin eines Bildungsträgers, der eine Kooperation mit dem Gymnasium geschlossen hat. Ich habe zuvor Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus allen möglichen Herkunftsstaaten in unterschiedlichen Kursformaten unterrichtet.

Im Gegensatz zu Kindern aus dem nahen und mittleren Osten oder aus Afrika haben die meisten ukrainischen Schüler eine deutlich bessere Vorbildung. Allerdings sind die Unterschiede zwischen gleichaltrigen Schülern teilweise enorm. So sprechen einige 12- und 13jährige schon erstaunlich gut Englisch, aber die Hälfte der 15- und 16jährigen spricht gar kein Englisch. Wie ich erfahren habe, gibt es keinen national oder regional abgestimmten Lehrplan, sondern jede Schule setzt ihre Schwerpunkte selbst.

Obwohl die ukrainischen Schüler eine bessere Vorbildung haben, alle Schulbücher kostenlos zur Verfügung gestellt werden und in allen 3 ukrainischen DaZ- Klassen neben einer ausgebildeten Fachkraft eine studentische Hilfskraft zur Verfügung steht, ist der Wille Deutsch zu lernen gering. Das liegt in erster Linke daran, dass die Schüler glauben, sie seien spätestens im Frühling wieder in der Ukraine. Sie sehen daher wenig Sinn darin, sich hier anzustrengen.

Der online- Unterricht aus der Ukraine hatte vor den Sommerferien den Umfang von einer Stunde täglich. Mittlerweile verlangen einige ukrainische Lehrer aber angeblich die Anwesenheit morgens vor dem Bildschirm und zwar mit eingeschalteter Kamera, um die Schüler kontrollieren zu können. Da die Schüler aber auch Anwesenheitspflicht in der deutschen Schule haben, ist es ein politisches Versagen der Kultusminister und den zuständigen ukrainischen Stellen, dass es hier keine klare Regelung gibt.

Ich muss aber – trotz meines Mitleids mit den ukrainischen Schülern – sagen, dass ich ihr Verhalten im Unterricht ganz überwiegend sehr disziplinlos und respektlos finde. Sie sind sehr laut, bringen häufig ihre Unterrichtsmaterialien nicht mit, machen keine Hausaufgaben und spielten so häufig mit ihren Handys, dass ich mich gezwungen sah, sie vor der Stunde einzusammeln.

Ich habe ein derartiges Verhalten in meinen anderen, gleichaltrigen DaZ- Klassen noch nicht erlebt. Von meinen DaZ- Kollegen höre ich dasselbe und auch die Fachlehrer sind bereits an mich herangetreten, um sich zu erkundigen, ob sich die Schüler auch bei mir so verhalten würden. Wir DaZ- Lehrer an meinem Gymnasium finden es vor diesem Hintergrund besonders falsch, dass den ukrainischen Flüchtlingen alle Hilfsangebote viel unbürokratischer und schneller zuteil werden als Flüchtlingen aus anderen Herkunftsländern.

Denn unser Eindruck ist, dass sich bei den ukrainischen Flüchtlingen eine Art Anspruchshaltung herausgebildet hat. Sie glauben, dass es sich um Angebote handelt, die sie annehmen oder ablehnen könnten.

Dass Schulunterricht auch in Deutschland einen höflichen und respektvollen Umgang und ein Mindestmaß an Disziplin erfordert, scheint ihnen egal zu sein. Selbst Eltern rufen mitten im Unterricht ihre Kinder an, um Dinge mit ihnen zu regeln – woran man sieht, dass auch die Eltern den Deutschunterricht für entbehrlich und lästig halten.

Sie erkennen gar nicht, dass der Deutschunterricht eine zusätzliche Leistung des deutschen Staates ist und eine große Chance auf Bildung und Ausbildung auch für eine Zukunft in der Ukraine bietet.

Durch das disziplinlose Verhalten im Fachunterricht werden die nicht- ukrainischen Schüler im Unterricht sehr behindert. Da außerdem kaum noch Räume zur Verfügung stehen und der DaZ- Unterricht an meiner Schule schon in provisorisch hergerichteten Nebenräumen wie dem Sammelraum für Atlanten, Duden etc, dem Schulsanitätsraum, Besprechungszimmern etc stattfindet, wäre es wahrscheinlich am sinnvollsten, man würde den Ukrainern die Teilnahme am deutschen Fachunterricht erlassen und stattdessen Nachweise der ukrainischen Fachlehrer anfordern, dass ein in Deutschland wohnendes ukrainisches Flüchtlingskind regelmäßig dort am Onlineunterricht teilnimmt.

Dann würde der Unterricht im deutschen Fachunterricht wenigstens nicht durch gelangweilte ukrainische Schüler gestört, die kein Wort verstehen und auch keins verstehen wollen.

DerDip
11 Tage zuvor
Antwortet  Doris

Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung Ihrer Erfahrungen aus Ihrem Schulalltag. Allerdings muss die Schlussfolgerung m. E. sein, dass Kinder, die hier Zuflucht finden, den deutschen Schulunterricht und unsere Maßstäbe an die erste Stelle setzen. Anderenfalls wird es zwangsläufig zu weiteren Parallelgesellschaften kommen. Meines Erachtens kann die Politik dies auch ganz leicht durchsetzen indem es als Bedingung für die nächsten finanziellen und militärischen Unterstützungsleistingen an die Ukraine im Gegenzug einfordern von dem ukrainischen Behörden einfordern, das das deutsche Schulsystem für hier untergekommene Kinder Vorrang haben muss. Lediglich der ukrainische Sprachunterricht wäre dann online nötig.
Die Hoffnung der ukrainischen Kinder, bald nach Hause zu können, ist nachvollziehbar, aber leider nicht gerade wahrscheinlich. Mit jedem Monat, den sie länger hier bleiben, werden sie das auch immer mehr einsehen.

Nick
10 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

Entschuldigung, aber das ist doch sehr naiv.

DerDip
10 Tage zuvor
Antwortet  Nick

Naiv ist insbesondere anzunehmen, dass sich das Problem von alleine löst. Es gibt viele Möglichkeiten, Dinge zu erzwingen. Die Politik und die Behörden müssen ihre Möglichkeiten aber auch nutzen…

Nick
10 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

Dann fangen Sie doch mal bei Ihrem letzten Satz an…

mama51
10 Tage zuvor
Antwortet  Nick

@ Nick
…aber sinnvoll!

Nick
10 Tage zuvor
Antwortet  Doris

Ist an Ihrem Gymnasium der nahtlose Übergang aus den DaZ-Klassen in die Regelklassen der Schule vorgesehen? Die Schülerschaft erscheint mir mit im Alter von 12ff. doch schon weit fortgeschritten.

Lisa
10 Tage zuvor
Antwortet  Doris

Meine Erfahrungen ähneln denen von Doris (besonders beim Thema Handy).

Auf news4teachers konnte man schon zu Beginn der Flüchtlingswelle lesen, dass ranghohe ukrainische Diplomaten dafür plädierten, die Kinder aus der Ukraine in Deutschland ausschließlich mit Onlineunterricht aus ihrer Heimat zu beschulen. Begründet wurde dies – ganz offiziell – mit der angeblichen Unterlegenheit der deutschen Schulen. Kein Wunder also, dass es jetzt oft an Wertschätzung, Motivation und Disziplin mangelt.

In Bezug auf den Umgang mit dem Onlineunterricht as der Ukraine fehlt bisher eine klare Stellungnahme der Entscheidungsträger in Deutschland: Einerseits sollen die Kinder ins deutsche Schulsystem integriert werden, andererseits wird auch die Teilnahme am Onlineunterricht gefördert (manche Kinder ziehen sich während des Fachunterrichts in Nebenräume zurück um an Videokonferenzen teilzunehmen, viele Lehrer verzichten aus Rücksicht auf den Onlineunterricht auf Hausaufgaben, die Schüler melden sich immer wieder krank, weil sie sonst den Onlineunterricht nicht schaffen u.s.w.). All das wird toleriert. Die Kinder aber zerbrechen trotzdem an der Doppelbelastung.

Was fehlt, ist eine klare Stellungnahme für oder gegen den Onlineunterricht und zwar von offizieller deutscher Seite.

Wie DerDip würde ich persönlich mich gegen den Onlineunterricht aussprechen. Es wird immer wieder vorkommen, dass die Kinder von Gastarbeitern, Arbeitsmigranten und Geflüchteten aus aller Welt Onlineunterricht aus ihrer Heimat der Integration in eine deutsche Schule vorziehen würden, aus welchen Gründen auch immer. Das dürfen wir auf keinen Fall zulassen. Wo bliebe sonst die Qualitätskontrolle der Online-Schulen? Was ist mit den sozialen Bedürfnissen der Kinder? Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt?…?