Lehrermangel! „Es kommt zunächst mal darauf an, die Bestandslehrkräfte im Beruf zu halten“ – Philologen-Chefin Lin-Klitzing im Interview

24

BERLIN. In der kommenden Woche läuft in Stuttgart die Bildungsmesse didacta 2023. Mit dabei: Die Bundesvorsitzende des Philologenverbands Prof. Susanne Lin-Klitzing. Wir sprachen mit ihr im Vorfeld den Lehrermangel und das, was Gutachter im Auftrag der KMK dagegen vorschlagen, über Entlastungsmöglichkeiten (wie die Frage, ob Korrekturen nicht auch von Externen geleistet werden könnten) und über die Digitalisierung – bis hin zu dem Punkt, was KI für die Schulen bringen wird.

Im Amt bestätigt: Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

News4teachers: Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der KMK hat unlängst eine Vorschlagsliste vorgelegt, wie dem Lehrermangel begegnet werden sollte – von Mehrarbeit, über Hybridunterricht bis hin zu größeren Klassen. Aus Ihrer Sicht ein Instrumentenkasten aus dem Folterkeller?

Lin-Klitzing: … ein Instrumentenkasten, der überhaupt nicht an der Schulrealität und den Aufgaben, die Lehrkräfte Tag für Tag zu erledigen haben, ansetzt. Also von daher: eine Fehlorientierung. Um es konkret zu machen: Es gibt eine Menge an Aufgaben, die Lehrkräfte erledigen müssen, obwohl sie mit Unterricht nichts zu tun haben. Sie müssen abfragen, ob Kinder gegen Masern geimpft sind. Sie müssen IT-Zugänge für ihre Schülerinnen und Schüler erstellen. Sie müssen Klassenfahrten durchführen, planen, organisieren und dann auch noch abrechnen. Es gäbe viele Möglichkeiten, Lehrkräfte von unterrichtsfernen Tätigkeiten zu entlasten. Das aber nicht, um sie anschließend nur mit noch größeren Klassen oder Mehrarbeit zu belasten, wie von der SWK vorgeschlagen, sondern grundsätzlich.

Stattdessen: Verhaltensprävention. Nach dem Motto: Üben Sie mal ordentlich Achtsamkeit, dann geht es Ihnen besser. Uns geht es aber darum, dass sich an den Umständen etwas ändern muss. Nicht nur Verhaltensprävention, sondern auch Verhältnisprävention ist notwendig! Übrigens auch in Punkto Gesundheit. Jeder normale Arbeitnehmer bekommt regelmäßig den arbeitsmedizinischen Dienst in sein Büro geschickt, der guckt: Wie ergonomisch ist die Sitzhaltung? Wie ist die Qualität des Mobiliars? Wie ist das Licht? Schauen Sie mal in die Klassenzimmer oder in die Lehrerzimmer. Da sehen Sie fast nirgendwo eine vernünftige Ausstattung zum Arbeiten. Auch das belastet, wird aber nicht angesprochen.

AixConcept auf der didacta

Prof. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands, ist im Interview live auf der didacta zu erleben – am 8. März um 14.15 am Stand von AixConcept, dem IT-Dienstleister für Schulen.

Live-Gespräche mit Praktikerinnen und Praktikern aus Schule und Verwaltung, Produkt-Präsentationen und ein innovatives Unterrichtsformat – AixConcept bietet auf der didacta 2023 in Stuttgart ein pralles Info-Programm rund um die Digitalisierung der Schulen. Prominente Gäste haben sich angesagt: neben Prof. Lin-Klitzing der Ehrenpräsident des Didacta-Verbands Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, der Bundesvorsitzende des Deutschen Realschulllehrerverbands VDR Jürgen Böhm, sowie Cornelia Schneider-Pungs, Teamleiterin für den Schulbereich von Microsoft Deutschland.

Hier geht es zum vollständigen Standprogramm von AixConcept: https://aixconcept.de/didacta-2023/

Besuchen Sie uns! Halle 1 (L-Bank Forum) | Stand 1-F13

News4teachers: Schönere Lehrerzimmer reichen aber doch wohl nicht aus, um den Lehrermangel zu kompensieren?

Lin-Klitzing: Nein, natürlich nicht. Dennoch muss der Arbeitsplatz Schule ein guter Arbeitsplatz sein. Nur dann ist er auch gesunderhaltend für die Lehrkräfte, die im Schuldienst sind. Und attraktiv für die, die zukünftig kommen sollen. Es kommt nämlich nicht nur darauf an, neue Kräfte zu gewinnen, Quer- und Seiteneinsteiger, die bestqualifiziert werden müssen. Es muss ein wesentliches Anliegen sein, die Bestandslehrkräfte wenigstens bis zur regulären Pensionsgrenze bzw. bis ins reguläre Renteneintrittsalter in ihrem Beruf zu halten. Diese sind erfahren und fachlich qualifiziert. Das ist nicht nur, aber besonders in den ostdeutschen Ländern wichtig, in denen der Lehrkräftemangel am stärksten ist und viele Kolleginnen und Kollegen demnächst 40 Jahre im  Dienst sind. Wenn diese mit derselben Besoldungsgruppe in den Schuldienst einsteigen, also beispielsweise E 13 oder A 13Z, mit der sie dann 40 Jahre später wieder rausgehen, wenn zudem noch die Arbeitsbedingungen schlecht sind, dann motiviert das eben nicht, im Dienst zu bleiben – sondern eher auszuscheiden. Deshalb lautet unser Plädoyer an die Kultusminister und -ministerinnen, mehr für die Bestandslehrkräfte zu tun, um sie im System zu halten. Und dafür dann doch noch die eigentlich längst überfällige Beförderung umzusetzen.

News4teachers: Ältere Lehrkräfte motivieren – auch über den Pensionseintritt hinaus?

Lin-Klitzing: Das ist noch eine andere Baustelle. Wir treten dafür ein, dass der Zuverdienst für Lehrkräfte, die gerne länger arbeiten wollen, nicht auf die Pension oder Rente angerechnet wird. Erfahrene, ältere Kolleginnen und Kollegen können für die Schulen enorm wichtig sein. Ihnen den Zuverdienst auf die Pension anzurechnen und ggf. dann die Pension deshalb noch zu kürzen, wie einige Länder dies tun, ist kontraproduktiv.

News4teachers: Angesichts der Dimension des prognostizierten Lehrermangels: Muss man nicht auch an die Arbeitsabläufe in Schulen heran? Konkret gefragt: Gerade an Gymnasien wird immens viel Zeit für Korrekturen aufgewendet. Muss das sein? Lassen sich Korrekturen nicht arbeitsteilig organisieren und damit ökonomischer gestalten, womöglich auch an Externe geben?

Lin-Klitzing: Gute Frage. Was ich mir vorstellen kann, ist zunächst mal eine vernünftige Überlegung dahingehend, wie lang Klausuren eigentlich sein müssen. Wir haben relativ lange Klausurschreibzeiten. Und dementsprechend viele beschriebene Blätter gilt es dann zu korrigieren, etwa bei Deutschkorrekturen oder den Korrekturen im Abitur. Hier ist unser Bestreben tatsächlich, auf eine einheitliche Prüfungszeitdauer zu kommen, die gegebenenfalls auch tatsächlich begrenzt wird. Damit wäre der Korrekturaufwand schon etwas geringer. Ich kann mir auch vorstellen, das ist aber noch Zukunftsmusik, dass auch KI dazu genutzt werden könnte, bestimmte Korrekturtätigkeiten zu übernehmen – bis zu einer bestimmten Grenze jedenfalls.

„Wir brauchen auf jeden Fall einen Digitalpakt 2.0. Wir brauchen eine verstetigte Finanzierung“

Was Sie ansprechen, im Team zu korrigieren, das kann ich mir eigentlich nicht so gut vorstellen. Wir haben ja die Regel: Wer lehrt, prüft auch. Ich korrigiere meine Klausuren und meine Arbeiten selber, weil der Erwartungshorizont, den die Schülerinnen und Schüler von mir kennen, ja von mir auch berücksichtigt wird. Wenn das mit wechselndem Korrekturpersonal geschieht, bin ich mir nicht sicher, ob das tatsächlich im Interesse der Schülerinnen und Schüler ist.

Zum Vorschlag der SWK, dafür Studierende einzusetzen, würde ich sagen, das ist nett gemeint, aber rechtlich nicht zu Ende gedacht. Wer übernimmt denn dann die Verantwortung für die Notenvergabe? Angesichts der gesellschaftlichen und politischen Aufmerksamkeit für Noten-Zeugnisse kann ich mir kaum vorstellen, dass man mit einem wohlgefälligen Auge draufblickt, wenn die Noten möglicherweise schlecht ausfallen. Sondern ich glaube eher, dass das gerade von Eltern sehr kritisch angeschaut würde. Zu Recht.

News4teachers: Sie haben eben das Stichwort KI schon selbst genannt. Müssen wir nicht auch grundsätzlich mal zu anderen Formaten kommen, um das Leistungsniveau von Schülerinnen und Schülern feststellen zu können? Weg von der Bewertung, hin zur Diagnose? Dann könnte man doch einfach öfter mal intelligente Software über Schülerarbeiten laufen lassen, um zu ermitteln, wo sie individuelle Stärken und Schwächen haben. So etwas gibt es ja längst.

Lin-Klitzing: Das finde ich als Diagnose– und Assistenztool hervorragend geeignet, wenn der Schutz der personenbezogenen Daten gewährleistet ist. Jede Schülerin und jeder Schüler kann in der individuellen Leistungsfähigkeit betrachtet werden kann, was der Lehrkraft wichtige Hinweise geben kann. Das kann ich mir als ein gutes Hilfsinstrument vorstellen. Dann gilt aber auch: Diagnose ist etwas grundsätzlich Anderes als eine Bewertung mit entsprechenden Rechtsfolgen.

News4teachers: Bei der Digitalisierung der Schulen ruckelt es in der Fläche nach wie vor, dabei läuft die Finanzierung durch den Digitalpakt bald schon aus. Brauchen wir einen Digitalpakt 2.0?

Lin-Klitzing: Wir brauchen auf jeden Fall einen Digitalpakt 2.0. Wir brauchen eine verstetigte Finanzierung. Aber wir brauchen auch einen neuen Angang für die Finanzierung und die bürokratische Abwicklung. Eines der bis jetzt ungelösten Probleme ist ja, dass das Geld vom Bund über die Länder an die Schulen käme, wenn die Kommunen sagen können: Jawoll, wir steuern zu dem, was ihr finanzieren wollt, kontinuierlich anteilig und nachhaltig dazu. Genau das hat ja vielerorts nicht geklappt. Viele Kommunen waren und sind nicht in der Lage, eine dauerhafte und nachhaltige Finanzierung  zu gewährleisten. Dieses Problem ist bis heute ungelöst. Und das heißt: Wie bekommen wir das vorhandene Geld besser verteilt, so dass jede Schule, unabhängig von der kommunalen Finanzkraft, genügend für die angestrebten Ziele davon bekommen kann? Das muss gewährleistet werden. Ein Fortschritt ist, dass sich alle über die Problembestimmung relativ einig sind. Allein die Lösung steht noch aus. Genauso wie ein selbstverständlich nachhaltiger Umgang mit den angeschafften Geräten angegangen werden muss.

News4teachers: Ähnliches gilt für IT-Administration für Schulen. Da gibt es sogar einen Sondertopf im Rahmen des Digitalpaktes. Nur: Die Mittel werden nicht abgerufen.

Lin-Klitzing: Ja genau. Weil die Kommune einen Gutteil kontinuierlich mitfinanzieren müsste. Und wenn diese sagt: Das Geld, das wir haben, muss dringend in die Sanierung des Hallenbades und kann nicht in die dauerhafte Finanzierung der IT-Administration der Schulen gesteckt werden, dann kommen die Mittel vom Bund in der Schule nicht an.

News4teachers: Dabei gibt es genügend mittelständische Unternehmen, die IT-Administration für Schulen anbieten… und deren Leistungen, die die Schulen dringend benötigen, dann nicht abgerufen werden. Brauchen wir nicht mal eine Art Runden Tisch, um zu ermitteln, was gesellschaftliche Kräfte wie die Bildungswirtschaft einbringen können, um die Schulen zu entlasten?

Lin-Klitzing: Ich kann mir das weniger gut auf der nationalen Ebene vorstellen, die ist doch sehr weit von den Schulen vor Ort entfernt. Was ich mir aber gut vorstellen kann, ist, dass kluge Kooperationen im Land zwischen den Kommunen und regionaler Wirtschaft gefördert werden. Auf Landesebene hielte ich eine Zusammenarbeit mit professionellen wirtschaftlichen Anbietern für ein zumindest überlegenswertes Modell, damit keine Schule mehr hinter digitale Mindeststandards zurückzufallen braucht.

News4teachers: Wenn Sie jetzt – zauber, zauber – plötzlich Kultusministerin eines großen Bundeslandes werden würden: Was wären die ersten drei Maßnahmen, die Sie umsetzen würden?

Lin-Klitzing: Meine erste Maßnahme wäre tatsächlich ein kooperativer Tisch. Nicht im Sinne von: Wir machen jetzt einen Runden Tisch, um den Wählerinnen und Wählern zu demonstrieren, wie wichtig uns das Anliegen ist. Ich hätte tatsächlich gerne eine Plattform mit Vorschlägen aus der Praxis von Lehrkräften und Schulleitungen, um gemeinsam abwägen zu können, was aus der Sicht der Betroffenen kluge Vorschläge wären, um Arbeitsplatz- und Ausstattungsmängeln sowie dem akuten Lehrkräftemangel, der uns wahrscheinlich zwei Jahrzehnte begleiten wird, landes- und regionalspezifisch besser entgegentreten zu können. Also tatsächlich einen Dialog mit der Praxis, um daraus entsprechende Vorschläge generieren zu können.

„Wir brauchen grundsätzlich mehr Personal, um im regulären Schulgeschäft überhaupt 100 Prozent Unterricht abdecken zu können“

Das Zweite ist, ich wünsche mir, dass wir endlich mit einer langfristigen Planung für eine kontinuierliche Unterrichtsversorgung beginnen – gegen den bisher zyklisch wiederkehrenden Lehrkräftemangel. Eine vorausschauende, längerfristige Planung dafür hat die Politik bisher nicht, das haben die Ministerpräsidenten bisher nie gemeinsam mit ihren Kultus- und Finanzministern begonnen. Unter einer langfristigen Planung stelle ich mir vor, dass das Ziel – auch wenn es auf die Schnelle nicht zu erreichen ist – einer 130-prozentigen Unterrichtsversorgung festgeschrieben wird. Dann hätten wir eine kontinuierlich besser ausreichende Personalreserve. Das würde eben bedeuten, dass Unterricht für die Schülerinnen und Schüler endlich gesichert würde, auch dann, wenn Kolleginnen und Kollegen krank sind, wenn sie in Elternzeit sind, wenn sie für das ganz normale und reguläre Schulgeschäft auf Klassenfahrt sind oder Projekte betreuen. Wir brauchen grundsätzlich mehr Personal, um im regulären Schulgeschäft überhaupt 100 Prozent Unterricht abdecken zu können. Denn dazu reicht eben diese sogenannte 100-prozentige Unterrichtsversorgung oder eine knapp darüber nie aus.

News4teachers: Die ja vielerorts noch nicht mal erreicht wird.

Lin-Klitzing: Die sogar noch deutlich unterschritten wird. Genau.

Der dritte Punkt: Ich möchte, dass die Kollegen und Kolleginnen für das, was sie leisten, solide befördert werden. Es gibt aus meiner Sicht nicht genügend Bewährungsaufstiege und zu wenig umgesetzte Beförderungen. Und es gibt zudem noch eine strukturelle Beförderungsungerechtigkeit. Beispielsweise die reguläre Ausschreibung und Besetzung von E bzw. A 14 Stellen, das ist etwas, was in vielen ostdeutschen Bundesländern überhaupt nicht mehr vorkommt. Zwischen „Normallehrkraft“ und einer Beförderung für eine stellvertretende Schulleitung oder Schulleitung gibt es dann gar nichts mehr. Dazwischen gibt es aber ganz viele Aufgaben wie z.B. die Oberstufenkoordination, die grundsätzlich als ein Beförderungsamt mit E oder A14 besoldet werden sollte. Diese Aufgaben strukturell wertzuschätzen, das ist über Jahrzehnte vernachlässigt worden. Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern – und dort ist der Lehrkräftemangel ist ja auch am stärksten. Andrej Priboschek, Agentur für Bildungsjournalismus, führte das Interview.

Fthenakis: Die Digitalisierung zum Anlass nehmen, um das Bildungssystem grundlegend zu verändern – darin liegt die Chance!

Anzeige


Abonnieren
Benachrichtige mich bei

24 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
laromir
14 Tage zuvor

Jop. Beförderung wäre auch mal was. Aber da macht man 3, 4 oder mehr Jahre einen Job und bekommt nichts. Sind halt gerade keine Stellen da und dazu noch 3 andere, die ebenfalls seit einer Weile was für lau machen. Man wird auf unbekannte Zeit vertröstet…warum solltw man das dann alles on top machen, wo es doch in den Sternen steht, dass man jemals etwas dafür bekommt.

Karl-Heinz
13 Tage zuvor
Antwortet  laromir

Warum sollte dieses „seinen Job machen“ denn bitte automatisch zu einer Beförderung führen? Das gibt’s außerhalb des Öffentlichen Dienstes bzw. des Beamtenturms auch nicht. Wer da seinen Job macht, wird dafür (und nur dafür) bezahlt. Wer mehr macht bzw. sich durch gute Leistungen empfiehlt, wird evtl. befördert.

Dirk Meier
13 Tage zuvor
Antwortet  Karl-Heinz

Wenn Lehrkräfte nur noch das machen würden, wofür sie bezahlt werden, dann wäre das Schulsystem in dieser Form schon lange nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Ist es der Job der Lehrkraft, von Samstag bis Samstag auf Klassenfahrt zu gehen und nichtmal alle anfallenden Kosten erstattet zu bekommen?
Ist es der Job von Lehrkräften, die Schulwebsite zu pflegen, die PCs zu warten, Räume technisch auszustatten und Öffentlichkeitsarbeit zu verrichten?
Ist es Aufgabe von Lehrkräften Bildungsgänge/Fächer zu koordinieren und den Personaleinsatz zu planen?

Natürlich ist es unfair, wenn überdurchschnittliches Engagement nicht in einer Beförderung mündet. Das ist eben nicht so wie in der Wirtschaft. Es ist kein Zufall, dass vor allem die besonders motivierten Lehrkräfte einen Burnout bekommen. Das System nimmt sehr gerne, gibt aber nur selten Belohnungen zurück.

Katinka
13 Tage zuvor
Antwortet  Dirk Meier

So ist es. In der „freien Wirtschaft“ bekommt man doch auch Gehaltserhöhungen oder höhere Positionen, wenn man sich besonders engagiert. Warum nicht bei Lehrkräften? Wenn wir nur „unseren Job machen“ würden (also den Unterricht mit Planung und Korrekturen), gäbe es kein Schulleben, keine Klassenfahrten, Ausflüge usw.!

Lehrerin
13 Tage zuvor
Antwortet  Dirk Meier

Genau!
Und ich setze noch was darauf: Ist es überhaupt mit dem Arbeitsrecht vereinbar (siehe 11 Std. Ruhezeit zwischen Arbeitseinsatz, EuGH-Urteil…), dass die Lehrkraft bei Schullandheimen 24/7 Dienst hat, dass bei Theaterfahrten abends um 23.00 Uhr Heimkehr und morgens um 7.30 Uhr wieder stundenplanmäßig Dienstbeginn ist, dito bei Elternabenden mit viel Diskussionen? Alles das wird wie selbstverständlich erwartet. Ebenso die Beantwortung von Elternmails vom Abend spätestens am nächsten Morgen, und die ganzen Probleme der Gesellschaft, die die Schulen möglichst an der Wurzel packen sollen:Gesundheitserziehung, Anti-Mobbing, Medienkompetenz, Steuerrecht, Offenheit und vorurteilsfreier Umgang mit Mitmenschen, Naturschutz und politische Bildung.. wird in den Schulen abgeladen.
Und bitte natürlich Schreiben, Rechnen, Lesen, Sprachen, Naturwissenschaften,…also die eigentlichen Grundlagen für Bildung und Beruf legen.
Wochenarbeitszeit: Viel mehr als bezahlt wird, auch wenn alle langen und kurzen Ferien und unterrichtsfreie Tage (die keine arbeitsfreie Zeit sind!!!) hineingerechnet werden.Warum drücken sich die Kultusminister so sehr vor einer Messung der Artbeitszeit von Lehrern? Sie wissen, dass das teuer wird!
Die Lehrkräfte lassen sich aus ihrer Verpflichtung den Kindern gegenüber ausbeuten bis zum Burnout. Dieses Engagement wird von der Politik trotz geheuchelter Worte zur Bedeutung der Bildung als Ressource für unsere Zukunft nicht honoriert.

Lessi
11 Tage zuvor
Antwortet  Lehrerin

So ist es! Und da haben wir noch nicht die Inklusion ohne Ressoucen und entspr. Ausbildung dafür erwähnt. Alles immer schön on top und ohne Ausgleich!

laromir
13 Tage zuvor
Antwortet  Karl-Heinz

Es geht hier nicht um MEINEN Job, den mache ich natürlich für mein Gehalt. Es geht hier um ettliche Zusatzjobs und Projekte, die man Jahre erfolgreich betreut und nie etwas dafür bekommt, obwohl man viel Zeit investiert. Sprich: Engagement lohnt sich in der Regel kaum oder erst nach sehr langer Zeit (oder Vit. B) (Kaum) Keine Deputatsstunden, kein Bonus und keine Beförderung. Scheint wohl doch nicht wie in der Wirtschaft zu sein. Und wenn man dann nach Jahren wagt zu sagen, dass man das so nicht mehr machen wird, wird man unter Druck gesetzt. Steht bereits in meinem Text „on top“, bedeutet zusätzlich zum Unterrichten und das, was damit im Zusammenhang steht. Klassenfahrt etc. Ist so eine Sondersache. Gehört schon dazu, sollte gemacht werden, sollte aber eben auch bezahlt werden. Ich fahr schließlich nicht in Urlaub, sondern arbeite da 24 h lang.

Scotty01
13 Tage zuvor
Antwortet  laromir

Man wird auf unbekannte Zeit vertröstet…warum solltw man das dann alles on top machen, wo es doch in den Sternen steht, dass man jemals etwas dafür bekommt“

Glücklich, wer überhaupt die Chance dafür hat. Es gibt Schulformen, da ist Einstiegseingruppierung = Endeingruppierung und die einzigen möglichen „Beförderungen“ bestehen aus den Erfahrungsstufen und Kinderzulagen.

Trinkflasche
14 Tage zuvor

„Ich möchte, dass die Kollegen und Kolleginnen für das, was sie leisten, solide befördert werden“

Sehe ich auch so. Da könnten sich ja mal die Philologen und die Idiologie-Gewerkschaft mit den drei Buchstaben dafür stark machen, dass die Finanzierung der Besoldngsstufe A13 für die Grundschullehrkräfte nicht durch die Streichung von A14-Stellen finanziert wird (und das ausbleiben von Beförderungsstellen im GS-Bereich zukünftig*). So passiert es nämlich in Niedersachsen, Hamburg und in Schleswig-Holstein.

Ein Gegenmodell könnte ja die auskömmliche Finanzierung sein. Nur so als Idee.

* Entgegen der Behauptung Einiger können GS-Kräfte nämlich sehr wohl auch abseits von Schulleiterstellen befördert werden oder A13 auch über Umwege, z.B. Teilabordnungen oder Arbeit in den Behörden erreichen. Schon heute.

Lera
13 Tage zuvor
Antwortet  Trinkflasche

Stimmt theoretisch, aber schauen Sie mal nach, wie viele der Abordnungsstellen für GS-Lehrer geeignet sind … genau … wenig bis keine – closed shop.

Lanayah
13 Tage zuvor
Antwortet  Trinkflasche

Wie kommen Sie darauf, dass A13 für Grundschulen durch Streichung von A14-Stellen kommt. Können Sie hier eine Quelle nennen,? Oder ist das einfach Stimmungmache? „So passiert es nämlich in Niedersachsen…..“. Also in Niedersachsen passiert derzeit gar nichts, außer, das ab und zu mal von A13 für Grundschullehrer/innen geredet wird.
Und tatsächlch mache ich meinen Eintritt in den Ruhestand genau davon abhängig. Bleibt es bei A12 gehe ich eher.

Silberfischchen
12 Tage zuvor
Antwortet  Lanayah

Wenn Sie eher gehen, haben Sie mehr Abzüge. Abzüge von A12 ergeben dann weniger als Abzüge von A13.

Silberfischchen
12 Tage zuvor
Antwortet  Trinkflasche

Interessant. Es war aber klar, dass irgendwo das Geld für A13 für alle herkommen muss. Wenn nicht mehr eingenommen wird, muss es irgendwo anders eingespart werden.

potschemutschka
11 Tage zuvor
Antwortet  Silberfischchen

Einsparen könnte man an den 16 Kultusministerien. eins, das seine Arbeit ordentlich macht, würde reichen!

Lera
13 Tage zuvor

„Zwischen „Normallehrkraft“ und einer Beförderung für eine stellvertretende Schulleitung oder Schulleitung gibt es dann gar nichts mehr.“

Das ist der Fall an einigen ostdeutschen Gymnasien … ach ja: und an SÄMTLICHEN Grundschulen hüben wie drüben.

Leider haben GS-Lehrer keine so engagierte Lobby, sondern nur eine ideologisch verquaste Funktionärsclique, die dem fortschreitenden Niedergang noch das Wort redet.

Silberfischchen
12 Tage zuvor
Antwortet  Lera

Stimmt aber nicht. Wie kommen Sie darauf. In Berlin bekommen Grundschulschulleiter und ihre Stellvertreter auch mehr Gehalt. Bitte keine Gerüchte verbreiten!

potschemutschka
11 Tage zuvor
Antwortet  Silberfischchen

… soweit ich weiß, aber nicht die, die diese Stellen kommissarisch ausfüllen. Und das sind so einige, da es nicht genügend SL und Stellvertreter gibt.

Ron
13 Tage zuvor

Leider sind die meisten KuMis noch auf dem Verschlimmbesserungstripp. Es geht doch im Kern nicht nur um Geld, sondern um die Veränderung der teils unhaltbaren Arbeitsbedingungen.

laromir
13 Tage zuvor
Antwortet  Ron

Stimmt. Ich würde Zusatzfunktionen auch machen, wenn dadurch die Unterrichtsverpflichtung sinkt. Es geht primär gar nicht so ums Geld, sondern um diese Extraarbeit ohne IRGENDEINEN Ausgleich. Und wenn in Schulentwicklung investiert werden soll, muss auch Zeit und/oder Geld für die LuL da sein, dies zu tun. Aber die Deputate werden hin und her geschoben und es wird geschachtert wer was bekommt, selbst wenn es nur 1/2 h ist. Und wenn man Aufgaben übertragen bekommt, dann sollte eben etwas rausspringen. Tut es aber nicht! Aufgaben türmen sich, bei der nächsten GEKO gibt’s ein kurzes allgemeines Danke an alle. Wo liegt also der Anreiz?

Last edited 13 Tage zuvor by laromir
Silberfischchen
12 Tage zuvor
Antwortet  Ron

Bei n4t wurde von den allermeisten Kommentatoren aber immer dem „mehr Geld“ das Wort geredet und diverse Lehrerorganisationen haben dabei mitgemacht. Sie haben das ja auch teilweise durchgesetzt und nun ist kein Geld mehr da für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Ron
11 Tage zuvor
Antwortet  Silberfischchen

Mir ist in der Tat auch aufgefallen, dass hier viele scheinbar ziemlich aufs Geld achten. Mir sind gute Arbeitsbedingungen wichtiger. Aktuell sind viele Landesregierungen allerdings in beiden Bereichen mit der Abrissbirne unterwegs.

Marhat
13 Tage zuvor

„Alle Anpassungen im Schulsystem ( w.z.B. A13 für GS- Lehrkräfte, Schulentwicklung,Wettbewerbstätigkeit, IT- Administration,….) haben kostenneutral zu erfolgen! „

GELD GIBT ES NICHT!

Nun leite jede LK den persönlichen Handlungsspielraum ab.

Silberfischchen
12 Tage zuvor

Es gab immer einzelne Lehrer, die aus dem Beruf aus unterschiedlichsten Gründen ausschieden: von den sogenannten „Unterrichtsflüchtern“ bis hin zu Leuten, die einfach etwas anderes machen wollten. Es werden jedoch keine Lehrer in Größenordnungen ausscheiden, dafür ist ihnen der Beamtenstatus zu wichtig und dafür ist das auch ein bisschen zu kompliziert, das Beamtentum wieder aufzugeben samt aller damit verbundenen Vorteile. Die Politik hat also aus ihrer Sicht recht damit getan, Lehrer (wieder) zu verbeamten. So laufen sie ihnen nicht weg und ertragen alles zähneknirschend.

Insofern sind diese Äußerungen verständlich, aber mal wieder eine komplette Fehleinschätzung der Lage.

laromir
11 Tage zuvor
Antwortet  Silberfischchen

Es reicht schon, wenn keine mehr nachkommen. Wenn noch zusätzlich welche ausscheiden, führt das nur schneller zum Kollaps. Und joaarr, wenn das so weitergeht wie in den letzten ca. 5 Jahren, wir der Ausstieg immer attraktiver.