Debatte um Rechtschreibung: „Wenn Lehrkräfte die Texte ihrer Schüler nicht mehr entschlüsseln können, ist das ein echtes Problem“

59

MÜNSTER. Viele Schüler haben Probleme mit der Orthografie. Fast jeder dritte Viertklässler in Deutschland erreicht nicht den Mindeststandard der Kultusministerkonferenz, nur 44 Prozent den Regelstandard – und damit deutlich weniger als noch in den Jahren 2011 und 2016. Aber: Ist das überhaupt schlimm? Wir haben darüber mit jemandem gesprochen, der es wissen muss: der Bildungsforscher Prof. em. Friedrich Schönweiss, der von 1997 bis 2021 an der Universität Münster den Arbeitsbereich „Neue Technologien im Bildungs- und Sozialwesen/Medienpädagogik“ leitete – und dort mit seinem Team den „Lernserver“, eine Plattform zur Diagnose und Förderung vor allem der Rechtschreibung bei Schülerinnen und Schülern, entwickelte.

Immer mehr Schülerinnen und Schüler scheitern an der Rechtschreibung (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

News4teachers: Der Deutschlandfunk fragte jüngst: „Wozu überhaupt noch Rechtschreibung?“ Wir fragen Sie.

Schönweiss: Sie sind ja gut: Soll ich nun lachen oder weinen? Sind wir wirklich so weit, dass wir inzwischen Diskussionen darüber führen sollen, ob wir Schule, Unterricht und Lernen nicht am besten gleich bleibenlassen? Denn Rechtschreibung mit einem großen Fragezeichen zu versehen, wäre ja gleichbedeutend damit, Bildung generell für obsolet zu erklären. Doch Sprache und Schrift sind nun einmal Kern jedweder Kultur wie auch Basis und Motor aller Entwicklung, auf gesellschaftlicher ebenso wie auf individueller Ebene. Und selbst wenn wir nun tatsächlich an einem Punkt angelangt wären, bei dem Lese- und Rechtschreibprobleme nicht mehr nur Einzelschicksale sind, kann diese Misere doch nicht dafür herhalten, dass man sich gleich alle Bemühungen schenken könne.

Aber das wissen ja nicht nur wir beide, sondern das weiß auch der Deutschlandfunk, weshalb sein Kokettieren damit, Rechtschreibunterricht für überflüssig zu erklären, bestimmt auch nicht ganz ernst gemeint ist. Allerdings, und da trifft die ketzerische Frage durchaus den Kern, ist die erneut zu verzeichnende Abwärtsspirale nicht beliebig fortsetzbar. Wir sind mit unserem Bildungswesen und dem, was es leistet und was nicht, in der Tat an einem überaus kritischen Punkt angelangt.

News4teachers: Der wäre?

Schönweiss: Rechtschreibung, also die eigene oder aber neue Sprache samt Schrift sicher zu beherrschen, ist ja sehr viel mehr als nur irgendwelche orthographischen Regeln zu kennen und zu befolgen. Nur dann, wenn die über unser so genial ausgefeiltes Schriftsprachsystem transportierten Inhalte haarklein erfasst werden, wird die Tür dazu geöffnet, dass jedes Kind Tag für Tag mehr weiß und auch kann. Egal, auf welchem Gebiet.

„Feinheiten machen die deutsche Sprache aus; sie sind keineswegs nur schmückendes Beiwerk, sondern fürs kommunikative Verständigen unverzichtbar“

Kein Wunder also, dass Schwierigkeiten mit dem Schreiben alles andere als ein isoliertes Problem sind, sondern einhergehen mit einem fatalen Niveauverlust auf sämtlichen Ebenen, in allen Fächern, in schulischen wie außerschulischen Kontexten. Dies gilt zwangsläufig, das versteht sich, fürs Lesen als Pendant, aber in der Folge auch für Mathe, übrigens nicht nur wegen der obligatorischen Textaufgaben, und natürlich auch für alle anderen Bereiche. Nur mal so nebenbei: Der vielbeklagte Fachkräftemangel hat damit ebenfalls eine ganze Menge zu tun. Leider aber wurde bei uns viel zu lange Rechtschreibung reichlich stiefmütterlich behandelt, fast als Schmuddelkind, selbst in der Lehrerausbildung. Jetzt aber ist es allerhöchste Zeit für eine echte Zäsur, nämlich für eine Renaissance der Wertschätzung von Sprache und Schrift.

News4teachers: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) allerdings befand unlängst: „Jeder Mensch braucht ein Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen, das ist gar keine Frage. Aber die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, nimmt ab, weil wir heute ja nur noch selten handschriftlich schreiben.“ Kretschmann sagte, es gebe ja „kluge Geräte“, die Grammatik und Fehler korrigierten. „Ich glaube nicht, dass Rechtschreibung jetzt zu den großen, gravierenden Problemen der Bildungspolitik gehört.“ Hat er nicht vielleicht doch recht?

Schönweiss: Es freut mich, dass Sie genau dieses Zitat von Kretschmann herausgesucht haben. Sein Statement stammt nämlich, wie Sie bestimmt ebenfalls wissen, aus dem Januar 2020. Ob er das heute noch genau so sagen würde? Vermutlich nicht, denn damals stand ja im Vordergrund, wie Schule und Unterricht in Pandemiezeiten überhaupt stattfinden könnten. Leider aber, und das ist schon ärgerlich, hatte man dabei versäumt, sich bei Lehrplänen, Prüfungen und Notengebung aufs Wesentliche zu konzentrieren. Dies ist, nicht nur rückblickend betrachtet, extrem schade und hat auch das wichtige Grundgerüst, von dem Kretschmann spricht, in Mitleidenschaft gezogen. Natürlich gilt es bei Krisen erst einmal zuzusehen, dass man zumindest halbwegs unbeschadet durch sie hindurchkommt. Aber es wäre angezeigt gewesen, mit etwas mehr Mut unser Bildungswesen komplett neu aufzustellen. Dies wäre notwendig, möglich und letztlich auch zur Bewältigung der Pandemiezeiten hilfreich für Kinder, Eltern, Lehrkräfte gewesen. Interessant ist übrigens in diesem Zusammenhang, dass sich Kretschmann erst kürzlich für Rechtschreibung starkgemacht hat und durchaus deutlich gegen Bestrebungen polterte, die eine Marginalisierung der Rechtschreibkenntnisse für verkraft- und auch vertretbar halten.

News4teachers: Gleichwohl stimmt es ja, dass mittlerweile Korrekturhilfen beim digitalen Schreiben gut funktionieren – und dass die Handschrift nach und nach verschwindet …

Schönweiss: Wir sind uns doch einig: Ob man bei Substantivierungen mal mit der Groß-Kleinschreibung danebengreift oder sicherheitshalber nachschlägt, ob ein bestimmtes Wort heute nun wirklich getrennt oder zusammengeschrieben wird – das lässt sich natürlich aushalten. Wenngleich, das sei hier schon angemerkt, diese beiden Bereiche wunderbare Errungenschaften unserer Schriftsprache sind. Die Groß-Kleinschreibung hilft dabei, sich in der komplizierten Syntax des Deutschen nicht unnötig zu verheddern. Gerade die großgeschriebenen Wörter befördern als Strukturelemente die Sinnentnahme von Texten und damit schnelles Lesen und Durchschauen von Sachverhalten. Sie braucht man, um Dinge auf den Punkt bringen oder voneinander unterscheiden zu können. „Wir haben liebe Genossen.“ ist schon eine etwas andere Aussage als: „Wir haben Liebe genossen.“

Auch die Getrennt- oder Zusammenschreibung von Wörtern ist alles andere als ein Luxus, da hierüber kleine, aber feine Nuancierungen im Ausdruck möglich werden. Nehmen Sie doch nur das Adjektiv „hochtrabend“ und trennen Sie beide Wortbestandteile. Sie haben gleich ein anderes, sehr viel konkreteres Bild vor Augen; vielleicht sogar mit Pferd und Herrenreiterin.

„Mangelnde Rechtschreibsicherheit führt zu Schwierigkeiten beim Lesen, behindert die Kinder generell in ihrer Entwicklung“

Solche Feinheiten machen die deutsche Sprache aus; sie sind keineswegs nur schmückendes Beiwerk, sondern fürs kommunikative Verständigen, wie aber auch für das Zurechtfinden in der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt unverzichtbar.

Richtig brisant freilich wird es dann, wenn bereits grundlegende Einsichten in Aufbau und Struktur unserer Alphabetschrift fehlen, was leider immer häufiger der Fall ist. Wenn Lehrkräfte an Berufsschulen die Texte ihrer Schülerinnen und Schüler nicht mehr entschlüsseln können, ist das ein echtes Problem. Von Ausbildungsbetrieben werden Sie bestimmt nicht zu hören bekommen, dass es ihnen egal ist, ob ihre Auszubildenden und Mitarbeiter vernünftig lesen, schreiben, miteinander kommunizieren können oder nicht. Und wenn Kinder noch in der 5. Klasse bei jedem Wort angestrengt überlegen müssen, wie man es denn schreibt, wenn sie also Texte nur mühsam entziffern können, anstatt sie rasch zu überfliegen, hält sie das in ihrer gesamten Schullaufbahn auf. Da helfen dann leider auch keine Fehlerkorrekturprogramme, die ja ab und an eine praktische Stütze sein mögen und bei kleineren Unsicherheiten helfen können, nicht aber bei Wortruinen.

Der Umgang mit Geschriebenem wird so schnell nicht aus Alltag und Schule verschwinden, damit auch nicht die Notwendigkeit einer für alle einheitlichen und von allen so weit als irgend möglich beherrschten Kommunikationskultur. Mangelnde Rechtschreibsicherheit führt zu Schwierigkeiten beim Lesen, behindert die Kinder generell in ihrer Entwicklung und ist für eine Gesellschaft, die auf Bildung, Technologie und Arbeitsteilung setzen muss, einfach nur bedrohlich. Dass uns dann auch noch die Handschrift abhanden kommt, passt bestens zu dieser schrägen Entwicklung, mit der sich unsere Gesellschaft tunlichst nicht anfreunden sollte.

News4teachers: Nach Veröffentlichung der IQB-Studie ist – wieder mal – ein Streit darüber entbrannt, ob in Grundschulen falsch unterrichtet wird. Der Philologenverband Rheinland-Pfalz etwa befand, es müsse Schluss sein mit „unbrauchbaren Methoden“. Sind die Grundschullehrkräfte schuld am Leistungseinbruch?

Schönweiss: Wenn alles immer so einfach wäre, dass man nur „Haltet den Dieb!“ rufen muss. Schuldfragen helfen nirgendwo weiter, und das ständige Lehrer-Bashing hat noch nie zu mehr Lehr- und Lernerfolgen oder weniger Burnout geführt, vor dem gerade die engagierten Lehrkräfte am wenigsten gefeit sind. Umgekehrt wird eher ein Schuh draus, weil Lehrerinnen und Lehrer doch selbst die Leidtragenden sind, wenn ihnen in der Ausbildung Methoden nahegelegt werden, die zwar auf allgemeiner Elfenbeinturm-Ebene pädagogisch erstklassig und hochplausibel erscheinen mögen, aber im wirklichen Unterricht ganz und gar nicht zielführend sind. Nicht jedes Thema lässt sich handelnd erschließen, und nicht alle Kinder können alles selbst entdecken. Die Methoden müssen zum Inhalt passen, aber auch zur jeweiligen Lehrkraft, den Kindern und, nicht zuletzt, zu den von ihnen mitgebrachten oder aber noch fehlenden Voraussetzungen. Letzteres macht gerade unseren Grundschulen immer mehr zu schaffen, weshalb sich viele Methoden wie etwa „Schreib, wie du sprichst“ heute fast von selbst ad absurdum führen.

Lehrkräften würde ich deshalb auch ganz und gar nicht absprechen, dass sie erst einmal mit den allerbesten Absichten in den Unterricht gehen und es als ihre vornehmste Aufgabe ansehen, „die Kinder dort abzuholen, wo sie sich befinden“. Dieser Anspruch ist ja die Quintessenz eines jeden Pädagogik-Studiums, wobei es schon erstaunlich ist, über wie viele Jahre hinweg man die an die Schulen entlassenen Lehrkräfte letztlich aber damit alleingelassen hat, herauszufinden, wie sie denn nun dieses Credo konkret umsetzen könnten. Etwas mehr als nur guten Willen und tolle Rezepte braucht es schon. Aber da scheint sich ja gerade einiges zu ändern.

News4teachers: Statt „Kuschelpädagogik“ also strengeres Achten auf Rechtschreibfehler?

Schönweiss: Ja, unbedingt. Dies freilich nicht unter dem Vorzeichen einer „Schwarzen Pädagogik“, bei der alle Kinder verbissen auf normkonforme Schreibung getrimmt werden und jedwede Abweichung postwendend sanktioniert wird. Ganz im Gegenteil bedeuten das Gespür und der Blick für die in den kreativen Schreibungen der Kinder enthaltenen Denkleistungen ein echtes Ernstnehmen und auch Wertschätzen der Kinder samt ihrer Bemühungen. Dies und nichts anderes sind Fehler; sie sind für eine Lehrkraft echte Augenöffner.

Glücklicherweise ist man mittlerweile in den meisten Bundesländern wieder dazu übergangen, die Korrektur von Rechtschreibfehlern und das inhaltliche Eingehen auf sie in die Rahmenpläne aufzunehmen. Von Lehrkräften wird explizit erwartet, sich auf die Fehlschreibungen der Kinder zu beziehen und sie für deren Lernprozesse zu nutzen. Das Problem ist allerdings, dass Lehrkräfte dies oft gar nicht alleine leisten können. Meist bekommen sie keine oder eine allenfalls oberflächliche Hilfe bei der Fehleranalyse. Wie aber soll man bei Schreibungen wie „dafakaid“ oder „ceatsnwags“ wissen, was gemeint ist und wo genau man nun ansetzen sollte? Das muss sich dringend ändern.

News4teachers: Wie muss aus Ihrer Sicht Rechtschreibung denn vermittelt werden?

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews.

Hintergrund
Experte in Sachen Rechtschreibung: Prof. em. Friedrich Schönweiss. Foto: privat

Vor 26 Jahren übernahm Prof. Dr. Friedrich Schönweiss den Arbeitsbereich Neue Technologien im Bildungs- und Sozialwesen/Medienpädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Sprachwissenschaft, Informatik, Pädagogischer Praxis und Lerntherapie erforschte Schönweiss, wie Rechtschreibfehler entstehen, was es braucht, um aus ihnen lernen zu können – und welche Chancen dabei moderne Technologien bieten.

Aus dieser Arbeit ist unter dem Namen „Lernserver“ ein System entstanden, das computergestützte Förderdiagnostik und die Bereitstellung individualisierter Förderpläne und Förderübungen vereint. Inzwischen ist der Lernserver über 700.000 mal zum Einsatz gekommen, mit Tools wie HP5-basierten interaktiven Lernmaterialien, aber auch Qualifizierungsinitiativen ergänzt worden, und soll Lehrkräften bei der Diagnose und Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler Zeit und Kraft sparen. www.lernserver.de

Gehen die Grundschulen zu lax mit Fehlern um? Philologenverband legt im Streit um IQB-Studie nach

Anzeige


Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

59 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Cony
1 Jahr zuvor

Seit der dilettantischen Rechtschreibreform ist hier nicht mehr viel zu wollen, denn Normierung ist kaum mehr durchzusetzen und überzeugend zu begründen. Die Verschlimmbesserung durch zahlreiche doppelte Schreibweisen hat dem Rechtschreibunterricht dann den Rest gegeben. Wir sind heute bei „anything goes“.

123
1 Jahr zuvor
Antwortet  Cony

Man muss es auch leider so sagen: Wir befassen uns wochenweise mit Groß- und Kleinschreibung. Die Zweifelsfälle sind alle nicht sinnvoll begründbar, so dass es natürlich massenhaft Fehler gibt. Andere Länder schreiben alles klein, können exakt so komplexe Gedanken ausdrücken (und machen dann halt zwei Sätze draus…) und sparen sich den Aufwand.

Ich sehe sehr ein, dass die Grundkenntnisse in der Rechtschreibung geübt werden müssen. Aber der Fokus auf RS ist mittlerweile so hoch, dass nicht mehr angemessen ist (in HH: 2 von 6 KA im Schuljahr müssen Rechtschreibung isoliert abprüfen). Ich würde lieber ein bisschen an der RS sparen, um mich mit Stil, Register und Textstruktur zu befassen. Das kommt nämlich leider zu kurz.

Give Peace a Chance
1 Jahr zuvor
Antwortet  123

Der Fokus auf Rechtschreibung ist nahezu gar nicht mehr vorhanden – und DAS ist das Problem!

Johannes
1 Jahr zuvor
Antwortet  Cony

Das ist Unsinn und ein alter Hut.

Cony
1 Jahr zuvor
Antwortet  Johannes

Ach so, ja dann …

Ureinwohner Nordost
1 Jahr zuvor
Antwortet  Johannes

Sie möchten nicht mehr Deutsch sprechen, schreiben und verstehen?
Nun dann.
Begegnen möchte ich Ihnen in der BRD dann nicht mehr.

Aber seien Sie beruhigt:
Ich gehe ja in ein anderes Land.
Wir werden uns niemals treffen. 😉

Indra Rupp
1 Jahr zuvor

„ceatsnwags“ heißt Kerzenwachs! 🙂

Silja
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Und dafakaid vielleicht Tapferkeit … Das haben wir dann toll geraten – aber es kann ja nun nicht Sinn von Sprache sein, dass man sich munter durch den Gemüsegarten rät.

Indra Rupp
1 Jahr zuvor
Antwortet  Silja

Ist, glaube ich, gut gegen Alzheimer und so…

Ken Haddorf
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

„dafakaid“ oder „ceatsnwags“

„Tapferkeit“ und „Kerzenwachs“ würde ich sagen

Sandra
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Und „Pole“ heißt Beule

U.L.I.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Und „dafakaid“ heißt Tapferkeit. 😉

Ich_bin_neu_hier
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

„dafakaid“ = Tapferkeit

mama51
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Dankeschön , ich wäre echt nicht draufgekommen, im Ernst!

Ureinwohner Nordost
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Was soll der Quatsch?
Sie verstehen Deutsch?
Dann schreiben Sie Deutsch.

D. Orie
1 Jahr zuvor

Realität in der Grundschullehrkräfteausbildung sieht so aus: Im ganzen Studium kein einziges Seminar zum Rechtschreiberwerb, das von einer Professorin oder einem Professor gehalten wurde (ja, es gibt auch schlechte Profs …, ich kenne die häufigen Einwände). Seit vielen, vielen Monaten soll eine Prof-Stelle für Sprachdidaktik (war immer Rechtscheiberwerb) an der Uni Siegen besetzt werden. Jetzt ist das Verfahren schon zum dritten (!) Mal geplatzt, obwohl sehr gute Bewerberinnen dabei waren. Grund: leider hatten sie den Schwerpunkt Rechtschreiberwerb. (Ironie aus) So sieht leider die Ausbildungssituation aus.

Corinna
1 Jahr zuvor
Antwortet  D. Orie

Sie sagen es. Rechtschreiben ist seit Jahren und Jahrzehnten vernachlässigt und als reine Paukerei und Dressur sogar abgelehnt worden. Das prägt noch heute das lebensfremde und zunehmend ideologisierte Studium der angehenden Lehrkräfte.
Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundvoraussetzung fürs Fortkommen und die Weiterbildung im Leben hat man sträflich unterschätzt und damit viele junge Menschen um ihre Chancen gebracht.
Dass nicht schnellstens umgesteuert wird, wundert mich am meisten. Warum kriegt man ideologisiertes statt lebensnahes und leistungsbewusstes Denken so schlecht aus den Elfenbeintürmen der Hochschulen raus?

U.L.I.
1 Jahr zuvor
Antwortet  D. Orie

Oje, das sind keine guten Zustände!

Verantwortungslos empfand ich auch die Jahre (in NRW), als Lehramtsanwärter für die Primarstufe vor einigen Jahren eine Zeit lang mal nur in Deutsch ODER Mathe ausgebildet wurden. Das jeweils andere Fach wurde lediglich über „Kompakttage“ o.Ä. abgedeckt…
Gerade der Anfangsunterricht in Klasse 1 bedarf aber einer genauen Kenntnis, einer besonderen Methodik. Zu glauben, dass man einer zukünftigen Lehrerin oder einem zukünftigen Lehrer mal eben an einem Wochenende „zeigt“, wie man 6jährigen das Lesen, Schreiben oder Rechnen beibringen kann, ist irrwitzig. Von all den dazugehörigen Stolpersteinen, die das Lernen mit sich bringen kann – woran liegt es, dass ein Kind keine Anlaute hört, nicht lesen lernt etc. – mal ganz zu schweigen…

Uli
1 Jahr zuvor
Antwortet  U.L.I.

Hab Lehramt in Lüneburg studiert. (Niedersachsen) Deutsch als Zweitfach. Wir selbst mussten hochtrabende Texte und Gesellschaft analysieren (Letzteres ist sehr sinnvoll) und haben uns dann aber nie der Alphabetisierung und der Schreibg und Kesekompetenz gewidmet. In Mathe gab es einen völlig sinnbefreiten Kurs, Mathe Erstunterricht. Er ist u. A. der Grund, warum ich nicht an der GS unterrichten will. Habe zu viel Angst einem Kind seine Mathekompetenz zu versauen. Eine Freundin ist auch mit 70 noch im Dienst in Bremen, weil sie Mathe so genial vermittelt. Niemand will sie gehen lassen. Ich kann selbst die Grundrechenarten nicht vernünftig. Wie soll ich sie da unterrichten?

U.L.I.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uli

„Kesekompetenz“ ist super! 😉 „Käsekompetenz“ wäre noch besser! 🙂

Im Studium kann ich es ja noch so ansatzweise verstehen… Ein Prof sagte mir während des Studiums in Köln mal: “ Hier, an der Uni, bist du für dich und lernst was. Das, was du später für „de Kinderschen“ brauchst, lernste an der Schule.“

Wenn aber selbst während des Referendariats nur eines der beiden „Hauptfächer“ (also Deutsch oder Mathe) bearbeitet, gelernt und gelehrt wird, ist das fahrlässig. Übernimmt dann eine so ausgebildete junge Kollegin direkt nach dem Ref eine Klasse 1 und muss alles unterrichten, sind doch „Fehler“, Frustration, Beschwerden etc. vorprogrammiert.
Meiner Meinung nach ist dies auch der Grund für die komplett falsch vermittelte „Methode“, die nunmehr „Schreiben nach Gehör“ heißen soll…
Der Ursprung liegt ja offenbar in der Methode „Lesen durch Schreiben“ (J. Reichen), die eine Leselernmethode war (keine Rechtschreibmethode), wie ja auch der Name sagt: Ich lerne LESEN daDURCH dass ich SCHREIBE“. Ist der Leselernprozess abgeschlossen (erfahrungsgemäß nach etwa 3-4 Monaten, also so um Herbst/Weihnachten herum), beginnt selbstverständlich das Vermitteln der korrekten RS! Warum auch immer KuK aus dem Lautieren im Anfangsunterricht (um Lesen zu lernen!) gemacht haben, dass im Deutschunterricht über Jahre hinweg (?) geschrieben werden darf, wie es sich anhört, ist mir schleierhaft! Ich habe vor 30 Jahren jedenfalls gelernt, dass das Lautieren im Anfangsunterricht extrem wichtig für den Schriftspracherwerb ist (Laut-Buchstabe-Zuordnung, genaues Hinhören…), dies dem Lesenlernen dient (Buchstaben Laute zuordnen und sie dann „zusammenziehen“) und wenn dies erfolgreich abgeschlossen ist (s.o.), beginnt das Rechtschreibtraining. Selbstverständlich werden somit auch schon Erstklässler korrigiert! Und sie trainieren, z.B. mit Karteikarten die korrekte Schreibung wie beispielsweise Wörter auf -er (Butter, Mutter, Harry Potter – die sich zugegebenerweise anhören wie „Butta, Mutta und Harry Potta…“).

Schade (aber verständlich), dass Sie durch die Erfahrung an der Uni nicht als GS-LehrerIn arbeiten wollen. Wir bräuchten so dringend „Nachschub“…

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uli

„Ich kann selbst die Grundrechenarten nicht vernünftig. Wie soll ich sie da unterrichten?“
Das soll wohl ein Scherz sein. Da haben Leute ein Abitur, haben studiert und können dann die Grundrechenarten nicht? Bildungsrepublik Deutschland?
Die Grundrechenarten den Kindern nahezubringen, das ist natürlich was anderes, das muss nicht jeder können.

Kurz
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Mit Nachteilsausgleich und irrwitziger Absenkung des Leistungsniveaus halte ich ein Abi ohne Sicherheit in den Grundrechenarten durchaus für möglich.
Abi ist doch schon längst nicht mehr das, was es mal war. Nach außen wird aber der Eindruck erweckt, als sei die Bildungspolitik noch in Ordnung. Dieser Eindruck wird noch unterstützt durch die Inflationierung guter Noten.

Lera
1 Jahr zuvor
Antwortet  D. Orie

In Bayern läuft es auch hier etwas besser.

Cornelia
1 Jahr zuvor
Antwortet  D. Orie

Vielen Dank für diesen Kommentar. Er spricht Bände.

Carsten60
1 Jahr zuvor

Die Probleme könnten auch eine Folge jener Botschaften sein, Rechtschreibung sei nur ein Unterdrückungsinstrument der bürgerlichen Klasse gegen das proletarische Volk. Überhaupt kam die traditionelle Bildung in Verruf, zu „bürgerlich“ zu sein.
Was Ausländer bzw. Zuwanderer betrifft: Natürlich haben die es nicht leicht, aber ich kann nicht erkennen, wieso die keine Rechtschreibung können sollen. Wenn ich was auf Englisch schreiben muss, dann bemühe ich mich natürlich auch um eine korrekte Rechtschreibung. In Zweifelsfällen vermeide ich ein Wort oder schlage im Wörterbuch nach. Also: Rechtschreibung ist auch in Fremdsprachen unverzichtbar. Besonders kompliziert scheint mir da das Französische zu sein, wie macht man das eigentlich in Frankreich? Mit „schreiben nach Gehör“ kommt man da bestimmt nicht weit.
Leider gibt’s in manchen Restaurants laut einer auf der Straße aufgestellten Tafel schon Spagetti oder Hünchen. Das müsste wohl nicht sein.
Und jeder kann selber testen (z.B. an zufälligen Tippfehlern), wie stark die Verständlichkeit des Geschriebenen mit der Zahl der Fehler sinkt. Ich war überrascht. Ein falscher Buchstabe kann aus dem Kontext meist mühelos erschlossen werden, wenn aber mehrere Wörter hintereinander falsch geschrieben sind, ist es aus.

Uli
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Ich bin DAF Lehrerin in Paris und weiß das nur teilweise aber ich weiß, dass mindestens bin zum Ende des Collège noch Diktate geschrieben werden und dass es viele Schüler und Schülerinnen gibt, die schlechter schreiben als ich. Und ich lebe erst 6 Jahre hier.
Ich schrieb neulich cochon d’inde (Meerschweinchen) an die Tafel und alle Schüler bis auf einer meinte, es müsse cochon dinde (Schweinchen-Pute) heißen. Ich war entsetzt. Das Französische hat ja keine sehr enge Phonem-Graphem Beziehung und ist extrem schwer zu schreiben. Die Schüler fragen sich oft gegenseitig. Wenn ich mal unsicher bin, dann kennt häufig auch nicht jeder die richtige Antwort.

dauerlüfterin
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uli

😉

dinde und d’Inde ist dennoch die gleiche Buchstabenkombination…
(s. meine Anmerkung unten)

Last edited 1 Jahr zuvor by dauerlüfterin
dauerlüfterin
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Im Gegenteil, Französisch ist in dieser Hinsicht besonders simpel: Gleiche Lautung, gleiche Buchstabenkombination und nur eine Vokallänge, Abweichungen durch Accents gekennzeichnet. Dass das für Sus meist nicht transparent ist, steht auf einem anderen Blatt.

Zur Komplexität von Aussprache und Schreibung des Englisch siehe hier: https://www.learnenglish.de/pronunciation/pronunciationpoem.html

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  dauerlüfterin

Ach, und „ot“, „aux“, eaux“, „au“ klingt alles wie „oh“. Was machen die Grundschüler damit? Was ist mit dem „s“ am „Schluss, das nicht gesprochen wird, etwa bei „les ecoles“ ? Was ist mit dem „h“ am Wortanfang, das nicht gesprochen wird? Schreiben nach Gehör?

dauerlüfterin
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Diese Buchstabenkombinationen lesen sich aber – im Gegensatz zu den Beispielen im verlinkten Gedicht immer o. Das ist kein Widerspruch zu meiner obigen Aussage.

Was ist genau das Problem bei -s am Wortende? Die Regel ist doch auch hier klar.

Grundschüler? In den meisten Fällen ist Französisch zweite Fremdsprache. Sie hatten sich als Forist mit deutschem Namen geäußert, sodass ich von der Fremdsprache ausging.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  dauerlüfterin

Mit Verlaub: Ich hatte fragen wollen, wie denn wohl die Erstklässler in Frankreich das machen sollen, s. oben. Sollen die pädagogischen Prinzipien im Nachbarland gänzlich andere sein als hierzulande? Etwas polemisch: Sollen die kleinen Franzosen auch „schreiben wie sie hören“ ?

Rainer Zufall
1 Jahr zuvor

Zum Glück wurde auf „Schreiben nach Gehör“ gedroschen, aber immerhin haben wir auch 2010.
Umgekehrt könnte ich jetzt auf die „Nein, du schreibst das falsch!“-Methode eingehen, aber das wäre jedoch sehr stark vereinfacht und würde den Gedanken des Ansatzes um Meilen verfehlen…

U.L.I.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich bin ja immer noch auf der verzweifelten (Google-)Suche nach dem Ursprung des Begriffs „Schreiben nach Gehör“. Ich habe in den letzten 30 Jahren als GS-Lehrerin nicht mitbekommen, dass dies eine Rechtschreibmethode sein soll! Mir gegenüber wurde das nie kommuniziert. Ehrlich gesagt habe ich diesen Ausdruck erstmalig von Frau Gebauer gehört.

Lautieren mit der Anlauttabelle, „Lesen durch Schreiben“, Prof. J. Reichen usw. sind mir allerdings sehr wohl ein Begriff. Seit langem. Ich lernte, dass es sich lediglich um eine Leselernmethode handelt (die auch funktioniert!).
Das hat aber nicht ansatzweise mit RS zu tun (siehe meinen Beitrag weiter oben).
Auch in NRW, praktiziert man das Lautieren mit besagter Tabelle (und lernt somit relativ schnell das Lesen), findet bereits Rechtschreibunterricht in Klasse 1 statt! Alles andere wäre doch Irrsinn! „Meine“ Erstklässler lernen bereits in der 2. oder 3. Schulwoche das Silbenschwingen und damit verbunden die Information, dass in jeder Silbe ein Vokal „wohnt“. Eine nicht unwichtige Strategie, um geschriebene Wörter selber kontrollieren zu können auf Fehler.
Schreibt ein Kind in meiner Klasse „Butta“ statt „Butter“ brülle ich selbstverständlich nicht „Das ist falsch!“. Aber ich korrigiere, sage, dass es sich tatsächlich wie „a“ am Ende anhört, dies aber mit „-er“ geschrieben werden muss, also eines „unserer Harry Potter-Wörter“ sei. Das Wort wird auf ein Kärtchen geschrieben und wandert gleich in die Wörter-Lernkiste, mit der falsch geschriebene Wörter trainiert werden…

Ich kenne wirklich viele GS-KuK im Rheinland und habe wirklich (!) noch nie gehört, dass Kinder bis Klasse 2 (oder noch länger???) schreiben dürfen, wie sie wollen bzw. wie sie es hören… Auch nicht vor 5, 10 oder 20 Jahren. Irgendwas ist da falsch gelaufen. Ob die Ausbildung daran schuld ist, weiß ich nicht…

laromir
1 Jahr zuvor
Antwortet  U.L.I.

Doch. Leider wurde/wird das gemacht. Gab hier irgendwann endlose Diskussionen, weil Eltern die Rechtschreibung nicht korrigieren sollten usw. Das sah so furchtbar aus und die Kinder konnten wen/wenn, ä/e, ch /sch usw. gar nicht auseinander halten. Jetzt korrigiert man wieder etwas mehr, vieles bleibt aber trotzdem stehen und wird erst in der 2. oder 3. Klasse korrigiert. Wir haben uns u.a. aus diesem Grund für eine Privatschule entschieden. Hier wird altertümlich ab Tag 1 Wert auf Rechtschreibung gelegt. Soweit ich weiß, wurde dadurch noch kein Kind traumatisiert. Auf unsinnige Diskussionen am Elternabend oder bei den Hausaufgaben hatte ich echt keinen Bock.

Last edited 1 Jahr zuvor by laromir
Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  U.L.I.

Und woher kommen dann die abenteuerlichen Schreibweisen wie „dafakait“ ? Herr Schönweiss spricht im Artikel von „Methoden auf der Elfenbeinturm-Ebene“.

laromir
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Ist doch so niedlich, wenn die süßen Kleinen zum Muddatak schreiben: isch hab disch lib, wail du bist di bestä, Mudda der weld.
Grüse fon deina Lisa

Und diese Motivation erst, da darf man auf keinen Fall was sagen, sonst schreibt das arme Kind nie wieder was…stimmt…nie wieder was richtig…

Musste schon oft genug Texte laut lesen, damit ich kapiert habe, worum es gehen soll. Traurig nur, dass die Kinder bis in die Oberstufe diese Defizite mitschleppen. Da kracht es dann natürlich, wenn sie bis dahin nicht alles aufgearbeitet haben.

U.L.I.
1 Jahr zuvor
Antwortet  laromir

Schülerinnen und Schüler sollen das Schreiben und Rechtschreiben in einem aktiven, durch Beispiel, Reflexion und Anleitung unterstützten Prozess lernen. Unter Berücksichtigung der Phonem-Graphem-Korrespondenz sollen sie Einsichten in die Regelhaftigkeiten und Besonderheiten der deutschen Rechtschreibung erwerben. Sie sollen Grundprinzipien der deutschen Orthographie mithilfe von Rechtschreibwortschatz und Rechtschreibstrategien erforschen. Sie lernen dabei auch den Umgang mit Wörterbüchern und digitalen Rechtschreibhilfen.  

Aus dem Lehrplan Deutsch für die Primarstufe, NRW, 2021

U.L.I.
1 Jahr zuvor
Antwortet  laromir

Das hat nichts mit niedlich zu tun. Das ist der erste Schritt auf einem langen Weg.
Ich lernte in den 70ern zuerst das A, dann das L, dann das I. Nach etwa 4 Wochen Schule konnte ich mit etwas Glück „Ali“ schreiben, kannte aber niemanden, der so hieß…es brachte mir also nicht so besonders viel. Die Sinnhaftigkeit all meiner Anstrengungen fehlte.

Heute begreifen Erstklässler die Bedeutung von Schriftsprache schon sehr viel früher – auf der Lautebene können sie sich mitteilen, indem sie Briefe schreiben, Tagebucheinträge vornehmen usw. Ja, ich erlebe es tagtäglich, das motiviert ungemein und macht diese 6 (!)jährigen stolz!
Und nochmal: Natürlich beginnt direkt nach dieser Phase des Lautierens das Rechtschreibtraining! Schon in Klasse 1.

Welche Methode stellt Ihrer Meinung nach eine Alternative dar? Buchstabe für Buchstabe durch das Alphabet? Vom ersten Schultag an vorgeschriebene Wörter vorgeben, die auswendig gelernt werden müssen? Welche Wörter sind das? Ein Garant für perfekte Rechtschreiber? Die gab es noch nie. Auch nicht in den 70ern…

Für mich liegt der Schlüssel zum Erfolg weiterhin darin, vom ersten Schultag an lautorientiert zu schreiben, dadurch das Lesen zu erlernen und direkt im Anschluss, also spätestens zum 1. Halbjahr von Klasse 1 mit einem systematischen RS-Training zu beginnen. Das selbstverständlich auch über die GS hinaus noch einige Jahre an der weiterführenden Schule fortgesetzt werden muss.

U.L.I.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Nunja, wie ich oben schrieb stammen solche Schreibweisen aus der Arbeit mit der Anlauttabelle, dem Lautieren, in den ersten Schulwochen. Das wird auch nicht die einzige Schreibweise des Wortes „Tapferkeit“ innerhalb einer Lerngruppe von 1ern sein…
Und da bin dann ich als Lehrerin gefragt:
-Buchstabenverbindung pf muss erarbeitet werden
-Lautunterscheidung d/t muss erarbeitet werden (Kinder, die „tafakait“ geschrieben haben, haben in diesem Bereich schon weniger „Defizite“…)
-Wörterendungen auf -er müssen erarbeitet werden
-Großschreibung von Nomen muss erarbeitet werden
-Wortbausteine wie -heit und -keit müssen erarbeitet werden
Also viiieeel Arbeit!
Sie glauben ja nicht ernsthaft, dass ein Kind in Klasse 1, sollte es das Wort „Tapferkeit“ rechtschriftlich korrekt nach Vorgabe und auf Anweisung auswendig gelernt haben und ab da immer richtig schreiben, es sämtliche ähnliche Wörter auch immer richtig schreibt. Dazu benötigt es die Einsicht in Rechtschreibstrategien, Rechtschreibregelungen, die auf andere Wörter übertragen werden können und die eingeübt werden wollen. Nach und nach. Wie ich oben schrieb beispielsweise mit einer Lernwörterkiste oder isolierten Übungen passend zum Fehlertyp.

Ich wiederhole mich gerne. „Schreiben nach Gehör“ ist keine fachdidaktische Methode. Dieser Ausdruck entstammt bzw. wurde wortschöpferisch gebildet aus der Leselernmethode von J. Reichen. Sobald der Leselernprozess abgeschlossen ist (nach etwa 3-4 Monaten) beginnt selbstverständlich das Rechtschreibtraining! Dass dies offenbar gründlich in den Sand gesetzt wurde (Fehler in der Ausbildung?), weiß ich und habe ich in den letzten Jahren häufig lesen können…

Übrigens: Wörter die auf -er enden, die k/g-Unterscheidung, das Verlängern von Nomen (Tag, Tage) und die Großschreibung von Nomen waren Inhalte meines Deutschunterrichts in den letzten Wochen. Nächste Woche folgen Wörter mit Doppelkonsonant. Adäquaten „Muttertagsbriefchen“ sollte also nichts mehr im Wege stehen… 😉

Silja
1 Jahr zuvor
Antwortet  U.L.I.

Beim Wechsel des Bundeslandes nach Schleswig-Holstein traf mich beinahe der Schlag, als ich an einem Wahlsonntag in die nächstgelegene Grundschule ging und dort die ausgestellten Texte einer zweiten Klasse zu lesen bekam. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass man hier „Lesen durch Schreiben“ lernt, hätte ich das für einen bloßen Witz gehalten.
Tatsächlich verging mir das Lachen bei den ersten Schreibergebnissen meiner damaligen fünften Klasse recht flott.
Diese vollkommen idiotische Herangehensweise prägte die Rechtschreibfähigkeit leider dauerhaft und die Probleme waren bei sehr vielen Kindern bis zum Ende der Sek I kaum zu beheben.

Carsten60
1 Jahr zuvor

„Glücklicherweise […] ist man wieder dazu übergegangen, die Korrektur von Rechtschreibfehlern […] in die Rahmenpläne aufzunehmen.“ So sagt Prof. Schönweiss.
Diesen Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Der beschreibt ganz kurz und knapp, woran es bei der heutigen „Bildung“ in den Schulen hapert: Man hat Dinge gestrichen, die vor ein paar Jahrzehnten vollkommen selbstverständlich waren, und merkt jetzt (urplötzlich) die negativen Folgen. Eine der Folgen dürfte sein, dass selbst jüngere Lehrer bei der Rechtschreibung unsicher werden, weil sie selber schon das System der abgeschafften Korrektur durchlaufen haben. Aber alle Reformen wurden mit hochtrabenden Bezeichnungen hochgejubelt, alles im Namen der Bildungsgerechtigkeit. Jetzt peilen wir schon die „21st Century Skills“ an, da wird Rechtschreibung gar nicht mehr vorkommen, weil ja alles und jedes digitalisiert ist. Die Moral: Wolkige „Kompetenzen“ sind einfach kein passender Ersatz für konkrete Kenntnisse und Fähigkeiten.

Lehrerin
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Das stimmt leider genau: Wie oft habe ich schon bei Referendaren festgestellt, dass diese als angehende Deutschlehrer (!) keine korrekte Orthographie, Interpunktion und Grammatik beherrschen – wie sollen sie es dann den Schülern beibringen?? Und es stimmt: Rechtschreibung wurde als bürgerliche Unterdrückung und Ausgrenzung betrachtet und abgewertet, als „Selektionsinstrument“, wenn man pointiert darauf hingewiesen hat.
Und jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, und wir müssen sehen, wie wir es wieder herausholen können. Üben, wiederholen, korrigieren dürfen in der Schule nicht mehr als veraltet betrachtet werden, Inhalte nicht diffamiert als „bloßes Faktenwissen“: Ohne ein breites und sicheres Basiswissen sind all die „Kompetenzen“ leeres Gewäsch, Stricken ohne Wolle. Vernetztes, auch fächerübergreifendes Denken braucht stabile Grundlagen, an denen das Netz angebunden werden kann, sonst hält und trägt es nicht.
Und dann kommt die Herausforderung: Ohne Anstrengung geht das alles nicht! Old School – ja, aber effektiv!

GriasDi
1 Jahr zuvor

Aber sie sind doch sooooo kreativ. Mittlerweile schreiben meiner SchülerInnen schon zum Teil ohne Leerzeichen zwischen den Wörtern. Ein ganzer Satz als ein Wort.

Diluhlenspiegel
1 Jahr zuvor
Antwortet  GriasDi

spartspeicherplatzimhirnundheft

Give Peace a Chance
1 Jahr zuvor
Antwortet  GriasDi

Wie? Die setzen einen Punkt am Ende eines Satzes?! WOW !

Da ist doch schon viel erreicht 😉

Johannes
1 Jahr zuvor

Was ich nicht lesen, entziffern ider dechiffrieren kann, wird nicht bewertet, ist quasi nicht vorhanden. Im Zweifel lasse ich die Sachen nochmal abschreiben, teilweise nach der 6. Stunde. Damit hat sich das Thema nahezu erledigt.

mama51
1 Jahr zuvor
Antwortet  Johannes

Und ich bin so fies, dass meine Viertklässler (seit Klasse 3) wissen:
Ein Wort, über dessen Bedeutung ich auch nur ganz kurz nachdenken muss, wird als falsch bewertet! Durch meine Konsequenz ist bei ihnen zumindest das Schriftbild bei allen (!!!) durchschnittlich gut bis tw sehr gut!
Dass sie dadurch auch ihre eigene Schrift gut lesen können, hat tatsächlich auch die Rechtschreibung gebessert. Natürlich gibt es zusätzlich die allseits bekannten Fördermaßnahmen, keine Frage!

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor

Frau Schmitt ist gut zu Vögeln – Frau Schmitt ist gut zu vögeln.

Alles egal.

Was icht nicht entschlüsseln kann ist falsch. Aus. Und das ist bei Ü16 alternativlos, wie das schöne neue Wort so heißt.

Ureinwohner Nordost
1 Jahr zuvor

Wer mir in Rechtschreibung, deuschter Grammatik und bei den Rechenregeln nicht folgen möchte (solange es nicht besser ist, als ich) kann das tun.

Sie verstehen mische nischte?

Nein.

Ische komme mit de Annewalte.

Доброе пожаловать.
Der Kollege Lehrer geht jetzt aus dem deutschen Schulsystem.

Bis nimmer mehr. 🙂

Genau, ich gehe jetzt.

Viel Spaß bei der MINT-Mehrarbeit,
liebe Kollegen.

Kay Gollhardt
1 Jahr zuvor

dafakaid“ bedeutet „Tapferkeit“!

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor

Wer sich nicht in Wort und Schrift verständlich ausdrücken kann hat das Problem – nicht der Lehrer oder besser: Nicht schon wieder der Lehrer.

Ich habe schon von Kollegen berichtet bekommen, dass sie Aufsätze ihren Partnern vorlesen, damit sie einen Zugang finden.

Apocolocyntosis
1 Jahr zuvor

Zum Partner? 🙂

Pit2020
1 Jahr zuvor

@Der Zauberlehrling

„Ich habe schon von Kollegen berichtet bekommen, dass sie Aufsätze ihren Partnern vorlesen, damit sie einen Zugang finden.“

=

  1. mulitprofessionelles Team
  2. 24/7 ist jemand ansprechbar
  3. kostengünstig wie sonst nix: Pay 1 – get 1 for free!

= Warum macht jemand (= 2 erwachsene Leute) so einen Unfug???

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor
Antwortet  Pit2020

BOGOF. So sieht es aus.

Ich weiß es nicht, warum man sowas treibt.

Ureinwohner Nordost
1 Jahr zuvor

Es gibt Sprachen, die sich nicht offiziell Veranglizifizieren lassen möchten.
Was vom Volke mitgetragen wird…
sei es darum.
Aufgedrückt?
Aber nein doch.

Ich bin Deutscher und ich verwende meine Muttersprache, meine Vatersprache, also Deutsch.

Was passiert, wenn ich sterbe?
Mir egal, dann lebe ich ja nicht mehr. 🙂

Antje Stutzenberger
3 Monate zuvor

Ich glaube wir haben an unseren Schulen ganz andere wichtige Probleme, als sich um die Rechtschreibung Gedanken zu machen. Es fehlen Lehrkräfte an allen Ecken und Enden und eine grundlegende Änderung des Schulsystems wären viel wichtiger. Zudem sollten wir die Schulsysteme deutschlandweit anpassen, bevor wir uns um Nichtigkeiten den Kopf zerbrechen. (Eine Lehrerin, die über 30 Jahre im Schuldienst ist)

Meixner Kordula
2 Monate zuvor

Rechtschreibung /Korrektur

Es ist die Quote der nicht oder mangelhaft Deutsch sprechenden Schüler/innen zu verdanken.
Diese Kinder schreiben so ,dass man schon fast ein Übersetzungsprogramm benötigt.Eine richtige Beurteilung ist fast unmöglich.In der Grundschule entstehen auch Versäumnisse, ( wir schreiben nach Gehör ). Die Schreibkorrektur im Computern ist manchmal Haarsträubend, Herr Minister, der Computer ersetzt Wörter egal ob Sinngemäß oder nicht.
Liegt die Zukunft auch beim Schreiben auf K1 ? Ich habe Zweifel ,denn um diese richtig einzusetzen sollte man lesen können ,dass können die Kinder genauso wenig.
Lese ,Rechtschreibeschwäche ( LRS )
betrifft heute 60 % der Schüler.
Durch Übung sind auch hier Verbesserungen möglich , nur wer übt denn noch mit seinem Kind kontinuierlich? Bis 16 Uhr in der Schule ,dann ist Feierabend.
Fazit : Bitte nicht noch mehr aufweichen, wir sind schon Schlusslicht in Sachen Bildung.
Führt Pflichtkurse ein ,für Migrationskinder und auch LRS Kinder.
Übung macht den Meister ,! Diese Übung muss in zusätzlichen Stunden nach dem Unterricht erfolgen.

Meixner Kordula
2 Monate zuvor

Rechtschreibung ist lernbar !
Lernen muss man erstmal lernen !
Förderung benötigt Zeit und Personal ,
Das ist nicht vorhanden und wird von der Politik auch nicht gewollt.
Politiker sind nicht wirklich interessiert am Bildungswesen ,schon gar nicht bereit Geld zu investieren.

A.Staar
1 Monat zuvor

Um frühzeitig LRS zu erkennen, gibt es seit Jahren Testverfahren ab dem Kindergarten. Jedoch wurde viel zu lange nicht differenziert zwischen LRS und/ oder Rechtschreib- oder Grammatik-Schwierigkeiten, die sich ähnlich beim Erwerb in Fremdsprachen zeigen, wenn Kinder mit mehreren Sprachen aufwachsen. Noch wurde, insbesondere an weiterführenden Schulen, LRS anerkannt und gefördert. Diese Differenzierung findet bis heute nicht ausreichend statt und es mangelt an entsprechender Didaktik, obwohl Massen an staatlichen und privaten Fördermitteln in außerschulische Nachhilfe gepumpt werden. Nun kann man es sich einfach machen und immer wieder berichten, Kinder hätten kein Bock, sind nicht fähig, sind faul oder Eltern hätten kein Interesse oder sind bildungsfern und können ihren Kindern nicht helfen usw.. Doch viele verbringen Stunden in zusätzlichen Fördermaßnahmen am Nachmittag und zeigen eine hohe Leistungsbereitschaft, die in keinerlei Weise gewürdigt wird. Stattdessen frustrieren sie früh an immer wieder erlebten Misserfolgen, durch einheitliche Lernstandserhebungen. Die Grundproblematik ist ein fehlendes gemeinsames Ziel für eine individuelle Lernkurve, die zu einem Bildungsabschluss führt. Noch weniger werden dabei individuelle Talente gestärkt. Es wird in viele unterschiedliche Richtungen am Kind gezerrt und es werden weder unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigt, aber gleiche Leistungen ( Vergleichbarkeits- oder besser Selektionsgrundlagen) erwartet. Hinzu kommen die fehlenden Mittel und das fehlende Personal in der Schule selbst, die notwendig wären um auf die individuellen Bedarfe eingehen zu können. Für Vertiefung bleibt keine Zeit. Was also nicht Zuhause aufgefangen werden kann, muss außerschulisch ausgelagert, nachgearbeitet werden, ohne Honorierung der Leistung. Nicht selten findet das auch noch an mehreren Orten statt und nichts von den Bemühungen ist auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet. Also erfahren viele Kinder schon frühzeitig Misserfolge und werden nicht positiv bestärkt. Nein wahrlich….wir können Schulen bei solchen Diagnosen auch schließen und lehnen uns zurück, weil Bildung eh von der Herkunft abhängig bleibt. Zum einen würde das weder den Kindern gerecht, noch vielen hoch motivierten Lehrkräften. Also bleibt doch die Frage, wann begreifen wir, dass Bildung Vertrauensarbeit ist, die endlich wieder in der Schule und nicht an externen Orten stattfinden muss und Lehrkräfte die notwendige Unterstützung und den notwendigen Spielraum brauchen. Sie müssen endlich wieder ihre Selbstwirksamkeit erleben, dass alle Kinder mit Talente in der Schule ankommen, die sie fördern und stärken können und es sich lohnt. Kinder verbringen heute mehr denn je Zeit in Schule, in der Betreuung, in der Therapie oder anderen Bildungseinrichtungen, haben kaum noch Familienzeit oder Zeit am Nachmittag einfach nur mit Freunden zu spielen. 8 Stunden und mehr außer Haus sind keine Seltenheit. Mehr ist also nicht immer mehr Erfolg oder Würdigung, sondern scheinbar immer weniger. Leistung lohnt sich scheinbar nicht! Das erleben sie nicht selten auch Zuhause… 40 Stunden Arbeit zum Mindestlohn. Aber alle vier Jahre wird an neuen Kernlehrplänen gedoktert, die schulisch wieder angepasst werden müssen, bei ohnehin knapper Personaldecke. Das Dogma zentraler Vergleichbarkeit erstickt die Förderung der individuellen Talente, haptisch oder körperlich ohnehin. Denn scheinbar spinnen alle Wissenschaftler, die immer wieder gebetsmühlenartig verkünden, wie wichtig das Lernen mit allen Sinnen und Bewegung ist. Stattdessen erstickt der Prüfungs- und Administrationswahn die notwendige Vertrauens- und Beziehungsarbeit, wohlwissend, dass Zuspruch und Wertschätzung die essentielle Grundlage für eine gesunde Entwicklung der Kinder und Lernfreude der Lehrkräfte und Kinder ist. Es ist also nicht Schuld der Kinder, sondern des fehlenden politischen Willens, des fehlenden Mutes, dass Bildung gleichwertige Grundlagen, Ressourcen und Voraussetzungen bekommt, damit individuelle Inklusion und Integration in Erfolg münden. Wer zentral vergleichen will, muss bereit sein Schule zentral materiell, wie personell – chancengleich- auszustatten. Aber uns gelingt derzeit nicht einmal Lehramtsanwärter für Schule, für unsere Kinder zu begeistern…da brauchen wir noch ein paar mehr negative Berichte.