Schulministerium lässt Logineo sanieren – Kosten? Unklar. Bessere Alternativen? Unklar.

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DÜSSELDORF. Logineo, die digitale Arbeits-, Lern- und Kommunikationsplattform für Schulen in Nordrhein-Westfalen, wird trotz großer Schwächen fortgeführt und weiterentwickelt. Da­rüber hat Schulministerin Dorothee Feller (CDU) den Schulausschuss des Landtags informiert. Zuvor war Logineo durch das Fraunhofer-Institut im Auftrag des Schulministeriums einem angeblich „umfassenden und ergebnisoffenen Zukunfts-Check“ unterzogen worden – was die Sanierung kostet, war dabei allerdings nicht ermittelt worden (News4teachers berichtete).

Das Ministerium hält das System für tragfähig, hat aber Alternativen gar nicht checken lassen. Foto: Shutterstock

Feller erklärte: „Das Fraunhofer-Institut hat Logineo auf Herz und Nieren geprüft – gründlich und gewissenhaft. Die Ergebnisse des Zukunfts-Checks haben wir uns sehr genau angesehen und mit allen Beteiligten ergebnisoffen diskutiert. Maßgeblich für die Entscheidung, Logineo fortzuführen, war die Einschätzung der Expertinnen und Experten, dass die Anwendung über die bisherigen Funktionen für das Lernen, die Kommunikation und die Organisation von Schule hinaus auch die Anforderungen der kommenden Jahre erfüllt, sofern zeitnah Maßnahmen zur Optimierung umgesetzt werden. Auf dieser Grundlage bauen wir auf und werden Logineo nutzerorientiert weiterentwickeln.“

Um den Leistungsumfang der Platform zu erweitern und dabei die Bedürfnisse und Perspektiven der Nutzerinnen und Nutzer zu berücksichtigen, werde das Schulministerium den Empfehlungen des Fraunhofer-Instituts folgen. Konkret heißt das:

  1. „Die Komponenten LOGINEO NRW (Schulplattform), LOGINEO NRW LMS (Lernmanagementsystem) und der LOGINEO NRW Messenger werden zu einer Anwendung zusammengeführt.
  2. LOGINEO NRW wird um eine kollaborative und open-source-basierte Office-Suite erweitert, die die Möglichkeit eröffnet, online gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten.
  3. Die Schnittstellen von LOGINEO NRW zu anderen Anwendungen, wie dem länderübergreifenden Dienst für Identitätsmanagement VIDIS, werden ausgebaut. So können auch digitale Angebote, wie zum Beispiel Lern-Apps oder andere digitale Angebote etwa von Schulbuchverlagen, schrittweise angebunden werden.
  4. Das Schulministerium stellt sicher, dass LOGINEO NRW kontinuierlich weiterentwickelt wird, um dauerhaft den sich wandelnden Anforderungen gerecht zu werden. Der von Ministerin Feller berufene Praxisausschuss von Nutzerinnen und Nutzern bleibt zudem bestehen.
  5. Durch den Aufbau einer eigenen Webseite zu LOGINEO NRW mit Informations-, Hilfs- und Unterstützungsangeboten wird die Kommunikation zu LOGINEO NRW deutlich verbessert.“

Mit der Umsetzung soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Die wesentliche Weiterentwicklung von Logineo sei ab 2024 geplant. Was die Sanierung kostet, ist unklar – und damit auch, ob eine gebrauchsfertige IT-Lösung eines kommerziellen Anbieters womöglich besser und billiger wäre. Der VBE begrüßt die Ankündigung trotzdem. „Diese Entscheidung war lange überfällig. Die Schulen müssen sich auf ein datensicheres und nutzerfreundliches Angebot des Landes verlassen können. Dass man an Logineo festhalten und es weiterentwickeln wird, ist für die Schulen, die mit Logineo arbeiten, eine gute Nachricht“, erklärte Landesvorsitzender Stefan Behlau. News4teachers / mit Material der dpa

„Digitales Chaos“: Warum ein Schul-IT-Experte Gebauers Plattform Logineo für einen Totalausfall hält

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7 Kommentare
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Bill
11 Monate zuvor

Für das ganze Geld hätte man auch einfach allen Schulen eine iServ Lizenz kaufen können.
Genau das, was man mit Logineo erreichen wollte und auch die zukünftigen Lösungen, die im Artikel angesprochen werden, gibt es da schon und das auch noch deutlich benutzerfreundlicher…
Sowas geht natürlich nicht, weil schon fast alle Schulen in Niedersachsen mit iserv arbeiten und man nicht einfach eine funktionierende Lösung übernehmen kann.
An meiner Schule (NRW) arbeiten wir mit iserv, Logineo liegt brach und ist nur aktiviert, um das Land zufrieden zu stellen.
Es gibt sicherlich auch andere Lösungen, SDUI und andere, die ich nicht so gut kenne. Das sind private Unternehmen, die kundenorientiert arbeiten. In der Wirtschaft weiß man auch, dass es häufig günstiger ist, eine funktionierende Lösung von außen einzukaufen als alles selbst zu machen.
Aber da das Land NRW so eine riesen IT Kompetenz hat, wird natürlich selbst entwickelt, mit den absehbaren Problemen.
Lösungen wie iserv oder sdui kosten ein paar hundert Euro in der Einführung und dann Beträge von 2 bis 5€ pro Schüler pro Schuljahr. Kann mir kaum vorstellen, dass Logineo wirklich günstiger ist. Und bei Ausgaben von ca. 10.000€ pro Schüler pro Jahr, würden 5€ auch kaum ins Gewicht fallen.

Wissenspflaster
11 Monate zuvor
Antwortet  Bill

Die Schule meiner Kinder hatte SDUI – bis sie dann wegen System- und Performancemängeln zu MS-Teams gewechselt ist.
In der Wirtschaft arbeiten praktisch alle Unternehmen seit Jahren erfolgreich mit MS-Teams, an der Schule funktioniert das ebenfalls hervorragend, wenn man es denn nutzen will/darf.
Ich kann das „Ich bau mir meine eigene Sandburg“ für Schulen nicht mehr hören – ich will Kinder unterrichten und nicht beta-Tester für unausgegorene Software sein.

Hans Malz
11 Monate zuvor
Antwortet  Wissenspflaster

MS Teams != Lernmanagemantsystem. Irgendwann muss das doch mal der Letzte verstehen.

Hier ein kleiner Link mit einer Einschätzung zur Superplattform der Superfirma Microsoft:
https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Microsoft-provoziert-den-Cloud-GAU-und-reagiert-dann-katastrophal-9258697.html
Vielleicht versteht das auch ein Nicht-ITler – In der der Sandburg möchte ich nicht spielen.

Hans Malz
11 Monate zuvor

Bitte nicht an Logineo LMS rumfummeln! Das funktioniert gerade super. Wenn die Vollpfosten das dran gehen, hat sich das erledigt.

Mo3
11 Monate zuvor

Unsere Schulen in NRW arbeiten mit Iserv oder TEAMS. Nach wie vor ist es für mich völlig unverständlich, dass jedes Bundesland eine eigene Lösung entwickeln muss und man nicht mal hier zusammenarbeitet, wenn man nicht auf kommerzielle Lösungen setzen möchte. Die KMK hätte hier doch (schon vor Jahren) Einigkeit und ein gemeinsames Projekt anstoßen sollen, als einen unsinnigen internen Wettbewerb (?) zu starten. Vor allem, weil man kommerziellen Lösungen immer hinterherlaufen wird.

Markus
11 Monate zuvor

Wir verwenden logineo lediglich für datenschutzrelevante Dateien und Email. Für alles andere läuft Moodle und Office parallel. Man kann zu Microsoft Office stehen wie man will, aber es ist nun einmal das am meisten genutzte System in der Wirtschaft und es macht an meiner berufsbildenden Schule absolut Sinn, das System zu nutzen, weil es auch in den Lehrplänen verankert ist. Wir bringen den Lernenden bei, wie man die Office Suite verwendet, nur um ihnen dann zu erklären, dass es ja ganz böse ist……BS

Sascha
10 Monate zuvor

Diese Holdigung an Microsoft ist interessant. Also klar ist Logineo hängt meilenweite hinterher.

Microsoft aber immer mit der Begründung, dass benutzt ja jeder zu legitimieren ist aber genauso sinnfrei.

Es gibt in der Wirtschaft auch sehr viele große Unternehmen die nicht MS benutzen.

In der Schule sollte es wichtige sein nicht ein bestimmtes Produkt zu lernen, sondern wie ich lerne Funktionen der Produkte einzusetzen.