Pflichtfach Informatik für alle verspricht mehr Chancengerechtigkeit – das Problem: Es gibt nicht genug Fachlehrkräfte

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BERLIN. In Deutschland erhalten weiterhin zu wenige Schülerinnen und Schüler Informatikunterricht – das ist das Fazit des aktuellen Informatik-Monitors 2023/24, den die Gesellschaft für Informatik, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Heinz Nixdorf Stiftung herausgeben. Demnach besuchten im vergangenen Schuljahr lediglich rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I Informatik als Pflichtfach. Kein Wunder, setzten doch nur fünf Bundesländer auf einen verpflichtenden Informatikunterricht. „Die Schülerinnen und Schüler laufen Gefahr, die Schule ohne grundlegende digitale und informatische Kompetenzen zu verlassen“, mahnt Volker Meyer-Guckel, Generalssekretär des Stifterverbandes. „Erfolgschancen auf dem Arbeitsmarkt insbesondere bei Frauen sollten nicht davon abhängen, in welchem Bundesland man aufwächst.“

In lediglich sieben der 16 Bundesländer ist Informatik im Schuljahr 2023/2024 ein Pflichtfach. Foto: Gerd Altmann / Pixabay (CC0 1.0)

Die Siebtklässler im Saarland starteten mit einem neuen Fach auf dem Stundenplan ins aktuelle Schuljahr: An allen Gymnasien und Gemeinschaftsschulen des Landes steht nun Informatik verpflichtend auf dem Programm (News4teachers berichtete). Gleiches galt für die Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe in Niedersachsen und ab 2025 will auch Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) nachziehen. Er will Informatik als Pflichtfach in allen Stadtteilschulen und Gymnasien verankern (News4teachers berichtete). „Digitale Technik bestimmt die Berufswelt, die Welt von Bildung und Wissenschaft und unser Alltagsleben. Wer digitale Techniken nicht versteht, droht schnell in der digitalen Welt abgehängt zu werden“, so Rabe. „Wir wollen Hamburgs Schülerinnen und Schüler mit den Herausforderungen nicht allein lassen, sondern bereits in der Schule gut auf das Leben vorbereiten.“ Die ersten Pilotschulen sollen mit dem Unterricht bereits im kommenden Schuljahr beginnen.

SWK-Empfehlung: sechs Wochenstunden in der SEK I

„Es ist ermutigend zu sehen, dass die Bundesländer nach und nach dazu übergehen, Informatik als Allgemeinbildung zu begreifen“, sagt Volker Meyer-Guckel, Generalssekretär des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Dennoch gebe es in verschiedenen Bundesländern Lücken in den Lehrplänen. Diese Lücken finden sich nicht nur in den Bundesländern ohne Informatik als Pflichtfach, sondern teilweise auch in denen, die das Fach verpflichtend in die Stundentafel aufgenommen haben. Denn nicht alle erreichen den empfohlenen Umfang von mittelfristig sechs Wochenstunden, für den sich die ständige wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) in der Sekundarstufe I ausspricht. Das entspricht beispielsweise einer Schulstunde von der fünften bis zur zehnten Klasse. „Der Informatik-Monitor zeigt: Dieses Ziel liegt noch in weiter Ferne“, kommentiert Christine Regitz, Präsidentin der Gesellschaft für Informatik.

Bislang bieten nur Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland Informatikunterricht im empfohlenen Umfang an, in Sachsen existiert das Pflichtfach von der Klassenstufe 7 bis 10 mit vier Wochenstunden. In deutlich geringerem Ausmaß findet das Fach in Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen statt (je 2 Wochenstunden in der SEK I) sowie in Baden-Württemberg (eine Wochenstunde in der SEK I).

Durch eine stärkere Verankerung in den Lehrplänen der Sekundarstufe leisten die Bundesländer „einen wirksamen Beitrag zur Chancengleichheit“, so Volker Meyer-Guckel, Generalssekretär des Stifterverbandes. Hängt doch der Erwerb grundlegender digitaler und informatischer Schlüsselkompetenzen dann nicht mehr von den eigenen Interessen und dem Angebot des Wahlpflicht- oder Wahlbereichs in der Schule ab. So weisen Analysen des Stifterverbandes darauf hin, dass verpflichtender Informatikunterricht in der Sekundarstufe I eine zentrale Rolle spielt, um insbesondere Mädchen für die Informatik zu begeistern: Während in Bundesländern ohne Pflichtfach Informatik Mädchen Kompetenznachteile gegenüber Jungen zeigen, sind diese in Bundesländern mit Pflichtfach Informatik ausgeglichen. In Bundesländern mit einem umfangreichen Pflichtfach Informatik in der Sekundarstufe I wie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen belegen auch deutlich mehr Frauen Informatik in der Oberstufe. Der Frauenanteil beträgt dort durchschnittlich 40 Prozent; in Bundesländern ohne Pflichtfach sind es 26 Prozent.

Rund 22.700 fehlende Fachlehrkräfte

„Die jüngsten Entwicklungen im Bereich des verpflichtenden Informatikunterrichts zeigen, dass die Bundesländer zunehmend Wege finden, neue Unterrichtsinhalte in die Stundentafeln zu integrieren“, sagt Horst Nasko, Vorstand der Heinz Nixdorf Stiftung. Ein wesentliches Hindernis für die Umsetzung sei allerdings der Mangel an Fachlehrkräften in diesem Bereich. Um Informatikunterricht im Umfang von sechs Wochenstunden über die gesamte Sekundarstufe I anbieten zu können, würden bundesweit mindestens 32.400 Informatiklehrkräfte benötigt, heißt es im Informatik-Monitor. Derzeit sind jedoch nur etwas weniger als 9.700 Lehrkräfte mit der benötigten Lehrbefähigung an deutschen Schulen beschäftigt. „Die künftigen Lehramtsabsolventinnen und -absolventen werden den wachsenden Bedarf nicht decken können“, sagt Nasko und plädiert für „kreative Lösungen für die Weiterbildung vorhandener Lehrkräfte, zum Beispiel durch den Ausbau von ortsunabhängigen Weiterbildungskursen“.

Um den Ausbau des Pflichtfachs Informatik weiter voranzutreiben, empfehlen die Herausgeber des Monitors den Bundesländern, die noch Nachholbedarf haben, sich an den Bundesländern zu orientieren, deren Entwicklung die in diesem Punkt bereits weiter fortgeschritten ist. Zur Unterstützung bietet der Informatik-Monitor eine Aufstellung der Stundentafeln der Gymnasien aller Bundesländer, aus der hervorgeht, wie sich die Stundentafeln der Bundesländer unterscheiden und wie einzelne den Informatikunterricht integriert haben. Mit Blick auf den Mangel an Fachlehrkräften raten sie, Informatik als Pflichtfach einzuführen, um angehenden Lehrkräften Planungssicherheit zu geben, sowie  Möglichkeiten der ortsunabhängigen Qualifizierung über Onlinekurse zu schaffen. News4teachers (ach)

Deutschland im internationalen Vergleich hinten: Forderung nach Informatikunterricht wird lauter

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Sprachlos
9 Monate zuvor

Pssst: Genug Fachlehrer wird es bei diesem Reallohnverlust und den immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen in deutschen Schulen auch nicht geben.

Im Gegenteil: Immer mehr Informatiker wandern in die freie Wirtschaft ab.

SoBitter
9 Monate zuvor
Antwortet  Sprachlos

Ihrem letzten Satz widerspreche ich mal. Informatiker fangen gar nicht erst an, Informatik auf Lehramt zu studieren, erst recht nicht auf Sek I.

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Sprachlos

Auch umgekehrt. In der IT-Abteilung des Schulträgers arbeit einer ehemaliger Informatiker, der als Projektleitung ordentlich Geld verdient hat, sich dabei aber kaputt gearbeitet hat (50-60hWoche). Er verdient jetzt deutlich weniger Geld, ist aber zufrieden.

Ein anderer Informatiklehrer (auch ehemals Informatiker) ist in NRW sogar recht bekannt, da er Module für eine Studenplanprogramm programmiert.

Alle beide sind gerademal um die 40J.

Ein typischer Irrtum: Nur weil ein Lehrer ein Mangelfach abdeckt, heißt es noch lange nicht, dass er in der Wirtschaft gut verdient. Die fachlichen Kenntnisse sind für die Praxis selten ausreichend. Diese Lehrer gelten daher meist als unausgebildete Hochschulabsolventen.

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Ein typischer Irrtum: Nur weil ein Lehrer ein Mangelfach abdeckt, heißt es noch lange nicht, dass er in der Wirtschaft gut verdient. Die fachlichen Kenntnisse sind für die Praxis selten ausreichend. Diese Lehrer gelten daher meist als unausgebildete Hochschulabsolventen.

Was soll das denn bedeuten? Ein vollständig ausgebildeter Informatiklehrer hat nahezu das gleiche Studium durchlaufen wie ein normaler Informatikstudent.
Das ist schon der wiederholte Beitrag von Ihnen, der sich absolut nicht mit den Kenntnissen in Einklang zu bringen ist, wenn man wirklich Lehrer wäre.

Vielleicht sollten Sie sich ein anderes Forum suchen, wo Sie herumtrollen können.

Lisa
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Ich nehme an, dass die Herren, die Informatikunterricht erteilen, eben keine darin studierten Lehrer sind sondern Seiteneinsteiger. Ich kenne einen älteren Elektroingenieur, der das auch an einer Berufsschule macht. Für dieses Niveau reichen seine Kenntnisse dreimal.

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Sind wir heute etwas gender-fluid unterwegs?
Das können wir doch sicher besser, @FsH.

Lisa
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Wie belieben?

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Also eine Labertasche. Hätte ich doch wissen können. Statt die Leute in Ruhe zulasen, muss jeder Kommtar mit einer Beleidigung beendet werden.

Kommen Sie mal aus Ihrer Blase raus. Bisschen Arbeiten gehen tut Ihnen gut 🙂

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Glauben Sie wirklich, dass fünf Jahre nach ihrem Informatiklehramtstudium Sie noch als Topkraft gelten? Einen Job in dem Bereich finden Sie sicherlich. Aber für welches Gehalt?

Vielleicht als Programmierer beim Parfümladen Piper? Da erhalten Sie 1700netto, wie ich aus erster Hand bestätigen kann. Vielleicht wollen Sie auch zur Debeka. Was glauben Sie, was die bezahlt?

Wenn Sie deutlich älter als 30 sind, müssen Sie hochspezialisiertesFachwissen einen speziellen Bereich mitbringen, um nicht deutlich weniger Geld als ein Lehrer mit nach Hause zu bringen.

Ab 50 sollten Sie entweder eine Koryphäe sein oder so viel Geld gespart haben, dass Sie nach Auszahlung ihrer Abfindung trotzdem noch gut in ihrer Rente leben leben können.

Glauben Sie nicht? Kommen Sie vorbei. Ich zeige Ihnen ein paar IT-Klitschen (Kooperationen), wo Sie direkt anfangen können. Spannend ist besonders die dortige Altersstruktur. Wo wohl die Älteren geblieben sind?

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Sprachlos

Ach was, für ein bisschen Paint und Word reicht auch Opa Erwin aus dem Sportverein.

SoBitter
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Für das, was als Informatik in der Schule gemacht werden soll und kann, reicht das tatsächlich… (leider)

Bla
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Als bspw. Bürokaufmann/-frau (jetzt Berufsbezeichnung durch jeweils Neue ersetzen) hast du mehr mit Word und Excel zu tun als normalerweise im Informatikstudium.
Kommt halt immer drauf an, was so im Lehrplan der jeweiligen Schulform so verlangt wird.

SoBitter
9 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Liegt daran, dass Informatik in der Mittelstufe nur selten mehr ist als informationstechnologische Grundbildung mit etwas Programmierung.

Bla
9 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Genau. Was will man auch anderes bitte erwarten mit einer Deputatsstunde/UE im Fach Informatik (Bayern, MS)?
Scratch, ggf. Java/Python/EOS …, Word, Excel, Hardware/Software, Medienbildung, Bildbearbeitung, Datenbanksysteme, Internetanwendung/Suchmaschinennutzung/Recherche usw., Netzwerksysteme, Gefahren im und des Internets …
Da passt halt nicht unendlich viel rein bei einer Stunde. V. A. nicht, wenn es viele Klassenleitungen mal so nebenbei machen sollen. Fachlehrkräfte fehlen auch hier. Zugeschustert wird es oft den Klassenleitungen.

Ansonsten gibt es ja noch das Wahlfach Informatik an einigen Mittelschulen (Bayern). Dort kann man dann etwas vertiefter und auch weiter gehen … Robotik, VR, Homepage gestalten, weitere Programmiersprachen, 3D Zeichnung und Druck, Grafikerstellung …

DerechteNorden
9 Monate zuvor

Pflichtfach für alle? Informatik für Förderschüler*innen mit Schwerpunkt „Lernen“ an Gemeinschaftsschulen wird bestimmt ein riesiger Erfolg.
Die Programmieren dann lauter tolle Dinge.

potschemutschka
9 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Derart diskriminierende Äußerungen ausgerechnet von Ihnen? Sie sind doch sonst so für Inklusion und Teilhabe …, nur nicht bei Informatik? Warum? Was ist da anders?

DerechteNorden
9 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

? Nö, ich bin für Differenzierung.

potschemutschka
9 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

In ALLEN anderen Fächern sollen/können(?) Inklusionsschüler zieldifferent unterrichtet werden. Warum dann nicht auch in Informatik?

DerechteNorden
9 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Weil ich es grundsätzlich, bei schwächeren Schüler*innen aber besonders, für überflüssig halte, in Informatik unterrichtet zu werden.
Eine Fach „Mediengebrauch“ wäre sinnvoll. Informatik an Gemeinschaftsschulen jedoch ist sinnfrei und sollte nur freiwillig gewählt werden können.

Bla
9 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Und die Begründung?
Also ich hatte durchaus mehrere Inklusionsschüler bei mir im Informatikunterricht. Klappt mal besser und mal schlechter. Genauso wie bei nicht Inklusionsschülern. Ist wie bei anderen Fächern eben auch.

Wo ist das Problem?

A.J. Wiedenhammer
9 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Sie halten es grundsätzlich für überflüssig, in Informatik unterrichtet zu werden? (Oder nur grundsätzlich bei Inklusionsschülern?) Und Informatik an Gemeinschaftsschulen grundsätzlich für sinnfrei?
Wirklich? Unter solchen Bedingungen wäre es tatsächlich nicht verwunderlich, wenn die GS vollends zu Resteschulen verkommen würden.

DerechteNorden
9 Monate zuvor

Siehe unten.

DerechteNorden
9 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Falsch formuliert. Sollte heißen “ in Informatik zwangsunterrichtet zu werden.“

DerechteNorden
9 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Nachtrag: Sie verwechseln mich mit Frau Rupp. Ich gehöre nicht zur Fraktion „Alle lernen bis einschließlich Jahrgang 10 im Klassenverband“.

Bla
9 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Dann betrifft das aber nicht „nur“ Inklusionsschüler, sondern alle.
Okay, da kann man natürlich drüber diskutieren. Gut wäre natürlich ein komplett individueller Lehrplan nach Schüler zentriert. Das gibt es nicht. Geben auch die Rahmenbedingungen schlichtweg nicht her. Das aus vielen Gründen und Seiten.
Daher wäre ein Lerncampus als Schule der Weg. Bei dem Gedankengang zumindest. Kostet massivst Ressourcen, wenn das als „Standard“ gelten sollte.

DerechteNorden
9 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Ich bin verwundert darüber, was Sie aus meinen Beiträgen herauslesen.

Bla
9 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Verwunderung kann auch positiv sein.

DerechteNorden
9 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Nachtrag: Ich lese aus meinem Beitrag, dass ich für äußere Leistungsdifferenzierung bin, so wie es an der GemS, an der ich unterrichte, auch der Fall ist. Wir haben sogar eine Differenzierung auf drei Niveaus.
Das habe ich aber auch bestimmt schon 100x hier geschrieben.

Schlaubi
9 Monate zuvor

Man sehe sich doch mal die Chancen an, die damit einhergehen:
Neben dem aktuellen Lehrdeputat können sich die die Lehrkräfte auf ein neues Fach freuen, vorbereiten, vertreten.
DAS ist lebenslanges Lernen.
Man kümmert sich um die verkümmerten Lehrkräfte…

Gelbe Tulpe
9 Monate zuvor

Kein Wunder, die fliegen ja fast alle durch ihr Studium. Vielleicht sollten die MINTler sich die Geisteswissenschaftler zum Vorbild nehmen.

SoBitter
9 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Das wollen Sie nicht, weil Sie dann keiner neu gebauten Brücke mehr vertrauen können. Die Statik muss ja mit Sachverstand berechnet werden, was nur mit sehr guten Mathematikkenntnissen gelingen kann.

MINT-Lehrer
9 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Aua! Also, ich bin nicht durchs Studium geflogen 🙂
Und inwiefern ein Beispiel an Geisteswissenschaften nehmen, die ganz andere Themen mit ganz anderen Herangehensweisen bearbeiten? Da werden mal wieder Äpfel mit Birnen verglichen.

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor

„Pflichtfach Informatik für alle verspricht mehr Chancengerechtigkeit“

Definitiv nein. Diejenigen die sich tatsächlich für Informatik interessieren lernen das zuhause. An der Schule bekommen die Schüler maximal einen groben Überblick.
An meiner Schule lernen die Oberstufenschüler beispielsweise Java programmieren. Die „Freaks“ kennen das Meiste bereits und haben damit einen uneinholbaren Vorteil.

Informatik als Pflichtfach ist auch nur eines dieser Pferde die erstmal geritten werden, aber keinen besonderen Mehrwert bringt.

Se Länd
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Es gibt also immer noch solche aus der Zeit gefallene „Pädagogen“ die Menschen mit Interesse zur Informatik als Freaks bezeichnen. Mal abgesehen davon, dass dies höchst beleidigend und absolut nicht mit unserem Beruf vereinbar ist, empfinde ich die Gleichsetzung dieser Disziplin mit der Programmierung als sehr kurzsichtig. Aber vielleicht wird bei Ihnen in der Schule im Fach Deutsch nur miteinander gesprochen, im Fach Sport lediglich im Kreis gerannt und im Fach Erdkunde werden nur Landkarten analysiert. Wer der Meinung ist, dass die Informatik ein totes Pferd ist, der kann wirklich nicht mehr viel mit der Lebenswelt unser SchülerInnen anfangen. Ich empfehle da den Ruhestand.

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Se Länd

Ich unterrichte eben jenes Fach sowie Mathematik und Physik. Ich beherrsche zwei Programmiersprachen auf einem Anwendungslevel mit dem ich aktuell freiberuflich/nebenberuflich gut Geld verdiene.

Vielleicht wird Ihnen mit diesen Informationen klar, dass ich die Freak-Bezeichnung aus den 60er/70er meine.

Se Länd
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Dann lieber Kollege verwundert mich doch ihr Beitrag umso mehr. Im Fach Informatik wird zwar programmiert, aber dies ist im Endeffekt nur die Umsetzung der Modellierung. Das algorithmische und kritische Denken, welches beim Modellieren gefordert als auch gefördert wird, insbesondere in der Oberstufe, sind bei den meistens SchülerInnen ausbaufähig. Dies kann wunderbar durch binnendifferenzierte Problemstellungen fördern und fordern. Man darf auch gerne in der Schule etwas über den Tellerrand hinaus gehen und beispielsweise im Grundkurs algorithmische Analysen hinsichtlich Komplexität und Laufzeit vornehmen. Ich hatte bis dato noch keine lernende Person in meinem Unterricht bei der ich mir dachte „ach komm du kannst ja sowieso alles“.
Es existieren auch mittlerweile so tolle Wettbewerbe wie der BWInf, RoboOlympiade,…

Inhaltlich macht die Softwareentwicklung auch nur einen Teil des Lehrplans aus. Evtl. wird in anderen Bundesländer inhaltlich ein anderer Fokus gesetzt, wäre mir aber neu.

Weiterhin finde ich es als Informatiker besonders verwunderlich, wenn ein Kollege derselben Disziplin den Begriff „Freak“ nutzt. Auch den Begriff „Nerd“ empfinde ich als völlig daneben, falls jetzt der Gedanke aufkommt. Hierbei ist es völlig egal aus welcher Zeit Sie diese Beleidigungen entnehmen.

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Se Länd

„Es existieren auch mittlerweile so tolle Wettbewerbe wie der BWInf, RoboOlympiade“

Mag sein. Nur bringen diese Wettbewerbe nichts, wenn die eigenen Schüler den ganzen Tag in der Schule hocken müssen und zuhause nicht die Möglichkeit haben, sich mit den Dingen zu beschäftigen. (Hier liegt auch der enorme Vorteil der Freaks). Ganz zu schweigen davon, dass zumindest in meiner Schule (Brennpunktschule) die Lösungen alleine wg. dem sprachlichen Verständnis vorgekaut werden müsste.

Bildlich gesprochen: Ich würde mit meiner Kreisklassenmannschaft nur gegen den Oberligamannschaften spielen. Wahrscheinlicher ist aber, dass meine Mannschaft nur mit Peitschenandrohung überhaupt spielt.

Se Länd
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Ich glaube mittlerweile dass wir auch aus zwei unterschiedlichen Welten argumentieren. Ich arbeite an einer Berufsschule und unterrichte da wesentlich andere Kernthemen als beispielsweise in der Sekundarstufe 1. Die Aufgaben der Olympiaden kann man im Unterricht auch gut zur Binnendifferenzierung nutzen. Projekt Euler finde ich für angehende Akademiker super, als auch codewars. Wo ich Ihnen zustimme ist, dass Anwendungsschulungen zu Excel usw. eher weniger im Informatikunterricht zu suchen haben. In der E-Phase des beruflichen Gymnasiums existiert ein Part des „Umgangs mit informatischen Systemen“. Da kann man das Nötigste an Anwendungsschulungen durchführen damit die SuS die hausinterne Kommunikation nutzen oder auch mal eine kleine Tabellenkalkulation für das Fach Wirtschaft anfertigen können. Ich denke, dass eine weiterführende Diskussion zwischen Ihnen und mir nicht sonderlich zielführend ist. Übrigens ist es nichts Besonderes nebenbei als Lehrer als Programmierer zu arbeiten. Habe ich ebenfalls Jahre gemacht, bin grundständiger studierter Informatiker und grundständiger studierter Berufsschullehrer. Habe vor der Finanzkrise bei Big Blue gearbeitet. Einige meiner KollegInnen haben zusätzlich noch promoviert. Das sagt aber gar nichts über meinen Unterricht oder über meine pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten aus. Ich gehe sogar soweit, dass selbst die Note aus dem Referendariat höchstens ein Indiz sein kann, aber selten ein Garant. Ich verabschiede mich in die Ferien. Für alle da draußen, schöne Ferien, erholt euch gut und genießt die Zeit.

Hans Malz
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Definitiv ja! Die Schüler, die hier als „Freaks“ bezeichnet werden haben selber meistens nur einen ganz kleinen Einblick in die Teilgebiete der Informatik. Programmierung mit Informatik gleichzusetzten zeugt schon von ziemlicher Unkenntnis. Schüler lernen im Informatikunterricht solide Grundlagen und entscheiden sich später für ein Fachgebiet. Selbst wenn sie später nicht direkt damit zu tun haben, hilft das Wissen bei der Einordnung und beim Verständnis der digitalen Welt.
„Ein uneinholbarer Vorteil“, da kann ich nur lachen. Das haben die Cobol Programmierer oder die C64 Versteher damals auch gesagt.

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Hier ein kleiner historischer Einblick:
Ein C64-Versteher war jemand der neben dem Coding (was sie wohl als Programmieren verstehen) grundsätzlich auch Verständnis von Elektrotechnik hatte. Im Gegensatz zu den heutigen Pcs konnte man bei den damaligen Geräten nicht einfach mal eine größere Festplatte/Arbeitsspeicher einbauen. Man musste von dem System (u.a. IBM) konkretes Wissen, aber auch Kenntnisse vom Einbauen haben. Das Einbauen war damals eher ein Basteln, konkreter: Verlöten von Widerständen und austauschen von Kondensatoren.

Alleine dieses Verständnis holen Sie nicht so einfach auf, wie sie es mit ihrem Kommentar vermitteln versuchen. Jede Stunde Arbeit, die Sie in den Stoff investieren, investieren die Freaks ebenfalls. DAS holen Sie mit keinem Unterricht nach.

Hans Malz
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Da ich aus der guten alten Zeit komme, habe ich eben erlebt, dass viele Topleute von damals grandios abgehängt worden sind. Das klappt nämlich nur, wenn man sein Wissen auch aktuell hält. Ab einem gewissen Alter ist das richtig Arbeit und das machen dann viele nicht mehr.

Gerade in der Sek I habe ich erlebt, dass Schüler (u.a. durch Lehrer wie mich) zu Freaks geworden sind und mittlerweile Ihre berufliche Nische gefunden haben (von Datenbankspezialist über KI-Entwickler bis zum Elektrotechniker). Vom Gehalt her übrigens alle über mir. Aber solche Leute brauchen wir eben mehr und die bekommen wir nur, wenn wir die heutigen Kinder vom Wischen wegbringen und einen Einblick in die Welt der Technik vermitteln.

Und auch für die, die nicht in der direkten IT landen, haben diese Einblicke Vorteile. Als Beispiel sei eine Schülerin genannt, die eine Beförderungsstelle in der Verwaltung bekommen hat, weil sie bei mir irgendwann mal die Grundlagen von Datenbanken mit Access gelernt hat (bekanntlich nicht so die ganz große Kunst).

Digitales Verständnis für die breite der Bevölkerung ist eben auch ein mögliches Bildungsziel … neben den 3000 anderen, die hier so diskutiert werden. Man muss es allerdings richtig machen und ich befürchte, dass da von oben nicht viel kommt.

Bla
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Ist das nicht immer im Leben so? Die Frage ist, ob es zur Chancengerechtigkeit oder zur Chancengleichheit beiträgt. Ja, das sollte man dabei vielleicht bedenken.
Ansonsten kann man auch die „Freaks“ doch noch individueller fördern. Wäre das dann nicht auch gerecht? Und wenn man eben denen einen anderen Informatikzweig gibt. Oder können die auch Python und C+ usw. ? Kann man sich dann mitunter halt auch selbst erarbeiten, wenn man Java „durchgespielt“ hat … Sollte dann durchaus erwartbar und machbar sein.
Oder die machen was mit Photoshop, Filius, Tabellenkalkulation, Textdokumenten, Formatvorlagen, Grafiken, gestalten eine Homepage individuell, machen Projekte, Flyer usw. usf. Ist doch dann eine gute Sache?

MINT-Lehrer
9 Monate zuvor
Antwortet  Bla

In der Mittelstufe haben wir die drei Themenblöcke Algorithmen (also Programmierung), Daten und Codierung, Computer und Netzwerke.
In der Kursstufe werden diese Themen neben einigen zusätzlichen (Kryptologie, relationale Datenbanken usw.) vertieft.

SoBitter
9 Monate zuvor
Antwortet  MINT-Lehrer

Wie gut kommt das an? Ich frage, weil das weniger mit Daddeln und Zocken als viel mehr mit Logik und Mathematik zu tun hat.

Bla
9 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Ungefähr so, wie bei anderen Fächern eben auch, wo nicht nur gedaddelt wird.
Manche sind mehr motiviert. Manche gar nicht.
Ist halt wie bei allen Fächern.

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Nicht so gut. Den Schülern wird schnell klar gemacht, dass das Thema „Computer“ tasächlich nur Begriffeausweniglernen (Hardware, Dateisystem, Betriebsysteme, Software) ist. Ich finde hierbei immer witzig, wenn meine Mitinformatiklehrer sich wundern, dass die Schüler immer noch keine Emails schreiben können. (Vielleicht braucht man das in der heutigen Welt garnicht mehr. ). Es gibt dann noch die fachfremden Kollegen, die wollen unbedingt, dass man die Schüler unbedingt auch noch in „Microsoft Teams“ und „Excel“ einführt. Sorry… Langeweile pur. Se Länd lehrt das wahrscheinlich heute noch und fühlt sich „up to date“

Thema Netzwerke: Es wird kein Netzwerk selber konfiguriert und nutzt. Wäre ja auch zu cool, wenn man Fortnite in der Klasse spielen könnte. Nein. Auch hier werden nur Begriffe (Server, Client, Topologie) auswendiggelernt.

Thema Algorithmus: Hier kann man tatsächlich mal ein Spiel programmieren.

Se Länd
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Se Länd unterrichtet nach dem Rahmenlehrplan seines Arbeitgebers und macht keine Anwendungsschulungen .

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Se Länd

In NRW wurde seit etwa 2 Jahren das Pflichtfach Informatik in Klasse 5 und 6 eingeführt. Aufgrund des Fachlehrermangels hat meine Schule das Fach komplett in die Klasse 6 gestopft (ohne Stundenerhöhung). Gleichzeitig versuchen aktuell versuchen Kollegen aus der Steuerungsgruppe (Teilgruppe Digitalisierung) auch in Klasse 5 „Informatik“ einzuführen. Hier soll dann Excel und „Einführung in die Cloud“ unterrichtet werden. Die Fachschaft Informatik (allesamt Fachfremde) ist geschlossen dagegen. Dazu hat keiner Lust.

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

„Nicht so gut.“ 

Nicht so gut, weil den Schülern klar wird, dass zu einem richtigen Informatikunterricht eben keine „zocken“ gehört.

„Den Schülern wird schnell klar gemacht, dass das Thema „Computer“ tasächlich nur Begriffeausweniglernen (Hardware, Dateisystem, Betriebsysteme, Software) ist.“

Das bezweifel ich aber, dass ihre Aussage so zutreffend ist, denn entweder machen Lehrer NUR „theoretischen“ Unterricht, weil sie fachfremd sind, gezwungen werden einzuspringen und keine Ahnung haben oder aber es handelt sich um echte Fachlehrer, aber dann können Sie das Wort „nur“ direkt streichen.

Es ist aber nun einmal eine Tatsache, dass zu einem Fachunterricht auch die Fachsprache und somit auch die Fachbegriffe gehören. Im Biologieunterricht wird man einen Fisch auch nicht einfach auseinanderschneiden, sondern vorher schon Namen und Funktionen von Organen vor dem Sezieren (auch ein Fachbegriff) besprochen haben. Stellen Sie sich vor, die Deutschkollegen verzichten zu künftig auf Fachbegriffe wie Adverb, Pronomen, Präpositionen und die Englischkollegen auf so Nebensächlichkeiten wie Present Perfect, Simple Past usw.

Fachsprache gehört dazu und ist notwendig und wer nicht weiß, was ein Betriebssystem ist und wofür es da ist, der weiß etwas sehr wichtiges aus der Informatik nicht. Das wäre so, also würde das Thema Desoxyribonukleinsäure aus dem Biologieunterricht gestrichen.

„Ich finde hierbei immer witzig, wenn meine Mitinformatiklehrer sich wundern, dass die Schüler immer noch keine Emails schreiben können.“

Ich gehöre zu den Kollegen. Ich frage mich wirklich, was im bisherigen Informatikunterricht so sehr schief gegangen ist (und was der Kollege die ganze Zeit mit den Schülern gemacht hat), wenn Schüler in der 9. und 10. Klasse keine richtige EMail schreiben oder ihre Arbeiten an einem bestimmten Ort speichern (Stichwort Dateisystem) können. 

„(Vielleicht braucht man das in der heutigen Welt garnicht mehr. ).“

Soll das ein Witz sein?

„Es gibt dann noch die fachfremden Kollegen, die wollen unbedingt, dass man die Schüler unbedingt auch noch in „Microsoft Teams“ und „Excel“ einführt. Sorry… Langeweile pur. Se Länd lehrt das wahrscheinlich heute noch und fühlt sich „up to date““

Das sehe ich auch (und vor allem der Rahmenlehrplan) auch differenzierer. Ja, ich gebe Ihnen recht, Informatik sollten keine Produktschulungen sein. Aber wo fängt es an und wo hört es auf: wenn die Schulcomputer mit Windows laufen, nur iPads in der Schule benutzt werden?

Und nein, ich stimme Ihnen nicht zu, wenn sich Ihr „Excel“ darauf erstreckt, dass Schüler keine Benutzung von Tabellenkalkulationen u.ä. lernen sollten. Das ist ein Themenbereich, der ist sogar relevant für die Schüler, die keine, wie Sie sie beleidigenderweise nannten, „Freaks“ sind. Das müssen Sie ja nicht (nur) in Excel behandeln, sondern können viele andere ALternativen nutzen wie LibreOffice Calc, Calligra Sheets, OnlyOffice Spreadsheets, Numbers…

„Thema Netzwerke: Es wird kein Netzwerk selber konfiguriert und nutzt. Wäre ja auch zu cool, wenn man Fortnite in der Klasse spielen könnte. Nein. Auch hier werden nur Begriffe (Server, Client, Topologie) auswendiggelernt.“

Das halte ich für ein Gerücht. Das mag bei fachfremden Lehrern der Fall sein, aber bei richtigen Informatiklehrern wird das gemacht und ja, auch hier sind wir wieder beim Thema Fachbegriffe. Ich brauche gar nicht erst damit anzufangen ein Netzwerk aufzubauen, wenn Fachbegriffe wie „Server, Client, Topologie“ nicht sitzen. Wenn das der Fall ist, kann man damit anfangen die Netzwerke aufzubauen, aber auch das setzt voraus, dass der Träger dies in Form technischer Ausstattung ermöglicht. Es sollte auch fachfremden Menschen klar sein (und ich glaube Ihnen trotzdem nicht, dass Sie Informatiklehrer sind – dafür leisten Sie sich einfach fachlich zu viele Schnitzer), dass das mit den kommunal verwalteten Geräten nicht möglich ist. Sie brauchen also noch zusätzliche Geräte und natürlich weitere Ausstattung mit Kabeln, Switchen u.ä. um das alles machen zu können. 
Natürlich, wenn gerade ersteres nicht gegeben ist, können Sie komplette, riesige und komplexe Netzwerke simulieren. Dafür gibt es kostenlose Software, wie beispielsweise den Packet Tracer, die enterprise Network Simulation Plattform und den Graphical Network Simulator.

Aber wie gesagt, für eine sinnvolle Nutzung müssen die Schüler zwingend (vorher) die Fachbegriffe beherrschen. Ohne die Theorie wird die Praxis nicht funktionieren, schon gar nicht bei Themen wie Subnetting, wo die Schüler dann sogar noch rechnen müssen.

„Thema Algorithmus: Hier kann man tatsächlich mal ein Spiel programmieren.“

Beim Thema Algorithmen eben nicht. Zwar ist ein Algorithmus tatsächlich die Abfolge von Handlungsanweisungen, wodurch bereits das „Hello World“-Beispiel ein Algorithmus ist, aber der Themenbereich Algorithmen beinhaltet viel mehr als nur irgendetwas zu programmieren. Im Themenbereich Algorithmen (und Datenstrukturen) geht es um Konstruktionsprinzipien (Problemlöseverfahren, Suchen, Sortieren), Graphentheorie, BÄume, Keller/Listen usw. Also das sollte man fachlich schon trennen.

Um das Programmieren (das Coden) zu üben, kann man ein Spiel programmieren, wenn man so einfache und kindgerechte Sprachen wie Scratch nimmt (nur 11. Klässler mit Scratch arbeiten lassen?), aber was für ein Spiel wollen Sie sinnvoll mit Sprachen wie C++ und Java entwickeln, ohne dass die Schüler komplett in den Orbit geschossen werden? Es hat seinen Grund, dass die Entwicklung von Computerspielen heutzutage zig Jahre dauern und das Budget von Hollywoodstreifen haben. Selbst für 2D-Spielen müssten die Schüler den Umgang mit verschiedensten Bibliotheken erlernen, Vorgehensmodelle, GUI-Programmierung usw. usf. Das könenn Sie vielleicht in einem Berufskolleg mit angehenden Fachinformatikern machen, aber niemals in einer allgemeinbildenden Schule.

Und ja, ich weiss, dass es so etwas wie Monkey2 gibt, aber die verwendeten Mittel müssen sich an dem zu erreichenden Ziel und Zweck orientieren und nicht umgedreht. Beispielsweise halte ich von Dingen wie Freggers Play wenig. Das kann man bei den Kleinen vielleicht für die Einführungsstunde nehmen, aber wenn 9.Klässler immer noch mit Freggers Play herumhantieren, um „ein Spiel zu programmieren“, dann ist gewaltig etwas schief gelaufen. 

Also wenn Sie davon reden ein „Spiel zu programmieren“, dann verstehe ich das auch so (nämlich echte Programmierung mit C++ und Java u.ä.), aber dann frage ich mich wie man das zeitlich und intellektuell sinnvoll in den schulischen Rahmen rein bekommen möchten.

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar, auch wenn ich hier nur auf wenige Punkte eingehe.

„“Und nein, ich stimme Ihnen nicht zu, wenn sich Ihr „Excel“ darauf erstreckt, dass Schüler keine Benutzung von Tabellenkalkulationen u.ä. lernen sollten.“

Solche Programme haben mit Informatik wenig zu tun und wird in wenigen Bereichen bereits im Matheunterricht (NRW) verlangt, zumal es deutlich geeignetere Programm für spezielle Probleme gibt.
Viele Leute glauben auch, dass Tabellenkalkulation das AundO der Wirtschaft sei. Wenn das verlangt wird, aind die Funktionen derart speziell, dass die Auszubildenden eine mehrwöchige Fortbildung erhalten. Das Klasse 6-Wissen ist bis dahin schon wieder vergessen. Soll man also Excel in Klasse 9/10 behandeln, obwohl in diesem Alter bereits die eigentlichen Bereiche der Informatik behandelt werden können?

Vielleicht sollte man auch Word in Klasse 12 oder 11 unterrichten, da irgendwann eine Facharbeit geschrieben werden muss. Reine Zeitverschwendung. Die Schüler können sich die für sie relevanten Funktionen selbst aneignen, was auch viele Schülergenerationen bereits gezeigt haben.

MINT-Lehrer
9 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Unterschiedlich. Wie in anderen Fächern auch gibt es Schüler, denen das Fach liegt und Spaß macht und solche, auf die dies weniger zutrifft.

Bla
9 Monate zuvor
Antwortet  MINT-Lehrer

Das ist mir klar. Wenn SuS das jedoch schon „können“ und „wissen“, darf man doch gerne mal vom Tellerrand auch rausgehen? Nicht nur raus schauen.
Lehrplan hin oder her.
Darum ging es. Um SuS, welche (deutlich) unterfordert wären. Hier als „Freaks“ bezeichnet.

Dazu gibt es eben auch noch das Wahl(pflicht)fach Informatik und Gestalten. Dort kommt dann mitunter Robotik. Und das coole Zeugs so …

DerechteNorden
9 Monate zuvor
Antwortet  MINT-Lehrer

An welcher Schulart unterrichten Sie?

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Insgesamt gebe ich Ihnen mit Ihrem Kommentar recht. Mir erschließt sich nur nicht, was diese Bildungsgerechtigkeit ausmachen soll. Jeder bekommt von allem etwa ab? Das funktioniert überhaupt nicht. Ich hätte auch gerne Russisch in der Schule anstelle von Italienisch gelernt.

Se Länd
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Bei der Chancengerechtigkeit geht es vor allem darum, dass unsere SchülerInnen ein Mindestmaß an informatischer Grundbildung erhalten. Dies hat erst einmal wenig mit Programmierung oder Ähnlichem zu tun. Es geht mehr darum die digitale Welt den SchülerInnen begreiflich zu machen. Hierbei geht es auch nicht immer rein ums Technnische sondern vielmehr um den Aspekt „Informatik und Gesellschaft“. Darunter fallen viele Themen vom Datenschutz, Urheberrecht, Umgang mit Medien, Kinder- und Jugendschutz, … Sie dürfen nicht vergessen, dass nicht alle SchülerInnen aus einem Haushalt stammen, wo diese Themen von den Eltern behandelt werden, geschweige denn eine informatische Grundbildung vorhanden ist.
Ebenfalls haben viele Haushalte gar keine Rechner mehr zuhause, sondern lediglich Tablets oder Smartphones. Dahingehend sind die SchülerInnen hinsichtlich der technischen Betrachtung dahingehend benachteiligt, dass diese an der technischen informatischen Grundbildung (von mir aus auch Programmierung) gar nicht teilhaben können. Ich hoffe, dass hier jetzt nicht über die Notwendigkeit einer infomatischen Grundbildung diskutiert werden muss.

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Kommen wieder Geschichten aus dem Paulanergarten?

Alleine beim Thema Java gibt es so viele Aspekte, warum Sie Quatsch erzählen:
a) Woher wollen Sie wissen, was die Schüler können oder nicht können, insbesondere bei Detailwissen, wie den Programmierkenntnissen der Schüler, wenn Sie das nicht einmal unterrichten?
b) Ich würde ja gerne von Ihnen die Grundlagen der Objektorientierten Programmierung erläutert haben, denn scheinbar sind Sie ja ein Experte (und ehrlich gesagt habe ich noch nie, nicht einen einzigen, Schüler getroffen, die das schon „kannten“, geschweige denn konnten. Und führt uns zu…
c) Selbst unter studierten Informatikern gibt es nur sehr wenige Leute, die das richtig gut können – und wenn ich von richtig gut rede, dann meine ich eben nicht nur die Verwendung von Verzweigungen und Schleifen und ein wenig die Grundlagen zu verstehen. Das ist das, was angehende Studenten schon können sollten bevor sie an die Uni kommen (zusätzlich noch C/C++), interessant wird es dann nämlich erst bei den Algorithmen und Datenstrukturen, KI, TI und derlei Dinge. Und selbst danach stehen die jungen Leute noch am Anfang. Ein guter Entwickler reift wie Wein.

Se Länd
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

+1 sehe ich ähnlich

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

„Selbst unter studierten Informatikern gibt es nur sehr wenige Leute, die das richtig gut können“

Man müsste auch zwischen praktischer und theoretischer Informatik unterscheiden. Wenn man von der praktischen Informatik und speziell der Programmierung redet, dann muss erwähnt werden, dass einzelne Technologien bereits in kürzester Zeit (ca. ein Jahr) veraltet sind. Ein Studium leistet das nicht, da dortige wissenschaftliche Personal in den seltensten Fällen tatsächlich „highend“ arbeitet. Zumal bis die Vorlesungsunterlagen fertiggestellt wären, der Stoff wohl nicht mehr aktuell sein würde. Die Studenten müssen sich daher selber fortbilden, was die wenigsten tatsächlich tun.

Randbemerkung: Nicht jeder Informatiker ist studiert. Ich behaupte auch, die wenigsten ITler haben Informatik studiert.

Hans Malz
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Die „technische Informatik“ bitte nicht vergessen. Als Phyisker müsste Ihnen das doch ein besonderes Anliegen sein.

Mika
9 Monate zuvor

Besonders weltfremd finde ich die Empfehlung: „ …Möglichkeiten der ortsunabhängigen Qualifizierung über Onlinekurse zu schaffen.“
Ist ja grad nicht so, dass Größenordnungen von Lehrkräften freie Kapazitäten hätten, um sich online zum Informatiklehrer ausbilden zu lassen. Und – so toll ich z.B. die Onlinekurse des HPI finde: ich bezweifle stark, dass sowas ausreicht, um qualifiziert Informatik zu unterrichten.

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Alleine diese Sichtweise (also nicht Ihre, sondern, dass es reichen würde einfach nur ein paar Onlinekurse zu machen) zeigt doch nur, dass wieder einfach nur etwas von jetzt auf gleich umgesetzt werden soll, egal was für ein Murks das wird, nur weil es aktuell im (Medien-)Trend ist.

Ich würde gerne zum Sportlehrer umsatteln (braucht man ja aktuell als Mangelfach). Gibt es da auch einen Onlinekurs (ich bin mir nämlich sicher, dass ich nämlich nicht einmal die Sportzugangsprüfung dafür an der Uni schaffen würde)?

Ich_bin_neu_hiee
9 Monate zuvor

[Nasko] plädiert für „kreative Lösungen für die Weiterbildung vorhandener Lehrkräfte, zum Beispiel durch den Ausbau von ortsunabhängigen Weiterbildungskursen“ – Mit anderen Worten: den Informatikunterricht sollen die Bestandslehrkräfte für lau und ‚on top‘ machen, nachdem sie sich, selbstverständlich in ihrer Freizeit, umfangreich und weit außerhalb ihrer eigentlichen Unterrichtsfächer fortgebildet haben, ohne jegliche Aussicht auf finanzielle Kompensation dieser zusätzlichen Mühen. Vielleicht darf man die Fortbildung dann sogar noch selber bezahlen? Die Informatikdozenten für solche Fortbildungen kosten schließlich Geld! Oder nimmt man da einfach bereits vorher fortgebildete Lehrkräfte mit wenigstens etwas schulischer Praxiserfahrung? Hmmm… Ob solche fröhlich- entspannte Planung wohl auch nur den allerersten Realitätscheck überlebt?

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hiee

Ich habe solche „fortgebildeten“ Kollegen schon getroffen. Mein Fazit: ob der Informatikunterricht nun mit denen stattgefunden hatte oder nicht existierte. Einen großen Unterschied hat es nicht gemacht.
Klingt fies, aber ich mute mir schließlich auch nicht zu nach ein paar Onlinekursen als Musiklehrer guten Unterricht machen und einen Chor leiten zu können.

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Doch, es gibt (innerhalb des politisierten Elfenbeinturms des Pädagogenwesens) einen ganz massiven Vorteil, sogar zwei:

1. Sie können in der Lokalpresse gefakte Fitos von SuS lancieren mit Artikeln wie „Programmieren für alle: Informatik an der XXX-Schule etabliert“ – Ehrgeizlinge und Lokalpolitiker lieben diesen Trick!

2. In der Statistik haben dann hunderte, ach was, TAUSENDE „InfOrMaTiC“-Stunden stattgefunden. Wenn also irgendwelche Praxisdrohnen wie etwa Nummer 447 darauf verweisen, dass das ne Luftnummer ist, können Sie dem entgegenhalten: „Populismus! Seriööööse Belege zeigen, dass! “

Sie sehen also: Es gibt große Vorteile.

Administrator
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Sie machen Ihrem Namen als Wutbürger alle Ehren mit Ihrer pauschalen Abwertung aller nachqualifizierten Informatiklehrer. Das geht mit inzwischen echt auf den Senkel. In unserer Schule gibt es nur 2 nachqualifizierte Infolehrer, wovon ich einer bin. Wir stemmen damit in jedem Jahr 2 Informatik-Gks und ich habe inzwischen mehrfach das Feedback erhalten, das SuS, die Informatik oder etwas Verwandtes studiert haben, sich durch unseren Unterricht gut vorbereitet fühlen.

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Administrator

Alles klar, dann erklären Sie mir bitte wie lange ihre Onlinekurse im Vergleich zu meinem fünfjährigen Studium an einer Hochschule war.

Beherrschen Sie Java?
Beherrschen Sie C++/C?
Was haben Sie im Bereich Theoretischer Informatik, Künstlicher Intelligenz oder überhaupt mathematische Grundlagen im informatischen Bereich gelernt?
„Beherrschen“ Sie Systemprogrammierung?
Beherrschen Sie die verschiedenen IT-Systeme?
Beherrschen Sie die verschiedensten Netzwerke? IT-Sicherheit?

Wer hier ehrlich behauptet, dass er mit seiner Nachqualifizierung mit einem studierten Fachlehrer mithalten kann, der zeigt nur folgendes:
a dass er an totaler Selbstüberschätzung leidet
b dass er keine Ahnung vom Fach hat
c dass er seine richtig ausgebildeten Kollegen herabschätzt

Ich hatte es schon einmal gesagt, selbst mit einer „Nachqaulifikation“ als Musiklehrer, könnte ich das nicht (so gut), wie der grundständig ausgebildete Kollege (da muss ich nur schauen, was die Kollegin für Musikinstrumente spielt) und das Gleiche trifft auch auch auf die Sportkollegen zu, die alle noch als Rettungsschwimmer ausgebildet sind.

Warum meint aber jeder dahergelaufene Schnösel, dass ausgerechnet Informatik, eines der Studienfächer mit der höchsten Abbruchquote überhaupt, mal so nebenbei im Onlinekurs nachqualifiziert werden kann.
Ja, bei dieser Verachtung dem Fach gegenüber, wird aus dem Wutbürger sogar der Hassbürger.

„und ich habe inzwischen mehrfach das Feedback erhalten, das SuS, die Informatik oder etwas Verwandtes studiert haben, sich durch unseren Unterricht gut vorbereitet fühlen“

…und alle Schüler, die vorher „nachqualifizierte“ Kollegen hatten, gaben mir die Rückmeldung, dass das alles Mist war. So what?

Dass Sie hier erzählen, dass Sie überfordert, keinen richtigen Informatikunterricht machen (können), weil Sie nicht qualifiziert sind, würde ich (und vermutlich alle anderen Mitleser) auch nicht erwarten.

Administrator
9 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Autsch. Zum Glück hatte ich nicht erwähnt, dass ich Seiteneinsteiger bin, sonst wären Sie wohl durch den Bildschirm gesprungen. Aber so kann ich dieses fruchtloser Gespräch ja beenden.

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Administrator

Nein, ich hätte nur Mitleid wegen ihrer fehlenden Lesefähigkeiten gehabt. Danke fürs Gespräch.

Riesenzwerg
9 Monate zuvor

Interessant, wie schnell auf Wünsche dW reagiert wird!

Was ist mit den sozialen und gesundheitsorientierten Fächern und Inhalten?

Finagle
9 Monate zuvor

Das Problem: Es gibt nicht genug Endgeräte, Softwarelizenzen, digitale Infrastruktur und den politischen Willen dies finanziell zu ändern und – Achtung, jetzt kommt’s! – auch dauerhaft (aktuell) zu halten.

Lisa
9 Monate zuvor

Vielleicht sollte man kreativ werden und kenntnisreichen Schülern Verträge anbieten. Meist wissen sie eh mehr.
Ich selbst würde den Kurs übrigens machen, sobald er angeboten wird. Und dafür das abgeben, was mir absolut nicht liegt, was ich aber unterrichten muss.

Dirk Meier
9 Monate zuvor

Rabe: „Wir wollen Hamburgs Schülerinnen
und Schüler mit den Herausforderungen nicht allein lassen, sondern bereits in der Schule gut auf das Leben vorbereiten.“

Umgekehrt könnte man auch feststellen, dass den Hamburger Kultusministern die Ausbildung der Schüler in den letzten 30 Jahren egal war.

Ich habe von 1996 bis 2000 eine kaufmännische Realschule in Bayern besucht. Wir hatten Textverarbeitung und haben das Zehnfinger Schreiben gelernt. Danach ging es weiter mit Binär- und Hexadezimalzahlen. Wir haben die Hardware behandelt und einfache Dinge programmiert. Dazu kam dann noch etwas Textverarbeitung und Excel.

Jetzt wollen andere Bundesländer 30 Jahre später ein abgespecktes Programm an den Schulen anbieten und selbst dafür hat man keine Lehrer. Könnte es daran liegen, dass wir die letzten 30 Jahre gepennt haben?

Rainer
9 Monate zuvor

Lehrer fehlen? Einfach ins homeschooling wechseln. Informatik geht auch aus dem Kinderzimmer oder aus einem Gruppentreff

Informatiker bekommen in der Wirtschaft homeoffice; die müssen keinen Wecker mehr stellen. Warum sollen die in die Schulen gehen und ab 7 dahinfahren?

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer

Wegen den strahlenden Kinderaugen. Wahlweise auch wegen der Bildungsgerechtigkeit.

polly
9 Monate zuvor

Wenn Informatik Pflichtfach wird, dann droht ihm dasselbe Schicksal wie dem Fach Mathematik: Es wird bei vielen nicht beliebt sein, und um zu verhindern, dass zu viele scheitern, müssen die Ansprüche sukzessive abgesenkt werden.
Der Computer fordert eine gnadenlos korrekte Logik (eher mehr als die Mathematik), und deshalb wird das statt zur großen Bildungsgerechtigkeit eher zu einer Zweiteilung der Gesellschaft führen (wie auch die große Digitalisierung): Die einen kommen klar damit, und die Schwachen im Geiste haben dieselben Schwierigkeiten wie mit anderen Fächern auch (Lesen, Schreiben, Rechnen, Fremdsprachen).

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  polly

Das Fach wird bereits zerstört. Ich sollte besser vom Fachbereich sprechen. Es bereits jetzt von diversen Stellen verlangt, dass „Informatik“ doch bitte die Schüler in die „Cloud einführen“ sollen. Wenn man schon dabei ist, fehlt noch Word und Excel.
Gleichzeitig fordern die eigenen Kollegen, dass man sich doch auch um die „Digitalisierung“ kümmern soll, was tatsächlich meint, man ist der Hampelmann für alles was mit Strom versorgt wird.
Ich rate jedem Kollegen, sich zweimal zu überlegen, ob man freiwillig das Fach unterrichten möchte.

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Da steht eben eine jahrelange, meist unbewusste, schlechte kulturelle Tradition dahinter:

Wer (ganz generell) intelligent und/oder an technischen Themen interessiert war/ist – der stand in der Sozial-/Partyhierarchie ganz unten.
Entsprechend wurde und wird bis heute erwartet, dass diese Leute gefälligst (als in der pur subjektiv-sozialen Hierarchie tief stehende Personen) sozusagen als „Ausgleich“ für minimale und oberflächliche Akzeptanz „alles mit so Digitalkrams“:
1. gratis
2. demütig
3. bitte ohne zu „nerven“ oder vom DAU minimales Dazulernen zu verlangen
4. am besten noch mit Dankbarkeit, dass man sie denn fragt
lösen.

Erst seit die ökonomischen Potenziale der digitalen Welt so groß wurden, dass auch Party-Paule (groß, extrovertiert und blöd, aber beliebt) und Windows-Verena (die selbst DOS-Befehle schon für „Matrix“ hält, aber kann nett lächeln) es erkennen MUSSTEN – da wird minimal kollektiv zurückgerudert.

Die gleiche Dynamik findet zeitverzögert in Lehrerkollegien statt.

Bilanz für mich: Ich habe absolut keine Ahnung, was denn „das Problem“ sein könnte.
(Die schreiende Stimme in meinem Kopf die so Dinge sagt wie „die 583 Jahre alte Festplatte kratzt so laut, der Kopf hat sich schon durchgefräst“ ignoriere ich, da ich weiß welchen leeren Blick ich auf die Folgefrage „Wo ist die Sicherung?“ ernten werde und was dann folgt)

Wissenspflaster
9 Monate zuvor

Hallo Kultusbürokratie!
Wovon träumt Ihr sonst noch?
Ich habe vor gut 30 Jahren mein Diplom in Physik gemacht, seit dem in der Industrie als IT Spezialist gutes Geld verdient.
Jetzt darf ich ob meines Diploms Physik unterrichten, vielleicht Mathematik, wegen der vielen Scheine aus der Uni. Informatik ? Niemals! Da habe ich doch keinen akademischen Abschluss!

Und dann als Seiteneinsteiger ohne eine Stunde Einweisung am ersten Tag allein vor die Klasse!

Da gehe ich zurück in die IT, besseres Gehalt, besserer Arbeitsbedingungen. Habe gerade mit der neuen Chefin den Einarbeitungsplan besprochen. Unternehmen investieren Wochen (ja Plural) in die Einarbeitung neuer Mitarbeiter!

Dann sucht mal Informatiklehrer!
Ich bin raus.

Brigitte Womi Lehrerin
9 Monate zuvor
Antwortet  Wissenspflaster

oha da verlässt jemand wieder die Schule wegen der unattraktiven Arbeitsbedingungen und geringeren Gehälter (Inflation)

Wissenspflaster
9 Monate zuvor

Es ist nicht das Gehalt, sondern die Arroganz des Landes NRW als Arbeitgeber:
– Vertragsbeginn erster Schultag 7.8., die Schuljahresauftaktkonferenzen werden nicht bezahlt.
– Folgevertrag? Vielleicht 14 Tage vorher
– Übergabe, Einarbeitung – finde jemanden, der das in seiner und Deiner Freizeit macht
– und dazu eine Gewerkschaft, die das gut findet!

Andere Arbeitgeber behandeln mich als Partner, nicht als Bittsteller.

Der Markt ist so leer, dass IT-ler angerufen und eingeladen werden und sich nicht irgendwo bewerben müssen.
Da geht es nicht nur um ein paar Prozent, das ist grundsätzlich.

Administrator
9 Monate zuvor
Antwortet  Wissenspflaster

Na das erklären Sie mal dem Wutbürger, dass Sie Informatik unterrichten wollen, ohne „grundständig ausgebildeter“ Lehrer zu sein. Das zeigt nur, dass Sie (Zitat)
a dass er an totaler Selbstüberschätzung leidet
b dass er keine Ahnung vom Fach hat
c dass er seine richtig ausgebildeten Kollegen herabschätzt“

Ihnen wünsche ich alles Gute

Hans Malz
9 Monate zuvor
Antwortet  Wissenspflaster

Das ist der öffentliche Dienst 😉 Wenn man woanders herkommt, kann man das manchmal gar nicht glauben. Ich habe das zum Glück schon lange hinter mir. Wenn der ganze Blödsinn durch ist, macht der Beruf schon Spaß (die Knüppel, die mir irgendwelche Bürokraten zwischen die Beine werfen wollen, ignoriere ich seit Jahren).
Aber ich habe vollstes Verständnis für den Abgang und es passiert leider öfter.

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor
Antwortet  Wissenspflaster

„und dazu eine Gewerkschaft, die das gut findet!“

Hehe. Soweit zur GEW.

DerechteNorden
9 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Was genau findet die denn gut? Die schlechten Bedinungen?

Dreamghost
9 Monate zuvor

Hehe, im Ref wurde uns angeboten, Informatik noch nebenbei zu lernen (ja ein Kurs mit Staatsexamen NEBEN dem Referendariat). Gelockt wurde mit „Das KM sucht Infolehrer, so können Sie ihre Chancen auf die VERBEAMTUNG steigern“
Ich hab schon damals gemerkt, dass das nur Zusatzstress für nichts ist. Lehrermangel war schon präsent. Ein paar meiner unsichereren Mitrefis haben das tatsächlich gemacht, die waren schon am Ende des Refs kurz vorm Burnout.