Schulsenator: Informatik soll Pflichtfach in der Mittelstufe werden (dafür entfällt dann…)

20

HAMBURG. Wer digitale Techniken nicht versteht, droht in der digitalen Welt abgehängt zu werden, ist Hamburgs Schulsenator Rabe überzeugt. Er will deshalb nun Informatik in der Mittelstufe der Stadtteilschulen und Gymnasien zum Pflichtfach machen. Mehr Unterricht soll es allerdings nicht geben.

Digitalsierung in der Bildung hat viele Facetten – hier unterrichtet eine junge Lehrerin „coding“, also Programmieren. Foto: Shutterstock

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe will vom übernächsten Schuljahr an Informatik in der Mittelstufe zum Pflichtfach machen. «Digitale Technik bestimmt die Berufswelt, die Welt von Bildung und Wissenschaft und unser Alltagsleben», sagte der SPD-Politiker am Dienstag. Wer digitale Techniken nicht verstehe, drohe in der digitalen Welt abgehängt zu werden. «Wir werden deshalb Informatik als ein neues Pflichtfach in allen Stadtteilschulen und Gymnasien ab dem 1. August 2025 fest im Stundenplan verankern.»

Den Plänen zufolge soll das Schulfach Informatik über insgesamt vier Wochenstunden in der Mittelstufe erfolgen. Die Schulen könnten aber selbst entscheiden, in welchen Jahrgangsstufen der Klassen sieben bis zehn der Informatikunterricht konkret stattfinde. Die Schulbehörde stützt sich bei ihren Plänen nach eigenen Angaben unter anderem auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz und Empfehlungen der «Ständigen Wissenschaftlichen Kommission».

Um den Schülerinnen und Schülern aber nicht noch mehr Wochenstunden aufzubürden, sollen andere Fächer kürzer treten. «Wir wollen die Höchstgrenzen von 31 bis 34 Schulstunden pro Woche möglichst beibehalten», sagte Rabe. Etwas abzugeben sei zwar nie einfach, «aber es ist nur ein minimaler Eingriff, bei dem gerade einmal zwei Prozent aller Unterrichtsstunden von Klasse 5 bis Klasse 10 verschoben werden». Konkrete Anweisungen werde es nicht geben. Vorgabe sei nur, dass der «Wahlpflichtbereich» und der «Gestaltungsspielraum» um jeweils zwei Stunden verringert würden.

Der Einführung des Pflichtfachs Informatik zum 1. August 2025 geht den Angaben zufolge eine einjährige Pilotierungsphase ab dem 1. August 2024 voraus. Rein rechnerisch gebe es schon jetzt genügend Informatiklehrkräfte. Ein Fortbildungsprogramm soll es aber weiteren Lehrkräften ermöglichen, ebenfalls Informatik zu unterrichten. News4teachers / mit Material der dpa

Vorreiter Saarland: Informatik wird Pflichtfach bereits ab Klasse 7 (trotz Lehrermangels)

Anzeige


Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

20 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Roberto Rafja
9 Monate zuvor

mehr homeschooling wagen wie die Unternehmen in Deutschland: online Konferenzen, Besprechungen, Tutorials. Digital geht doch so viel

Alisia
9 Monate zuvor
Antwortet  Roberto Rafja

Und kostet immer noch genau so viel Zeit und Personal.

Was hat dieser Kommentar unter diesem Artikel zu suchen?

Gelbe Tulpe
9 Monate zuvor

30 Stunden maximal. Mehr ist nur Schülerquälerei.

Riesenzwerg
9 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

42 mindestens – dann sind sie sicher und aus dem Elternhaus, das sich nicht kümmert, raus.

GANZ und GAR Betreuung – wir können auch das Surfen überwachen und den Cannabiskonsum.

Jetzt in echt – die Schüler sind ganz schön lange in der Schule, viele müssen mit dem Bus fahren und das dauert ganz ordentlich lange.

Ich frage mich seit Jahren – warum muss das so sein? Wieso dürfen die Kids und Jugendlichen nicht mehr Freizeit haben? Die brauchen sie nicht nur für die Hausaufgaben (macht kaum noch einer und deswegen sollten wir tatsächlich mehr Unterricht haben, denn sonst fallen Wiederholung, Festigung und Vertiefung noch mehr weg), sondern auch für den Vereinssport zum Beispiel.

Machen wir sie dadurch „fit“ für die Arbeit und die Wirtschaft? DIE sind bei 4-Tage-Woche…..

Schuss in den Ofen oder Sicherheit für die noch arbeitende Elternschaft?

Aber noch mal im Ernst – welches Fach soll wegfallen?
Sport? Verbraucherbildung? Mathe? Deutsch? Englisch? Geschichte? WiPo? Chemie? Physik? Kunst?

Das sollten die Schulen dann lange VOR den Anmeldungen für die neuen Fünften ankündigen – mal sehen, was Elterninteresse ist…..

Pikachu
9 Monate zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

klar, für Lehrer 4 T Woche und für Kinder auch.
Die Eltern haben es ja schon seit 1-2 Jahren

Realist
9 Monate zuvor

Also andere Fächer müssen dafür Stunden abgeben. Praktisch. Braucht man also keine neuen Lehrerstellen dafür. Crashkurs und der Musik-Kollege unterrichtet auch Informatik. Ganz so wie es sich für den „Bildungsstandort Deutschland“ gehört…

Und: Werden in den „anderen“ Fächern auch die Curricula entsprechend gekürzt? Und die Anzahl der Klassenarbeiten? Oder bleibt dort alles wie es ist und erhöht damit nur den Druck im Kessel noch weiter?

Es wid nicht lange dauern und irgendein Schlaumeier wird behaupten: „Wenn die faulen S… nicht so oft krankfeiern würden, würde der Stundenverlust in den anderen Fächern keine Rolle spielen.“ Wetten?

Gen Z: „…“ Ihr wisst schon.

Alisia
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Waren sie denn mal in Hamburg an einer Schule?

Als jemand der selbst dort zur Schule gegangen ist, kann ich nämlich mit Sicherheit sagen, dass zu meiner Zeit (<10 Jahre her) definitiv Potenzial für sinnvolle Kürzungen vorhanden war.

Nicht etwa bei den richtigen Fächern sondern zB beim "Förderband" (5-10 Klasse an meiner Schule) wo man sich eine Doppelstunde die Woche mit mehr oder weniger sinnvollen Themen wie zB Debattieren, Häkeln oder Komposition beschäftigt hat.
Eine Freundin von mir hatte an der Stadtteilschule in der Mittelstufe sogar durchgehend einen ganzen Tag die Woche wo mehr oder weniger effektiv an "praktischen" Themen (aber nur solchen die man garantiert nicht braucht) gebastelt wurde.
Die Zeit, und man hat sie ja anscheinend, wäre mit Informatik wahrscheinlich tatsächlich besser genutzt gewesen.

Riesenzwerg
9 Monate zuvor
Antwortet  Alisia

Nun, nicht alle Kinder können gut mit und vom Papier lernen. Oder halt digital.

Lernen mit Kopf, Herz, Hand und Verstand – anfassen gehört sehr dazu.

U.a. deswegen gibt es die DIFFERENZIERUNGEN.

Hysterican
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Vor allem: habe ich das richtig verstanden, dass die Aufgabe zur Entlastung der Stundentafel den Schulen zugeschoben wird – allein mit den wenigen genannten Vorgaben?

Dann kann ich mir sehr schön vorstellen,wie das Hauen und Stechen der einzelnen Fachbereiche um die zu erteilenden Stunden in ihren Fächern losgeht.

Ärger an die Basis schieben – dorthin sollen die erwartbaren Konflikte ausgelagert werden … und das Schöne dabei ist, dass der Bildungssenat sich z.B. im Falle der Kürzung im Bereich Gesellschaftswissenschaften und einer sicherlich immer wieder kehrenden Forderung nach Demokratierziehung schulterzuckend abwenden kann – der Wegfall von Stunden in diesem Bereich wurde schließlich nicht von oben angeordnet, sondern die jeweilige Schule hat das so entschieden.

Politiker müsste man sein.

Riesenzwerg
9 Monate zuvor
Antwortet  Hysterican

In SH gibt es jetzt die „Experimentierklausel“ – wir dürfen theoretisch alles.

Ohne großen Bürokratieaufwand. Lehrerklassenzimmer, Doppelstunden, …. einfach mal ausprobieren und wieder Stunden in eine Vorbereitungsarbeit für den SET stecken, Stunden in die Umsetzung stecken….. und später in die Reflexion.

Wir haben wohl noch nicht genug zu tun –

PaPo
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Und Informatiklehrer gibt es ja auch besooooooooonders zahlreich!

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  PaPo

„Rein rechnerisch gebe es schon jetzt genügend Informatiklehrkräfte.“

Problem gelöst.

„Ein Fortbildungsprogramm soll es aber weiteren Lehrkräften ermöglichen, ebenfalls Informatik zu unterrichten.“

Problem gelöst.
Zur Not stellen wir ein paar Opas aus dem Sportverein ein…Ein Informatikstudium wird eh überschätzt.

Also hinlegen und weiterschlafen. Alles wird gut. Wir schaffen das usw.

Lucia
9 Monate zuvor

In Bayern findet in der Mittelschule Informatik ab der 5. Klasse als Pflichtfach statt!

Kevin
9 Monate zuvor
Antwortet  Lucia

Heißt Informatik … kann es sein, dass in Wirklichkeit Computerbedienung mit WORD, Excel und Microsoft Edge eingeübt wird?

Hans Malz
9 Monate zuvor
Antwortet  Kevin

In NRW gibt es das auch und der Lehrplan enthält wirklich viele Elemente aus der Informatik. Das können dann aber leider nur wenige sinnvoll unterrichten. Die Diskussionen mit Kollegen, warum ich nicht nur Word, Excel, Powerpoint mache, sind immer herrlich.

Riesenzwerg
9 Monate zuvor
Antwortet  Kevin

DAS wäre ja mal richtig sinnvoll! Der Computer als ARBEITSgerät!

Kevin
9 Monate zuvor

In RLP wurde vor Jahren Geschichte, jetzt Sozialkunde „gestärkt“. Klar werden dafür andere Fächer reduziert. Natürlich wird das nicht laut ausgesprochen.

Lisa
9 Monate zuvor

Mich interessiert welche Art Informatik. Nur so User- Wissen oder wirklich Programmieren? Und wer soll das unterrichten? Ich kann mit Python etwas rumtueddeln, doch studiert habe ich es nicht, nur so als Beispiel.

Hans Malz
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Codierung, Verschlüsselung, KI und Klassifizierung, Microcontroller, Algorithmen (mit Struktogrammen und Programmablaufplänen) – Alles Grundlagen, die wirklich wichtig sind. Das Niveau ist natürlich der Altersstufe angemessen.
Hier gilt (wie immer), dass ich fachlich schon wissen muss, wohin die Reise geht. Eine Seite vor den Schülern ist da etwas wenig.

447
9 Monate zuvor

Bei Kürzung anderswo erscheint das eher als Verschiebebahnhof.