Tarifstreit: Gewerkschaften zählen 10.000 Teilnehmer bei Warnstreik in Berlin

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BERLIN. Seit Wochen setzten die Gewerkschaften im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes immer wieder Nadelstiche. Am Mittwoch nun erhöhten sie den Druck auf die Arbeitgeberseite.

Liebe Kolleg*innen, das war stark heute.👏Deshalb: Lasst uns den Druck hochhalten und den Arbeitgebern klar machen, dass Fachkräfte nicht vom Himmel fallen. Wir sehen uns beim Streiktag Bildung am 28.11.📢 https://t.co/SEyQWdEclQ #tarifrunde2023 #ProfisbrauchenMEHR #tvl pic.twitter.com/zcg7CR0OKl

— GEW BERLIN (@GEW_BERLIN) November 22, 2023

Kitas dicht, Notbetreuung in Schulen, weniger Termine in Behörden: An einem großen Warnstreik im öffentlichen Dienst in Berlin haben sich am Mittwoch nach Angaben der Gewerkschaften rund 10.000 Menschen beteiligt. Viele von ihnen zogen in einem Demonstrationszug vom Wittenbergplatz zum Brandenburger Tor, um bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung zu fordern. Dabei waren unter anderem Lehrkräfte, Erzieher aus Kitas und Schulen, Angestellte aus Senats- und Bezirksverwaltungen und aus diversen Ämtern, Feuerwehrleute und Angestellte der Berliner Polizei.

Gerade in der Bildung wird oft angemahnt, die Fürsorgepflicht für die Kinder u Jugendlichen ernst zu nehmen. Wir nehmen sie jeden Tag sehr ernst, aber unsere Arbeitgeber machen das leider nicht, sonst hätten sie schon ein Angebot vorgelegt‼️#Tarifrunde2023 #ProfisbrauchebMEHR pic.twitter.com/VxAMWkTc5e

— GEW BERLIN (@GEW_BERLIN) November 22, 2023

Infolge des Warnstreiks fiel an vielen Schulen Unterricht aus, Kitas blieben zu. Manche Behörden, etwa Bürgerämter, arbeiteten nur eingeschränkt. Zu dem Protest hatten die Gewerkschaften Verdi, GEW, GdP und IG Bau aufgerufen, auch in den anderen Stadtstaaten Bremen und Hamburg. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder, die bundesweit geführt werden. In bisher zwei Verhandlungsrunden gab es keine Einigung.

Die Gewerkschaften fordern unter anderem 10,5 Prozent mehr Geld, mindestens jedoch 500 Euro pro Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Berlin, Hamburg und Bremen verlangen die Gewerkschaften zudem eine Stadtstaatenzulage von 300 Euro. Ein Angebot der Arbeitgeber gibt es bislang nicht. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 7. und 8. Dezember in Potsdam geplant.

Angesichts der Beteiligung am Warnstreik sprachen Berliner Gewerkschaftsfunktionäre von einem starken Signal an die Arbeitgeberseite, endlich ein verhandlungsfähiges Angebot zu unterbreiten. «Die Länder haben in zwei Verhandlungsrunden kein Angebot vorgelegt. Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber den Beschäftigten», erklärte die Verdi-Landesleiterin für Berlin-Brandenburg, Andrea Kühnemann.

Nach Einschätzung der Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Martina Regulin, vergleichen sich Berliner Beschäftigte zurecht mit ihren Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen. «Dort werden gleiche Berufsgruppen besser bezahlt und arbeiten unter besseren Bedingungen», sagte sie. «Das Land Berlin muss angesichts des Fachkräftemangels und der Inflation dringend attraktiver werden. Andernfalls werden künftig noch mehr Stellen unbesetzt bleiben.»

Harald Schaum, Bundesvize der IG BAU, verwies auf deutliche Reallohnverluste infolge höherer Lebensmittelpreise, stark gestiegener Energiekosten und Mieten. Die Tarifforderungen der Beschäftigten seien daher «nicht mehr als recht und billig».

Ein der Demonstrantinnen war Christina Wolf, die in einem Gesundheitsamt arbeitet. «Ich bin heute hier dabei, weil ich bessere Arbeitsbedingungen fordere», sagte sie. «Wir haben zum Teil schlechte Räumlichkeiten, und wir bräuchten auch mehr Personal. Und gehaltstechnisch wäre es auch schön, wenn man etwas besser bezahlt wird.»

Lehrerin Lydia Puschnerus sah das ähnlich. «Ich bin bei dem Streiktag dabei für bessere Bedingungen für meinen Arbeitsplatz, für meine Kolleginnen und Kollegen, aber auch für die Kinder», sagte sie. «Natürlich fordern wir, dass das Gehalt besser wird, aber das ist nicht das einzige. Es fängt an bei Personalausstattung. Der Beruf muss attraktiver werden. Das geht nicht nur über das Geld, sondern es braucht auch gute Ausstattung wie zum Beispiel funktionsfähiges Wlan, weniger Papieranträge.» News4teachers / mit Material der dpa, Titel-Illustration: Shutterstock

„Streiktag Bildung“: Verdi und die GEW erhöhen den Druck im Tarifstreit – der dbb und der VBE halten sich zurück

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Ulrike M.
3 Monate zuvor

Wie schon gestern geschrieben, wir können nur froh sein, dass die GEW diesen Streik nicht alleine veranstaltet, sondern andere Gewerkschaften wie Verdi usw. dabei sind! Das hat an die Zehntausend auf die Straßen gebracht! Super! Sowas macht Eindruck. Die meisten Lehrer (auch angestellt) gingen brav zur Arbeit und nörgeln nur über die geringen Forderungen bzw. Abschlüsse.

Nun ja
3 Monate zuvor
Antwortet  Ulrike M.

alle müssen an einem Strang ziehen. Es geht auch um das Personal von morgen und die fordern etwas anderes neben den 17% mehr

Da können sich alle über 40 biegen und brechen, wie sie wollen

Alex
3 Monate zuvor
Antwortet  Nun ja

Auch alle über 40 (vermut gerade die) fordern bessere Arbeitsbedingungen. Interessiert nur die KuMi nicht.

Wutbürger
3 Monate zuvor
Antwortet  Alex

Warum sollte es sie auch interessieren? Offensichtlich lassen Lehrer alles mit sich machen und das bisschen Genörgel sitzen die auf einer A*backe aus.

Wasserzeichen
3 Monate zuvor
Antwortet  Ulrike M.

Ohne die Mitglieder der anderen Gewerkschaften sähe es für die Lehrer schlecht aus. Das stimmt. Traurig, aber wahr!

Karl Heinz
3 Monate zuvor
Antwortet  Ulrike M.

Ich stimme Ihnen zu.
Ohne es zu billigen, muss man die Kolleginnen zumindest ein Stück weit verstehen:
viele Schulleitungen machen Druck (obwohl sie ja von den Ergebnissen dann auch profitieren),
Und genau das verstehe ich nun wieder nicht.
Sollten doch froh sein, dass zumindest ein Teil der Belegschaft auf die Straße darf…

Kaffeetasse
3 Monate zuvor

Ich danke den vielen Teilnehmern der verschiedenen Gewerkschaften!

Karl Heinz
3 Monate zuvor

Nachtrag:
Peinlich sind dann aber solche Statements:

Zum Streikaufruf des VBE für den 23.11. hatte die GEW keine Informationen und so können wir uns auch nicht beteiligen.“ (Quelle: GEW LSA)

gehtsnoch
3 Monate zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Wenn dann auch bitte richtig zitieren:
Wichtige Hinweise
Bündelung der KräfteDas heißt auch, dass wir für unsere Mitglieder für den 23.11. kein Streikgeld zahlen.

https://www.gew-sachsenanhalt.net/aktuelles/detailseite/wir-rufen-zum-warnstreik-am-streiktag-bildung-am-28-november-auf

Peinlich oder gar amateurhaft, zumindest wäre ich als Mitglied mit solcher Gewerkschaftsarbeit für meine Mitgliedsbeiträge nur wenig zufrieden.

Autobahnabfahrt
3 Monate zuvor
Antwortet  gehtsnoch

Das ist seltsam. In Berlin rief die GEW zum Streik auf und scheinbar/anscheinend der VBE nicht. Dort ist es umgekehrt. Können die sich nicht mal miteinander besser absprechen? Sind eh schon so wenige, die mitmachen!

Am 28.11. ist es laut Quelle ebenfalls in Sachsen-Anhalt umgekehrt. VBE macht nicht mit, aber GEW macht mit. Was soll das????????????

„Der VBE Sachsen-Anhalt aus dem Beamtenbund wird in Leipzig nicht dabei sein. Die Kolleginnen und Kollegen werden jedoch den Streiktag in Magdeburg unterstützen. Zum Streikaufruf des VBE für den 23.11. hatte die GEW keine Informationen und so können wir uns auch nicht beteiligen. Das heißt auch, dass wir für unsere Mitglieder für den 23.11. kein Streikgeld zahlen.“
(Quelle wie im Kommentar zuvor)