Lehrermangel: Referendariat auf ein Jahr verkürzen? VBE stellt sich dagegen

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BERLIN. Konsequent gegen den Mangel an Lehrkräften vorgehen, die öffentlichen Schulen stärken und eine hochwertige Bildung und Erziehung sicherstellen: „In der Bildungspolitik ist der Handlungsbedarf dringender denn je“ – meint VBE-Chef Gerhard Brand. Das unlängst vorgestellte Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) zur Frage, wie sich Lehrkräfte gewinnen lassen, „sollte für die KMK einen unüberhörbaren Startschuss darstellen, um die Gewinnung und Ausbildung von Lehrkräften in den Ländern voranzubringen“, mahnt Brand. Er sieht darin Licht und Schatten.

Referendariat kürzen? Hält der VBE für keine gute Idee. Foto: Shutterstock

Der VBE-Chef betont: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in einen Teufelskreis kommen. Der Lehrkräftemangel bedroht auf besorgniserregende Weise die Qualitätsstandards in der Ausbildung. Damit senkt die Politik aber auch die Unterrichtsqualität in den Schulen. Die immer wieder erschreckenden Ergebnisse, zu denen zahlreiche Bildungsstudien kommen, führen uns klar vor Augen, dass die Qualitätssicherung an oberster Stelle stehen muss. Dies hat die SWK in ihrem Gutachten auch klar benannt.“

Einige der Vorschläge der SWK unterliefen jedoch das Qualitätsprinzip, etwa die Kürzung des Referendariats auf zwölf Monate oder die Einführung eines Ein-Fach-Masters. „Um Unterrichtsqualität und Unterrichtsversorgung sicherstellen zu können, bedarf es breit angelegter Strategien und nachhaltiger Investitionen in eine hochwertige Aus-, Fort- und Weiterbildung unserer Lehrkräfte. Und zweifellos ist es auch wichtig, valide Daten sowohl zum Lehrkräftebedarf als auch über die Studierendenzahlen und Ausbildungsverläufe zu erheben“, sagt Brand.

Zum Vorschlag des Ein-Fach Masters im Seiteneinstieg meint er: „Der ist noch nicht zu Ende gedacht. Er geht an der schulischen Realität vorbei, weil gerade an kleinen Schulen gar nicht ausreichend Stunden gebraucht werden, sodass sich dann mehrere Schulen eine Lehrkraft teilen müssten. Zudem sieht die Wissenschaft nicht, wie diese Person am Ende fachfremd unterrichtet. Das ist ein Einfallstor für Deprofessionalisierung.“

Zur vorgeschlagenen Verkürzung des Referendariats durch studienbegleitendes Unterrichten sagt Brand: „Die SWK schlägt vor, dass Studierende, die bereits im Studium in der Schule unterrichten, dies angerechnet bekommen können auf die Referendariatszeit, sodass diese auf 12 Monate gekürzt werden würde. In der zweiten Phase der Ausbildung würden dann Studierende ohne und mit Praxiserfahrung angemessen begleitet werden müssen. Das ist organisatorisch schlicht nicht leistbar. Außerdem verkennt die Anrechnung einen wichtigen Aspekt der Ausbildung: Das Referendariat ist Schutzraum und muss Möglichkeit zum Austesten und Fehlermachen bieten. Diese Zeit einfach zu verkürzen, ist nicht Gewinn, sondern Verlust!“ News4teachers / mit Material der dpa

Wie lassen sich Lehrkräfte gewinnen? SWK: Neuer Zugang – verkürztes Referndariat

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18 Kommentare
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Ich_bin_neu_hier
2 Monate zuvor

„Das Referendariat ist Schutzraum und muss Möglichkeit zum Austesten und Fehlermachen bieten.“

Na, ob Referendare und Referendarinnen diesem Satz vorbehaltlos zustimmen könnten, wage ich persönlich zu bezweifeln… Es dominieren doch eher Berichte über enormen psychischen Druck.
https://taz.de/Lehrermangel/!5943187/

Carabas
2 Monate zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

Es wird sicherlich Seminarleiter geben, die dies möglich machen. Die Mehrzahl der Referandere wird das aber vermutlich nicht so erlebt haben, insbesondere die Prüfungsphase nicht.

Pete
2 Monate zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

Als Schutzraum habe ich es auch nie erlebt und der bereichernde Anteil hielt sich doch sehr in Grenzen. Bereichernder wäre ein verpflichtender Anteil an teamteaching Stunden pro Woche nach dem Master und das komplette Streichen des Referendariats. Ähnlich dem betreuten Einarbeiten in anderen Berufsfeldern.

Tim Bullerbü
2 Monate zuvor
Antwortet  Pete

In der Schule, im Ausbildungsunterricht, habe ich das durchaus als Schutzraum erlebt. Aber das ist meine individuelle Erfahrung.
Viel wichtiger ist, dass die Zeit zum Lernen wichtig ist, es ist sooo viel.
Daher finde ich 12 Monate fahrlässig.

Pete
2 Monate zuvor
Antwortet  Tim Bullerbü

Was ja wieder einmal zeigt, dass es keine einheitlichen Standards gibt und die Schere sehr weit auseinander klafft im Referendariat. Für die Tätigkeit, die eine Vielzahl während des Referendariats bewerkstelligt, ist die Vergütung nach einem vollwertigen Studium ein Witz und für mich sind selbst 12 Monate zu viel. Zudem kommt, dass während dieser Zeit durchgehend ein Damoklesschwert über den Referendaren baumelt, welches sie bei Nichtbestehen in den finanziellen Ruin treiben kann.

Bla
2 Monate zuvor
Antwortet  Tim Bullerbü

Glück gehabt mit dem Seminar. Soll es geben. Oft leider auch nicht.

Tim Bullerbü
2 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Ja und das ist die eigentliche Katastrophe. Aber muss man dann nicht die Qualität der Ausbildung verbessern und nicht verkürzen?
Solange aber Studienseminare nicht evaluiert werden und Lehrkräfte als Fachleiter/innen arbeiten dürfen, die destruktiv mit den Referendaren/innen umgehen, wird sich das nicht ändern.
Eine Verkürzung des Referendariats verkürzt das Leiden, macht die Ausbildung aber kein Stück besser.

mama51
2 Monate zuvor
Antwortet  Pete

Das Ref ist Stress „pur“ …Auch für die Mentoren!
Schutzraum? Sehr witzig!

Lisa
2 Monate zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

Das Referendariat ist Schutzraum und muss Möglichkeit zum Austesten und Fehlermachen bieten. Diese Zeit einfach zu verkürzen, ist nicht Gewinn, sondern Verlust! – den Satz fand ich fast schon sarkastisch. Nirgends durfte ich weniger Fehler machen, es gab auch unter Kollegen Nervenzusammenbrüche und eine Fehlgeburt. 🙁
Referendare beuten sich selbst aus und sind billig, um den Mangel zu beheben, täte ich die Phase noch verlängern. Phase A mit Betreuung, Phase B mit einwöchigen Mitarbeitergesprächen.

MirWirdSchlecht
2 Monate zuvor

Ich warte noch auf diesen Vorschlag:

Morgen um halb acht stellt sich der Hausmeister vor die Schule auf die Straße und nimmt einfach alle erwachsenen Fußgänger mit rein, bis jede Klasse einen hat. Zack kein Lehrermangel mehr.

Lisa
2 Monate zuvor
Antwortet  MirWirdSchlecht

In der christlichen Seefahrt nannte man das “ shanghaien“

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Mein Lieblingswort 🙂

Hornveilchen
2 Monate zuvor
Antwortet  MirWirdSchlecht

Das übliche Schwarz-Weiß. Beifall garantiert für etwas, was niemand sagte. 2 Jahre Praxis oder kein Jahr Praxis?!? Als ob 1 Jahr Praxis kein Jahr Praxis wäre.

Dejott
2 Monate zuvor

Im Referendariat füllt man seinen schulischen Werkzeugkasten. Da zu kürzen, ist absurd und kontraproduktiv.

Autobahnabfahrt
2 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Dann verlängern wir auf 3 Jahre Referendariat. Welches Ihrer Argumente spräche nicht auch dafür?

Hornveilchen
2 Monate zuvor

Das Referendariat ist die wichtigste Phase, um zu lernen, wie man unterrichtet. Trotzdem sollte man das doch wohl in 1 Jahr schaffen.

Der Zauberlehrling
2 Monate zuvor

Das Referendariat wurde in Baden-Württemberg ja schon verkürzt von 24 auf 18 Monate.

Die fehlenden sechs Monate im ersten Jahr waren genau die Monate des Ausprobierens an der Schule und die des „in-eine-Schublade-gesteckt-werdens“ im Seminar.

Gestrichen wurde die Zeit des Ausprobierens. Ein halbes Jahr muss jetzt reichen bis zur ersten eigenständigen Klassenführung. Dafür wurde dann die Zulassungsarbeit zum zweiten Staatsexamen unbenannt in „Dokumentation“. Haarspalterei und Begriffsklauberei.

Die Referendare hätten ja ein Schulpraktikum absolviert – so die Begründung. Drei drei- oder vierwöchige Schulpraktika mit langer Unterbrechnung ersetzen kein durchgängiges Halbjahr Referendariat. Niemals. Auch nicht bei größtem Wunschdenken der Kultusminister bzw. der SWK-Mitglieder nicht.

Allerdings wurde der Wehrdienst auch mal von 24 Monaten auf 18 Monate verkürzt. Na ja, das ist ein anderes Thema. Heute kommen wir aus der Kaserne nicht mehr raus. Ist wie bei Pisa. Alles nichts (mehr).

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor

Erste Hilfe Kurs: 2 halbe Tage
Selbstverteidigung Crash-Kurs: 4 Stunden
Schweigekurs: 3/4 Tag
Yoga für Anfänger: begleitend online.

Da ist noch Potenzial …