Pisa-Schock: Stark-Watzinger dringt auf Änderung des Grundgesetzes

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BERLIN. Schulische Bildung ist laut Grundgesetz Ländersache – dem Bund sind weitgehend die Hände gebunden. Die zuständige Ministerin würde das gern ändern.

„Koalition der Willigen“: Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Foto: www.stark-watzinger.de

Als Reaktion auf die schlechten Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler bei der jüngsten Pisa-Studie hat Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger eine Änderung des Grundgesetzes ins Gespräch gebracht. «Ich würde mir wünschen, dass das Grundgesetz uns eine Zusammenarbeit zwischen dem Bund und einem Teil der Bundesländer erlaubt, ich nenne das eine Koalition der Willigen. So könnte man schneller Projekte anstoßen», sagte die FDP-Politikerin der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

«Wir müssen schneller handeln können, um Bildung gut zu organisieren. Pisa zeigt, dass die Zeit drängt», mahnte die Ministerin. Schulische Bildung ist in Deutschland nach dem Grundgesetz Sache der Bundesländer. Der Bund kann zwar mit Förderprogrammen wie dem Digitalpakt unterstützen, muss dafür aber aufwendig Verträge mit den Ländern aushandeln.

Stark-Watzinger schlug ferner vor, die Zuständigkeit für Kitas von den Familienministerien in die Kultusressorts zu verlagern. «Kitas sind Bildungseinrichtungen. Für mich gehören sie in die Kultusministerien», betonte sie.

Zudem brauche es eine offene Debatte über Bildungspolitik in einem Einwanderungsland, betonte Stark-Watzinger. «Es hilft niemanden, dieses Thema zu tabuisieren oder in eine populistische Ecke zu stellen. Wir müssen gezielt fördern. Also vor allem dort unterstützen, wo es am dringendsten gebraucht wird. Wo zu Hause eben kein Bücherschrank steht oder ausreichend Deutsch gesprochen wird.» Hier setze das Startchancen-Programm an, das etwa 4.000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler ab dem nächsten Schuljahr besonders stärken soll. «Wir müssen gerade an die Sprachkompetenzen ran und das möglichst früh», mahnte Stark-Watzinger.

In der am Dienstag veröffentlichten Studie hatten die deutschen 15-/16-Jährigen im Lesen, in Mathematik und in Naturwissenschaften die schwächsten Leistungswerte erreicht, die für Deutschland jemals im Rahmen von Pisa gemessen wurden (News4teachers berichtete). Stark-Watzinger hatte im März einen so genannten «Bildungsgipfel» veranstaltet, zu dem die allermeisten der 16 Kultusministerinnen und Kultusminister nicht erschienen. News4teachers / mit Material der dpa

Breitseite gegen Stark-Watzinger: Stiftungen und Verbände fordern von Scholz einen Bildungsgipfel – einen echten!

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Fragezeichen
2 Monate zuvor

Ob eine Änderung des Grundgesetzes in Sachen Bildung etwas ändert, hängt ja davon ab, welche Bildungspolitik dann gemacht wird und nicht, wer dann die Bildungspolitik macht.

Ist FDP-Bildungspolitik unbedingt das, was wir jetzt brauchen?

Hans Malz
2 Monate zuvor
Antwortet  Fragezeichen

Ist grüne Bildungspolitik unbedingt das, was wir jetzt brauchen? Als Lehrer in NRW kann ich aus Erfahrung nein sagen.

Bildungspolitik müsste „entideologisiert“ werden. Die Basis müsste mehr einbezogen werden und die ganzen „Schwätzer“ (Bildungspolitiker und Bildungs“wissenschaftler“) sollten kein Plenum mehr bekommen. Auch müsste die Ausrichtung unabhängig von Wahlperioden erfolgen. Dafür bräuchte es einen wirklichen „Deutschlandpakt“. Aber mit unseren Politkern sehe ich das nicht.

Quadratlatschen
2 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Wenn sich jemand gegen eine bundesweite FDP-Bildungspolitik ausspricht, warum folgt für Sie daraus eine bundesweite grüne Bildungspolitik? Ich habe das nicht so verstanden.

Hans Malz
2 Monate zuvor
Antwortet  Quadratlatschen

Bildungspolitik ist ja (noch) Ländersache und da durften wir ja in NRW bereits eine grüne Schulpolitik miterleben. Da das bei Verlagerung der Kompetenz an den dort auch passieren könnte, habe ich diesen Kommentar geschrieben.

Allerdings ohne die FDP-Bildungspolitik, die wir in NRW ja auch schon miterleben durften zu loben.

Mir geht es darum, dass die Bildungs- und Schulpolitik nicht mehr von wem auch immer benutzt werden darf, um einer Ideologie zu huldigen. Und das ist überall so!

Pete
2 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Ganz kontroverser Ansatz, aber wie wäre es die Bildung den Parteien „wegzunehmen“ und wie man von einer FDP geführten Bildungspolitik direkt darauf schließt, dass dann die Grünen an der „Macht“ wären erschließt sich mir nicht…

TaMu
2 Monate zuvor

Kindertagesstätten gehören dem Wirtschaftsministerium unterstellt, denn dieses stellt massiv den Anspruch auf frühere und längere Aufbewahrung der Kinder ab einem Jahr, damit ihre Eltern Wirtschaftsleistung bringen können. Das ist jetzt schon ein Fakt. Alle Kinder, die nur bis zu 16 Stunden pro Woche betreut werden, können weiterhin Frühkindliche Förderung nach VIII SgB bekommen.
Alle anderen in der ausgedehnten elternfernen Ganztagsaufbewahrung brauchen neben den Spielsachen, anregenden Fördermitteln und allem, was jetzt bereits vorhanden ist vor allem Qualität, zu der anscheinend nur investitionsbereite Wirtschaftsunternehmen fähig sind. Da müssten beispielsweise heimelig gestaltete Schlaf- und Ruheräume vorhanden sein, wo jedes müde Kind nach Bedarf durch eine anwesende, liebevolle Person beschützt sich ausruhen kann. Diese Räume wären abseits der Spielräume und würden wirklich ihren Zweck erfüllen.
Das Essen würde in einer Kantine frisch und gesund gekocht. Möglicherweise wäre es ohnehin die Kantine einer großen Firma nebenan, die auf entsprechendem Niveau kocht.
Es gäbe eine oder zwei besetzte Stellen für Hauswirtschaftstätigkeiten und zwei Gesundheitspflegestellen für Kinder, die während der Betreuung erkranken oder bereits ansteckend ankommen. Dafür gäbe es extra Räume für Quarantänefälle, die aber genauso einladend wären wie die restliche Kita. Dort gäbe es auch Betten und ein extra Badezimmer.
Die Angestellen wären übertariflich bezahlt und würden das gut gestaltete Umfeld schätzen. Unter diesen Bedingungen könnten sie in den meisten Fällen dahinter stehen, dass schon U3 ganztags von 7 Uhr bis 17 Uhr anwesend wäre, weil der Betreuungsschlüssel stimmen würde und die Arbeit wieder als liebevoll am Kind empfunden würde.
Es ist ein Anspruch aus der Wirtschaft und ein Druck von dort auf die Eltern. Das hat viel weniger mit sozial oder Familie als vielmehr mit Wirtschaft zu tun. Wenn die Wirtschaft die Eltern in ihren Betrieben sehen will, sollte sie für exzellente Kinderbetreuung sorgen, aus der glückliche, starke, lernfähige und -willige Kinder zur Schule kommen. Es wäre in einem Wirtschaftsbetrieb bestimmt möglich, Kindern durch speziell ausgebildetes, kinderfreundliches Personal auch Deutsch beizubringen oder sie bei Problemen zu unterstützen. Von der Wirtschaft gesuchtes, geprüftes und selbst gut behandeltes Personal kann auch inklusiv arbeiten.
Da wir die hässliche Situation bereits haben, Kinder in immer größerer Zahl immer jünger in dafür nicht mehr geeignete Betreuungen zu schicken, damit Eltern arbeiten gehen können, und ich das Kultusministerium mit den vielen maroden Schulen für absolut ungeeignet empfinde, ist für mich das Wirtschaftsministerium zuständig. Dieses fordert die Eltern ein und kümmert sich ab sofort um die Kinder und zwar in einer Weise, die diese befähigt, später ebenso eine erfolgreiche Wirtschaft zu gestalten, vorher aber als Kind immer liebevoll betreut zu sein.

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Diese traumhafte Vorstellung passt aber so gar nicht in das Konzept der „Gewinnmaximierung“ vieler Betriebe, die doch eher nach dem Motto „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren “ leben und handeln. Wir kommen in der Wirtschaft kaum mehr auf eine soziale Basis, auch wenn sich das langfristig auszahlen würde. In der heutigen Zeit zählen kurzfristige Gewinne, die Geldgier hat die Vernunft, Verantwortung und soziale Einstellung größtenteils verdrängt.

TaMu
2 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Ob es nicht doch die Gewinne maximieren würde, wenn die Kinder der Beschäftigten so kuschelig untergebracht wären? Zufriedene Kinder, zufriedene Eltern, zufriedene Chefs?
Es sollte zumindest angesprochen werden.

potschemutschka
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Es würde auch in einigen Bereichen dem Personalmangel entgegenwirken, denn es würden sich bestimmt einige Eltern eher für einen Arbeitgeber entscheiden, der eine gute KiTa in Arbeitsplatznähe anbietet.

Fräulein Rottenmeier
2 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Hier und dort, natürlich eher selten, gibt es Betriebskitas….ob die heimelig und kuschelig sind, weiß ich nicht….

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Ich sagte ja, dass dies sich langfristig auszahlen würde. Aber unsere Wirtschaft ist eher den kurzfristigen Zielen verfallen. Leider.

Hans Malz
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

oh, aufgewacht … schade.

Dejott
2 Monate zuvor

Ich würde mal wetten, dass auch Frau Stark-Watzinger keinen blassen Dunst von den Kindern hat, die sie jetzt besonders fördern will.
Bis heute vermisse ich, dass die heutige Lebenswirklichkeit von Kindern jenseits des Gymnasiums überhaupt wahrgenommen wird.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor

Hallo 5e,
ab morgen Unterricht mit der Koalition der Willigen. Rest macht, worauf er Bock hat.
Jemand Bock drauf?

Go#Dodo
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Mus man willig sein oderist das freiwillig ?

Lg ( lezte Reihe ganzlinks)

Teacher Andi
2 Monate zuvor

Frau Doppelname hat es sich, wie die meisten Bildungsminister in ihrer schnuckeligen Wohlfühlblase gemütlich gemacht, nicht mal herbe Kritik kann ihr etwas anhaben. Die große Brille täuscht Weitsicht vor, Fehlanzeige.
Sorry, ich musste einfadch mal zynisch werden.

Quadratlatschen
2 Monate zuvor

Der Föderalismus im Bildungswesen bietet auch die Möglichkeit, auf Landesebene zu probieren oder gar zu installieren, wofür man bundesweit keine Mehrheit hätte. Das kann auch ein Vorteil sein!

Thusnelda
2 Monate zuvor
Antwortet  Quadratlatschen

Wir haben allein bei zwei Kindern so viele Experimente erlebt (Orienterungsstufe, Kursprogramme, Profilstufen, G8, G9…), allein in Niedersachsen, die alle wieder beendet wurden. Es reicht einfach, besser mal ein einheitliches System und das dann auch durchhalten. Der Förderalismus ist allenfalls in Heimatkunde von Vorteil, die Naturgesetze gelten für das ganze Land.