Gesundheitsfachkräfte an Schulen: Wird erfolgreiches Modellprojekt wiederbelebt?

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POTSDAM. Das erfolgreiche Projekt der sogenannten Schulkrankenschwestern endete in Brandenburg bereits 2021 – aus Kostengründen. Einige Kommunen führen es fort. Eine politische Initiative könnte dafür sorgen, dass das Land sich wieder engagiert.

Schulschwestern, genauer: Gesundheitsfachkräfte, sorgen sich um die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler. Foto: Shutterstock

Die Freien Wähler im Landtag möchten das Projekt der Schulkrankenschwestern ausbauen und die Kommunen von den Kosten entlasten. «Der Bedarf ist dort gegeben», sagte der Sprecher der Gruppe der Freien Wähler, Péter Vida, am Dienstag in Potsdam. Er rechnet mit Kosten von sechs bis sieben Millionen Euro im Jahr für die derzeit 18 Vollzeitstellen. Die Schulgesundheitsfachkräfte – so heißen die Schulkrankenschwestern offiziell – gibt es nach Angaben der Freien Wähler in Beelitz, Brandenburg an der Havel, Cottbus, Neuruppin, Perleberg, Trebbin sowie im Landkreis Barnim.

Die Freien Wähler schlagen vor, dass das Land die Kosten übernimmt und bis September ein Konzept zum Ausbau an weiteren Schulen vorlegt. Die regierenden SPD und Grüne zeigten sich grundsätzlich offen. Von 2017 bis 2021 lief ein Modellprojekt des Landes mit der Krankenkasse AOK, bei dem 19 Krankenschwestern an 27 öffentlichen Schulen eingesetzt waren. Nach dem Ende führten einige Kommunen das Projekt mit eigenen Mitteln weiter. Der Grund war nach Angaben des Gesundheitsministeriums eine angespannte finanzielle Lage.

«Ich bin in jedem Falle für eine Ausweitung der multiprofessionellen Teams – und zwar in jeder Schulform»

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Daniel Keller sieht mehr Potenzial in sogenannten multiprofessionellen Teams. Dabei handelt es sich um Gruppen aus Menschen mit unterschiedlichen Berufen – das können auch Schulkrankenschwestern sein. Sie könnten laut Keller je nach Bedarf der Schulen eingesetzt werden: «Das halte ich für den besseren Weg, noch gezielter zu unterstützen.» Er verwies auf das Startchancenprogramm mit Mitteln von Land und Bund in Höhe von 540 Millionen Euro für zehn Jahre, die zum Teil auch die multiprofessionellen Teams finanzieren sollen.

Auch Petra Budke, Fraktionsvorsitzende der Grünen, äußerte sich positiv über die Schulkrankenschwestern. Ihrer Meinung nach müsse das Angebot auch nicht auf Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien begrenzt sein, wie es im Pilotprojekt vorgesehen war, sondern könnte auch auf Grundschulen ausgeweitet werden. «Ich bin in jedem Falle für eine Ausweitung der multiprofessionellen Teams – und zwar in jeder Schulform.» News4teachers / mit Material der dpa

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2 Kommentare
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Lisa
2 Monate zuvor

Ich kenne die Einrichtung der Schul-Krankenschwester aus einer Auslandsschule. Sie war eine Vertrauensperson für die Schüler. Gerade was Verletzungen durch Mobbing oder auch häusliche Gewalt anging, vertrauten sich die Kinder ihr an.
Einzig Negatives, außer den Kosten:
Die Existenz einer Schul-Krankenschwester hat dazu geführt , dass manche Eltern entschieden, ihre doch recht kranken Kinder zur Schule zu schicken, da sie wussten, dass sich auf der Krankenstation jemand kümmert.

Charlotte
2 Monate zuvor

Herr Keller vergisst dabei, dass diese Gelder nur für einen Bruchteil der Schulen (etwas über 100) in Brandenburg gedacht ist. Diese Schulen werden nach einem sog. Sozialindex ausgesucht. Diesen kennt aber nur das MBJS – und verrät ihn auch nicht. Die Freien Wähler wollen aber ALLEN Schulen ein Stück vom Kuchen abgeben.