WEIMAR. Mit dem Neubau der Jenaplanschule Weimar ist ein Lern- und Lebensort entstanden, der zeigt, wie eng Architektur und Pädagogik zusammenhängen können. Auf dem neuen Campus „An der Hart“ wird nicht nur gelernt, sondern gelebt, geforscht, gemeinsam gestaltet – ganz im Sinne des schulischen Leitgedankens „Jedes Kind kann etwas“. Damit schaffte es die Schule bis ins Finale des Deutschen Schulpreises.

Gleich zweimal hatte die Jenaplanschule Weimar in diesen Tagen Grund zum Feiern. Erst wurde Anfang September der Neubau des Campus „An der Hart“ eingeweiht, ein Pilotprojekt der Initiative „Schulbau Open Source“ der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft – und nur drei Wochen später gehörte die Schule als zweitplatzierte zu den Preisträgern des Deutschen Schulpreises.
Zwei Ereignisse, die eng miteinander verknüpft sind: Denn das, was die Jury in ihrer Laudatio als „starke Beziehungen und echte Gemeinschaft“ lobte, ist in Weimar nicht nur pädagogisches Prinzip, sondern nun auch baulich manifestiert.
„Die Schule lebt Gemeinschaft – sie setzt sie nicht nur um“
„Jedes Kind kann etwas“ – das pädagogische Konzept der Jenaplanschule Weimar folge diesem Leitgedanken, so heißt es in der Laudatio der Jury des Deutschen Schulpreises. Lernende und Lehrende begegneten sich auf Augenhöhe, in einem stabilen sozialen Umfeld, das es jedem ermögliche, den bestmöglichen Schulabschluss zu erreichen. Etwas kryptisch heißt es weiter: „Die Grundlage dafür bildet ein komplexes Gefüge aus horizontalen und vertikalen Strukturen mit klassenübergreifendem und jahrgangshomogenem Unterricht.“
Dr. Michaele Geweke, Jurymitglied und stellvertretende Leiterin des Oberstufen-Kollegs Bielefeld, erklärt das so: „Horizontal heißt hier: In den Stammgruppen lernen jeweils drei Jahrgänge gemeinsam. Vertikal bedeutet: Drei dieser Stammgruppen werden zu einer größeren Einheit zusammengefasst, in der projektorientiert gearbeitet wird – teilweise über neun Altersstufen hinweg.“ Dieses System schafft, so Geweke, tiefe Beziehungsräume: „Die Lehrkräfte kennen jedes Kind sehr genau – mit seinen Stärken, Entwicklungsfeldern und Lernfortschritten. Die Schüler:innen schließen Freundschaften über Jahrgänge hinweg und erleben Gemeinschaft als gelebtes Prinzip. Die Schule setzt das Konzept Gemeinschaftsschule nicht nur um, sie lebt es.“
Verantwortung und Freiheit als Lernprinzip
Dass die Jenaplanschule Weimar in den Augen der Jury damit vorbildliche pädagogische Arbeit leistet, liegt auch an der Balance von Freiheit und Verantwortung. „Man kann selbst entscheiden, was man macht – es muss am Tag aber fertig werden“, so zitiert Geweke eine Schülerin. Sie erklärt: „Jede:r Schüler:in arbeitet zudem an individuellen Kernprojekten, die in sogenannten Logbüchern dokumentiert werden – besonders in den Hauptfächern.“
Freiräume, die in Weimar nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden, sondern als Teil einer hochstrukturierten Pädagogik verstanden sind: Lernende organisieren ihre Zeit eigenständig, Lehrkräfte begleiten im Hintergrund, Team Teaching sorgt für individuelle Unterstützung. Im Ergebnis stehen – so die Jury – fachliche und soziale Kompetenzen gleichermaßen.
Diese Haltung prägt nicht nur den Unterricht, sondern auch die Art, wie die Schule ihr neues Zuhause geplant hat. Der Bau, so könnte man sagen, ist das physische Pendant zu dieser Pädagogik: offen, partizipativ, flexibel – und zutiefst gemeinschaftlich gedacht.
Vom pädagogischen Konzept zur architektonischen Form
Schon 2014 begann die Idee, aus der später ein bundesweites Pilotprojekt werden sollte. Die Jenaplanschule, seit 1993 eine staatliche Gemeinschaftsschule mit starkem Reformprofil, platzte aus allen Nähten – zwei Standorte, Sanierungsstau, steigende Schülerzahlen. Als sich im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen die Gelegenheit bot, Neues zu wagen, griff die Schulgemeinschaft zu.

2016 gewann sie im Wettbewerb „Inklusive Schulen planen und bauen“ der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft – und damit eine begleitete Phase Null, in der pädagogische Ideen in räumliche Anforderungen übersetzt wurden. „Die Grundlage war von Beginn an ein intensiver Beteiligungsprozess“, beschreibt es das Team in der Pressemappe zur Eröffnung der Schule. Lehrkräfte, Eltern, Schüler:innen, Verwaltung und Architekt:innen entwickelten gemeinsam das Konzept.
2018 beschloss der Stadtrat die Kooperation mit der IBA Thüringen und der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft – mit dem Ziel, bisherige Standards im Schulbau zu hinterfragen und alles Wissen später frei zugänglich zu machen. Das Projekt wurde zum ersten fertiggestellten Pilotprojekt der Initiative „Schulbau Open Source“. Barbara Pampe, Vorständin der Stiftung, formuliert es so: „Gemeinsam mit der Expertise und dem Mut der Planerinnen und Planer, der Stadt, der Schule und der IBA Thüringen ist es uns gelungen, einen innovativen Schulbau zu entwickeln, der Lern- und Wohlfühlort zugleich ist.“
„Schule als Werkstatt“: Architektur, die Pädagogik möglich macht
Unter dem Leitbild „Schule als Werkstatt“ entstand ein Ensemble aus drei baugleichen Lernhäusern – jeweils 400 Quadratmeter große Lernlofts, in denen drei jahrgangsgemischte Gruppen gemeinsam arbeiten. Die Räume sind hell, offen, mit Holz und Glas gestaltet, unverputzte Wände und rohe Böden betonen den Werkstattcharakter. Die architektonische Idee: maximale Anpassungsfähigkeit. Die Raumaufteilung ist variabel, Trennwände lassen sich verschieben oder entfernen, technische Installationen sind auf das Nötigste reduziert. Durch natürliche Lüftung und die Verlagerung der Treppenhäuser nach außen konnte der Energiebedarf stark gesenkt werden – bei gleichzeitig hoher Aufenthaltsqualität.
Architektur-Professorin Elisabeth Endres von der TU Braunschweig lobt den Ansatz: „Die Technik orientiert sich am Menschen, nicht umgekehrt. Gute Luftqualität und Wohlbefinden sind auch mit einfacher, natürlicher Lüftung möglich – nachhaltig und energieeffizient.“ Die Außenräume sind als Lernterrassen und Balkone gestaltet – pädagogische Flächen unter freiem Himmel. Der Schulhof ist Teil eines öffentlichen Parks, den Schüler:innen und Nachbarschaft gemeinsam nutzen. Damit wird das Schulgelände selbst zum sozialen Lernraum, offen für Begegnung und Teilhabe.
Mitbestimmung bis zur letzten Schraube
Partizipation war nicht nur in der Planungsphase Programm. Kurz vor dem Einzug bauten Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte unter Anleitung selbst Möbel für die neuen Lernräume. Gemeinsam mit Architekt:innen und Handwerksbetrieben entstanden Tische, Podeste und Garderoben, die flexibel, robust und reparierbar sind. Die Pläne und Anleitungen wurden – ganz im Sinne von Open Source – online gestellt. „Die Aktion stärkte auch die Identifikation der Nutzenden mit den neuen Lernräumen“, heißt es in der Dokumentation. Damit wurde die Idee der „Verantwortungsgemeinschaft“ – zentraler Bestandteil des Jenaplan-Konzepts – konkret erfahrbar.
Pädagogische Architektur – gelebte Verantwortung
Wenn Michaele Geweke vom Deutschen Schulpreis über „Verantwortungsbereitschaft und echtes solidarisches Lernen“ spricht, klingt das wie eine Beschreibung dieses Bauprojekts: „Beeindruckend ist die Freude daran, einen inklusiven Lernort zu gestalten, an dem jedes Kind nach seinen Bedürfnissen gefördert wird.“ Die Verbindung von pädagogischer Haltung und räumlicher Umsetzung ist in Weimar radikal konsequent: Die Schule wurde nicht für ein Konzept gebaut – sie ist das Konzept. „Schule als Werkstatt“ meint hier: Lernen als fortlaufendes Gestalten, gemeinsames Forschen, gemeinsames Bauen.
Und so verwundert es kaum, dass die Gutachterin der Jury ihr Urteil mit einem Appell verbindet. „Die Beziehungskultur dieser Schule ist etwas, wovon jede Schule profitieren kann. Ich möchte außerdem ein Plädoyer dafür halten, jahrgangsübergreifenden Unterricht stärker zu erproben – selbst in der Oberstufe.“ Die Jenaplanschule Weimar zeigt, dass beides möglich ist: gemeinschaftliches Lernen und individuelle Förderung, pädagogische Innovation und architektonische Nachhaltigkeit. Oder, wie es ein Schüler bei der Eröffnung formulierte: „Das ist jetzt nicht nur unsere Schule – das ist unsere Idee vom Lernen.“ News4teachers
Auf der Plattform Schulbau Open Source stehen sämtliche Unterlagen öffentlich zur Verfügung: Texte, Zeichnungen, Leistungsphasen 1 bis 5. Ziel ist es, anderen Kommunen und Schulen zu zeigen, dass pädagogische Qualität und finanzierbarer Schulbau kein Widerspruch sind: https://schulbauopensource.de/projektstorys/weimar
Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft unterstützt News4teachers bei der inhaltlichen Gestaltung dieses und weiterer Beiträge des Themenmonats „Schulbau und Schulausstattung“.
Hier geht es zu allen Beiträgen des Themenmonats “Schulbau & Schulausstattung”.
Und noch ein Rekord… Das neue Redaktionskonzept von News4teachers zieht!









Alle Lehrkräfte der Otto-Normal-Schule wünschen sich insgeheim eine Montags-Stiftung, die endlich unsere grauen Montage im Betonklotz aufpimpt. Statt Linoleum, Neonlicht und Stundenplanfrust gäbe es dann auch bei uns „Stammgruppen“, „Beziehungsräume“ und „projektorientiertes Arbeiten über neun Altersstufen hinweg“.
Während in der pädagogischen Bubble mit Stiftungsglanz Erstklässler mit Neuntklässlern Solarautos bauen und Beziehungsräume erkunden, kämpfen wir mit dem Kopierer, der Vertretungsstunde – und mit unseren Schülern durch den Lehrplan Richtung Zentralprüfung.
„Jedes Kind kann etwas“, heißt es in Weimar. Ach nee? Und unsere etwa nicht? Die werden offenbar nur unterrichtet, nicht begleitet. Die Jenaplan-Lehrkräfte kennen „jedes Kind sehr genau“ mit seinen „Stärken, Entwicklungsfeldern und Lernfortschritten“. Zwischen Solarauto, Theaterprojekt und Mathezirkel bleibt ja massig Zeit für seelische Tiefenbohrungen und gelebte Verantwortung.
Was heute als pädagogische Vision gefeiert wird, wirkt oftmals wie ein bildungsideologisches Räucherstäbchen: viel Gefühl, hübsche Verpackung – und jetzt sogar „pädagogische Architektur“, das räumliche Pendant zur Reformpädagogik: viel Sendungsbewusstsein, viel Atmosphäre, aber erstaunlich wenig Tür, die man hinter sich schließen kann. Wie der Brandschutz in Weimar dabei funktioniert? Unklar. Aber wahrscheinlich brennt sowieso nur bei uns in der Otto-Normal-Schule die Hütte.
Wo bleibt eigentlich der flächendeckende inklusive Jenaplan?
Für manche ist offenbar kein Argument zu weit hergeholt, wenn es darum geht, das Engagement anderer herabzuwürdigen und die eigene Übellaunigkeit zu feiern. Selbstverständlich wird der Brandschutz im neuen Schulgebäude der Jenaplanschule Weimar eingehalten. Ausführliche Informationen dazu gibt es hier: https://schulbauopensource.de/planungsthemen-von-a-z/brandschutz/weimar-brandschutz
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Liebe Redaktion, die Katze spricht der Otto-Normal-Lehrkraft nur förmlich aus der Seele, weil diese mit ihrem viel mehr Menschen bedeutenden Anhang über Jahre hinweg – auch hier im Forum – immer dasselbe hört, (von den Behörden und der Politik) nur hingehalten wird und es einfach nur noch leid ist, dass sich bei der Masse einfach so gar nichts bewegt – oder allerhöchstens rückwärts!!
Zeigt nur, wie groß der Frust ist! Wer auf Diät ist, kann einfach nicht gut mit Schweinshaxe und Pommes!
Wenn sich der Frust gegen eine untätige Politik richtet – bitteschön. Wenn aber alles nur noch, pardon, Scheiße ist, selbst das repektabelste Engagement von Kolleginnen und Kollegen – dann ist das womöglich ein Fall für die Therapie (oder für eine berufliche Neuorientierung), aber nicht mehr für ein Forum, das auch das Bild von Lehrkräften in der Öffentlichkeit prägt.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Eine Therapie versuchen Einzelne, allerdings sind so viele Plätze, wie da gebraucht würden, überhaupt gar nicht verfügbar. Andere „wandern – auch deutlich zunehmend! – ab. Das kann aber ebenfalls nicht im Interesse der Verantwortlichen sein…
Es wäre eben einfach nur empathisch gewesen, man hätte auf die Meinung in einem Meinungsforum nicht auch noch draufgehauen. – Nur meine Meinung!
“Katze” tritt hier öfter in Erscheinung – stets mit demselben Spin. Herzliche Grüße Die Redaktion
Ja, schade. Es wäre anstrengender, solche Übellaunigkeit in die Energie umzuwandeln, aus dem System heraus Veränderung zu bewirken – auch wenn es dann erstmal nur ein neuer Kopierer wäre…
Ich halte es für problematisch, die „Energiefrage“ auf die Schule / die Initiative der Lehrer zu verlagern. Natürlich kann man mit viel Engagement Einiges erreichen, aber man läuft da Gefahr, anderen ihre Verantwortung abzunehmen. Mir erscheinen diese Vorzeigeschulen häufig wie eine Möhre vor der Nase, damit man schön in Bewegung bleibt. Warum sagt eigentlich niemand dazu, wie viele Schulen solche Umgestaltungen gerne möchten, aber nicht können, sei es aus finanziellen, sei es schlicht aus räumlichen Gründen? Wie viele Anträge und Nachfragen gibt es nach Ausbesserungen, Erneuerungen, Renovierungen, wenn nicht gar nach Neu- oder Ergänzungsbauten, nach mehr Personal, nach multiprofessioneller Unterstützung, nach Schul-IT, die ins Leere laufen? Vor diesem Hintergrund erscheinen manche Preise mit der Würdigung des sicherlich bemerkenswerten Engagement fast wie Hohn, wenn man bedenkt, wie viel Engagement ins Leere läuft. Da kann ich Frustrationen gut verstehen, auch wenn ich sie nicht unbedingt teile.
Wenn ich meinen Unterricht gründlich plane und vorbereite, dann habe ich neben meinen anderen schulischen Verpflichtungen eigentlich genug zu tun und sehe es dann nicht mehr als meine Aufgabe an, mich um einen neuen Kopierer zu kümmern. Und ich wage dennoch die Behauptung, dass meine Schüler bei mir genug lernen können, wie bei vielen anderen Kollegen. Und ich bin mir ziemlich sicher, bei Katze trotz ihre „Übellaunigkeit“ auch.
“Mir erscheinen diese Vorzeigeschulen häufig wie eine Möhre vor der Nase, damit man schön in Bewegung bleibt.”
Das ist, sorry, eine toxische Argumentation, mit der jegliches Engagement kaputt gemacht wird: Wer sich einsetzt, wirkt damit als Teil einer Verschwörung, um die Lehrerschaft anzutreiben. So lässt sich potenzieller Nachwuchs, der einen Beruf sucht, in dem er etwas bewegen kann, ganz sicher vergraulen…
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Und, wie stehen Sie zum Argument von Canishine:
„Ich halte es für problematisch, die „Energiefrage“ auf die Schule / die Initiative der Lehrer zu verlagern. Natürlich kann man mit viel Engagement Einiges erreichen, aber man läuft da Gefahr, anderen ihre Verantwortung abzunehmen.“?
Das hat nicht mit toxischer Argumentation, sondern mit der Realiät zu tun.
Es ist toll, wenn einzelne Schulen Stifter haben, sei es in Dresden oder Weimar, welche durch großzügige Spenden solche Schulgebäude und Möglichkeiten der Öffnung von Unterricht ermöglichen. Ich würde gern in einer solchen Schule arbeiten.
Es ist jedoch mehr als unfair, dann so zu tun, als ob es nur eine Frage des Engagements der einzelnen Lehrkraft/Schule wäre, gleiches zu erreichen. Das ist es nämlich nicht, aber der Bevölkerung und auch den Kollegen wird suggeriert: Die Lehrer der anderen Schulen sind einfach nur zu faul/ desinteressiert/ unwillig… ergänzen Sie gern selbst.
“… wird suggeriert”. Wer suggeriert das? Gerne Quellen nennen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Und davon abgesehen: ich finde es großartig, dass Weimar so viel Geld für Bildung in die Hand nimmt! In so einem Gebäude fühlt man sich automatisch wertgeschätzt: als Schüler und auch als Mitarbeiter. Habt alle viel Freude dort!
Nein, es ist eher nicht motivierend („toxisch“), wenn Engagement in‘s Leere läuft, und das passiert leider häufiger als solche Auszeichnungen. Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob es bei gleichem Engagement (der Schulen) alle oder zumindest die meisten Schulen die Gelegenheit bekämen, z.B. ihre Architektur auf offene Lernlandschaften auszurichten und umzubauen.
Und was die Verschwörung angeht: So ist das nun mal bei Wettbewerben, ob bei Klein oder Groß: Die Einen gewinnen, den Anderen bleibt nur der Respekt vor dem Gewinner (oder so).
“So lässt sich potenzieller Nachwuchs, der einen Beruf sucht, in dem er etwas bewegen kann, ganz sicher vergraulen…”
Es ist sicher nicht mein Wunsch, potenziellen Nachwuchs zu vergraulen (und ein solches Verhalten wäre vermutlich auch unangemessen).
Allerdings muss ich schon sagen, ich befürchte, die Deutschen und ihre Lehrkräfte, das wird keine Liebesgeschichte mehr, und realistische Möglichkeiten, im deutschen Schulsystem als Lehrkraft etwas zu bewegen – na ja, mindestens schwierig… Insofern würde ich den Beruf tatsächlich auch nicht weiter empfehlen wollen, auch nicht für Menschen, die wirklich gerne mit Kindern umgehen, und gut mit ihnen umgehen: Die finanzielle Entlohnung ist (noch) in Ordnung, die Anforderungen sind jedoch ausgesprochen hoch, teils unrealistisch, das gesellschaftliche Standing gering (und der Berufsstand als Ganzes häufig Ziel pseudo-gerechtfertigten kochenden Volkszorns), und echte Gestaltungsmöglichkeiten sind rar gesät und praktisch immer an geradezu übermenschliche Einsatzbereitschaft geknüpft.
So mein (zweifelsohne subjektiver) Eindruck.
Für Brandschutz sind ja Behörden zuständig, aber das oberste Bild lässt nicht einmal erahnen, wie es um Lärmschutz steht. Bekanntlich sind Schüler in größerer Zahl alles andere als leise. Das Bild erinnert an die gedämpfte Lautstärke in öffentlichen Bibliotheken mit Teppichboden, wo alle nur flüstern.
Für Akustik und Schallschutz waren eigens Sachverständige in das Bauprojekt einbezogen. Grundsätzlich ist Lärm selbstverständlich ein wichtiges Thema: https://schulbauopensource.de/planungsthemen-von-a-z/bauakustik
Herzliche Grüße
Die Redaktion
“Wo bleibt eigentlich der flächendeckende inklusive Jenaplan?”
Der wird nicht kommen, die daraus “erforschten” (zerforschten?) wissenschaftlichen Ansprüche aber schon. Der nächste “Bürgerrat” wird fordern, dass die f… S… das an jeder Schule umsetzen, bauliche Voraussetzungen hin oder her…
Sie verhalten sich wie der “Pinkelprinz” aus dem Hause der Welfen. Einfach mal an die Wand pinkeln.
Hier mal ein Beispiel für eine ganz normale Schule in einer Kleinstadt (die keinesfalls über großartige finanzielle Mittel verfügt), die sich auf den Weg gemacht hat aus ihren Räumlichkeiten alle Möglichkeiten einer modernen Lernkultur auszuschöpfen. Ich empfehle den kurzen Film. Der Konrektor ist übrigens Schulraumnutzungsberater, ausgebildet von der Montagsstiftung….den kann man für sehr überschaubares Salär buchen….
https://www.fvsg-buende.de/
Naja, die Stadt hat neu gebaut. Wie viele Schulen werden pro Jahr neu gebaut? Bundesweit?
Das ist doch genau das Problem…
Die Stadt hat neu gebaut??? Das Gebäude ist mindestens 30 Jahre alt…..es wurden innen „nur“ Möglichkeiten genutzt…..
Das Gebäude ist von 1976, die Cafeteria von 1994 und der Anbau von 2001…..
Was für ein Statement zu einer so großartigen Leistung wie im Artikel beschrieben. Katze, Sie haben echt sprachliches Talent, nur wofür setzen sie es ein? Sie bekommen hier, in diesem Forum erstaunlich viel Anerkennung, viele Likes. Aber wofür? Dafür ein eloquenter Vertreter des Rückwärtsgewandten zu sein? Schade.
Der rohe, graue Beton ist sehr inhuman. Ich verstehe nicht, warum man die Bausünden der Zeit um 1970 unbedingt wiederholen muss.
Also wenn ich das erste Bild mit dem rohen Stahlbeton-Fertigteilen sehe, denke ich an die Bausünden der 1970er, unter denen auch unsere Schule zu leiden hat. Wir haben extra schon Holzbretter senkrecht von der Decke hängen, damit es in dem Gebäude nicht so hallt. Für mich ist das Bild das eines möglichst billigen (nicht günstigen, sondern wirklich billigen) Plattenbaus. Das Ganze dann von außen verkleidet mit Holz, das mittels chemischen Holzschutz (grüner anti-fouling Anstrich) wenigstens die 5 jährige Gewährleistungsfrist nach VOB überstehen soll.
So ein Gebäude ist kein Gebäude in dem ich unterrichten will!
Mein Traum von einem Gebäude sieht eher so aus wie das klassische Schulhaus aus dem Jahre 1900, also massives zweischaliges Ziegelmauerwerk mit Zwischendämmung, Gewölbedecken, Satteldach oben drauf. Wenn der Architekt sich verwirklichen will, darf er gerne bei dem Bau der Aula eine Kuppel vorsehen. Die Kuppel des Pantheon in Rom steht ja auch schon seit fast 2.000 Jahren. Da dürfen sich dann auch gerne der Architekt und die Handwerksbetriebe auf einer Bronzetafel am Eingang verewigen, auf das die Schüler auch noch nach Jahrzehnten sehen welche Handwerksbetriebe Qualität abgeliefert haben, wenn das Gebäude etwas taugt, und welche billigen Pfusch, wenn dauernd alles kaputt ist.
DAS ist dann mal Nachhaltigkeit und genau der Gegensatz von dem, was wir da sehen. Die Plattenbauten mit Flachdach sind doch eh nach spätestens 30 Jahren sanierungsbedürftig und wenn das Ganze noch aus Holz gebaut ist, ist es beireits nach 20 Jahren soweit.
An unserer Schule wurde der Umbau erneut verschoben. Am Gymnasium meiner Kinder wartet man seit 8 Jahren auf den Startschuss für den Teilneubau, mittlerweile rieselt der Putz von der Decke. Die Kommunen sind pleite.
Dann müsst Ihr euch wohl mal ein bisschen engagieren, das kann man ja wohl verlangen!
Ach, Spaß…
“Mit einer Investition von über 31 Millionen Euro hat Weimar eines seiner größten Bauprojekte der vergangenen Jahre abgeschlossen: der Neubau am Jenaplanschul-Standort Oberweimar. Nach mehr als zehn Jahren Planung entstand ein innovativer Lernort für rund 500 Kinder und Jugendliche der Klassen 1 bis 12.”
https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/weimar/neue-jenaplan-schule-oberweimar-100.html
Einfach mal eine schöne Nachricht. 🙂
Da kann sich hier wieder einmal ein geistiger Zwerg über die Kosten eines Schulneubaus echauffieren, es sind immerhin 32 Millionen Euro als Zukunftsinvestition gestemmt worden.
Mag sein, dass es manche Leute juckt – die betroffenen Schüler*innen profitieren, das reicht mir heute 🙂
Mich wundert, dass drei solcher Modularklötze – der Link aus dem Artikel nennt 18 Millionen, ein Link aus den Kommentaren nennt 31 Millionen – kosten sollen.
Im Gegensatz zum Wohnungsbau braucht man auch nicht alle paar Meter eine Küche oder ein Bad mit den entsprechenden Anschlüssen.
Ich bin nicht vom Fach und lasse mich gerne belehren. Ist das immer so teuer oder nur, wenn die öffentliche Hand baut?