Start Tagesthemen Polizei: “Null Toleranz” nach Reizgas-Attacken in Brandbrief-Schule – Schüler gefesselt 

Polizei: “Null Toleranz” nach Reizgas-Attacken in Brandbrief-Schule – Schüler gefesselt 

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LUDWIGSHAFEN. Ein gefesselter Jugendlicher, mehrere Vernehmungen, Uniformen auf Sichtweite: Bekommen die Behörden damit die Gewalt an einer mittlerweile bundesweit bekannten Realschule in Ludwigshafen in den Griff? Längst ist eine politische Diskussion entbrannt. Eine Umfrage zeigt auf, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. 

Gewaltmonopol (Symbolbild). Foto: Shutterstock

Nach Reizgas-Vorfällen in der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen hat die Polizei mehrere tatverdächtige Jugendliche vernommen und die Präsenz uniformierter Kräfte erhöht. «Wir wollen bewusst ein deutliches und klares Zeichen setzen», teilte das Polizeipräsidium Rheinpfalz mit. Man dulde keine Gewalt an Schulen und verfolge eine «Null-Toleranz-Strategie».

In dieser Woche war es an der Schule an drei Tagen in Folge zum Versprühen von Reizgas gekommen. Mehrere Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte mussten ärztlich behandelt werden.

15-jähriger Tatverdächtiger in der Schule gefesselt

Ein 15-jähriger Tatverdächtiger habe am Mittwoch in der Schule gefesselt werden müssen, weil er aggressiv gewesen sei, teilte die Polizei mit. Er sei durchsucht und zur Vernehmung zur Dienststelle gebracht worden. Der Jugendliche sei wegen Gewaltdelikten, Sachbeschädigung und Diebstahl polizeilich bekannt. «Er wurde nach einer Gefährderansprache und einer erkennungsdienstlichen Behandlung seinen Erziehungsberechtigen überstellt.»

Die Polizei vernahm auch einen weiteren, 14 Jahre alten Verdächtigen. «Nach einer Gefährderansprache und einer erkennungsdienstlichen Behandlung wurde er an seine Erziehungsberechtigen überstellt.» Nach einem Hinweis fand die Polizei zudem Reizgas in den Taschen eines 13-Jährigen. Auch er sei in einer Polizeidienststelle vernommen und seinen Erziehungsberechtigten übergeben worden. «In allen Fällen prüfen wir, ob den Verantwortlichen die Kosten der Einsätze in Rechnung gestellt werden können», teilte die Polizei in der zweitgrößten Stadt des Bundeslandes mit.

Uniformierte Polizeikräfte täglich sichtbar

Vor dem Hintergrund dieser und anderer Zwischenfälle seien bis auf weiteres uniformierte Polizeikräfte an der Schule täglich sichtbar und ansprechbar, hieß es. «Bekannte Straftäter, die die Realschule besuchen, stehen besonders im Fokus der polizeilichen Präsenz.»

Die Schule ist wiederholt bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Erst im Oktober kam es zu einem Großeinsatz der Polizei, das Gebäude wurde geräumt und durchsucht. Zeugen hatten eine bewaffnete Person gemeldet, gefunden wurde nichts. Im Mai soll eine Schülerin mit einem Messer auf eine Lehrerin losgegangen sein. Das Kollegium rief in einem Brandbrief angesichts der ausufernden Gewalt um Hilfe (News4teachers berichtete).

Zwei Monate vor der Landtagswahl am 22. März ist das Thema auch politisch aufgeladen. Im Landtag lieferten sich Regierung und Opposition am Mittwoch einen verbalen Schlagabtausch. CDU-Fraktionschef Gordon Schnieder forderte verstärkte Maßnahmen gegen Gewalt an den Schulen in Rheinland-Pfalz. Hilferufe von Lehrkräften, Eltern und Schüler seien über Jahre ignoriert worden, kritisierte der Oppositionsführer. Eine Schule dürfe aber kein Ort der Angst sein.

Schulen als Ort der Angst

SPD-Fraktionschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler wies die Vorwürfe zurück und lenkte den Blick auf das Maßnahmenpaket der Landesregierung für mehr Sicherheit an Schulen. Dieses sieht im Kern mehr Polizeipräsenz in Schulen vor, bei denen es bereits Vorkommnisse mit Gewalt gab.

Einer SWR-Umfrage zufolge sieht eine ganze Reihe an Realschulen plus in Rheinland-Pfalz eine Zunahme an Gewalt. Von 122 an der Befragung des Politikmagazins «Zur Sache Rheinland-Pfalz» teilnehmenden Realschulen plus gaben demnach 39 Prozent an, es stimme aus ihrer Sicht voll und ganz, dass Gewaltdelikte in den vergangenen Jahren mehr geworden seien. Weitere 26 Prozent gaben an, dies teilweise zu beobachten. News4teachers / mit Material der dpa

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