Start Themenmonate Berufsorientierung & Berufliche Bildung Unbesetzte Lehrstellen, unversorgte Jugendliche: Schulen sollen gegensteuern – mit verbesserter Berufsorientierung

Unbesetzte Lehrstellen, unversorgte Jugendliche: Schulen sollen gegensteuern – mit verbesserter Berufsorientierung

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DÜSSELDORF. Auf dem deutschen Ausbildungsmarkt blieben auch im Jahr 2025 viele Stellen unbesetzt, während zugleich zahlreiche Jugendliche keinen Ausbildungsplatz fanden. Passungsproblem nennt die Ausbildungsmarktforschung dieses Nebeneinander von offenen Angeboten und erfolgloser Nachfrage. Selbst die aktuelle Bundesregierung hat das Problem für sich erkannt und im Koalitionsvertrag konkrete Maßnahmen zur Stärkung der (digital gestützten) Berufsorientierung angekündigt – die Schulen sind gefragt.

Gute Aussichten (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Wie ernst die Lage ist, zeigen aktuelle Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Nach den Berechnungen der BIBB-Forscherinnen und -Forscher ist 2025 die Zahl der Jugendlichen, die trotz aktiver Suche ohne Ausbildungsplatz geblieben sind, deutlich gestiegen. Dem Bericht „Der Ausbildungsmarkt im Jahr 2025“ zufolge „finden immer mehr Jugendliche keinen Ausbildungsplatz: Die Zahl der erfolglos suchenden Ausbildungsplatznachfragenden stieg 2025 im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Fünftel (+14.000) auf 84.400. Das ist der höchste Wert seit 2010.“ Gleichzeitig blieben bundesweit zehntausende Ausbildungsstellen vakant. Grundlage der Analyse bilden die BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge sowie die Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

„Damit bleibt ein erhebliches Potenzial ungenutzt“, schlussfolgern die Autor*innen. Und weiter: „In Zeiten des zunehmenden Fachkräftebedarfs, des demografischen Wandels und der strukturellen Transformationen gilt es, dieses Potenzial besser zu erschließen und den Übergang von der Schule in den Beruf für Jugendliche ohne Anschlussperspektive zu verbessern.“

Passungsprobleme als zentrale Herausforderung

Zwar sei die Zahl der unbesetzten Plätze im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, doch das grundlegende Problem bleibe bestehen. Die Autorinnen und Autoren halten fest: „Passungsprobleme gelten seit einigen Jahren als eine zentrale Herausforderung auf dem Ausbildungsmarkt und haben sich in den letzten Jahren noch einmal verschärft.“ Der sogenannte Index Passungsprobleme liege 2025 mit 158,9 weiterhin auf einem hohen Niveau. Zum Vergleich: Im Corona-Jahr 2020 war der Index auf einen neuen Höchststand von 167,7 geklettert. In den vergangenen beiden Jahren lag er bei 161,6.

Ein Passungsproblem besteht, so erläutert das BIBB, wenn zum Bilanzierungsstichtag relativ viele Menschen noch nach einem Ausbildungsplatz suchen, obwohl relativ viele Ausbildungsplätze unbesetzt sind. Ursachen sehen die Forschenden sowohl in regionalen als auch in beruflichen Ungleichgewichten. Jugendliche konzentrieren sich etwa auf Berufe, für die es in ihrer Region nur wenige Ausbildungsangebote gibt, während Betriebe in anderen Regionen keinen Nachwuchs finden. Oder sie verfolgen einen Ausbildungswunsch in einem Bereich, in dem die Nachfrage bereits sehr hoch ist, während andere Branche zu wenig Beachtung finden. Die sehr unterschiedliche Nachfrage nach einzelnen Ausbildungsberufen führe dazu, „dass Marktteilnehmende auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes erfolglos bleiben“, heißt es im BIBB-Bericht.

Mit besonders großen Besetzungsproblemen kämpfen etwa die Berufe Klempnerin (40,2 Prozent), Rohrleitungsbauer (40,1 Prozent), Beton- und Stahlbetonbauer (37,2 Prozent) sowie Fleischerin (31,4 Prozent). Auf der anderen Seite sind Berufe wie Mediengestalter Bild und Ton (51,2 Prozent), Sport- und Fitnesskauffrau (45,1 Prozent) oder Tierpfleger (40,0 Prozent) so stark nachgefragt, dass viele Bewerber*innen leer ausgehen.

Schulische Berufsorientierung in der Kritik

Ein weiterer Aspekt, der laut aktueller Befunde zur Passungsproblematik beiträgt, ist die oftmals unzureichende Berufsorientierung in der Schule. Schon 2024 wies die Bertelsmann Stiftung auf Grundlage einer Befragung junger Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren darauf hin, dass vor allem Jugendliche mit hoher Schulbildung hier Probleme sehen: So gaben 43 Prozent der Befragten mit hoher Schulbildung an, „sich über Ausbildungsberufe von der Schule nicht gut informiert zu fühlen“. Bei den Befragten mit mittlerer Schulbildung lag dieser Anteil bei 32 Prozent, bei denen mit niedriger Schulbildung nur bei 19 Prozent.

Unterstützung bei der Berufsorientierung

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Zudem äußerten 41 Prozent der Befragten mit Abitur, die zum Zeitpunkt der Befragung auf Ausbildungssuche waren, dass sie sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz mehr Unterstützung wünschen oder gewünscht hätten. „Viele Gymnasiast:innen fühlen sich von der Schule nicht gut genug über Ausbildung und Studium informiert. Sie brauchen insgesamt mehr Beratung und Unterstützung und sollten nicht nur besser über Studienwege, sondern auch über Ausbildungsberufe informiert werden, um für sich eine passende Entscheidung treffen zu können“, so lautete das Fazit des Ausbildungsexperten bei der Bertelsmann Stiftung, Clemens Wieland.

Reformpläne der Bundesregierung

Vor diesem Hintergrund ist die Berufsorientierung auch stärker in den Fokus der Politik gerückt. Die amtierende Bundesregierung hat die Passungsprobleme als strukturelles Problem erkannt und im Koalitionsvertrag eine Reform des Berufsorientierungsprozesses angekündigt. Wörtlich heißt es: „Das Berufsorientierungsprogramm bauen wir aus, verzahnen es mit bestehenden Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit, von Ländern und Sozialpartnern und bauen Parallelstrukturen ab. Mit einer gemeinsamen Roadmap ermöglichen wir einen strukturierten, digital- und datengestützten Berufsorientierungsprozess.“

Ziel sei es, Jugendliche früher und verbindlicher bei ihrer Berufswahl zu unterstützen. Dazu soll nach den Plänen der Koalition auch die Schule stärker einbezogen werden. „Mit den Ländern verankern wir Berufswahlkompetenz in den Schulen und stärken frühe Berufswegeplanung mit Jugendberufsagenturen und Berufsschulen“, heißt es weiter im Vertrag. Für junge Menschen ohne klare Perspektive wird zudem eine stärkere Einbindung der Berufsberatung in Aussicht gestellt.

Die BIBB-Analyse selbst betont ebenfalls den politischen Handlungsbedarf, ohne konkrete Maßnahmen vorzuschlagen. Passungsprobleme abzubauen, sei unerlässlich, so die BIBB-Forscher*innen im Fazit ihrer Analyse – „vor allem in wirtschaftlich instabilen Zeiten“. News4teachers

Hier geht es zu allen Beiträgen des Themenmonats “Berufsorientierung & Berufliche Bildung”.

Warum es an der Zeit ist, die Vorurteile über Berufsausbildung endlich zu überwinden – ein Kommentar

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Hans Malz
1 Monat zuvor

“digital gestützte” Berufsorientierung kann man sich in Bezug auf das Handwerk sparen. Die Jugendlichen müssen “machen”. Das ist zumindest meine Erfahrung aus der Berufsorientierung die sich mit der Handwerkskammer deckt. Aber digital ist viel billiger.

Gymnasien und Gesamtschulen beraten übrigens erfahrungsgemäß nicht ins Handwerk. Dann wären die auch schön blöd, das wäre schlecht für die Statistik und die Oberstufe wäre nicht voll. Klar, wenn sich Berufskollegs, Gesamtschulen und Gymnasien um die wirklich fähigen Abgänger schlagen. Aber was weiß ich schon…

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

„ Gymnasien und Gesamtschulen beraten übrigens erfahrungsgemäß nicht ins Handwerk.“

Ist bei uns (Gym) völlig anders. BO -Tage in in alle Richtungen.

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Das ist dann aber wirklich die Ausnahme. Berufsorientierung wird da nicht so hoch gehängt, weil die Schüler ja Abi machen sollen. Vielleicht bei Ihnen in der Kommune auch der Druck nicht so groß, die Oberstufe voll zu kriegen.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Doch, ist er. Kleines Gymnasium und jedes Jahr zitternd, ob wir die 45 SuS für die SEK 2 zusammenbekommen. Trotzdem.

nurmalso
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

BO-Tage gut und schön… Aber wie sieht die individuelle Beratung im Einzelfall aus? Kenne das nur aus der Gesamtschule. Dort wurden mir in der 10 relativ schwache SuS in die E-Kurse gestopft, damit er/sie noch die Chance bekommt, in die Oberstufe zu kommen. Einige davon superfleißig, Nachhilfe etc. In manchen Fällen waren SoS und ich der Meinung, dass es das nicht tut, einige machte der ganze Stress richtig krank. Und dann: Beratungsgespräch mit der Abteilungsleitung und natürlich gehen wir in die Oberstufe, diese muss ja schließlich “gefüllt” werden. Und nach der 12 gingen sie dann, fix und fertig, ab und machten eine Ausbildung, z.T. im Handwerk. Das hätten sie eher haben können.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  nurmalso

Einmal im Monat (bei Bedarf auch häufiger) ist die Berufsberaterin der Arbeitsagentur ganztägig bei uns vor Ort und berät. Die SuS aus Klasse 9/2, 10/1, 11/2 und 12/1 müssen da pflichtig zum Einzelgespräch hin, alle anderen können, aber müssen nicht. Es sei denn, die Leistungen deuten darauf hin, dass sie das Gym vorzeitig verlassen müssen- dann ist der Termin pflichtig.
Individueller geht kaum, die Frau ist top.
Und bevor Sie fragen: jeder macht bei uns eine Potentialanalyse in einem zweitägigen Projekt.

nurmalso
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Hatten wir auch alles… dennoch ist das oben Beschriebene geschehen.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  nurmalso

Um am BK dasselbe zu erleben. In den Fachklassen der Handwerker sitzen dann – je nach Ausbildungsberuf – Azubis mit allen Bildungsabschlüssen sowie einige mit mehreren Semestern Hochschulerfahrung. Da muss dann der HS-Absolvent mit seinem EESA den gleichen Stoff pauken wie der Studienabbrecher – und Differenzierung ist an Berufsschulen jetzt nicht Bestandteil des Standardrepertoires.

dickebank
1 Monat zuvor

Manche Ausbildungen werden auch nicht attraktiver, wenn in Schule dafür getrommelt wird.
Aus Verdauungsendprodukten wird auch mit viel Aufwand auch kein Patisseriekunstwerk. Bedarf hin oder her.

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Komisch, Gerüstbauer und Fleischereifachverkäufer sind doch Trendberufe.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Gerüstbauer und Binnenschiffer, allein schon wegen der Azubi-Vergütung. Hinzu kommt, dass Gerüstbauer auch ohne ESA geht.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Fleischereifachverkäufer ist eine zweijährige Ausbildung, genauso wie Bäckereifachverkäufer. Nachteilig ist, dass diese Tätigkeiten eben auch von Schüleraushilfen wahrgenommen werden können. Und die sind dann halt billiger.

S.B.
1 Monat zuvor

Schulen brauchen vor allem Ruhe. Was sollen die noch alles leisten?

GriasDi
1 Monat zuvor

Ich habe das Gefühl je mehr Berufsorientierung (die in den letzten Jahren massiv ausgebaut wurde) desto weniger wissen SchülerInnen was sie machen wollen.
Das Feedback der SchülerInnen zur Berufsorientierung ist meist negativ und das obwohl diese von BerufsberaterInnen vom Arbeitsamt durchgeführt wurde.
Am Tag des Handwerks, bei dem mit Betrieben zusammengearbeitet wird, lassen SchülerInnen auch kein gutes Haar. Es liegt also nicht nur an den Schulen sondern auch an den externen Fachleuten.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Wieder sollen die Schulen gesellschaftliche Probleme richten. Mit Blick auf die Berufsorientierung mir bekannter Schulen werden mehrere Praktika, Besuche bei Ausbildungsmessen und Bewerbertrainings angeboten. Im Ergebnis bleibt nicht nur das Problem, dass viele Jugendliche dennoch bei klassischen Ausbildungsberufen hängen bleiben, sondern dass viele diese Angebote der Berufsorientierung gar nicht wirklich annehmen. Praktika werden beispielsweise bei der Verwandtschaft im Betrieb gemacht, weil man zu faul war, sich einen Platz zu suchen. Oder beim eigenen Friseur oder Arzt oder gar mal im Dönerladen, wo man mittags sein Essen kauft.

Weiterhin sind viele Berufe unbeliebt – insbesondere jene, wo besondere Anstrengung verlangt wird. Was aber kein Wunder ist, schließlich soll die Schule von morgen auf Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft nach Möglichkeit verzichten und keinen Druck ausüben. Ebenso en vogue ist die Diskussion des “Ausbeutertums” während der Ausbildung durch Influencer, die allesamt keinen gängigen “9-to-5-Job” machen wollen würden. Der kleine Klempner- und Fleischereibetrieb wird wahrscheinlich auch nicht die erwartete Vergütung oberhalb einer gesetzlichen Bestimmung zahlen können.

Die beste Berufsorientierung bringt nichts, wenn Mangelberufe einfach nicht mehr gemacht werden wollen. Mir persönlich ist kein Jugendlicher bekannt, der davon träumt, abends zeitig schlafenzugehen, um um 3 Uhr in der Backstube anzutreten oder der seine Erfüllung darin findet, Wurst zuzubereiten. Bei 35 Grad im Sommer und Regen im Herbst neue Straßen zu bauen, finden auch nur wenige toll.

Wie Schule bei all dem gegensteuern soll? Ich wüsste es nicht. Wird Zeit, dass die vorhandenen Lehrkräfte Konzepte ausarbeiten und Arbeitskreise bilden.

vhh
1 Monat zuvor

Hauptgrund: ‘Passungsprobleme’
Maßnahme: “…verankern wir Berufswahlkompetenz in den Schulen und stärken frühe Berufswegeplanung mit Jugendberufsagenturen und Berufsschulen“
Ich konstatiere mal ein Passungsproblem zwischen Problem und Maßnahme…

DerechteNorden
1 Monat zuvor

An meiner Schule wird Berufsorientierung groß geschrieben, aber das ändert nichts daran, dass die meisten Kids nach der 9. und 10. Klasse doch lieber irgendwie weiter zur Schule gehen wollen.
Tatsächlich denke ich, dass man in Schulen Profis braucht, die nur BO machen. Die Jobcenter sollten ihre Leute fest in den Schulen haben, so dass S*S und Eltern jeder Zeit Termine machen können bzw. Pflichttermine leicht wahrzunehmen sind.
Jetzt verlieren alle S*S des 8. und 9. Jg. wertvolle Unterrichtszeit, da der Unterricht wegen BO wochenlang ausfällt.
Wer meint, die einzelnen Schulen (also die Lehrkräfte mal wieder) wären dafür verantwortlich, dass alle S*S die für sie und die Ausbildungsbetriebe passenden Berufe und die dazugehörigen Lehrstellen finden, versteht die Problematik einfach nicht.
Dazu kommt noch, dass das Schulsystem nicht so angelegt ist, dass die S*S, die besser eine Ausbildung beginnen sollten, dieses auch vermittelt bekommen. Es ist eher so, dass diese den Eindruck haben, dass sie möglichst lange zur Schule gehen sollen, weil es ja möglich ist.
Richtig arbeiten hat etwas mit “erwachsen sein und Verantwortung für das eigene Leben übernehmen” zu tun. Und das ist etwas, das in unserer Gesellschaft derzeit nicht gerade angesagt ist.
Hier schließt sich der Kreis zu meinem Eingangssatz “…, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die meisten Kids nach der 9. und 10. Klasse doch irgendwie lieber weiter zur Schule gehen wollen.”
Besonders absurd ist dabei, dass sie auf Schule allerdings auch nicht wirklich Lust haben.

HarneEinrichson
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Genauso habe ich es auch häufig mitbekommen… Schule ist zwar doof und nervig, aber arbeiten ist ja noch anstrengender und es gibt mehr Probleme wenn man nichts macht

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  HarneEinrichson

Verwunderlich ist das nicht, schließlich sprechen viele “Bildungsexperten” ständig davon, dass doch bitte möglichst jedes Kind ein Gymnasium zu besuchen habe, um dort die “beste Bildung” zu erhalten. In der allgemeinen Wahrnehmung kommt also an, dass andere Schulabschlüsse weniger wert seien als das Abitur.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Eine pauschale Aussage im Sinne von „nur das Gymnasium ist richtige Bildung“ findet man tatsächlich selten wörtlich. Gemeint ist eher die öffentliche Wirkung von Aussagen und Debatten, nicht ein einzelnes explizites Zitat. Wenn z. B. führende Bildungsforscher, Verbände oder Politiker regelmäßig betonen, dass das Gymnasium das „anregendste Lernmilieu“ biete,es die beste Vorbereitung auf Studium und gesellschaftliche Teilhabe sei und Eltern alles tun, um ihr Kind nach der Grundschule auf ein Gymnasium zu schicken,dann entsteht in der öffentlichen Wahrnehmung sehr wohl der Eindruck, dass gute Bildung primär am Gymnasium stattfinde. Hinzu kommt, dass Lehrer- und Elternverbände (etwa der Philologenverband) sowie bildungspolitische Akteure das Gymnasium regelmäßig als zentrale Säule „hochwertiger Bildung“ hervorheben, während andere Schulformen deutlich seltener mit ähnlichen Attributen versehen werden. Auch die starke gesellschaftliche Fokussierung auf das Abitur trägt dazu bei. Der Punkt ist also weniger, dass einzelne „Bildungsexperten“ explizit andere Abschlüsse abwerten, sondern dass durch die dauerhafte Hervorhebung des Gymnasiums implizit ein Wertgefälle kommuniziert wird. Genau diese Wirkung spiegelt sich dann in der „allgemeinen Wahrnehmung“ wider, auf die ich mich bezogen habe.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Bis zu dem Zeitpunkt, als man Hauptschulen zu – verzeihen Sie mir den bewusst polemischen Ausdruck – “Resteschulen” umfunktionierte, gab es sehr viele Ausbildungen. Mein Vater hatte in den 70er Jahren ebenfalls nur einen Hauptschulabschluss vorzuweisen. Blicke ich in seine Hefte von damals, könnte er es mit jedem Gymnasiasten von heute aufnehmen – jedenfalls was Sorgfalt, Schrift und Anstrengung betrifft.

Mit den neueren Bildungsideen möchte man Realschulen zu diesen “Resteschulen” umfunktionieren oder noch besser Gemeinschaftsschulen etablieren, die diese Funktion in Gänze übernehmen. Verkauft wird dies werbewirksam als gewinnbringendes Konzept individueller Förderung. Die baden-württembergische SPD hat diese Zweigliedrigkeit in ihrem Wahlprogramm stehen. Der schlechte Ruf der Hauptschule heute ist einer verfehlten Bildungspolitik geschuldet, die die SPD jetzt wiederholen möchte.

Leider wird selten erwähnt, dass die Realschule eine starke Schulart ist (war?) und sowohl auf Ausbildung, als auch auf die gymnasiale Oberstufe vorbereitet(e). Dieses Profil wurde leider komplett verwässert. Das Hochhalten des Gymnasiums, vor allem in der 4. Klasse, ist doch der allgemeinen Diskussion geschuldet. Ansonsten hätten weit weniger Eltern ein Problem damit, ihr Kind gezielt an einer Realschule anzumelden.

Maybe
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Das stimmt.
Das eigentliche Problem dabei ist allerdings, dass der Beruf weiterhin den Odeur ” Gas-Wasser-Scheiße ” hat und sehr häufig nicht zusätzlich mit sauberen Händen und interessanten techn. Installationen wie Wärmepumpen etc. und Gutgeld in Verbindung gebracht wird.
Viele Auszubildende können diese Anforderungen dann nicht erfüllen; es reicht halt häufig nur zum ‘einfachen Installateur’ und den Sahnehäubchenjob macht dann ein rarer E-Techniker, wenn der Betrieb überhaupt einen findet.
Die technischen Neuerungen übersteigen somit weit das Potential und v.a. das Vorwissen vieler Auszubildenden.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Und wer verlegt heute die Rohre?

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Völlig unabhängig davon vermittelt die Hauptschule längst nicht mehr das, was vor 20 oder noch mehr Jahren laut Lehrplan noch zu vermitteln war. Dafür wurde der Lehrplan viel zu stark entkernt und hat sich die Schülerschaft zu sehr geändert. Das gilt natürlich für alle Schulformen.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Und darf dann immer noch als Azubis Schlitze kloppen auf der Baustelle.

Sim Si
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Es hilft doch dann aber auch nichts, alle in eine Einheitsschule zu stopfen, wo viele untergehen, weil der Stoff zu umfangreich und komplex ist. Das Problem ist meiner Meinung nach nicht die Frage des Schulsystems, sondern die Frage nach ziel- und passgenauer Unterstützung für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Eine Einheitsschule wird daran überhaupts ändern, wenn das Personal und die Verpflichtung (z.B. Deutschkurse, Förderkurse) nicht da ist. Entscheidend ist für mich die frühkindliche Förderung vor der Schule und in der Grundschule. — Grade auf dem Land sind die HS oft mit deutlich kleineren Klassen und sehr erfahrenenen Lehrkräften ausgestattet, so dass für fast alle Schüler Unterstützung möglich ist und der richtige Anschluss gefunden wird. Da ist unsere HS sehr stolz drauf! Viele von denen würden in 30er-Klassen an der RS untergehen! Der Schlüssel ist also die Personalausstattung, die gezielte, individuelle Förderung und Begleitung ermöglicht – und sicher nicht die ideologische Frage des Schulsystems!

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Die Schulstruktur zu kritisieren, ist nicht ideologisch. Ideolgisch ist allenthalben alles auf die Gemeinschaftsschule als Bildungsheilsbringer konzentrieren zu wollen… Alle Niveaus auf einen Schlag, wobei es dann ehrlicherweise auf Gemeinschaftsschule (= Resteschule) vs. Gymnasium hinauslaufen wird. Schon heute findet man auf baden-württembergischen Gemeinschaftsschulen kaum Gymnasialschüler. Von 320 Gemeinschaftsschulen im Ländle bieten gerade einmal 14 eine gymnasiale Oberstufe an (vgl. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/zahlen-zum-schuljahr-20252026).

Mika
1 Monat zuvor

Gebt uns die Stellen dafür und wir machen das.

Robert
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Nur Stellen dafür? Man gebe uns doch bitte auch Stellen für die Lernlust und Hirnerweiterung der Schüler. Was denen die Schule heute nicht alles vermitteln soll!

BWV
1 Monat zuvor

Sehr erfreulich sind die Erkenntnisse + deren Folgerungen. Erlebbarkeit wäre das andere Bein, auf dem Azubis stehen könnten: nicht digital, sondern erst haptisch und emotional beteiligt kann man herausfinden, was man möchte>> Unterrichtsfächer, die die Tätigkeiten fühlbar machen und ausprobieren, wie lange das Interesse anhält, z.B. 6 Wochen täglich 2-3 Stunden>> Werkunterricht siehe Hibernia Schule Herne.

GBS-Mensch
1 Monat zuvor

Mit Passungspriblemenbwird bei Arbeitsmarktthemen häufig argumentiert, was auf den ersten Blick auch plausibel ist.

Wenn man dann aber das zur Kenntnis nimmt:

“Mit besonders großen Besetzungsproblemen kämpfen etwa die Berufe Klempnerin (40,2 Prozent), Rohrleitungsbauer (40,1 Prozent), Beton- und Stahlbetonbauer (37,2 Prozent) sowie Fleischerin (31,4 Prozent).”

…da fragt man sich schon, woran es hapert. Fehlt da das halbjährige Vertiefungspraktikum in Astrophysik, oder wie kommt’s?

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Was ist mit Rohrleitungsbauerin, Beton- und Stahlbauerin, Klempner und Fleischer? Stimmen da die Zahlen?

Einer
1 Monat zuvor

Mal wieder sind die Schulen gefragt, und antworten sollen die Schulen mit dem Personal und der Zeit, die sie haben und die ehe schon zu knapp ist. Aber so löst man Probleme.

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Bekanntem von mir wurde an der Realschule während Schulpraktikums in einer Kfz-Werkstatt nichts bzgl. Autoreparatur und Autos generell gezeigt, er durfte nur fegen und sich dumme Sprüche anhören. Ins Handwerk ist er so dann nicht mehr gegangen.

Stine
1 Monat zuvor

Ein Praktikum findet meist in Klasse 9 statt, da man sich in Klasse 10 für eine Ausbildung bewerben müsste. Wer weiß denn da bereits, was er machen möchte? Ich kann mich gut erinnern, die tollen Unternehmen haben keinen Schüler 3 Wochen nehmen wollen, man hat dann “irgendwas” gemacht, was halbwegs den Interessen entsprach. An der Uni hatten wir auch später einen Tag, da hieß es, wenn ich mich für Sprachen interessiere, kann ich ja Romanistik studieren. Auf die Frage, was man damit macht – äh an der Uni bleiben, Lehrer werden? Die Antwort hat mich abgeschreckt, das wollte ich ja nicht. Und zuletzt, auf der Suche nach einem Platz für den Zukunftstag fürs Kind, gibt es technische Bereiche, die nehmen nur Mädchen! Plätze prozentual dafür zu reservieren ist absolut in Ordnung, aber die Interessenlage ist doch häufig eben eine andere. Jungen sollten also den Beruf des Erziehers ansehen, weil es ein typischer Frauenberuf ist, obwohl vielleicht gar kein Interesse da ist. Das ist ja sinnfrei. In allen 3 Fällen – Praktikum im Betrieb, Uni-Info, Zukunftstag – ist dem Kind meist nicht gut geholfen. An der Schraube sollte man drehen und nicht wieder an der Schule. Im Übrigen, wenn ich mich nicht fürs Handwerk interessiere, sondern fürs Marketing, daran ändert auch Beratung nix. Das Passproblem ist, dass die Interessen nicht übereinander kommen. Ich kann über Berufe berichten, die Schüler auf Messen schicken… aber aus mir wird halt auch kein Ingenieur oder Dachdecker mehr.