STADTALLENDORF. In Gedenkstätten setzen sich jährlich tausende Schüler mit der NS-Vergangenheit auseinander. Doch wie tief berührt sie das dort Gelernte? Jüngste Vorfälle lassen Zweifel aufkommen.

Tausende Menschen wurden aus ihrer Heimat verschleppt und als Zwangsarbeiter unter schlimmsten Umständen in der Sprengstoffproduktion ausgebeutet. Orte wie das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) im mittelhessischen Stadtallendorf machen die Verbrechen während der NS-Zeit und das Leid der Opfer greifbar. Ihr Besuch gilt als wichtiger Baustein der politischen Bildung für Schülerinnen und Schüler. Doch die Häufung antisemitischer und rechter Vorfälle an Schulen in jüngster Zeit wirft die Frage auf, ob die Erinnerungsarbeit, die hier geleistet wird, bei der jungen Zielgruppe ausreichend greift.
Rechte und antisemitische Vorfälle an Schulen und Hochschulen
Erst kürzlich war bekanntgeworden, dass bei einer anonymen Wahl eines Abi-Mottos an einer Gießener Schule ein Slogan mit Anspielungen auf das NS-Regime die meisten positiven Bewertungen bekam (News4teachers berichtete). Nur kurz darauf wurden bundesweit fünf Jugendliche und Heranwachsende wegen des Verdachts der Bildung einer rechtsextremen Terrorzelle in Untersuchungshaft genommen – der jüngste von ihnen mit erst 14 Jahren. Zuletzt hatte die Meldestelle RIAS Hessen erst vor zwei Wochen über eine beunruhigende Häufung antisemitischer Vorfälle an Bildungseinrichtungen berichtet.
Auch in Stadtallendorf haben die Vorkommnisse große Betroffenheit ausgelöst, wie DIZ-Leiter Jörg Probst deutlich macht. Das Zentrum arbeitet mit Lehrerinnen und Lehrern vor Ort zusammen, die Schülergruppen betreuen und begleiten. Angesichts der jüngsten Vorfälle treibe sie die Frage um, ob sie Inhalte deutlich genug vermitteln und ob ihre didaktischen Strategien stimmen, um gerade junge Leute zu erreichen.
Rund 2.000 bis 2.500 Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen aus der Region besuchen pro Jahr das DIZ und die Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Münchmühle, darunter auch viele Schüler aus sozialen Brennpunkten – mit sehr guten Erfahrungen, wie Probst sagt. Es gelinge, dass junge Menschen sich hier öffneten. Coolness oder gar das Punkten bei Mitschülern mit Tabubrüchen spiele hingegen keine Rolle. Das zeige, «dass man die jungen Leute nicht verloren geben darf», sagt Probst.
Berichte über Provokationen
Der DIZ-Leiter weiß aber, dass es solche Tabubrüche in anderen Gedenkstätten durchaus gibt – bis hin dazu, dass Holocaust-Überlebende in Zeitzeugengesprächen von manchen Schülern provoziert würden. Solche Erfahrungen habe man in Stadtallendorf bisher nicht gemacht.
Auch in der Gedenkstätte Hadamar sind die Erfahrungen mit den Besuchen von Schulklassen «überwiegend positiv», wie eine Sprecherin erklärt. Die meisten Jugendlichen seien bereit, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. «Im Ansatz respektloses Verhalten ist unserer Einschätzung nach zumeist als Übersprungshandlung aufgrund des emotional herausfordernden Themas der NS-“Euthanasie”-Morde zu werten.»
Derlei Situationen könnten mit einem kurzen individuellen Gespräch rasch geklärt werden, ergänzte die Sprecherin. «Rassistisch oder extremistisch motivierte Äußerungen kommen so gut wie nicht vor.» In der Tötungsanstalt Hadamar wurden laut Gedenkstätte fast 15.000 Menschen ermordet. Dazu gehörten psychisch Erkrankte und Menschen mit Behinderung.
Persönlicher Zugang zu politischer Bildung
In Hessen gehört der Besuch von Gedenkstätten für Opfer des NS-Regimes nach Angaben des Kultusministeriums zwar nicht verpflichtend zum Lehrplan, werde den Schulen aber empfohlen. Gedenkstätten seien Lernorte, aber auch Orte der Erinnerung, Mahnung und Trauer, sie machten Geschichte greifbar und erlebbar, erklärt das Ministerium.
«Die vielfältigen Rückmeldungen aus Schulen sowie von den abgeordneten Lehrkräften zeigen, dass Gedenkstättenbesuche bei Schülerinnen und Schülern einen starken Eindruck hinterlassen, diese die historisch-politische Bildung fördern, Schülerinnen und Schüler aber auch auf emotionaler, moralischer und sozialer Ebene tief berühren», heißt es vom Ministerium. Immer wieder kommen deshalb Forderungen hoch, solche Besuche zur Pflicht für Schülerinnen und Schüler zu machen (News4teachers berichtete).
NS-Zeit kann unterschiedlich im Unterricht behandelt werden
Der Besuch von Schulklassen an einer NS-Gedenkstätte ist nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW wichtig und sinnvoll – wenn er sorgfältig vorbereitet und nachbereitet wird. Daneben gebe es weitere gute didaktische Möglichkeiten, den Holocaust im Unterricht zu behandeln, erklärte der hessische GEW-Landesvorsitzende Thilo Hartmann. Dazu zähle auch das Recherchieren und Verlegen von Stolpersteinen.
Hartmann warnt allerdings ausdrücklich vor der Vorstellung, dass der Besuch einer Gedenkstätte per se sicherstelle, dass den Klassen der Charakter des Holocausts und des NS-Unrechtsstaats bewusst gemacht und damit eine demokratische Haltung gefördert werde. «Verpflichtende Gedenkstättenbesuche von allen Klassen halten wir, und nach unserem Wissen auch die meisten Gedenkstätten, nicht für sinnvoll.» Von Christine Schultze und Andrea Löbbecke, dpa









Meine Kinder haben mit ihrer Schule in der 9. Klasse die KZ-Gedenkstätte in Dachau besucht und waren durchaus ergriffen. Wir sensibilisieren aber auch von zuhause aus auf das Thema, mein Großvater kämpfte für die Nationalsozialisten im zweiten Weltkrieg und war gewiss kein Opfer, sondern Täter.
Ich denke, dass es gerade in Familien ohne einen Bezug schwieriger ist, das Thema an die Kinder heranzubringen. Auch Kinder mit Migrationshintergrund haben in der Regel nicht diesen Bezug zur deutschen Geschichte. Hinzu kommt eine generelle Abstumpfung gegenüber Gewalt durch Filme, Videospiele, Gewaltvideos im Netz, die mal ohne Weiteres auf den Smartphones von 10-jährigen landen. Dies führt dazu, einen weniger emotionalen Zugang zu entwickeln, wenn der Besuch einer Gedenkstätte ansteht. Emotionen können jedoch nicht erzwungen werden. Das heißt nicht, dass man nicht vor- und nachbereiten sollte. Ich unterstelle mal, dass jeder Geschichtslehrer dies auch tut so gut er kann – mit zwei Stunden Geschichtsunterricht pro Woche reißt man da nicht viel. Es gilt dann zudem den Spagat zu finden, das Thema nicht überzustrapazieren. Wenn man nach der Unterrichtseinheit im Fach Deutsch dann vielleicht schon das dritte Buch zum Thema liest und in Ethik wieder einen Film dazu ansieht, können sich Trotzreaktionen entwickeln.
An unserer Schule ist vor zwei Jahren genau das Gegenteil passiert. Vor allem Jungs aus einer Klasse haben sich im KZ, wo die Mauern verbrannt wurden, darüber lustig gemacht und Kommentare abgegeben wie: „Coole Pizzaöfen.“
Deshalb hat dieses Jahr dieser eine einzige Lehrer die Sache selbst in die Hand genommen. Respekt.
P.S. Rüdiger, ich habe das Gefühl, dass Sie oft in Wunschvorstellungen sprechen – oder die Realität nicht sehen wollen. Wenn alles wirklich so ideal wäre, wie Sie es beschreiben, dann hätte die extreme Rechte in Deutschland nie wieder so erstarken können. Dann hätten nicht 14 % der Kinder wegen des Gymnasiums psychische Probleme. Dann wäre die Inklusion nicht ausgerechnet in Deutschland gescheitert – und Deutschland wäre der heilige Gral unter den Ländern dieser Welt. Aber wir wissen beide: Davon ist es weit entfernt.
Haben Sie meinen Text überhaupt gelesen? An keiner Stelle spreche ich von idealen Bedingungen, sondern liste Gründe auf, weshalb diese genau nicht herrschen.
“Trotzreaktionen”? Was stimmt da nicht?
Die Gesellschaft hat versagt, weil sie oft nur „funktionierende Kinder“ wollte, aber vergessen hat, dass Kinder zuerst Menschen sind.
Lernen braucht Schutz, Zeit, Freude, Verbindung.
Wo das fehlt, gehen selbst die Besten kaputt.
Und jetzt, an dieser Stelle, sollte man sich fragen: Warum konnte ausgerechnet in Deutschland jemand wie Hitler so erfolgreich sein – und seinen tödlichen Hass so weit verbreiten, dass er Wurzeln schlug.
Warum Hitler 1933 so erfolgreich war, sollten Sie aus dem Geschichtsunterricht mitgenommen haben. Es gibt eine Vielzahl von Ländern mit Diktaturen oder zumindest autokratischen Strukturen und das noch heute im Jahr 2025, da war Deutschland historisch betrachtet also kein Einzelfall.
Im Übrigen verstehe ich nicht, wen sie mit “Gesellschaft” meinen, die zuerst ebenfalls aus Menschen besteht. Wir haben uns in Deutschland und der EU auf ein gemeinsames, demokratisches Miteinander mit Regeln geeinigt. Das sollte also in der Tat für jeden funktionieren.
Vielleicht wirft dieser Beitrag ein Licht auf Schüler*innen, die sich nicht antisemitisch, aber… schwierig aufführen.
https://www.thisamericanlife.org/644/random-acts-of-history
Es geht um US-Schüler*innen, welche nicht auf Anhie die “richtige Reaktion” auf den Film “Schindlers Liste” zeigten.
Meiner – gering geschätzen XD – Meinung nach SEHR hörenswert!
Auch an Papo und Co: ich würde mich freuen, das mit Ihnen zu teilen
Der Film zeigt die Grausamkeit so direkt, dass man sich emotional sehr unwohl fühlen kann. Manche lehnen den Film deshalb ab, um sich zu schützen.
In deutschen Schulen wird oft nicht „Schindlers Liste“, sondern Dokumentarfilme oder Zeitzeugenberichte gezeigt. Viele Lehrer sagen: Schindlers Liste ist ein wichtiger Film, aber für den Unterricht zu emotionalisiert oder zu „einseitig“ fokussiert (z. B. auf die eine gute Figur, Schindler).
In manchen Familien oder Regionen wird über den Holocaust nicht offen gesprochen, oder es gibt sogar Abwehrhaltungen (“Schon wieder dieses Thema?”). Ein Film wie Schindlers Liste zwingt zum Hinschauen und das ist unbequem.
Viele Deutsche aber finden Schindlers Liste sehr gut, sehr wichtig und sehr berührend, gerade weil er den Holocaust emotional begreifbar macht.
An unserer Schule wird dieser Film gezeigt. Die Jungs bleiben dabei meistens gleichgültig oder machen unter der Hand Witze über den Film. Die Mädchen zeigen deutlich mehr Empathie.
“Der Film zeigt die Grausamkeit so direkt, dass man sich emotional sehr unwohl fühlen kann. Manche lehnen den Film deshalb ab, um sich zu schützen.”
Ich empfehle Ihnen den Beitrag von ThisAmericanLife dazu anzuhören.
Danke, das war hochinteressant anzuhören! Unglaublich, wie das – dank nicht-vorhandener Vorbereitung und Aufarbeitung und das Einbeziehen der jugendlichen Lebensrealität gelaufen, eskaliert und in eine Vorurteilsspirale gerutscht ist. Ich kenne aus meiner Schulzeit nur das Gegenteil: Jahrelang wurde in diversen Fächern das Thema derart breitgetreten, dass es uns allen zu viel wurde. Schindlers Liste in der Schule anzuschauen, Großeltern und Urgroßeltern zu befragen und ein Besuch im KZ Dachau waren Pflichtprogramm bei uns in der Mittelstufe. Und tatsächlich gab es auch da mal einen blöden Kommentar und verhaltenes Kichern aufgrund der emotionalen/situativen Überforderung – allerdings verschämt gewispert und mit schlechtem Gewissen.
Wie Michael Mittermeier es mal zynisch zum Thema ‘deutsche Schuld’ ausdrückte: ‘Am Ende war ich überzeugt, ich persönlich hätte Polen überfallen…’
Es war zu viel.
(Dafür waren bei uns Kolonialismus und Sklaverei kaum Thema, was ich sehr bedauere.)
Mit Schrecken musste ich bei meinen eigenen Kindern dann aber feststellen, dass der Holocaust in der Mittelstufe nur noch vergleichsweise kurz behandelt wurde und weder Film noch KZ-Besuch heute noch Teil des Unterrichtes sind. Ich rechnete damit, dass letzteres zumindest bei meinem Sohn noch der Fall sein würde, der Geschichte-Lk gewählt hat, aber Fehlanzeige. (Wir holen beides in den kommenden Ferien nach.)
Bei uns damals war es wirklich zu viel, heute finde ich es zu wenig. Die richtige Balance da zu finden (auch bzgl. Lehrplan) und heutige Jugendliche wirklich zu erreichen (ihre Lebensrealität, praktisch keine Zeitzeugen mehr in der Familie), scheint definitiv nicht einfach zu sein…
Na, immerhin ist die damalige Situation in der verlinkten Geschichte deutlich anders ausgegangen 😉
Ohne eine Vor- und eine Nachbereitung auf einen Besuch in einer Holocaust-Gedenkstätte ist eine nachhaltige Wirkung und die Erzeugung einer respektvollen Haltung gegenüber den Opfern und ihren Nachfahren gar nicht möglich. Am Wochenende hat ein Rechtsradikaler das Blumengesteck im Anschluss an eine Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus zerstört. Es ist immer wider beschämend, dass derartige Übergriffe stattfinden. Niedersachsen: AfD-Mann randaliert in Gedenkstätte – die Partei will von nichts wissen
An dieser Stelle muss ich noch ein paar Worte über unseren Lehrer für Latein und Geschichte sagen. Dieses Jahr unterrichtet er eines unserer Kinder in Geschichte.
Dieser Mann hat zugunsten eines bestimmten Themas bewusst ein Drittel des vorgesehenen Unterrichtsstoffs ausgelassen – und das hat er der Klasse offen und deutlich gesagt.
Aber dieses Thema liegt ihm am Herzen, und er möchte, dass die Kinder es wirklich verstehen – nicht nur auswendig lernen und einen Test schreiben.
Er hat dabei vieles behandelt, was in keinem einzigen der aktuell zugelassenen Schulbücher fürs Gymnasium überhaupt vorkommt.
Respekt. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Lehrer.
Ich schreibe über den Zweiten Weltkrieg, natürlich.
Ja, dieser Teil der Geschichte, den die Deutschen unter der Führung eines einzigen wahnsinnigen Mannes begangen haben, ist grausam.
Aber kein Krieg – weder in der Vergangenheit noch heute – ist weniger grausam. Und auch dessen sollten sich die Deutschen bewusst sein, bevor sie anfangen, irgendwelche absurden Argumente gegen den Holocaust zu suchen oder gegen ein Schulsystem, das ohnehin schon gebrochen ist.
“Unter der Führung eines einzigen wahnsinnigen Mannes…”
Das ist historisch nicht richtig. “Die großen Namen der NS-Zeit sind uns präsent. Doch was ist mit den vielen Anderen? Ohne ihre Mitarbeit hätte das KZ- und Mord-System nicht funktionieren können.” Gerne hier nachlesen: https://www.mdr.de/geschichte/ns-zeit/holocaust/ss-holocaust-konzentrationslager-kz-karriere-stutthof-100.html
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Korrketur: Nicht 14 % der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten – sondern etwa 20 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland weisen psychische Auffälligkeiten auf.
Deutschland steht nicht allein, aber es gehört zu den Ländern mit einem besonders starken schulischen Leistungsdruck, besonders am Gymnasium.
In Skandinavien ist der Prozentsatz leicht niedriger, was oft mit einem entspannteren Schulsystem erklärt wird.
Immerhin Deutschland liegt mit 20 % im oberen Bereich.
All diese Aussagen wie: „Die Kinder sind faul“, „Die heutige Jugend spielt nur noch Computerspiele“, „Die Kinder von heute taugen nichts“ – das stimmt einfach nicht.
Das System ist im westlichen Teil der Welt völlig aus dem Ruder gelaufen.
Und im Rest der Welt kämpfen Menschen noch immer um ein Stückchen Territotirium oder Religion (als ob das hier nicht auch bald passieren könnte), um Nahrung, um sauberes Wasser – und darum, dass Mädchen überhaupt zur Schule gehen dürfen.
Nicht nur das Schulsystem ist kaputt – die ganze Welt ist es leider.
Aber es ist die Wahrheit. Die beste Selbstverteidigung war schon immer: Ich sehe nichts, ich höre nichts – es existiert sicher gar nicht.
Die erste Voraussetzung für einen Besuch in einer Gedenkstätte, zum Beispiel in Buchenwald – aber eigentlich bei jeder Exkursion mit einer Klasse – , ist, dass die Lehrkräfte, die die Fahrt organisieren und durchführen, das WOLLEN. Wenn es den Lehrkräften ein Anliegen ist, diesen Besuch mit nachhaltige Wrkung für die Einstellung der Jugendlichen zu “nie wieder!” durchzuführen und wenn sie dies den Jugendlichen sagen und zeigen, ist der “Erfolg” zur Hälfte gesichert. Es kann notwendig sein, entweder als Schule oder mit einer Weiterbeildunfgseinrichtung zunächst mit den später verantwortlichen Lehrkräften diesen Besuch durchzuführen, und zwar so, dass sie in der Lage sind, Jugendliche, die da, trotz Vorbereitung, gleichgültig (ode demonstrativ ablehnend) durchrauschen wollen, auf einzelne Aspekte, die genauer wahrgenommen werden sollten, anzusprechen. Es kann auch hilfreich sein,, nach einer Führung durch die Gedenkstätte (oder an ihrer Stelle) anspruchsdifferenzierte Aufgaben vorbereitiet und vorher mit den Jugendliche besprochen zu haben, was von ihnen als Ergebnis der Bearbeitung erwartet wird.
Drittens ist es notwenditg, mit den Jugendlichen – jedenfalls bei vielen Gedenkstätten – darüber zu sprechen, dass dieser Ort für viele Hinterbliebene, und seien es Enkel und Urenkel, ein Ort stillen Gedenkens ist, dass solche Menschen zur gleichen Zeit dort anwesend sein können und das man sich auch deswegen benimmt wie auf einem Friedhof, nämlich ruhig und achtsam.Die Schnellschuss-Forderung nach “Pflichtbesuchen” greift zu kurz. Wir wissen, wie hoch, insbesondere in nichtgymnasielen Schulformen, aber auch dort, der Anteil an fachfemd unterrichtenden Lehrkräften in Politischer Bildung / Gesellschaftslehre oder wie immer das Fach in den 16 Ländern heißt, ist. Das heißt: Die erste Audgabe ist: Massiv in Weiterbildung, natürlich vorrrrangig mit dem Schwerpunkt 19./20. Jahrhundert, also “Zeiteschichte und Politik”, zu investieren, damit erst einmal bei der Mehrheit der Lehrkräfte die Voraussetzung für fachlich plus pädagogisch “guten” Unterricht geschaffen wird, ehe man mal eben so schlecht vorbereitete Lehrkräfte und noch schlechter vorbereitete Schülerinnen und Schüler verpflichtend in Gedenkstätten, gar in ehemalige KZs schickt.