BERLIN. Warum kommt Deutschland im Bildungsbereich seit Jahrzehnten kaum voran? Trotz unzähliger Reformdebatten, Programme und Modellversuche bleiben zentrale Probleme bestehen: ungleiche Bildungschancen, stockende Innovationen, überforderte Schulen. In einem aktuellen Aufruf fordern drei renommierte Bildungsforscher – Norbert Maritzen, Hans-Günter Rolff und Michael Schratz – einen grundlegenden Perspektivwechsel. Es fehle nicht an Einzelmaßnahmen. Das Problem sei vielmehr eine strukturell geschwächte „mittlere Ebene“ zwischen Ministerien und Schulen. Ihre Analyse zielt auf nichts weniger, als die Steuerung des deutschen Schulsystems neu zu ordnen.

„Häufig scherzen wir, die Schulaufsicht sei nicht mehr als ein ‚hochbezahlter Postbote‘.“
Rumms. Der vernichtende Satz stammt von Michael Bax, Schulleiter der Leonore-Goldschmidt-Schule, einer integrierten Gesamtschule im hannoverschen Stadtteil Mühlenberg. Bax bringt die Aussage in einem Beitrag für das Deutsche Schulportal, in dem er pointiert seine Erfahrungen mit der Schulaufsicht in Niedersachsen beschreibt. Etwa so: „Meist treten die Schulaufsichtsbeamten nur in Erscheinung, wenn es um formale Prozesse geht – etwa bei der Weiterleitung von Meldungen an das Kultusministerium. Inhaltlich passiert wenig.“ Der Schulleiter betont: „Ich finde das schade, weil dadurch eine wichtige Ressource verschwendet wird.“
Damit ist ein Thema berührt, das derzeit auch auf wissenschaftlicher Ebene intensiv diskutiert wird: die Rolle der sogenannten „mittleren Ebene“ im Schulsystem – womit neben der Schulaufsicht auch die Schulträger, die Schulinspektion und die Landesinstitute gemeint sind. Dieser sogenannten Mesoebene widmet sich ein aktueller Aufruf dreier renommierter Bildungsforscher. Unter dem Titel „Stärkung der Mittleren Ebene im Schulsystem“ melden sich Norbert Maritzen, Hans-Günter Rolff und Michael Schratz zu Wort – drei Wissenschaftler, die die deutsche Schulentwicklungsdebatte seit Jahrzehnten prägen.
Norbert Maritzen war Direktor des Hamburger Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) und koordinierte den Hamburger Vorsitz der Staatssekretärskommission aller Bundesländer für Qualitätsentwicklung. Hans-Günter Rolff ist emeritierter Professor der TU Dortmund, Gründer des Instituts für Schulentwicklungsforschung und einer der zentralen Wegbereiter der Schulentwicklung in Deutschland. Michael Schratz, emeritierter Professor der Universität Innsbruck, war Gründungsdekan der dortigen School of Education, wissenschaftlicher Leiter der österreichischen Leadership Academy und langjähriger Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises. Der gemeinsame Aufruf dieser drei Autoren versteht sich ausdrücklich als grundsätzlicher Beitrag zur Reformdebatte.
„Reparaturmaßnahmen reichen nicht, auch eine große Menge davon nicht“
Im Zentrum des Aufrufs steht die Diagnose, dass Schulreformen in Deutschland seit Jahrzehnten zwar intensiv diskutiert, strukturell aber nicht konsequent umgesetzt werden. „Eine Schulreformdebatte wird in Deutschland seit den 1960er Jahren geführt. Etliche Reformfragen sind damals bereits aufgeworfen worden und bis heute ungelöst“, schreiben die Autoren. Spätestens seit PISA sei offenkundig geworden, welche Anforderungen ein leistungsfähiges und gerechtes Schulsystem erfüllen müsse. Hinzu kämen neue Herausforderungen: „vor allem die digitale gesellschaftliche Transformation und die rasant zunehmende Diversität und Heterogenität der Schülerschaft“.
Vor diesem Hintergrund, so der zentrale Befund, seien punktuelle Eingriffe wenig zielführend. „Reparaturmaßnahmen reichen nicht, auch eine große Menge davon nicht.“ Notwendig sei vielmehr „eine Transformation auf der Basis einer Gesamtstrategie, die auf wenige prioritäre Ziele fokussiert, einen systematischen Zusammenhang zwischen Einzelmaßnahmen herstellt und von vornherein die unterschiedlichen Ebenen des Schulsystems berücksichtigt“. Dafür gebe es eine klare wissenschaftliche Grundlage: „Seit langem gibt es hinreichend Evidenz dafür, dass Strategien der Schulreform aussichtsreicher sind, wenn sie als systemische Gesamtstrategien mit aufeinander abgestimmten Maßnahmen angelegt sind und systematisch evaluiert werden.“
Ausdrücklich verorten Maritzen, Rolff und Schratz diese Reformfrage im Kontext eines Mehrebenen-Systems. Schule werde in Deutschland auf verschiedenen Ebenen gesteuert – von der Makroebene des Staates über die Mesoebene der Region bis zur Mikroebene der Einzelschule. „Auf der oberen und mittleren Ebene wird dirigiert, aber in der Schule spielt die Musik“, schreiben sie zugespitzt. Reform- und Innovationsprogramme würden traditionell „von oben entworfen und gesteuert (top down)“, also von Ministerien, und anschließend über die Schulaufsicht an Schulen weitergegeben.
Gerade dieser Mechanismus sei jedoch problematisch. Die Wissenschaft zeige immer wieder auf, dass Reformen im Bildungsbereich kaum linear umgesetzt werden könnten. „Studien zur Implementationsforschung haben oft darauf hingewiesen, dass eine 1:1-Implementation im Bildungsbereich meist nicht möglich ist, top-down schon gar nicht.“ Erfolgversprechend sei vielmehr ein Ansatz der „wechselseitigen Adaptation“, bei dem Reformprogramme zwar auf der Makroebene entwickelt würden, „aber aus Sicht der Einzelschulen konzipiert werden“. Denn realisiert würden sie letztlich ausschließlich vor Ort: „Realisiert werden können sie ohnehin nur durch die Akteure am jeweiligen Standort.“
„Vielfach arbeitet die Schulaufsicht im Einzelkämpfermodus und ohne Fortbildungskonzept“
Umso gravierender sei es, dass die Mesoebene in Deutschland strukturell schwach ausgeprägt sei. Die Autoren listen eine Vielzahl von Defiziten auf: „Vielfach arbeitet die Schulaufsicht im Einzelkämpfermodus und ohne Fortbildungskonzept.“ Die Kompetenzen der kommunalen Schulträger seien „stark eingeschränkt“. Eine systematische Zusammenarbeit von Land und Kommune finde kaum statt. Beteiligungsrechte von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Zivilgesellschaft seien schwach ausgeprägt. Weitere Bildungseinrichtungen der Region würden „gar nicht oder kaum einbezogen“.
Das Resultat dieser Strukturprobleme beschreiben die Autoren unmissverständlich: „Auf der Mittleren Ebene geht es heute also mehr um Dissemination (also ums Weiterreichen, d. Red.) als um Implementation.“ Schulen seien dadurch häufig mit den Folgen mangelnder Koordination konfrontiert. Die mittlere Ebene reagiere kaum wirksam auf „die Persistenz skandalöser Ungleichheiten im Schulwesen“. Auch die staatliche Verpflichtung zur Sicherung von Mindeststandards werde „seit Jahrzehnten verfehlt, ohne dass auf der Mittleren Ebene problemangemessene Antworten gefunden würden“.
Als Antwort auf diese Diagnose schlagen Maritzen, Rolff und Schratz den Aufbau einer „Kapazität für Entwicklung (KfE)“ vor. Ziel sei eine strukturell und institutionell gestärkte mittlere Ebene, die Entwicklungsprozesse aktiv ermöglicht und absichert. „Wenn eine umfassende Transformation des Schulwesens gelingen soll, muss die Mittlere Ebene deutlich konturiert und nachhaltig gestärkt werden.“ Nur dann seien „notwendige Voraussetzungen gegeben, um entwicklungsförderliche Prozesse in Schulen zu initiieren und nachhaltig abzusichern“.
Konkret schlagen die Autoren vor, die Einrichtungen der mittleren Ebene in einer Art Holding-Struktur zusammenzuführen: einer „Agentur für Schule“. Diese solle auf Ebene der Gebietskörperschaften angesiedelt sein und administrative wie pädagogische Dienstleistungen bündeln. Zentrale Leitidee sei dabei institutionalisierte Kooperation: „Die Einrichtungen der Mittleren Ebene arbeiten gezielt kooperativ und zwar nicht in appellativer, sondern in institutionalisierter Weise.“
„Wir brauchen keine Verwaltungsbürokratie, wir brauchen eine Kapazität für Wandel“
Ein zentrales Element dieses Modells sind Bildungskommissionen, in denen Vertreterinnen und Vertreter von Schulaufsicht, kommunaler Verwaltung, Schulen, Eltern, Schülerinnen und Schülern, Zivilgesellschaft und gegebenenfalls Hochschulen zusammenkommen. Diese Gremien sollen „für Innovationen und breite Akzeptanz sorgen“ und über einen eigenen Innovationsfonds verfügen. Qualitätssicherung soll nicht primär durch punktuelle Kontrolle erfolgen, sondern „in Prozessen kontinuierlicher Qualitätsentwicklung auf der Basis von interner und externer Evaluation sowie Rechenschaftslegung“.
Im Schlusskapitel ihres Aufrufs verdichten Maritzen, Rolff und Schratz ihr Anliegen zu einem programmatischen Statement: „Wir brauchen keine Reparaturen, wir brauchen ganzheitliche und nachhaltige Reformen.“ Und weiter: „Wir brauchen keine Verwaltungsbürokratie, wir brauchen eine Kapazität für Wandel.“
Zurück nach Hannover-Mühlenberg. Dort sitzt Michael Bax in seiner Schule und beschreibt seine unerquicklichen Erfahrungen mit der Schulaufsicht. „Unsere Aufsichtspersonen haben oft wenig Ahnung von den Besonderheiten der einzelnen Schulformen“, meint er. Viele kämen aus dem Gymnasialbereich, wüssten wenig über integrierte Gesamtschulen. „Das macht die Zusammenarbeit schwierig.“ Bax zieht für sich ein nüchternes Fazit: „Wenn es Schulaufsicht geben soll, dann muss sie anders arbeiten: kreativer, gestaltender und vor allem mit einer klaren Beratungsrolle.“ News4teachers
Hier lässt sich der vollständige Aufruf herunterladen.









Um zumindest auf dem Papier innerhalb eines Bundeslandes Einheitlichkeit zu garantieren, braucht es eine obere Ebene, die die Rahmenbedingungen vorgibt. Problematisch ist aber das Tempo, in dem die Rahmenbedingungen geändert werden. Ein Grund dafür sind Wahlen mit Personal- oder Politikwechsel, oder kurz:
Eine Abschaffung des Föderalismus hätte durchaus Vorteile.
Problem daran ist nur, auf welche Rahmenbedingungen sich 16 Bundesländer einigen müssen. Bremen 2025 und Bayern 2025 unterscheiden sich ja schon dramatisch. Für die Bedürfnisse eines rohstoffarmen Staates wie die Bundesrepublik Deutschland sind aber Menschen wichtiger, die Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg zu dem reichen Land gemacht hatten, das es mal war. Somit wäre ein Lehrplanniveau von Bayern 1980 besser.
Also, ich finde ja, wir sollte uns an SH 1980 orientieren.
Sehen Sie, und schon geht es los.
Besser als NRW 2025 war das bestimmt.
In fast allen Bundesländern wird alle 5 Jahre ein neuer Landtag gewählt.
Auf Bundesebene wird alle vier Jahre gewählt.
Eine Zentralisierung der Bildungspolitik würde das von Ihnen beschriebene Problem also sogar noch verschärfen.
Deshalb muss diesen ständig wechselnden Kultusministern mit einer Entourage von Ministerialräten, von denen kaum einer eine Ahnung von der Materie hat, das Zepter für langfristige und weitreichende Entscheidungen aus der Hand genommen werden. Es geht um die Zukunft unseres Landes, das stark und überwiegend durch die Bidlung geprägte wird (wurde), dem sollte man endlich mal Rechnung tragen, denn es geht nicht um die individuellen Befindlichkeiten und Posten der Politiker, wie man momentan den Eindruck erhält. Diese Abgehobenheit des Dienstherrn sollte endlich aufhören.
Deshalb?
Ich verstehe Ihre Logik nicht.
Weil in den Ländern eine längere Kontinuität herrscht als im Bund (5 statt 4 Jahre), wollen Sie Kompetenzen auf den den Bund verlagern?
Ob vier oder fünf Jahre, macht keinen Unterschied, und oft streichen die Politiker schon vor der Legislaturperiode die Segel, da ist wenig Konstanz zu erwarten.
Und Sie haben meinen Appell nicht verstanden: die Bildung muss wieder von echten Experten mit pädagigischen Erfahrungen gestaltet werden und nicht von Pöstchenschiebern, die ihre Zeit absitzen und irgendwelche tollen Reformen durchbringen, um sich einen Orden anzuheften oder ihre Daseinsberechtigung zu untermauern, Reformen, die nach kurzer Zeit wieder zurückgenommen werden und/oder der Bildung mehr schaden als nützen. Und je unfähiger diese Psxersonen sind, desto mehr rückt die “Augenhöhe” mit der “Basis”, die den ganzen Schmonz umsetzen dürfen, in weite Ferne.
Das ist nicht unbedingt eine Frage von Bund- versus Ländersache, obwohl da durchaus auch Überlegungen angestellt werden sollten.
Und durch welches politische System möchten sie unser parlamentarische Demokratie ersetzen ?
Eben. Da die Auswirkungen der Bildungsreformen frühestens nach 10-15 Jahren sichtbar werden, kommt das gesamte Schulsystem nicht aus der Ruhe.
Ich habe Ihnen widersprochen.
Wie können Sie da mit “eben” antworten?
In BW sind die Reformen nach grün-roter Regierungsübernahme im Jahr 2013 sehr schnell sichtbar geworden: Das Bundesland sackte im Bildungsmonitor von den Top 3 kolossal auf die hinteren Ränge ab.
Bildungreform durch Zentralisierung – z.B. wie bei der Autobahn GmbH. Zentrale mit zig Regionaldirektionen. Genauso schön das Thema Finanzverwaltung, eine AO und 16 unterschiedliche Interpretationen ein und derselben Vorschrift
Aus dem Artikel entnehme ich kein überzeugendes Argument, warum diese mittlere Ebene konkretisiert durch Schulämter nicht einfach eingespart werden sollte. Inhaltlich, gestaltend kommt von da nix (und das muss kein Nachteil sein…), dann kann man‘s auch einsparen und die Schulen direkt mit den Ministerien verhandeln lassen.
Weil es keine Fach- sondern eine Verwaltungsebene ist – Schulverwaltung eben. Und der Verwaltungsaufbau ist eben traditionell dreistufig.
Also “da kann ja jeder kommen, das haben wir schon immer so gemacht” aber als Argument? Na dann.
Ich sehe das wie Bax: Diese Ebene leistet derzeit nichts, um Ihre Existenz zu rechtfertigen.
Na wenn es halt Tradition ist … da kann man wohl nix machen 😉
Aber seit wann spricht man denn von der “Steuerung im Bildungswesen” ? Soweit ich weiß, seit PISA und seit den globalen Zielen, auch mit Bildungsstandards und Monitoring.
Dafür bräuchte es in dieser mittleren Ebene sehr viel neues Personal mit einem anderen Selbstverständnis, viele haben sich mit der Tätigkeitsbeschreibung ‘Dissemination’ gut arrangiert? Diese Wende müsste von ‘Aufsicht mit Drohpotential, zu ängstlich um sich bei Konflikten auf Schulseite zu stellen’ in Richtung ‘Hilfe bei Innovation und Veränderungsmanagement’ gehen, da fehlt zunächst auf beiden Seiten das Vertrauen. Ich habe selten erlebt, dass weiter oben strukturelle Probleme als solche akzeptiert wurden, meist endet es bei der Diagnose ‘dann brauchen sie Fortbildung’ nebst Vorwurf, doch die (unrealistischen) Vorgaben zu implementieren. Die Schulaufsicht nimmt ein theoretisches Bild von Schule und Schülern als Basis, dass die Realität anders aussieht, muss an den Schulen liegen.
Interessant, wer alles in diesen Kommissionen sitzen soll. ‘Schulen’ bedeutet bei so etwas meist deren Leitungsebene, wie immer werden Lehrkräfte nicht explizit genannt, sämtliche anderen ‘Stakeholder’ schon. Wenn ein paar Zeilen vorher der top-down-approach kritisiert wird, finde ich diese kleine Auslassung bemerkenswert. Wie viele Schulleiter unterrichten noch in nennenswertem Umfang, kennen den Alltag? Das gilt oft sehr ähnlich für Gewerkschaftsvertreter. Wann wurden umfassend und ausgehend vom Ministerium an den Schulen die Lehrkräfte nach Erfahrungen mit DaZ, Inklusion, Integration, Gewalt, digitalen Medien, Aufmerksamkeitsstörungen, Burnout, entgrenzten Arbeitszeiten usw gefragt?
“..in Prozessen kontinuierlicher Qualitätsentwicklung auf der Basis von interner und externer Evaluation sowie Rechenschaftslegung..” – Welche Lehrkraft kann unterrichten und in dieser Kommission mitarbeiten? Kontinuierlich, gleichzeitig den eigenen Unterricht evaluierend und Rechenschaft ablegend? Keine? Dann bleibt es wohl für eine Nebengruppe beim top-down.
„Wann wurden umfassend und ausgehend vom Ministerium an den Schulen die Lehrkräfte nach Erfahrungen mit DaZ, Inklusion, Integration, Gewalt, digitalen Medien, Aufmerksamkeitsstörungen, Burnout, entgrenzten Arbeitszeiten usw gefragt?“
Danke, das waren auch meine Gedanken.
Die Beteiligung der Lehrkräfte, die tagtäglich in den Schulen die Umsetzung gewährleisten, ist nicht gegeben, nicht mal ein System der Rückmeldung oder der Innovationen, Vorschläge oder Kritik.
Hinzu kommt, dass von oben alles Mögliche kommt, nie aber zusätzliche Entlastung für die vielen Anforderungen und Extras. Das führ allein zeitlich zu einer extremen Überlastung, Innovationen und Veränderungen müssen schnellstmöglich umgesetzt sein, weil man weiß, dass im nächsten Moment schon etwas noch Neueres auf den Tisch kommt und zusätzlich zu erledigen ist.
Ja, von oben kommt alles Mögliche. Und da habe ich manchmal den Eindruck, dass unten deren Arbeit erledigt werden muss, weil die oben argumentieren, wir unten würden den Laden besser kennen und deshalb sollen wir unten eben gleich die Aufgabe, die eigentlich oben erledigt werden sollte, erledigen .…In Coronazeiten war dies ganz deutlich zu Tage getreten. Ein weiteres Beispiel sind für mich die Erstellung der schulinternen Lehrpläne.
“Ein zentrales Element dieses Modells sind Bildungskommissionen, in denen Vertreterinnen und Vertreter von Schulaufsicht, kommunaler Verwaltung, Schulen, Eltern, Schülerinnen und Schülern, Zivilgesellschaft und gegebenenfalls Hochschulen zusammenkommen.”
Die fehlenden Lehrkräfte in der Auflistung wollte ich auch bemerken. SuS und LuL sind due einzigen Oersonen, die ein echtes Bild aus der Schule beisteuern können.
“..in Prozessen kontinuierlicher Qualitätsentwicklung auf der Basis von interner und externer Evaluation sowie Rechenschaftslegung..” – Deputat wird halbiert. Oder etwa nicht?
Das ist schon richtig, die anderen “Steakholder” (sehr schön ausgdrückt) haben eben kaum Ahnung, was bei uns eigentlich los ist. Oder aber, noch viel schlimmer, sie wollen es nicht wissen.
In unserer Stadt ist der Wille und ein Umdenken von kontrollierender hin zur beratenden, unterstützenden Funktion schon durchaus erkennbar. Und dennoch würde ich bemängeln, dass auf der mittleren Ebene etwas entschieden wird und nach wie vor ohne die einzelne Schule in den Blick zu nehmen, durch gedrückt wird. Das führt zu massiver Unzufriedenheit an der einzelnen Schule. Auch gerade im Grubdschulbereich gibt es deutlich Unterschiede zwischen den Schulen und die werden mMn zuwenig berücksichtigt. Meine Schule ist ein vergleichsweise kleines System, auf dem einzelnen Kollegen liegt also mehr Last (Z.b. bei Fachkonferenzen), aber das findet an keiner Stelle Berücksichtigung. Wir haben dieselben Aufgaben in derselben Qualität zu erfüllen, wie größere Systeme. Und das geht auf Dauer einfach nicht.
Hinzu kommt auch noch (zumindest bei uns), die oft fehlende Kommunikation zwischen Schulträger und Schulamt. Die Schulaufsicht wird zu häufig bei (Z.B. Schulbauprojekten, Ausschreibung von SVA, Schipsdaten, etc) nicht in Kenntnis gesetzt und läuft Informationen hinterher. Gelöst wird das zulasten der Schule z.B. durch Doppelstrukturen….(ich pflege nicht nur die SchIPS- und ASD-Daten sondern trage alles auch noch einmal in eine Tabelle für die Schulaufsicht ein).
Verantwortlichkeiten beim Schulträger sind zu breit gestreut (ich habe ca. 20 verschiedene Ansprechpartner für unterschiedliche Bedarfe) und auch hier ist eine Vernetzung nicht wirklich gegeben….schwierig….
Ein Beitrag, der sehr passende Ansätze zur Verbesserung der Schulen aufzeigt. Die Verwaltungsbürokratie gilt es abzubauen und mehr fachliche (Leitungs)Hilfen anzubieten.
Darf ich fragen wie viele Jahre Unterrichtserfahrung die drei oben genannten Bildungsforscher mitbringen? Unser Fachdidaktik-Professor an der Uni rühmte sich damals damit, dass er auf 5 Monate Erfahrung zurückblicken konnte, vor ausgesuchten Schülern in Forschungsprojekten versteht sich.
Es geht in dem Beitrag nicht um Unterricht. Es geht um die Organisation des Bildungssystems, die Bildungsbürokratie. Herzliche Grüße Die Redaktion
Und diese Organisation des Bildungssystems sollte sich aber tatsächlich an der Realität, die Unterrichtserfahrung, orientieren und nicht am grünen Tisch erfolgen und rein nach Budget entschieden werden.
Welcher Verantwortliche für ein System kann denn unabhängig vom Budget entscheiden – wie soll das denn gehen? Herzliche Grüße Die Redaktion
Ich sagte “rein nach Budget”, also auch andere Faktoren gelten lassen. Da fehlt es aber an realer Erfahrung.
Das Budget ist immer die absolute Grenze. Wollen Sie Leute arbeiten lassen, ohne sie zu bezahlen? Oder Gehälter kürzen, wenn das Geld alle ist?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Leute arbeiten lassen, ohne sie zu bezahlen… Wer macht denn sowas? Hmmm, jedes Bundesland mit den unbezahlten Überstunden der Lehrer? Die freie Wirtschaft ist da auch gut dabei…
Was ich sagen will: da gibts große Erfahrung seitens der Arbeitgeber…
Sie wollen mich mal wieder nicht verstehen, also lassen wir das …
Diese Mesoebene hat nach meiner Wahrnehmung genau 2 Aufgaben – bzw. selbstgewählte Professionen.
1.) die sich ständig ändernden – weil angeblich bei den Wählenden erahnten Präferenzen – “reformerischen” Anweisungen (“die neuen Säue”) von oben maximal träge – aber beharrlich stur und unbeweglich an die Basis nach unten durchzureichen – natürlich ohne auf die von dort gemeldeten Bedarfe zu reagieren – ist ja schließlich ne träge Behörde – und
2.) das kujonieren, kontrollieren und drohen Richtung Basis, sobald die es wagen, auch nur einen Yota von den Verwaltungsvorgaben abzuweichen, die sie als unsinnig, nicht-durchführbar oder nicht- zielführend erkennen … jeder Versuch, die Arbeit in den Schulen an dem verordneten Unsinn der Mesorbene vorbei zu verbessern, wird strikt mit massiven Drohungen gegen die verantwortlich Handelnden an der Basis – ob SL oder auch einzelne KuK geahndet.
Diese “elegante Dienstauffassung” – so geschmeidig wie ein 3-kubikmeter großer Betonwürfel – ist meines Erachtens der Markenkern dieser Behörden …
“Wir sind nicht dazu da, um zu helfen – wir sind menschgewordene Brems- und Sanktionierklötze – und stolz darauf!”
Ein sich selbsterhalendes System, in dem diejenigen, die mit anderer Grundhaltung neu dazu kommen, gleich oder allmählich eingenordet werden, um den Betrieb nicht zu stören.
In den oberen Etagen wird nicht dirigiert, sondern dilletiert.