FRANKFURT/MAIN. Lehrkräfte und Lehramtsstudierende erwarten in den MINT-Fächern bei Jungen höhere Fähigkeiten als bei den Mädchen – aber je nach Fach in unterschiedlichem Ausmaß. Besonders stark fallen die Unterschiede in den Bereichen Technik und Informatik aus. Das haben zwei Studien des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation ergeben, deren Ergebnisse in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft vorgestellt wurden. Die Autorinnen empfehlen eine entsprechende Sensibilisierung im Lehramtsstudium, in Fortbildungen und nicht zuletzt auch beim Unterrichtsmaterial.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass stereotypische Erwartungen gegenüber Mädchen vor allem in den MINT-Domänen Technik und Informatik bestehen. Diese Stereotype sind bei Lehramtsstudierenden sogar stärker ausgeprägt als bei erfahrenen Lehrkräften“, erläutert Prof. Dr. Hanna Beißert, Leiterin des Arbeitsbereichs „Heterogenität und Bildung“ am DIPF. In zwei aufeinander aufbauenden Studien hatte ihr Team untersucht, wie Grundschullehrkräfte und Lehramtsstudierende die Kompetenzen von Mädchen und Jungen in Mathematik, Naturwissenschaften, Technik und Informatik einschätzen. Es ist das erste Mal, dass in einer Studie mehrere MINT-Domänen einzeln untersucht worden sind.
In beiden Studien wurde deutlich, dass Lehrkräfte Jungen in den MINT-Fächern durchweg höhere Kompetenzen zuschrieben als Mädchen – mit deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen MINT-Bereichen, die jedoch in beiden Studien ähnliche Muster aufwiesen. In den Bereichen Technik und Informatik war die Erwartungslücke deutlich größer als in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften.
„Lehramtsausbildung und Fortbildungen sollten gezielt geschlechtsspezifische Stereotype thematisieren”
Beide Studien waren als Fragebogenerhebungen angelegt. Die Teilnehmenden wurden gebeten, jeweils getrennt für Jungen und Mädchen auf einer Skala einzuschätzen, wie gut die Kinder typischerweise in der jeweiligen Domäne sind. Die Domänen umfassten Mathematik, Naturwissenschaften, Technik sowie Informatik. In der ersten Studie nahmen 43 Grundschullehrkräfte aus Baden-Württemberg teil. Studie 2 erweiterte die Stichprobe auf 85 Lehrkräfte und 174 Lehramtsstudierende aus der gesamten Bundesrepublik. Darin zeigte sich deutlich, dass Lehramtsstudierende von größeren Kompetenzunterschieden zwischen den Geschlechtern ausgingen als bereits im Dienst stehende Lehrkräfte.
Für Hanna Beißert ergeben sich aus den beiden Studien wichtige Implikationen für die Praxis: „Zum einen sollten Lehramtsausbildung und Fortbildungen gezielt geschlechtsspezifische Stereotype thematisieren und bei angehenden Lehrkräften Bewusstsein und Reflexionsräume schaffen. Zum anderen empfiehlt sich eine Differenzierung zwischen den einzelnen Domänen.“ So werde in der geschlechterbezogenen Förderung der Fokus oft auf das Fach Mathematik gelegt. „Unsere Untersuchung legt jedoch nahe, dass gerade Technik und Informatik stärker adressiert werden sollten. Das gilt explizit auch für Lehrkräfte im Grundschulbereich“, so Beißert weiter.
Denn die Stereotype von Lehrkräften wirkten in der Grundschule auf die grundlegenden Einstellungen von Kindern im Hinblick auf den MINT-Bereich. Selbst wenn die Naturwissenschaften, Informatik und Technik in der Grundschule keine eigenständigen Fächer sind, werde im Sachkundeunterricht der Unterricht in diesen Fächern vorbereitet. Zudem empfiehlt Prof. Beißert, Unterrichtmaterialien diverser zu gestalten und gerade in den MINT-Fächern gezielt Bilder und Beispiele mit Mädchen und Frauen zu verwenden. Bei den Schulbüchern beobachte sie hier bereits einige Fortschritte, jedoch enthielten gerade Arbeitsblätter noch häufig geschlechtsstereotypische Darstellungen. News4teachers
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Mission MINT”.
Kostenfreies Schulangebot: Inspiring Girls Deutschland begeistert Mädchen für MINT-Berufe






In meinem 10er – Informatikkurs sind mehr Mädchen als Jungen, und beim Programmieren (wir arbeiten mit Python) haben die Mädels die Nase deutlich vorn…
Laut Statistischem Bundesamt betrug der Frauenanteil im Studiengang Informatik bei Erstsemestern ca. 23%, beim Ausbildungsberuf Fachinformatiker/in war der Frauenanteil dann bei 9,3%.
Von Frauenanteilen beim Informatikstudium wie in Ländern wie dem Oman, den VAE etc, also ziemlich weit entfernt. Auch in der Türkei wären die Zahlen nach meinen Informationen wesentlich höher.
Kann man erklären: In Ländern, in denen es mit der Gleichberechtigung nicht so weit her ist, studieren Frauen deutlich häufiger MINT-Fächer, in Ländern mit hoher Gleichberechtigung eher die sozialen Bereiche.
mit Python? Welches Bundesland? Das ist ja toll!
Bei uns ist Informatik mies, wirklich mies, und quasi gibt sich die Schule als modern und digital-kompetent aus. Unsere Kids beschäftigen sich mit Python zu Hause – einzige Möglichkeit.
In Brandenburg. Informatik ist hier allerdings kein Pflichtfach, und mangels Lehrkräften passiert meist höchstens bisschen Office…
Man muss nicht alles ernst nehmen was hier so geschrieben wird.
Nach meinen Informationen gehört Programmierung mit Python auch in Bayern zu den üblichen Kompetenzen, die im Informatikunterricht der verschiedenen Schularten erworben werden sollen.
Gibt auch Aufgaben in der Lernplattform dazu . wie z.B. hier:
https://lernaufgaben.mebis.bycs.de/aufgabe/verzweigungen-mit-python
Lehramtstudierende ohne Unterrichtserfahrung sollen ihre generelle Meinung zu Schülerfähigkeiten angeben, ohne konkrete Schüler zu kennen, also ihre ‘Vorurteile’. Auch in der Grundschule, ohne konkrete Schüler, nur persönliche allgemeine Meinungen werden erfragt. Und dann kommt die Realität, echte SchülerInnen, deren Verhalten, Interessen, Leistungen, könnte das, ganz abwegig gedacht, bei den ‘reflektierenden Praktikern’ zu genau diesem führen, zu Reflexion? Scheint zumindest möglich zu sein, wenn die Studierenden mehr Unterschiede vermuten als die Grundschullehrkräfte. Könnte es sogar sein, dass das im Sekundarbereich mit eigenen MINT-Fächern allgemein bekannt ist und diskutiert wird? Ein wilder Gedanke, dass Erfahrungen Vorurteile in Frage stellen könnten! Gerüchteweise wird in Lehrerzimmern sogar manchmal über solche Fragen geredet.
Die Frage ist halt, wo soll es her kommen? Während meines Informatikstudiums lag der Männer/Frauenanteil bei 1 zu 8. Daran soll sich großartig tatsächlich auch nichts geändert haben in den letzten Jahren. Rechnet man die Gaststudentinnen aus China sowie Osteuropa raus, dürfte sich der Frauenanteil nochmals halbieren.
Und genau dieser Umstand erklärt ja, weshalb gerade Studenten von noch größeren Unterschieden ausgehen. Sie kennen halt kaum Frauen aus ihrem Alltag.
Jetzt stellt sich die Frage, was diese Autorinnen eigentlich erreichen wollen. Sie fordern Sensibilisierung. Aber für was eigentlich? Für eine falsche Darstellung der Realität? Ich meine, die Gründe dafür sind doch bereits weitestgehend erforscht, es handelt sich um das klassische Paradox der Gleichberechtigung. Darum gibt es ja auch die vielen Informatikstudentinnen aus China und Osteuropa. Schule kann daran nichts ändern, man kann doch nicht die Gleichberechtigung der Geschlechter in Frage stellen.
Sollen die Mädchen also dieselben Anforderungen erfüllen wie die Jungs, also höhere als bislang?
Sollen die Jungen also dieselben Anforderungen erfüllen wie die Mädchen, also geringere als bislang?
Zwei bis drei Jahr im Schuldienst und die Vorurteile sind weg. Keine Ahnung, woher das bei den Studenten kommt. Aus den Schulen aber ziemlich sicher nicht.
Bei IQB oder PISA liegen die Ergebnisse in Mathematik bei den Jungs in DE im Schnitt um ca. 11 -12 Pkt höher als bei Mädchen, der Anteil “low performer” ist bei Mädchen ca. 10% höher als bei Jungs.
“Zwei bis drei Jahr im Schuldienst und die Vorurteile sind weg“
Dass Mädchen bei gleichen Leistungen in standardisierten Leistungsvergleichen in der Schule bessere Noten bekommen, wurde auch hier auf n4t schon thematisiert.
Ich kann das leider nicht statistisch belegen, sondern nur aus meiner (und vieler Fachkollegen aus anderen Schulformen, mit denen ich zusammenarbeite) Erfahrung.
Mädchen in den Informatikkursen sind oft die Leistungsträger*Innen, aber auf keinen Fall grundsätzlich unter dem Niveau der Jungen. Das sehe ich auch in Mathe oder Physik (wenn man das Fach denn noch so nennen mag). Das war auch schon so, seit ich als Lehrer angefangen habe.
Vielleicht prägen bei den Studierenden auch Pressemeldungen und Bilder in den Medien die Meinung.
Im Finale des letztjährigen 42. Bundeswettbewerbs Informatik waren z.B. 3 von 29 Finalist*innen weiblich, beim diesjährigen 43. Bundeswettbewerb dann 4 von 30.
Es kommt natürlich auch immer auf die Schulform an. An den ganzen Sek1 Schulen hat es oft lediglich ein Drittel Mädchen in den Klassen. Da sind die Chancen, dass gerade die Mädchen in Informatik oder Technik den Unterricht schmeißen, eher gering. An Förderschulen gibt es fast gar keine Mädchen. Ausgeglichene Klassen gibt es doch eigentlich nur noch an den Gymnasien und eventuell Gesamtschulen. Das kann natürlich das Bild, welches Lehrkräfte an diesen Schulen vom Technik- und Informatikunterricht haben, sehr anders aussehen lassen.
Studenten in diesen Fachbereichen sehen halt so gut wie keine Frauen in ihren Seminaren. Was man nicht kennt, kann man auch nur schlecht beurteilen.
Bei der Wahl des WPI-Faches Naturwissenschaften Stechen die Anmeldungen der Mädchen auch nicht besonders hervor, im Gegensatz zur Wahl von Französisch oder Spanisch.
Sehe ich auch so. Ohne jetzt eine genaue Statistik geführt zu haben, dürften bei meinen Noten kaum geschlechtsspezifische Unterschiede festzustellen sein. Woher sollen die auch kommen?
“dürften bei meinen Noten kaum geschlechtsspezifische Unterschiede festzustellen sein.”
Es geht ja auch um Abweichungen zwischen den bei standardisierten Vergleichstests gezeigten Kompetenzniveaus und den Schulnoten.
Kennen Sie denn die Ergebnisse Ihrer jeweiligen Schülerinnen und Schüler in diesen standardisierten Tests?
Ich verstehe immer nie, woher die Studien kommen, ich habe in fast all meinen Jahren als Lehrer in einem MINT Fach anzahlmäßig immer mehr gute Mädchen als Jungen gehabt. Man muss allerdings auch dazu sagen, dass die Mädchen oft deutlich fleissiger waren und einge der Jungs auch gute Noten hatten, ohne auch nur einen Finger zu Hause für das Fach krumm zu machen.
Mir ist es ehrlich gesagt immer vollkommen egal, ob irgendwer ein Junge, ein Mädchen oder auch divers ist. Es interessiert mich auch nicht, ob jemand eine andere Hautfarbe hat oder Justin/Kevin heisst. Ich habe mich aber durchaus auch schon mal mit einem Kollegen in die Haare bekommen, wo Kinder mit Migrationsanteil erstaunlicherweise im Verhältnis gerne Mal schlechter abschneiden als die ohne.
Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht. Habe häufiger das Gefühl, dass es die ältere Lehrergeneration betrifft, aber auch nur wenige. Ich selbst würde mich altersmäßig mittlerweile eher zur mittleren Lehrergeneration zählen. Bei Kollegen in meinem Alter oder Jünger ist mir so ein Verhalten noch nie aufgefallen.
“Ich verstehe immer nie, woher die Studien kommen, ich habe in fast all meinen Jahren als Lehrer in einem MINT Fach anzahlmäßig immer mehr gute Mädchen als Jungen gehabt.”
Eigene Erfahrung und statistische Häufigkeiten in Bund oder Land scheinen oft nicht deckungsgleich zu sein.
Die Unterschiede Jungs/Mädchen bei IQB oder PISA habe ich weiter oben schon genannt.
Erinnert mich auch an einen Beitrag in dem jemand die überdurchschnittlich hohe Quote seines Bundeslandes bei Schüler*innen ohne ESA anzweifelte, weil an seiner Schule, wenn überhaupt, nur einige SPF-Schüler*innen ohne mind. ESA abgehen würden.
Ich frage mich nach Überfliegen der Studie, inwieweit die Beantwortung der in der Studie gewählten Fragestellung (Bewertung von Aussagen) weniger von „Vorurteilen“ gegenüber Mädchen, als vielmehr von der doch noch vorherrschenden Realität geprägt ist. Technik und Informatik werden vorwiegend von Männern bearbeitet, Jungs interessieren sich (aus welchen Gründe auch immer) vorwiegend für technische Dinge und Computer.
Meine eigene Erfahrung deckt sich mit denen, die hier schon geschildert wurden: Mädchen sind tendenziell im MINT-Bereich in der Breite eher solider, teils auch top, haben aber auch andere Interessen, Jungen sind da eher stärker auf den MINT-Bereich festgelegt. Da könnte man sogar auf die Idee kommen, dass Stereotypen eher die Jungs benachteiligen. Diese Erfahrungen sind aber sicherlich auf meinen Schultyp / meine Schule zu beschränken.
Für mich ist allerdings auch interessant, dass in der Studie in überwältigender Mehrheit Frauen befragt worden sind. Das ist vermutlich weniger für die Existenz von Stereotypen relevant, allerdings für die Wahl der passenden Maßnahmen womöglich schon.
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11618-025-01352-w.pdf