
Die Ausbildung an Thüringer Handwerkergymnasien ist zunehmend gefragt – ihre Zahl steigt. Inzwischen gebe es sieben dieser Schulangebote im Freistaat. Sie bieten neben dem Abitur auch Lehrinhalte, die bei einer Meisterausbildung anerkannt würden, sowie Praxiserfahrung im Handwerk, sagte der Geschäftsführer des Thüringer Handwerkstags, Thomas Malcherek, in Erfurt. «Das eröffnet viele berufliche Perspektiven und führt nach einer Berufsausbildung schneller zum Meisterbrief.»
Wo der Ausbildungsweg möglich ist
Das Ausbildungsmodell werde an je zwei Schulen in Erfurt und Gotha, in Mühlhausen, Sömmerda und Sondershausen angeboten. Es handele sich um spezielle Klassen in staatlichen Berufsschulzentren. Gestartet wurde das Modell laut Handwerkstag 2016 mit einer Schule in Erfurt.
Derzeit lernten mehrere hundert Jugendliche an den Handwerkergymnasien. «Etwa 150 junge Leute haben im vergangenen Jahr angefangen.» Nach Einschätzung des Geschäftsführers findet etwa ein Drittel der Schüler in diesem Modell ins Handwerk.
Die Plätze sind nach Einschätzung von Malcherek stark nachgefragt – auch wegen der Zusatzqualifikation. «Wir kümmern uns als Kammer auch um die jungen Leute.» Die Kammer vermittle beispielsweise Kontakte zu Handwerksbetrieben in Thüringen und damit zu möglichen Praktika oder einer späteren Lehre.
Wie die Ausbildung erfolgt
Der auch Berufliches Gymnasium genannte Ausbildungsweg dauert drei Jahre – es geht also um ein Abitur nach 13 Jahren. An allen sieben Standorte erwerben die Schülerinnen und Schüler neben dem Abitur auch betriebswirtschaftliche und pädagogische Inhalte der Meisterausbildung.
Nach einer verkürzten Berufsausbildung von zwei bis zweieinhalb Jahren könnte auf den Gesellenbrief noch der Meistertitel innerhalb relativ kurzer Zeit gesetzt werden, weil zwei von vier Ausbildungsbereichen schon absolviert seien. Es sei aber auch ein Studium möglich – am besten mit der Rückkehr ins Handwerk und Karrieremöglichkeiten bis zur Übernahme eines Betriebs, so Malcherek.
Die Karrierechancen im Handwerk
Im vergangenen Jahr wurden nach seinen Angaben mehr als 3.000 neue Ausbildungsverträge im Thüringer Handwerk abgeschlossen. «Das ist ein leichter Zuwachs von mehr als einem Prozent.» Das Handwerk gehört mit etwa 28.000 Betrieben und mehr als 140.000 Beschäftigten zu den großen Branchen und Arbeitgebern in Thüringen.
Derzeit wird für viele Handwerksbetriebe ein neuer Chef gesucht, weil Gründer und Inhaber in den Ruhestand gehen. Anders als in der Vergangenheit sei es nicht mehr die Regel, dass Kinder des Betriebsinhabers das Geschäft übernähmen.
Nach Einschätzung von Malcherek hat das Image des Handwerks gewonnen, «aber es ist noch nicht der Hype». Vielfach bestehe noch die Vorstellung, ein akademischer Abschluss biete die besseren Perspektiven. Dabei sei die Arbeit im Handwerk vielfältig – «und man kann gutes Geld verdienen». News4teachers
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