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Geplante Koalition: SPD und CDU wollen aus Brandenburg ein “Bildungsland” machen

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POTSDAM. Lehrermangel und schlechte Ergebnisse bei Vergleichsstudien: Bisher gab es viel Kritik an der Bildung in Brandenburg. Die geplante Koalition will Schule und Kita stärker in den Fokus nehmen. Die CDU übernimmt das dafür zuständige Ministerium. 

Will Chef bleiben: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Foto: Shutterstock / Juergen Nowak

Die geplante Koalition aus SPD und CDU will die Bildung deutlich stärken. Es gehe darum, die gesamte Bildungsbiografie von der Kita über Schule, berufliche Bildung und Hochschule bis zur Weiterbildung zu verbessern, hieß es im Koalitionsvertrag, den beide Parteien vorgestellt haben. «Wir wollen Brandenburg zu einem Bildungsland entwickeln.»

Eine Deutschstunde mehr

SPD und CDU wollen eine zusätzliche Deutschstunde an der Grundschule einführen, heißt es im Vertrag. Die «Schreib- und Lesepraxis» solle in allen Fächern ausgeweitet werden. Ein Kernpunkt ist zudem die Personalausstattung. Insgesamt 250 neue Lehrerstellen plant die künftige Koalition zusätzlich. Im Kitabereich wollen beide Parteien einen Fokus auf die Bewegungsförderung bei der Ausbildung der Erzieher legen. Die Neuordnung der Kita-Finanzierung soll bestehen bleiben. Schule, Hort und Kita sollen beim Datenaustausch enger zusammenrücken.

Ausstieg aus Rahmenlehrplan mit Berlin

Die Frage der Bildung sei die «Zukunftsfrage des Landes», sagte CDU-Generalsekretär Gordon Hoffmann. Es gehe nicht nur um mehr Lehrkräfte, sondern auch darum, was «die Lehrkräfte eigentlich machen». Man wolle deshalb einen landeseigenen Lehrplan erstellen und aus dem Rahmenlehrplan mit Berlin aussteigen. Es gehe in der Schule darum, «Basiskompetenzen» zu stärken, sagte Hoffmann. An der Schule solle das gelehrt werden, was die Schüler «für das weitere Leben brauchen».

Das Bildungsressort geht nach mehr als 30 Jahren künftig von der SPD an die CDU. Brandenburg leidet unter Lehrkräftemangel. Zuletzt wurde die Zahl der Lehrerstellen im Haushalt 2025 um 345 Vollzeitstellen verringert. Lehrerinnen und Lehrer sollen außerdem eine Stunde pro Woche mehr unterrichten. Das führte zu viel Kritik. Bei länderübergreifenden Bildungstest wie der PISA-Studie schnitt Brandenburg in der Vergangenheit mit schlechten Ergebnissen ab. Die Parteigremien müssen dem Koalitionsvertrag noch zustimmen. News4teachers / mit Material der dpa

Wegen (!) Mehrarbeit für Lehrer: Finanzminister schließt neue Lehrerstellen aktuell aus 

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tozitna
23 Tage zuvor

Erst den größten Bildungskahlschlag seit der Wende 89 zu machen und JEDE pädagogische Überlegung beiseite schieben und dann – schwupps – ein Bildungsland planen.
Mehr verlogen geht nicht!
Leider diskreditiert sich die CDU gleich von Beginn sm. Himmelhergott, wer bleibt da noch über?!

Mika BB
23 Tage zuvor

Die Mehrstunde bleibt also. Ich habe nichts anderes erwartet…

Stubentiger
23 Tage zuvor

Hm, klingt alles wie so oft recht vage. Ich wüsste gerne mehr Konkretes. Eine Stunde mehr Deutsch? Wie viele sind es denn dann? Berlin hat in den kleinen Klassen jetzt 8. Hat Brandenburg dann auch 8 oder hat es 9? Und was nützt das, wenn Unterricht ausfällt oder (um Ausfall zu kaschieren) fachfremd unterrichtet wird, also die Vertretung macht kein Deutsch? Aber Genaueres findet man im Netz auch nicht. @Mika BB, weißt du mehr?

Mika BB
22 Tage zuvor
Antwortet  Stubentiger

Nö, bis jetzt nur allgemeines BlaBla. Vor allem frag ich mich, wer die Mehrstunde Deutsch denn halten soll? Gibt ja jetzt schon nicht mal ansatzweise genug ausgebildete Lehrkräfte in den Grundschulen…
Von Redmann halte ich nicht viel: der hat sein Mäntelchen schon so oft mit dem Wind gedreht…

Rainer Zufall
22 Tage zuvor

Daumendrück, dass sich etwas verbessert und nicht (weiterhin/ wie fast überall) zu wenige Stellen ausgeschrieben werden, was den staatlich genehmigten Lehrkräftemangel “beendet” ..

Mondmatt
21 Tage zuvor

Die politische Ernüchterung wird in ein paar Jahren sicherlich kommen.

Man erklärt ein Land vollmundig zum “Bildungsland” und dann wartet man geduldig.

Tun wird man natürlich nichts. Das ist Tradition, für Bildung tut man nichts und gibt schon gar kein Geld dafür aus.

Nach einer gewissen Zeit bemerkt man dann, dass die blöde Realität trotz der großen Ankündigung einfach nicht folgen will.

Dann ist man ratlos. So ungerecht ist die Bildungswelt. Da kann man als Politiker eben auch nichts machen.

Wahrscheinlich waren dann wieder die faulen und unfähigen Lehrer schuld dass, das mit dem Bildungsland ein Schuss in den Ofen war.

GraueMaus
19 Tage zuvor

Interessant ist ja, dass es schon lange trotz der im Prinzip 6-jährigen Grundschule sog. “Leistungs- und Begabungsklassen” im 5. und 6. Schuljahr an weiterführenden Schulen gibt. Sie entsprechen den in Berlin seit langem üblichen grundständigen Gymnasien:

https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/begabtenfoerderung/begabtenfoerderung-im-land-brandenburg/leistungs-und-begabungsklassen

Der große Siegeszug der 6-jährigen Grundschule in Berlin-Brandenburg ist damit nicht so recht sichtbar. Offenbar fürchtet man doch, damit einige Talente zu vergeuden, so dass ein gemischtes System vorzuziehen ist.