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Deutschland ist innovativ – außer bei der Bildung

BONN. Deutschland hat seine Innovationsleistung in den vergangenen fünf Jahren deutlich verbessert und steht nun bei einem internationalen Ranking auf Rang 4. Das Bildungssystem schneidet allerdings wie in den Vorjahren schlecht ab.

Dynamischer Standort Deutschland: Messeturm in Frankfurt / Main. Foto: wecand / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Dynamischer Standort Deutschland: Messeturm in Frankfurt / Main. Foto: wecand / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Deutschland ist in den vergangenen Jahren innovationsfreudiger und damit wettbewerbsfähiger geworden. Dies ist Ergebnis des „Innovationsindikator 2011“, einer von der Telekom-Stiftung und dem Bundesverband der Deutschen Industrie herausgegebenen Studie. Mit einem guten 4. Platz verpasst Deutschland nur knapp das Podest der Innovationsführer.

Effiziente Investitionen

Der Innovationsindikator vergleicht die Innovationsstärke Deutschlands mit jener der 25 wichtigsten Industrieländer in Europa, Asien und Nordamerika. Lag Deutschland 2009 noch auf einem Platz im Mittelfeld, muss es in diesem Jahr lediglich die schon immer sehr gute Schweiz mit einem Indexwert von 76, Schweden (61) und das neu in die Spitzengruppe vorgedrungene Singapur (63) vorbeiziehen lassen. Mit 57 von 100 möglichen Punkten liegt die Bundesrepublik hinter dem Spitzentrio. „Zwar hat sich die Methodik des Indikators seit 2009 verändert, doch die bessere Platzierung Deutschlands ist nicht allein darauf zurückzuführen. Vielmehr haben die Innovationsanstrengungen von Unternehmen und Politik und die stetig gestiegenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung endlich Früchte getragen“, sagt Professorin Marion Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung. Das Institut erarbeitete den Innovationsindikator zusammen mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und dem Maastricht Economic and Social Research Institute on Innovation and Technology der Universität Maastricht.

Neben den effizienten Investitionen ist Deutschland auch die Weltfinanzkrise zugutegekommen. Während die Bundesrepublik relativ robust auf die Krise reagiert hat, haben andere Länder stärker gelitten, sodass Deutschland auch deswegen Plätze gutmachen konnte. Die anderen hoch entwickelten Industrienationen haben in den vergangenen Jahren nur wenig in Forschung und Entwicklung investiert und ihre Indexwerte daher kaum verändern können. Deutschland ist die einzige Industrienation, der dies gelungen ist.

Mehr Forschungspersonal eingestellt

Seit 2008 hat sich der Studie zufolge die Innovationsfähigkeit Deutschlands in vielen Teilbereichen verbessert. Vor allem bei der Forschung habe Deutschland zugelegt, heißt es: „Die Bundesregierung hat beispielsweise Maßnahmen im Rahmen ihrer Hightech-Strategie umgesetzt, die Ausgaben für Forschung an Hochschulen und in außeruniversitären Forschungseinrichtungen erhöht. Auch die Exzellenzinitiative und der Pakt für Forschung und Innovation haben positive Wirkung gezeigt. Zudem wurde mehr Forschungspersonal eingestellt.“ Die Anstrengungen der Privatwirtschaft entsprächen dagegen dem internationalen Durchschnitt. Insgesamt stellten die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung mit einem Quotienten von 2,78 einen so hohen Anteil am Bruttoinlandsprodukt wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Im Bildungsbereich nur Platz 17 von 26

Im Bildungsbereich fällt Deutschland auch 2011 allerdings wieder mit schlechten Resultaten auf. Im Ländervergleich erreicht es nur Platz 17 von 26. Dabei hat sich Deutschland in der Mehrheit der Einzelindikatoren zur Bildung in den vergangenen Jahren stetig verschlechtert. Sogar in der ehemaligen deutschen Stärke, dem Anteil der Promovierten in den MINT-Fächern, ist die Bundesrepublik mittlerweile nur noch Mittelmaß (Rang 8). Vor allem die geringe Quote von Hochschulabsolventen fällt negativ ins Gewicht. „Eine alarmierende Entwicklung, zumal Bildung und Qualifikation angesichts des demografischen Wandels und einer zunehmenden Wissensintensivierung der Wirtschaft zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen werden“, so stellen die Autoren der Studie fest. Das deutsche Bildungssystem bedüfe weiiterhin grundlegender Reformen, um zu den führenden Ländern aufzuschließen.

„Wann werden die Bildungsstandards in Gänze umgesetzt?“

Was damit konkret gemeint ist, erklärte der Vorsitzende der Telekom-Stiftung, Ex-Bundesaußenminister Klaus Kinkel in einem Gastbeitrag für die „Rheinische Post“. „Sicher, die Bildung ist in politischen Reden inzwischen allgegenwärtig, aber im politischen Handeln sind noch weit mehr Anstrengungen nötig“, meint Kinkel und fragt: „Wann können Eltern mit ihren Kindern von einem Bundesland ins andere umziehen, ohne dass die Schule zum Problem wird? Wann werden die von den Kultusministern festgelegten Bildungsstandards in Gänze umgesetzt? Und wann fällt endlich das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern, das die so dringend erforderliche Zusammenarbeit in Bildungsfragen verhindert?“

„Das gute Abschneiden Deutschlands im Innovationsindikator 2011 zeigt, wie wichtig Investitionen in Forschung und Entwicklung sind“, befand Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). „Die Hightech-Strategie der Bundesregierung wirkt. Wir werden als Bundesregierung weiterhin unsere Politik konsequent auf Bildung, Forschung und Innovation ausrichten und die Ausgaben für Bildung und Forschung alleine in dieser Legislaturperiode um zwölf Milliarden Euro steigern.“ (red)

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