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Eltern fordern 1.500 Neueinstellungen für berufliche Schulen

STUTTGART/BÜHL. Die beruflichen Schulen im Südwesten sind das Sorgenkind der Kultuspolitik. Seit Jahren kämpfen sie mit Unterrichtsausfall. Das wird auch unter Grün-Rot nicht besser, meint ein Elternvertreter.

Aus Sicht von Elternvertretern wird auch das kommende Schuljahr keine Verbesserungen für die beruflichen Schulen im Land bringen. «Bei den beruflichen Schulen ist die Lage schon seit Jahrzehnten düster und auch mit Grün-Rot zeigt sich kein Licht am Ende des Tunnels», sagte Uwe Doderer, Mitglied im Landeselternbeirat und im Landesschulbeirat. Die beruflichen Schulen bräuchten 1.500 Neueinstellungen; das sind fast doppelt so viele wie die vom Kultusministerium vorgesehenen 780. «Mit dieser Zahl würden wir einen Einstieg in den Abbau der Bugwelle und des strukturellen Defizits schaffen», betonte der Elternvertreter.

Die zugeteilten Stellen könnten nur die Lücken durch den Ruhestand von Kollegen ausgleichen. «Damit wird lediglich der Status Quo erhalten.» Das strukturelle – also bereits im Stundenplan eingebaute – Unterrichtsdefizit von vier Prozent bleibe ebenso unangetastet wie der Überstundenberg der Pädagogen in Höhe von 1.800 Deputaten. «Das sind 100 Millionen Kredit, die die Lehrer dem Land gewähren», fügte Doderer hinzu, dessen Tochter eine Berufsschule besucht. Ergänzungsunterricht und Arbeitsgemeinschaften würde an den beruflichen Schulen schon gar nicht mehr angeboten.

Doderer kritisierte auch das Ausschreibungsverfahren für die Lehrer. So sei in diesem Jahr zugunsten des Listenverfahrens weitgehend auf schulscharfe Ausschreibungen verzichtet worden. Über diese seien aber die Quereinsteiger aus der Wirtschaft zu gewinnen. «Wir haben nun kaum Chancen, Praktiker zu bekommen für die Ausbildung etwa von Mechatronikern, Elektronikern und Sanitärfachleuten.» Auch die Zusage für die Übernahme der fertigen Referendare in den Schuldienst sei so spät erfolgt, dass viele zu dem Zeitpunkt schon in andere Bundesländer oder in die Schweiz abgewandert seien.

In der Wirtschaft sei die Unzufriedenheit mit der Situation an den beruflichen Schulen groß. Nur der Allianz des Berufsschullehrerverbandes, der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart und des Handwerkskammertages und deren Druck auf das Ministerium seien die 780 Neueinstellungen zu verdanken, vermutet Doderer. JULIA GIERTZ, dpa

(27.6.2012)

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