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50 Jahre deutsch-französische Freundschaft: Ärger um Grundschul-Französisch

KARLSRUHE. Pünktlich zum 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags gibt’s Krach um Französisch als erste Fremdsprache. 66.000 Grundschüler im Badischen sind davon betroffen  – Lehrer und Eltern zweifeln am Sinn des Französisch-Unterrichts ab der ersten Klasse.

Vor 50 Jahren besiegelte der Élysée-Vertrag die deutsch-französische Freundschaft. Foto: ChrisO / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Vor 50 Jahren besiegelte der Élysée-Vertrag die deutsch-französische Freundschaft. Foto: ChrisO / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Lerne die Sprache des Nachbarn: Grundschüler am Oberrhein sollen auch weiterhin Französisch parlieren – im Gegensatz zu den anderen Erstklässlern im Land, die mit Englisch beginnen. Französisch bleibe «ein verbindliches Unterrichtsfach in den Grundschulen am Oberrhein», betonte Kultusstaatssekretär Frank Mentrup (SPD). Schließlich gehe es nicht nur um das Erlernen einer Sprache, «sondern darum, Kindern die Kultur der wenige Kilometer entfernt wohnenden Nachbarn näher zu bringen».

Im Jubiläumsjahr der deutsch-französischen Freundschaft hat die französische Sprache nach Angaben aus dem Staatsministerium im Land einen hohen Stellenwert. «In den Klassen 1 bis 4 haben insgesamt fast 66 000 Schülerinnen und Schüler Französisch als erste Fremdsprache», heißt es. Der Unterricht in dieser Sprache ab Klasse eins bleibe erhalten. «Der Französischunterricht am Oberrhein ist eindeutig ein Erfolgsmodell.»

Direktorenvereinigung: Lieber Englisch

Ungeachtet dieser Begeisterung: Viele Eltern und der Vorsitzende der Direktorenvereinigung Nordbaden, Hugo Oettinger, zweifeln am Sinn. Das viel beschworene «Sprachbad» in der Grundschule ist aus seiner Sicht eher eine «Sprachdusche». Und wenn schon eine Fremdsprache an der Grundschule gelernt werden soll, spricht für ihn viel dafür, dass «alle Kinder möglichst früh mit der Weltsprache Englisch in Kontakt kommen».

Nach Meinung von GEW-Landeschefin Doro Moritz ist Französisch für die Grundschüler am Oberrhein durchaus lohnend. «Je kleiner die Kinder, desto leichter ihr Zugang zu einer fremden Sprache.» Sie hält es aber für wünschenswert, dass die Lehrer entsprechend qualifiziert werden – und die Schulen zwischen Französisch und Englisch wählen können. «Wir haben die Absicht begrüßt, mit dem Grundschulfranzösisch die deutsch-französische Freundschaft nahe der Grenze zu unterstützen. Wir hätten es aber durchaus begrüßt, wenn es eine Wahlmöglichkeit gegeben hätte», sagte die Gewerkschaftschefin.

„Das bisschen Grundschulfranzösisch“

«Dass Lehrerinnen, die in der Regel eher über eigene Englischkenntnisse und weniger über Französischkenntnisse verfügen, plötzlich Französisch unterrichten sollten, hat ganz sicher die Akzeptanz für das Französische erschwert», meinte Moritz. Scharf kritisierte die Lehrer-Gewerkschafterin die Einstellung damaliger Kultusbürokraten nach dem Motto: «Das bisschen Grundschulfranzösisch oder -englisch kann doch jeder.» Lehrkräfte könnten nicht «in 24 mal 45 Minuten Fremdsprachenunterricht» und rund 20 Stunden Methodik/Didaktik zum Lehren einer Fremdsprache qualifiziert werden.

Baden-Württemberg ist das erste Land, das den Fremdsprachenunterricht von der ersten Klasse an verbindlich und flächendeckend eingeführt hat. Außerdem gibt es in rund 200 Kindertagesstätten ein bilinguales deutsch-französisches Angebot.

An etwa 460 Grundschulen am Oberrhein lernen die Kinder von Schulbeginn an Französisch, an den anderen Grundschulen des Landes Englisch. Wäre es nach dem früheren CDU-Kultusminister Helmut Rau (CDU) gegangen, hätten auch die Gymnasiasten in Baden weiter Französisch lernen müssen. Auf erbitterten Protest von Eltern schob der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg 2007 dem aber einen Riegel vor.

Die Förderung des Französischen ist durch den Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich vom 22. Januar 1963 über die deutsch-französische Zusammenarbeit besonders privilegiert. Beide Seiten wollen dem Unterricht in der Partnersprache demnach besondere Aufmerksamkeit schenken. Susanne Kupke, dpa

(22.1.2013)

Hier – auf dem Hamburger Bildungsserver – gibt es Unterrichtsmaterial zum Thema „deutsch-französische Beziehung“

 

2 Kommentare

  1. Als ich vor einigen Jahren noch an einer Grundschule unterrichtete, war meine einzige Qualifikation, Französisch zu unterrichten, die Tatsache, dass ich einmal mit einem Franzosen verheiratet gewesen war, von dem ich inzwischen geschieden war. Der Französischunterricht an der Grundschule ist ein einziger Witz!!! Man sollte die so vergeudeten Stunden lieber in einen intensiven Deutschunterricht stecken!

  2. Ja, das finde ich auch und gehe sogar noch weiter. Alle Kinder sollten Englisch als Fremdsprache lernen müssen. Alle weiteren Fremdsprachen sollten fakultativ (freiwillig) sein – im Range einer AG/IG. Das reicht völlig. Wer z.B. Latein für seinen Beruf braucht, kann das auch in einer AG/IG lernen.

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