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Im Krisengebiet: Rostocker Lehrer besuchen Partnerschule im Sudan

ROSTOCK. Die Salesianer Don Boscos vermitteln Partnerschaften zwischen ihren Schulen auf der ganzen Welt und Schulen in Deutschland. Zehn Jahre lang haben Rostocker Schüler und Lehrer die Bildungsarbeit im Sudan finanziell und ideell unterstützt – jetzt besuchten drei Lehrer und ein Elternvertreter das Projekt vor Ort.

Die Neugier ist groß - auf beiden Seiten. Foto: Benedict Steilmann, Don Bosco Mission

Die Neugier ist groß – auf beiden Seiten. Foto: Benedict Steilmann, Don Bosco Mission

„Sie dürfen hier nicht fotografieren.“ Der Mann ist sehr bestimmt. „Löschen Sie sofort das Foto.“ Erschrocken folgt Christiane Kastner der Aufforderung. Sie ist gerade in Juba gelandet, in der Hauptstadt des Südsudan. Auf dem Rollfeld stehen Militär- und UN-Flugzeuge. Die Atmosphäre ist nicht gerade zivil. Kastner gehört zu unserer fünfköpfigen Reisegruppe. Ihr und den anderen dreien ist mulmig zumute. Sie sind zum ersten Mal in Afrika. Und alle zugänglichen Informationen zum Land sind gespickt mit Wörtern wie „Bürgerkrieg“, „Flüchtlinge“, „Krankheiten“ und „unzureichend“.

Das Ziel: Brücken bauen

Dass sie trotzdem gekommen sind, liegt an ihrem Ziel: Brücken bauen. Als Vertreter der Don Bosco Schule in Rostock wollen sie eine Partnerschaft mit einer Don Bosco Schule im Südsudan ankurbeln. Solche Vorhaben sind wichtig für die Lernkultur an Schulen. Schüler auf beiden Seiten erweitern ihr Blickfeld, das ist gut für das Zusammenleben auf unserem Planeten.

Außer der Englischlehrerin Kastner sind Direktor Bernhard Humpert, Grundschullehrerin Susanne Lörcks und Elternvertreter Olaf Ulbrich dabei. Seit zehn Jahren fördert die Schule die Salesian Mission im Sudan. Als das anfing, herrschte noch Krieg im Sudan. Seit 2005 ist Frieden und seit 2011 ist der Südsudan sogar unabhängig vom Norden. Höchste Zeit, selbst hinzufliegen, finden die vier. Als Bildungsreferent von Don Bosco Mission in Bonn bin ich mit dabei. Gefährlich sieht hier erst einmal nichts aus, dafür sehr ungewohnt. In der Ankunftshalle ist es voll, heiß und stickig. Die vielen Menschen und das babylonische Stimmengewirr verunsichern uns. Wir sind fremd hier und fühlen es – deutlich.

Die Beamtin an der Passkontrolle hat schlechte Laune. Zusätzliche Passfotos fehlen, sinnlos erscheinende Formalia müssen erfüllt werden, die Prozedur zieht sich. Bürokratie ist halt überall gleich – ein vertrauter Moment in der Fremdheit. Bei der Gepäckkontrolle steht schon wieder eine ungnädige Beamtin vor uns. Aber da taucht unser Gastgeber auf, Father Jacob Thelekkadan. Und wir erleben eine Überraschung: Die junge Zöllnerin erkennt den indischen Salesianer wieder. Sie war eine von mehreren Tausend Kindern aus dem Süden, die während des Krieges in Khartoum in die Don Bosco Schule für Flüchtlinge gingen, als er dort Direktor war, und freut sich jetzt herzlich, ihn zu wiederzusehen. Wir kriegen auch ein Lächeln ab und lächeln zurück. Die Gepäckkontrolle geht jetzt sehr schnell. Don Bosco verbindet. Willkommen im Südsudan!

Bereits am nächsten Tag reisen wir weiter. Unser eigentliches Ziel ist Maridi, nur 300 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Aber jetzt erfahren wir, was Reisen hierzulande heißt. Zwölf Stunden brauchen wir für die Strecke. Nur eine einzige Straße in ganz Südsudan ist geteert, die nach Uganda. Wir fahren in Richtung Kongo. Der Geländewagen holpert über Wasserrillen und Schlaglöcher, rüttelt uns durcheinander, eine riesige Staubwolke im Schlepp. Wir sitzen dicht gedrängt zu siebt im Auto – außer uns Fünfen sind noch ein Fahrer und ein einheimischer Führer dabei. Anstrengend, aber toll, um das Land kennenzulernen.

„Wo sind die Schulen?“

In einem kleinen Ort treffen wir einen Soldaten mit abgegriffener Kalaschnikow. Er hält uns an und will mitfahren. Da blitzt es doch noch auf, das Bild des gefährlichen Rebellen aus Bürgerkriegszeiten. Dürfen wir Nein sagen? Michael, unser Guide, wiegelt ab. Das Auto sei voll. Der Soldat nickt und tritt zurück. Wir fahren weiter. „Wo kommen die ganzen Leute her?“, wundert sich Susanne Lörcks, als wir mal wieder an Fußgängern mit Ziege vorbeifahren. Seit einiger Zeit holpern wir durch ein Meer aus gelbem, mannshohem Gras, nur durchbrochen von einigen Bauminseln. Einmal teilt sich am Straßenrand das Gras und Frauen mit Gepäck auf dem Kopf treten heraus. Wir begreifen, dass das vermeintlich leere Land voller Menschen ist. „Aber wo sind die Schulen?“, fragt Direktor Humpert – und trifft den Kern des Problems.

Für ein Kind im Südsudan ist es wahrscheinlicher, vor seinem fünften Geburtstag zu sterben, als die Schule abzuschließen. 1,3 Millionen Kinder im Grundschulalter gehen hier nicht zur Schule. Beim weltweiten Sekundarschulbesuch ist das Land, dessen Kriegswunden noch immer nicht verheilt sind, Schlusslicht. Als wir abends erschöpft in Maridi ankommen sprechen wir den dortigen Direktor der Salesianer-Niederlassung, Father John Peter, darauf an.

„Wir haben hier Platz für 900 Schüler“, sagt er. „Aber selbst wenn mehr Kinder in die Schule gehen könnten, hätte ich nicht genug Lehrer, um sie zu unterrichten.“ Wir werfen einen ersten Blick auf die Schule, die vielleicht der künftige Brückenkopf nach Rostock ist. Das Gebäude hat den Krieg überdauert und wurde 2011 mit Unterstützung aus Bonn saniert. Das Dach ist regendicht, die soliden Türen halten die Ziegen ab und jedes Klassenzimmer hat genug Schulbänke. Aber die Räume sind kahl. Regale mit Büchern oder Bastelutensilien gibt es nicht. BENEDICT STEILMANN

Lesen Sie morgen den zweiten Teil der Reportage.

Don Bosco macht Schule

Gerne vermittelt das Bildungsteam der Don Bosco Mission – die ihren Namen vom 1934 heiliggesprochenen Katholischen Ordensgründer Giovanni Melchiorre Bosco ableitet – weltweite Kontakte zu Schulen, die der Unterstützung bedürfen. Ob daraus eine intensive Partnerschaft oder nur eine einmalige Spendenaktion wird, hängt ganz vom Engagement von Schülerschaft und Lehrer ab. Ein guter Einstieg ist die Patenschaft „Padrino“, in der Schulen Paten einer Straßenkindereinrichtung werden können. Sollte Interesse bestehen, Themen wie den Sudan oder Straßenkinder im Unterricht zu behandeln, kommen Mitarbeiter – wenn es Zeit und Entfernung zulassen –, gerne in den Unterricht. Oft mit dabei sind junge zurückgekehrte Don Bosco Volunteers, die ein Jahr in einer weltweiten Einrichtung gearbeitet haben. Sie werden nach ihrer Rückkehr didaktisch geschult und können ein junges und authentisches Zeugnis ihrer Erfahrungen geben. (17.2.2013)

Kontakt zu Benedict Steilmann:

Telefon: 0228 / 539 65 72 oder Mail: b.steilmann@donboscomission.de

Don Bosco Mission, Sträßchensweg 3, 53113 Bonn,

Hier geht er zur Homepage der Don Bosco Mission.

 

 

 

 

 

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