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Eine Schule, in der jeder Schüler hochbegabt ist

SCHWÄBISCH GMÜND. Sie haben viel auf dem Kasten und deshalb manchmal jede Menge Kummer. Das Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd will helfen und bietet blitzgescheiten jungen Menschen Inspiration und Heimat.

Zuflucht für intelligente Problemschüler: das Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in Schwäbisch Gmünd. Foto. Martin Christ / flickr (CC BY-SA 3.0)

Zuflucht für intelligente Problemschüler: das Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in Schwäbisch Gmünd. Foto. Martin Christ / flickr (CC BY-SA 3.0)

Klug sein ist nicht immer einfach. Lea kann ein Lied davon singen. «Ich hatte Schwierigkeiten mit meinen Mitschülern. Und mir war oft langweilig.» Das Gesicht der 15-Jährigen verfinstert sich bei der Erinnerung an ihre Zeit auf der Regelschule. Heute weiß sie, dass sie kein komischer Kauz ist. Unterfordert war sie, mehr nicht. «Viele kommen mit schlechten Erfahrungen von ihrer alten Schule», berichtet die Zehntklässlerin. Ihrer Mutter und einer Bekannten verdankt sie, dass sie den Weg ans Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in Schwäbisch Gmünd fand. «Als ich hier war, habe ich sehr schnell gemerkt, dass es sehr gut passt.»

Lea und ihre Mitschüler sind Feuer und Flamme für «ihr» Landesgymnasium – das einzige staatliche seiner Art im Südwesten. «Man kann sich mit den Lehrern auf hohem Niveau unterhalten. Sie stehen wirklich hinter ihren Fächern», sagt der 16-jährige Benedikt. Durch das Leben im Internat kenne man die Erzieher und Mitschüler besser. Das trage zum guten Miteinander zwischen allen bei, schwärmen die Jugendlichen.

Viel zu wissen und viel lernen zu wollen ist auf dieser Schule kein Makel. Denn hier geht es vielen so. Manchmal ist die Begabung der Schüler breitgefächert, manche sind nur in einzelnen Fächern brillant, wieder andere sind sogenannte «Underachiever» und schreiben schlechte Noten, obwohl sie den geforderten IQ von über 130 haben. Den klassischen «Typ Hochbegabter» gebe es nicht, weil sich die Jugendlichen nicht über einen Kamm scheren ließen, macht Direktorin Annette von Manteuffel klar. Doch ihre Schule sei wichtig: «Mit der Außenwelt auseinandersetzen kann man sich einfach besser, wenn man seine Talente kennt.» Sie herauszuarbeiten und damit das Selbstbewusstsein der Schüler zu stärken, sei ihr Auftrag.

Um die 240 Jugendlichen der Klassen 7 bis 12 individuell zu fördern, kürzt das LGH die Zeit für den klassischen Unterricht nach Bildungsplan. Möglich wird das durch die schnellere Auffassungsgabe der Schüler, von denen die jüngsten manchmal noch neun Jahre alt sind. Wer sich mit einem Fach schwer tut, muss sich allerdings doppelt auf den Hosenboden setzen. In der gewonnenen Zeit können die Schüler im Wahlbereich ihre Stärken und Neigungen vertiefen – sei es im Labor, im schuleigenen Museum oder bei Wettbewerben. Mathe und Fremdsprachen werden in allen Jahrgängen zeitgleich unterrichtet, so dass Schüler bei Bedarf eine höhere oder tiefere Klasse besuchen können.

Das wichtigste: ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind

Mit Tipps und bei Problemen hilft ein Lehrer-Mentor. Ihr Ziel sei eine möglichst große Selbstständigkeit, sagt die Direktorin. Einschüchtern lassen sich die Pädagogen von den schlauen Jugendlichen nicht. «Es treiben uns die Schüler schon mal an die Grenze, weil sie ihre Fachgebiete haben. Wichtig ist, dass man ehrlich und offen damit umgeht und dass man sie mit ihrem Fachwissen mit einbezieht», macht Chemielehrerin Silke Freund deutlich. Dann mache die Arbeit viel Spaß, bestätigt der Deutsch- und Gemeinschaftskunde-Lehrer Thomas Schäfer. «Es war fast eine Offenbarung, hier in der Oberstufe anzufangen. Das ist Unterricht, wie man ihn sich wünscht.»

Es sei wichtig, die Schüler ernst zu nehmen, gerade weil viele bereits eine leidvolle Schulgeschichte hinter sich hätten, betont Freund. «Sie haben zum Teil einen Schutzmechanismus entwickelt und sich abgegrenzt.» Ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind, sei «das wichtigste, was wir hier leisten können».

460 Euro im Monat kosten Schulbesuch und Schlafplatz. Für Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien gibt es Hilfen. Die jüngsten Schüler sind noch nicht 10, wenn sie in Klasse 7 aufs Internat kommen. Doch nicht alle schreckt das. Im Gegenteil: «Ich hatte immer so „Hanni und Nanni“ ähnliche Bücher gelesen, über das Leben im Internat», erzählt Maximilian schmunzelnd. Auf die Frage, ob es denn in Schwäbisch Gmünd auch so sei, antwortet er blitzschnell: «Besser!» WENKE BÖHM, dpa

(26.3.2013)

Zum Bericht: „Eltern: Lehrer sind zu wenig auf hochbegabte Schüler eingestellt“

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