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Experten: Sprachförderung im Kindergarten bringt zu wenig

BERLIN. In diesen Wochen werden in Nordrhein-Westfalen alle Vierjährigen mit einem Test namens „Delfin 4“ auf ihre Sprachkompetenz hin untersucht. Doch: Laufen  solche Tests – und anschließende Sprachförderprogramme, wie sie mittlerweile in allen Bundesländern existieren – ins Leere? Eine Fachkonferenz in Berlin mit dem Titel „Integration durch Sprachbildung: Qualität durch Qualifizierung von Lehrern und Erziehern?“ legt die Vermutung nahe.

Sind die Sprachförderprogramme in den Kindergärten erfolgreich? Zweifel sind angebracht. Foto: Woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

Sind die Sprachförderprogramme in den Kindergärten erfolgreich? Zweifel sind angebracht. Foto: Woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

Sprachförderprogramme und zumeist auch Sprachstandserhebungen wurden als Reaktion auf die PISA-Studien bundesweit eingeführt. Ob die Maßnahmen wirken, wurde bislang nicht untersucht – so gilt in der Forschung als unklar, welche Effekte erreicht werden und welches Programm am wirkungsvollsten ist. Es gebe allenfalls Anhaltspunkte, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Und zwar solche, die auf wenig zielführende Aktivitäten hindeuten: Häufig sei die Förderung nicht erfolgreich, weil sie nicht rechtzeitig vor dem Schulanfang einsetze. Hinzu kämen problematische Rahmenbedingungen wie zu große Gruppen, eine zu laute Lernsituation, in der phonetische Feinheiten nicht wahrgenommen werden könnten, und zu wenig Kontinuität aufgrund von Stundenausfällen.

„Förderung ist eine Art Volkssport geworden“, sagte die Mannheimer Sprachforscherin Rosemary Tracy bei der Konferenz, die gemeinsam von der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Böhmer, der Stiftung Mercator und der Vodafone Stiftung Deutschland veranstaltet wurde. Trotzdem sei ein dramatischer Verlust an Sprachkompetenz bei Kindern festzustellen.

„Wir brauchen dringend eine Aus- und Weiterbildung, die Erziehern und Lehrern die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für den Umgang mit sprachlich heterogenen Klassen vermittelt. Außerdem werden Wissenschaftler benötigt, die Forschungslücken schließen und Erkenntnisse sammeln, die wiederum in die Ausbildung und den Kita- und Schulalltag einfließen“, meinte Prof. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Stiftung Mercator.

„Bei Bund und Ländern –  und den Stiftungen – steht das Thema Sprachförderung  seit vielen Jahren im Fokus. Vieles ist auf diesem Feld gut gemeint, aber noch nicht wirkungsvoll genug entwickelt, damit Sprache Kindern und Jugendlichen Teilhabe in unserem Land ermöglicht und Heimat vermittelt. Gemeinsam müssen wir nach Lösungen suchen, um benachteiligten Jugendlichen mehr Bildungschancen zu eröffnen“, ergänzte Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland.

„In den Schulen müssen die Lehrkräfte verstärkt auf Quereinsteiger vorbereitet werden, die über keine oder nur geringe Deutschkenntnisse verfügen. Für einen erfolgreichen Spracherwerb ist zudem die Mitwirkung der Eltern entscheidend: Notwendig ist eine Informationsoffensive, die Eltern darüber aufklärt, wie sie ihre Kinder unterstützen können“, betonte Staatsministerin Maria Böhmer, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Aus Kindertagesstätten und Schulen dringt vielfach der Wunsch der pädagogischen Fachkräfte, für die Aufgabe der Sprachbildung und -förderung besser gewappnet zu sein. So hat eine Umfrage des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ergeben, dass 70 Prozent aller Lehrer einen Sprachförderbedarf bei ihren Schülern erkennen. Gleichzeitig fühlen sich aber nicht einmal die Hälfte der Befragten ausreichend auf diese Aufgabe vorbereitet. News4teachers

(8.5.2013)

Zum Bericht: “Lehrer sind nicht auf Sprachförderung vorbereitet”

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