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Abi-Pleite an Privatschule bringt Spaenle unter Druck

MÜNCHEN. Wer ist schuld am Abi-Debakel von Schweinfurt? Ein kompletter Jahrgang ist dort durch das Fachabitur gefallen – und Lehrerverbände geben dem bayerischen Kultusministerium unter Ludwig Spanle (CSU) zumindest eine Teilschuld. Die Gewerkschaft GEW fordert die sofortige Schließung der Schule. Der Fall schlägt bundesweit Wellen.

Hat sein Ministerium bei der Kontrolle der Privatschule in Schweinfurt versagt? Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle steht unter Druck. Foto: Sigismund von Dobschütz /  Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Hat sein Ministerium bei der Kontrolle der Privatschule in Schweinfurt versagt? Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle steht unter Druck. Foto: Sigismund von Dobschütz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

An der privaten Fachoberschule, die erst 2011 gegründet worden war, sind alle 27 Schüler einer Klasse durch die zentrale Abiturprüfung gefallen. Der Schule sei es offensichtlich nicht gelungen, den Schülern die im Lehrplan vorgegebenen Inhalte angemessen zu vermitteln, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern, Gele Neubäcker. Deshalb müsse sie geschlossen werden. Auch die Schulaufsicht habe versagt. Das Kultusministerium hätte aus GEW-Sicht rechtzeitig tätig werden müssen, da auch private Schulen der Aufsicht des Staates unterlägen.

Der Chef des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, stieß ins gleiche Horn: Es sei gegenüber Schülern und Eltern nicht verantwortbar, eine private Fachoberschule zwei Jahre lang arbeiten zu lassen, um dann bei der Abschlussprüfung deren Komplettversagen festzustellen. An diesem «Missstand» sei das Kultusministerium nicht unschuldig. «Ist eine Schule erst einmal genehmigt, muss sie kaum noch Rechenschaft ablegen und ist weitgehend einer öffentlichen Kontrolle entzogen», sagte Meidinger. Der «katastrophale Leistungsstand» der Schüler sei auch ein Beleg für die fehlende Kompetenz der Lehrer dort, sagte Meidinger der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

«Herr Meidinger sollte sich intensiv und ausführlich über die Rechtslage der Privatschulen informieren», hielt ein Ministeriumssprecher in München dagegen. Die Schule sei vom zuständigen Ministerialbeauftragten während der vergangenen zwei Jahre intensiv mit Informationen, Ratschlägen und Hinweisen begleitet worden. «Mehr als Angebote kann man nicht machen.» Der Schule stehe ein erhebliches Maß an pädagogischer Freiheit zu. Das Ministerium sei jetzt im intensiven Gespräch mit der Schulleitung und dem Schulträger. Auch Gespräche mit den Eltern seien geplant.

In den drei Pflichtfächern Mathematik, Betriebswirtschaftslehre und Technik erreichte in der Abiturprüfung einem Bericht der „Augsburger Allgemeinen“ zufolge keiner der Schüler auch nur einen von 15 möglichen Punkten. Durchschnitt: 6. Die Fachoberschule in Schweinfurt gehört einem Privatschul-Betreiber, der auch einen Standort in Würzburg unterhält. Die Privatschulen, so ist es auf der Homepage im Internet zu lesen, böten eine „familiäre Atmosphäre und optimaler Betreuung in kleinen Klassen“ sowie „eine Lernumgebung, die von gegenseitigem Respekt geprägt“ sei.

Die „Augsburger Allgemeine“ bezweifelt das. Die Redaktion verfüge über Unterlagen, „die zumindest den Schluss nahe legen, dass es an den Schulen nicht so kollegial zugeht, wie es nach außen vertreten wird“, heißt es in dem Bericht. In diesen Unterlagen werde vor allem kritisiert, dass an den Schulen keine „pädagogische Freiheit gelte“ und der Fachbereichsleiter massiv in die Arbeit der Fachlehrer eingreife. Auch Abmahnungen seien dokumentiert, beispielsweise ein Fall von 2009: Damals soll ein Lehrer einem Schüler, der nach der Rückgabe einer Klassenarbeit fragte, geantwortet haben: Diese sei noch bei der Nachkorrektur. Offenbar mussten Lehrer sämtliche Klassenarbeiten dem Fachbereichsleiter zur Nachkorrektur vorlegen – doch darüber zu sprechen, soll ein Tabu gewesen sein. Der betroffene Lehrer habe jedenfalls ein Einschreiben bekommen, in dem ihm arbeitsrechtliche Schritte angedroht worden seien, weil er gegen die „arbeitsvertragliche Pflicht verstoßen habe, in Dienstangelegenheiten Stillschweigen zu bewahren“. Die Zeitung zitiert einen Insider, der namentlich nicht genannt werden möchte, mit der Aussage: Das Verhalten der Schulleitung sei „diktatorisch“. News4teachers

Zum Bericht: “Abi-Pleite: Ministerium überprüft Privatschule”

 

Ein Kommentar

  1. Wenn das auf einer staatlichen Schule passiert wäre. Ich möchte nicht Herrn Prechts Meinung hören.

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