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Altersermäßigung: Grün-rote Sparpläne bringen Verbände in Rage

STUTTGART. Lehrerverbände haben das Vorhaben der grün-roten Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kreschmann (Grüne), die Altersermäßigung für Lehrer zu streichen, scharf kritisiert. „Das negative Signal, das mit einer solchen Anordnung wieder an die Schulen des Landes hinausginge, wäre fatal“, warnte VBE- Landesvorsitzender Gerhard Brand und meint: „Wer einen Bildungsaufbruch will, darf die Akteure nicht ständig demotivieren.“ Auch von der GEW kam heftiger Protest.

Hat an der Schulpolitik derzeit wohl nicht viel Freude: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Grüne NRW / flickr (CC BY-SA 2.0)

Hat an der Schulpolitik derzeit wohl nicht viel Freude: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Grüne NRW / flickr (CC BY-SA 2.0)

Bisher arbeiten Lehrer in Baden-Württemberg ab dem 58. Lebensjahr eine Wochenstunde weniger, ab dem 60. Lebensjahr fallen zwei Stunden weg. Die grün-rote Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will die Regelung vom Schuljahr 2014/2015 an streichen. «Manche brauchen das nicht, andere wollen das nicht», sagte Regierungssprecher Rudi Hoogvliet. Er bezifferte das Kostenvolumen auf drei Millionen Euro pro Jahr. Ein Teil der Summe solle künftig für die Gesundheitsprävention von Lehrern aufgewendet werden.

Arbeitsmediziner hätten die Stresssituation für Pädagogen an der „Schulfront“ mit der eines Rennfahrers verglichen – „da waren die ein, zwei Stunden Altersermäßigung für Vollzeitlehrer ab 58 bzw. ab 60 Jahren ein Zeichen der Wertschätzung und eine in beinahe homöopathischer Dosierung verabreichte Entlastung, die ihre Signalwirkung trotzdem nicht verfehlte“, meint hingegen nun VBE-Chef Brand. Diese jetzt aus Haushaltsgründen streichen zu wollen, würde dem Engagement der grün-roten Landesregierung in der Bildungspolitik einen weiteren Dämpfer verpassen. „Wer die Schullandschaft von Grund auf umpflügen will, benötigt dazu motivierte Akteure und keine Mitarbeiter, die sich nicht mehr wertgeschätzt fühlen“, sagte Brand. „Nur wenn die Leistungsfähigkeit der Pädagogen erhalten bleibt, wird auch die Schule leistungsfähig sein. Wenn es den Lehrerinnen und Lehrern schlechter geht, kann es der Schule als Ganzes nicht besser gehen. Die Streichung der Altersermäßigung ist kontraproduktiv“, meinte er und sagte voraus: Die Maßnahme werde etliche Lehrer in Rage bringen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stößt ins gleiche Horn. „Wenn die Landesregierung so mit ihren konzeptlosen Kürzungen weiter macht, werden immer mehr der 120.000 Lehrerinnen und Lehrer frustriert, demotiviert und dienstunfähig. Selbst mit der CDU war es 2008 auf Initiative der GEW möglich, einen tragfähigen Kompromiss zur Altersermäßigung auszuhandeln. Grün-Rot will offenbar die Sparpolitik mit dem Rasenmäher fortsetzen und weiter vor allem auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte den Landeshaushalt sanieren. Zukunftsfähige Bildungspolitik sieht anders aus“, sagt die Landesvorsitzende Doro Moritz.

Die Studien zum Arbeits- und Gesundheitsschutz bei Lehrern zeigten, dass Präventionsmaßnahmen ab einem Alter von 53 Jahren nicht mehr griffen und Arbeitsgeber für Entlastung sorgen müssten, wenn sie verhindern wollten, dass die Zahl der Erkrankungen deutlich ansteige. „Die Landesregierung denkt kurzfristig, wenn sie hier kürzt und dafür mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen muss, um durch Krankheit bedingte Ausfälle zu ersetzen“, befindet Moritz. De facto seien die Streichpläne eine Arbeitszeiterhöhung für über 60-Jährige um acht Prozent. Die GEW-Chefin: „Wertschätzung sieht anders aus.“ News4teachers

 

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