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“Prekäre Bedingungen”: GEW macht gegen das Goethe-Institut mobil

DÜSSELDORF. Etwa 50 Beschäftigte sind dem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu einer Protestaktion vor dem Goethe-Institut Düsseldorf gefolgt. Mit Liedern, Transparenten und Flugblättern machten sie einer Mitteilung der GEW zufolge ihrem Ärger über prekäre Beschäftigungsbedingungen Luft.

Sie forderten den Vorstand des Goethe-Instituts dem Bericht zufolge auf, endlich mit der GEW über tarifvertragliche Regelungen für die Freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verhandeln. „Das Honorar entspricht nicht dem Gehaltsniveau akademisch ausgebildeter Fachkräfte. Das Goethe-Institut beteiligt sich nicht an den Kosten der Renten- und Krankenversicherung. Die Freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten kein Ausfallhonorar und keine verlässliche Perspektive auf Weiterbeschäftigung. Sie haben weder bezahlten Urlaub, noch gilt für sie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Das Goethe-Institut wälzt einen Großteil des Geschäftsrisikos auf sie ab“, sagte Andreas Gehrke, für Tarifpolitik verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied. Der Vorstand des Goethe-Instituts hat die Forderungen der Bildungsgewerkschaft bisher strikt abgelehnt. Die Bezahlung sei angemessen und die „Freien“ könnten selbst in ihre soziale Absicherung investieren, argumentieren die Arbeitgeber. Den größten Teil des Sprachunterrichts an den Goethe-Instituten geben Honorarlehrkräfte, die als Freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind.

Unter dem Motto „Wir sind Goethe! Gleiche Arbeit – gleiche Rechte für Freie MitarbeiterInnen“ ruft die GEW in den nächsten Wochen zu weiteren Aktionen an den Goethe-Instituten in Deutschland auf. „Wir werden nicht lockerlassen, bis der Vorstand bereit ist, mit uns über die Situation der Honorarlehrkräfte zu reden“, betonte Gehrke. Er begrüßte ausdrücklich, dass sich auch festangestellte Mitarbeiter des Goethe-Instituts an den Aktionen beteiligen. Auch deren Arbeitsbedingungen litten darunter, dass die prekäre Beschäftigung wachse. Die Bildungsgewerkschaft stellte fest, dass prekäre Beschäftigungsverhältnisse – wie in der gesamten Weiterbildungsbranche – auch am renommierten Goethe-Institut überhandnähmen.

Das Goethe-Institut unterhält neben den zahlreichen Auslandsinstituten auch 13 Einrichtungen in Deutschland, die vor allem Kurse für Deutsch als Fremdsprache anbieten. In diesem Bereich werden überwiegend Honorarlehrkräfte beschäftigt.

Diese erhalten der GEW zufolge ein Stundenhonorar zwischen 26,60 Euro und 32,80 Euro. Davon müssten sie sämtliche Sozialversicherungsbeiträge selbst entrichten. Obwohl sie die gleiche Arbeit leisteten wie festangestellte Lehrkräfte, hätten sie ein deutlich geringeres Einkommen. Viele seien seit Jahren überwiegend oder ausschließlich für das Goethe-Institut tätig, hieß es.

 

2 Kommentare

  1. Ein Stundenhonorar von 26 bis 32 Euro ist heutzutage bei Sprachkursträgern schon ganz gut. (Womit ich nicht sagen will, dass das reicht, zumal wenn man sich mit Lehrern im Schuldienst vergleicht, wobei wiederum ja viele Sprachkurslehrer gar keine Lehrerausbildung haben.) Viele Kursträger, das wollte ich sagen, bezahlen weitaus weniger. Bis 10 Euro pro Stunde habe ich schon gehört. Das ist dann wirklich moderne Sklaverei.

    • Wir sind Goethe

      Es geht hier hauptsächlich darum, dass an GI mit einem Minimum an verbliebenen Festen und sehr vielen Freien gearbeitet wird, die die gleiche Arbeit wie ihre festen Kolleginnen und Kollegen machen und keinesfalls schlechter ausgebildet sind! Es ist ja nicht nur so, dass die Freien viel weniger Geld insgesamt bekommen, dass sie im Krankheitsfall ohne Einkünfte dastehen, dass keine Urlaubstage bezahlt werden, dass es keinerlei Absicherung bei Auftragsausfall (Arbeitslosigkeit) gibt usw. – es kommt ja noch hinzu, dass es keine geschützen Vertretungsorgane gibt. Die Freien Mitarbeiter übernehmen 80% der Lehrtätigkeiten, aber in der Goethe-Kommunikation sind sie unsichtbar (Mitarbeiterbefragung/Intranet). Hinzu kommt, dass mit Monatsverträgen (!!!) kaum eine vernünftige Lebensplanung möglich ist.

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