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Primusschule und Islamunterricht – so startet NRW ins Schuljahr

DÜSSELDORF. Lehrer und Schüler in NRW können auch nach den Ferien entspannt bleiben: Zum neuen Schuljahr drohen in diesem Jahr mal keine fundamentalen Reformen. Dafür gibt es einen interessanten Versuch: Schule ohne Abschied nach Klasse 4.

Nordrhein-Westfalen erprobt eine neue Form der Gemeinschaftsschule: Zum kommenden Schuljahr wird es im ostwestfälischen Minden eine «Primusschule» geben, die Kinder nach der Grundschule nicht trennt, sondern alle von der ersten bis zur zehnten Klasse miteinander lernen lässt.

Im Vergleich zu früheren Jahren können die rund 200 000 Lehrer des Landes aber aufatmen: Große Reformen stehen nicht an. Stattdessen gibt es kleinere Fortschritte: Der vor einem Jahr zunächst nur an Grundschulen eingeführte islamische Religionsunterricht wird nun auch an weiterführenden Schulen angeboten. NRW war mit diesem bekenntnisorientierten Unterricht als bundesweiter Vorreiter am Start.

Reagiert auf Kritik des Landesrechnungshofs: Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Foto: Bündnis 90/Die Grünen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

In NRW gibt es rund 340 000 Schüler muslimischer Konfession. Bislang wurden etwa 2000 Schüler an 33 Grundschulen von 29 Lehrkräften in islamischer Religion unterwiesen. Inzwischen haben nach Angaben des Schulministeriums aber schon rund 100 Islam-Lehrer in NRW eine Lehrerlaubnis.

Bei Lehrbüchern und Lehrplänen hapert es noch. Offizielle Lehrpläne für die Sekundarstufe wird es erst 2014 geben, und dann können auch erst die Schulbücher genehmigt werden – aus Sicht des Ministeriums ein ganz übliches Verfahren bei der Einführung eines neuen Fachs. Zwischenzeitlich können sich die Lehrer an den Plänen und Unterrichtsmaterialien aus dem 1999 aufgesetzten Schulversuch «Islamkunde» orientieren und eigene Materialien nutzen.

Zum neuen Schuljahr gehen außerdem 42 neue Sekundarschulen und 30 neue Gesamtschulen an den Start. Damit steigt die Zahl der vor einem Jahr eingeführten schulformübergreifenden Sekundarschulen auf 84, die Zahl der Gesamtschulen auf 282. Die rot-grüne Landesregierung will gemeinsames Lernen weiter fördern und die Bildungswege aller Kinder möglichst lange offen halten.

Für die meisten der 2,6 Millionen Schüler in NRW beginnt die Schule nach den Sommerferien wieder am 4. September. Die «i-Dötzchen» haben ihren ersten Schultag, wie üblich, einen Tag später. Die rund 3000 Grundschulen erwarten 151 000 ABC-Schützen – etwa so viele wie im Vorjahr.

Mulmig wird es so manchem Sitzenbleiber sein. Hier sind Lehrer wie Mitschüler gefragt, es den Betroffenen möglichst leicht zu machen. Bemerkungen über «Ehrenrunden» seien überflüssig, mahnt der Vorsitzende der Schulpsychologen im deutschen Berufsverband der Branche, Stefan Drewes. «Der Schüler sollte neutral als Neuer in der Klasse begrüßt werden und willkommen sein», sagte er. Keinesfalls dürften Pädagogen davon ausgehen, dass der Wiederholer ja alles schon kenne, sondern müssten sorgfältig die Lücken identifizieren. «Im Grunde muss der Lehrer jetzt noch genauer hinschauen.» Etwa zwei Prozent aller Schüler in NRW bleiben sitzen.

Viel getan hat sich an den Schulen des Landes beim Einsatz neuer Medien: Smartphone, iPod und Computer gehören für die meisten Kinder und Jugendliche in Nordrhein-Westfalen längst zum Alltag. Im neuen Schuljahr sollen Fünft- und Sechstklässler den sicheren und verantwortungsbewussten Umgang mit den neuen Medien auch im Unterricht lernen. Der «Medienpass NRW» – eine Initiative der Landesregierung und der Medienberatung NRW – zeigt Lehrern, wie sie digitale Medien, unabhängig vom Unterrichtsfach, in den Lehrplan integrieren können. An 1115 Grundschulen wird er bereits eingesetzt.

Allerdings sind die Rahmenbedingungen für eine regelmäßige Computernutzung nicht an allen Schulen gegeben. Laut einer Studie der Landesanstalt für Medien (LfM) haben zwar fast alle Lehrkräfte in NRW im Prinzip Zugang zu einem Computerraum – aber nur nach Absprache. Bettina Grönewald/dpa

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