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Mordverdächtiger Lehrer nun auch unter Missbrauchsverdacht – Schule holt Hilfe

DÜSSELDORF. Christian Pfeiffer ist nicht irgendwer: Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen war von der Katholischen Kirche beauftragt worden, Missbrauchsfälle in ihren Bildungs- und Erziehungseinrichtungen zu untersuchen – und bekam den Auftrag entzogen, als er sich bei der Veröffentlichung seiner Ergebnisse nicht dem Reglement der Bischöfe unterwerfen wollte. Jetzt hat ihn ein Gymnasium in niederrheinischen Städtchen Willich engagiert: Der Professor soll helfen, einen möglichen Missbrauchsskandal aufzuarbeiten.

Berät die Schule in Willich: Prof. Christian Pfeiffer. Foto: Bischöfliche Pressestelle Hildesheim (bph) / Wikimedia Commons

Berät die Schule in Willich: Prof. Christian Pfeiffer. Foto: Bischöfliche Pressestelle Hildesheim (bph) / Wikimedia Commons

Der Fall ist spektakulär. Ein Sportlehrer der Schule sitzt derzeit unter dem Verdacht in Untersuchungshaft, seinen Cousin auf offener Straße erschlagen zu haben. Bei den Ermittlungen untersuchte die Polizei auch den Computer des 28-jährigen Pädagogen, der seit fünf Jahren an der Schule beschäftigt ist, und stieß dabei auf Fotos von leicht bekleideten und nackten minderjährigen Mädchen, die Schülerinnen des Gymnasiums zugeordnet werden konnten. Auch ein Video aus einer Mädchenumkleidekabine wurde entdeckt, das offenbar mit einer Handykamera gefilmt worden war – in der Sporthalle der Schule. Spekuliert wird nun in der örtlichen Presse darüber, ob darin das Motiv für das Tötungsdelikt liegt. Wusste der Cousin von dem Material?

Wie sich dann herausstellte, so berichtet die „Neuss-Grevenbroicher Zeitung“ (NGZ), hatte es seit 2011 vier verdächtige Vorfälle gegeben, die mit dem 28-jährigen Sportlehrer in Verbindung stehen – ohne dass es Konsequenzen gegeben hätte.„Der Fehler war, diese vier Geschichten nicht an einer Stelle zu bündeln”, sagte Pfeiffer nun, nachdem er sich mehrere Tage lang an der Schule informiert hatte. Der Schulträger, der Malteser-Orden, hat den Fachmann engagiert, um künftig besser gegen solche Fälle gewappnet zu sein. Bei einem Informationsabend für Lehrer und Eltern präsentierte Pfeiffer erste Erkenntnisse. Wesentliche Punkte, so die NGZ: eine bessere Kommunikationskultur, besonders geschulte Lehrer sowie eine effektivere Aufklärung für Schüler und Eltern.

Pfeiffer zeigte sich dem Blatt zufolge sicher: Wäre bereits der erste Fall – das Gerücht, der Lehrer habe ein Verhältnis mit einer Schülerin – der Schulleitung bekannt gewesen, hatte sie schärfer reagiert, als einige Monate später Eltern mit Facebook-Eintrag zu ihr kamen. Ihre Tochter hatte eine anonyme Einladung zu einer Trainingseinheit erhalten und ordnete diese ihrem Sportlehrer zu. Die Schulleitung schaltete zwar die Polizei ein. Die überprüfte den Facebook-Account, der gelöscht war. Die Sache verlief aber im Sande. Ebenso Fall drei und vier, die ähnlich gelagert waren. „Es wäre sinnvoll gewesen, wenn die Schülerin auf die Einladung eingegangen wäre und so in Polizeibegleitung den Täter überführt hätte”, sagte Pfeiffer laut Bericht. „Aber leider war die Polizei zu duselig, um auf die Idee zu kommen.” Dabei sei es wichtig, die Täter aus der Anonymität des Netzes herauszuholen und zu enttarnen. „Das ist der beste Beitrag zur Prävention: Das Risiko, enttarnt zu werden, muss zu groß sein.”

Obwohl lange Zeit nichts geschah, lobte der Professor das Gymnsium für seine Bereitschaft, sich in dem offenkundigen Missbrauchsfall externe Hilfe zu holen – und dann auch zu handeln. “Es sind Fehler gemacht worden, aber daraus will die Schule lernen”, sagte Pfeiffer. So soll eine Präventionsbeauftragte eingestellt werden, die Vertrauenslehrer speziell für die Themen Missbrauch, Sexting (die Aufforderung, erotische Fotos zu verschicken) und Cybermobbing ausbildet. Pfeiffer: Das Thema Missbrauch durch Lehrer so offensiv anzugehen, sei selten in deutschen Schulen. News4teachers

Hat der Sportlehrer Schülerinnen missbraucht?. Foto: Jacek NL / Flickr (CC BY – NC 2.0)

Hat der Sportlehrer Schülerinnen missbraucht?. Foto: Jacek NL / Flickr (CC BY – NC 2.0)

 

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