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Streit um Lehrerbildung: Wende bleibt hart – Grüne wollen Änderungen

KIEL. Konfrontation oder Kompromiss? Das Tauziehen um die künftige Lehrerausbildung geht weiter. Mit Rückendeckung des Regierungschefs hält die Bildungsministerin an ihrem Kurs fest. Die Grünen sehen Änderungsbedarf und die FDP kommt mit einem eigenen Gesetzentwurf.

Gehörig unter Druck: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende. (Foto: Steffen Voss/Bildungsministerium Schleswig Holstein)

Gehörig unter Druck: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende. (Foto: Steffen Voss/Bildungsministerium Schleswig Holstein)

Im Streit um die Lehrerbildung in Schleswig-Holstein droht nun auch Ungemach in der Koalition. Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) will gegen alle Kritik an ihren Reformplänen festhalten. Dies bekräftigte die Ressortchefin, nachdem Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ihr am Vortag erneut Rückendeckung gegeben hatte. Dafür machten die Grünen Änderungsbedarf geltend. Die Landesvorsitzende Ruth Kastner verlangte auch verlässliche Kostenangaben zum geplanten Ausbau der Universität Flensburg. Diese liegt mit der Kieler Uni – sie befürchtet einen Substanzverlust – weiter heftig im Clinch. Unterdessen brachte die oppositionelle FDP einen eigenen Gesetzentwurf ein.

Wende erklärte, sie werde das geplante Treffen im Ministerium mit beiden Uni-Präsidien leiten. Sie wolle an der geplanten Reform zum Sekundarlehrer, der an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen von der Klasse 5 bis 13 unterrichten kann, festhalten. Ein Alternativmodell der Universität Kiel, in Flensburg neben dem Sekundarlehrer auch noch wie bisher Lehrer für den Sekundarbereich I (Klasse 5 bis 10) auszubilden, lehnte sie ab: «Alle Lehrerinnen und Lehrer müssen so ausgebildet sein, dass sie Schülerinnen und Schüler zum Abitur führen können.»

Für die Grünen wünschte Landeschefin Kastner dagegen eine Ausbildung zum Sekundarlehrer I in allen Fächern. Der Vorschlag der Kieler Uni sei interessant. Hier müsse eine Änderung an den Reformplänen möglich sein. Auf die Frage nach einem Koalitionskonflikt sagte Kastner, es würden Gespräche geführt. «Dann wird es zu einer Einigung kommen, da bin ich ziemlich sicher.» Der Regierungsentwurf sei nun im Landtag; die Fraktionen hätten Mitspracherecht. Wie groß das Risiko sei, dass Wende und Albig am Ende beschädigt dastehen könnten? «Abwarten.»

Ihre von Opposition und Uni Kiel angezweifelte Kostenberechnung für den Ausbau in Flensburg nannte Wende seriös. Das Ministerium rechnet mit Personal-Mehrkosten um 1,3 Millionen Euro pro Jahr und einmaligen Investitionen von 1,2 Millionen, die Uni Kiel sieht dagegen einen Bedarf von bis zu 65 Millionen Euro für den Ausbau in Flensburg.

Zu den Befürchtungen der Kieler Uni (CAU), Flensburg könne nur durch Umschichtungen zu ihren Lasten ausgebaut werden, sagte Wende: «Nie stand zur Debatte, dass die Universität Kiel irgendetwas abgeben müsste, weniger Geld bekäme oder sonst eine Bedrohung auszuhalten hätte. Weder Institute noch Professuren werden verlagert. Die CAU ist eine exzellente Universität, die international anerkannt ist. Sie muss und soll ihre Bedeutung behalten.» Die CDU fordert mit einem Antrag an den Landtag, die geplanten Doppelstrukturen für die Sekundarstufe II-Ausbildung abzulehnen. «Dieser fatale Irrweg muss gestoppt werden», sagte Hochschulexperte Daniel Günther. Flensburg solle Lehrer für Grundschulen und für die Sekundarstufe I ausbilden und Kiel die Gymnasiallehrer.

Die FDP legte einen eigenen Gesetzentwurf vor. «Wir brauchen dringend einen Neustart, nachdem die Landesregierung mit ihren Plänen Schiffbruch erlitten hat», sagte Fraktionsvize Christopher Vogt. Die FDP wolle teure Doppelstrukturen vermeiden und die Studiengänge strikt an den Schularten orientieren. Vogt warnte die Koalition davor, die Reform noch vor der Sommerpause durchzuziehen: «Wer jetzt an dem von der Ministerin vorgegebenen Zeitplan festhält und den unausgegorenen Gesetzentwurf durchs Parlament prügelt, versündigt sich am Hochschulstandort Schleswig-Holstein». Die FDP will auch vom Bachelor-System zum Staatsexamen zurückkehren. «Dieser Studienabschluss ermöglicht ein Studium aus einem Guss», sagte Vogt. An den Ausbildungsorten will die FDP nichts ändern.

Der andauernde Streit rief auch den DGB Nord auf den Plan. In einem offenen Brief an den Kieler Uni-Präsidenten Gerhard Fouquet forderte der Landesvorsitzende Uwe Polkaehn alle Beteiligten zur Deeskalation auf: Das Gebot der Stunde seien Kooperation und Konsenssuche. «Statt Kriegsrhetorik und Lokalpatriotismus brauchen wir mehr Diplomatie und Kompromissfähigkeit», sagte auch der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn. dpa

Zum Bericht: Lehrerausbildungsstreit: Kieler Uni-Präsident droht Flensburg mit „schmutziger Kampagne“

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