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Prügelnder Drittklässler verletzte Grundschullehrerin – Behörden schwiegen

CLAUSTHAL-ZELLERFELD. Ein Grundschüler aus dem Harz soll eine Lehrerin an einer Grundschule im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld (Kreis Goslar) tätlich angegriffen und dabei verletzt haben. Die Pädagogin sei im Krankenhaus ambulant behandelt worden und dann mehrere Tage dienstunfähig gewesen, sagte eine Sprecherin der niedersächsischen Landeschulbehörde in Lüneburg. Details zu der Attacke wollte sie mit Hinweis auf die «laufenden Ermittlungen» gegen den Drittklässler und den Datenschutz nicht nennen.

Die «Goslarsche Zeitung» hatte berichtet, die Lehrerin sei von dem Neunjährigen angegriffen worden, als sie sich schützend vor einen anderen Schüler gestellt hatte, der das eigentliche Ziel des Angreifers war. Von vergleichbaren Attacken von Schülern auf Lehrkräfte in Niedersachsen sei ihr nichts bekannt, sagte die Sprecherin der Landesschulbehörde. »Das ist ein absoluter Einzelfall.»

Der Angriff auf die Grundschullehrerin hatte sich am 12. Mai ereignet. Die Behörden hatten darüber nicht berichtet. Die Polizei ermittele seither wegen Körperverletzung, sagte ein Sprecher in Goslar. Der Fall sei inzwischen an die Staatsanwaltschaft in Braunschweig abgegeben worden. Dort war die Akte nach Angaben einer Sprecherin am Montag noch nicht eingegangen. Die Schule hat gegen den Jungen disziplinarische Maßnahmen ergriffen. «Es wurde eine Regelung gefunden, die allen gerecht wird», sagte die Sprecherin der Landesschulbehörde. Der Neunjährige soll bereits früher wiederholt aufgefallen sein. dpa

9 Kommentare

  1. Es ist nicht der erste Fall! In meinem Bekanntenkreis ist eine GS-Lehrerin (NRW) von einem Schüler in den Bauch geboxt worden. Da der Vorfall bereits einige Jahre zurückliegt, kann ich nicht sagen, ob die Lehrkraft danach Dienstunfähig war oder nicht.
    Es wirft auf jeden Fall ein fürchterliches Licht auf die Erziehung von Kindern. Respekt und Gehorsam sind absolute Fremdworte geworden. Respekt vor älteren Personen, Lehrern wie Fremden, fehlanzeige. Gehorsam in der Schule, bloß nicht, schränkt ja die Entwicklung des Kindes ein. Ein Kind soll nicht zu blindem Gehorsam erzogen werden, doch etwas an Gehorsam gegenüber Lehrern wäre durchaus angebracht.
    Die Eltern reden den Vorfall bestimmt klein, weil ihr Nachwuchs ja ach so lieb ist. Ich beneide keine Lehrkraft an den allgemeinbildenden Schulen, die sich mit solchen „blinden“ Eltern herumschlagen müssen.

  2. Gott sei Dank sind solche Kinder noch immer die Ausnahme. Insgesamt hat zwar der Respekt gegenüber den Erwachsenen bei vielen Kindern nachgelassen, aber wirklich tätliche Angriffe in dem Alter sind (noch) die Seltenheit. Inwieweit die handgreifliche Aggression im Jugendalter gegenüber Lehrern und Lehrerinnen zugenomen hat, vermag ich nicht zu sagen. Aber in der Regel sind die Kinder im Grundschulalter, sobald ein/e Erwachsene/r dazwischen geht, zwar noch zornig, aber nicht mehr unbedingt handgreiflich aggressiv.
    Es gibt Ausnahmen. So, wie es auch unter Erwachsenen zu Jähzorn neigende Menschen gibt, gibt es diese auch unter den Kindern. Und wenn dann so ein Kind so richtig in Wutrausch ist, kann es sich oft nicht unbedingt bremsen und schlägt auch schon einmal ohne Sinn und Verstand zu.
    Das soll jetzt wahrhaftig keine Entschuldigung für das Verhalten des oben beschriebenen Grundschülers sein. Wenn eine Lehrperson nach einer solchen Attacke mehrere Tage dienstunfähig gewesen ist, dann muss das schon mehr als nur eine Jähzorn-Aktion gewesen sein. Ich wollte nur diese Verallgemeinerung von Biene etwas zurecht rücken.
    Nicht für jedes Kind gilt: „Respekt und Gehorsam sind absolute Fremdworte geworden.“ Es gibt immer noch genügend Eltern, die auch darauf Wert legen. Allerdings ist eine solche Erziehung mit Energie verbunden, die viele Eltern entweder nicht mehr aufbringen wollen (ohne an die späteren Konsequenzuen zu denken) oder nicht mehr aufbringen können, da ihr Leben so mit anderen Problemen belastet ist (Arbeit, Geldsorgen etc.), dass für die Kindererziehung einfach nicht mehr genügend da ist.
    Außerdem glaube ich, dass es solche Kinder immer schon gegeben hat – nur dass sie medial nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen haben.
    Denn wie sagte Sokrates schon vor knapp 2500 Jahren? „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

    • Ich stimme Ihnen zu, dass nicht alle Kinder Probleme mit Respekt haben. Jedoch habe ich auf Grund von Beobachtungen fest gestellt, dass einige (zu meist wenn sie in Gruppen unterwegs sind) es an Respekt fehlen lassen. Auch die betroffene Bekannte von mir hat festgestellt, dass es vorallem an Respekt mangelt.
      Ich gebe Ihnen auch recht, dass nicht alle Eltern diesen Wert und andere Werte in der Erziehung der Kinder vermissen lassen.
      Es gibt aber auch SuS, die sich in ihrer Schullaufbahn fragen, ob sie genauso schlimm waren, wie die jetztige Generation Schüler (oftmals sind da auch nur 2-3 Schuljahre zwischen den Schülern).
      Auch Ihrem Zitat von Sokrates kann ich zustimmen.
      Ich bedanke mich bei Ihnen für die Richtigstellung meines Kommentars.
      Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass ein gewisser Anteil an Kindern nicht gelernt haben mit ihren Aggressionen umzugehen und diese Schüler sind für uns Lehrer durchaus ein Problem.

  3. Daniel Nordmann

    Daher kann ich jedem Lehrer empfehlen, mal in die Kurse der Schemapädagogik zu gehen. Da lernt man es einfach, wie man Kindern beibringt mit ihren Aggressionen fertigzuwerden.

    • Ich muss es mal so ganz deutlich sagen: Es ist nicht mein Job als Lehrer, Kindern beizubringen, mit ihren Aggressionen fertig zu werden.

      • Daniel Nordmann

        Es ist auch nicht der Job eines 9-jährigen Grundschullehrerinnen und Mitschüler mit dem Messer anzugreifen….
        Wenn wir nicht die ganzen Aggros abbekommen wollen und nachher mit Burnout irgendwo rumliegen wollen, müssen wir ja was tun.

    • Auf die Schnelle lernen, „wie man Kindern beibringt mit ihren Aggressionen fertigzuwerden“? Dass ich nicht lache, werter Herr Nordmann! Das, woran sogar Psychologen häufig scheitern, sollen Lehrer mal eben in einem Kurs der Schemapädagogik lernen. Solch einfachen Rezepte ärgern mich immer wieder, weil sie mehr schaden als nützen.

      • Daniel Nordmann

        Stimmt, ich habe hier wohl etwas zu euphorisch behauptet, dass man schwupp di wupp etwas beibringen kann. Stimmt, einfache Rezepte sind nicht dafür geeignet.
        Mit „schnell beibringen“ meine ich auch nicht, dass man von heute auf morgen etwas beibringt und alle Probleme sind gelöst. Und die Psychologen scheitern eher daran, dass wirklich „kranke“ Menschen geheilt werden.
        Nur wissen wir alle, dass ein 9-jähriger Junge noch nicht fertig ist in seiner Entwicklung.
        Und einfach etwas zu verurteilen, was man nicht kennt, ist ja auch nicht der richtige Weg.
        Schemapädagogik ist ein Konzept, dass sich bereits bewährt hat, das nicht einfach ist (weil dann würde es ja reichen, eben ein Buch zu lesen) und dass auf den Erkenntnissen der Psychologie und der Pädagogik beruht. Es geht darum, erkennen zu lernen, was die Kinder dazu bewegt, so zu handeln, wie der 9-jährige und gibt den Lehrern auf den Weg, wie man eben so ein Kind darauf ansprechen kann.
        Also, keine einfache Lösung und mal eben so. Das habe ich in meinem Kommentar leider falsch rübergebracht. Allerdings sieht man ja am Vorredner („Es ist nicht meine Aufgabe als Lehrer, den Kinden das beizubringen…“) wozu es führt, wenn Lehrkräfte einfach meinen, die Bedürfnisse von Kindern einfach aussen vor zu lassen. Dann hat man halt einen neunjährigen, der als „eiskalter Killer“ eben die Lehrerin absticht. Glauben Sie wirklich, dass ein 9-jähriger nicht das wiederspiegelt, was in seinem sozialen Umfeld stattfindet? Das ist hier nicht nur der Lehrer und nur der 9-jährige. Das ist das Ergebnis von ganz vielen roten Knöpfen. Und wenn Lehrer sich weigern, zu glauben, dass sie selber aus Versehen in Beziehungsfallen rennen und evtl. noch dazu weiter triggern, dann dürfen wir uns über solche Nachrichten hier nicht wundern. Weil nur „Fach“ beibringen und nen Lehrplan runterbeten…dann weiß ich ja, wo meine ganzen Klienten herkommen….

  4. hilarus@t-online.de

    „Die Polizei ermittele seither wegen Körperverletzung, sagte ein Sprecher in Goslar.“

    Soso, tut die Polizei das? Dann ist sie aber über die Rechtslage nicht im Bilde, denn dies ist „vergebliche Liebesmühe“. Sobald die Ermittlungsbehörde davon Kenntnis erlangt, daß es sich bei dem (mutmaßlichen) Täter um einen Strafunmündigen gem. § 19 StGB handelt, hat sie sofort und ohne Wenn und Aber die Ermittlungsakte zu schließen, weil ein sog. Prozesshindernis vorliegt.
    Außer die Tat als solche und das Alter des Täters festzustellen, hat die Polizei da gar nichs zu „ermitteln“.

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