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Nordrhein-westfälische Lehrervertreter kritisieren Landeshaushalt 2015

DORTMUND/DÜSSELDORF. Auch im Landeshaushalt 2015 lässt nach Angaben des Verbands lehrer nrw die Landesregierung die Bereitschaft vermissen, den Schulen und Lehrkräften für die gegenwärtigen Herausforderungen die nötigen Ressourcen an die Hand zu geben. Auch der nordrhein-westfälische Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, fordert: „Die Qualität an den Schulen darf nicht vom Gutdünken des Finanzministers abhängig sein.“ Vor dem Hintergrund der Anhörung im Unterausschuss Personal im Landtag drängt der VBE deswegen darauf, die entsprechenden Finanzmittel im Landeshaushalt zu erhöhen.

„Wer kein Kind zurücklassen will, muss optimale Bedingungen schaffen. Davon sind wir im Vergleich zu anderen Bundesländern meilenweit entfernt“, so Beckmann. Vor allem die Inklusion benötige nicht weniger, sondern mehr Personal: „Wir brauchen kleinere Klassen und eine Doppelbesetzung in jeder inklusiv unterrichteten Klasse. Durch die rückläufigen Schülerzahlen und die damit verbundenen Demografiegewinne können die Lehrkräfte an diesen Stellen eingesetzt werden. Allein für die Umsetzung der Inklusion an Regelschulen gibt es einen Mehrbedarf von 7000 bis 10.000 Lehrerstellen.“

Auch aus Sicht des Verbands lehrer nrw sei der Inklusionsprozess dramatisch unterfinanziert. „Die Landesregierung preist ihr Inklusions-Konzept in Sonntagsreden gern als Meilenstein, doch in der praktischen Umsetzung lässt sie die Schulen im Regen stehen“, so Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw. „Tatsächlich wird Inklusion als Sparprogramm umgesetzt, zum Beispiel dadurch, dass Förderbedarf im Bereich Lernen/Emotionale und soziale Entwicklung faktisch nicht mehr diagnostiziert wird. Denn wo kein Förderbedarf festgestellt wird, muss auch nicht teuer gefördert werden.“ Auch bei der personellen Besetzung der Inklusionsklassen stehle sich die Landesregierung aus der Verantwortung. In Inklusionsklassen sei aus Sicht von lehrer nrw zwingend eine Doppelbesetzung aus Fachlehrern und Sonderpädagogen erforderlich.

Daneben sei die Schaffung von fachlich breit aufgestellten Teams aus Schulpsychologen, Schulsozialarbeitern und Integrationshelfern an allen Schulen, die mit der Umsetzung von Inklusion bereits begonnen haben, ebenso notwendig wie eine umfassende Fortbildung aller Lehrkräfte. Die Landesregierung betreibe gerade eine komplette Umwandlung der Schullandschaft (Schließungen von Förderschulen, Haupt- und Realschulen) inklusive einer völlig neuen Lernkultur (längeres gemeinsames Lernen). Parallel sollten die Schulen auch noch den Inklusionsprozess und die Integration von Flüchtlingskindern bewältigen. Balbachs Fazit: „Rot-Grün lässt die Lehrkräfte allein. Dieser Haushalt beweist das.“

Vor dem Hintergrund der steigenden Flüchtlingszahlen fordert der Vorsitzende des VBE, Udo Beckmann, die Sicherstellung des Bedarfs an Lehrkräften für die Beschulung von Flüchtlingskindern. „Die Kapazitäten der vorhandenen Auffangklassen sind bereits ausgereizt, aber täglich steigt der Bedarf an zusätzlichen Plätzen. Die betroffenen Schulen brauchen dringend Unterstützung – und zwar durch weitere Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel mit Deutsch als Zweitsprache, aber auch durch Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter und Dolmetscher. Allein können sie die Hilfe, die die teils stark traumatisierten Kinder brauchen, nicht gewährleisten.“

Auch dem Schulleitermangel müsse die Landesregierung endlich entschieden entgegentreten, fordert Beckmann: „Vor allem im Grundschulbereich gibt es zu wenig Bewerbungen – und das nicht, weil es nicht genügend interessierte und fähige Bewerberinnen und Bewerber gibt. Gut qualifizierte Lehrkräfte wissen jedoch: Die Bezahlung und die Leitungszeit werden weder der Aufgabenfülle noch der Verantwortung gerecht.“ Der VBE erwartet daher von der Landesregierung, dass sie eine höhere Attraktivität schafft: Dazu gehöre vor allem eine Anhebung der Besoldung: „Konrektoren sollten mindestens nach A13, Rektoren nach A14 bezahlt werden. Das bedeutet nach unseren Berechnungen abzüglich der Ersparnis durch Schulschließungen zwar eine Mehrausgabe von 9,9 Millionen Euro jährlich. Gemessen am Gesamthaushalt macht das jedoch nur 0,9 Promille aus. Soviel sollte dem Land eine funktionierende Schule wert sein.“

Zudem zeige sich laut lehrer nrw einmal mehr ein gravierendes Ungleichgewicht zwischen neuen und bestehenden Schulformen. So werde zum Beispiel im Realschul-Bereich die Zahl der Beförderungsstellen nach A13 drastisch reduziert. „Der Arbeitsplatz Realschule muss attraktiv bleiben. Die Arbeit, auch an auslaufenden Schulen, muss bis zum letzten Tag auf hohem Qualitätsniveau weiterlaufen. Dazu gehören eben auch fiskalische Anreize“, sagt lehrer nrw-Vorsitzende Brigitte Balbach. „Es kann nicht sein, dass Schulen des gegliederten Schulsystems systematisch benachteiligt werden.“

Titelbild: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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