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Studie: Jeder siebte ohne Berufsabschluss – „Regierung verfehlt eigene Ziele“

BERLIN. Ehrgeizige Bildungsziele hatten sich Bund und Länder gesteckt – ein renommierter Bildungsforscher sagt nun: Erreicht werden zentrale Vorhaben nicht.

Rund jeder siebte junge Erwachsene in Deutschland ist ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Exakt waren es nach den jüngsten Zahlen 13,8 Prozent im Jahr 2013, wie eine neue Erhebung des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigt. Klemm wirft Bund und Ländern in der Studie vor, vor sieben Jahren selbst gesteckte Bildungsziele teils deutlich zu verfehlen.

Die DGB-Vizechefin Elke Hannack sagte, bei der Bildung sei Deutschland sozial gespalten. Sie forderte einen neuen Bildungsgipfel. Die Regierung stellte die Erfolge heraus. In vielen Bildungsbereichen gebe es Fortschritte, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Nicht absehbar ist laut Klemm die geplante Halbierung der Quote der Schulabgänger ohne Abschluss von damals 8 auf 4 Prozent bis 2015. Sie lag zuletzt bei 5,7 Prozent. Auch die Halbierung der Quote junger Erwachsener (20- bis 29-Jährige) ohne Ausbildung auf 8,5 Prozent sei nicht in Sicht.

Beim Ausbau der Krippenplätze für unter Dreijährige lag Deutschland laut der Studie mit 32,3 Prozent 2013/14 unterhalb der anvisierten 35-Prozent-Marke. Westdeutsche Länder liegen mit 27,4 Prozent deutlich darunter. Mit der Weiterbildungsquote von 49 Prozent wurde das Ziel von 50 Prozent hingegen bereits 2012 fast erreicht. Abgehängt bei der Beteiligung an Weiterbildungen seien aber ausgerechnet Arbeitslose, Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sowie Menschen mit Migrationshintergrund.

Das Ziel, die Quote der Studienanfänger auf 40 Prozent zu erhöhen, wurde laut der Erhebung mit zuletzt 57,5 Prozent sogar weit übertroffen. Dem für 2015 gesetzten Ziel der Steigerung der öffentlich und privat getragenen Bildungs- und Forschungsausgaben auf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sei Deutschland 2012 mit 9 Prozent noch nicht nahe genug gekommen. Deutschland liege hier unter internationalem Durchschnitt. Neuere Gesamtzahlen gebe es nicht.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) pochte darauf, dass der Bildungsgipfel 2008 einen enormen Schub gebracht habe, wie ein Sprecher sagte. Er verwies zudem darauf, dass es noch keine Zahlen für 2015 gebe. Auch die Kultusministerkonferenz betonte, dass es in vielen Bereichen deutliche Verbesserungen gegeben habe, auch noch nicht erreichte Ziele seien teils in Reichweite. «Gleichwohl ist zutreffend, dass es weiterer Anstrengungen bedarf», räumte ein Sprecher ein.

Der SPD-Bildungsexperte Ernst Dieter Rossmann forderte einen Bildungsrat ähnlich dem Wissenschaftsrat. Bund, Länder, Kommunen und Wissenschaftseinrichtungen sollten darin vertreten sein und ihre Zusammenarbeit somit auf einer institutionellen Basis verbessern, sagte er. dpa

3 Kommentare

  1. Wie kann eine Regierung planen, dass es mehr Schulerfolg geben soll??
    Müssen diese Erfolge nicht von den Schülern erreicht werden?

    • die regierung kann aber die normen so weit regulieren / anpassen / senken, bis die quote auch ohne arbeitsaufwand für die Schüler erreicht wird.

  2. Das erinnert mich an die Planwirtschaft der ehemaligen DDR, wo u.a. auch beschlossen wurde, z.B. die „Bettenauslastung“ in den Krankenhäusern zu erhöhen und ich fragte mich, heißt das jetzt, dass die Regierung beschließt, es soll mehr Kranke geben, damit weniger Krankenhausbetten leer bleiben??? (Oder war das schon nach der Wende, um die Kosten im Gesundheitssystem zu senken. Weiß ich gerade gar nicht mehr.)

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