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Wie gravierend sind die Probleme mit der Handschrift? Lehrerverband startet eine Umfrage

BERLIN. Das Thema Handschreiben rückt immer mehr in den Fokus – unlängst wurde bekannt, dass Finnland die Schreibschrift in den Schulen abschaffen und verstärkt im Unterricht auf die Tastatur setzen wird. Das Problem, dass die Handschrift im Alltag zurückgedrängt wird, hat auch die deutschen Schulen erreicht. Der Deutsche Lehrerverband (DL) stellt fest, dass sich Klagen aus der Lehrerschaft über Probleme mit der Handschrift von Schülern häufen. „Der Anteil der schreibschwachen Kinder und Jugendlichen dürfte zwischen 20 und 50 Prozent liegen“, schätzt DL-Präsident Josef Kraus. Er und sein Verband wollen jetzt genauer wissen: Wie gravierend sind die Probleme mit dem Handschreiben tatsächlich? Und was lässt sich dagegen tun? Der Deutsche Lehrerverband hat deshalb nun eine bundesweite Umfrage unter Lehrern gestartet, die Antworten auf diese Fragen liefern soll. Hunderte von Lehrern haben bereits mitgemacht – weitere Beteiligungen sind erwünscht, um ein möglichst umfassendes Bild zu bekommen.

Handschreiben wird immer mehr aus dem Alltag verdrängt - ein Problem offenbar auch in den Schulen. Foto: Jonathan Kim / flickr (CC BY-NC 2.0)

Handschreiben wird immer mehr aus dem Alltag verdrängt – ein Problem offenbar auch in den Schulen. Foto: Jonathan Kim / flickr (CC BY-NC 2.0)

Kraus dazu: „Wir möchten auf die Probleme mit der Handschrift öffentlich aufmerksam machen. Dazu benötigen wir zunächst einmal eine Bestandsaufnahme. Dann wollen wir der Politik geeignete Maßnahmen vorschlagen. Ohne den Ergebnissen vorgreifen zu wollen, so ist doch deutlich: Wir benötigen mehr Förderung der Grob- und Feinmotorik schon in den Kindertagesstätten und dann in den Grundschulen.“ Kraus betont, dass es tendenziell einen Zusammenhang zwischen Lernleistung von Schülern und der Güte ihrer Handschrift gebe. „Wer gut und versiert schreibt, der prägt sich Geschriebenes besser und konzentrierter ein, er ist intensiver bei der Sache, er schreibt bewusster, setzt sich intensiver mit dem Inhalt und dem Gehalt des Geschriebenen auseinander.“

Josef Kraus bittet die Kolleginnen und Kollegen um rege Teilnahme an der Umfrage, die ab sofort online unter der Adresse www.4teachers.de erreichbar ist. Getrennte Fragebögen für Grundschullehrkräfte und Lehrer weiterführender Schulen sollen die unterschiedlichen Perspektiven erfassen. Der Deutsche Lehrerverband kooperiert bei der Umfrage mit dem Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, das auf diesem Gebiet forscht und arbeitet.

Dessen wissenschaftlicher Beirat, der Schreibmotorik-Forscher Christian Marquardt, meint: „In der Schule sagen alle, es gibt Probleme mit dem Schreiben, und das schon seit langem. Die Lehrer beklagen, dass Kinder ungenügende motorische Kompetenzen mitbringen und es an der Aufmerksamkeit hapert, die Eltern sind hilflos und die Schüler frustriert. Das Ergebnis ist allzu häufig eine Handschrift, die schwer lesbar ist, viele Fehler enthält und beim längeren Schreiben auch noch Schmerzen bereitet.“ News4teachers

Hier geht es direkt zu der Umfrage.

Zum Bericht: Schreibschrift vom Aussterben bedroht – Experten fordern Rettung 

10 Kommentare

  1. ich habe die Lösung: von apple bzw. microsoft gesponsorte Laptopklassen. denn wer nicht von hand schreiben muss zeigt darin auch keine Schwächen …

  2. ich erinnere mich, dass es diese Meldung schon zwei mal gab. Oder eine sehr, sehr ähnliche? Aber das Datum ist von heute, das verwirrt mich …

  3. Ich finde es sehr sinnvoll, wenn die Kinder im Anfangsunterricht nicht mehr eine Schreibschrift (Handschrift) UND die Druckschrift erlernen müssen, sondern die sogenannte „Grundschrift“, die keine Druckschrift ist, sondern eine enorm vereinfachte Schreibschrift, die fast wie eine Druckschrift aussieht, weil es ihnen Lesen- und Schreibenlernen erheblich erleichtert. Ich kenne viele Leute, die „im Alter“ eine Schrift entwickeln, die der Druckschrift ähnelt. Das sind meist die leserlicheren Schirften. Allerdings sollen auch meiner Meinung nach Schreibschriften / Handschriften nicht nicht (!) gelernt werden, sondern nur eben später und z.B. im Kunstunterricht (als fakultatives Kulturgut). Es entwickelt ohnehin jeder im Laufe seines Lebens seine eigene, individuelle Handschrift !!!

    • Ursula Prasuhn

      Die sog. „Grundschrift“ sehe ich eher kritisch. Meiner Meinung nach ist sie ein weiterer Teil der sog. „Erleichterungspädagogik“ (siehe „Lesen durch Schreiben“), bei der vieles über Bord geworfen wird durch eine zu starke Fokussierung auf die Einspaarung von Mühen. Mögliche Bildungsverluste gelten in der Regel als sekundär und darum hinnehmbar.
      http://www.taz.de/!75543/

  4. „Erleichterungspädagogik“ ist ein interessantes Argument. Machen wir es den Kindern wirklich ZU leicht, wenn wir ihnen unnötige Schwierigkeiten aus dem Weg räumen? Ich frage mich das wirklich in diesem Augenblick. Grundsätzlich bin ich ja einer, der eher meint, „Lernen ist Arbeit“ (nicht: Lernen soll Spaß machen!). Kinder müssen es auch meiner Ansicht nach aushalten, dass etwas, was sie im Unterricht machen (üben) müssen, mal nicht interessant, nicht lustig ist. Auch im Berufsleben müssen wir alle mal Dinge tun, die uns keinen Spaß machen!!! Andererseits überlege ich, was die Alternative ist. Besser gesagt was die Alternative war. Haben die Kinder denn wirklich besser schreiben gelernt, als sie noch eine Schreibschrift und eine Druckschrift extra lernen mussten. Rühren nicht die Vorschläge zur „Vereinfachung“ (Grundschrift statt Schreib- und Druckschrift) eben genau daher, dass es da zu viele Probleme bei zu vielen Kindern gibt? Es kommt doch niemand ohne Grund auf solche Ideen und macht die Vorschläge, obwohl es dafür gar keinen „Bedarf“ gibt?!? Nun erscheint mir das Argument „Erleichterungspädagogik“ doch eher wie ein Totschlagargument – so wie „Neiddebatte“, wenn jemand über Verteilungsgerechtigkeit nachdenkt oder „Stammtischparolen“, wenn einem die Meinung des Volkes nicht gefällt.

  5. Wenn man die Schreibschrift abschafft, nimmt man auch jenen Schülern die Chance, sie zu erlernen, denen das Erlernen der Schreibschrift leichtfällt. Ich unterrichte 5-Klässler und stelle fest, dass viele Schüler große Unsicherheiten darin haben, wie bestimmte Buchstaben überhaupt auf den Linien sitzen. Ein kleines g oder p muss – egal in welcher Schrift – unter die Schreiblinie gezogen werden. Mein Verdacht ist, dass die Grundschulen mittlerweile so viel Stoff aufgebürdet bekommen (mit denen die Grundschüler oft überfordert sind), dass sie nicht mehr ausreichend Zeit für die Grundtechniken haben.

    • Da kommt von mir nur große Zustimmung!! In den Grundschulen soll so viel Stoff gemacht werden, dass für die Grundtechniken keine Zeit mehr ist!

    • Der Hinweis, dass viele Probleme in allen Schriften zu beobachten sind, verweist für mich darauf, dass die Probleme selbst nicht in der Auswahl der Schrift als solcher liegen.

      Dass man sie, egal welche, vernünftig vermittelt und übt, ist auch für mich selbstverständlich, stößt aber immer häufiger an unterschiedliche Grenzen: Feinmotorik, Visuomotorik, Sehfähigkeit, Zeit, Anstrengungsbereitschaft um nur einige zu nennen. Natürlich kann man an vielem etwas ändern, aber man kann in Klasse 1+2 im Rahmen der wenigen Stunden nicht alles aufarbeiten. Häufig ist der Förderbedarf, der nicht immer gleich ein sonderpädagogischer sein muss, in vielen Bereichen groß, so dass man sich erst einmal um das Wesentliche kümmert. Dazu gehört die Handschrift nicht immer.

      Ansonsten:
      Dass ein Verband eine Umfrage zur Handschrift macht, ist in Ordnung, dass diese bei N4t und auch in anderen Medien immer dort beworben wird, wo die Veröffentlichungen drumherum ein eindeutiges Statement abgeben, halte ich für eine Beeinflussung der Umfrage. Die Ergebnisse werden sicher der Datenlage nach stimmen, diese wurde auch unter vielen LehrerInnen erhoben, allerdings wird m.E. gezielt Meinungsmache betrieben.

      Ganz ehrlich: Ist es wirklich ein „Problem, dass die Handschrift im Alltag zurückgedrängt wird“ und wenn ja, welche Konsequenz soll daraus für den Unterricht gezogen werden?

      Am Ende wird es Schlagzeilen geben wie: „90% der Lehrkräfte findet, dass der Handschrift mehr Zeit und Übung im Unterricht eingeräumt werden muss.“
      Aber WAS wird dafür dann reduziert? Die Zeit, die zur Verfügung steht, wird ja insgesamt nicht mehr und Medien, Ernährung, Sporterziehung, Sprachförderung, Sozialtraining brauchen auch Zeit – zusätzlich zu den klassischen Themen, die noch vor 30 Jahren unterrichtet wurden.
      Sinnvoll fände ich z.B. eine Forderung dahingehend,
      – dass für Kinder mit Problemen Augenarzttermine nicht erst nach min. 6 Monaten vergeben werden,
      – dass viele Fachlehrerstunden für Fördermaßnahmen gewährt werden und
      – dass, ähnlich wie in Integrationskindergärten, ein mulitprofessionelles Team an jeder Grundschule eingesetzt ist, dass, wie bei der Frühförderung Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie etc. Hand in Hand mit der Lehrkraft arbeiten und fördern können.
      Dann könnte man im zeitlichen Rahmen ggf. auf die Kinder, die wie oben beschrieben Förderbedarf in Bereichen haben, die auch auf die Handschrift Einfluss nehmen, so eingehen, dass selbst die Handschrift flüssiger und leserlicher wird.

      • Warum fordern Sie mich zur Ehrlichkeit auf, wenn ich im Gegensatz zu Ihnen meine: Ja, es ist ein “Problem, dass die Handschrift im Alltag zurückgedrängt wird”?
        Sie scheinen Ihre Meinung für die einzig richtige zu halten, so dass Unehrlichkeit vorliegen muss, wenn Ihnen nicht zugestimmt wird.
        Außerdem gefällt mir, dass die Redaktion von n4t das Thema “ Handschrift“ nicht einfach als antiquiert und unwichtig beiseite schiebt.
        Die Pflege der „Handschrift“ kommt mir jedenfalls konkreter und in ihrer Auswirkung vielfältiger auf Fähigkeiten wie Konzentration, Aufmerksamkeit, Ordnung und nicht zuletzt Feinmotorik vor als Sie offenbar überblicken. Außerdem wird nur der Lehrer gebraucht und kein „mulitprofessionelles Team“, dem ich „ehrlich gesagt“ herzlich wenig zutraue außer schlau rumreden, problematisieren, möglichst mit modischen Fremdwörtern um sich schmeißen und wenig bewirken.

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