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Bsirske geht für eine Aufwertung der Erzieherinnen auf Konfrontationskurs

DORTMUND. Verdi will die starke Mobilisierung nutzen und mit Macht eine deutliche Tarifanhebung für kommunale Erzieherinnen durchsetzen. Die Kita-Beschäftigten folgen der Gewerkschaft. Es geht nicht nur um Geld.

Trat in Dortmund als Redner auf: Verdi-Chef Frank Bsirske. Archivfoto: Tobias M. Eckric / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Trat in Dortmund als Redner auf: Verdi-Chef Frank Bsirske. Archivfoto: Tobias M. Eckric / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Im Kampf um deutlich verbesserte Gehälter für kommunale Kita- und Jugendheimbeschäftigte hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Mittwoch mit unbefristeten Streiks gedroht. Vor 12:000 Menschen warnte der Bundesvorsitzende Frank Bsirske auf einer Kundgebung am Mittwoch in Dortmund die Arbeitgeber davor, an ihrer starren Haltung festzuhalten.

«Wenn sie diesen Irrweg fortsetzen und die notwendige Aufwertung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst verweigern, stellen die Arbeitgeber die Weichen auf Urabstimmung und unbefristeten Streik», sagte Bsirske An diesem Donnerstag kommen Verdi und die Arbeitgeber zur vierten Verhandlungsrunde für die bundesweit mehr als 220.000 kommunalen Kita- und Jugendheim-Beschäftigten zusammen. Einen Abschluss erwartet Verdi von dieser Runde in Hannover noch nicht.

Verdi verlangt eine deutlich Aufwertung des Erzieherberufes mit höheren Eingruppierungen und Gehaltssteigerungen um durchschnittlich zehn Prozent. Das lehnt die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) bislang ab. «Die VKA fordert die Gewerkschaften auf, die Streiks abzubrechen und endlich in ernsthafte Verhandlungen einzusteigen. Wir wollen inhaltliche Gespräche», erklärte deren Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann.

Die Gewerkschafts-Forderung summiert sich nach Berechnungen der Arbeitgeber auf kommunale Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.

Bei erneuten Warnstreiks hatten im Schwerpunkt-Bundesland NRW am Mittwoch rund 10 000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Zur Kundgebung in Dortmund erhielten sie Unterstützung unter anderem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erhalten. Kleinere Warnstreiks hatte es auch in Baden-Württemberg gegeben. Dort gingen im Landkreis Göppingen Hunderte Erzieher auf die Straße.

Erzieherin und Gewerkschafterin Gerlinde Schmidt aus Oberhausen rief die 12 000 in Dortmund zum Durchhalten auf. «Es geht um keine lumpige Tarifauseinandersetzung», sagte sie. Eine Gelegenheit wie jetzt biete sich in den nächsten Jahren so schnell nicht wieder.

Die Erzieher sind sich einig, dass ihre Arbeit unterbewertet und unterbezahlt ist. «Grundsätzlich möchten wir eine Aufwertung unseres Berufes erreichen», sagt die Duisburger Erzieherin Gudrun Treubert. Gerade in der Kinderpädagogik habe sich viel verändert. Es müsse vieles schriftlich festgehalten werden wie Sprachstands-Erhebungen oder Bildungsdokumentationen. Diese Zeit gehen von der Betreuung ab. «Wir haben immer weniger Zeit für die Kinder.» Dabei hätten sich die Betreuungszeiten geändert. Eltern könnten sogar bestimmte Betreuungszeiten buchen.

«Es ist mehr Verantwortung an uns herangetragen worden. Der Personalschlüssel ist aber nicht erhöht worden», sagt ihre Duisburger Kollegein Jutta Schulz. Auf zwei Erzieher kommen bei ihnen zehn Krippenkinder. Kita-Mitarbeiter halten einer Umfrage zufolge einen Schlüssel von maximal 1:3 für sinnvoll.

Die Dortmunder Erzieherin Julia Koch hält das Bild von Kita-Mitarbeitern als Sandkastenaufsicht für verzerrt. «Wir gleichen vieles aus, was zuhause nicht geleistet wird. Wir leisten viel in der frühkindlichen Bildung.» Das Grundgehalt in den Anfangsjahren von rund 2500 Euro brutto hält die 29 Jahre alte Mutter für viel zu gering. Von Wolfgang Dahlmann, dpa

Zum Beitrag: “Ihr spielt und bastelt doch nur!” – Kita-Fachpersonal fühlt sich kaum anerkannt

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