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Precht provoziert mit seinen Forderungen: Weg von Noten und klassischen Fächern

Richard David Precht fordert eine Revolution für das deutsche Bildungssystem. Der Philosoph und Bestsellerautor bemängelt,  dass Schüler nicht das lernen, was sie für die Zukunft brauchen. Diesen Ansatz vertritt er auch als Referent auf dem Deutschen Schulleiterkongress (DSLK).

Eröffnungsrede in Stuttgart: Philoloph Precht. Foto: Dontworry / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Er stellt sich den Fragen des Publikums beim Deutschen Schulleiterkongress: Philoloph und Bestsellerautor Richard David Precht. Foto: Dontworry / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0).

DÜSSELDORF. Drei Systemfehler macht Precht im jetzigen Bildungssystem aus: die Selektion, das uniforme Lernen mit Fächern und die Benotung von Leistung mit Hilfe von Ziffern. „Für alle der gleiche Stoff und die gleiche Notenskala, das ist Quatsch“, kritisiert er – und stellt sich nun mit seinen Thesen mutig vors Auditorium beim Deutschen Schulleiterkongress. Das Bildungssystem müsse fundamental umgebaut werden, um auf die Herausforderungen der Zukunft zu reagieren. In seinem Buch „Anna, die Schule und der liebe Gott“ spricht der Bestsellerautor sogar von einer benötigten Bildungsrevolution.

Verquerer Vergleich

Precht, der eine nach ihm benannte Philosophie-Sendung im ZDF moderierte, reklamiert für seinen Ansatz neue wissenschaftliche Erkenntnisse. „Nach all dem, was wir aus der Hirnforschung, der Entwicklungs- und der Lernpsychologie wissen, kann man von einem ‚gehirngerechteren Lernen‘ ausgehen und im Gegensatz dazu von einem, das den Spielregeln des nachhaltigen Lernens widerspricht“, so schreibt er.  Und zieht einen verqueren Vergleich: „Gutes Lernen, so könnte man sagen, ist wie guter Sex: Nicht auf Tempo und Frequenz kommt es an, sondern auf die Eindringlichkeit, die individuelle Variation und den nachhaltigen positiven Effekt auf unsere Psyche. Der Vergleich ist schon deshalb nicht weit hergeholt, weil es sich bei allen Erregungen unseres Gemüts immer um das gleiche Belohnungszentrum handelt, das jedes Mal (mit leichten Unterschieden in den chemischen Cocktails) aktiviert wird.“

Motivation fördern

Eine Schule, „in der man so lernt, dass man statt loser Brocken und toter Phrasen Zusammenhänge behält“, sei möglich, meint der Philosoph. Ein höheres Bildungsniveau könne erreicht werden, wenn die Schulen aufhörten, die „intrinsische Motivation des Kindes zu zerstören“, sondern sie pflegten und förderten. Dabei sollten sie die Kinder individuell lernen lassen. „Eine gute Schule muss sich nach den Bedürfnissen, den Begabungen und dem Lerntempo eines jungen Menschen richten und ihn dazu befähigen, dieses Tempo selbst zu steuern“, schreibt Precht. Um im Gelehrtendeutsch fortzufahren: „Wenn der Lehrer dazu als Coach Hilfestellungen leistet und allzu viele verlockende Ablenkungen unterbindet, ist einem optimalen aufbauenden Lernen keine Grenze gesetzt. Desgleichen gilt für die wechselseitige Hilfe und den Ansporn durch Mitschüler im jahrgangsübergreifenden Unterricht.“

Fächer weg, Klassen weg

Precht, der einen Sohn und drei Stiefkinder hat, fordert die Abschaffung der klassischen Fächer. „Die Demarkationsgrenzen zwischen den Fächern hemmen den Erkenntnisgewinn und zügeln die Neugier“, meint er. Aus seiner Sicht besser: Projektunterricht, der die Zusammenhänge erkennen lasse. Auch die Klassen möchte der Philosoph spätestens ab der siebten Klasse aufgelöst sehen: „Wichtiger als das gleiche Alter sind ähnliche Interessen, die sich zu Lernteams organisieren lassen.“ Auch Noten möchte Precht streichen: „Es ist höchste Zeit, die Notenzeugnisse zu ersetzen. An ihre Stelle sollte ein sorgsames, auf die Individualität des Kindes bezogenes Monitoring treten. Statt Zensuren zu vergeben, sollten Lehrer schriftliche Beurteilungen verfassen über den Lern- und Entwicklungsweg ihrer Schüler, über ihr Können und ihre Persönlichkeit.“

Dafür fordert Precht flächendeckend die Ganztagsschule bis 16 Uhr. Rituale und Schuluniformen sollen darüber hinaus die Identifikation der Schüler mit ihrer Schule verstärken. Dabei lässt Precht erkennen, woher er seine Ideen schöpft: „Ein bisschen Hogwarts tut jeder Schule gut“, schreibt er mit Blick auf das in den Harry-Potter-Romanen dargestellte Schulleben.

Kritik: „Noch ein Eiferer“

Mit seinen Thesen hat Precht prominente Kritiker auf den Plan gerufen. „Noch ein Eiferer. Einer, der alles besser weiß“, kritisierte etwa der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD).  Die in Prechts Buch geforderte „Bildungsrevolution“ provoziere, so Rabe, „bürgerkriegsähnliche Zustände, Milliardenkosten und Millionen verkorkster Bildungskarrieren. Denn in den zu erwartenden Schulkriegen wird eine ganze Schülergeneration jahrelang nicht richtig lernen.“ Deutschlands Schulen ließen sich, so Rabe, nicht „unfallfrei“ revolutionieren. „Jede Veränderung findet am offenen Herzen in vollem Betrieb statt.“

Auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) kann mit Prechts Thesen offenbar nicht viel anfangen. Sie hob kurz nach Erscheinen von Prechts Buch die Bedeutung von Noten, Leistung und Sitzenbleiben hervor –  allerdings ohne ihn zu nennen. News4teachers


Zur Info: Precht beim Deutschen Schulleiterkongress

Richard David Precht stellt sich beim Deutschen Schulleiterkongress (DSLK) den Fragen eines Fachpublikums. Der Bestsellerautor diskutiert auf dem Bildungspodium über Theorie und Praxis der Inklusion und erörtert zusammen mit Pädagogen, Politikern und Journalisten die Frage: Eine Schule für alle – kann das überhaupt klappen? Der DSLK findet vom 3. bis 5. März im Kongresszentrum CCD Süd an der Stockumer Kirchstraße in Düsseldorf statt. Weitere Infos gibt es unter: www.deutscher-schulleiterkongress.de

198 Kommentare

  1. Schon wieder. Manche Philosophen sind der Meinung, dass die Ausprägung der Fächer eine Kulturleistung darstellt.

  2. Die Hirnforschung sagt über das Lernen so viel aus, wie die Kernphysik über den Autobau.

    • “Die Hirnforschung sagt über das Lernen so viel aus, wie die Kernphysik über den Autobau.”

      Das mag bei Lehrern stimmen … …

      bei Schülern bin ich mir da aber nicht sicher. 🙂

      Schule/Erziehung/Schulbildung ist ja die “organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend”, wie Mark Twain so treffend bemerkte.

      • Die Hirnforschung hat noch keine Erkenntnisse geliefert, die über die Erkenntnisse der Lehr und Lernforschung hinausgehen. Dass Kinder besser lernen und das Gelernte besser behalten, wenn sie Spaß dabei haben ist ein alter Hut. Dass Kinder das Gelernte besser behalten, wenn es mit anderen Bereichen vernetzt wird, ist ein alter Hut. Dafür benötigt man keine Hirnforschung.

        Nur: manchmal macht Lernen halt keinen Spaß – wie das Leben halt so ist. Manchmal ist Lernen anstrengend – was auch sein muss.

        • Diese Argumentation ist mir zu einfach.
          Ein kleiner Lesetipp:

          Roth, Gerhard
          Warum sind Lehren und Lernen so schwierig?
          Zeitschrift für Pädagogik 50 (2004) 4, S. 496-506

          Mit diesem Aufsatz diskutiert Gerhard Roth verschiedene Faktoren zum Thema Lernen/Hirnforschung und kommt zum Schluss:

          “Die genannten Faktoren wirken im Gehirn des Lernenden nachhaltig auf den Lernerfolg ein. Obwohl sie jedem guten Lehrer bekannt sind, ist das Wissen hierüber bisher kaum in fundierte Lehr- und Lernkonzepte eingegangen. Der Grund hierfür ist, dass sie auch in der Psychologie noch keineswegs wirklich ernst genommen werden, denn sie betreffen überwiegend unbewusste Prozesse im Gehirn, und sich mit Gehirnprozessen und dann auch noch mit unbewussten befassen zu müssen, ist vielen Psychologen noch fremd. Es wird offenbar als eine Art Beleidigung des Menschen angesehen, der sich von
          allen (anderen) Tieren durch Vernunft und Verstand auszeichnet.
          Dennoch ist es so, dass wir keinen direkten, willentlichen Einfluss auf den Lernerfolg haben, weder auf den eigenen noch den unserer Schüler, sondern jede Einflussmöglichkeit geht nur über die Beeinflussung der Rahmenbedingungen des Lehrens und Lernens.
          Weder kann der Lehrer sagen „das lernt ihr jetzt gefälligst!“ noch
          kann der Schüler beschließen „das behalte ich jetzt“. Einige der genannten Faktoren wie genetische und frühkindlich erworbene Lerndispositionen
          und Motivationen sind vom Lehrer überhaupt nicht mehr zu beeinflussen. Bei anderen aber ist dies durchaus der Fall, was zum Beispiel die Glaubhaftigkeit des Lehrers, die Herstellung einer günstigen Lernsituation, die Kombination von Anforderungsniveau, Motivierung und Rückmeldung über Erfolg und Misserfolg und schließlich auch die Lernumgebung angeht. Lernunwilligkeit eines Schülers ist demnach nicht in erster Linie das Ergebnis bösen Willens, sondern das Resultat von Lernhemmnissen, auf die der Schüler selbst keinen aktuellen Einfluss hat, die aber mittel- und langfristig geändert werden können.”

          Ich sehe keinen “alten Hut”.

        • Schule bzw. der Unterricht muss auch keinen Spaß machen, für den Spaß sind die Pause da. Idealerweise macht der Unterricht Freude, was sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer gilt.

          Für Kinder im schulpflichtigen Alter ist die Schule die Arbeit, für die sie — gerechnet bei 25er Klassen mit 140 Unterrichtsstunden im Monat und 4000€ brutto pro Lehrer mit 110 Unterrichtsstunden im Monat — etwa 200€ verdienen, diesen Betrag jedoch nicht ausgezahlt bekommen, sondern in Form von indirektem Schulgeld an die Schule zahlen.

          Ja, diese Rechnung ist grob vereinfachend und nur wenig aussagekräftig. Sie soll auch nur zeigen, dass der arbeitenden Bevölkerung auch nicht jede Aufgabe Spaß oder Freude macht, sie aber trotzdem erledigt werden muss. Abrechnungen und andere Verwaltungstätigkeiten, die nicht primär mit der gelernten Berufsausbildung zu tun haben, zähle ich beispielsweise dazu.

  3. Schön, wenn die Theoretiker immer alles besser wissen.

    • Milch der frommen Denkungsart

      Was leider weniger wundernimmt, ist das Phänomen, daß ein solcher von fachlicher Praxiserfahrung völlig unbeleckter Guru (der seine Kompetenz einzig aus dem Schulbesuch der eigenen Kinder abzuleiten sich versteigt) immer wieder Jünger findet, die seine Kanzelweisheiten nach Papageienart unkritisch nachpapeln,
      als vielmehr dessen Einladung auf einen Schulleiterkongress, wo doch Realismus, nicht schwärmerische Utopie
      Platz haben sollte.

      • Was sagt uns das über die dort anwesenden Schulleitungen?

      • Herrlich!

        Der Mann beschäftigt sich offenbar intensiv mit Bildung und Schule, schreibt Bücher, deren dickes Quellenverzeichnis von einer Kenntnis aktueller und vergangener Debatte zu Schule und Bildung zeugen, wird aber hier wieder sofort – geradezu wissenschaftsfeindlich – abgekanzelt.

        Kritik wird nicht konkret an einzelnen Punkten festgemacht und expliziert sondern undifferenziert-pauschal und diffamierend (“nach Papageienart”, “nicht schwärmerische Utopipe”) geäußert.

        Ahnung von Schule kann nur haben, wer mal vor ner Klasse stand. Wissenschaftlche Beschäftigung mit dem Thema gilt da nicht.

        In meinen Augen sagt das mehr über den Stil der Debatte hier aus, als über das, was Precht schreibt.

        • Milch der frommen Denkungsart

          Die Verteidiger dieses Scharlatans erinnern mich frappant an eine Szene aus Monty Pythons “Das Leben des Brian”, worin der Anhänger eines falschen Propheten diesem hinterherruft: “Das ist der Messias – ich muß es wissen,
          denn ich bin schon so vielen nachgelaufen !”

          • Ach lieber Milchmann, mehr haben Sie nicht zu bieten? Ich bin wirklich enttäuscht. Meine Anmerkung “undifferenziert-pauschal und diffamierend” erweist sich da mehr als zutreffend.

            Sie sind nicht in der Lage, Ihre Ansichten mit Verweis auf empirische Forschung und wissenschaftliche Debatte zu begründen und zu rechtfertigen. Alles, was sie fertig bringen, ist schwülstig mit Zitaten um sich zu werfen und andere zu bezichtigen, Scharlatanen nachzulaufen.

            Nun, schnörkelige (und vielleicht auch das eigene Möchtegern- Elitentum nur zu gern zur Schau stellende) Sprache allein macht noch lange kein gutes Argument. Wer ihnen also dafür applaudiert und daraus geichzeitig auch die Qualität einer Argumentation abzuleiten meint, hat seinen bzw. ihren ganz persönlichen Rattenfänger gefunden.

            Vielleicht rüsten Sie mal rhetorisch ab und argumentativ auf?
            Es würde m. E. der Debatte durchaus gut tun.

          • Der Debatte würde nach meiner Beobachtung etwas ganz anderes gut tun: Weniger Überschwemmung mit Ihren Beiträgen.
            Mit Ihnen in einen Meinungsstreit zu treten, bedeutet außerdem, moralisch in die Ecke gedrängt, diffamiert, mit Wortverdrehungen oder Unterstellungen attackiert und mit Fragen konfrontiert zu werden, deren Beantwortung zu weiteren Angriffen genutzt werden.
            So sieht eben jeder die Debatte aus seiner Perspektive.

          • Tja LuK, je mehr gute Beiträge Sie posten, desto weniger müssen hier alle mich ertragen.

            In diesem Sinne: Herzlich Willkommen.

            Und bitte begründen Sie doch, wann ich wen “moralisch in die Ecke dränge”.

            Tue ich das, wenn ich Wissenschaftlichkeit inklusive Bezüge auf Studien, Umfragen und aktuelle Forschung statt blanker Meinung fordere?

            Wenn ich Fragen stelle, auf die ich meist keine Antworten erhalte, obwohl das Klären von Positionen und Verständnissen essentiell für eine Diskussion ist?

            Und was ist ein “Angriff”?

            Danke für eine Erläuterung!

            Aber vielleicht waren das auch schon wieder Fragen, die ich nur stelle, weil ich sie für weitere Angriffe nutzen will und die deshalb unbeantwortet bleiben werden.

  4. Schulnoten haben ne Menge unerwünschter Nebeneffekte, sind dabei unspezifisch in ihrer Aussage und Lehrkräfte in ihren Bewertungen nicht objektiv.

    Wären Noten Medikamente, wären sie schon längst verboten.

    In der Beziehung kann ich Precht nur beipflichten.

    • @Georg
      Zum “Stil der Debatte hier” gehören doch auch Sie. Im Unterschied zu anderen laufen Sie meiner Beobachtung nach allerdings meist kritiklos allem hinterher, was als “wissenschaftlich” verkauft wird und doch nur vermarktetes Wunschdenken ist.
      In den letzten Jahrzehnten sind die Schulen in Atem gehalten worden und kaum zum Luftholen gekommen wegen ständig neuer “wissenschaftlicher” Erkenntnisse. Es wurde umgekrempelt, was das Zeug hielt, und viel zu viel reformiert anstatt zu wenig.
      Und was hat es gebracht außer zunehmenden Klagen über Lerndefizite – insbesondere im Lesen, Schreiben und Rechnen – und einem verbreitetem Missmut von Schülern, Lehrern und Eltern?
      Die unzähligen „wissenschaftlichen“ Erkenntnisse – nachzulesen in Büchern mit „dickem Quellenverzeichnis“ – standen genauso wie bei Herrn Precht angeblich im Dienst einer schönen, besseren Erziehungs- und Schulwelt voller Selbstbestimmung, Gerechtigkeit, Lernfreude und Lernzuwächsen, die alles Bisherige in den Schatten stellen sollte.
      Gelernt habe ich aus den letzten Jahrzehnten nur eins: Vorsicht vor dem Haifischbecken Schule und seiner Gefahr für die kleinen Fische wie Schüler und Lehrer. Viel zu oft sind sie Köder statt Nutznießer.

      • Interessant, Frau Prassuhn, dass Sie mich mit als kritiklos allem hinterherlaufend treffend zu charakterisieren glauben.

        Wenn ich mir das pädagogische Verständnis und Handeln ankucke, in dem ich mich an den staatlichen Ottonormalschule bewege, folge ich ganz und gar nicht kritiklos ganz und gar nicht dem Mainstream. Der ist mehrheitlich immer noch dort, wo Sie ihn gerne hätten – bei Leistungsdruck, Strammstehen, Kontrolle und Gehorsam.

        Wenn man dort wissenschaftlichen Debatten und Erfahrungen so konsequent folgen würde, wie Sie suggerieren, das es schon geschehen ist, wäre wir heute schon ganz woanders.

        Aber was soll ich sagen: wenn ich mich recht erinnere, äußerten Sie recht deutlich Sympathie für PEGIDA und können sich nicht dazu durchringen, schulische Erziehung zur Gewaltlosigkeit und Akzeptanz von Minderheiten generell gutzuheißen.

        Das Wissenschaft und eine darauf gründende Debatte Ihnen da nicht viel wert sind, wundert mich da nur wenig.

    • Komisch, meine Schüler/innen sind ganz wild auf ihre Noten. “Hast du schon korrigiert….?”

      • Eltern bei textzeugnissen auch: und welcher Note entspricht das?!?

      • Das Eltern Noten wollen, weil das für zu zur Schule gehört und sie es selber so als Kinder erlebt haben, ändert doch nichts daran, daß das Notensystem voller Nachteile ist und es wesentlich bessere Möglichkeiten gibt, den Leistungs- und Lernstand eines Kindes abzubilden. Dafür braucht es aber eben auch mehr Zeit für die LK, da individuell differenzierende schriftliche Rückmeldungen länger dauern. Eins ohne das andere ist nicht zu haben.

        Es ist menschlich, an Dingen festzuhalten, die irgendwie immer schon so waren. Wenn es aber bessere Alternativen gibt, welche sich der Nachteile der bisherigen Verfahrensweise entledigt, kann man auch mal mit Traditionen brechen, muss das aber eben auch den Eltern verständlich machen.

        • Georg, das dauert nicht länger und die Aussagen müssen immer sehr positiv formuliert sein. Allein die Benotungen von Klassenarbeiten sind doch wohl ein sehr zeitraubendes Geschäft. Die braucht man ja ohne Noten eigentlich auch nicht… Also das Zeitargument sehe ich nicht so.
          “Gibt sich Mühe” heißt soviel wie “er/sie kann es nicht.” Aber wissen die Eltern das?

          • Die fehlende Zeit wird aber oft als Grund für die mangelnde Praktikabilität schriftlicher Rückmeldungen genannt.

            Und ich finde, dass man das auch ernst nehmen sollte, denn eine Note und ein Halbsatz schreiben sich schneller als ein Beurteilungstextchen, das ja eine spezifische und übderdachte Rückmeldung geben will.

            Und die Eltern lernen ja, wie sie Texte zu lesen haben. Ob die dann in Bewerbungssprech geschrieben sein sollten, ist eine ganz andere Frage – ich persönlich fände das nicht gut und das wird auch nirgendwo gefordert.

            Klar, generell wäre es ein Systemwechsel, aber eben einer, der zahlreiche Nachteile/Probleme lösen und viele Vorteile mit sich bringen würde. Und mit dem es ja aus einer Vielzahl von Schulen udnd auch anderen Ländern eine große Erfahrung gibt, auf die aufgebaut werden könnte.

          • Sie sagen: “Und die Eltern lernen ja, wie sie Texte zu lesen haben.”
            Nein, das können Sie nicht! Dazu müssten sie die zahlreichen Halbjahres- und Jahresziele der Schulen und jeweiligen Klassenstufen ihrer Kinder genauestens kennen.
            Wenn z. B. im Berichtszeugnis eines Viertklässlers steht, dass er das kleine Einmaleins immer besser beherrscht und beim Lösen von Aufgaben aus diesem Bereich kaum mehr fremde Hilfe benötigt, so ist das eine Beurteilung, die bei Eltern höchste Alarmstufe auslösen müsste. Wie aber sollen sie diese Beschreibung als besorgniserregend empfinden?
            Auch Ihnen traue ich nicht zu, “ein Beurteilungstextchen, das ja eine spezifische und überdachte Rückmeldung geben will“ richtig zu verstehen und einzuordnen, weil Sie sonst nicht so realitätsfern daherreden würden und obendrein noch Praktikern mit angelesenen Weisheiten den Horizont erweitern wollen.
            Die Lehrer kennen populäre und schöne Theorien, wie Sie sie immer wieder nachplappern, zur Genüge und es gibt gute Gründe für ihre Einwände. Ihnen daraus den Strick drehen zu wollen, sie seien nur bequem und hielten darum am Gewohnten fest, zeugt von Selbstüberschätzung und einer dicken Portion Impertinenz.

          • Ach Frau Prasuhn, realitätsnah sind nur Sie, weil Sie anderen vorwerfen, es nicht zu sein, ohne auch nur einen Funken Ahnung zu haben, wer das Gegenüber ist. Ich finde das argumentativ äußerst fragwürdig, um nicht zu sagen kurzschlüssig.

            Außerdem habe ich hier niemandem “einen Strick gedreht” und auch niemandem vorgeworfen “bequem zu sein und an Gewohntem festhalten zu wollen”.

            Wo haben Sie das denn bitte bei mir gelesen?

            Was ich geschrieben habe ist, dass Lehrkräfte bei einem Systemwechsel mehr Zeit benötigen, das also mit einer Stundenreduzierung einhergehen muss, damit differenzierte schriftliche Rückmeldungen möglich sind.

            Außerdem unterschätzen Sie knallhart Eltern. Glauben Sie, dass sie so dumm sind, nur Zahlen zu verstehen? Glauben Sie, dass Eltern qua Natur nicht in der Lage sind, sich auf neue Verfahrensweise in Schule einzustellen, wenn die Alten nachweislich nicht funktionieren? Hallo? Gehts noch?

            Und dann noch, Frau Prasuhn: Es gibt nicht “die Lehrer”. Sie sind anmaßend, wenn Sie aus Ihrer eigenen Perspektive glauben, dass alle so sind und so denken wie Sie und alle, die nicht so denken, “die Unwahrheit sagen”.

            Langsam wird es wirklich grotesk.

          • Martin Schuster

            @Georg
            Hoffentlich erlauben Sie, dass ich widerspreche. Wenn viele Eltern sagen, sie könnten mit den Lernstandsbeschreibungen wenig anfangen und sich deswegen bittend an die Lehrer wenden, diese doch in Zensuren zu übersetzen, dann ist es meiner Meinung nach falsch, darüber einfach hinweg zu gehen.
            Es wird ja nicht gesagt, dass Eltern dumm sind oder „qua Natur nicht in der Lage“ das Geschriebene zu verstehen. Es wird vielmehr gesagt, warum die Eltern solche Beschreibungen qualitativ nicht einordnen können.
            Mir jedenfalls hat die Begründung eingeleuchtet.
            Sie haben vielleicht aus Animositäten heraus nicht verstanden oder verstehen wollen, was Ihre Meinungsgegnerin 2mal versucht hat Ihnen sehr anschaulich zu erklären.
            Für mich waren die genannten Beispiele auf jeden Fall überzeugend. Auch ich hätte nicht sagen können, ob die beschriebenen Schülerleistungen gut, mittelmäßig oder schlecht sind.
            Insofern kann ich Eltern mehr als gut verstehen, wenn sie um eine Übersetzung in Zensuren bitten. Das erscheint mir sogar sehr vernünftig und fast elternpflichtig.

          • Wenn die eltern die textzeugnisse decodiert haben wollen, dann bin ich als Verfasser nicht zuständig. Dann sollen die Eltern sich an die staatliche Schulaufsicht bei der Bezirksregierung oder ggf. an die kommunale Schulaufsicht beim Kreis wenden. Mir ist es als lehrkraft untersagt bei Schülern, die zieldifferent unterrichtet werden, Formulierungen zu verwenden, die Rückschlüsse auf Noten zulassen. Die Formulierung: …. hat ausreichende Kenntnisse, ist nicht statthaft.

            Wenn die Regierung meint, die Eltern hätten kein Anrecht auf eine Übertragung der Aussagen in die üblichen Ziffernnoten, dann ist das eben so. Schule ist Behörde und gemacht wird, was im Schulgesetz, in den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen einschließlich er verwaltungsvorschriften sowie den diversen Erlassen steht. Sollen sich die Eltern doch die BASS (NRW) besorgen – oder beser eben Geld für einen Anwalt in die hand nehmen.

            Letzteres hat für mich auch den Vorteil, dass ich mit dem Anwalt gar nicht kommunizieren muss. Dafür habe ich nämlich den rechtsdezernenten der Schulaufsicht und meine Schulleitung.

          • @ Martin Schuster: Klar erlaube ich Ihnen das. 😉

            “Es wird vielmehr gesagt, warum die Eltern solche Beschreibungen qualitativ nicht einordnen können.”

            Nun ja, wenn man den Eltern die vielen Nachteile von Noten kennen würden, wäre sie einerseits vielfach erprobten und funktionierenden Alternativen gegenüber aufgeschlossener.

            Gleichzeitig müsste der Umgang und das Verstehen eben dieser Alternativen von den Eltern erlernt werden. Das ab der Grundschule einzuüben, sollte m. E. nach kein Elternteil überfordern, was an der Bildung seines Kindes halbwegs interessiert ist und dazu im Rahmen des Schulbesuchs auch angehalten wird.

            Hier zu behaupten, das es zu etwas Schlechtem und Disfunktionalen keine Alternative gibt, weil es angeblich kein angeblich kein Weg gefunden werden kann, schriftliche Rückmeldungen mit klar definierten Zielen abgleichbar und für Erltern verständlich zu machen, kann mir niemand erzählen.

            Es gibt zahlreiche Erfahrungen mit schriftlichen Bewertungen, sowohl in Deutschland, als auch außerhalb. In Schweden zum Beispiel werden bis zur 8. Klasse keine Noten vergeben und ich glaube nicht, dass die Eltern so lange keine Rückmeldung zu den Fortschritten und Lernbedarfen ihrer Kinder erwarten bzw. akzeptieren würden, die Rückmeldungen nicht zu verstehen.

            Irgendwie scheint das ja also doch zu funktionieren.

            Ich weiß, ich nerve ja einige hier, wenn ich immer wieder auf die ach so elfenbeintürmelichend praxisfernen empirischen Studien verweise, die durch Beobachtungen und Befragungen von LK und SuS entstanden sind. Wer aber nicht gewillt ist, wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen, gleichzeitig aber auch keine methodische Kritik an den konkreten Studien formulieren kann, empirische Bildungsforschung also einfach kategorisch ablehnt, den kann ich leider nicht mehr ernstnehmen.

    • Milch der frommen Denkungsart

      Daß Sie hier das Selbstbewußtsein Ihres offenbaren Minderwertigkeitskomplexes an mir abarbeiten, ficht mich keinen Pfifferling an.
      Daß Herr Precht über ein Schulsystem, das ihn selbst offenbar in jenen intellektuellen Stand erhoben hat, von dem er heute als fahrender Wunderdoktor profitiert, Kübel von Mist ausgießt, spricht Bände für seine Argumentationsschwäche wie Schäbigkeit gleichermaßen. Was er als “Bildungsrevolution” verkauft, ist letztlich nichts anderes als das Aas jener “pädagogischen” Versatzstücke aus den späten Sechzigern, die dazu geführt haben, daß der Abiturient von heute inzwischen über einen geringeren Wortschatz verfügt
      als sein Pendant von 1914.
      Schließlich: sollten Sie tatsächlich selbst als Lehrer tätig sein, so wundert es mich freilich, daß Sie sich über einen derartig diffamierenden (!) Rundumschlag dieses Alarmisten, der in unserem Schulwesen allenthalben Totalversager am Werke sieht, nicht etwa empören, sondern ihm hörig hinterherstürzen wie jenem Ratten- fänger, als den Sie mich so scharfsinnig ausgemacht haben wollen.

      • Milchmann, Sie brainiac, Sie haben mich schon wieder durchschaut. Mein Minderwertigkeitskomplex ist die eigentliche Ursache für mein Schreiben und meine Hinweise auf Ihren Schreibstil. Sie sind einfach zu gut für mich, da kann ich machen was ich will.

        Und nur, um Sie nicht mit Ihrer offenbaren Unkenntnis von Precht sterben zu lassen: Precht kritisiert vieles, erklärt es aber aus der Historie und macht nicht die Lehrer*innen für irgendwelches Versagen trotz besseren Wissens oder aus Unfähigkeit verantwortlich.

        Precht macht mehrmals in dem Buch deutlich, dass er nicht die Lehrkräfte angreift, sondern Schule als System und Vorstellungswelt von Bildung kritisiert, welches seine vielen Bezüge zu längst vergangenen Tagen und überkommenen Vorstellungen noch nicht abgelegt hat und dessen Teil die Lehrkräfte sind, weil sie entsprechend ausgebildet werden und agieren müssen.

        Und nochmal zu Ihnen: Wer Kritik mit Diffamierung “(!)” und einer Anklage an angeliche “Totalversager” verwechselt, hat m. E. weder Precht noch das Wesen von Kritik verstanden.

        • Milch der frommen Denkungsart

          Wenn für Sie “überkommen” offenbar pejorativ als “verkommen” auffassen, dürften Sie wohl eher derjenige sein, der etwas nicht verstanden hat oder –
          was ich viel eher fürchte – auf seiner Unkenntnis (!) starrsinnig beharren will.

          • Nein nein, keine Sorge, verkommen war damit nicht gemeint.

            Ich meinte damit eher eine Gewohnheit und altbackene Sitte, die irgendwann als so normal angesehen wird, dass sie trotz aller Probleme und überzeugenden Gegenargumente nicht oder nur schwer in Frage gestellt werden kann.

            Er hat’s also schon ganz richtig verstanden, der angeblich mit Unkenntnis geschlagene Starrsinnige.

            Und bei Ihnen reicht es für eine stringente Argumentation leider immer noch nicht, oder? Stattdessen wird abgewertet was das Zeug hält. Nun ja, jede*r hat so sein Steckenpferd.

            Na ich gebe die Hoffnung nicht auf.

  5. Ja, lieber Herr Precht, in der Theorie alles schön. Aber in der Praxis kaum umsetzbar.

  6. Precht hat Zutreffendes gesagt. Allerdings noch nichts zu dessen Zusammenhang mit unserer neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der DIESE Schule ihre Funktion hat.

  7. Es ist ja nicht so, dass es das noch nicht gibt, was er fordert. Jahrgangsmischung, projektähnliches Lernen, der Lehrer als Coach, Berichte anstelle von Noten (bis Ende Klasse 2), Rituale und Schulleben, Lernen nach eigenem Tempo, in meiner Grundschule alles nichts Neues und in anderen Grundschulen sicher auch nicht.

    Aber wenn alle G8 wollen, kann man das in den weiterführenden Schulen nicht gut weiterführen. In einem gut geführten Frontalunterricht kann ich die ganzen Lerninhalte schneller und sicherer vermitteln, meine Erfahrung. Wenn jeder nach seinem Tempo und Interesse lernen soll/darf, dann muss man erst die Lehrpläne entrümpeln und dann geht wieder die Kritik los, dass die Schüler/innen nichts mehr können. Und für diese Arbeitsweise sind Klassen mit 30 und mehr Schüler/innen zu groß und die Schulen unzureichend ausgestattet. Und wie soll ein/e Lehrer/in 30 Schüler/innen auf einmal coachen, integrieren und inkludieren? Man könnte ihn/sie klonen…

    • -dass “Reformpädagogik” in Nieschen besteht, ist das Symptom gesellschafltich zugelassener Spielwiesen. In flächendeckender Einführung ist und wäre das kontraproduktiv, d.h. hätte keine Chance ohne gesllschaftl. “Revolution”. Ebenso bedingt sind und waren G8, Frontalunterricht mit 28 – 32 Schülern, unzusammenhängende Stoffhäppchen, PISA-Können-Tests und andere neoliberal (!) begründete Phänomene.

  8. Precht ist ein Symptom unserer Mediengesellschaft, attraktiv, provokativ, einseitig, unqualifiziert – wissenschaftlich gesehen ist er ein Nullum, alles was er sagt, ist eklektizistisch angelesen, gesammelt und zusammengerührt. Lesen Sie mal seinen “wissenschaftlichen Werdegang” nach!

    Mit Philosophie hat seine Fernsehsendung genau soviel zu tun, wie ein Zitronenfalter mit dem Falten von Zitronen.

    Aber er ist ein genialer Marketing-Fachmann, immer auf der Suche für Büchertiteln, die sich verkaufen lassen. Deshalb springt er auch von einem Thema zum anderen, ohne dass irgendein innerer Zusammenhang erkennbar wäre.

    Und warum sind seine Vortragssäle voll: Weil es genügend Leute gibt, die genauso wenig Ahnung von Schule und Bildung haben wie Precht, dies aber nicht so gut ausdrücken können.

    • ziemlicher Quatsch, was du da schreibst,conny

      • Wieso Quatsch? Ich sehe Herrn Precht ähnlich wie Conny.
        Der gute Mann tanzt auf den unterschiedlichsten Hochzeiten, Hauptsache sie stehen im Rampenlicht und er ist der Stargast.
        Er ist ein genialer Selbstvermarkter, der zu allem seinen Senf abgibt, was Erfolg und Popularität verspricht und in klingende Münze umzuwandeln ist. Hierin ist er meisterlich, was ja immerhin schon was ist. Das soll ihm erst einmal jemand nachmachen.

    • Widerlegen Sie in doch mit Verweis auf Studien und Quellen.

      Alles andere halte ich für recht plumpe Meinerei und Geschreihalse.

  9. Precht verlangt von den Kindern sehr / zu viel. Ich bin gerade ziemlich enttäuscht von den Ergebnissen der “individuellen Variation” meiner Schüler/innen, obwohl sie diese Arbeitsweise gut kennen.

  10. Jürgen Günther

    Die Abwehr einer jeglichen Neuerung im Bildungswesen durch Lehrerinnen und Lehrer kann ich gut verstehen.
    Ich habe 16 Jahre lang Schulen begleitet und war Zeuge mannigfaltiger unehrlicher und deshalb inkonsequenter “Reformen”, die den Lehrerinnen und Lehrern immer mehr die “Luft zum Atmen” nahmen und letztlich dazu geführt haben, dass Ablehnung von Reformen bei so manchen zum Reflex geworden ist, der nicht mehr hinterfragt wird. Das führt zu einer gefährlichen Selbstblockierung. Sollte die UN-Behindertenrechtskonvention wirklich einmal ernst genommen werden, erfordert deren Umsetzung eine völlig neue Schule. Ich konnte mir das Inkusionstheater der Schulverwaltungen und die damit einhergehende Verzweifelung der LehrerInnen 5 Jahre lang anschauen.
    Es geht eben nicht, eine “Schule für alle” in Formen und Methoden zu pressen, die dem vergangenen Jahrhundert entsprechen und Schülerinnen und Schüler als unwillige Objekte der Erziehung und Beschulung betrachten und nicht als Subjekte mit differenzierter Individualität, die ihr Leben selbst gestalten möchten.
    Es gibt aber genügend Beispiele für Schulen, die gerade weil sie in ihren Konzepten diese Individualität berücksichtgen sehr gute Erfolge aufweisen. Dort wird das umgesetzt, was Precht will. Es ist also keine Utopie. Den LehrerInnen und SchülerInnen macht das sogar Spaß. Und wenn ihnen die Mittel nicht entzogen worden sind, so gibt es sie noch heute. Aber diese Schulen folgen eben nicht dem Ziel des neoliberalen Zeitgeistes, einen homo oeconomicus zu produzieren, der unterwürfig und fremdbestimmt um seine Selbstoptimierung bemüht ist. Um diese Ketzerei zu vermeiden braucht das alte System die von ihm selbst produzierten ausgebrannte LehrerInnen, die sich auf Grunf ihrer schlechten Erfahrungen reflexartig gegen jede Veränderungen stellen und damit sich und ihren KollegInnen ein Bein stellen. So stabilisiert sich dieses System immer wieder selbst.

    • Danke für diesen Beitrag. Ich bin da ganz bei Ihnen…

    • Die von Ihnen behauptete “Abwehr einer jeglichen Neuerung im Bildungswesen durch Lehrerinnen und Lehrer” habe ich nie erlebt. Erstens sind die Lehrer weit aufgeschlossener für Neues, als Sie behaupten, und zweitens sind ihre Abwehrmöglichkeiten überaus beschränkt – um nicht zu sagen gleich null.
      “So stabilisiert sich dieses System immer wieder selbst”, schließen Sie am Ende aus Ihrer Eingangsthese. Wie aber soll diese Schlussfolgerung stimmen, wenn die Eingangsthese schon nicht stimmt?
      Lehrer haben so gut wie keine Möglichkeiten, sich gegen Veränderungen zu stellen. Dass müssten Sie eigentlich wissen, wenn Sie so genaue Einblicke haben.
      Und was Sie über Ablehnung und gefährliche Selbstblockierung reden, sind für mich die Worte eines Taktikers, der Verständnis vorgibt, die Lehrer aber im gleichen Atemzug als notorische Fortschrittsfeinde darstellt, die nur noch automatisch reagieren nach dem Motto “Gebranntes Kind scheut das Feuer”. “Reflexhaft” empfinde ich jedenfalls als schallende Ohrfeige für die Lehrkräfte – wenn auch in Mitgegühl und Anteilnahme verpackt. Dies macht sie aber nicht besser, im Gegenteil.

      • Jürgen Günther

        Liebe Frau Prasuhn,
        danke für Ihr Feedback. Wahrscheinlich habe ich mich ungenau ausgedrückt. Das Pronomen jegliche war überspitzt und deshalb fehl am Platze. Ich bitte um Entschuldigung. Aber ich habe leider sehr viele Lehrerinnen und Lehrer, besonders ältere erlebt, die aus nachvollziehbaren Gründen reformmüde geworden sind. Eben weil ihnen zu oft und zu viele Reförmchen als Verwaltungsakte übergeholfen worden sind, die eben ihre Arbeit weder verbessert noch erleichtert haben. Damit sage ich nicht, dass alle Reformen sinnlos waren. Was die reflexartige Ablehnung von Reformen betrifft, so entnehme ich diese Haltung einigen der Forenbeiträge. Eine derartige Haltung, die sicher nicht die Haltung der Lehrer schlechthin ist führt meiner Meinung nach zur Selbstblockade.
        Wer die Ideen Prechts noch nicht kennt, sollte sich diese erst einmal anhören und dann urteilen. Das was er fordert entspricht jedenfalls meinen Erfahrungen und ist auch mit dem Willen vieler realisierbar. Auch wenn die soziale Spaltung sich in Deutschland immer mehr vertieft und die Gräben sich bis in die Schule ziehen.

    • Milch der frommen Denkungsart

      @Herrn Günther:

      Sie postulieren eine “Schule für alle”, von der mitnichten Konsens ist, daß sie überhaupt erstrebenswert sei. Desweiteren halte ich sie für einen Euphemismus, gleichsam einen Kokon, worin sich tatsächlich die “Einheits-schule” verpuppt, die mit Individualität genauso wenig kompatibel ist wie Freiheit mit Zwangsstaat.
      Desweiteren kann ich die von Ihnen geschickt unterstellte prinzipielle Unversöhnlichkeit von Beschulung, Er- ziehung und Persönlichkeitsentfaltung andererseits nicht erkennen – sie wird im Gegenteil tagtäglich von meinen Kollegen selbstredend auch durch traditionelle Unterrichtsmethoden in Realität übersetzt.
      Schließlich: jenen von Ihnen zweifellos zurecht kritisierten Trend, junge Menschen zuvorderst als potentielle “manpower” zu betrachten, haben gerade die Kaskaden von angeblich progressiven Reformen, die zuletzt blindlings über die Schulen gegossen worden sind (G 8; “Kompetenzorientierung”) erst befördert !

      • Hallo,fromme Denkungsart, nur mal zum letzten Satz mit den “progressivenReformen”: Woher kommen diese “Kaskaden”? = Das waren allesamt neoliberale “Verursacher” und Förderer , wie Bertelsmann , OECD, Bologna, Initiaitve Marktwirtschaft usw., die alle den “Kräften des freien Marktes ” huldigen wollten und wollen.
        Die von Ihnen so genannten “Progressive Reformen” sind bzw. können also mindesens etwas ganz anderes meinen, – was dann aber auch kein “Humankapital” und “manpower” produzieren wollte.
        Biitte schauen Sie doch hinter die vor allem medial vermittelte Ideologie unserer Schul- und Bildungslandschaft, dann gingen wohl mancher Lehrkraft deutlicher die Augen auf und unser Reden von Reformen usw. hätte mehr Substanz, die vorrangig NICHT in schulpädagogischen Gefechten sondern in gesellschaftspolitischen bestände.

    • Zitat:
      “Aber diese Schulen folgen eben nicht dem Ziel des neoliberalen Zeitgeistes, einen homo oeconomicus zu produzieren, der unterwürfig und fremdbestimmt um seine Selbstoptimierung bemüht ist. ”

      Machen Schulen das???
      http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/516359/Sie-haben-uns-voellig-falsch-aufs-Studium-vorbereitet

      • Schulen können doch schon froh sein, wenn sie ein bisschen Bildung vermitteln können. In den Grundschulen nimmt der Unterricht mittlerweile doch nur noch ein Dritteln der Unterrichtszeit ein. Die restlichen zwei Drittel wird versucht eine einigermaßen vernünftige Lernatmosphäre herzustellen.

        • Wieso? Lernen die Kinder nicht alle selbstgesteuert individuell für sich alleine?
          Ist da überhaupt noch der Begriff “Unterricht” angebracht?

    • Sie schreiben “Dort wird das umgesetzt, was Precht will. Es ist also keine Utopie. ” Weiß Prof. Precht das denn und beschreibt er es in seinen Büchern und Vorträgen? Bitte zählen Sie doch ein paar dieser Schulen auf. Ich möchte gerne von gelungenen Beispielen lernen.

      • Jürgen Günther

        Bitte schauen Sie sich den Film “Schools of Trust” an. Da werden einige Beispiele guter Schulen gezeigt. Das sind sicher Einzelbeispiele und nicht jedem Konzept muss man zustimmen. Aber wenn gute Schulkonzepte in der Gesellschaft nicht umfassend verwirklicht werden können, sind nicht unbedingt die Konzept falsch.
        Vielleicht bedarf es dazu einer anderen Gesellschaft, deren Qualitäten sich auch daran messen lassen, wie in dieser Gesellschaft Begabungen, Talente und Interesse gefördert und mit Handycaps und Behinderungen umgegangen wird. Diese Gesellschaft wird natürlich nicht vom Himmel fallen. Sie kann Wirklichkeit werden, wenn viele sie wollen.
        Aber dazu müssen Menschen erst einmal wissen, was sie wollen. Aber mit dem Auto, den Flugzeugen, der Weltraumsation, dem Anhäufen von Kernwaffen, die uns alle mehrfach vernichten können hat es doch auch geklappt. Warum sind wir eigentlich zu blöd, unsere eigenen gesellschaftlichen Beziehunge friedlich, konstruktiv und vernünftig zu gestalten, ohne einander umzubringen. Hat damit die Schule vielleicht auch etwas zu tun?

        • Schöner Film, danke für die Erwähnung.

        • Seien Sie mir nicht böse, aber ich schaue mir keine Filme an. Ich sah ein paar Filme, wo ich die Realität kannte, und weiß daher, dass ein Film jeden Ort wahlweise als Hölle oder als Paradies darstellen kann. Lieber ist mir, Sie nennen die Schulen.

          • Jürgen Günther

            Die Nürtingen-Grundschule in Berlin. Speziell der Montessori Bereich. Ob er heute noch existiert weiß ich nicht. Lässt sich bestimmt recherchieren.

          • Die Werkstattschule in Rostock ist auch ein sehr gutes Beispiel.

      • Förderschulen, in denen die Kinder zieldifferent unterrichtet werden.

        Würde Inklusion anders laufen, würden ja zielgleiche Kinder mit zieldifferenten Kindern in Förderschulen unterrichtet, hätten kleinere Lerngruppen, die von zwei Lehrkräften ständig betreut werden, und bekämen langatmige Textzeugnisse, die die Eltern der Schüler und erst recht nicht die Schüler selbst decodieren können.

  11. Flunra meint Nischen und hat Recht. Ohne massive Änderungen lassen sich Prechts Träume nicht umsetzen. Die Frage ist bloß, ob wir das wollen.

  12. Also um ganz ehrlich zu sein, nervt mich die Wanka viel mehr: Die Studienlage zum Sitzenbleiben ist ziemlich eindeutig. Das Wissen darum erwarte ich eigentlich von einer Bildungspolitikerin…

    • Die Erfahrungslage zum Sitzenbleiben ist ebenfalls eindeutig, und zwar gegenteilig zur Studienlage. Das Wissen darum erwarte ich auch von Bildungstheoretikern.

      • Da fragt sich nur wessen Erfahrungslage.

        Glauben Sie, dass in die hier oft geschmähten Studien keine “Erfahrungen” einfließen würden?

        Vielleicht sind diese Erfahrungen in der Breite eben doch andere als ihre persönlichen. Das ist ja nichts Schlimmes, weil es ja durchaus auch Fälle gibt, denen Sitzenbleiben gut tut und für die das genau das Richtige ist.

        Wenn es aber in der Breite für viele Nachteile hat und Studien darauf aufkmerksam machen, sollten doch auch entsprechende Konsequenzen gezogen werden, oder?

        • Ich fände es wünschenswert, dass keiner sitzenbleibt (durch rechtzeitige und wahrgenommene Förderungsangebote), obwohl man sitzenbleiben KANN. (Manche Jugendliche brauchen in bestimmten Entwicklungsabschnitten diese Drohkulisse, sagen sie ja auch ehrlich.)

  13. Ich frage mich nur, warum Schule überall in der Welt ähnlich aussieht wie bei uns. Sind denn alle doof? Hat niemand in der Welt – selbst die Pisa-Sieger – Ahnung, wie Schule funktioniert? Das Paradebeispiel von Precht zum Projektunterricht ist ja der Klimawandel. Dabei geht er von interessierten Schülern aus. Vielleicht gibt es aber auch Schüler, die kein Aspekt am Klimawandel interessiert. Interessierte Schüler kann man für so ziemlich alles begeistern, uninteressierte für fast nix.
    Noch ein Gedanke zur Ganztagsschule. Ca. ein Drittel der Bevölkerung gehört zu den sogenannten stillen, introvertierten Menschen, also zu einer Gruppe von Menschen, die das Zusammensein mit anderen Menschen stresst. Solche Menschen sind zwar gerne mit anderen Menschen zusammen – allerdings nur für eine begrenzte Zeit, danach benötigen sie ihre Ruhe (wo bekommt man die schon in einer Schule). Komischerweise sind sehr viele kreative Leute unter den introvertierten zu finden – für solche Menschen sind Großraumbüros der Horror, kreativ können sie nur in den eigenen 4 Wänden sein.
    Ich bin gespannt, wer sich um diese Kinder in der Ganztagsschule einsetzt.

    • Sehr gut! Obwohl immer vom Individuum gesprochen wird, siehe “individuelle Förderung”, basieren die schulischen Konzepte dennoch auf der Annahme, alle seien gleich gut bedient durch ein gleiches Schulsystem mit gleichen Konzepten.
      Das dreigliedrige Schulsystem basierte immerhin noch auf der Wahrheit, dass es unterschiedliche Begabungen gibt, denen unterschiedlich gerecht werden muss.
      Und die Halbtagsschule basierte noch auf der Wahrheit, dass fast alle Schüler mittags froh und erleichtert waren durch die Aussicht auf die eigenen vier Wände für den Rest des Tages.
      Schule ist für die meisten Schüler Pflicht und nicht Vergnügen. Ganztagsschulen als Fortschritt anzupreisen ist eine einzige ideologische Sauerei, besonders für introvertierte Menschen.

      • Richtig. Wir fördern ja auch alle Schüler individuell nach ihren Möglichkeiten, um sie dann in VERA 8, den ZAP’en bzw. den Zentralen Klausuren EF und dem Zentralabitur in einen Topf zu werfen. Übrig bleibt ein inhaltlich ziemlich dünnes und sehr homogenes Süppchen.

        • Nee, wir haben Erbarmen. Die Schüler, die zieldifferent unterrichtet werden, müssen den zentralen Quatsch ja gar nicht mitmachen. Also L-Kinder dürfen Bilder auf den rückseiten der Aufgabenstelungen malen, die ESE-Kinder müssen so nach einer Viertelstunde einen Tobsuchtsanfall haben, damit sie an den Sonderpädagogen weitergereicht werden können, und die mobilitätseingeschränkten Schüler müssen ihren Wunsch äußern, zur Toilette zu dürfen. Die Toiletten in der Nähe der Prüfungsräume müssen nur so gewählt werden, dass sie nicht behindertengerecht sind, damit der Inklusionsbegleiter mit dem betreuten Kind den Weg zur Toilette starten kann.

          Sie kennen das Thema wohl auch nur vom Hören-Sagen:)
          Praktische Erfarungen sind das salz an der Suppe!

          • ist das echt oder überspitzt? ich hoffe letzteres, befürchte ersteres …

          • Erstens kommt es immer anders als man denkt. Und Zweitens kommt es selten besser …

            Wer glaubt über die real existierenden bedingungen an Schulen einen satirischen beitrag erstellen zu können, der kennt die realität nur aus icherer Entfernung – also aus dem Ministerium oder von einem didaktischen Hochstuhl aus

    • Klimawandel – ach herrje. Ob der Klimawandel durch eine Korrelation mit dem Anstieg von Klima schädlichen Gasen oder einer veränderten Denudation des Globus zusammenhängt, sollte ja auch nicht von Philosophen erläutert werden.

      In Bezug auf Schule hat Precht eine auf Visionen beruhende utopische Vorstellung. Ich halte es da mit dem kürzlich verstorbenen Altbundeskanzler. Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt.

  14. Schöne Rezension zu Precht. Musste mächtig schmunzeln. Sie trifft insofern zu, dass Prechts nichts sonderlich Neues beiträgt, das Bekannte aber gut zusammenträgt.

    “Prechts Buch handelt davon, was am deutschen Schulwesen (denn es ist ein Wesen) alles falsch ist. Die nicht sehr überraschende Antwort lautet: alles. Deutsche Schulen traktieren die ihnen Anvertrauten mit Wissenspartikeln, die sie gleich nach dem nächsten Test wieder vergessen, meistens völlig zu Recht, weil sie weder interessant noch für sie relevant sind. Deutsche Schulen muten Kindern Arbeitstage zu, die länger sind als die ihrer Eltern. Deutsche Schulen maßen sich an, über Zehnjährige zu befinden, wozu es in ihrem späteren Leben reichen wird. Deutsche Schulen zerhacken, was man über die Welt wissen könnte, in Fächer, von denen sich jedes für ungemein wichtig hält, und in 45-Minuten-Portionen.

    Deutsche Schulen bilden sich ein, dass Noten etwas aussagen und dass einer, der dringend ein guter Kinderarzt werden will, auch gut in Physik sein muss, so wie einer, der die Physik studieren will, zuvor in Erdkunde glänzen oder anmutige Aufsätze schreiben soll, um Zugang zu seinem Wunschstudium zu bekommen. Deutsche Schulen fördern nicht Individuen, sondern Konformismus, belohnen nicht Kreativität, Neugierde, Persönlichkeit, Leidenschaft, sondern Kurzzeitgedächtnis, Anpassung, Mimikry, Stillsitzen, Fassadengesichter (außer in der Theatergruppe).

    Deutsche Schulen überlassen die Armen, Vernachlässigten, Wirren, Verstörten, Überforderten, Zappeligen, Hibbeligen, Verliebten, Pubertierenden, Traurigen und Geschlagenen sich selbst, die mit den wohlbestallteren oder besorgteren Eltern den Nachhilfelehrern. Und so weiter, die Liste ist noch um einiges länger.

    Alles an Prechts Diagnose stimmt, nichts an ihr ist originell. Viele Studien, Forschungsberichte und Bücher haben dasselbe erzählt (wenn auch oft leidenschaftsloser und rhetorisch untalentierter), und, was schwerer wiegt, Millionen von Schülern und ihren Eltern empfinden es genau so, jeden Tag (nicht nur Mo–Fr, 9.00–17.00 h). Die Zustände an deutschen Schulen sind so oft mit allen möglichen Methoden untersucht wurden, dass man längst keine Diagnose mehr benötigt.”

    Sehr schön auch der abschließende Satz: “Das Buch von Precht braucht niemand. Es sei denn, man hätte das Bedürfnis nach einer monströsen Depression.”

    http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article115500466/Ihr-Buch-ist-ein-sinnloses-Aergernis-Herr-Precht.html

    • Zitat:
      Deutsche Schulen bilden sich ein, dass Noten etwas aussagen und dass einer, der dringend ein guter Kinderarzt werden will, auch gut in Physik sein muss.

      Tja das Physikum ist in jedem Medizinstudiengang eine Pflichtveranstaltung. Wenn ich von einem Arzt geröntgt werde, möchte ich schon, dass sich dieser mit der Strahlung auskennt, mit der er so um sich schießt. Die Medizin wird immer technischer – warum sollte sich ein Arzt mit seinen Geräten nicht auskennen?

  15. Milch der frommen Denkungsart

    @Georg:

    Zunächst werden selbst Sie nicht den ebenso abwertenden Tenor, den das Adjektiv “altbacken” in sich trägt, hinwegdefinieren können.
    Desweiteren leugne ich nicht, daß das deutsche Schulwesen durchaus problembehaftet ist, freilich anhand einer gänzlich anderen Diagnose als Herr Precht und ähnlich apokalyptische Reiter sie stellen, die den idealen Schüler postulieren, dessen schier unerschöpfliche, mit latenter Kreativität reich gefüllte Begabungsdepots nur durch eine radikale Systemumwälzung, die hernach ihren Gipfelpunkt zwangsläufig in der idealen Schule (in meinen Ohren ein schrilles Horrorszenario !) finde, animiert zu werden brauchten – ein röhrender Hirsch vor idyllisch-kitschiger Waldkulisse, über die selbst Rousseau wohl schmunzeln würde.
    Es ist allerdings eine noch unbeantwortete Frage, wie sich die Schülergenerationen schon der älteren wie jüngeren Vergangenheit trotz einer Bildungsorganisation, die noch nicht den Genuss von Lernateliers oder -arrangements, allenfalls nur des Stationen-, aber nicht Projektlernens offerierte, die sie scheinbar unter die Knute eines propädeutischen Fächerkanons zwang und nicht der Segnungen des “best practise” teilhaftig werden ließ, im realen Leben zurechtfanden oder teils zu Funktionseliten dieses Landes aufstiegen.

    • Zum Wort altbacken: Ja, da steckt eine Wertung drin, die aber in meinen Ohren wesentlich weniger stark ist als anscheinend in Ihren. Altbacken meint für mich aber gleichzeitig auch “von gestern”, ohne das das etwas über Funktionalität und Qualität sagen müsste.

      Zu ihrem letzten Abschnitt sage ich mal keck: Irgendwer muss es ja machen. Natürlich gibt’s in jeder Schule SuS, die besser mit einer bestimmten Form klarkommen als andere, dementsprechend besser abschneiden und deshalb später Elite werden dürfen (Elite werden kann man aber auch auf anderem Weg z. B. durch die sogenannte Gläserne Decke, simples Erben, etc.)

      Es geht darum, wie es für möglichst viele besser geht, und nicht, ob es überhaupt funktioniert.

      Und zu ihrem “Selbst Sie” ganz vom Anfang sag ich mal nichts.

  16. Komisch – wenn Lehrer philosophische Betrachtungen veröffentlichen würden, würde Precht und Konsorten den Lehrern anraten, sie sollten bei ihren Leisten bleiben.

    Alos ist es mit Precht und Schule, wie mit den Hunden un dem Mond bzw. den Wildschweinen und den Eichen …

  17. @Georg vom 23. Januar 2016 um 09:50
    Na dann mal los! Wie sehen Sie den Leistungs- und Lernstand dieses Kindes am Ende des 2. Schuljahrs?
    Hier der Teil eines Zeugnisses, der einige Auskunft gibt über die Leistungs- und Lernstand von Luisa:
    LESEN: Luisa kennt fast alle Buchstaben und die entsprechenden Laute. Mit nur wenig Hilfe kann sie diese zu kurzen Wörtern und Silben zusammenziehen.
    SCHREIBEN: Luisa kann Wörter und Sätze weitgehend fehlerfrei abschreiben. Sie beginnt auch, kurze und einfache Wörter aus der Vorstellung zu schreiben. Ihre Schrift ist gegliedert und gut lesbar.
    MATHEMATIK: Luisa kennt den Zahlraum bis 100. Sie kann vorwärts und in der Regel auch rückwärts zählen. Mit dem Zählverfahren kann sie meist selbstständig einstellige Zahlen addieren und subtrahieren. Zehnerübergänge bereiten ihr dabei keine Mühe.

    Wie beurteilen Sie diese zwar verkürzte, aber wesentliche Aussagen enthaltende Beschreibung von Luisas Leistungs- und Lernstand in den Kulturtechniken?
    Können sich die Eltern freuen, müssen sie sich Sorgen machen oder entsprechen Luisas Leistungen in etwa denen der meisten Klassenkameraden?
    Sie lassen nämlich eine wichtige Tatsache unter den Tisch fallen: Zensuren sagen den Eltern, wo ihr Kind im Vergleich zu anderen steht und ob sie beruhigt sein können, für Hilfe sorgen müssen oder sich sogar freuen dürfen. Das wollen Eltern aus gutem Grund wissen!! Reine Lernstandsbeschreibungen, die sie nicht einordnen können, genügen ihnen nicht.
    Wenn Sie behaupten, Eltern wollten nur Noten, „weil das für sie zur Schule gehört und sie es selber so als Kinder erlebt haben“, frage ich mich, woher sie wieder mal eine verkürzte Wahrheit – um nicht zu sagen Unwahrheit – voller Selbstverständlichkeit als Tatsache vorbringen.

  18. Was Sie in Ihrer Beurteilungsbeschreibung vergessen ist eine Aussage über die Entwicklung, die Luisa genommen hat, Empfehlungen, eine Bezugnahme auf andere in der Klasse etc.

    Als Beispiele für eine differenzierte sprachliche Rückmeldung können solche Fragen dienen: Wo hat sie Fortschritte gemacht? Wo liegen ihre Probleme? Was gelingt ihr noch nicht so gut wie anderen? Womit haben andere Erfolg und was könnte Luisa entsprechend helfen? Dazu bestärkende Worte und anspornende Zielsetzungen, die sowohl den Eltern eine Orientierung bieten als auch Luisa selbst animieren, sich anzustrengen und Fortschritte zu machen.

    Die Alternative (verkürzt sicherlich, aber im Prinzip zutreffend):
    Luisa? 3. Setzen!

    Noten sagen kaum etwas aus, für ausführlichere Rückmeldungen bleibt oft nicht viel Zeit und beschränken sich meist auf wenige Worte oder einen Halbsatz.

    Und woher ich mal wieder meine “Unwahrheiten”, also meine Lügen und wissentlich falschen Behauptungen, die Sie und alle anderen hier bewusst hinters Licht führen sollen – ähnlich wie mehrnachdenken haben Sie mit abweichenden Meinungen und Erfahrungen, egal wie gut sie begründet sind und ob sie sich auf valide Quellen beziehen, scheinbar ernsthafte Probleme, so dass sie in finaler Konsequenz immer Lüge und Betrug sein müssen, oder? – habe?

    Aus Gesprächen mit Eltern und Kolleg*innen, aus Fachjournalen, aus eigenem Nachdenken

    Hier ein paar Links mit Erfahrungen von Schulen in BaWü und einem GEW Magazin zum Thema mit vielen Beiträgen und noch mehr Erfhahrungsberichten.

    http://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/grundschule-ohne-noten-schuelerinnen-lernen-auch-ohne-ziffernoten/

    E+W 4/2014 “Schule ohne Noten”

    http://www.gew.de/eundw/publikationen/list/reset/0/?tx_aapublications_publications%5B%40widget_0%5D%5BcurrentPage%5D=3&cHash=4999e02e1b39811276ac82862382553b

    • Hier noch beispielhaft die Zusammenfassung einer Studie der Uni Siegen:

      http://bildungsklick.de/datei-archiv/29692/expertise.pdf

      “Fazit:
      Vier Resümees aus vier Perspektiven

      Wie bei allen pädagogischen Fragen (und sozialen Phänomenen generell) ist die Befundlage zu Noten nicht auf einen einfachen Nenner zu bringen. Formen der Leistungsbeurteilung wirken unterschiedlich, je nachdem wie und in welchem Kontext sie eingesetzt werden. Für Folgerungen aus dem Forschungsstand kommt es deshalb darauf an, von welcher Basisannahme man ausgeht: Wer die Beweislast für Veränderungen bei den Reformern sieht, kann zu einer anderen Einschätzung kommen als jemand, der normativ die Förderung des Einzelnen als zentrale Norm und noch uneingelöste Aufgabe der Schule sieht. Vor diesem Hintergrund lassen sich als Ergebnis unserer Analysen vier
      Folgerungen formulieren:

      Wer an Ziffernnoten festhalten will, weil sie angeblich objektiv und vergleichbar seien bzw. erforderlich, damit SchülerInnen sich auf die Anstrengungen des Lernens einlassen, findet in der Empirie keine stützenden Belege für seine Position.

      Auch diejenigen, die Verbalgutachten ablehnen, weil sie negative Auswirkungen auf die Lernbereitschaft und den fachlichen Lernerfolg der SchülerInnen befürchten, können sich auf keine empirischen Daten stützen.

      Wer andererseits hofft, ohne zusätzliche Maßnahmen, d.h. allein durch die Verordnung von Verbalgutachten Lernbereitschaft und Lernerfolg von SchülerInnen verbessern zu können, wird durch die Befunde zur bisherigen Beurteilungspraxis und ihre Wirkungen ernüchtert. Ohne eine päda-
      gogische und didaktische Öffnung des Unterrichts und ohne die Sicherung bestimmter Rahmenbedingungen bleibt eine Veränderung der Bewertung meist erfolglos.

      Diejenigen aber, die mit dem Verzicht auf Ziffernnoten pädagogische Ziele verfolgen, können mit einer Verbesserung der Unterrichtssituation und der Motivation der SchülerInnen sowie ihres Lernerfolgs rechnen, sofern sie bereit sind,

      – als LehrerInnen sich auf den höheren, aber lohnenden
      Aufwand einzulassen,
      – als Schulverwaltung die für Evaluation verfügbaren
      Ressourcen gezielter in die Fortbildung und Unterstützung
      der LehrerInnen zu investieren und
      – als BildungspolitikerInnen den Selektionsdruck im
      System zu verringern und Rahmenbedingungen wie die
      Schüler-Lehrer-Relation zu verbessern”

      • Und die vielen anderen Erkenntnisse zur Beeinflußung der Notenvergabe durch Gender, Migrationshintergrund, Schichtzugehörigkeit, etc. der Schüler*innen sind in diesem Fazit noch gar nicht angesprochen.

        Auch nicht die psychologischen und sozialen Folgen auf Individuuen und Klassendynamik nicht.

  19. @ Georg. Hier kann man schon gar nicht mehr direkt antworten, weil es aus technischen Gründen irgendwie nicht geht. Es geht um die Verbalbeurteilung. Ich muss sie ein bisschen desillusionieren, Die Verbalbeurteilungen laufen so, dass es ein Textprogramm dafür gibt. Und das funktioniert so, dass man eine Note eingibt und dann eine Auswahl an vorformulierten Sätzen vorfindet, die man anklickt. Das machen sicher die allermeisten so, ich persönlich nehme mir da Anregungen, aber formuliere gerne selber…. Aber im Grunde, was ist denn der Unterschied? Das Leben ist ungerecht. Die einen sind gut und die anderen sind schlecht. Daran ändern Noten oder Wörter nichts. Es wäre ja gut, wenn alle gleichgut wären, aber so isses nicht. Trotzdem nett, dass sie so viel Zeit hier einbringen, um uns alle “zu besseren Menschen” machen zu wollen.

    • Liebe Mississippi,

      mit Verlaub: ich will hier niemanden “zu besseren Menschen” machen.

      Mir würde es schon reichen, wenn die sich hier permanent selbst beweihräuchernden “Praktiker”, die mir Robbespierrismus, Jakobinertum, Faschismus, Kommunismus, Ideologie, Nachplapperei und Minderwertigkeitskomplexe (Aufzählung unvollständig) vorwerfen, das tun würden, was sonst in der (nicht nur) westlichen Welt meist Grundlage für eine Debatte ist, du über reine Meinerei und fehlschlüssige Verallgemeinerungen persönlicher Ansichten hinaus geht:

      Die empirische (Bildungs)forschung ernstzunehmen und nicht Menschen anderer Meinung bzw. Kenntnisse mit Diffamierung, Abwertung und Totschlagklassifizierungen zu überziehen.

      Hätte es Wissenschaft und Forschung nicht gegeben, wäre wir heute noch im Mittelalter. Die Relevanz von Bildungsforschung also zu negieren heißt in letzter Konsequenz, Schule (als einziges institutionalisiertes Zwangssystem, vom Gefängnis mal abgesehen) nicht zum Wohle der Kinder verbessern und fortentwickeln zu wollen.

      • “Hätte es Wissenschaft und Forschung nicht gegeben, wäre wir heute noch im Mittelalter.” Richtig!
        Allerdings hilft die “Wissenschaft” heute oft der Meinungsmanipulation, nicht zuletzt dank der Medien.
        “Wissenschaft” macht in unserer Zeit weitgehend Meinung und Politik. Sie steht nicht mehr vorrangig in den Diensten eines naturwissenschaftlichen und technischen Fortschritts, der falsche Aussagen im Handumdrehen entlarvt und bestraft.
        In den Fächern Soziologie, Pädagogik, Politologie oder auch Psychologie sind Studien oft nicht mehr ergebnisoffen, sondern führen durch die Art und Weise ihrer Durchführung zu Aussagen, die vorher schon feststehen – je nach Wunsch der Initiatoren.
        Diese Tatsache in Frage zu stellen, kann naiv und blauäugig sein oder auch ein Zeichen von Beihilfe zur Täuschung, an der einem selbst gelegen ist.
        Ihre Aufrufe zum Glauben an bestimmte wissenschaftliche Studien sind mir suspekt und erinnern mich an Glaubensaufrufe von Sektenpredigern zu ihren angeblich unumstößlichen Wahrheiten.
        Menschen, die aus guten Gründen bestimmten Studien misstrauen sind für mich glaubwürdiger als Menschen, die unbedingten Wissenschaftsglauben predigen, um mit seiner Hilfe von etwas zu überzeugen, was sonst nur schwer vermittelbar wäre.
        Ihre herablassende Haltung gegenüber Leuten, die nicht wissenschaftsgläubig sind, ist für mich folglich fehl am Platz. Da scheinen eher Sie mir rückständig und mittelalterlich durch eine Sichtweise, die das Wissen um die Macht und die Möglichkeiten moderner Manipulation (auch durch „Studien“!!) ständig ignoriert oder beiseite schiebt.

        • Oooh Gott, ich gebs auf.

          Mit Ihnen gibts leider wirklich keine gemeinsame Basis der Diskussion, da alles, was nicht in Ihr Bild passt, quasi zwangsläufig und pauschal und ohne, dass Sie intersubjektiv nachvollziehbare Anhaltspunkte zum konkreten Zweifel haben, oder auch nur irgendeinen Versuch machen, ihre Unterstellungen beweisen zu wollen oder zu können, desavouiert ist.

          Da bleibt nur unbegründete Behauptung, unbewiesener Interessenverdacht , Spekulation und subjektve Verallgemeinerung und für eine rationale Debatte – die sehr wohl Einfluss von Interessengruppen reflektieren und entprechend kritisieren kann und sollte! – fehlt jede Grundlage. Für Sie ist damit quasi alle Wissenschaft interessengeleitete Scharlatanerie, außer eben diejenige, die ihre eigene, natürlich ideologiefreie Meinung bestätigt.

          Dieser Zugang passt wunderbar ins “Lügenpresse halt die Fresse” Denken der von Ihnen geschätzten PEGIDA und wundert mich daher wenig.

          Viel Spass in der intellektuellen “Zone”, Frau Prassuhn.

  20. Ach, ich vergaß, bei uns gibt es in Klasse 1/2 Verbalbeurteilung, in 3/4 Verbalbeurteilung plus Noten und sogar in den Gymnasien ist es so, dass jeder Fachlehrer zusätzlich zur Note in einem Bogen ganz viele Dinge zum Arbeitsverhalten und Sozialverhalten jedes Schülers ankreuzt.

    • In NRW wurden die Kopfnoten um 2006 herum auf Druck der Wirtschaft mit viel Brimborium eingeführt, sechs Noten pro Schüler mit entsprechend langen Zeugniskonferenzen. Nachdem die Lehrer lange genug gemeckert hatten, dass diese Noten nicht objektiv begründbar sind, hochgradig vom Fach bzw. der Lehrperson abhängen und nur in Ausnahmefällen von der Note “gut” abgewichen werden sollte, wurden ihre Anzahl zunächst auf drei reduziert und einige Jahre später aus denselben Gründen wieder komplett abgeschafft. Ich kenne keinen Schüler, der sich darüber beschwert hatte und jeder Lehrer war froh.
      Auf Abschlusszeugnissen durften Kopfnoten oder sonstige Bemerkungen nicht erscheinen.

      • Es durften ja keine Noten vergeben werden. Es gab 4 Beurteilungsszufen, die sinngemäß so lauteten :

        1) … entsprach den Anforderungen im vollem Umfang
        2) … entsprach größtenteils den Anforderungen
        3) … entsprach den Anforderungen
        49 … entsprach den Anforderungen nicht immer

        Die Notenstufe 2) war die Regelbemerkung, von der auf Konferenzbeschluss hin graduell nach oben oder unten abgewichen werden konnte. Die letzte Notenstufe wäre nach Ansicht der Rechtsdezernenten der Schulaufsichten überhaupt nicht justiuiabel gewesen – außer sie hätte über die Akten der Teilkonferenzen für Ordnungs- und Erziehungsmaßnahmen in einer Vielzahl von Fällen begründet nachgewiesen werden können.

        Dazu muss man wissen, dass in NRW die “Androhung der Entlassung von der eigenen Schule” mehrfach ausgesprochen werden muss, wenn die Missetaten nicht die selben sind. Einen Mitschüler die Treppe hinunterstoßen ist eben nicht das gleiche wie eine Mitschülerin sexuell zu nötigen oder eine Lehrkraft zu bedrohen.

  21. Milch der frommen Denkungsart

    @Georg:

    Wenn Sie mir auch gleich billige Solidarität mit (m)einer Schwester im Geiste vorwerfen dürften, so versteige ich mich dazu, Frau Prasuhn allein aufgrund ihrer Beiträge einen weitaus kompetenteren, weil ideologisch un- verbauten, Blick auf die Schullandschaft zuzumessen als Ihnen.
    Jedenfalls spricht aus Ihren Einlassungen schwerlich praktische Kenntnis, sondern vielmehr das Halbwissen des Kompilators, der aus seiner Lektüre – insbesondere unter Idealbedingungen des Elfenbeinturms ent- standene Studien – nur das in sich aufnimmt, was mit seinem Weltbild konform geht; daß Sie also ein gläu- biger Adept eines Gauklers Precht’scher Prägung sind, ist mithin nahezu zwingend.
    Da Sie mir gewiß – mutatis mutandis – denselben Vorwurf machen werden, gehe ich freilich weiter:
    Ja, Eltern sind a priori tatsächlich keine Experten in Bildungsfragen – das Prädikat “dumm” haben übrigens allein Sie ihnen verliehen -, weswegen sie leider allzu bereitwillig der Greuelpropaganda jener Egalitaristen verfallen, die etwa das Notensystem gleichsam als Selektionsrampe oder mindestens als flächendeckendes Demotivationsinstrument verdächtigen. Im Übrigen mag eine Schule à la Precht wie seiner Jünger unge- hindert den Beweis ihrer Überlegenheit antreten – ein landesweit erzwungener Freilandversuch wäre je- doch genauso unverantwortlich, als wollte man dem Kommunismus nochmals eine real existierende Chance einräumen (bezeichnenderweise entnehme ich Ihren Kommentaren, daß Sie die Schulgemeinde gemäß Ihrer höheren Einsicht augenscheinlich zu ihrem Glück zu nötigen sich berufen fühlen); dies wäre wahrlich eine Groteske.

    • Milchmann, sie verlieren langsam die Bodenhaftung.

      Argmentieren Sie doch mal, anstatt Precht, mich und andere immer einzusortieren und damit abzuqualifieren. Nehmen Sie doch mal Studien zur Kenntnis und beschäftigen sich mit Erfahrungen, die woanders sehr erfolgreich gemacht werden. Wie es in der Rezension der WELT schon so schön formuliert war:

      “Alles an Prechts Diagnose stimmt, nichts an ihr ist originell. Viele Studien, Forschungsberichte und Bücher haben dasselbe erzählt (wenn auch oft leidenschaftsloser und rhetorisch untalentierter), und, was schwerer wiegt, Millionen von Schülern und ihren Eltern empfinden es genau so, jeden Tag (nicht nur Mo–Fr, 9.00–17.00 h). Die Zustände an deutschen Schulen sind so oft mit allen möglichen Methoden untersucht wurden, dass man längst keine Diagnose mehr benötigt.“

      Liefern Sie doch mal Gegenbeweise, wie es sich für eine Debatte, orientiert an wissenschaftlichen Kritrien und Verfahrensweisen gehört. Sie haben bisher immer nur schwülstig behauptet und Ihre Belesenheit zur Schau gestellt, aber keine Quellen und Nachweise liefern können, die das Gesagte in der Breite untermauern. So lange Sie das nicht für nötig halten oder es schlicht nicht können, machen Sie ihre Aussagen doch als persönliche Einschätzungen geltend, behaupten aber nicht permanent Wahrheit und all den diffamierenden Kram, den Sie mir schon angedichtet haben.

      Dazu gehört mal wieder, mir als Andersdenkendem durch einen Vergleich de facto zu unterstellen, die Fünfte Kolonne Moskaus zu sein und mir hier gemäß “höherer Einsicht” die “Berufung” zur “Nötigung” von anderen “zum ihrem Glück” vorzuwerfen. Diesen Quark machen auch schwurbelige Formulierungen weder lauterer noch wahrer.

      Wissen Sie nicht weiter oder warum landen Sie immer öfter auf diesem Gleis? Einen Großteil meiner Sammlung an Sortierungen und Klassifizierungen habe ich ja Ihnen zu verdanken, was es nahelegt, dass solcherlei Mittel zur Führung von “Diskussionen” bei Ihnen beliebt sind.

      Verweise auf emipirische Studien und Bildungsforschung sind es im Gegensatz dazu offensichtlicht nicht.

  22. @Schuster,um 22.45:

    Zwei Punkte bitte bedenken:
    1. “gut, mittelmäßig oder schlecht” – diese Indikatoren sind ja gerade die Zwänge, die wir (wohl auch Precht ) überwinden wollen, weil Kinder INDIVIDUELL und nicht normativ (s.Kriterien oben) wahrzunehmen das Recht haben sollten. Daran krankt ja das (Schul-)System, dass wir nicht anders mehr zu können meinen, als ausschließlich konkurrierende und stigmatisierende Verhaltensweisen fordern und fördern zu müssen.Ja,sie ahnen jetzt sicher, wie systemimmanent-blind mancher Disput hier auf der Seite ausfällt.

    2. Zu Lernstandsberichten: Was können Eltern mit einer NUMMER (=Note) besser einsehen, um ihr Kind doch zu zu fördern (!) ,statt mit orientierunggebenden, weil handlungsanleitenden Lernentwicklungs- und Lernstandsbeschreibung ?! Vor allem steht hinter diesem Umgang mit Noten wieder das meist nicht bewusste oder nicht zugegebene Konkurrenzdenken uä.
    Unsere professionelle Kompetenz als Lehrkraft muss heute auch darin bestehen, der Forderung von Eltern nach der Nummernnote zu widerstehen und stattdessen über das einzelne Kind Entwicklungs-Rechenschaft abgeben zu können, incl. der einzelnen individuellen Fördermöglichkeiten.

    • Nee, muss ich nicht können. In meinem Vorbereitungsdienst habe ich lediglich gelernt, die Leistungen der Schüler in den vorgegebenen Kompetenzrahmen einzuordnen. In den Implementationsveranstaltungen habe ich gelernt die Kernrichtlinien in schulinterne Curricula umzusetzen, in unendlich langen Nachmittagen habe ich zusammen mit Kollegen Kriterien erarbeitet Bewertungsmaßstäbe festzulegen, um die individuell erreichten Kompetenzen in Relation zu den Kompetenzstufen zu setzen, die dann den einzelnen Notenbereichen zu zu ordnen sind. Für die textliche Darstellung der erreichten Kompetenzen gab und wird es für Regelschullehrkräfte auch keine Fortbildung geben. Warum muss ich das jetzt können?

      Der Vorteil ist die Unwissenheit. Also gibt es nur die Aufzählung der inhalte und positive Bemerkungen zu den Inhaltsbereichen, die der Schüler halbwegs mit Hilfen beherrscht. Es geht also nicht darum, was der text erwähnt, sondern in erster Linie darum, welche Inhaltsbereiche werden überhaupt nicht erwähnt, da sich hierzu keine Positivbemerkung formulieren lässt. – Außßer vielleicht, dass der betreffende Schüler regelmäßig zum Fachunterricht erschienen ist, seine Materialien mit hatte, sich intensiv bemüht hat, mit der Bearbeitung der Aufgabenstellung zu beginnen, und mit entsprechender Hilfestellung bis zum Ende der stunde den Arbeitsauftrag in seine Mappe übertragen hat.

      • Pardon, aber mit den Eltern die Fördermöglichkeiten aufgrund des Lernentwicklungsberichts zu vermitteln, müssten Sie können wollen.
        Sie sind PÄDAGOGE und kein Vollstrecker vorgegebener Kompetenzrahmen. Und als Pädagoge sind Ihnen in der Ausbildung sicher die Zusammenhänge zwischen Elternghaus -Lernerfolg der Kinder und der Schule begegnet, vielleicht sogar ein Seminar zur sog. Elternarbeit.
        In jedem Fall hoffe ich für Sie, sich nicht ernsthaft so zu gerieren, wie Ihr vermeintllich alternativloses Bild von verdinglichtem Lehrerverhalten es oben beschreibt.

        • Ganz falsch, ich bin kein Pädagoge oder wollen Sie mich dissen?

          Ich bin Fachlehrer und Klassenlehrer,in ersterer Funktion vermittele ich Fertigkeiten und Fähigkeiten bzw. sorge dafür, dass sich die Eleven Kompetenzen aneignen können. In der zweiten Funktion nehme ich allenfalls für die 30 Kinder der Klasse einen begrenzten Erziehungsauftrag war. Bei der Elternarbeit bin ich zur Zusammenarbeit verpflichtet. Der springende Punkt ist das Wörtchen zusammen. Wenn von Elterseite nix kommt, muss ich mit denen zusammen auch nix machen. Ansonsten bedeutet die funktion der Klassenleitung aber in hohem Maße die verwaltung der Angelegenheiten der Klasse. Dazu gehört die Dokumentation aller möglichen, vorgegebenen aspekte ==> also die Führung der Stammakte. Für problemfälle werden dann eben die beratunsglehrer oder die schulsozialarbeit, das jugendamt, der Kontaktbeamte der polizei, die Mitarbeiter der jugendgerichtshilfe etc. eingebunden. Das Managen der diversen Zuständigkeiten fällt mit in en Handlungsrahm,en von Klassenleitungen. Und da die nicht gesondert gezahlt werden, macht man sie ebn so nebenbei. (Die Kollegen ohne Klasenordinariat bekommen nicht weniger Entgelt, auch ändert sich das Wochenstundendeputat nicht durch die Übernahme einer Klassenleitung. wozu also den allerwertesten aufreißen?)

          • Ich frage mich und Sie: Welchem Bundesland und welcher Elternschaft arbeiten Sie sehenden Auges wohl zu, damit die Bildungsstatistik so bleibt wie sie ist ?!
            Können Sie den Zusamenhang zwischen Lehrkrafttätigkeit und Herkunft der Kinder/Elternhäuser einerseits und Schulerfolg der Kinder andererseits wenigstens akzeptieren , auch, wenn Sie offensichtlich a) für Ihre Klassenleitungs-Verantwortung keinen Euro mehr bekommen und deshalb diesbezgl. untätig bleiben und b) die professionelle Kompetenz nicht haben (wollen ?), auf (Laien-) Eltern zuzugehen und dies ausschließlich als den Bildungsprozess der Schüler störende Verpflichtung sehen ?
            Leider geben Sie Anlass zu der Vermutung, dass SIE diverse von Ihnen sogenannten “Problemfälle” zu verantworten haben, bei denen Sie dann als Feuerwehr für selbstgelgte Brände nach Beratunfslehrer, Schulsozialarbeit, Jugendgerichtshilfe usw. rufen .

          • ich stehe eher auf der Seite der dicken Bank. Als Lehrer kann man sich nicht auch noch um die alleinige Erziehung der Kinder kümmern, auch nicht wenn die Eltern das nicht übernehmen. mithelfen und in schulischen Dingen beraten ja, alles andere nein. dummer weise erfordern häufig die Kinder und Eltern, die es wenigsten verdient haben, die größte Aufmerksamkeit …

          • Man kann eben nicht alle retten. Un an einer Schule des Standortyps 4 braucht es halt Altruisten. Die halten aber bis zum Burn our nur begrenzt durch. In der letzten Fortbildung wurden wir ausdrücklich ermahnt, verantwortungsvoll mit den eigenen Ressourcen umzugehen. Und wenn von kommunaler und staatlicher seite keine zusätzlichen ressourcen zur Verfügung gestellt werden, dann muss ich das persönlich auch allenfalls durch die bestehende Steuerlast gegenfinanzieren. Alles andere liegt außerhalb meines Aufgabenbereiches. Sieht mein AG das anders, dann kann ich mich mit ihm vor dem Arbeitsgericht treffen, um Klarheit bezüglich der arbeitsvertragsinhalte bzw. der Interpretation derselben zu bekommen.

          • puuuuh, mich schauert es –

          • Und? Ihr Problem, nicht meines.

            Ich als Affe mache genau so viel, wie ich Erdnüsse bekomme. Mein AG bekommt wofür er bezahlt. Für die inklusion, die überstunden, die fehlenden ressourcen zahlt er nichts, also verhalte ich mich adäquat zum Angebot. Marktwirtschaft eben – als Angestellter vertrete ich eben stärker wirtschaftliche Eigeninteressen als Beamte, die werden nämlich noch alimentiert, wenn es keine Schüler mehr gibt.

        • flunra, danke für ihre Zeilen und Intervention.

  23. Ist es richtig, dass wir über mögliche Lernstandsbeschreibungen lediglich in der Grundschule sprechen?
    Sobald es an die weiterführenden Schulen geht, ist das doch kein Thema mehr.
    Das gilt wohl auch für die betriebliche Ausbildung oder das Studium.

    Gut, später erhalten wir Arbeitszeugnisse, die aber in jedem Fall von einem Fachmann geprüft werden sollten, denn eine freundlich klingende Formulierung kann in der Übersetzung plötzlich das ganze Gegenteil bedeuten. Klarheit brächte dann auf jeden Fall ein simple Ziffer.
    Am Ende des Referendariats wurde der Ausbildungsstand zu meiner Zeit zunächst detailliert beschrieben. Der letzte Satz lautete aber: Die Leistungen von … werden mit sehr gut (1), gut (2) oder … beurteilt.

    • Dann sehen Sie sich doch bitte die Regelungen (BASS) für zieldifferent zu unterrichtende Schüler an Regelschulen in NRW an. Wer zieldifferent unterrichtet wird, erhält kein Ziffernzeugnis sondern ein textzeugnis.

  24. @flunra39
    Sie meinen, wir sollen Kinder individuell und nicht normativ wahrnehmen. Ich war doch tatsächlich in dem Glauben, dass ich das jeden Tag täte, aber Sie machen mir klar: in Wirklichkeit fordere und fördere ich wegen des kranken Schulsystems mit Zensuren nur “konkurrierende und stigmatisierende Verhaltensweisen”.
    Gut, dass Sie mir die Augen öffnen, auch wenn ich jetzt in einen Abgrund voller Sünden an den uns anvertrauten Kindern blicken muss. Wie konnte ich nur übersehen, was Sie so eindrucksvoll klarmachen und wie können Eltern nur so lieblos sein, dass sie auch noch dazu auffordern, Lernstandsbeschreibungen in Noten zu übersetzen?
    Weil ich anfange zu verstehen, frage ich mich, ob wir nicht zu kurz springen, wenn wir nur die Noten abschaffen. Fördere ich Konkurrenzdenken und Stigmatisierung nicht auch, wenn ich ein Kind für etwas lobe und begeistert “toll” sage, während das andere nur ein lauwarmes “schon ganz gut” abbekommt? Müsste über dieses ständige Zensieren nicht auch endlich mal nachgedacht werden? Ich stelle mir da Fortbildungskurse vor, die sensibilisieren und Muster des Lobs vermitteln, die gleichwertig sind und doch anspornen.
    Mir fällt auch noch das Problem “große Pause” ein. Dauernd beobachte ich Kinder, die ihre Kräfte miteinander messen und in Wettbewerben Sieger und Verlierer ausmachen. Bei Jungen ist dieses Konkurrenz- und Stigmatisierungsverhalten geradezu eine Sucht mit häufig fließenden Verlierertränen.
    Auch hier muss Schluss sein mit „gut, mittelmäßig oder schlecht“, auch wenn die Kinder selbst diese Klassifizierung suchen und wollen. Ich denke da an Pausenaufsichten mit möglichst vielen Lehrern, die solche Aktivitäten unterbinden. Häufige Gespräche im Sitzkreis über den Unwert von Wetteifer und Wettkampf könnten zusätzlich helfen.
    An den Sportunterricht darf ich gar nicht erst denken. Da hilft wahrscheinlich nur noch Abschaffen.
    Je länger ich überlege, desto mehr fallen mir weitere „konkurrierende und stigmatisierende” Quellen auf, die mindestens ebenso ins Gewicht fallen wie Noten.
    Noch mehr möchte ich lieber nicht nachdenken. Es ist zu deprimierend. Hauptsache, es wächst die Erkenntnis, dass viel zu tun ist im Kampf gegen konkurrierendes und stigmatisierendes Verhalten von Lehrern, Schülern und Eltern.

    • Georg, Sie haben m. E. mit dem letzten Abatz den Nerv einiger Leute in diesem Forum getroffen.Diesen zu erläutern, was empirische Bildungsforschung ist und was sie leistet/ nicht leistet, sollte in der Lehrerbildung behandelt worden sein/ ggfs behandelt werden.

      • Tja, das scheint leider bei manchem schon viel zu lang her bzw. nie wirklich angekommen zu sein.

        • Ja wenn dann die Experten noch lernen würden zwischen Korrelation, Koinzidenz und Kausalität zu unterscheiden, dann wären wir schon einen großen Schritt weiter.

          • Ich denke nicht, dass promovierte bzw. habilitierte Sozial- und Erziehungswissenschaftler*innen und ihre peer review Pendants ausgerechnet damit Probleme haben…

          • Richtig, Georg. Die Experten haben keine Probleme damit, Korrelation, Koinzidenz und Kausalität zu unterscheiden. Diese Begriffe sind für sie (leider viel zu) häufig genauso gleichwertig wie Akzeptanz und Toleranz.

            (Sie haben ja in Erziehungs- oder Sozialwissenschaft promoviert und haben damit nicht zwangsläufig Ahnung von Statistik oder gar Mathematik.)

          • Nun, xxx, ich glaube Sie liegen daneben, wenn ich Ihren Kommentar richtig verstehen.

            Für eine empirisch orientierte, quantitative Sozialforschung, ist Statistik eine essentielle Grundlage. Ohne exzellente Kenntnisse der
            drei angesprochenen Verhältnisse brauchen sie da nicht um die Ecke kommen.

          • keine sorge, ich habe ihren kommentar verstanden. ich habe ihn nur wörtlich genommen und damit umgedreht.

            übrigens: mit der vorlesung statistik wird der studiengang Pädagogik und verwandte mehr oder weniger gewollt stark ausgedünnt. sie ist die einzige Veranstaltung, in der wirklich nachgedacht werden muss, was die Fähigkeiten zu vieler Studenten übersteigt.

    • @A.S,
      Ihrerer vermeintlich lustigen und dennoch schockierend langen Beispielsammlung fehlt leider die grundlegende Unterscheidung zwischen evolutionsgenetisch und soziogenetisch entstandenem Verhalten. Zum Beispiel kappeln sich und “spielen” junge Füchse, Bären und andere Säugetiere, entsprechend zukünftiger Anforderungen im Feld der jeweiligen Art. Bei entwickungsdifferenzierterer Spezies, wie bdei uns Menschen, sind zusätzlich dazu in Kinder-Spielen und erst recht im gesellschaftlichen-institutionell streng vorgegebenem Rahmen von Schul-Pausen eine Vielzahl von subtilen und im Sozialisationsprozess angeeigneter “nützlicher” Inhalte, Strategien, Einstellungen beteiligt.
      Dass dabei direkt funktionale “Übungen” zu beobachten sind , aber auch schlechter zugängliche komensatorisch- funktionale Reaktionen und Verhaltensweisen,weist auf den mitbestimmenden Hintergrund einer von Konkurrenz und Profit bestimmten Gesellschaft bzw. ihre dafür ausgelegte Schullandschaft.

  25. Milch der frommen Denkungsart

    @Georg:

    Erstens sei Ihrem dünnhäutigen Lamento der therapeutische Ratschlag nicht eines Bildungsexperten, son- dern US-Präsidenten ans Herz gelegt: “If you don’t like the heat, get out of the kitchen”.
    Da Ihnen jene Empfehlung freilich wieder als verbotene Frucht der Belesenheit suspekt sein dürfte, harre
    ich gespannt Ihres Konters.

    Zum zweiten müssen sie sich schon den Einwand gefallen lassen, daß ein Standpunkt durch eine positive journalistische Rezension nicht per se den Anspruch auf unbestritten in Stein gemeißelte Wahrheit gepach- tet hat, sondern durchaus auch ebenso publizistisch bestritten werden kann, wie es beispielsweise Heike Schmoll oder Klaus Klemm wiederholt vorgeführt haben.

    Drittens verschweigen Sie in Ihrer Eloge auf die empirische Bildungswissenschaft wohl geflissentlich, daß diese mitnichten derart homogen ist, wie Sie zu unterstellen versuchen; so bemerkt etwa Prof. Andreas Gruschka – Präsident der Gesellschaft für Wissen und Bildung -, daß der Kreis der sich auf diesem Felde tummenden Experten und Expertinnen zahlreiche personelle Überschneidungen aufweise, weshalb es
    nicht verwunderlich sei, wenn sich auf der wissenschaftlichen Ebene mittlerweile in vielen Fragen Kon- sense abzeichneten, die zwar noch lange nicht in die Realität umgesetzt seien, aber den Rang von
    plausiblen Erkenntnissen bekämen. Sein Fazit: Das Politbüro applaudiere sich selber (wobei diese histo- rische Parallele – wenn sie auch gleich nicht von mir stammt – Sie wiederum aufheulen lassen dürfte) –
    und weiter: Die “empirische Bildungsforschung” habe zu lernen, daß es wissenschaftliche Kritik von
    außen gebe, mit der man sich auseinandersetzen müsse und die man nicht mit Akten der Exklusion
    und der Attitüde des Beleidigt-Werdens abtun könne (vgl. meinen Kommentar oben).
    Diesbezüglich werden viele der von Ihnen so gescholtenen und süffisant belächelten Praktiker exem- plarisch den vor kurzem noch in diversen Studien verteufelten wie gegeißelten Frontalunterricht erin- nern, der nunmehr bemerkenswerterweise wissenschaftliche Rehabiltation erfahren hat.

    Schließlich bringen Sie sich allerdings selbst in unseriösen Verruf, indem Sie das bestehende Schulwesen quasi einem Strafvollzug hinter Gittern gleichsetzen und sich somit gerade jener Diffamierungstendenz schuldig machen, die Sie anderen so penetrant vorzuwerfen pflegen.

    • Ich sags ja: Sie können einfach nicht anders.

      Erstens: Ich schätze Intellekt und Belesenheit, machen Sie sich keine Sorge. Wirklich punkten können Sie allerdings nur argumentativ, denn belesen sein kann jeder.

      Zweitens: Ich untermaure meine Standpunkte hier nicht nur mit positiven journalistischen Rezensionen, das dürfte Ihnen als zentraler Unterschied zwischen Ihnen, Frau Prassuhn und mir mittlerweile auch schon aufgefallen sein – wobei Sie und Frau Prassuhn ja eher nicht bis gar nicht untermauern.

      Das Zitat habe ich angeführt, da sich ein Rezensent in einem journalistischen Qualitätsmedium wie der WELT nicht zu einer Behauptung wie dieser versteigen würde, wenn er nicht wissen würde, worüber er schreibt. Studien haue ich hier ja alle schon an anderen Stellen genug um die Ohren. Ich dachte ich sorge mal für Abwechslung und zeige, dass Wissenschaft in der Welt da draußen nicht nur von mir grundsätzlich für eine gute Sache gehalten und auch wahrgenommen wird.

      Und drittens: Homogenität habe ich nie unterstellt, sehr wohl aber Beispiele geliefert, die – gerade im Fall der Debatte um Noten durch die Uni Siegen – einen Überblick über die Forschung zu haben scheinen und deshalb derartige Aussagen treffen können.

      Viertens: Sie unterstellen schon wieder gnadenlos und ich bin es leid, Sie ständig darauf hinweisen zu müssen. Ich “belächle” Praktiker nicht. Ich belächle Praktiker, die glauben, das die (eigene) Praxis der einzige Quell der Wahrheit ist und die sich einen Scheiss um Reflexion empirischer Bildungsforschung kümmern zu müssen, weil sie ja angeblich de facto durch die Bank weg “Meinungsmanipulation” (Frau Prassuhn) ist. Genau wie ich Theoretiker belächle, die im Elfenbeinturm sitzen und glauben, der Praxis was erzählen zu können, ohne sich mit ihr auseinandergesetzt zu haben.

      Und fünftens: In Deutschland besteht Schulpflicht, also Teilnahmezwang. Punkt. Kinder werden sanktioniert, wenn sie dieser nicht nachkommen, obwohl sie sich keines Verbrechens oder ähnlichem haben zu Schulden kommen lassen. Ein banaler Fakt, der sich so in keiner anderen Institution in diesem Land findet.

      Und Sie unterstellen mal wieder, wenn Sie sagen, dass ich Schule mit Strafvollzug hinter Gittern gleichsetze, wenn ich darauf hinweise. Aber an Unterstellungen haben Sie einfach viel zu viel Freude, wie mir scheint.

      • Sie meine ich, Georg, mit Ihrem Überlegenheits- und “Ich-Gebs-Auf-Getue”. Lassen Sie doch Menschen freie und eigene Meinungen haben ohne gleich Anspielungen auf “rechts” zu machen.
        Setzt die Demokratie nicht den mündigen Bürger voraus, mit dem Sie scheinbar wenig am Hut haben.
        Mich würden übrigens Frau Prasuhns genaue Aussagen zu Pegida interessieren. Für einen oder auch mehrere Links wäre ich dankbar.

      • @Georg
        “Untermauern” kann so und so verstanden werden. Ich sehe vielleicht manches als gut begründet an, was Ihnen nicht so vorkommt, und umgekehrt bezeichnen Sie etwas als gut untermauert, was mir wacklig vorkommt.
        Warum kommen denn Meinungsunterschiede und -schwierigkeiten zustande? Jeder glaubt, er hätte die besseren Argumente auf seiner Seite und seine Meinung wäre besser untermauert als andere.
        Ich kann z.B. realitätsnahe Begründungen besser verstehen als theorielastige Überlegungen mit einer fremdwortreichen Sprache, bei der mich der Eindruck beschleicht, dass ich vielleicht gar nicht verstehen sondern nur beeindruckt sein soll, und zwar so beeindruckt, dass ich zu allem Ja und Amen sage, was mir da vorgesetzt wird.
        Gute Beispiele für das, was ich meine sind die Kommentare von A. S., 24. Januar 2016 um 16:03 und flunra39, 25. Januar 2016 um 13:52.
        Der erstere leuchtet mir sofort ein, der zweite weniger. Sie würden vermutlich anders herum urteilen und sagen: Untermauert ist nur der von flunra39.

        • Liebe Laura, danke für Ihren vermittelnden Kommentar.

          Der Streit mit Frau Prassuhn dreht sich m. E. um die Relevanz und Aussagekraft wissenschaftlicher Studien aus der Bildungsforschung.

          Verallgemeinerbare Aussagen bzw. solche, die für Bildungspolitik Gültigkeit beanspruchen wollen (und die nie alle Einzelfälle erfassen können, aber eben doch Aussagen für eine Mehrzahl bzw. den generellen Sinn oder Unsinn von Maßnahmen treffen können), kann man nicht auf Einzelmeinungen gründen “die Lehrer denken so und so”, sondern sie müssen systematisch und nach klaren, transparenten Kriterien und beruhend auf ebensolchen Daten und kontrolliert durch ein peer review Verfahren erhoben und begutachtet werden (eine Umfrage unter Lehrkräften, deren Fragen einsehbar und damit prüfbar sind und im besten Fall von einer anderen, unbekannten Person mit Fachkenntnis gegengelesen werden), bevor sie veröffentlich werden.

          Frau Prassuhn spricht solchen Studien die Aussagekraft quasi generell ab (vor allem natürlich denen, die von Menschen wie mir zur Begründung ihrer Positionen zitiert werden), weil sie ihnen pauschal politische Motivation zuspricht, ohne sie zu kennen bzw. diese methodisch zu kritisieren. Studien, wie die von der Uni Siegen, sind quasi automatisch nicht gültig, weil sie zu einem anderen Ergebnis kommen, als Frau Prassuhns Meinung. Sie müssen manipuliert sein, müssen Auftragsstudien sein, müssen politischen Willen repräsentieren, ohne das sie dafür irgendwelche Belege erbringen muss bzw. methodische Schwächen nachzuweisen gedenkt.

          Gleichzeitig kann sie aber auch keine Studien zitieren, die Gegenteiliges belegen und auf Basis dessen man sich dann streiten könnte bzw. methodisch Kritik üben kann. Und sie muss es ja aus ihrer Logik heraus ja auch nicht, da alles nicht in ihr Konzept passende ja schon prinzipiell tendentiös ist, also gar nicht ernstgenommen werden braucht.

          Wissenschaftsorientierung ist eine Grundlage der Arbeit in der Oberstufe und nebenbei auch ein fachdidaktisches Prinzip der Sozialkunde. Für Frau Prassuhn scheint das allerdings keine Relevanz zu haben.

          Und mir Wissenschaftsgläubigkeit vorzuwerfen, zeigt auch, auf welchem Niveau wir hier diskutieren. Wer Thomas S. Kuhn und Michel Foucault kennt weiß, das es an “Wissenschaft” genug zu kritisieren gibt – allerdings ganz andere Sachen, als Frau Prassuhn pauschal auszumachen glaubt.

          Wer aber meint, sich komplett von intersubjektiv nachvollziehbaren Diskussiongrundlagen verabschieden zu können glaubt, weil alles Meinung und Beeinflußung ist, nun ja, mit dem lässt sich nur über Einzelfälle und die eigene Meinung, also bildungspolitisch quasi gar nicht, diskutieren.

    • Was für ein Kommentar! Besser kann ich mir eine Entgegnung auf Äußerungen kaum vorstellen, die in der Tat “dünnhäutig” und beleidigt wirken trotz allen Imponiergehabes und Überlegenheitsgetues.
      Mich erleichtert und freut, dass hier jemand von überraschend vielen anderen Diskutanten nicht mehr wie allgemein üblich belohnt wird durch Beifall zu einer Wiederholung realitätsferner, aber als moralisch und sonstwie richtig geltender Ansichten.

  26. Liebe Rita,

    wenn Sie hier schon seit einige Zeit mitgelesen hätten, würde Sie wissen, dass ich mit Klassifizierungen von “rechts” und “Nazi” äußerst vorsichtig bin und klare Kriterien zugrunde lege – nicht umsonst fordere ich hier ständig eine wissenschaftliche begründete Debatte ein.

    http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/inhalte/studien_Gutachten.php

    Insofern stecke ich mir ihre Vorwurf nicht an.

    Mir ist im Gegensatz dazu schon so ziemlich alles vorgeworfen bzw. Vergleiche bemüht worden (Faschismus, Kommunismus, Robbespierismus, Jakobintertum, Meinungsdiktatur, etc. etc.) ohne das sich die Mühge gemacht wurde, das zu begründen und isch hier allzu viele daran gestört hätten. Auch sie nicht. Aber vielleicht lesen Sie ja auch noch nicht so lange mit.

    Und zu Frau Prassuhn: Fragen Sie sie am besten selbst zu ihrer PEGIDA Sympathie. Ich würde darauf nicht ohne Grund anspielen, weil es doch zu einfach wäre, mir da Unlauterkeit vorzuwerfen. Und fragen Sie sie doch auch gleich zu ihrer Haltung bezüglich Erziehung und Bildung zu Gewaltlosgikeit und gegen die Diskriminierung von Minderheiten. Und vielleicht auch, ob Demokratie für sie mehr ist als Meinungsfreiheit für die Lügenpress-Brüller und Journalistenjäger der GIDA-Idioten.

    • Nicht zu vergessen, dass sie – wie sie hier schon kundgetan hat – auf Flüchtlinge an der (nach ihrer Meinung hoffentlich bald geschlossenen) Grenze schießen lassen möchte, die den Übertritt trotz Verbots versuchen. Ach ja, und Deutschland bezeichnet sie als eine “Meinungsdiktatur”, weil die (meisten) Medien nicht schreiben, was sie gerne hätte – ähnelt fatal dem Diktum der “Bananenrepublik” der AfD-Pöblerin von Storch.

  27. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    “Naht ihr euch wieder, schwankende Gestalten ?”

    Obschon Frau Prasuhn meiner Verteidigung nicht bedarf, so sei mir dennoch schon die Frage gestattet, worin denn der Konnex zwischen einer vermeintlich verdammungswürdigen (flüchtlings)politischen Einstellung und dem Standpunkt in Bildungsfragen besteht – es sei denn, man wollte ihn partout an den Haaren herbeiziehen.

    Im Übrigen sei solchen Pharisäern – auch auf das freilich tragbare Risiko hin, erneut als wortdrechselnder Aufschneider tituliert zu werden – folgender indirekter Tip mitgegeben:

    “Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge ?”

  28. Moralische Integrität?

  29. Dann kann ja auch Björn Höcke wieder ohne Probleme in den Schuldienst, wenn die politische – und öffentlich gemachte! – “Einstellung” (wenn man das so nennen will) und eine Unterrichtsbefähigung nichts miteinander zu tun haben.

  30. Man kann doch nicht für einen Staat arbeiten, den man allen Ernstes für eine Diktatur hält – da sollte man dann schon konsequent sein und den Arbeitgeber wechseln. Der verdient schon von seinen Bediensteten ein Mindestmaß an Loyalität.

  31. Milch der frommen Denkungsart

    Nun vermag ich aber im Dissens mit Positionen einer Regierung weder offene noch latente Illoyalität zum Staat per se zu erkennen.

  32. Wenn ich unseren Staat als Diktatur verleumde, ist das mehr als ein politischer Dissens – dann stelle ich das System infrage. Und wer, wie Sie ja auch, als “ultima ratio” Waffengewalt gegen Flüchtlinge gutheißt, stellt sich gegen das Völkerrecht, das wiederum Kernbestandteil des deutschen Bundesrechts ist. Das nennen Sie “Dissens mit Positionen einer Regierung”? Ich nenne das politischen Extremismus – und weiß dann auch angeblich rein pädagogische Thesen aus dieser Quelle entsprechend einzuordnen.

  33. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Falls ich Sie sanft daran erinnern darf, besteht zwischen “Meinungsdiktatur” und (staatlicher) Diktatur durchaus ein semantischer Unterschied, den Sie in Ihrer jüngsten Einlassung mit hörbar tendenziösem –
    man möchte vielleicht vermuten: verleumderischem – Unterton eingeebnet haben.

    Ferner fühle ich mich jedenfalls nicht kompetent, in einen juristischen Diskurs einsteigen; jedoch sei mir der Hinweis gestattet, daß immerhin die EU-Außenbeauftragte Mogherini – man mag das nun einen interpreta- torischen Winkelzug nennen – noch unlängst das siebte Kapitel der UN-Charta dahingehend auszulegen ver- suchte, wonach es statthaft sein könnte, Flüchtlingsströme als einen regional destabilisierenden Faktor in
    der Tat mit militärischer Gewalt zu unterbinden.
    Natürlich ist es Ihnen unbenommen, solcherlei Überlegungen zu verdammen – ich fürchte nur, daß eben- dieses Geschäft uns demnächst eh gemeinhin als wenig zimperlich geltende türkische (Außen)grenztrup- pen abnehmen werden, wofür man sie ja fürstlich zu alimentieren gedenkt, um unserer Regierung die un- angenehme (weil mit wenig telegenen Bildern behaftete) Drecksarbeit abzunehmen.

  34. Das ist kein juristischer Diskurs, das ist ein zutiefst moralischer – womit wir wieder bei der Pädagogik wären. Jemand, der darüber schwadroniert, auf Flüchtlinge (eben auch Kinder) schießen zu lassen, disqualifiziert sich m. E. für jede sinnvolle pädagogische Diskussion. Was, sehr geehrte Milch, wollen Sie uns denn mit Ihrem hier häufig angebrachten Gemecker an der angeblich erodierenden Bildung in Deutschland kundtun – dass Ihr vermeintlich humanistisches, tatsächlich aber (wie sich nun zeigt) sinnfreies Bildungsideal irgendwie besser wäre als das, was Kinder heutzutage lernen? Die Kinder und Jugendlichen, die ich in der Schule erlebe und die Hurrelmann als “die heimlichen Revolutionäre” identifiziert, sind vielleicht in Orthografie nicht so toll wie Sie und und haben auch nicht so viele Zitate von 2000 Jahre alten Philosophen drauf wie Sie – soziales Denken haben sie aber im Gegensatz zu Ihnen in der Mehrzahl gelernt.

  35. @Georg
    Mich erstaunt, warum Sie mir nicht einen Link angeben, der zu Frau Prasuhns Kommentar zu Pegida führt, weil Ihnen dann Unlauterkeit vorgeworfen werden könnte. Ich soll Frau P. selbst nach ihrer “PEGIDA Sympathie” fragen, meinen Sie.
    Das finde ich seltsam. Warum soll ich zu keinem eigenen Urteil über den Kommentar kommen?
    Auch alles Weitere, wonach ich Frau P. fragen soll, finde ich merkwürdig. Es muss offenbar noch mehr Kommentare geben, die Sie veranlassen, den Eindruck von einer höchst fragwürdigen Person zu erwecken.
    Da ich den Dingen gern auf den Grund gehe und mir lieber ein eigenes Bild mache, möchte ich Sie nochmals bitten, sowohl einen Link zu der “PEGIDA Sympathie” als auch zu den anderen Kommentaren mit den genannten Stichwörtern zu machen. Das wäre wirklich lauter und würde obendrein Ihre Behauptung erhärten, dass Sie im Gegensatz zu “Milch der frommen Denkungsart” und Frau Prasuhn Ihre Standpunkte “untermauern”. Siehe Ihr Kommentar vom 25. Januar 2016 um 22:35!

    @Bernd und Anna
    Ihre Kommentare finde ich nicht nur seltsam, sondern auch beängstigend. Es ist die ungezügelte Wut auf Fau P., die mich schockiert. Was hat Sie Ihnen getan, dass Sie so über sie herfallen?
    Aber auch hier gibt es Wege zur Aufklärung. Auch Sie beide möchte ich bitten, mir Links zu den Artikeln mit den anstößigen Kommentaren von Fau P. zur Verfügung zu stellen, damit ich mir selbst ein Bild machen und Sie vielleicht besser verstehen kann. Das ist doch bestimmt auch in Ihrem Interesse.

    • Frau Prasuhn hat bestimmt keinen “verbalen Geleitschutz nötig”, weil sie sich ohne Zweifel souverän und überzeugend gegen unfaire und geschmacklose Anwürfe bestimmter Tn zur Wehr setzen kann.
      Diese miesen Attacken gegen eine Grundschullehrerin im Ruhestand finde ich aber geradezu widerwärtig, und sie stoßen mich regelrecht ab.
      Ich schrieb bereits vor einiger Zeit, dass es sich nicht lohne, sich in diesem Forum mit gewissen Leuten auf endlose und damit nutzlose “Grabenkämpfe” einzulassen.

      @Rita
      Hier finden Sie eine Einlassung von Frau Prasuhn zu einem Kommentar von Herr Priboschek zur angeblichen Lügenpresse:

      http://www.news4teachers.de/2015/11/in-eigener-sache-ein-paar-worte-zur-angeblichen-luegenpresse/

      • Ja, so kann man/frau das auch sehen.
        Aber lassen wir doch Worte und Überzeugungen sprechen!

        “Die „Junge Freiheit“ gefällt mir ausgezeichnet – nicht zuletzt deswegen, weil sie ausschert aus dem monotonen Gleichklang der Medienstimmen.
        Dazu vielleicht eine weitere Passage – wieder aus der aktuellen Ausgabe:
        „In der Realität einer komplexen Mediendemokratie entscheidet sich die Frage, welche Meinungen ein Millionenpublikum hört, nun daran, wer im Besitz der Mikrophone einer Talkshow ist und wer darüber befindet, wer vor ein Mikrophon kommt oder nicht.
        Relativ früh, schon in der Schule, machen junge Bürger die Erfahrung, welche Meinungen „diskutabel“, also mikrophonfähig sind und welche nicht. Geht man vom Idealfall aus, dann müssten ja in einer Demokratie alle politischen Positionen eine ähnliche Ausgangssituation haben. Und sie müssten über gleiche Chancen verfügen, sich artikulieren zu können. Das ist aber nicht so. Tatsächlich wird man sich mit einer linken Position weder in der Schule noch auf der Straße isolieren. Mit einer „rechten“ garantiert…Man gerät sofort in den Verdacht, „Rechtsextremist“ oder „Nationalist“ zu sein.“

        So sehe ich das auch.” (Zitat Frau P.)

        Junge Freiheit – Sprachrohr der “Neuen Rechten” ?
        Kann man vielleicht so sehen.

        • Wo ist das/Ihr Problem?
          Was Frau Prasuhn gut findet oder nicht, ist alleine Ihre Entscheidung, solange nicht gegen bestehende Gesetze oder gegen die Verfassung verstoßen wird.
          Sie können gerne eine gegenteilige Meinung dazu äußern, müssen die andere Person aber nicht im gleichen Atemzug in übelster Weise beschimpfen.

          • Ich beschimpfe niemanden “in übelster Weise”.
            An welcher Stelle meines Beitrages lesen sie dieses heraus?

            Mein Beitrag bezog sich im Übrigen auf die Nachfrage von Rita (s.o.) und war sehr neutral formuliert.

            “Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!”

            PS … und “Lügenpresse” JF gleich dazu.

          • Vollkommen richtig. Zugegeben habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. Ich meine natürlich nicht Sie mit (in übelster Weise beschimpfen). Sorry!!

      • @mehrnachdenken
        Danke für den Link! Nachdem ich den Kommentarverlauf gelesen habe mit den beiden Kommentaren von Frau Prasuhn, kann ich nur sagen: Ich verstehe kein bisschen, was es hier zu kritisieren gibt. Was sie zur sog. “Lügenpresse” sagt, kann zutreffender und überzeugender kaum sein.

        • Es ging nicht um die “Lügenpresse” an sich, sondern um Frau Prasuhns Smypathie und Verständnis für PEGIDA, ihr “Lügenpresse”-Brüllen (stattdessen betrachtet man dann den deutschen Ableger des russischen und recht direkt vom autoritär regierenden Putin kontrollierten Staatssenders RT als objektiv) und die zunehmenden Übergriffe auf Journalist*innen im Rahmen der GIDA Demonstrationen.

          Für wen die Presse automatisch zur Lügenpresse wird, weil kritisch berichtet wird, hat ein Problem mit freier Meinungsäußerung. Die aggressive Stimmung gegenüber den Pressevertreter*innen, egal welcher coleur (selbst RT Reporter wurden schon angegriffen), zeigt das deutlich.

          • Biitte einen Link statt unbewiesener Behauptungen!
            Da gab es trotz meiner wiederholten Bitte aus Ihrer Fraktion bisher nur einen einzigen Link durch “beobachter”.
            Von Ihnen und Ihresgleichen erwarte ich weiterhin eine Fülle an Links, denn es stehen weiterhin Anschuldigungen im Raum, von denen ich wissen möchte, ob sie Diffamierung sind oder Tatsache.
            Also kommen Sie endlich rüber mit dem Pegida-Link!!

          • Liebe Rita,

            bitte nicht in diesem Ton.

            Danke!

          • Hier äußert sich Frau Prasuhn zu der Flüchtlingskrise (16.01./ 19.29 h):

            http://www.news4teachers.de/2016/01/uebergriffe-in-koeln-probleme-mit-muslimischen-jugendlichen-gibt-es-auch-in-der-schule-seit-langem/

            Sie müssen recht weit nach unten scrollen.

          • Wenn ich Sie nicht hätte, liebe(r) mehrnachdenken, käme ich wohl kaum zu weiteren Links. Darum nochmals herzlichen Dank, obwohl ich diesen Diskussionsverlauf schon kannte aus eigener Beteiligung. Meiner bisher einzigen, wenn ich mich recht erinnere.
            Dadurch hatte ich auch bereits einen ersten, sehr positiven Eindruck von Frau Prasuhn, der mich beim shitstorm gegen sie stutzig machte. Ein Glück, denn ohne ihn hätte ich vermutlich gar nicht nachgehakt und wäre ziemlich achtlos über die Diffamierungen hinweggegangen.
            Ihrem zweiten Link kann ich aus Zeitgründen im Moment nicht mehr nachgehen.
            Vielleicht heute Abend. Aber auch für ihn schon mal vielen Dank!

      • @ mehrnachenken.

        Unfaire und geschmacklose Anwürfe? Miese Attacken? Wo? Wer?

        Hier wird doch nur wiedergegeben, was Frau Prasuhn selbst geäußert hat.

        Und was hat das jetzt mit ihrem Status “Grundschullehrerin im Ruhestand” zu tun?
        Ist sie jetzt besonders verletzlich? Darf man dann nicht mehr erwähnen, dass sie Sympathie für PEGIDA äußert, scheinbar den Schiessbefehl gegen Flüchtlinge gut findet und offenbar ein Problem damit hat, sich trotz mehrmaliger Nachfrage positiv zur Erziehung zu Gewaltlosigkeit und gegen Minderheitendiskriminierung zu äußern?

        • Auch hier gilt: Lassen Sie uns doch endlich wissen, “was Frau Prasuhn selbst geäußert hat”. Her mit den Links zu ihren Kommentaren!
          Wie soll ich denn sonst wissen, was sie wirklich selbst gesagt hat und was Unterstellungen bzw. Auslegungen von Leuten sind, die über ihre Meinungsäußerungen maßlos verärgert sind?
          Allmählich gibt mir zu denken, dass Sie nicht rausrücken mit den “Beweisen”.

    • Hallo Rita,

      die Diskussionen zu PEGIDA, “Lügenpresse”, “rechts” etc. laufen hier schon seit mehreren Monaten und unter verschiedensten Artikeln. Wann und wo jede einzelne Äußerung getätigt wurden, kann ich ihnen nicht mehr genau sagen.

      Deshalb ja auch der Verweis auf Frau Prasuhn, die ja ihre Aussage gerne bestätigen wird. Ich denke, dass sie auch einigen anderen hier sicher noch präsent haben, denn bisher wurden mir ja hier in der Beziehung noch keine Lügenvorwurf gemacht.

      Mir fehlt schlicht die Lust, hier detailliert auf die Suche zu gehen. Zur Not könnten wir auch Herrn Priboschek bitten.

  36. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Daß humanistische Bildung einen besseren Menschen produziert, habe ich allein schon vor der Folie des National-sozialismus niemals behauptet – im Gegensatz zu Ihnen freilich gefalle ich mir nicht in der Pose der sittlichen Voll- kommenheit wie Sie und Ihresgleichen, sondern bekenne mich dazu, daß Mitleid den Verstand auf Dauer nicht wird ersetzen können, mögen Sie da nun mit jenem Richtschwert, das sie sich derart selbstgerecht verliehen haben, noch so dreinhauen – Ihre Moral, mit der Sie mich als asozial abkanzeln, nimmt es tatsächlich mit jeder Unmenschlichkeit auf.

  37. Was ich gegen Leute habe, die über einen Schießbefehl an der deutschen Grenze lamentieren? Wer derart unbekümmert (oder bösartig) dazu beiträgt, die politische Atmosphäre in Deutschland zu vergiften, hat aus der Geschichte nichts gelernt – gut 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus in Deutschland und 25 Jahre nach dem Ende der DDR.

  38. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Der hier permanent Klagelieder anstimmt, sind ja wohl Sie – insofern sollten Sie beim nächsten Angiff zukünftig besser einen Fremdwörterduden zu Rate ziehen.
    Im Übrigen verrät der öde, mittlerweile abgeschmackte Gebrauch der Nazikeule nicht mehr als Ihre Feigheit vor politischem Gegenwind; desweiteren ist Ihr wohl beifallsheischender Verweis auf die Mauertoten zwar wohlfeil, jedoch letztlich ahistorisch – auch hier gilt: Moralinsäuernis verstellt den Blick.

  39. @beobachter
    Wenn einer Person eine rechtmäßig zugelassene Zeitung gefällt, weil „sie ausschert aus dem monotonen Gleichklang der Medienstimmen“, so gehört das zum Verhalten jedes kritischen Bürgers, der für seine Meinungsbildung mehr braucht als den sog. Medien-Mainstream. Dieser wird inzwischen auch von namhaften Personen als bedenklich und gefährlich eingestuft. Ich erinnere nur an eine kürzliche Talk-Show mit Stefan Aust, dem ehemaligen Herausgeber des SPIEGEL, der sich sehr deutlich und kritisch zu diesem Mainstream geäußert hat, oder ich erinnere an die „Schweigespirale“, von der immer öfter die Rede ist.
    Eine starke und wehrhafte Demokratie braucht bekanntlich den Austausch unterschiedlicher Ansichten und als Souverän den wachsamen, gut informierten Bürger. Krank gemacht wird sie durch rechtswidrige Meinungsverbote einer Paralleljustiz, in der selbsternannte Ankläger und Richter eigene Sanktionen vornehmen, indem sie denunzieren, diffamieren und anprangern.
    Um zu belegen, dass sich dadurch viele Menschen nicht mehr trauen, ihre ehrliche Meinung vor fremden Ohren zu sagen, brauchte es eigentlich keine Bestätigung durch die Umfrage des Allensbacher Instituts, denn jeder weiß das längst durch Gespräche mit Freunden und Bekannten. Einziger Vorteil der Untersuchung: Jeder kann sich auf ein offizielles Ergebnis berufen, wenn er als „rechts“ beschimpft wird, sobald er sich kritisch zum gegenwärtigen Zustand der Meinungsfreiheit äußert.
    Vielen Dank, beobachter, für den Kommentar von Frau Prasuhn. Mit der wahrscheinlich erhofften Ablehnung kann ich allerdings nicht dienen. Im Gegenteil, ich ziehe den Hut vor der Dame mit ihren klaren Worten und ihrem Mut.
    Was sie damit riskiert, haben die Angriffe auf ihre Person gezeigt. Auch wenn ich diese verurteile, haben sie doch ihren Wert. Sie bestätigen eindrucksvoll die “Worte und Überzeugungen”, die verübelt wurden

    • Gähn. Das haben wir hier doch schon ellenlang diskutiert – n4t hat’s ja schon explizit angesprochen:

      http://www.news4teachers.de/2015/11/in-eigener-sache-ein-paar-worte-zur-angeblichen-luegenpresse/

      Und das larmoyante Mantra von “Meinungsverboten einer Paralleljustiz, in der selbsternannte Ankläger und Richter eigene Sanktionen vornehmen, indem sie denunzieren, diffamieren und anprangern” wird durch endloses Wiederholen nicht richtiger – es gibt eine öffentliche Diskussion, die sich mittlerweile in allen Medien findet, es gibt Radikale von rechts und von links, die von einer öffentlichen Diskussion gar nichts halten, und es gibt eine Welle rechtsterroristischer Gewalttaten, die von der derzeit grassierenden Hysterie in der Flüchtlingspolitik befeuert wird. Und es gibt Leute wie Sie, die Kritik an ihren Positionen offenbar mit “Meinungsverboten” verwechseln. Verboten wird hier gar nichts, es sei denn, es wäre beleidigend oder volksverhetzend. Das heißt aber nicht, dass auch jeder hier oder andernorts geäußerte Polit-Quatsch ernstgenommen werden muss.

    • Hallo dixo,

      Kritik und Fragen nach Klärungen sind also Angriffe. Hinweise auf Pauschalisierungen und der Hinweis auf die Nähe der Jungen Freiheit” zu Positionen, die aus demokratischer Perspektive mehr als schwierig sind, weil sie zentrale Grundlagen dieser Demokratie in Frage stellen sicher auch.

      Was ist dann eigentlich Kritik, was sind Fragen nach Klärung, die überhaupt noch geäußert werden dürfen und nicht automatisch als unlautere. politisch motivierte Angriffe gewertet werden?

  40. @dixo

    “Vielen Dank, beobachter, für den Kommentar von Frau Prasuhn. Mit der wahrscheinlich erhofften Ablehnung kann ich allerdings nicht dienen. Im Gegenteil, ich ziehe den Hut vor der Dame mit ihren klaren Worten und ihrem Mut.”

    Ich habe keine Ablehnung erhofft, sondern nur bemerkt, dass die von mir beispielhaft ausgewählte Äußerung von Frau P. den hier diskutierten Eindruck erwecken könnte. Ganz wertfrei und – was meine Person betrifft – vor allem emotionslos.

  41. Bewundernswert, wie viel Zeit hier manche investieren können. Hätte ich doch auch mal was gescheites gelernt. But *2L8*.

    • Tja, es gibt eben auch Lehrkräfte im wohlverdienten Ruhestand, die – wie bspw. ich – nicht ganz von der Schule und drum herum lassen können oder wollen.

  42. @Bernd
    Ihren Link hat “mehrnachdenken” bereits gestern Abend zur Verfügung gestellt.
    Und versuchen Sie bitte nicht Ihre üblen Attacken auf eine Person, die Ihnen im Meinungsstreit das Leben so schwer macht, dass Sie ihr unter die Gürtellinie schlagen, um erstens Ihrem Ärger Luft zu machen und sich zweitens mit unlauteren Mitteln Oberwasser zu verschaffen.
    Denunziation, Diffamierung und Pranger sind keine Kritik an Positionen, wie sie fälschlicher Weise behaupten, sondern eindeutige Angriffe auf die Integrität eines Menschen. Das zu bestreiten ist unwürdige Dummstellerei.
    Es passt aber zu meinem Bild von Ihnen, dass Sie sich plötzlich mit einem “Gähn”, dem Vorwurf der Larmoyanz und Verharmlosung Ihre Tuns aus der Affäre ziehen.

    @Georg
    Sie haben ebenso wenig wie Bernd nach Klärungen und Antworten gesucht. Unter diesem Deckmantel, der durchsichtiger nicht sein konnte, haben sie sich zu dritt auf Frau P. gestürzt und versucht, sie mit vereinten Kräften zu diffamieren um ihre guten Kommentare als die einer schlimmen “Rechten” zu diskreditieren.
    Kapieren Sie noch immer nicht, dass die Nazi-Keule allmählich ausgespielt hat und zum Bumerang wird.

    • Lieber dixo,

      ich habe in meinen ganzen letzten Kommentare weder “Nazi” gesagt noch das Wort “Rechte” benutzt. Was lesen Sie da rein? Bleiben Sie doch bitte beim Wortlaut meiner Kommentare und fangen Sie nicht an, mir Dinge anzudichten.

      Wir haben uns auch nicht auf Frau Prasuhn gestürzt, sondern die Diskussion über Wissenschaftlichkeit und die Untermauerung von Meinung mit empirischen Studien der Bildungsforschung ist abgedriftet auf Dinge, die Frau Prasuhn hier in diesem Forum mal in vollem Bewusstsein geschrieben hat, und für die Rita dann in unangenehmen Befehlston Nachweise geliefert haben wollte, die mehrnachdenken ihr freundlicherweise verlinkt hat.

      Bitte zitieren Sie mich doch, wenn Sie so rumanschuldigen.

      Danke!

      • Der Korrektheit halber

        “…ich habe in meinen ganzen letzten Kommentare weder „Nazi“ gesagt noch das Wort „Rechte“ benutzt.

        … bezogen auf Frau Prasuhn

      • Sie bemängeln: “Was lesen Sie da rein? Bleiben Sie doch bitte beim Wortlaut meiner Kommentare und fangen Sie nicht an, mir Dinge anzudichten.”
        Da haben Sie völlig Recht! Schön wäre es allerdings, man pochte auf die Regeln der Fairness nicht nur dann, wenn es um die eigene Haut geht.
        Außerdem gehört es auch zur Fairness, dass eine Person nicht überdeutlich, aber “nur” auf indirekte Weise als Rechter oder Nazi dargestellt wird, so dass man hinterher die Hände in Unschuld waschen kann und sagen: “Diese Worte habe ich nie gesagt.”

        • Liebe*r geli,

          bitte lesen Sie, was ich geschrieben habe und halten Sie Ihre Fantasie im Zaum. 😉

          Posten Sie bitte Zitate von mir und Ihre Interpretation dazu, dann antworte ich gerne mit einer Erklärung, wie ich sie gemeint haben.

          Vielleicht finden wir ja dann zueinander.

          Ganz ehrlich: Wenn ich solche Wörter benutze, dann nur, wenn ich wirklich Grund dazu habe und das auch per Verweis auf Definition nachweisen kann. Das habe ich doch nun wirklich schon oft genug hier unter Beweis gestellt.

  43. Sie haben völlig recht – manche Meinungen berühren auch die moralische Integrität eines Menschen. Siehe oben.

    • Wenn es am eigenen Leib erfahren wird, ist das beste Nachhilfe in Empathie. Hoffentlich lernen Sie daraus, wie es anderen geht, die Sie mit Unterstellungen attackieren.
      Mitgefühl zu predigen ist billig und leicht, es zu haben und sich selbst nach ihm zu richten, gehört dagegen zu den Dingen, die allein zählen.

  44. Mich erstaunt und erschreckt schon, wie locker in Deutschland 2016 übers Schießen auf Menschen dampfgeplaudert werden kann – und wie wenige Leute sich scheinbar darüber aufregen. Ich tu’s jedenfalls.

    • Auch Sie benutzen “scheinbar” falsch. Haben Sie und “Georg” evtl. einen gemeinsamen Bildungshintergrund?
      Sehen Sie, so können sich die Leute über verschiedene Dinge aufregen.
      Wenn Sie mö., kann ich Ihnen hinsichtlich des korrekten Gebrauchs von “scheinbar”, “anscheinend”, “offensichtlich” etc. eine kostenlose Nachhilfestunde anbieten.
      Sorry, aber bei Ihrer “Dampfplauderei” musste ich diesen ironischen Seitenhieb einfach mal loswerden.

      • Da bleibt mir nur ein kräftiges *faceplalm*.

        Statt um Inhalte geht es kleinlich und oberlehrerhaft um Form, die btw die Verständlichkeit nicht wirklich beeinflußt hat.

        Statt sich über die Forderung nach Schießen auf Menschen, die vor dem Krieg fliehen, aufzuregen, da ja “die Grenzen gesichert” (Vor welcher Bedrohung, vor welcher Gefahr eigentlich?) macht man sich über die Wahl von Worten lustig.

        Wo sind wir hingeraten…

        • “Nicht wirklich”, diese elende Modephrase, ebenfalls unreflektiert von vielen schlauen und weniger schlauen Leute dauernd in den Mund genommen.
          Ich fasse es einfach nicht!
          Ist es denn so schwierig, klare und eindeutige Sätze zu formulieren, in denen präzise benannt wird, worum es gehen soll?

  45. Milch der frommen Denkungsart

    @Anna:

    Ihre Empörung sei Ihnen unbenommen, da Toleranz wortwörtlich impliziert, daß man von der eigenen Welt- sicht abweichende Meinungen keineswegs zu billigen braucht, sogar polemisch kritisieren darf, freilich aber aushalten muß, zumal wenn von der Gegenseite Farbe zu bekennen kategorisch verlangt wird.
    Wenn die offenbare Spaltung dieser Gesellschaft durch die selbstgerechte Unterstützung des Nichtstuns in der Flüchtlingsfrage, die der naiven Reaktion eines Kindes gleichkommt, das im Bedrohungsfall einfach die Hände vor die Augen schlägt, sich noch weiter vertieft, so befürchte ich, daß die Kugeln sogar zuerst um die Ohren einer sich bekriegenden Bürgerschaft pfeifen werden.
    Da jedoch nun der diesbezügliche Diskurs in einem Grabenkrieg feststeckt und der Frontverlauf klar scheint – was ich für durchaus legitim halte -, werde ich mich in diesem Forum, das ja genuin ein Bildungsportal ist, jedenfalls dazu nicht mehr äußern in der Hoffnung, daß ich diesem Vorsatz tatsächlich werde treu bleiben können.

    @mehrnachdenken:

    Wappnen Sie sich schon einmal gegen die giftigen Pfeile Ihrer Adressaten – mindestens der Vorwurf bil- dungsbürgerlicher Arroganz wird Ihnen gewiß sein.

  46. @Milch der frommen Denkungsart
    Nein, bitte verabschieden Sie sich nicht!!!

  47. Milch der frommen Denkungsart

    @Heike:

    Nur bezogen auf die Flüchtlingskrise, versprochen !

  48. @Milch der frommen Denkungsart
    Auch wenn Sie sich künftig (zu meinem Bedauern) aus Diskussionen um die Flüchtlingskrise raushalten wollen, wird Ihnen ein relativ kurzer Artikel in der FAZ sicher gefallen.
    Zur Appetitanregung dieser Ausschnitt:
    „Wenn man seine (Anm.: gemeint ist der Philosoph Arnold Gehlen) Hauptideen und Insinuationen heute Revue passieren lässt, bekommt man eine verblüffend präzise Zuspitzung der Motive, die der Ablehnung der Berliner Asylpolitik über die pragmatischen Fragen hinaus ihre Wucht und ihre Unversöhnlichkeit geben. Der „Humanitarismus“, den Gehlen schon seit dem Zusammenbruch der griechischen Stadtstaaten als Dekadenzphänomen wahrnimmt, überdehne die Moral und überfordere den Menschen; denn zusammen mit dem „Masseneudämonismus“ trage er auch noch zur Schwächung der Institutionen bei, die allein es dem Menschen möglich machen, anständig zu leben – nicht zuletzt den Staat. Die Intellektuellen und Medienleute aber hätten die Hypermoral zu ihrer Herrschaftsideologie gemacht: „Teuflisch ist, wer das Reich der Lüge aufrichtet und andere Menschen zwingt, in ihm zu leben.“
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/arnold-gehlen-als-merkel-gegner-in-der-fluechtlingskrise-14030663.html

  49. Milch der frommen Denkungsart

    Sehr verehrte Frau Prasuhn,

    vielen Dank zuvorderst für den Quellenverweis, mit dem Sie mir nun doch noch ein letztes Statement zu diesem Thema entlocken.
    Gehlens beharrliches Bestehen auf institutionalisierte Ordnung scheint mir angesichts der Nonchalance,
    mit der zur Zeit staatlich sanktionierter Rechtsbruch gleichsam als Kavaliersdelikt abgetan wird, hochaktuell. Jener von ihm erkannte “Masseneudämonismus” findet tatsächlich sein reales Abbild in der weitenteils ge- pflegten Haltung, dem Flüchtling generell eine Art Heiligkeit zuzuschreiben, die an das ebenso wirklichkeits- fremde mythische Trugbild vom “edlen Wilden” erinnert.

    • Ihre 19.-Jahrhundert-Schreibe verschleiert nicht, Milch, dass Sie hier glatte Lügen verkaufen – kein Mensch hat jemals Flüchtlingen “eine Art Heiligkeit” zugeschrieben. Im Gegenteil, alle verantwortungsbewussten Politiker – von der Kanzlerin bis zum Bundespräsidenten (“wächst zusammen, was bisher nicht zusammengehörte”) – haben stets darauf hingewiesen, dass die Integration Probleme bringen wird. Es ist schamlos, wie Sie den Millionen von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern hier unterstellen, ein Trugbild vom “edlen Wilden” zu pflegen. Da geht Ihnen offenbar die Phantasie durch. Haben Sie jemals mit Leuten zu tun gehabt, die sich in ihrer Freizeit für Menschen in Not kümmern – und die sehr wohl wissen, dass das nicht immer eine einfache Klientel ist? Wohl kaum.

      Sie bringen doch so gerne Zitate. Ich hätte jetzt auch mal eins: “Mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch, Herr Präsident!” (Joschka Fischer, 1984)

      • “Im Gegenteil, alle verantwortungsbewussten Politiker – von der Kanzlerin bis …. .”

        Selten so laut gelacht!! Frau Merkel und verantwortungsbewusst? Ist Ihre Wahrnehmung auch bereits getrübt??
        Ein verantwortungsbewusster Politiker hätte NIEMALS so eigenmächtig gehandelt, dabei billigend Inkauf genommen, gegen bestehende Gesetze zu verstoßen und der Zivilgesellschaft so eine Riesenaufgabe aufzubürden.

        • Jetzt wird’s aber albern. Man kann ja anderer Meinung als Frau Merkel sein, ihr aber Unverantwortlichkeit zu unterstellen … Schon 1000 mal gefragt – ohne Antwort geblieben. Trotzdem noch einmal: Was, sehr geehrter mehrnachdenken, hätten Sie als “verantwortlungsbewusster” Kanzler denn entschieden? Grenzen dicht, Slums á la Calais vor den deutschen Grenzen, Schießbefehl auf grenzüberschreitende Flüchtlinge, Griechenland, das wir gerade mit Zig-Milliarden gerettet haben, im Elend ersticken lassen (mit allen Folgen für den Euro und Europa), die deutsche Wirtschaft bei geschlossenen Grenzen vor die Hunde gehen lassen – sieht so Ihr “Verantwortungsbewusstsein” aus?

          Und gegen welches Gesetz hat Merkel denn verstoßen?

          • Nun, nicht nur nach Meinung des Verfassungsrechtlers Rupert Scholz, hat Frau Merkel gleich gegen mehrere Gesetze verstoßen:

            https://www.youtube.com/watch?v=Sefl824vTn4

            Frau Merkel entdeckte ihre Menschlichkeit für Flüchtlinge offensichtlich erst im Sommer letzten Jahrers.
            Die schon längere Zeit vorher untragbaren Zustände in Italien und Griechenland mit vielen Toten im Mittelmeer berührten sie anscheinend kaum.
            Soweit ich informiert bin, mussten diese Länder mit dem Menschenansturn nahezu alleine zurecht kommen.

            Die Flüchtlingslager in Jordanien, dem Libanon und in der Türkei waren der Kanzlerin offenbar ebenfalls egal oder haben Sie etwas von deutschen Geldern dorthin mitbekommen?

            Eine verantwortungsvolle Politik arbeitet auch vorausschauend. Wären die Flüchtlingslager in den Nachbarländern von Syrien
            so ausgestattet worden, dass die Menschen dort zumindest mittelfristig gut untergekommen wären, hätte Deutschland Flüchtlingskontingente aufnehmen können, hier gut unterbringen und versorgen können und uns wäre das momentane Chaos erspart geblieben.
            In diesem Punkt spreche ich von einem Totalversagen der deutschen Politik im Allgemeinen und von der Bundeskanzlerin im Besonderen.
            So nebenbei hat die dilettantische Flüchtlingspolitik von Frau Merkel Deutschland in der EU auch noch ziemlich isloliert. Ja, ihre Politik kann sogar zum Zerfall der Europäischen Union führen.

      • Moment Mal, Sie sprechen von Lügen? Ob man es “eine Art Heiligkeit” oder “eine Art Unantastbarkeit” oder “eine Art Gesetzesfreiheit” nennt, spielt doch keine Rolle. Alles läuft auf dasselbe hinaus, nämlich eine verbreitete Nachsicht gegenüber impertinentem, aggressivem und sogar kriminellem Verhalten vieler Zuwanderer. Die Polizei wird aufgefordert, bei ihm großzügig zu sein und die Augen zuzudrücken. Wer Migranten eines Ortes verweist wegen untragbaren Verhaltens, erntet Empörung über angebliche Fremdenfeindlichkeit. Sogar vor der Justiz stoßen ihre Gesetzesverstöße oft auf ungewöhnliches Verständnis und sie erhalten diverse Sonderbonusse. Das ist doch nun kein Geheimnis mehr.
        Die Bedeutung des Trugbilds vom “edlen Wilden” haben sie offenbar auch nicht verstanden. Ihnen auch hier noch auf die Sprünge zu helfen, geht mir zu weit.
        Was mich aber umwirft, ist die Tatsache, dass Sie sich als einer der Menschen, “die sich in ihrer Freizeit für Menschen in Not kümmern”, getroffen fühlen. Befürchten Sie beim Kommentar von “Milch” etwa einen Verlust Ihrer Anerkennung oder Bewunderung, weil Leser ja nun auf die Idee kommen könnten, dass Sie vor allem von einem Trugbild geleitet sind und nicht von edlen Gefühlen? Mit solchen Gedanken gehen sie vermutlich zu weit.

        • Nein, ich befürchte, dass sich durch solche Hetze Rechtsradikale zu immer schlimmeren Terrorakten animiert fühlen – jetzt flog ja schon die erste scharfe Handgranate gegen ein bewohntes Flüchtlingsheim.

          • PseudoPolitiker

            War die Handgranate scharf? Ich meine, dass sie es nicht war.
            Ist aber auch egal.
            Mich interessiert vor allem, wer für das Ding wirklich verantwortlich ist. Da warte ich lieber ab, was bei der Suche rauskommt. Hoffentlich wird der Täter gefunden.
            Eins hat der Widerling jedenfalls erreicht: Ganz Deutschland steht wieder voll hinter dem Kampf gegen Rechts und rechte Töne.

          • Himmel hilf!

            “War die Handgranate scharf? Ich meine, dass sie es nicht war.” Ernsthaft?

            Was muss eigentlich noch passieren, damit hier nicht hinten allem linke Verschwörung vermutet wird? Haben Sie sich mal die Anzahl an Straftaten angeschaut, die gegen Flüchtlingsunterkünfte verübt wurde? Die Presse ist voll davon.

            Wann fängt für Sie eigentlich die Relativierung des Terrors (Nein, nicht Gewalt – Terror! Was ist der Unterschied zu verübten oder vereitelten Anschlägen von Islamisten oder RAFlern?) von Rechts an?

            “Mehr als 11.000 rechte Straftaten zählte die Polizei bis Oktober. Die Behörden ermittelten fast 6.000 Verdächtige – stellten aber nur neun Haftbefehle aus.”

            http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-12/rassismus-rechtsextremismus-anstieg-straftaten

            Das waren sicher alles Linke, die unsere guten Jungs, die mal ihre Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen wollten – in Misskredit bringen wollen.

            Und sicher ist die ZEIT auch keine seriöse Quelle, weil links-grün versifft und weil die sowieso alle SPD, Grüne und Linke wählen.

          • PseudoPolitiker

            Haben Sie sich mal “die Anzahl an Straftaten angeschaut”, die gegen die Polizei, weitere unliebsame Personen, Autos usw. verübt wurden?
            Wo war eigentlich diese Woche Ihre Empörung, als auf AFD-Anhänger scharf geschossen wurde? Wo waren die großen Medien? Dazu gab es auch Herr Maas keine Stellungnahme ab, der bei dieser dubiosen Handgranate, die ein Wachmann ganz zufällig gefunden und die keinen Schaden angerichtet hat, mal wieder außer sich ist vor Empörung auf die bösen Rechten.
            Sie können doch den Leuten nicht verbieten, 1 und 1 zusammenzuzählen und Ihren Verstand eigenständig zu benutzen.
            Wenn Sie ihn ausschalten, ist das Ihre freie Entscheidung, aber versuchen Sie nicht, mir und anderen mit Ihrer linken Scheinmoral das eigene Denken zu verbieten.

          • Dude, relativieren Sie doch nicht Anschläge auf Flüchtlinge und ihre Ünterkünfte! Habe ich gesagt, das ich die Schüsse auf die AfD-Anhänger richtig und gut fand? Das ist genauso Scheisse und verurteilenswürdig!

            GENAUSO SCHEISSE UND VERURTEILENSWÜRDIG!
            Bitte zitieren Sie mich in Zukunft gern!

            Hören Sie doch bitte auf, Gewalt gegen Gewalt aufzurechnen!

            Ich finde beides Kacke und rechtfertige keines von beiden.
            Sie tun Letzteres sehr wohl. Und das macht mir Sorgen!

            Außerdem verbiete ich niemandem das eigene Denken und lege hier keine linke Scheinmoral an den Tag, interveniere aber sehr wohl, wenn ich solche Posts lesen muss, die meines Erachtens leider nicht auf sonderlich gutes Denken schließen lassen und deshalb m. E. eines kräftigen Zwischenrufs bedürfen, damit sie nicht unkommentiert stehen bleiben.

            Ich befürchte nämlich, dass Sie noch alles relativierend von linken false flag Aktionen reden würden, wenn wir ähnlich gutes Nazigeschreivideomaterial wie von Rostock-Lichtenhagen hätten, weil sie sicher auch an die bezahlten Demotouristen des Antifa e. V. glauben.

            https://www.youtube.com/watch?v=4gboC2bsv8w

            Sorry, die aber diese erbärmliche Diskussion ist für mich beendet.
            Bei so nem Mumpitz verliere ich wirklich die Contenance.

          • “rechtfertigen” war das falsche Wort. “Aufrechnen” und “verharmlosen” trifft es stattdessen.

          • Apropos: Die ganzen Frauenrechtler, Familienverteidiger und Kinderschützer aus der Union haben gestern ja mal wieder ganze Arbeit geleistet.

            Und die Umfaller-Sozen machen fleißig mit.
            Heuchelei wohin man schaut.

            Aber Frauen sind nur Frauen wenn sie deutsche Frauen sind. Gleiches gilt für Familien. Und Ausländerkinder sind halt Ausländerkinder, keine Kinder.

            http://www.spiegel.de/video/ann-katrin-mueller-ueber-frauen-schutz-in-fluechtlingsheimen-video-1645815.html

      • Milchmann, wo Anna Recht hat, hat sie Recht.

        Ihr Charakterisierung ist ein immer wieder gern genutztes “Gutmenschen”-Klischee. Man schaut (bewusst oder unbewusst) gerne ungenau hin, zieht sich seine Anregungen von AfD und PEGIDA und weitet die Äußerungen von idealistischen, aber manchmal auch unreflektierten Teenies pauschalsierend aus, um eine schnell verfügbare, für die eigene Peergroup leicht verständliche, Schenkelklopfer heischende Pseudopointe setzen zu können.

        Wenn Menschen Rassismus kritisieren, haben sie meistens auch positiven Rassismus (also die Positivüberhöhung von Nicht-Weißen) auf dem Schirm, weil das zu einer der grundlegenden Denkbewegungen in der Reflektion auf Rassismus gehört.

        Vertrauen Sie mir in dieser Hinsicht, ich kenne mich in der Szene aus. Und ich werde jetzt auch keine Quellenverweise angeben, denn das gereicht einem hier ja eher zum Nachteil.

        Als kleiner, hoch aktueller Lesetipp noch zum Thema:

        http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rassismus-in-deutschland-wir-wehren-uns-gegen-rechts-kommentar-a-1074581.html

        “Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, als Kind von Einwanderern, nicht von Flüchtlingen. Die Achtzigerjahre habe ich als bedrückende Zeit in Erinnerung, weil meine Familie mehrfach abgeschoben werden sollte. Wir wehrten uns dagegen juristisch. Einmal begründete ein Gericht unsere bevorstehende Abschiebung mit dem Beruf meines Vaters (er war Kapitän) mit den Worten: “Er ist Seemann. Die Heimat eines Seemannes ist das Meer.” Meine Mutter habe sich “mit Eheschließung die berufstypisch notwendige überwiegende Trennung von ihrem Ehemann selbst zugemutet”, und diese “Lebensverhältnisse” träfen meine Eltern nicht nur in Deutschland, sondern auch anderswo. Also könne man uns genauso gut auch rauswerfen.

        Meine Frau, weiß und blond, erlebte rassistische Anfeindungen erstmals auf einer gemeinsamen Reise nach München. Wir standen da offensichtlich einem eiligen Menschen auf der Maximilianstraße im Weg. Er trat mir in die Hacken und sagte: “Mach Platz, Kanake!” Später erlebte sie, wie eine ganze Reihe von Menschen auf Rügen in einen Bus stieg – und der Busfahrer just in dem Moment die Tür schloss, als ich einsteigen wollte, und losfuhr. Ich könnte Dutzende solcher Vorfälle aufzählen, die ich zwar verkraften, aber nie vergessen kann.

        Man muss versuchen, damit irgendwie umzugehen. In den Neunzigerjahren wurde mir in manchen Klubs gelegentlich der Zutritt verwehrt, während meine – weißen – Freunde keine Probleme hatten. Bei einem besonders schicken Laden in Hamburg, der mich auffällig oft abgewiesen hatte, meldete mich ein Freund deshalb als “arabischen Scheich” an. Ich trat entsprechend gekleidet auf, ein paar Freunde spielten Bodyguards, und schon wurde ich nicht nur reingelassen, sondern gleich in einen mir bis dahin unbekannten VIP-Bereich geführt. Natürlich war ich bald umringt von Schönheiten, und es fiel mir schwer, die Scheich-Rolle durchzuhalten. Meine Freunde verschwanden irgendwann lachend in der Menge, und ich tat so, als verstünde ich weder Deutsch noch Englisch. Den Frauen machte das nichts aus. Es floss Champagner in Strömen. Ich lud sie alle ein. Irgendwann ging ich. Ohne zu bezahlen. Das war meine kleine Rache.”

        • PseudoPolitiker

          Oh, nein, werter Georg. Ihre Vita mag glauben, wer will. Sie scheint mir relativ plump zusammengebastelt aus verschiedenen Erlebnissen anderer Personen und zusätzlich etwas Fantasie.
          Dem kann aber abgeholfen werden, indem Sie Ihre Identität preisgeben und Ihre Person nachprüfbar machen.
          Und sagen Sie jetzt bitte nicht, davor hätten Sie Angst, weil es ja so viel Rechtsradikalität in Deutschland gäbe.
          Und zum Schluss: Wo Anna Unrecht hat, da hat sie Unrecht.

          • Sorry, Pseudopolitiker, was wollen Sie von mir? Soll ich hier meinen Namen und meine Adresse hinschreiben? Soll ich Ihnen meinen Lebenslauf schicken? Wollen Sie mich interviewen kommen und ich zeigen Ihnen mal meine Welt? Haben Sie das hier schon mal andere gefragt, um den Wahrheitsgehalt von deren Äußerungen nachzuprüfen? Habe ich das von Ihnen verlangt?

            Wenn man nur einen sehr begrenzten Blick auf die Welt hat, kann man sich nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die anders leben und anderes erlebt haben als man selbst. Und dementsprechend auch eine andere Meinung zu Themen haben, die dann natürlich nur als Lug und Trug, Unwahrheit und Falschbehauptung intepretiert werden kann. Aber Sie befinden sich damit ja hier in guter Gesellschaft, da ists wenigstens schon kuschleig.

            Und ja, genau, ich würde meine Daten hier nicht veröffentlichen, weil es genug Arschlöcher gibt, die sich Andersdenkende gezielt vorknöpfen. Die Bedrohungen und Überfälle auf Menschen aus der Demokratie- und Antinaziarbeit sind alltäglich und real, vor allem hier im Osten.

            Aber das geht an Ihnen sicher auch vorbei – oder wird im Verschwöhrungswahn konsequent als linke Inszenierung fantasiert.

          • “weil es genug Arschlöcher gibt, die sich Andersdenkende gezielt vorknöpfen.”
            Schon mal in Erwägung gezogen, vielleicht selbst solch ein Arschloch zu sein, nur von der Gegenseite?

          • Das musste ja kommen.

            Ich hab hier noch niemanden tätlich angegriffen, Gewalt angedroht, das Auto angesteckt, die Reifen zerstochen, die Scheiben eingeschmissen, Drohanrufe und Morddrohungen getätigt oder versucht gezielt einzuschüchtern.

            Aber gut, ich merke schon, wohin die Reise gehen soll.

          • Nein, das haben Sie alles nicht. Das wollte ich auch nicht sagen, obwohl sich meine Worte tatsächlich so anhören.
            Vielleicht sind wir beide gutes Beispiel dafür, wie sich die Fronten zunehmend aufschaukeln und aggressiv werden, wenn nicht mehr zur Sache diskutiert wird, sondern auf Moral und persönliche Angriffe umgestiegen wird, um Recht zu bekommen.
            Zur Versachlichung und als Friedensangebot verweise ich Sie auf dieses Interview mit dem Migrationsforscher Paul Collier:

            Daraus eine Schlüsselbemerkung: „Europa führt die völlig falsche Debatte. Die Europäische Union ist nicht zuständig für die Aufnahme der Flüchtlinge. Sie ist aber sehr wohl zuständig dafür, ihre eigenen Grenzen zu sichern, entweder gemeinschaftlich oder, wenn das nicht geht, dann eben jeder Einzelstaat für sich. Ich verstehe nicht, warum darüber überhaupt debattiert wird:“

            http://www.welt.de/wirtschaft/article151603912/Ist-Merkel-schuld-an-Fluechtlingskrise-Wer-sonst.html

  50. Klar, Unmenschlichkeit lässt sich auch philosophisch verbrämen. Bezeichnend, dass Sie sich mit Ihrer Kritik an einer humanitären Flüchtlingspolitik auf Gehlen berufen: “Im Nationalsozialismus war er nicht nur Mitläufer. Er profitierte vielmehr auch von der Entlassung von Professoren aus rassistischen und politischen Gründen.” (Wikipedia)

    Ich hätte da noch Sprengler (“Untergang des Abendlandes”), Heidegger oder Schmidt anzubieten.

    • Wikipedia gilt allgemein als zuverlässig und gut, wenn es um technische oder naturwissenschaftliche Auskünfte geht, wo keiner ein Interesse daran hat, etwas Falsches zu verbreiten. Es würde auch schnell auffliegen.
      Auf geisteswissenschaftlichem Gebiet und bei Urteilen über Personen sieht das anders aus. Besonders die Historiker üben recht scharfe Kritik an wikipedia. Dazu können Sie etliche Artikel finden unter „kritik an wikipedia“ oder ähnlichen Suchbegriffen.

      Für Sie könnte ein Artikel interessant sein von jemandem, der eines Tages völlig überraschend bei wikipedia als „rechts“ bezeichnet wurde. Offensichtlich gab es aus der Menge der Zulieferer einige, die dem Mann aus ans Leder wollten.
      http://www.clauswolfschlag.gmxhome.de/wikipedia.kritik.htm

      Es ist also nicht immer ratsam, sich auf wikipedia zu berufen.

      • Ich kann in diesem Fall, man höre und staune, Wikipedia empfehlen, die mit zahlreichen Zitaten und Verweisen auf Autoren aufwarten, die nun wirklich alles andere als verdächtig sind, “links” – und deshalb natürlich parteiisch und analytisch vollkommen abwägig – zu sein. (Armin Pfahl-Traughber, Eckhard Jesse, Tim Peters, Bettina Blank – alle beim VS bzw. aus dem Umfeld der Chemnitzer “Wir machen alles gleich” Politikwissenschaft)

        https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Wolfschlag

        “Der Politikwissenschaftler und Soziologe Armin Pfahl-Traughber (1998), seinerzeit Referatsleiter in der Abteilung für Rechtsextremismus im Bundesamt für Verfassungsschutz, kritisierte Wolfschlags Buch Hitlers rechte Gegner. Wolfschlag, so Pfahl-Traughber, schöpfe sein Wissen „in der Regel aus zweiter Hand“ und übernehme „Informationen aus ein paar Werken der Sekundärliteratur, ohne häufig die Primärliteratur der Porträtierten im Original zur Kenntnis genommen zu haben“. Das Buch beabsichtige „mit relativ offen erkennbarer politisch motivierter Absicht, mit der Betonung auf die Distanz der vorgestellten Gruppen und Strömungen zur Hitlerschen NSDAP, diese moralisch von der Schuld intellektueller Wegbereitung und ideologischer Gemeinsamkeiten zu entlasten.“[12]

        Thomas Pfeiffer (2000), Sozialwissenschaftler, kritisierte in seiner Dissertation, dass Wolfschlag die „NS-Beteiligung“ des der Konservativen Revolution nahestehenden Malers Fidus in einem Jahrbuchsbeitrag nur „entschuldigend“ andeute.[13]

        In einem in der Jungen Freiheit erschienenen Beitrag (Der Feind im eigenen Land) schüre Wolfschlag „das Bild von den Linken als ‚Vaterlandsverräter‘“. Es werden darüber hinaus „xenophobe Ressentiments für legitim erklärt“, so der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler (2002) von der Universität zu Köln; heute am Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus tätig.[14]

        Nach dem Politikwissenschaftler Stefan Kubon (2006), der Artikel in der Jungen Freiheit untersuchte, begegne Wolfschlag anscheinend „neuheidnischen Strömungen […] sehr wohlwollend“.[15] Außerdem entwickle Wolfschlag an anderer Stelle ein „regelrechtes Schreckensszenario, wenn er die Zuwanderung von Ausländern nach Deutschland thematisiert“, so Kubon (2012).[16]
        Dissertation

        Eine Rezension von Wolfschlags Studie Das antifaschistische Milieu. Vom schwarzen Block zur Lichterkette in der Zeitschrift für Politikwissenschaft (Walter Rösch, 2003) stellte fest: „Überall wittert er linke Repression, wo Wissenschaftler oder Publizisten rechte Agitation beim Namen nennen. Der Nachweis besteht jedoch oft nur aus kurzen Satzfragmenten in Form einer Auflistung. Die Zielrichtung des Autors scheint von vornherein der Versuch zu sein, Vertreter des rechten Spektrums zu Opfern zu stilisieren und diejenigen, die sich mit Rechtsextremismus beschäftigen, als Vertreter eines aus seiner Sicht illiberalen Meinungskartells zu brandmarken.“[17]

        Der Extremismusforscher Eckhard Jesse, Ordinarius an der TU Chemnitz, konstatierte bereits 2002 in einem Sammelband für die Konrad-Adenauer-Stiftung: vor einem „Verständnis, das den Antifaschismus verklärt, muss ebenso gewarnt werden wie vor dem entgegengesetzten Anliegen, das diesen dämonisiert. Wer wie Claus-M. Wolfschlag den Begriff des ‚antifaschistischen Milieus‘ weit ausdehnt und den Eindruck erweckt, als würden staatlicherseits Repressionen gegen Gegner des ‚Antifaschismus‘ unternommen, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er selbst keine klare Abgrenzung von rechtsextremistischen Strömungen vornimmt.“[18]

        Der Chemnitzer Politikwissenschaftler Tim Peters kritisierte 2006 Wolfschlags Buch: „Der beeindruckende Materialreichtum wird relativiert durch eine unübersichtliche Gliederung, ein fehlendes intersubjektiv nachvollziehbares Analyseraster sowie die starke Parteilichkeit des Autors, der sich relativ vorbehaltlos mit denen solidarisiert, die er als Opfer der ‚antifaschistischen Repression‘ sieht und die er als ‚Rechtsgerichtete‘ oder ‚Differenzialisten‘ bezeichnet. Die Distanzierung vom allgemein anerkannten Begriff des Rechtsextremismus und dessen durchgehende Verwendung nur in Anführungszeichen, weil es für diesen Begriff keine klare Definition gebe und er ‚willkürlich als Mittel der Denunziation eingesetzt‘ werde, verstärken Zweifel an der wissenschaftlichen Seriosität der Arbeit.“[19]

        Die Osnabrücker Soziologin Bärbel Meurer (2006) notierte zu Das antifaschistische Milieu: „rechtsextremistische Popagandaschrift“.[20]

        Bettina Blank (2014), die politikwissenschaftlich zur Antifa arbeitet und Mitarbeiterin beim Verfassungsschutz Baden-Württemberg ist, hält Wolfschlag vor, dass dessen Dissertation „in ihrer politischen Einseitigkeit dem Thema nicht gerecht“ werde. Die Arbeit operiere „auf der Basis von Ausgangsthesen, mit denen der Autor selbst ein fragwürdiges Verhältnis zu Politik und Gesellschaft der Bundesrepublik offenbart.“ Unter eher linken Publizisten werde das Werk der „Akademische[n] Anti-Antifa“ zugeordnet.[21]”

        • Interessanterweise stösst man auch hier mal wieder auf die bei einigen hier ja so verehrte JUNGE FREIHEIT und ihre Konnex zur “Konservativen Revolution”, einer Gruppe von rechten Intellektuellen aus den 20ern, die die Volksgemeinschaft haben hochleben lassen und die Demokratie und ihre Werte verdammten.

  51. Milch der frommen Denkungsart

    @Anna:

    Daß derjenige, der mit Dreck um sich wirft, nicht nur an Boden verliert, sondern auch selbst nicht sauber bleibt, haben Sie mit Ihrem jüngsten Griff in die Verballatrine nachdrücklich vorgeführt.
    Desweiteren stelle ich mit Erstaunen fest, daß derartige termini wie “Lügenpropaganda” oder verwandte Be- grifflichkeiten, die bislang von Ihresgleichen genüßlich als Kampfparolen eines volksverhetzenden Nazismus gegeißelt wurden, offenbar nun plötzlich gleichfalls in Ihrem Wortschatz salonfähig geworden sind.

    @Bernd:

    Ihr pharisäischer Universalhumanismus – Sie zücken also, wie ich annehmen muß, für jeden Obdachlosen in der Fußgängerzone Ihr Portemonnaie ?! – hält bemerkenswert Schritt mit Ihrem wohl aus Wikipedia extra- hierten philosophischen Halbwissen; “Sprengler” hieß in Wahrheit (Oswald) “Spengler” wie sich hinter “Schmidt” tatsächlich (Carl) “Schmitt” verbirgt – aber das ist, um ihr Lieblingsadjektiv zu gebrauchen, ja nur alberne Bildungsbeckmesserei.
    Daß man zudem freilich zwischen Biographie und Werk trennen muß (obwohl die zitierten Herren vor den Herausforderungen ihrer nationalsozialistischen Umwelt zweifellos versagt haben), lernt man eigentlich be- reits im historischen Anfängerseminar.

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